zuholen. Es wird darauf hinaewtesen, daß es Pflicht eines jeden Aufgerufenen ift, die Antragstellung möglichst bald vorzunehmen, damit die Ausstellung der Arbeitsbücher fristgerecht erfolgen kann. Irgendwelche Kosten für die Ausstellung der Bücher entstehen nicht. Die Anträge find in allen Punkten besonders sorgfältig und gewissenhaft auszufüllen, die Schrift muß deutlich lesbar fein. Besonders zu achten ist auf die genaue Wiedergabe der beruflichen Merkmale, der Ausbildung und nicht zuletzt des Familiennamens, bei Ehefrauen unter Hinzufügung des Geburtennamens. Weitere Auskünfte erteilen auf Verlangen das Arbeitsamt Gießen und feine Nebenstellen.
Meldepflicht für die (Staatsangehörigen von Belgien und den Niederlanden.
Der Reichsminister des Innern teilt mit: Auf Grund der Derordn'mg über die Behandlung von Ausländern vom »..September 1939 werden alle sich im Gebiet des Großdeutschen Reiches aushalten, den über 15 Jahre allen Staatsangehörigen von Belgien und den Niederlanden einschließlich der Kolonien aufgefordert, sich innerhalb 24 Stunden bei der nächsten Orts- polizeikxhörde persönlich zu melden. Innerhalb derselben Frist finö alle unter 15 Jahre alten An- ael>rigen dieser Staaten durch ihren gesetzlichen Vertreter der für den Aufenthaltsort zuständigen Polizeibehörde schriftlich oder mündlich anzumelden. Der gleichen persönlichen oder schriftlichen Meldepflicht unterliegen auch Staatenlose, die vor dem Eintritt der Staatenlosigkeit zuletzt die Staats- angchörigkeit eines dieser Staaten besessen habens und solche Personen, bei denen es zweifelhaft ist, ob sie diese Staatsangehörigkeit besitzen.
Alle Angehörigen dieser Staaten, ferner die erwähnten Staatenlosen, dürfen den Ort, an dem sie sich Lei der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung aufhallen, nur mit Genehmigung der für ihren Aufenthaltsort zuständigen Kreispolizeibehörde verlassen. Die für weitere Teile des Reichsgebietes erteilte Aufenthaltserlaubnis erlischt mit der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung.
Fronleichnamstag 4940 auf Sonntag, 26. Mai, verlegt.
Aus Grund gesetzlicher Ermächtigung Hat der Generalbevollmächtigte für die Reichsverwaltung mit Zustimmung des Beauftragten für den Dierjahres- plan und des OKW. eine Verordnung über den Fronleichnamstag 1940 erlassen. Mit Rücksicht auf die dringend notwendige Kohlenförderung und die sonstigen Produktionsmöglichkeiten wird der Fron- Leichnamstag (23. Mai) als staatlicher Feiertag auf Sonntag, 26. Mai, verlegt. Kirchliche Feierlichkeiten sind auf Sonntag, 26. Mai, zu verlegen und genießen an diesem Tage den bisherigen reichs- unlandesrechtlichen Schutz.
Keine Tanzveranstaltungen.
Das deutsche Volk ist in seinen Entscheidungs- kampf eingetteten. Dem Ernst der Zeit entsprechend, finden keine Tanzveranstaltungen statt.
Oie Versorgungslage im Rhein-Main-Gebiet.
lieber die Derforgungslage im Bereich des Landesernährungsamts Hessen wird u. a. berichtet:
Der Ob st» und Gemüsemarkrist durch das Bild von in großen Mengen angelieferten Spargel und Rhabarber gekennzeichnet. Während der große Bedarf für Gemüse dazu führt, daß die gegen das Vorjahr wesenllich erhöhten Spargelanfuhren schnell und glatt abgesetzt werden, bleibt bei Rhabarber sogar ein Ueberstand. Die Versorgung mit Kartoffeln wurde dadurch ausgeglichener, daß in größerem Maße die langfristig eingelagerten Reichsbestände zur Verteilung gelangten, wozu noch Zufuhren aus Mitteldeutschland traten. Auch die ersten italienischen Frühkartoffeln kamen in kleineren Mengen an den Markt. Mit
Fleisch ging die Versorgung überall reibungslos vonstatten. An einigen Märkten wurden bei geringeren Rinderzufuhren den Metzgern zusätzlich Schweine zugeteilt. Die Milch anlieferung ist weiter angefüegen. Trotz geringer Schwankungen bleibt die Versorgung unter allen Umstanden gesichert, was auch für Fette und Käse gilt, wobei von letzterem eine stärkere Bevorzugung von Weichkäse sehr erwünscht ist. Bei Eiern gibt die zur Zeit durchgeführte Zuteilung von weiteren drei Stück vielen Haushaltungen die Möglichkeit, hierin etwas Vorratswirtschaft zu treiben.
Hilfsbereitschaft.
Gfs. Als Mutter zweier Jungvolkführer erlebte ich in dieser Woche etwas sehr. Nettes. Eine Fuh- rerfahrt soll stattfinden. Es ist natürlich nicht so ganz leicht mit der Verpflegung, und dies erfordert eine gründliche Beratung. Am nächsten Morgen kommt ein Pimpf. „Kann ich den ... sührer sprechen? Ich habe hier ein Pfund Nudeln für die Führerfahrt." Es war eine reine Freude, wie der Pimpf strahlte, daß er etwas beisteuern konnte. Wieder einen Tag später wurden ein Paar Schuhe gebracht. „Damit der Kamerad auch mitkann." Auch ein Rad wird noch zur Verfügung gestellt, damit auch der Letzte nicht zu Hause bleiben muß, und das alles trotz Krieg und Lebensmittelkarten und Bezugscheinen. Ich habe mich richtig über dieses Erleben gefreut, und ich möchte nun an euch, deutsche Hausfrauen, einmal die Frage stellen: Handelt ihr auch so? Wenn in der nächsten Zeit vom Deutschen Frauenwerk aus Verschiedenes gesammelt wird, dann macht euere Herzen und Schränke weit auf und laßt euch von den Buben nicht beschämen. Wir sammeln ja wirklich nur, was nötig ist und anderen Volksgenossen hilft. Ein totaler Krieg heißt für uns zu Hause: Helfen mit allem Sein und Haben!
Sießen-Kleiu-Lin den.
Der Gesangverein „Arian" gab, um vielen Wünschen zu entsprechen, einigen erkrankten Dereins- mitgliedern und den Pattenten des Balserschen Stifts, der Chirurgischen, der Medizinischen und der Hautklinik je ein Gesangskonzert. Es gelangten unter der zielbewußten Leitung des Ehrenchor- meisters einige größere Chöre, sowie Volks- und Soldatenlieder zu Gehör. Die Darbietungen wurden mit großer Freude und mit herzlichem Beifall ausgenommen. Der Verein wird sich auch weiterhin zur Verfügung stellen und hat sich bereit erklärt, am 26. Mai wiederum ein Gesangskonzert in einem Krankenhaus zu geben.
Auch Vögel dürsten.
Die Brutperiode hat für die meisten Vögel eingesetzt. Mit dem Anbringen von Nistkästen und Bruthöhlen allein ist den Tieren jedoch nicht gedient. Die Singvögel können während der Brutzeit nicht zu weiter entfernt liegenden Tränken fliegen, und so kann der Mensch den Vögeln die Brutperiode erleichtern, wenn er für geeignete Tränken in Park und Garten sorgt. Schon kleinere, mit Wasser gefüllte Gefäße erfüllen ihren Zweck. Um ein Umkippen zu vermeiden, ist es angebracht, einen Stein in das Gefäß zu legen. Die Tränken sollen so ausgestellt werden, daß die Vögel einige Meter im Umkreis das Gelände übersehen können, weil anschleichende Katzen sonst zu spät bemerkt werden. Noch besser ist es, wenn man die Trinknäpfe auf einen etwa IV- bis 2 Meter hohen Pfahl stellt. Die Vögel wollen nicht nur trinken, sondern auch baden. Es ist angebracht, kleinere Vertiefungen im Erdreich auszuheben und durch Zementguß abzudichten. Die größte Tiefe darf aber nur 15 Zentimeter betragen, außerdem ist darauf zu achten, daß die Ufer flach auslaufen.
Gießener Wochenmarklpreise.
* G i e ß e n , 11. Mai. Auf dem heutigen Wdchen- markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Roterüben, kg 14, Spinat 25 bis 30, Spargel 55 bis 88,
Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 14, Meerettich 30 bis 90, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Aepfel 15 bis 35, Salat, Stück 25 bis 35, Salatgurken 100 bis 110, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Rettich, das Bund 50 bis 90, Radieschen 15 bis 20 Rpf.
Notizen für den 12.2HaL
Sonnenaufgang 5.35 Uhr, Sonnenuntergang 21.08 Uhr; Mondaufgang 9.53 Uhr, Monduntergang 1.12 Uhr.
*
** Die nächste Ausgabe des Gießener Anzeigers erscheint am Pfingstsonntag zur gewohnten Zeit.
** Goldene Hochzeit. Die Eheleute Wilhelm Rühl und Frau Johanna in Gießen, Dammstraße 42, können am 14. Mai das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Als Sohn eines Handwerkers wurde auch der jetzige Hochzeitsjubilar Handwerker, später war er lange Jahre hindurch als Hilfsamtsbote beim Amts- und Landgericht Gießen tattg. 30 Jahre lang versieht er bereits beim Stadttheater Gießen den Dienst als Logenschließer. Als treuem Bürger seiner Vaterstadt wurde Wilhelm Rühl schon am 9.August 1930 durch den verstorbenen Generalfeldmarschall von Hindenburg für 50jährige Dienstleistung bei der Gießener Freiwilligen Feuerwehr Dank und Anerkennung ausgesprochen. Mit Urkunde vom 6. Juli 1939 wurde ihm vom Führer das silberne Treudienst-Ehrenzeichen verliehen. Fünf Jahrzehnte seines arbeitsreichen Lebens hindurch war ihm feine Frau Johanna, geb. Weigel, eine treue Wegbeglei t e rin .Dem Jubelpaar gelten auch unsere herzlichen Glückwünsche für einen gesegneten Lebensabend.
** D e r Botanische Garten ist, wie wir bereits berichteten, an den beiden Pftngstfeiertagen von 9 bis 12 Uhr geöffnet Ein Vortrag und eine Führung finden nicht statt
*♦ Das Oberhessische Museum und das Völkerkundemuseum sind am morgigen Sonntag, 1. Pfingstfeiertag, wie auch am Montag, 2. Pfingstfeiertag, jeweils in der Zeit von 11 bis 13 Uhr geöffnet.
Amtsgericht Gießen.
Die E. W. in Gießen hatte durch Strafbefehl eine Gefängnisstrafe von drei Monaten erhalten. Sie hatte sich des Betrugs schuldig gemacht, indem sie auf dem Sozialamt erklärte, daß eine Lohn- psändung gegenüber ihrem Ehemann, mit dem sie z. Z. in Scheidung lebt, nicht durchführbar fei, unö sie beantragte die Zahlung einer öffentlichen Unterstützung, obgleich sie am Tage vorher von dem Arbeitgeber ihres Ehemannes 15,— RM. erhalten hatte. Gegen den Sttafbefehl legte die Angeklagte Einspruch ein. Sie war geständig, behauptete aber in Not gehandelt zu haben. Der Anklagevertreter beantragte die gleiche Strafe wie im Strafbefehl. Die Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Das Gericht nahm Notlage an, da die Angeklagte die erwähnten 15,— RM. sofort zur Zahlung rückständiger Miete verwendete und auch ein krankes 5uno zu unterhalten hatte.
Schnellverfahren.
Michael Obara aus Polen, z. Z. in Unter- suchungshaft, hatte sich wegen Vergehens gegen die Verordnung über die Behandlung von Ausländern zu verantworten. Er war bei einem Landwirt m Ilbeshausen beschäftigt und hat den ihm angewiesenen Aufenthaltsort und die ihm zugewiesene Arbeitsstelle ohne Erlaubnis der zuständigen Polizeibehörde verlassen. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt.
Fnßball-Irenndschastskämpfe zu Pfingsten.
Stadtmannschaft Marburg gegen Stadtmannschaft Gießen.
Die Stadtmannschaft Gießen steht am zweiten Feiertag der Stadtmannschaft Marburg im Marburger Stadion gegenüber. Es ist schon lange her, daß die beiden Mannschaften ihre Kräfte miteinander gemessen Haden. Die Gastgeber verfügen über eine beachtliche Spielstärke und werden die besten Kräfte einsetzen, um einen Sieg zu erringen. Die Gießener Vertretung, die sich aus Spielern der beiden Vereine 1900 und VfB.-R. zusammensetzt, hat beim Spiel gegen die Stadtmannschaft Wetzlar ein erstklassiges Spiel geliefert. Wenn sich die Gießener in der gleichen Form befinden, sollten die Marburger noch nicht gewonnen haben. Voraussichtlich werden die Gießener in folgender Besetzung den Kampf bestreiten: Dinges (1900), Fleischhauer (VfB.-R.), Goß (1900), Benner, Godglück (VfB.-R.), Peschauscheck (1900), Ehmann (VfB.-R.), Kraft (1900), Funk (!^8.-R.), Balz (1900), Berghöfer (VfB.-R.)
Watzenborn-SteiAberg I. gegen Garbentelch/ Steinbach komb.
Das für den 2. Pfingstfeiertag auf dem Platz der „Teutonen" an der Neumühle angefetzte Opferspiel zwischen der 1. Mannschaft von Watzenborn-Steinberg und einer kombinierten Mannschaft Garben- teich/Steinbach verspricht ein Großkampf zu werden. Wie die letzten Spiele gezeigt haben, scheinen die Einheimischen ihre kurze Krise überwunden zu haben und stellen zur Zeit wieder eine recht spielstarke Mannschaft ins Feld. Aber eine ebenso spiel- tüchtige Mannschaft stellen diesmal die Kombinierten aus Garbenteich und Steinbach. Die „Teutonen" treten voraussichtlich in der gleichen Mann-
schastsaufftellung wie am vergangenen Sonntag gegen Ehringshausen an.
VfB.-R. I. — Relchsbahnfportvereln Fauerbach L
Am ersten Feiertag erwarten die Grünweißen auf dem Waldsportplatz die Reichsbahner aus Fauerbach. Die Gäste, die in der Gruppe Friedberg spielen, haben durch harte Kämpfe gegen Friedberg, Naunheim, Butzbach usw. Erfahrung genug sammeln können und gelten als sehr stark.
Zugendfußball der Ep.-Vg. 1900.
1900 1.Jgd. •— Heuchelheim l.Jgd.: Das zuerst vorgesehene Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt mußte verlegt werden. 1900 fahrt nun am 1. Feiertag zu einem Freundschaftskampf nach Heuchelheim. Heuchelheim hat eine sehr starke Jugendmannschaft und sollte als Sieger den Platz verlassen können. Die 2. Jugend ist spielfrei.
1900 1.Jgd. — Groß en-Linden 1.Jgd.: Am 2. Feiertag fährt die 1. Jugend von 1900 nach Großen-Linden, um dort ein Freundschaftsspiel aus- zutragen. Großen-Linden ist als starker Gegner bebe tannt. Die 1900er müssen ersatzgeschwächt antreten. Auch hier dürfte Großen-Linden den Sieger stellen.
1900 2.Jgd. — VfB.-R. 1.Jgd.: Die 2.Jgd. tritt zu einem fälligen Rückspiel am 2. Feiertag auf dem Waldsportplatz an. Das Vorspiel konnte VfB.-R. knapp gewinnen. Diesmal aber wird sich das Blatt wenden.
Wenn Augen versagen Magnus-Bril len tragen I
■ t:
I herumläuft, nicht den, der über die Höhe führt. Die Schwere des Herzens teilt sich den Gliedern mit. <rn__"U -L S : — XX tu». aI f nmmf rtirflt’
(Nachdruck verboten!)
25. Fortsetzung.
Trottel da, als Verbrecher. Nun kann ich ja gehen und den Strick nehmen."
Lena will reden. Angst würgt sie. Sie bringt nur flüsternd hervor: Hermann, ach, Hermann!"
Hermann hort sie kaum. Er rückt ganz nahe an sie heran. Seine Knie berühren die ihren. Er faßt nach ihrem Arm, umspannt das Handgelenk mit fester Faust.
„Du, du!" Sein heißer Atem ist über ihr. „Du, deinetwegen ist es geschehen, du, sag' mir, was ich bin! Ein Dieb, ja? Einer, der Geld unterschlagen hat, ja? Sprich doch, du, sag' doch astes —"
Hermann, um Gottes willen, laß mich doch los, bitte, laß mich los!"
„Ach du, dich loslassen! Nach dir verzehrt habe ich mich. Nächtelang vor deinem Fenster gestanden habe ich und zu dir hinaufgestarrt. Umgebracht hat mich die Sehnsucht fast. Und nun steht man so vor dir..."
Hermann, ich bitte dich, laß mich doch sprechen!"
„Sprechen? Was nützen mir jetzt deine Worte?
Er hat ihre Schultern eisern unter seinen Händen. „Diesem anderen, diesem Jungen, der gar nicht zu dir paßt, der gar kein Recht hat auf dich, dem hätte ich dich einfach weggenommen. Eines Tages hätte ich ihn beiseitegeschoben! Alles hätte ich gekonnt, wenn das nicht gekommen wäre, diese Schmach! Sag' nichts, du, sei doch still! Ich will kein Gerede! Deinen Mund will ich, hörst du, deinen Mund, eh' ich wie ein Geächteter vom Hof gehe!"
Er nimmt ihren Kopf in seine Hände. Sie kann sich nicht wehren, und er brennt seine Küsse auf ihre Lippen wie ein Verdurstender. Dann läßt er sie los, geht mit schwankenden Schritten zur Tür/ reißt die Mütze vorn Haken und will die Stube verlassen. Aber Lena eilt ihm nach, Lena, deren Lippen noch von seinen Küssen brennen.
„Hermann!"
Sie steht quer vor der Tür, breitet die Arme aus. Er muß Lena beiseitestoßen, wenn er gehen will. Sie will reden und kann es nicht. Was soll sie tun? Hat sie denn ein Recht, ihn zurückzuhalten?
Hermann steht dicht vor ihr.
„Du — wenn du dich ganz auf meine Seite stellst, zu mir hältst und — die Meine wirst..."
Weiter kommt auch er nicht. Ernüchtert stehen sie voreinander, denn einer steht zwischen ihnen, unsichtbar — einer, der jetzt mit Erni Gräfe über den sonnigen Berg geht._________
Man i)at so viel in sich hineinzusehen, kommt nicht los von den letzten lastenden Ereignissen.
Jupp fängt zwar Grashupfer und ist den beiden anderen immer ein Stück voraus, aber so wie sonst
„Mach' Platz, laß mich — es hat keinen Sinn!" Seine Stimme ist rauh. Seine Hände wollen sie | nicht noch einmal anfassen. Er schiebt sie mit der Wucht seines breiten Körpers von der Tür. Sie muß die Klinke loslassen. Dann hallen seine Schritte schwer durch das Haus.
Lena bricht in der offenen Tür in die Knie. Bleib'! möchte sie rufen. Bleib', oder nimm mich mit! Aber nur ein Stöhnen kommt von ihren Lippen.
„Was machst du denn hier?" Christoph Gräfe — wo ist er auf einmal hergekommen? — hilft ihr aufstehen. „Was hast du denn?" Er sieht ihr gequältes Gesicht, das leere Zimmer. „Also fort ist er!" sagt er und seufzt.
Lena rafft alle Kraft zusammen. „Geh' doch — geh' ihm doch nach — halt' ihn zurück, sag' ihm doch, daß ich ..."
Gräfe braust auf. „Ich denke gar nicht daran, ihm nachzulaufen, so einem wie dem —"
„Gott, wie bist du hart, Christoph, wie seid ihr alle hart!"
„Der Gräfehof hat immer ganze Kerle hervorgebracht, nicht solche —"
„Er ist ja gar nicht so, wie du glaubst!" Lena schreit es ihm ins Gesicht.
„So? Ach so, du bist also für ihn", sagt Christoph Gräfe kalt. „Nun ja, das ist ja deine Sache! Das geht mich nichts an. Nur — mit mir hast du's dann verschüttet, wenn du's mit dem hältst!"
Und damit geht auch er. Lena lehnt noch immer an der offenen Tür. Sie zittert, sie friert.
Wäre ich niemals hier eingekehrt — hätte ich dieses Haus nie betreten! Gottfried, will sie denken. Aber auch er ist ihr fern. Nie zuvor ist Lena Oette- king so grenzenlos allein ^gewesen.
Ein schöner Spätsommertaa! Paradiesisch wäre er, ginge man nicht mit bedrücktem Herzen an seiner Pracht vorbei. Die prallgelben, fetten Kürbisse lachen übers ganze Gesicht, um den Gartenzaun schlängeln sich blühende Ranken, und dahinter düsten die Rosen. Riesige Sonnenblumen ragen auf, und sie überstrahlen an Farben und Prunk den Phlox und die Astern und den seidenweichen Fuchsschwanz.
Der Umweg durch das Dorf lohnt sich schon. Erni hat eine Bestellung beim Krämer auszurichten. Dann aber schlagen die drei, die Lena aus dem Haus geschickt hat, Richtung nach Schloß Plessen ein. Sie wählen den Steig, der unten um den Berg
Wich öu ta schaffen,Lena-
Vornan von Martina eckart-helm
ist auch er nicht. Schon nach zwei Takten bricht er den „Fridericus", seinen Leib- und Magenmarsch, wieder ab. Auch in ihm rumort der Krach zu Hause. Und dabei kann Jupp den Großen gar nicht einmal so in Grund und Boden verdammen, wie der Vater es tut. Er findet im Gegenteil, daß der Hermann mit der Belzigbrauerei ein ganz patentes Ding gedreht hat.
Ja, natürlich, er hat Ernis Geld genommen —> hm, ja —. Hier verwirren sich Jupps Gedanken, und er lenkt schnell ab. Dreht sich nach den beiden um, die langsam nachkommen. . -
„Also achthundert Morgen ist deine ostpreußische Klitsche groß?" fragt er und meint Gottfried Von« hoff. „Nicht übel. Auch Weizenboden?"
Er hätte das lieber nicht fragen sollen, denn nun meldet sich bei Gottfried Bonhoff wieder das ver- trafte Verantwortungsgefühl. Längst müßte er zu Haufe sein.
„Meist Roggenboden", sagt Gottfried. „Vierhundert davon sind Wald und See."
„Donnerwetter, das ist ein Jagdgebiet! Auch Elche?"
„Alles kannst du dort haben: Fischreiher, Kraniche, Gabelweihen — nur wenig Menschen! Die sind da selten."
Jupp ist Feuer und Flamme für dieses Land. Gottfried hat ihn sckon ein paarmal aufgefordert, nach Ostpreußen zu kommen.
Die Unterhaltung wird immer angeregter. Erni geht schweigend nebenher. Innerlich zittert sie noch von dem Zusammenprall zwischen Vater und Sohn. Wie ein Gewitter entlud sich das. Hat man nicht schon Aengste genug wegen der Autobahn ausgestanden? Der Autovahnbau war ja auch hier der Hintergrund zu Hermanns Handeln gewesen. War es denn nun wirklich so schlimm, daß er ihr Geld genommen hatte? Sie wußte ja nicht einmal, daß sie soviel besaß. Sie brauchte das Geld gar nicht. Zur Aussteuer hatte es Mutter bestimmt? Ach, sie würde nie heiraten. Nein, niemals! Etwa einen wie Fred Schneider? Erni ist ganz Abwehr, wenn sie an ihn denkt. Ja, wenn so einer käme wie Gott» fried. Bonhoff! (Fortsetzung folgt.)
Hermann reißt an seinem Kragen, sein Gesicht wird heiß und rot.
„Nicht schwer nehmen? Soll ich dir wiederholen, wie er mir die Ehre abschnitt?"
Lena hält sich die Ohren zu. „Ich weiß ja, ich weiß."
Hermann schweigt, aber in seinem Gesicht arbeitet es weiter. Und dann fallen wie Hiebe die Worte: „An der Kette hat er mich gehabt die ganze Zeit, unfrei hat er mich gemacht, nicht rühren konnte ich mich."
,Xber, Hermann, warum hast du nie gesagt, daß du darunter gelitten hast?"
„Weil es mir erst klar wurde, als du unser Haus betratft!"
Lena erschauert. Nein, davon will sie nicht spre- chen, um Gottes Willen nicht! Aber der Damm ist gebrochen. Es gibt kein Halten mehr. „Ein richtiger Mann, ein ganzer Kerl will der sein, der eine Frau liebt! Nicht am Gängelbande liegen. Frei will er fein, Platz will er haben, zeigen, was er kann!"
Lena preßt die Hand auf ihr Herz. Sie will an Gottfried denken, nur an Gottfried. Müßte sie nicht aufitehen und gehen? Sie kann es nicht.
„Ein Gewese braucht der Mann, wenn er an die Frau, an Kinder denkt! Sein eigenes Leben will er bauen, damit er der Frau zeigen kann: hier, das bin ich! Das habe ich fertiggebracht! Und das werden mir Zusammenhalten, Frau, du und ich!"
Er hat sich auf die Fensterbank gesetzt, die Fäuste aufs Knie gepreßt. Seine Auge« glühen vor Leiden- ^„Als es dann um die Quellen ging, mußte ich Rat schaffen. Der Gräfehof ist ein Dreck ohne die Brauerei. Ich ganz allein mußte daran denken, daß ich nicht als Halber dastehe, ich, der Hof erbe. Die Belzigbrauerei war die Rettung! Auf den Mist geworfen ist das Geld von der Erni nicht, nein, so dumm bin ich schon nicht. Ich weiß, was ich tu! In ein paar Jahren hätte sie das Geld wiedergekriegt, mit allen Zinsen, denn so ein Bruchladen fit die Belzigbrauerei ja gar nicht! Aber nun ist ja wieder mal alles zerhauen. Nun stehe ich als
C3
it besiegen den Schmutz auch mit weniger Seife. Uur immer vorher
gut emMichen mit läruko. Das hilft!


