Ausgabe 
11.5.1940
 
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Identität auf holländischem Boden einmal verhaftet worden waren. Er üoergab auch den deutschen Mittelsmännern eine mit Copper unterschriebene Bescheinigung, in der alle holländischen Organe ersucht werden, dem Inhaber dieser Bescheinigung die Möglichkeit zu geben, eine Geheimnummer in dem Haag (556,331) anzurufen: die Nummer des englischen Geheimdienstes. Für die beiden lebten Zusammentreffen hatte Klop-Copper, nach seinen eigenen und der Engländer Angaben, zur Vor­sicht ermahnt und gewarnt, eine größere Anzahl holländischer Geheimpolizisten beordert, und beim letzten Male sogar die holländischen Militär­posten zur Sicherung vorgezoaen. Er war es auch, der beim letzten Zusammentreffen in Erkenntnis der unangenehmen Folgen seiner drohenden Verhaftung als erster Feuer gab.

Die Verhandlungsgrundlage bildete« die von der englischen Regierung durch Funtspruch an Best gegebenen und von diesem den deutschen Mittels­männern übergebenen Weisungen. Diese Weisungen basierten auf folgenden englischen Vorschlägen: Beseitigung deS Führers, Beseitigung deS heutigen deutschen Regimes sowie aller führenden Männer und Ersetzung durch eine England genehme Re­gierung. Ferner wurde bei den Besprechungen verlangt die Aufgabe der derzeitigen deutschen Wirtschaftspolitik und die Rückkehr Deutschlands zum (Goldstandard. Wie aus diesen Verhandlungen hervorging, war das Endziel der britischen Forde­rungen nicht nur die Rückkehr zum Versailler System, sondern darüber hinauSgehend die Auf­lösung deS Reiches und die Errichtung eines derativen TtaatenfystemS,Deutschland sollte auf alle Zeiten ohnmächtig gemacht werden.

Die deutschen Mittelsmänner gingen scheinbar auf den Plan ein, sie behielten sich die Genehmigung derdeuttchen Oppositionsführung" vor. Daraufhin wurden sie von den Engländern ersucht, einen

höheren Bevollmächtigten beizubringen, der sich mit den englischen Agenten nochmals in Holland treffen sollte.

Nachdem die englischen Agenten diesen Ver­handlungsverlauf an die britische Regierung durch ein Telephongespräch des Herrn Stevens nach London im Beisein eines der vermeintlichen deutschen Oppositionsmitglieder berichtet hatten, erklärte der damalige Chef des englischen Nachrichtendienstes, Admiral Sinclair, telephonisch daS Einverständnis des englischen Außenministers Lord Halifax mit dem bisherigen Gang der Verhandlungen. Stevens gab nunmehr zur gefahrloseren Aufrechterhaltung des Verkehrs wie bereits bekannt ein englisches Sende- und Empfangsgerät und einen Geheimcode, um mit der im Haag stationierten, unter dem belgi­schen Rufzeichen ON 4 arbeitenden englischen Leit­funkstelle Verbindung zu halten.

In Ausführung des ihnen erteilten Befehls gelang es dem Sicherheitsdienst des Reichsführers ff und der Geheimen Staatspolizei, unter Vortäuschung von Grenz- und Beobachtungsschwierigkeiten die Engländer dreimal in ein als Schmugglerlokal be­kanntes Gasthaus nach Venlo zu locken. 10 Meter von der offiziellen Grenze entfernt. Befehlsgemäß arretierten sie hier nach einem Feuergefecht die beiden englischen Nachrichtenoffiziere, den schwer­verwundeten holländischen Generalstabsoffizier und den holländischen Chauffeur der englischen Nach­richtenoffiziere, Le m mens.

In dem festen Glauben, mit einerdeutschen Oppositionsgruppe" Verbindung zu haben, läßt der Vertreter Stevens' in dem Haag, Cptr. Hendricks noch am 16. 11. 1939 also 7 Tage nach der Ver­haftung von Best und StevenSum 12 Uhr 30 mittags der vermeintlichen deutschen Oppositionsgruppe mit­teilen, daßman den Funkspruch der deutschen Oppositionsgruppe vom Tage vorher erhalten habe und nach tote vor bereit sei, auf der in den Aus­

sprachen bis jetzt festgelegten Basis weiter zu ver­handeln, daß man jedoch vorher Herrn Minister­präsidenten Daladier befragen müsse und daß man auf Grund der eingetretenen Umstände beim nächsten Zusammentreffen besondere Vorsicht walten lassen müsse". Durch die lebendigen Zeugen und Dokumente wird daS ergänzt und bestätigt, was bereits vorher über die hochverräterischen Umsturzpläne' Englands und Hollands unter Beteiligung Belgiens bekannt war.

Besonders erschütternd aber und aufschlußreich über die Pläne -Englands mit denneutralen" Staaten Holland und Belgien ist die wegen ihrer Wichtigkeit wörtlich wiedergegebene, in Düsseldorf am Abend, des 9. 11. 1939 aufgeno'mmene Ver­ne hmungsniederschrift des damals schwerver­wundeten holländischen Oberleutnants Klop (Ab­schrift der Originalvernehmung in Anlage 1 und 2). Das durch Oberleutnant Klop in seiner Vernehmung gemachte schwerwiegende Geständnis über die enge Zusammenarbeit des kriegführenden England mit demneutralen" Holland und Belgien zum Nachteil des Deutschen Reiches wurde im Wege des Kreuz­verhörs Major Stevens und Captain Best vor­gehalten, um weitere Einzelheiten über die für Deutschland gefährliche Zusammenarbeit Englands und Frankreichs mit demneutralen" Holland und Belgien zu erlangen.

Diese für die Arbeit der britischen Agenten und deren verbrecherisches Treiben wichtigen, Angaben der britischen Nachrichtenoffiziere werden die Grund­lage für ein demnächst öffentlich durchzuführendes ordentliches Strafverfahren abgeben, das Auf­schluß geben wird über die dunklen Pläne der obskuren, homosexuellen, ja sogar asozialen verbrecherischen Elemente deS sogenanntensecret inteIHgence Service.

Reichsminister des Innern: gez. Frick.

Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei: gez. Himmler.

Wie Belgien Sie militärischen Vorbereitungen der Westmächte unterstützte.

Oer Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht.

Der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht über die militärischen Vorbereitungen Belgiens und der Niederlande, mit dessen Veröffentlichung wir be­reits gestern begonnen haben, fahrt fort:

6. Die pioniertechnischen Vorbereitungen zur Grenzsicherung sind einseitig gegen D e u t s cd l a n d gerichtet. Schon bet Krieasnus- bruch bestand an oer deutschen Grenze ein dichtes Netz vorbereiteter und bewachter Sperrungen, an der französischen Grenze dagegen nur wenige ganz leichte Sperren. Während die Sperren an der bel­gischen Ost- und Nordgrenze fieberhaft weiter aus- gebaut wurden, sind die Sperren an der sranzösi- schen Grenze, wie einwandfrei festgestellt wurde, seit Oktober 1939, besonders aber seit Anfang Januar 1940 beseitigt und die Sprengla- d u n g en aus den Kunstbauten wieder ent­fernt worden.

7. Die Räumung militärischer Anlagen und kriegswirtschaftlich wichtiger Betriebe und der Ab­transport der Bevölkerung ist nur in den Gebieten an derdeutschenGrenze vorbereitet worden. Bezeichnenderweise sind die Ziele der Räu­mung Orte an oer französischen Grenze und Küste.

8. Seit Oktober 1939 häufen sich die Anzeichen, daß Belgien nicht nur England upd Frankreich durch seine einseitige militärpolitische Haltung be­günstigt, sondern auch zu militärischen Ab­machungen mit den beiden Staaten übergegan­gen ist. Belgien bat sich das Recht aur Abhaltung von Generalstabsbesprechunaen mit fremden Staa­ten in einer Erklärung des Auswärtigen Aus­schusses des Senates am 22. 6. 1939 vorbehalten.

Der belgische Verteidigungsmini st er hat in der Kammeraussprache am 7. 2. 1940 hin­sichtlich der militärischen Garantien gewisser Mächte erklärt:diese Garantie muß schnell funktionieren, um wirksam zu sein ... Unter Berücksichtigung die­ser Verpflichtungen kann versichert werden, daß kein Faktor vernachlässigt wurde, der den Garantie­mächten'der Unabhängigkeit es ermöglicht, die Ver­pflichtungen zu erfüllen, die sie freiwillig eingegan­gen sind."

Aus dieser Erklärung geht klar hervor, daß Be­sprechungen zwischen den Generalstäben Belaiens und der Weltmächte durchgeführt worden sind, denn an Deutschland sind derartige An­suchen niemals gestellt worden. Dazu muß festgestellt werden, däß derartige Besprecbun- gen, die die Unterlagen für ein sofortiges Wirksam­werden der Garantieverpflichtungen Frankreichs und Englands bilden, mit höchster Billigung durch­geführt sein müssen. In einer Verfügung des bel­gischen Berteidigungsministeriums von 1937 sind genaue Anordnungen über die Straßenverteilung im Falle eines englisch-französischen Vormarsches schriftlich festgelegt.

Folgende Feststellungen beweisen ferner, daß bel­gischerseits Vorkehrungen für den französisch-eng­lischen Einmarsch getroffen sind und beweisen damit ebenfalls das Bestehen belgisch-französisch-englischer Generalstabsbesprechungen, dieeinseitig gegen Deutschland gerichtet sind:

a) Beseitigung der ohnehin geringfügigen Sperr­maßnahmen an der französischen Grenze (vergl. Ziffer 6).

b) Die Gendarmerie erhielt an der französischen Grenze am 6. 11. 39 Anweisung, die Wege im Falle eines französischen Einmarsches frei zu machen und alle zivilen Fuhrwerke von den Ein- marschstraßen x\i entfernen. Während im deutschen Grenzgebiet alle Wegweiser und Ortsschilder ent­fernt worden sind, blieben sie tm französischen Grenzgebiet bestehen oder wurden wieder aufae- ricbtet. Die gleichen Beobachtungen wurden am 13. und 14. Januar 1940 gemacht. In den folgenden Wochen wurden entsprechende Maßnahmen fortge­setzt. -

c) Um den Abtransport französischer und eng­lischer Truppen zu erleichtern, wurde Eisen­bahnmaterial, darunter insbesondere zahl­reiche Lokomotiven, an der französischen Grenze bereitgestellt. Besonders zahlreiche Lokomotiven und Leerzüge wurden auf der Strecke MeninCourtrai, in Vaux-les-Tournai, Blaton, QuiSvrain und zwischen Charleroi und Maubeuae am 10. 11., dann wieder am 25. 11. und 2. 12. 39 festgestellt. Aehnliche Tatsachen wurden erkannt am 23. und 24. 1. 40, ferner Anfang April an der Grenze bei Mons-Maubeuge und bei Roubaix- Charleroi. Zu dem gleichen Zweck wurden Kraft- f a h r ze u g k o l o n n e n an der französi­schen Grenze gesammelt, u, a. in Qui6 fltota am laiLSa, .

d) 3n der Jtadjf vom 13. zum 14.1.1940 wurde von der Zentrale der belgischen Eisenbahnen In Brüssel ein Telegramm herausgegeben, durch das belgisches Eifenbahnleermaterial für die französisch­britischen Truppen zur Verfügung gestellt wurde. Das Telegramm hatte folgenden Wortlaut:Liner Benutzung des belgischen Llsenbahnmaterials durch die französisch-britischen Truppen steht nichts mehr entgegen."

e) Nach einer Mitteilung befand sich eine fran­zösische motorisierte Kolonne am 15.1. 1940 auf dem französischen Teil der Straße von Steenvoord nach Poperinghe einmarschbereit in betlt Abschnitt, wo diese Straße die Grenze zwi­schen Frankreich und Belgien bildet. Der führende französische Offizier begab sich dann zwecks Fest­stellung, ob ein Vormarsch in belgisches Gebiet er­folgen solle, etwa 200 Meter weit auf belai- Iches Gebiet, um mit dem dort anwesenden belgischen Offizier Rücksprache zu nehmen. Da sich herausstellte, daß entsprechende Befehle noch nicht gegeben waren, kehrte der französische Offizier wie­der, ZU seiner Abteilung zurück und marschierte mit dieser ab. Eine Internierung des betreffenden Offi­ziers erfolgte nicht.

Am 15. 1. 40 überschritt eine französische motori­sierte Kolonne die belgische Grenze und marschierte einige Kilometer in das Land in der Richtuna auf Poperinghe zu. Der örtliche belgische Befehlshaber heil diesem französischen Truppenteil ohne wei­teres g e ft a f t e t, wieder auf französischen Boden zurückzutehren.

f) Die Bürgermeister Im Ardennengebiet erhiel­ten am 10. 12. 39 Anweisung, für die Unter­bringung französischer Truppen Vor­bereitungen zu treffen. 3m Zusammenhang mit aus Frankreich vorliegenden Nachrichten ergibt sich, daß belgische Vachrichtentruppen im Dezember 1939 an der Errichtung einer für eine hohe französische Kommanhostelle bestimmten Befehlsstelle ge­arbeitet haben.

g) Im November und Dezember 1939 hielten sich Vorkommandos für einen französischen Einmarsch in der Gegend von Lüttich und im Ar- dennenaebiet mit Wissen der belgischen Offiziere auf. Sie traten zur äußeren Tarnung als französische Urlauber in Erscheinung und führ­ten ihre Uniform im Koffer mit sich.

h) Die unter Einsatz sehr zahlreicher Bautruppen bei Lüttich und am Albert-Kanal hergestellten Stellungen und Befestigungen sind offensichtlich von Anfang an für den Einsatz englischer und französischer Kräfte berechnet, da ihr Umfang die Leistungsfähig- keit des belgischen Heeres bei weitem übersteigt.

Ebenso wurde im Dezember 1939 festgestellt, daß im Gebiet von Dinant und nordostwärts Mons die neuen Befestigungsarbeiten unter Leitung französischer Ingenieure ausgeführt mür­ben. Die Franzosen überschritten für diese Arbeiten täglich im französischen Kraftwagen die Grenze und wurden von Dinant in belgischen Militärkraft­wagen zur Arbeitsstelle gebracht.

Bei Bauarbeiten im Bezirk Ervelde in Flandern für einen Umgehungskanal und Stellungen für Flak, Artillerie und weittragende Geschütze wurden die Arbeiten durch englische Ingenieure geleitet.

Am 20. 4. wurde aus Antwerpen gemeldet, daß der DampferCity of Skmla" (zirka 11000 Brt.) mit Waffen, Munition und gro- ßen Tanks für britische Truppen aus London eintraf und gelöscht wurde.

Aus allen diesen Feststellungen geht einwandfrei hervor, daß zwischen Belgien und den Westmächten nicht nur Generalstabsabmachungen bestehen, son­dern daß Belgien seit Witte Oktober die offene Unterstützung der Destmächte vorbe­reitet. Dem belgischen Heer fällt die Aufgabe zu, den zu erwartenden deutschen Gegenangriff gegen die zur Ruhr vorstohenden Engländer und Franzosen in der Nähe der Grenze solange auf- z u h a l t e n, bis die englisch-französischen Kräfte herangekommen find.

9. Hinsichtlich des Einsatzes b er franzö­sisch-englischen Truppen auf belgi - sch e m Gebiet besteht in der belgischen Öffent­lichkeit schon seit langem eine geiftige Heber» einftimmung mit den Westmächten. Ihre Ein­stellung wird laufend mit behördlicher Billigung

im Sinne der Westmächte weiter beeinflußt und verstärkt.

a) Am 26. 2.1940 veröffentlichte derTemp s" auf höheren Befehl einen Artikel, in dem ganz offen gesagt wird, daß die Verteidigung Belgiens besser gesichert wäre, wenn sich französisch- englische Streitkräfte an der Seite der belgischen Einheiten am Albert-Kanal, an der Maas und in den Ardennen befin­den würden. Ein offizieller Protest belgischerseits gegen diesen Artikel oder ein Verbot der Zeitung ist daher auch nicht erfolgt. Lediglich die flämische ZeitungStandaard" yat in scharfer Form gegen diese französische Forderung Stellung genommen.

b) Eine Meldung vorn 15. 2. 1940 stellt fest, daß gerade in der letzten Zeit kleine belgische Tages- zeitungen in längeren oder kürzeren Artikeln dar- auf hinwiesen, daß es zweifellos vorn strategischen Gesichtspunkt unter Umstanden besser fei, wenn Engländer und Franzosen schon setzt an der Maas stehen würden.

c) In Paris sprach der belgische Abgeordnete Pierard über dieunlösbare Verbundenheit" zwischen Belgien und Frankreich. Auch hier ist ein offizielles Abrücken von Seiten der belgischen Re­gierung nicht erfolgt.

d) In der belgischen ZeitungMetropole" schreibt Augur nach einer Meldung vom 23. 2. 1940, daß England dieeinseitige Neutralität Nor­wegens und anderer Staaten" nicht dulden wolle. Es sei nur eine Frage der Zeit, daß diese Neutralität als hinfällig erklärt werde. Auch hier ist von einem Einschreiten der belgischen Behörden nichts bekannt.

e) Die französische ZeitungJournal" schreibt nach einer Meldung vom 9. 1. 1940 in einem aus Brüssel datierten Artikel, daß diejenigen in Frank­reich sich täuschten, die glaubten, Belgien stehe nicht an ihrer Seite, usw.

10. Alle über den f ra n z ö sl f ch - en gll f ch en Aufmarsch vorliegenden Rachrichten sowie die Ergebnisse der Luftaufklärung lassen einwandfrei erkennen, daß der linke Flügel zu einem Angriff durch belgisches Gebiet bereit- g e st e t l t ist. An der belgischen Grenze stehen nahe­zu sämtliche motorisierten und 3nfan- terie-DIVisionen sowie die Panzer- und Kavallerie-Divisionen. 3n den Bahn­höfen dieser Gegend und rückwärts davon ist z a h I- reiches Eisenbahnleermaterial be­reit g e st e 11 t. Bei den französischen Divisionen befinden sich vor allem auch eine größere Zahl nordafrikanischer Divisionen, die als ausgesprochene Angriffsdivisionen gelten.

Trotz dieses umfangreichen französisch-englischen, für Belgien bedrohlichen Aufmarsches wurde die belgische K r ä f t e g r u p p i c r u n g gleich­zeitig einseitig gegen Deutsch! am d ge­richtet. Es fanden dann am 13.1. noch weitere Truppenverschiebungen nach Osten statt. Zwei bis- her im Raum um Brüssel stehende Divisionen wur­den an die Ost- bzw. Nordostfront, hauptsächlich zur Verstärkung des Albert-Kanal-Abschnittes, eine weitere bisher im Küstengebiet eingesetzte Division ebenfalls nach Osten abbefördert. Ferner wurden ab 12.1. die Grenzsicherungs- und Sperrmaßnah­men an der belgisch-deutschen Grenze plötzlich so verschärft, daß eine fast vollkommene Abschlie - ßung oer Grenze eintrat. Dabei gab der Sen­der Bound Brock schon am 16.1. 16 Uhr bekannt, daß an der Westfront d i e englischen Trup­pen zum Einmarsch in Belgien bereit» ständen.

In den folgenden Wochen und Monaten wurden der verschärfte Aufmarsch gegenüber Deutschland und die völlige Deffnung der belgischen Südwest­grenze nicht rückgängig gemacht, sondern im Gegen­teil noch weiter ausgebaut.

11. Aus dem Gebiet der Luftwaffe liegt eben­falls eine militärische Zusammenarbeit Belgiens mit den Westmächten vor. Sie ist bei ihrer einseitigen Durchführung ausdrücklich gegen Deutschland ge­richtet und vollendet das Bild der Zusammenarbeit Belgiens mit den Westmächten zu Lande. Sie er­streckt sich auf Materiallieferungen, ak­tive Unterstützung im Flugzeugbau und wird weiter erhärtet durch die Anlage von Flug­plätzen und Einsatzhäfen für England auf belgischem Hoheitsgebiet. Diese Flugpläße sind nur für einen Einsatz gegen Deutschland bestimmt. Durch diese Maßnahmen und durch weitere Unter­lagen werden einwandfrei die der Reichsregierung bekannten Vereinbarungen des belgischen General

ftabes mit denen der Westmächte beftätigt. Neutra- litätsverletzunaen belgischen Gebietes durch Flug­zeuge der Westmächtt ohne genügende Abwehrmaß­nahmen seitens Belgiens sind ein weiterer Beweis für diese einseitige Einstellung.

12. Auf dem Gebiete der Seekrlegführung unterstützt Belgien die Westmächte dadurch, daß es eine bisher streng durchgeführte belgische Verord­nung, nach der im Hafen von Antwerpen ein­laufende Schiffe Sprengmunition über 300 Kilo­gramm entladen müssen, zugunsten der bewaffneten Handelsschiffe der Westmächte nicht mehr durchführt.

13. Es ist einwandfrei nachzuweisen, daß Belgien zur Vorbereitung seiner Teilnahme am Kriege gegen Deutschland auch eine weitgehende Begünstigung der Niederlande vorgesehen hat. Die nieoerldnhi- schen Truppen und Polizeikräfte im Maastrich - ter Zipfel hatten am 11.11. 39 den Befehl, nach Erfüllung ihrer Gefechtsaufträge über belgi­sches Gebiet und unter Benutzung belgischer Eisenbahnen nach den südlichen Niederlanden auszuweichen.

14. Besonders schwerwiegend sind jedoch Mel­dungen aus letzter Zeit, die einwandfrei nachweisen,

KrümenlJÄt

daß England nicht nur einen Einmarsch in Belgien vorbereitet, sondern daß sich bereits Englän­derin Belgien befinden und zur Besetzung wichfiger Punkte wie Flugplätze wenn natürlich auch getarnt geschritten sind.

Schon im April befand sich englisches Militär ge­tarnt in Belgien. Eine zuverlässige Quelle meldet: ... England hat schon alles vorbereitet und Maß­nahmen getroffen. Man kann sagen, daß die Eng­länder schon in Belgien sind und daß im geeigneten Augenblick England die Maske abnehmen wird."

Eine andere ebenso zuverlässige Quelle bestätigte diese Meldung durch die Mitteilung, daß sich am 15. 4. in St. Niklas bei Lüttich 18 bri­tische Flugzeuge befanden, bet denen es sich angeblich umSportflieger" gehandelt habe. Diese sogenanntenSportflieger" seien englische Offiziere, die in der belgischen Armee als In­strukteure dienen. Der Berichterstatter hat ferner in Knockezoute am See an der belgisch-holländischen Grenze auf dem Flugplatz 14 englische Ma­schinen beobachtet, die wieder als angebliche Sportflugzeuge" bezeichnet worden sind. Auf die Tatsache, daß es sich auch hierbei umTarn- maßnahmen" handelt, braucht nicht besonders hingewiefen zu werden.

Zu diesen Berichten sind in den letzten Tagen weitere aus völlig sicheren Quellen stammende Mel­dungen hinzugekommen, die darin übereinftimmen, daß feit den letzten Apriltagen bei einer ganzen Reihe belgischer Kommandostellen englisch- französische Vorkommandos e-ingetroffen sind. Diese Meldungen beweisen, daß das Einrücken der englisch-französischen Truppen in Belgien binnen Kürze bevorsteht.

So wird z. B. von der belgisch-französischen Grenze am 30. April folgende, auf die Mitteilung eines belgischen Beamten zurückgehende Meldung erstattet:Dieser Taae sind in Gruppen von je­weils mehreren Personenkraftwagen, die belgische Nummern führten, aber zweifellos zum franzö­sischen Heere gehörten, französische Offi­ziere mit Begleitpersonal nach Belgien gekommen. Die Gruppen haben die Grenze fast alle in den frühen Morgenstunden passiert, so daß ihre Ein­reise nur von den Grenzbeamten und Grenzposten gesehen werden konnte."

Don einem Gewährsmann wird am 1. Mai die­ses Jahres aus Antwerpen folgendes bekannt: In zwei Hotels in Antwerpen fliegen gestern Gruppen von Engländern ad, aus deren Verhalten ohne weiteres *u entnehmen fit, daß es sich bei ihnen um englische Offiziere handeln muß. Dies wurde dadurch bewiesen, daß alsbald nach dem (Ein­treffen der einen Gruppe zwei belgische Offiziere in den Hotels vorsprachen, um mit den Engländern geraume Zeit zu konferieren."

Nach eurer Meldung aus Belgien vorn 1. Mai dieses Jahres sind in Namur feit einigen Tagen Franzosen anzutreffen, die augenscheinlich mit den belgischen KommandosteUen zu tun haben. Dies wird and) durch die Aus sage eines belgischen Sol­daten bestätigt, der gehört yat, daß es sich bei den F-.'anzofen um vorausbeförderte Teile bes Stabes einer Division handele, die an der französischen Grenze den Befehl zum Einmarsch nach Belgien in kürzester Frist erwarte.

Aus Brüffel trifft am 3.Mai folgende Mel­dung ein:Vach 3nformationen aus sicherer, streng geheimer Quelle find englische und franzv- fische Verbindungsstäbe im Laufe der letz­ten Tage bei verschiedenen höheren belgischen Kommando st eiten eingetrofien. Nähere Mel­dungen darüber liegen bereits aus Gent, Antwerpen, Aerschot und Lüttich vor. Wie ich weiter erfahre, stehl das EinrÜcken der Armeen der West­mächte In Belgien noch im Laufe des Mai bevor: es ist möglich, daß der Termin hier­für angesichts der allgemeinen Lage noch eine Ver­legung erfährt."

Nach der Aussage einer soeben aus Belgien zu­rückgekehrten Persönlichkeit herrscht seit einigen la­gen in belgischen Armeekreisen eine zuversichtliche Stimmung. Ein ihm seit Jahren bekannter Ge­schäftsfreund, der ihm hiervon erzählte, gab habet der Vermutung Ausdruck, daß dem bestimmte An- Zeichen dafür zugrunde liegen mußten, daß Belgien nicht mehr Gefahr laufe, das Schicksal Polens oder Norwegens zu erleiden.

1. Die häufige Betonung der Neutralitäts- und Selbständigkeitspolitik der höchsten Stellen in den Niederlanden ließ erwarten, daß die Nieder­lande diese Selbständigkeitspolitik nach allen Seiten wahren und jede Verletzung der Neutralität, von welcher Seite fi£ auch kommen würde, ent- prechend abwehren würden. Der Aufmarsch des holländischen Heeres bei Kriegsbeginn Anfang September 1939 trug auch her Tatsache Rechnung, daß für die Neutralität des Landes die jnauptge- ahr in einer englischen Landung lag. So landen Ende September im westlichen Teile Hol­lands, also mit Front im wesentlichen gegen Eng­land, 5 Divisionen, an der Grebbe-Linie 2 Divisio­nen, an her Ostgrenze außer Grenzschutztruppen (dabei die leichte Division) 2 Divisionen.

In der zweiten Oktoberhälfte wurde jedoch, wie beim belgischen Heere, eine Verlagerung des Schwerpunktes' innerhalb her Festung Holland von der Küste zur Grebbe-Linie festgestellt. Arn 25. 10. standen

an der Grebbe-Linie etwa 3 Divisionen,' in her Festung Holland nur noch etwa zwei

bis drei Diolfloneit*