Ausgabe 
11.7.1940
 
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Wettere Dokumente zu -en Kriegsausweitungsplänen

Englands Gchuldkonto wächst

diese dem

lienische Bombenflugzeuge mit Erfolg kriegswichtige Anlagen auf Malta angegriffen haben. Es wird weiter in London mitgeteilt, daß auf Malt« bisher über 80 Personen getötet und mehr als 120 ver­wundet worden seien. Die einheimische Bevölkerung wird von den englischen Behörden nach wie vor dazu herangezogen, bombensichere Keller zu bauen. Seit kurzem wird sie sogar in der Küstenverteidi-

\ und Luftabwehr ausgebildet.

die in der svwjetrufsischen Handelsvertretung in Paris vorgenommen wurden, ist von Herrn Sara- coglu sehr bemerkt worden; dieser wurde in gleicher Weise durch den Ton der antirussischen Aeuherungen beeindruckt, welche die Agenturen Präsident Roose­velt in den Mund legen.

Im Publikum, insbesondere in militärischen Krei­en, aber nicht in diesen allein, spricht man immer mehr von den Muselmanen des Kaukasus und von Baku.

Ich habe in meinem Telegramm Nr. 34 (Euro­pa) vom 26. Januar darauf hingewiesen, daß diese Wiederauffrischung panturanischer Ideen in den Re- gierungskreisen noch nicht- sehr viel Widerhall fin­det; nichtsdestoweniger können diese Ideen in dem Maße an Boden gewinnen, in dem man die rus­sische Schwäche weiter festzustellen glaubt. Sie wer­den sich um so leichter durchsetzen, je besser ihre Verfechter verstehen werden, ihre Argumente nach dem Gesprächspartner, mit dem sie es jeweils zu tun haben, auszuwählen, so daß sie einmal von Panturanismus" undRassenverbrüderung", ein anderes Mal vonPetroleum" sprechen. Man sollte

Lagekarte zu der Seeschlacht an der Südküste Italiens. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Route des Gegners. Auf diese Weise hatte man die Bestätigung, daß die feindlichen Kräfte westwärts vorrückten mit dem offensichtlichen Ziel, den An­griff zu Luft und zu Wasser an die italienischen Küsten heranzutragen.

Vom Abend des 8. bis zum Nachmittag des 9. fehlten infolge der schlechten Sichtverhättnisse wei­tere Nachrichten. Inzwischen hatten unsere Seestreit- träfte im Jonischen Meer Aufstellung genommen. Während sie sich an der Punta Sttla (Kalabrien) sammelten, waren sie einem Angriff feindlicher Flug­zeuge ausgesetzt, der jedoch völlig vereitelt wurde. Von den neun angreifenden ,?lugzeugen wurden fünf von der Flatabwehr der italienischen Schiffe a b g e s ch o s s e n. Mit geschickten und schnellen Manövern wichen die Schiffe den Bomben aus.

Kurz nach dem Angriff der Flugzeuge wurde in weiter Entfernung das Gros der feindlichen Stteit- kräfte gesichtet. Eine Gruppe italienischer Kreuzer eröffnete sofort das Feuer gegen die Spitze der feindlichen Formattonen, und kurz dar­auf traten auch die schweren Kaliber der Schlacht­schiffe in Tätigkeit. Die SchlachtschiffeE e s a r e" undCavour" (mit einer Wasserverdrängung

die Möglichkeit nicht mehr ausschließen, daß wir Saite anschlagen könnten an dem Tage, an wir hieran Interesse hätten. Massigli.

von 23 600 Tonnen und je zehn 32-Zentimeter-Ge- ( schützen) sahen sich den drei Schlachtschiffen vom Typ 9un9 Barham" gegenüber, die eine Wasserverdrängung!

Das Seegefecht im Ionischen Meer

Eindeutige Uebertegenheit der italienischen Streitkräste.

den auf die Schiffe abgeworfen, die jedoch nicht gettoffen haben.

Die britische Regierung hat ihr Bedauern über die Bombardierung zum Ausdruck gebracht und er. klärt, daß diese auf einemMißverständnis" beruhte. -(!) Es sei ausdrücklick Befehl gegeben worden, die Heimfahrt der Schiffe nicht zu stören.

Die amtliche schwedische Mitteilung hat naturge­mäß in der gesamten schwedischen Oesfentlichkeit ungeheures Aufsehen hervorgerufen. Allgemein ist die Empörung über das piratenhafte Der- halten der Engländer. Da zweifellos die englischen Behörden ebenso wie die deutschen Ma- rinebehörden genau über die Fahrt der schwedischen Kriegsschiffe unterrichtet waren, wiegen die Zwi- schenfälle nur um so schwerer. Die englischen Be­hörden fönnen sich nicht mit irgend einemVer­sehen" untergeordneter Dienststellen entschuldigen.

Der Ueberfall

auf das Schlachtschiff .Hichetteu-.

Genf, 10. Juli. (DNB) Würdig reiht sich ein Verbrechen Englands an das andere. Nach dem niederträchtigen Piratenstteich von Dran, wo bri­tische Seestreitkräfte die dort vor Anker liegenden, der Demobilisation entgegengehenden französischen Flotteneinheiten heimtückisch überfielen und zum Teil in Trümmer schossen, hat jetzt der Seeräuber Churchill zu einem neuen Schlage gegen seinen ehe­maligen Verbündeten ausgeholt: Brttische Seestreite

Rom, 10. Juli. (DNB.) Ein Berichterstatter der Agenzia Stefam" meldet über die Seeschlacht in der Nähe von Kreta Einzelheiten:

Am Nachmittag des 8. Juli sichteten italienische Aufklärungsflugzeuge im Süden von Kreta eng­lische Seestreitkräfte mit Fahrt in westlicher Rich­tung, die in drei Gruppen vorgingen. Diese feindlichen Streitkräfte umfaßten drei Schlacht­schiffe vom TypBarham", einen Flugzeugträger, einige Kreuzer und zahlreiche Torpedvbootszerstörer. Eines unserer U-Boote griff eine der Gruppen an, versenkte einen Torpedobootszerstörer und erstattete anschließend Meldung über Geschwindigkeit und

Llebergriffe gegen schwedische Kriegsschiffe.

Stockholm, 10. Juli. (DNB.) Die Gerüchte über Uebergriffe der englischen Flotte gegen die vier Torpedojäger, die Schweden in Italien gekauft hat, unt) ihre BegleitschiffePatrioia" undCaftor" be« stättgen sich tm vollen Umfange. Die englische Ma­rine hat es gewagt, die unter schwedischer Kriegs­flagge fahrenden Schiffe bei den Färöern zub e - s ch l a g n a h m e n".

Gleichzeitig wird amtlich festgestellt, daß die deut­schen Marinebehörden die Fahrt der schwedischen Torpedojäger nach Schweden auf verschiedene Weise erleichtert haben, u. a. durch An­weisung eines Weges durch die Minensperren.

Das staatliche Informationsbüro gibt über diese Vorfälle nach Ankunft der Torpedojäger und ihrer Begleitschiffe in schwedischen Hoheitsgewässern eine amtliche Mitteilung, der zu entnehmen ist, daß eine starke brittsche Flottenabteilung die schwedischen Jäger bei den Färöern am 20. Juni beschlagnahmte. Die nicht voll kampffähig ausgerüsteten Jäger wider­setzten sich nicht mit Waffengewalt. Nachdem die schwedische Regierung bei der britischen einen scharfen Protest abgegeben hatte, wurden die Jäger freigelassen.

Am 8. Juli morgens hat dann ein britisches Flugzeug vor der norwegischen Küste yi-r Bom-

-Denn Frankreich und Großbritannien fort­fahren, im Nahen Osten eine Politik der Ent­haltung zu führen, so werden sie außerstande fein, ihren Verpflichtungen gegenüber denjeni­gen Nationen nachzukommen, denen sie ihre Garantte gegeben haben. Sie werden mit an­sehen müssen, wie der Valkanblock, der eine Macht von 90 Divisionen darstellt, Stein auf Stein auseinanderfällt. Sie sehen sich dem Wagnis aus, die Möglichkeit der Schaffung einer neuen Verteidigungsfront zu verlieren, die voraussichtlich für Deutschland eine sichere Auf- reibung bedeutet und vielleicht Ausgangspunkt für entscheidende Akttonen sein wird.

Hieraus folgt der Vorteil, den eine alliierte Intervention auf dem Balkan bietet, allerdings unter der ganz wesentlichen Bedingung, daß die Unternehmung ohne jedes Zögern und mit allen erforderlichen Mitteln durchaeführt wird.

Dom Standpunkt der allgemeinen Kriegführung aus ergeben sich aus der Passivität lediglich Schä­den moralischer und materieller Natur, aus der Aktion aver alle Vorteile."

(gez.) Weygand. Dokument Nr. 22.

Telegramm des französischen Botschafters in An­kara Massigli an Dalad ter vom 12. Februar 1940. Massigli interessiert sich für die alltürkische Idee im Kaukasus und sieht hierin ein Mittel, um die türkisch-russischen Beziehungen zu stören.

Telegramm.

Ankara, den 12. Februar 1940.

Eingegangen durch Kurier am 16. um 19 Uhr. Nr. 291.

Vertraulich.

Die fortschreitende Spannung, die sich in den Be­ziehungen zwischen der Sowjetunion und den West­mächten offenbart, wird hier mit größter Aufmerk­samkeit verfolgt. Das Fehlen jeder ernsthaften Re­aktion von russischer Seite auf die Durchsuchungen,

von 31000 Tonnen haben und mit je acht Ge­schützen von 38 Zentimeter Kaliber bestückt sind. Der Kampf zwischen den Schlachtkreuzern dauerte etwa eine Viertelstunde, wobei die Hal­tung unserer Schiffe geradezu vorbildlich war. Das Feuer der italienischen Schiffe war außerordentlich schnell und gut geleitet. Man sah, wie ein englisches Schlachtschiff sich auf die Backbordseite legte und das Feuer einstellte.

Zur gleichen Zeit entspann sich ein scharfer Kampf zwischen den 10 000-Tonnen-Kreuzern und den Linienschiffen und Kreuzern des Feindes. Im Höhe­punkt der Schlacht griffen unsere Torpedobootszer­störer ein, die durch dichte Rauchwolken, unter dem Feuer der gegnerischen Einheiten, sich mit groß­artigem Schneid dem Gegner zum Torpedoabschuß entgegenwarfen. Der Torpedobootsabteilung Fre- ccia gelang es dabei, ein feindliches Schiff zu torpedieren und während feindliche Torpedobootszerstörer zum Gegenstoß vorgingen drei Bombenflugzeuge abzuschießen, die vergeblich versuchten, den Angriff gegen die englische Formation zum Stehen zu bringen.

In der Luft griffen dann die italienischen und englischen Bomber über dem Kampfplatz in das Ge­fecht ein. Die italienischen Flugzeuge belegten wie­derholt die gegnerischen Streitkräfte mit Bomben und trugen durch ihr schneidiges Eingreifen mit zum Erfolg bei.

Nach der ersten Viertelstunde zeigte der Gegner wenig Neigung mehr, die Schlacht fortzusetzen. Von Granaten, Torpedos und Bomben getroffen, hielt er es offenbar nicht für ratsam, sich weiteren gro­ßen Risiken auszusetzen. Inzwischen war auch die Nacht Here in gebrochen. Die Engländer entfernten sich in südöstlicher Richtung und verzichteten damit auf den beabsichtigten Angriff gegen die italienische Küste, während die eigenen Schiffe zu ihren Stütz­punkten zurückkehrten.

Bisher 11 italienische Bombenangriffe auf Malta.

Stockholm, 11. Juli. (Europapreß.) Die Be­völkerung von Malta hat, wie nun laut englischem Rundfunk in England zugegeben wird, seit Aus­bruch der italienisch-englischen Feindseligkeiten fast jeden Tag einen oder mehrere Bom­benangriffe erlebt. Die Zahl der italienischen Luftaktionen gegen diesen englischen Mittelmeer­stützpunkt wird jetzt mit 7 1 angegeben, nachdem int Laufe des Mittwochvormittag verschiedene ita-

B e r I i n, 10. Juli. (DNB.) Aus dem demnächst erscheinenden vom Auswärtigen Amt herausgegebe- nen 6. Weißbuch veröffentlichen wir heute folgende Dokumente:

Dokument Nr. 21.

Bericht des Generals Weygand an den französischen Ministerpräsidenten Daladier vom 9. Dezember 1939. Der Balkan als Abnutzungsftont für Deutschland und Reservoir von Hilfstruppen für die Alliierten.

Weygand drängt auf schnelle Aktion.

Eine Jnterventton der Alliierten ist unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten, unter dem politischen und dem militärischen.

1. Frankreich und England haben Griechenland und Rumänien ihre Garantie gegeben. Sie haben mit der Türkei einen Beistands vertrag und em Militärabkommen unterzeichnet. Ein deutscher An­griff auf dem Balkan würde sie zum Eingreifen notigen.

2. Deutschland kann sich wahrscheinlich sehr schnell veranlaßt sehen, aus dem Balkan die Initiative zu ergreifen, und zwar wegen der Notwendigkeit, Del und andere Erzeugnisse zu beziehen, an denen es ihm fehtt, sowie auch um einen militärischen Er­folg zu erzielen, denn das Prestige des Regimes verlangt einen solchen Erfolg, da ihm die Behaup­tung der russischen Vorherrschaft im Nordosten von Europa und außerdem der Umstand abttäglich ist, daß es für den Augenblick zur Ohnmacht ver­urteilt ist.

3. Deutschland und die Westmächte stehen sich aus einem Schlachtfeld von begrenzter Ausdehnung gegenüber, das auf bellten Seiten mit guten Trup­pen dicht beseht ist, deren Abwehrkraft aufs höchste gesteigert wird durch die machtvolle Organisation, auf die sie sich stützen. Diese Westftont bietet für sich allein, wenn sie nicht durch irgendein anderwei­tiges Unternehmen erweitert wird, wenig Aussichten auf entscheidende Manöver oder Aktionen. Und doch ist zur Erreichung der Kriegs- ziele der Alliierten ein voller, un­streitiger militärischer Sieg nötig.

Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge kann in Europa nur der Balkan-Kriegsschauplatz die Möglichkeit günstiger Ereignisse bieten, sei es durch die Zermürbung, die die Eröffnung einer neuen Front für den Gegner bedeuten würde, sei es durch einen erfolgreichen Umgehungsangriff auf feine lebenswichtigen Produkte.

4. So kann es fein, daß ein (Eingreifen der Destmächle auf dem Balkan sich auf kurze Sicht als unumgänglich nötig erweist. And anderseits kann ein solches (Eingreifen ein bedeutender Erfolgsfaktor fein, wenn es rechtzeitig und kraftvoll vorbereitet und unternommen wird. Wir können alfo, indem wir die Verteidigung nuferer Verbündeten auf dem Balkan ficher- fiellen und Deutschland den Weg zum Mtlel- meer und zum Schwarzen Meer sperren, da­mit zugleich unserer Strategie neue Aussichten eröffnen.

5. Wegen der bedeutenden Fristen, die zur Vor­bereitung und Durchführung einer militärischen Intervention der Alliierten auf dem Balkan erfor­derlich sind, stellt sich eine solche Intervention ganz verschieden dar, je nachdem ob es eine vorbeugende Maßnahme darstellt oder nur einen Gegenschlag aegen eine Offensive des Gegners. Im letzteren Falle ist es unausbleiblich, daß die Intervention nachhinkt, daß man uns zuvorkommt, und daß wir außerstande sind, unsere Verpflichtungen gegenüber Rumänien und Griechenland zu erfüllen, und daß wir Deuffchland am Schwarzen Meer und am Aegäischen Meer auftauchen sehen. Gehen wir dagegen unsererseits mit der Intervention voran, so bringen wir damit zwei entscheidende Faktoren auf unsere Seite: Die Zeit und die Ini­tiative.

Das sind die entscheidenden Faktoren zu dem Entschluß ebner Intervention auf dem Balkan.

Es wäre aber verhängnisvoll zu glauben, daß mit dem Entschluß zu dem Unternehmen die Frage bereits «löst sei. Im Gegenteil, dann beginnt eine Zeit intensiver diplomatischer und militärischer Tätigkeit. Wir treten dann in das Stadium der Durchführung, und die Dualität dieser Durchführung ist allein ausschlag­gebend für den Erfolg.

Es ist deshalb zu prüfen, wie sich die politische und militärische Durchführung dieser Intervention darstellt.

Es folgen nun eingehende Ausführungen Wey- aands über die diplomatische und militärrsche Vor­bereitung der Aktion. Die Aufzeichnung schließt dann mit den Worten:

Der Anschlag auf Baku.

Dokument Nr. 23.

Telegramm des französischen Botschafters in An­kara, Massigli, an Daladier vom 1. April 1940. Massigli und sein englischer Kollege beraten über den Luftangriff auf die russischen Oel selber. Mas­sigli befürwortet erneut, die Aktion über den Kopf der Türken hinweg durchzusühren.

Telegramm.

Ankara, den 1. April 1940.

Cingegangen durch Kurier am 6. Mai um 12 Uhr.

Nr. 680. Streng geheim!

Der englische Botschafter wurde vom Foreign Office am 26. März gebeten, seine Ansicht über die vermutliche Haltung der türkischen Regierung im Falle eines interalliierten Angriffs auf Baku mit» zuteiten.

In Abwesenheit von Sir Hughes Knatchbull- H u g e f f e n, der damals auf Urlaub war, antwor­tete der Geschäftsträger am 27. März durch eine Mitteilung, die sich folgendermaßen zusammenfassen läßt:

1. Die Haltung der türkischen Regierung hat in­sofern einen Fortschritt aemacht, als die Regierung die Möglichkeit eines Defensivkrieges gegen Sowjet­rußland ins Auge faßt, aber noch nicht be­reit ist, mit den Alliierten die Vorbe­reitungen einer Offensive zu befpre- chen.

2. Die Türkei würde über einen Kriegs plan gegen Rußland nicht verhandeln, bevor sie sich mit den Alliierten über die glichkei t eines Krieges gegen Italien geeinigt hätte.

3. Die Türkei wird in einen Krieg gegen Ruß­land vor Sommerende nicht cintreten können und dann auch nur unter der Bedingung, daß sie w e i test gehende Hilfe von den A liierten erhält.

4. Es fft daher vorauszusehen, daß die Türkei eine Teilnahme an einer bevorstehenden Offensivaktion der Alliierten gegen Baku a b l e h n e n würde und sich energisch einer solchen Aktion entgegenstelten würde, wenn sie die Benutzung türkffchen Hoheits- aebietes mit sich brächte. Es ist anzunehmen, daß sie sogar die etwaigen Rückwirkungen eines Angriffes, bet dem ihr Hoheitsgebiet nicht benutzt würde, be­fürchtet.

Wenn einmal ihre Vorbereitungen beendet sind und die Pläne bezüglich Italiens mit den Alliierten, in Einklang gebracht sind, würde die Türkei nicht ohne Vergnügen an einem interalli­ierten Angriff gegen Baku über ira­nisches Hoheitsgebiet teilnehmen und sich dafür nicht lange bitten lassen. Es wäre jedoch notwendig, die türkffche Regierung zu befragen und ihr Einverständnis vor dem Beginn eines Angriffes zu erwirken, der die Ueberftiegung der Türkei mit sich brächte.

Eure Exzellenz können feftftellen, daß die bri- tischen Ansichten in weitem Maße mit denen meines Telegramms Nr. 661 übereinstimmen.

Die int §3 dargelegte Ansicht über den Zeitpunkt, zu dem die Türkei bereit wäre, in den Krieg zu treten, wird von meinem Militärattache als pessi­mistisch angesehen.

Anderseits verbleibe ich im Gegensatz zu der An­sicht meines Kollegen und wegen der in meinen Mitteilungen präzisierten Gründen bei der Ansicht, daß es ein taktischer Fehler wäre, ausdrücklich um die Zustimmung der Regierung von Ankara für eine Operation zu bitten, die die Ueberftiegung eines winzigen Teiles ihres Landes mit sich bringt. Es müßte genügen, wenn die türkische Regierung halbamtlich davon in Kenntnis gesetzt wird.

Massigli.

Sefrufl an der Türkei.

Dokument Nr. 24.

Telegramm des französischen Botschafters in London, (Sorbin, an Reynaud vom 31. Mai 1940.

Londons schöner Plan, die Türken zu prellen: Die Türkei soll den Alliierten gegen Italien beistehen, aber den früher dafür versprochenen Preis einer Besetzung des Dodekanes nicht erhalten.

Geheim! Telegramm.

London, den 31. Mai 1940, 17.15 Uhr.

Eingegangen am 31. Mai um 18.52 Uhr.

Ich beziehe mich auf mein Telegramm Nr. 2038 2041 und auf Ihre Telegramme Nr. 21712175 und 22012202.

Ich habe dem britischen Auswärtigen Amt Ihre letzten Weisungen an Herrn Massigli zur Kenntnis gebracht bezüglich der Haltung, die die türkische Re- aierung einnehmen soll, falls Italien einen Kon­flikt zwischen sich und den Alliierten provoziert. Die . Weisungen stimmen nach hiesiger Ansicht mit der Einstellung überein, die die britische Regierung selbst ; in Voraussicht eines italienischen Angriffs auf die i Alliierten (mein Telegramm Nr. 2140 vom 26 .Mai) der Türkei gegenüber eingenommen hat. Unter die­sen Umständen halten Lord Halifax und seine Mit­arbeiter es für das Beste, an den Weisungen fest­zuhalten, die sie Sir Knatchbull-Hugessen bereits er­teilt hat.

Diese Weisungen sind jedoch schon in einem wichtigen Punkt abgeändert worden. Die Wor- teund, wie in Aussicht genommen, den Dode- . kanes besehen" sind gestrichen worden.

- Der britische Botschafter in Ankara ist davon in Kenntnis gesetzt worden, mit der Bitte, den Ein- , gang dieser: neuen Instruktion zu bestätigen. Ebenso

Massigli befürchtet ein Abspringen der Türkei, wenn die Alliierten in der Dodekanes.-Frage nicht bei der Stange bleiben. Er bestellt sich Nach- richten über militärischen Kräfteschwund Deutschlands zur Förderung der alliierten Kriegspläne im Balkan.

Telegramm.

Ankara, den 1. Juni 1940. 1. 43 Uhr.

Eingegangen um 10,57 Uhr.

Nr. 1216/17.

Ich beziehe mich auf Ihr Telegramm Nr. 1131/33. Im Sinne der Erwägungen, die wir geltend machen können, um die Balkanregierungen zur Festigung ihrer Solidarität mit der Türkei und mit uns selbst zu veranlassen, falls sich Italien gegen uns stellt, halte ich es für nicht schlecht, wenn zum Zwecke einer Reaktion gegen den Schrecken, den die deutsche Macht weiterhin einflößt, gezeigt werden kann, daß die seit drei Wochen tobende Schlacht die Mög­lichkeiten einer deutsche n Offensive in anderen ® e bieten in großem Um­fange oerringert hat.

Wenn ich in dte Lage versetzt würde, hier unter Hinweis auf den Verbrauch der deutschen Reserven und dcrmtt in Verbindung auf die Verringerung der Truppenkontingente an den Grenzen Jugosla­wiens und an den deutsch-ungarischen Grenzen konkrete Mitteilungen zu geben, würde sich die türkische Regierung zweifellos dieser Tatsachen bei ihrem Verbündeten bedienen.

Ebenso wie mein englischer Kollege bleibe ich bei der Ansicht, daß die türkische Regierung ihren Ver­pflichtungen nachkommen wird. Es stimmt anderer­seits, daß die Disharmonie, die sich anscheinend auf der Haifa-Konferenz wegen der Aktionsmöglichkeiten im Dodekanes ergeben hat, die türkische Regierung in der Frage zögern läßt, ob es ratsam ist, von Anfang an eine zu scharfe Haltung einzunehmen.

Massigli.

fft ihm mitgeteilt worden, daß sein französischer Kollege (sehr) wahrscheinlich eine entsprechende In­struktion erhalten würde. Die britische Regierung (hat) beschlossen, jede Erwähnung des Dodekanes zu streichen, damit die Türken nicht dadurch veran­laßt werden, schon vorher einen militärischen Bei­stand (der Alliierten) zu fordern, den diese unter den augenblicklichen Umständen nicht zu leisten (in der Lage) sind. . . L t

Ich glaubte im britischen Auswärtigen Amt sagen zu können, daß die stanzösische Regierung um Zett zu gewinnen, davon absehen würde, über diese Auf­fassung zu diskutieren, und daß sie Herrn Massigli die gleichen Instruktionen schicken wurde, die mor­gen früh sein englischer Kollege erhalten wird. All- gemein gesprochen, sind die Mitarbeiter von Lord Halifax ebenso wie wir der Ansicht, daß die tür- kische Regierung von Anfang des Konfliktes an eine (völlig) unzweideutige Haltung einnehmen muß. ...

Obgleich den Botschaftern <n Ankara ein gewisses freies Ermessen zugestanden wird, glaubt man un­ter diesen Umständen hier nicht, daß die Türkei den Alliierten alle die Dienste leisten kann, die in dem Dreierpakt mit seinen Verpflichtungen vor- qesehen sind, und daß sie unsere Streitkräfte zu Lande, zur See und in der Lust unterstützen kann, ohne ihrerseits Italien den Krie g z u erklären. Diese unvermeidliche Folge der Ver­pflichtungen, die die Türkei eingegangen fft, müßte sich nach Ansicht des britischen Auswärtigen Amtes so schnell wie möglich auswirken. Corbin.

Dokument Nr. 25.

Telegramm des französischen Boffchafters in An­kara, Massigli, an Reynaud vom 1. Juni 1940.