Nr. 109 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Holland und Belgien als Sprungbrett des britischen Geheimdienstes.
Der Bericht des Reichsinnenmimsters mber die Wühlarbeit des Secret Service gegen Führer und Reich.
Berlin, den 29. März 1940.
Bericht.
Schon während des Weltkrieges arbeitete der englische Nachrichtendienst nicht nur mit dem England verbündeten Belgien eng zusammen, sondern er konnte sich der Unterstützung maßgeblichster amtlicher Stellen des auch damals neu- traten Holland versichern. Auch damals konnte England und der englische Nachrichtendienst mit bewußter Unterstützung des neutralen Holland seinen Krieg mit den Mitteln der Zersetzung, Bestechung, Sabotage und Blockade führen, und zwar
1. unter dem englischen Nachrichtenoffizier T i n s - l e y (Reserveoffizier der R. N.) gegen das deutsche Heimatgebiet,
2. unter Admiral Gordon Campbell aeaen die deutsche Marine,
3. unter dem Major Wallinger und z
4. unter Hauptmann Cameron, beide für die englische Territorialarmee gegen die deutsche Front.
Tinsley's Büro lief unter der Firma Uranium Steam Ship Comp. Unter seinen Mitarbeitern befand sich außer dem später emigrierten südafrikanischen Juden und Engländer Hauptmann Landau, der spätere Nachfolger Tinsleys P. C. £)., in Den Haag D a l t o n, der Engländer Service alias Saunders, u. a.
Die Hauptarbeit in wirtschaftlicher Beziehung gegen Deutschland (Schwarze Listen usw.) lag beim Rotterdamer englischen Generalkonsul, dessen wichtigster Mitarbeiter der jüdische Handelsattache O p ° penheimer war. Wesentlichster Verbindungsmann der Engländer zu holländischen Behörden war damals der englische Hauptmann B e n n e t, der durch den holländischen Kommissar von Rotterdam van der Po Nachrichten über Deutschland und alle Hilfe polizeilicher Art erhielt.
Die beste Unterstützung erhielten aber die Engländer seinerzeit schon durch den Vertrauensmann der holländischen Königin, den Polizeikommissar van TS a n f in Rotterdam, der nicht nur selber englisches Geld nahm, sondern als Vertrauter des holländischen Prinzgemahls Heinrich der Niederlande die Verbindung zu diesem herstellte. — Die Unterstützung des kostspieligen Lebens des Prinzgemahls mit englischen Nachrichtengeldern bildeten dann die letzte Sicherung für das reibungslose Arbeiten des englischen Nachrichtendienstes im „neutralen Holland".
Es ist bekannt, daß nach dem Weltkrieg diese enge Arbeitsgemeinschaft mit dem neutralen Holland und mit dem heute neutralen Belgien nicht aufgegeben wurde, sondern bestens ausgebaut mit bestem Wissen und Billigung amtlicher Stellen immer weiter geführt wurde, und heute, den englischen Befehlen gehorchend, mit Hochdruck arbeitet.
Die Organisation des Secret intelligente service, die mit ihren Offizieren, Vertrauensmännern und englischen wie ausländischen Agenten im englischen Weltreich mehr innerpolitische Funktion, ^außerhalb des englischen Weltreiches nachrichtendienstliche, wirtschaftlich-propagandistische und Sabotage- Funktionen politischer und militärischer Art ausübt, wurde bisher von dem am 4. 11. 1939 verstorbenen Admiral Sinclair (C. S. S.) geleitet. — Die Geschäfte hat zur Zeit sein ständiger Vertreter, Oberst Stewart M e n z i o s , übernommen. Das organisatorische Gerippe im englischen Reich wie in den außerenglischen Ländern bilden die sogenannten Paßstellen (Passport control Office p.c.o.), an deren Spitze jeweils erfahrene Nachrichtenoffiziere stehen, die zur Tarnung amtlich beglaubigte, diplomatische Beamte sind. Wie z. B. Dunderdale in Paris, Poarson in der Schweiz, war Major Stevens als Paßport-Control-Officer bei der englischen Gesandtschaft in dem Haag als deren erster Gesandtschaftssekretär offiziell beglaubigter Diplomat.
Als wichtige Ergänzung dieser „amtlichen" Nachrichte nor-ganisntion der P. C. O. gibt es eine unmittelbar von London aus geleitete Sondercrrga- nisatio n im S. I. S. — zuweilen auch Z.-Organisation genannt —, in der eine maßgebliche Rolle der frühere PaßporbControl-Officer Colonel D a n s e y , jetzt in der Schweiz, spielt. Diese Sonderorganisation hat überwiegend politische Aufträge von besonderer Bedeutung. — Gleichzeitig obliegt ihr eine gewisse Form der internen Ueberwachung des Service selbst. — Die Z.-Organisation steht in Friedenszeiten in keinem Zusammenhang mit den P. C. O.s und kann im Kriege im Bedarfsfälle zur technischen Sicherstellung einer Kurierverbindung und zur Vermeidung von sich gegenseitig gefährdender Agenten-Doppelarbeit mit der P. C. O.-Organisation gekoppelt werden. — Dies hatte man in Holland durchgeführt. — Wichtiger Beauftragter dieser Z.-Organisation war der in Haft befindliche Mr. B e st mit dem Sitz In den Haag, der — wie bekannt — schon im Weltkrieg als Generalstabs- Hauptmann in Holland im englischen Nachrichtendienst tätig war. Cptn. B e st übte als Mann dieser Sonderorganisation unter ausgesprochener kaufmännisch-wirtschaftlicher Tarpung, unter Benutzung seiner jahrelangen Hollanderfahrung, seine Tätigkeit int Rahmen einer von ihm gegründeten Holding-Gesellschaft aus. Die Holding-Gesellschaft ist Aktien-Gesellschaft N. V. Haandelsdienst voor het continent, Continental Trade Service. —
Fiomenteilhaber sind die Holländer H e u f und van der Willi k. — Sein Komplize war vor allem van der Willis der politischen Nachrichtendienst und aktive Spionage zu Ungunsten Deutschlands laufend verübte. Das Büro der Gesellschaft befand sich in den Haag, Nieuw Uitlege 15.
Bests Arbeit ist typisch für die Methoden des englischen Geheimdienstes: die wichtigsten Auskünfte durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Verbindungen herauszuarbeiten: Seine Beziehungen zu holländischen Regierungsstellen, offiziell wie inoffiziell, waren äußerst gut und wurden verstärkt durch feine gesellschaftlichen Ver
bindungen, die ihm seine holländische Frau (Tochter des bekannten holländischen Generals van Roes) als Porträt-Malerin — sie malte den verstorbenen Prinzgemahl Heinrich und im Auftrage des englischen Königs die Prinzessin der Niederlande — schaffte, falls die kaufmännischen oder illegalen nicht ausreichten.
Dor Kriegsbeginn stand Cptn. Best unmittelbar mit London bzw. mit dem Leiter der Z-Stelle in Brüssel (Dansey) in Verbindung. Dansey war im Laufe einer Woche drei Tage in London und jeweils drei Tage in Brüssel. Kurz vor Kriegsbeginn wurde Cptn. Best mit Major Stevens zur technischen Vereinfachung der Arbeit durch Befehl Londons zusammengekoppelt. Cptn. Best benutzte von diesem Zeitpunkt ab die technischen Vergünstigungen (Kurierweg, Code-Telegramm usw.) der PCO.- Dienststelle des Majors Stevens. In der Dienststelle des Majors Stevens sind tätig: 1. Cptn. Hendricks, früher belgischer Staatsangehöriger, jetzt Engländer, war Vertreter von Stevens. Er ist der Hauptoerbindungsmann als früherer belgischer Staatsangehöriger, der auch während des Weltkrieges in der belgischen Armee gedient hatte, zum belgischen Nachrichtendienst und dem PC.-Offizier Oberst Calthrope. 2. Cptn. Rodney Dennys,
Die Tatsache des Zusammenwirkens der gemeinschaftlichen Tätigkeit des belgischen und französischen Nachrichtendienstes einerseits mit dem englischen Nachrichtendienst andererseits ist darüber hinaus u. o. daraus ersichtlich, daß der „ehemalige" englische Nachrichtenoffizier, Hauptmann Leslies M e l v i l e, und der „ehemalige" französische Nachrichtenoffizier Eptn. N e i x Verbindungsoffiziere ihrer Nachrichtendienste beim belgischen Nachrichtendienst sind. 3n Holland bedient sich der englische Nachrichtendienst, sofern er nicht in der Lage ist, deutsche Verräter anzuwerben, überwiegend holländischer Staatsangehöriger zur Erfüllung seiner Aufträge in und gegen Deutschland. Nach der gleichen Methode verfährt der S. 3. S. auch in Belgien, wo man sich überwiegend der Belgier bedient. Das englische System kann nur wirksam arbeiten, weil es die restlose Unterstützung und Billigung seiner Arbeit maßgeblichster, amtlicher, militärischer und politischer Stellen Hollands und Belgiens genießt.
Aehnlich dem selbstverständlichen Nachrichtenaustausch zwischen Stevens und seinem französischen Kollegen in Holland, Major Trutat, über alle militärischen und politischen Nachrichten aus Deutschland (Stevens war vor Dienstantritt in den Haag zur Information in Paris, im deuxieme bureau bei Oberst Rivet und Oberst Sesser) hatten auch Stevens und Trutat mit Genehmigung des Oberkommandos der holländischen Land- und Seestreitkräfte einen gleichen Austausch mit den inzwischen aus seinem Dienst entlassenen Chef des holländischen Informationsdienstes im Niederländischen Generalstab, Generalmajor van Oorschot, vereinbart. Erleichtert wurde diese Aufgabe dadurch, daß Oorschots Frau Engländerin und er selber Vorsitzender der Holländisch-englischen Gesellschaft in den Haag ist und jedes Jahr seinen Urlaub mit Admiral Sinclair (C. S. S.) und Cptn. Howard in England verbrachte. General van Oorschot hat Stevens die Bekanntschaft des Juden van B tanke n st e i n , eines fanatischen Deutschenfeindes, vermittelt, und zwar in voller Kenntnis der Tatsache, daß Stevens nachrichtendienstliche Verbindungen gegen Deutschland suchte. General van Oorschot hat mit ihm sogar eingehend über die Eignung des van Blankenstein als Nachrichtenagent und seine Zuverlässigkeit im britischen Sinne gesprochen. General van Oorschot trat stets gegen jedermann als wichtiger und ehrenwerter Zeuge für die ausschließlich gegen Deutschland gerichtete Tätigkeit des britischen Nachrichtendienstes in Holland ein. Dieses Bild wird durch die Tatsache abgerundet, daß der Leiter des holländischen Nachrichtendienstes, der Angehörige des holländischen Generalstabes van Oorschot, für den britischen PCO. in den Haag, die Agentennummer 930 führte.
Daß aber nicht nur das Oberkommando der holländischen Land- und Seestreitkräfte bewußt mit England gegen Deutschland arbeitete, sondern auch andere maßgebliche Stellen gleichfalls mit England 'zusammenwirkten, erhellen folgende Tatbestände:
Der holländische 3ustizminisler des 3ahres 1938, Dr. Goefeling, war es, der auf Ersuchen des holländischen Generalstabes dem Wunsch Sievens' entsprechend die Enthaftung des im Auftrage Englands arbeitenden und in Dänemark wegen englischer Spionage verhafteten Emigranten und Schiffssaboteurs Poetfch veranlaßte Poetsch unterhielt im Auftrage des englischen Nachrichtendienstes ein ausgebautes Netz von Saboteuren, il<l auch in den nordischen Ländern, das eine dauernd erhöhte Abwehrtätigkeit bis zu feiner Verhaftung in Dänemark erforderlich gemacht hatte.
Um die Schwierigkeiten von vornherein aus
offizieller Bearbeiter der Paßkontrolle und Leiter der Ueberwachung. 3. Cptn. Lionel Loewe, Jude, Bearbeiter der Heeresfragen und Hauptverbindungsmann zum holländischen Generalstab. 4. Vrin- ten, pensionierter, holländischer Polizeibeamter, mit hervorragenden Beziehungen, ist der eigentliche Hauptagent und Agentenwerber (Recruter) feit dem Weltkriege in englischen Diensten, Verbindungsmann zu sämtlichen holländischen Polizeibehörden. 5. Newhouse, britischer Politoffizier (Luftnachrichten). 6. Posthuna, Holländer, Agent und Paßkontrolleur. 7. Rhodes. 8. Steetman. 9. Brewer (Engländer, die rein Nachrichtendienst- lich unter der Tarnung des Paß-Controller tätig waren, also 7, 8 und 9). 10. Inman, Funker der Dienststelle. 11. Walsh, Funker der Dienststelle. Das Büro befindet sich in Den Haag, Nieuwe Parklaan 57. — Die Zusammenarbeit zwischen Colonel Calthrope, dem Leiter der englischen PCO. in Brüssel, und Stevens war naturgemäß sehr eng und äußerst fruchtbar. Stevens stand neben seiner Verbindung zu und über Calthrope auch unmittelbar mit dem belgischen Nachrichtendienst in Den Haag, nämlich über den zweiten Militärattache Major Diepenryk in Verbindung. Calthrope arbeitet sehr eng mit dem Leiter des belgischen Nachrichtendienstes, Colonel Marckx, zusammen.
Die gleiche Zusammenarbeit besteht über den Austausch von Nachrichten zwischen dem belgischen und französischen Nachrichtendienst sowohl als auch dem englischen Nachrichtendienst mit dem Chef des belgischen Generalstabes, Generalmajor M i ch e m bzw. dem Lieutnant-General v a n d e n B e r g en E. N., Verbindungsoffiziere zum holländischen Generalstab. Cptn. Lionel Loewe arbeitete als Spezialist für Heeresfragen besonders eng mit seinem Kollegen, dem holländischen Hauptmann O l i fi e r s , zusammen, der wiederum besonderer Spezialist in Fragen der deutschen Wehrmacht im niederländischen Generalstab war bzw. ist. Major R o s e b o o m, Leiter des holländischen militärischen Nachrichtendienstes (Abwehr) stand und steht noch in Verbindung mit dem nächsten Mitarbeiter und jetzigen Vertreter des Stevens, Hendricks, die beide aufs engste laufend gut Zusammenarbeiten. Verbindungsmann des französischen Nachrichtendienstes zum holländischen Generalstab ist Major Trutat, der wiederum besonders eng mit seinem Kollegen, dem Major van der Plansche, im holländischen Generalstab, zusammenarbvitet und darüber chinaus gut befreundet ist.
Auf diesem Wege erhielten — wie die Aussage der beiden hier in Haft befindlichen Nachrichten-Offiziere bestätigt — England und Frankreich maßgebliches Geheimmaterial über wichtigeDislokationen der deutschen Wehrmacht. Best charakterisiert die Zusammenarbeit wörtlich wie folgt: Stevens arbeitete in Holland so, als ob er Offizier des holländischen Generalstabes gewesen sei."
Die Zusammenarbeit mit dem englischen Nachrichtendienst-Offizier, Captain Dunderdale in Paris, war naturgemäß sehr eng. Captain Dunderdale zog z. B. gemeinsam mit Major Stevens und Captain Best ein Agentennetz in «Deutschland auf. Besonders wichtig in der Arbeitsverbindung zwischen Major Stevens und Captain Best und Captain Dunderdale war ein ehemaliger holländischer Marine-Offizier namens Paul K o ft e r , der in Frankreich lebt. Er ist von Beruf Waffen Händler (Millionär). Koster hat hervorragende Verbindungen zur holländischen Wehrmacht. Seine Freundschaft mit dem holländischen Vizeadmiral I. Th. Furstner"— auch eng befreundet mit Carstens — ist so eng, daß er diesem den Plan eines Marine-Küsten- Nachrichtendienstes für die Engländer, gegen Deutschland gerichtet, bis ins» einzelne nebst Agenten, Sendern und Kurierwagen ausgearbeitet, vortrug. Admiral Furstner deckte das Vorgehen des Koster. Koster hat sich dem britischen Nachrichtendienst nicht nur für die Beschaffung von Nachrichten über die deutsche Wehrmacht, Heer, Luftwaffe Marine, sondern auch zur Durchführung von Sabotageakt en jeder Art zur Verfügung gestellt. Für Sabotageakte stellte er laufend Agenten.
zuschalten, die dadurch entstehen könnten, daß nachgeordnete holländische 3ustizbeamte in Unkenntnis der Vereinbarung höherer amtlicher Stellen die Agenten und Nachrichtenoffiziere des S. 3. S. behelligten und deren Arbeit störten, hatte der holländische General van Oorschot mit den englischen und französischen Nachrichtenoffizieren verabredet, daß bei überraschenden Festnahmen die Agenten des englischen Dienstes sich stets als solche des holländischen Nachrichtendienstes ausgeben und sich auf General van Oorschot berufen sollten. Diese Vereinbarung wurde deshalb auch wirksam, als der Sekretär des Eaptn. Best, der Holländer Voorburgh, von nachgeordneten holländischen 3ustizorganen vorübergehend f e st- genommen wurde. Als der Witarbeiter des Majors Stevens. RhtzdeZ Mon-SWex, Sotzy
Engste Zusammenarbeit mit den Nachrichtendiensten der Weflmächte.
Englands Auftrag war Beseitigung des Führers und politischen Umsturz in Deutschland.
Samstag, U. Mai (940
eines Generals), durch den Verlust eines Geheimberichtes derartig bloßgestellt war, daß die holländische Polizei gegen ihn einschreiten und ihn zur Ausweisung bringen mußte, wurde durch Vermittlung des Generals van Oorschot und des Majors Roseboom die Angelegenheit als unbedeutend, obwohl bereits der britische Gesandte offiziell eine Demarche unternommen hatte, totgeschwiegen.
Diese Methoden bewährten sich auch bei den Ver- handlungen der englischen Nachrichtenoffiziere mit der vermeintlichen deutschen Opposition und deren vorübergehender Verhaftung.
So wie in Holland, arbeitet der Service auch i n Belgien mit den amtlichen Stellen. Dies erhellt das folgende Beispiel: Der bereits erwähnte Schiffssaboteur Poetsch wurde auf Veranlassung Cal- thropes durch Vermittlung Stevens von den Holländern nach Belgien abgeschoben. Alle Schwierigkeiten des Grenzüberganges und der erforderlichen sich wiederholenden Aufenthaltsgenehmigung durch, die belgischen Behörden beseitigte Calthrope in der gleichen Form der Zusammenarbeit mit dem belgischen Nachrichtendienst und den belgischen Militärbehörden, wie Stevens und Best es in Holland taten.
Der Tradition und den Erfahrungen der englischen Politik und des englischen Geheimdienstes entsprechend versucht die Londoner Zentrale (hier Lord Halifax) seit.längerer
\ Zeit mit allen Mitteln Verbindung zu deutschen Oppositionsgruppen aufzunchmen mit dem Ziel, die nationalsozialistische Regierung zu stürzen. Nach der Vorstellung der überwiegend von Emigranten unterrichteten englischen Regierungskreise soll in Deutschland eine genügend starke Opposition bestehen. So erhält im Oktober 1939 Eaptain Best von der Zentrale in London den Auftrag, Verbindungen mit Mittelsmännern aufzunehmen, die bis dahin über den deutschen Emigranten, früheren ZentrumSmann und Ministerialdirektor Karl SPiccker an der englischen Z-Organisation angekoppelt gewesen waren. Best erhält folgenden Auftrag: Vertiefung der Verbindung zur deutschen Opposition, möglichst Verhandlung mit einem von allen
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NUDELN
Oppositionellen in Deutschland bevollmächtigten hohen Beauftragten, Ziel der Verhand-^ lung sollte eS sein: völliger politischer Umsturz in Deutschland, Beseitigung deS Führers und seiner engsten Mitarbeiter, Friedensschluß gemäß den englischen Kriegszielen, d. h. Wiederherstellung'deS Status quo, insbesondere hinsichtlich der Tschechoslowakei, Oesterreichs, Danzigs, Polens usw. Grundgedanke war, daß England in der Wiederholung früherer Gedankcugänge, durch innerdeutschen Umsturz den Krieg, den es fürchtete, militärisch .nicht führen zu können, zu seinen
Gunsten entscheiden wollte.
... Innenministerium X.
Sicherheitsdienst der ff und Geheime Staatspolizei erhielten rechtzeitig durch ihre Nachrichtenverbindung Kenntnis von diesen Plänen, schalteten sich ein und meldeten den Vorgang der Reichsregierung. Die Reichsregierung befahl das Weiterspielen dieses von England erstrebten Umsturzvlanes bis und einschließlich der Arretierung der englischen Nachrichtenoffiziere zum dokumentarischen Beweis.
Stevens erkannte die hohe politische Bedeutung dieser Verhandlungen und bemühte sich darum, daß die Londoner Zentrale (Sinclair bzw. Halifax) die Verhandlungen dem englischen Gesandten in dem Haag, Sir Blend, übertrüge. London lehnte in Uebereinstimmung mit der Auffassung des englischen Gesandten diese Uebertragung ab und beauftragte weiterhin den englischen Nachrichtendienst mit den Verhandlungen mit dem Befehl, laufend telephonische und telegraphische Unterrichtung zu geben. Nach Aussage der englischen Nachrichtenoffiziere war die offizielle Ausschaltung des englischen Gesandten als Vertreter bei'dem neutralen Holland eine diplomatische Vorsichtsmaßnahme zur Wahrung des Gesichts nach außen.
Zur reibungslosen Durchführung dieser wichtigen Umsturz-Verhandlungen (in der Note des englischen Außenamtes als „Friedensverhandlungen" zugegeben!) sucht Stevens den General van Oorschot auf und unterrichtet ihck über den beabsichtigten Umsturzplan. Van Oorschot unterrichtete den Chef des Stabes des Oberkommandos der holländischen Land- und Seestreitkräfte, Carstens, und deren Vorgesetzte über die Absichten des englischen Geheimdienstes und beteiligt sich auf Weisung seiner Vorgesetzten durch Entsendung des holländischen Generalstabsoffiziers Klop an den Umsturzverhandlungen, wobei er diesem ganz bestimmte Weisungen gab: 1. Alle Kontrollschwierigkeiten im Zusammenhang mit den Umsturzverhandlungen zu beseitigen. 2. Den persönlichen Schutz der englischen Nachrichtenoffiziere zu garantieren und 3. seine Vorgesetzten laufend über den Stand des Umsturzplanes zu unterrichten. Um die Partnerschaft des neutralen Hollands an diesen Umsturzverhandlungen auf Seiten Englands auch den deutschen Mittelsmännern gegenüber zu verheimlichen, erhielt der holländische Generalstabsoffizier. Klop vom General van Oorschot vorsorglicherweise den Auftrag, als englischer Offizier aufzutreten und den englischen Decknamen Captain Copper anzunehmen.
Durch Vermittlung und Unterstützung des Klop konnte es zu fünfmaligem Zusammentreffen von Stevens, Best, Copper (in Wirklichkeit Klop) mit den deutschen Mittelsmännern, und zwar am 21. 10. in Zutphen und Arnheim, am 30. 10. in dem Haag, am 7. 11. in Backhus bei Venlo, am 8. 11. in Backhus bei Venlo, am 9. 11. in Backhus bei Venlo kommen. Bei allen Zusammenkünften war Copper-Klop zugegen, beteiligte sich aktiv an den Verhandlungen, beseitigte alle polizeilichen und — soweit holländisches Operations- und Ueberschwemmungsgebiet gegenüber der deutschen Grenze berührt wurde — auch militärische Kontrollschwierigkeiten durch persönliches Eingreifen. Copper-Klov erwirkte die Freilassung der vermeintlichen Mittelsmänner de? deutschen Dppysstiyn, als sie Mr KeMAW jW


