Ausgabe 
11.6.1940
 
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Volk Italiens, ans Gewehr!"

Oer Marschbefehl -es Duce an -as italienische Volk.

meer, politisch sowohl wie strategisch. Man unter* schätzte auch die Festigkeit der Achse, in der Italien die Grundlage seiner Außenpolitik sah. Man ver- konnte das revolutionäre Moment der beiden Welt» anschauungen, die bewegende Kraft der beiden jungen Nationen, die sich wohl die Aufgabe zu- trauen dürften, Europa ein neues Gesicht zu geben, das dem Lebensrecht der Völker besser entspricht, als die Mißgeburt von Versailles. Als Italien seine Haltung alsnichtkriegführende Macht" präzisierte, verwechselte man dies fälschlicherweise mit Ruhe- bedürftigkeit und übersah dabei, daß Italien auch als solche seine Stellung bezogen hatte. Es deckte Deutschlands Südflanke, indem es an seiner Alpen­grenze ebenso wie in Nordafrika französische Ar­meen fesselte, es sicherte den Frieden im Donau­raum und verhinderte damit die Kriegsausweitungs­pläne der Plutokratien, es zwang die Westmächte, im Mittelmeer starke Seestreitkräfte zu belassen und jeden Tag und jede Stunde auf alles gefaßt zu sein. Italien schwieg und wartete.

Nyn ist der Ban gebrochen. DerGefangene im Mittelmeer", wie gestern ein an allen Mauern Romq gezeigtes Plakat Italiens Lage drastisch dar­stellt, hat sich erhoben, um seine Ketten abzustrei­fen. Eine lebensstrotzende Großn.^cht wie Italien kann nicht abseits bleiben, wenn Europas Gestalt neu geformt wird. So hat Mussolini aus eigenem freien Entschluß seine Entscheidung kundgetan, mit dem nationalsozialistischen Deutschland Seite an Seite den gemeinsamen Kampf gegen die westlichen Plutokratien zu bestehen in dem tiefen Bewußtsein, daß nur dieser Kampf gegen die Mächte des Status quo, daß nur das Zerbrechen dieses Boll­werkes von Uebelwollen und Versagen den jungen Nationen das Tor in eine bessere Zukunft öffnen wird. Der große Entschluß des Duce ist in Deutsch­land mit beispielloser Begeisterung ausgenommen worden. Er wird gewertet als die Entscheidung eines Staatsmannes, der mit klarem Blick die weltpoli­tische Lage erkennt und auch zur gegebenen Zeit die richtigen Schlüsse zieht. Der Duce hat in seiner Rede Llie Römer zu Zeugen angerufen, daß das faschistische Italien alles Menschenmögliche getan hat, um den Frieden zu erhalten. Auch auf biefer* Linie hatten sich beide Nationen gefunden, wie sie sich letzt im Kampf finden. Denn beiden brauchten für ihren Aufbau eines neuen Reiches Frieden und noch einmal Frieden. Aber die Mächte, die diesen Aufbau scheuten und verhindern wollten, sabotierten den Frieden. Sie verweigerten eine friedliche Re­vision der Verträge, sie begannen statt dessen die irrsinnige Politik der Garantien, sie hatten auch für den letzten Friedensvorfchlag des Führers, der des Duce warme Unterstützung gefunden hatte, nichts als ein kaltes Nein.

So greift nun auch Italien, getreu dem Wort des Duce, daß das Gesetz der faschistischen Moral be­stimme,, mit einem Freund bis zum Ende zu mar­schieren, zu den Waffen, um für seinen Lebensraum und sein Lebensrecht, das plutokratische Habsucht und plutokratische Verblendung ihm verweigert, bis zum Siege zu streiten, bis zum Siege, der nach den Worten des Duce eine lange Periode des Friedens und der Gerechtigkeit für Italien, für Europa und die ganze Welt begründen soll.

Wie auch Italien bestrebt ist, den Kamps, nach­dem er unausweichlich geworden ist, auf seinen na­türlichen Raum zu beschränken, das erhellt aus dem Wort des Duce an die Adresse der unmittelbaren Nachbarn Italiens. Wenn die Westmächte nichts unterlassen haben, um vor allem den Balkan in den Krieg hineinzuziehen, so erhellt aus den Worten des Duce, die in ihrer präzisen Formulierung sich mit der deutschen Auffassung voll deckt, hie Bereit­schaft, auch in Zukunft den Balkanvölkern die Lasten eines Krieges zu ersparen, zu dem sie die verbreche­rische Politik der Westmächte lieber heute wie mor­gen aufhetzen möchte.

Schulter an Schulter marschieren nun Deutsch» land uno Italien in den Krieg, des Sieges gewiß, für den schon auf den Schlachtfeldern Flanderns, an Somme und Aisne die ersten Lorbeeren errungen sind. Dr. Fr. W. L.

Verbrüderung

der Waffen und des Vlutes.

Eine Kundgebung vor der italienischen Botschaft in Berlin.

Berlin, 10. Juni. (DNB.) Unmittelbar, nach­dem der Duce vom Balkon des Palazzo Venezia dem italienischen Volk und der Welt verkündet hatte, daß nunmehr Italien mit Deutschland den siegreichen Marsch gegen den gemeinsamen Feind England und Frankreich angetteten habe, begab sich der Reichs­minister des Auswärtigen von Ribbentrov in die Königlich-Italienische Botschaft, um Botschaf­ter Dino Alfieri zu dieser schicksalhaften Entschei­dung im Namen des Führers zu beglückwünschen. Er überbrachte damit zugleich die Glückwünsche des ganzen deutschen Volkes. Ergriffen von der Bedeu­tung dieser Stunde hatte sich vor der italienischen Botschaft eine große Menschenmenge eingefunden.

Von dem Balkon der Botschaft hielt Botschafter Alfieri eine Ansprache, in der er sagte:

Kameraden! Deutschland und Italien, deren histo­rische Entwicklung gleichartig war und deren geistige und kulturelle Bande weit in die Geschichte zurück- reichen, finden sich noch einmal in der Ueoerein- stimmung einer revolutionären Bewegung wieder, welche durch die Geltendmachung der besten Eigen­schaften der beiden Rassen zur Erneuerung der bei­den Länder geführt hat. Der stählerne Pakt, welcher vor einem Jahr hier in Berlin abgeschlossen wurde, findet heute in der Verbrüderung der Waffen und des Blutes feine höchste Ver­wirklichung, welche der Führer und der Duce als Interpreten des Willens der beiden Völker gewollt haben. Das deuffche und das italienische Heer wer­den im gemeinsamen siegreichen Marsch mit der unwiderstehlichen Gewalt ihres Mutes und ihrer Schwerter der unerträglichen Vorherrschaft der morschen, gierigen Plutokratien recht bald ein Ende bereiten. Durch die Trümmer der alten, dem Nie­dergang geweihten Welt hindurch werden sie den neuen Weg bahnen, auf welchem das große Deutsche Reich und das italienische Imperium wie heute, so immerdar, im Zeichen^ des Hakenkreuzes und des Liktorenbündels vereint, durch die kom­menden Jahrhunderte schreiten werden, um eine neue Zeit der Zivilisation und Gerechtigkeit zu schaffen und zu erhalten.

Reichsminister des Auswärtigen von Ribbenttop überbrachte den Berliner Volksgenossen die Grüße des Führers und würdigte auch seinerseits in be­wegten Worten das große Ereignis und schloß mit einem Sieg-Heil auf den Führer und den Duce.

Freundschaftskundgebung in Frankfurt.

Am Montagnachmittag fand nach Bekanntwerden der Nachricht, daß der italienische Regierungschef

Die Rede des Duce.

Rom, 10. Juni. (DNBI Die Rede des Duce vom Balkon des Palazzo Venezia hatte folgenden Wortlaut:

Kämpfer zu Lande, zu Wasser und in der Luft! Schwarzhemden der Revolution und der Legionen, Männer und Frauen Italiens des Imperiums und des Königreichs Italiens hört!

Die vom Schicksal bestimmte Stunde ist am Fir­mament unseres Vaterlandes. Die Stunde unwider­ruflicher Entscheidungen hat geschlagen (Stürmischer Beifall). Die Kriegserklärung ist bereits an die Botschafter Großbritanniens und Frankreichs (anhaltendes Pfeifkonzert) überreicht worden. Wir treten gegen die plutokratifchen und reaktionären Demokratien des Westens zum Kampf an, die zu jeder Zeit unseren Aufstieg behindert und oft die Exi­stenz des italienischen Volkes hinterlistig bedroht haben. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte kann in folgende Worte zusammengefaßt werden: Phra- fen, Versprechen, Drphungen, Erpressungen und schließlich als Krönung die niederträchtige vom Völkerbund angeordnete Belagerung durch 52 Staaten. Unser Gewissen ist völlig ruhig. Mit euch ist die Welt Zeuge, daß das Italien des faschifti- schen Liktorenbündels alles getan hat, was nienschenmöglich war, um den Kampf, der Europa aufwühlt, zu vermeiden. Aber alles war um- f o n ft. Es hätte genügt, die Verträge, die nicht für alle Ewigkeit unantastbar sind, zu revidieren und sie den veränderten Verhältnissen und dem Leben der Völker anzupassen. Es hätte genügt, nicht die wahnsinnige Politik der Garantien aufzu« nehmen, die sich gerade für jene, die sie angenom­men haben, als mörderisch erwiesen hat. Es hätte genügt, den Vorschlag, den der Führer am 6. Oktober 1939 nach Beendigung des Polen- feldzuges gemacht hat, nicht zurückzuweisen (Man hört aus der Menge Heilrufe auf den Füh­rer.)

Aber alle diese Dinge gehören nunmehr der Vergangenheit an und wenn wir heute ent­schlossen sind, die Risiken und die Opfer eines Krieges auf uns zu nehmen, so geschieht es, weil die Ehre, die Interessen, die Zukunft das mit ihrem ehernen Gesetz verlangen, daß ein großes Volk wirklich nur ein solches ist, wenn es feine heiligen Verpflichtungen einlöft und nicht den Ereignissen, die die Geschichte bestanden, aus dem Wege geht. (Starker Beifall.)

Dir greifen zu den IDaffen, um, nachdem das Problem unserer konlinentalgtenzen gelöst ist, auch das Problem unserer Meeres- grenzen zu lösen. Dir wollen die territoriale und militärische Kelte sprengen, mit der man uns in unserem Meer ersticken will, denn ein Volk von 45 Millionen ist nicht wahrhaft frei, wenn es nicht den freien Zugang zu den Weltmeeren hat. (Erneuter tosender Beifall.) Dieser gigantische Kampf ist nur eine Phase, und die logische Entwicklung unserer Revolution ist der Kampf der armen, aber an Arbeitskräf­ten überreichen Völker gegen die Aushungerer, die alle Reichtümer und alles Geld dieser Dell monopolisieren und direkt in ihren Krallen halten.

sprechen werde, im Garten des Italieni­schen Generalkonsulats in Frankfurt eine oeutsch-italienische Freundschaftskundgebung statt, zu der die große italienische Kolonie von Frankfurt, zahlreiche italienische Arbeiter aus der Umgebung und viele deutsche ^Volksgenossen sowie Abordnun­gen der SA., ff, HI. und BDM. zusammenkamen. An der Seite des Königlich Italienischen General­konsuls Comm. Graf Giuseppe Serpi sah man den faschistischen Gaugruppenleiter Eav. Pri­ma v e r a , Gauleiter Sprenger, den stellver- ifretenben Gauleiter Linder und Polizeipräsiden­ten Obergruppenführer B e ck e r l e. Vom Balkon des Generalkonsulats wehten die italienische und die deutsche Flagge, deutsche und italienische Jugend schwenkte Fahnen in den Farben des römischen Imperiums und unter stürmischem Jubel wurde die Rede des Duce sowie die deutsche Uebertragung und die anschließende Erklärung des Reichsaußen­ministers angehört. Danach sprach der italienische Generalkonsul vom Balkon zu den deutschen und italienischen Kameraden. Er nannte die Worte des Duce einen in Stein gemeißelten Wegweiser, der den Weg bezeichne, den das italienische Volk jetzt gehen muß.

Unter stürmischem Beifall sprach dann Gauleiter Sprenger. Wir wußten, so sagte er, daß der Tag kommen wird, an dem die deutsch- italienische Freundschaft ihre letzte Probe besteht. Alle Versuche der feindlichen Mächte haben die bei­den befreundeten Völker nicht trennen können. Jetzt werden wir diesen Krieg um unsere Lebensrechte führen. Die Schwerter Deutschlands und Italiens klingen zusammen und werden kämpfen bis zum Endsiege. Dann richtete der Gauleiter fein Wort an die Jugend und dankte ihr, daß sie so regen Anteil an dem großen Geschehen nehme. Ihre Zukunft sei es, die nun von der oeutschen und italienischen Jugend erkämpft werde. Mit einem Gruß an den Duce und an den Führer sowie den Nationalhymnen der beiden Völker klang die Kund­gebung aus.

Das Echo im Valkanraum.

Budapest, 11. Juni. (Europapreß.) Der Ein­tritt Italiens in den Krieg kommt nicht uner­wartet und trifft in Ungarn auf eine durch die freundschaftlichen Gefühle für die Achsenmächte vor­bereitete Stimmung. Trotzdem kam der Augen­blick überraschend, jedenfalls für die breiten Schichten der Bevölkerung. Die Ansichten politischer Stellen knüpfen an den Sieg der deutschen Waffen einerseits, an die wiederholten Versicherungen an­derseits an, daß deckn Südosten der Friede erhalten bleiben Wonne, wie das ja auch Musso­lini in seiner Rede betont hat. An maßgebenden Stellen erfährt man, daß Ungarn volles Verständ­nis für jene Gründe habe, bie das italienische Volk bewogen Haden, seine Stellung als nichtkriegführen­der Staat aufzugeben. Das ungarische Volk verfolgt daher den Kampf des ihm so nahestehenden italieni­schen Volkes mit warmer Sympathie. e

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Belgrad, 11.Juni. (Europapreß.) Der Ein­tritt Italiens ht den Krieg ist in Jugoslawien zwar nicht unerwartet gekommen, hat aber

Es ist der Kampf der fruchtbaren und jungen gegen die unfruchtba­ren und dem Untergänge geweihten Völker, es ist der Kampf zwischen zwei Jahrhunderten und zwei Deltan- fchauungen. Jetzt, da die Würfel gefallen sind und die Brücken in unserem Rücken kraft unseren Willens verbrannt sind, erkläre ich feierlich, daß Italien n i ch t d i e A b.s i ch t hat, a n d e r e M a ch t e, die zur See oder zu Lande unsere Rachbarn sind, in den Konflikt h i n e i n z u z i e h e n. Die Schweiz, Jugosla­wien, Griechenland, die Türkei, Aegypten, mögen von diesen meinen Worten Kenntnis nehmen, die durch die Tatsachen ihre strikte Bestätigung erfahren werden.

Italiener! In einer denkwürdigen Massenkund­gebung, der von Berlin, sagte ich, daß nach den Gesetzen der faschistischen Moral man mit einem Freund bis zum Ende marschiert. (To­sender, nicht endenwollender Beifall und immer sich wiederholende Rufe: Duce! Hitler! Heil!) So haben wir es gehalten und so werden wir es hal-

Rom, 10. Juni. (Europapreß.) Bereits eine Stunde vor der Rede des Duce war die Piazza Venezia von Tausenden von Menschen bedeckt, die Fahnen und Schilder mit sich führten. Auf diefen Schildern waren die italienffchen Forderungen: Tunis, Korsika, Malta, Nizza, Dschibutt, Gibraltar angegeben. Viele Schilder trugen auch sarkastische Inschriften, in denen die Engländer und Franzosen verspottet wurden. Ringsum drängten sich die Men­schen an den Fenstern, auf den Balkonen, den Trep­pen und an der Säulenhalle des Nattonaldenkmals und selbst auf den Dächern. In der strahlenden Sonne des heißen Frühsommerabends leuchteten Tausende von Fahnen und Fähnchen.

Nach dem italienischen Ansager trat ein deutscher Sprecher an das Mikrophon. .Deutschland!", rief der Sprecher aus, ,Has ganze italienische Volk spricht in dieser Stunde zu bir.'z Leidenschaftlich war die Anteilnahme der Menschen. Sprechchöre wechsel­ten unablässig. Alle Zuscchrtstraßen waren tief ge­staffelt von einer unübersehbaren Menge. Das italie­nische Volk stand auf der Piazza Venezia, wie von der Arbeit gekommen, unter dem Balkon des Duce und wartete, daß er zu ihm spteche.

Die Ortsgruppe der Deutschen in Rom mußte sich durch die Masse durchkämpfen. Ueberall wurden die Deutschen mit jubelndem Beifall be­grüßt. Mit der leioenschaftlichen Anteilnahme, die nur der Italiener kennt, rief man immer wieder: Evviva Hitler!" Eine Hundertschaft der Landes­gruppe Italien der NSDAP, hatte mit ihren Fah­nen unmittelbar hinter den Musketieren des Duce Aufstellung genommen. Als der Duce, vom end­losen Jubel der Menge begrüßt, auf dem Balkon

doch die größte Sensatton in der jugoslawischen Oesfentlichkeit und in politischen Kreisen hervorge­rufen. An maßgebender Stelle wird betont, daß Jugoslawien nach wie vor seine Neutralität bewahren werde.

Bukarest, 11. Juni. (Europapreß.) Die Nach­richt von dem Kriegseintritt Italiens ist in Rumä­nien erst spätabends am Montag durch den Rund­funk bekannt geworden. Den hier anfäffigen aus­ländischen Journalisten wurde der Beschluß Musso­linis in der allabendlichen Pressekonferenz im Pro­pagandaministerium mitgeteilt. In Journalisten­kreisen hört man die Ansicht, daß nun erst recht das Schicksal der Westmächte besiegelt sei. Sehr ge­drückt ist die Stimmung der hiesigen westmächtlichen Kreise, die wenigen noch anwesenden englischen Journalisten verschwanden nach dem Bekanntwer­den der Nachricht ostentativ aus der Pressekonferenz, ohne die nachfolgende Aussprache zu erwarten.

Was London sagt.

Stockholm, 11. Juni. (Europapreß.) Aus London liegt am Montagabend das erste Echo zu der Kriegserklärung Italiens an die Westmächte vor. Der Londoner Rundfunk stellte fest, daß Eng­land die Kriegserklärung zur Kenntnis genommen habe und Italien die Westmächten i ch t u n v o r - bereitet" antreffen werde. Das Londoner Rund­funkprogramm wurde unterbrochen, als der Sprecher des Rundfunks diese kurze Mitteilung zu machen hatte. Für die Erreauna, welche die italienische Kriegserklärung in London hervorgerusen yat, zeugt die Fassungslosigkeit, mit der der Rundfunk­sprecher der British Broadcasting Corporation beim ersten planmäßigen Nachrichtendienst die neuesten europäischen Ereignisse mitteilte. Der Ansager sprach mit einer völlig verschlagenen Stimme, wie einer, der die Treppe eines Hochhauses hinaufgelaufen war. Er mußte sich viermal verbessern und las bann eine Erklärung vor, die mit einer Polemik gegen den italienischen Regierungschef angefüllt war. Al­lerdings sah man sich in London gezwungen, die Begeisterung zuzugeben, mit der das italienische Volk die Worte Mussolinis aufnahm.

Wüste Ausschreitungen gegen Italiener in England.

Kopenhagen, 11. Juni." (DNB. Funkspruch.) Na'ch einer Reuter^Melduna kam es Montagabend in dem Londoner Stadtteil Soho, in dem zahl­reiche Italiener wohnen, zueinigen" Unruhen. Flaschen wurden geworfen und sogar von Feuer- waffen Gebrauch gemacht. Ein Italiener wurde ver- letzt. Die Fensterscheiben verschiedener italienischer Restaurants wurden zertrümmert. Auch in Liver­pool schleuderte der Pöbel Steine und andere Gegenstände auf die von Italienern geleiteten Ge­schäfte und Gaststätten, wobei beträchtliche Schäden verursacht wurden. Kurze Zeit später gab Reu­ter eine Zusatzmeldung heraus, die deullich die Spuren des Eingreifens des englischen Lügenmini­sters Duff Cooper trägt. Sie behauptet, daß in Soho von Schußwaffen feix Gebrauch gemacht worden sei. Im übrigen handele es sich um Schläge-

ten an der Seite Deutschlands, an der Seite seines Volkes und <m der Seite der siegreichen deutschen Wehrmacht (Endloser Beifall und erneute Heilrufe auf Hitler und Mussolini.) An diesem Vor­abend eines Ereignisses von sekulärer Tragweite erheben wir unsere Gedanken zu Seiner Majestät dem König und Kaiser (steigende Ovatto- nen), der immer die Stimme des Vaterlandes zum Ausdruck gebracht hat und entbieten mit lauter Stimme dem Führer unseren Gruß, dem Haupt Großdeutschlands! (Wieder kommt es zu neuen stürmischen Ovationen für den Führer.)

Zum dritten Mal erhebt sich das proletarische und faschistische Italien, stark, stolz, geschlossen wie noch n ie. Die Losung ist eine einzige und kategorische und für alle verpflichtende, die bereits auf den Wellen des Aethers dahinschwebt und die Herzen von den Alpen bis zum Indischen Ozean entflammt und begeistert: Siegen! (Tosender Beifall.) Und wir werden siegen, bis endlich eine lange Periode des Friedens und der Gerechtig­keit für Italien, für Europa, für die Welt anbrechen wird. Volk Italiens, ans Gewehr! Zeige deine Zähigkeit, deinen Mut und deine ganze Tüchtigkeit!

erschien, grüßte er lächelnd wiederholt zu den Deut­schen hinunter.

Seine Rede wurde mit stürmischem Jubel ausge­nommen, besonders die Stelle, in der der Duce die Kriegserklärung an Frankreich und England be­kanntgab. Bei der Erwähnung der beiden westlichen Demokratien erhob sich ein minutenlanges Pfeifen und Johlen auf dem Platz. Am Schluß mußte der Duce wiederholt auf dem Balkon erscheinen und der Menge für die Begeisterungskundgebungen danken. Auch bei dieser Gelegenheit richtete er wie­derholt seinen Gruß besonders an die Deutschen. Anschließend zog die Menge unter Mitführunä der Fahnen unb Schilber durch die Straßen der Stadt zum Königspalast. Ueberall wurden den uni­formierten Mitgliedern der Landesgruppe Italien der NSDAP, stürmische Kundgebungen bereitet. Vielfach kam es zu herzlichen Verbrüderungsszenen zwischen den Deuffchen und den Schwarzhemden.

Vor dem Quirinalspalast ertönte immer wieder erneut aus der Menge die vom Duce verkündete Parole:Siegen!", bis schließlich der König unb Kaiser in felbgrauer Uniform mit bem Stahlhelm auf bem Balkon des Schlosses erschien unb von ber unübersehbaren Menge mit dem Rufe: Es lebe der König unb Kaiser" begrüßt wurde. Mehrfach dankte er vom Balkon seinem Volke für diese Beweise der restlosen Einsatzbereitschaft unb ber ausgebrückten Siegesgewißheit. Riesige Mauer­anschläge zeigen am Montag in Rom einen ita­lienischen Infanteristen, ber eine mäch­tige Kette zerbricht, unb beren Beschriftung zum Ausbruck bringt, daß Italien die Ketten zer­bricht, die seinen Lebensraum ersticken.

reien zwischen Griechen (!) und Italienern. Duff Cooper erdreistet sich also, die Schuld an den Un­ruhen den Griechen in die Schuhe zu schieben. Gleichzeitig meldet Reuter, daß auch aus anderen Städten Berichte über Unruhen gegen italienische Gaststättenbesitzer vorliegen. So besonders i n Edinburgh, wo mehrere Personen verletzt wur­den. 100 Personen wurden verhaftet, unb die Po­lizei mußte mit dem Gummiknüppel einschretten. In Liverpool hätten italienische Gaststätten bettächt- lichen Schaden erlitten, etwa 70 Italiener seien fest­genommen worben.

Proklamation Köm Victor Emanuels an seine Soldaten.

Rom, 11. 3unl (DRV. Funkspruch.) Aus dem Operationsgebiet hat der König und Kaiser Victor Emanuel III. an die italienische Wehrmacht unter dem heutigen Datum folgende Proklamation gerichtet:

Als Oberhaupt aller Streitkräfte zu Laude zu Wasser und in der Luft kehre ich wie vor 25 Jahren in Eure Reihen zurück und folge damit meinem Gefühl und den Traditionen meines Hauses.

Das Kommando der an allen Fronten operieren­den Truppen übertrage ich dem Chef der Regie­rung, dem Duce des Faschismus und er­sten Marschall des Imperiums.

Mein erster Gedanke gilt Euch in dem Augenblick, da Ihr, indem Ihr die tiefe Liebe und die völlige Hingabe an das unsterbliche Vaterland mit mit teilt, Euch anschickt, zusammen mit dem verbün­deten Deutschland neue schwierige Aufgaben in unerschütterlichem v ertrauen auf ihre Mebernrinbung auf Euch zu nehmen.

Soldaten zu Lande, zu Wasser unb in der Lust! Vereint mit Euch bin ich sicher, daß Euer Mut und die Vaterlandsliebe des italienischen Volkes unseren ruhmreichen Waffen den Sieg zu sichern ver­mögen.

Amerikas Börsen reagieren sauer.

N e u y o r k, 11. Juni. (Europapreß.) Die Nach­richt yon bem Kriegseintritt Italiens würbe von ben amerikanischen Börsen mit Pessimismus aufgenom­men. Alle wichtigen Rüftungspapierefielen um einen ober mehrere Punkte, ba man bas Rü­stungsgeschäft mit ben Westmächten als gesährbet ansieht. e

Kleine politische Nachrichten.

Auf ber britischen Insel Man wirb bei Doualas ein Konzentrationslager für 10 000 internierte Aus- länber errichtet.

Tevere" berichtet aus Lvnbon, bie Konsulate von USA. hätten erneut bie Aufforderung an bie amerikanischen Staatsangehörigen gerichtet, Englanb zu verlassen unb in bie Heimat zurückzukehren.

Das italienische Volk in der Stunde der Entscheidung. Oie große Kundgebung auf der Piazza Venezia.