Stelldichein der Kuriositäten.
Was bei der Gießener Metallspende alles abgeliefert wurde.
Die Metallsammelstelle in der Marktstraße in (Ziehen -hat sich im Laufe der wenigen Tage ihres Bestehens bereits zu einem Museum der Kuriositäten entwickelt. Zum Teil sind diese Kuriositäten im Schaufenster, zum Teil im Ablieferungsraum selbst ausgestellt. Gewichtige Dinge sind dabei, künstlerische und unkünstlerische, solche an der Grenze zwischen Kitsch und Kun-st und solche, die eindeutig Kitsch bedeuten.
Das edelste Stück, das bisher der Sammlung abgeliefert wurde, ist ein schwerer Mörser mit vielen Verzierungen im Charakter der Renaissance. Er trägt die Jahreszahl 1643. Aber was soll man zum Beispiel davon denken, wenn man eine Hand König Ludwig I. von Bayern in schwerem Blei- guß nachgebildet liegen sieht, die Hand jenes Königs, der im Starnberger See ertrank. Reben einer Bronzestatue des Altreichskanzlers Bismarck steht eine von vielfältigem Metallzierat überladene Bowlenterrine. In eine Ecke gedrängt steht ein Mädchen aus Kupferbronze; aus einem Bach, dessen Wellen ebenfalls aus Kupferbronze sind, schöpft sie Wasser — vielmehr, sie will es gerade tun. Hart und kalt fühlt sich das Mägdlein an.
tzn einer anderen Ecke stehen Säbel beieinander, eine bunte und unterschiedliche Gesellschaft. Einer dieser Säbel scheint, seiner Form nach zu schließen, einem Türken, vielleicht vor den Toren Wiens, abgenommen worden zu sein. Ein anderer, schlanker und schmiegsamer Degen ist aus Damaszener Stahl; dann ist noch ein schwerer Säbel da, den vielleicht im Kriege 1870/71 ein Gardekürassier geschwungen hat. Jetzt treten sie gemeinsam in die letzte Etappe ihres sicherlich reichen Schicksals und dienen in ihrer Auflösung dem Vaterland.
Dann fällt ein bombastischer Schild mit gekreuzten Langen auf. Wie von Spinnweben ist der ganze Schild mit Ornamenten überzogen. In der Mitte des Schildes befindet sich «in Zifferblatt; eine sehr merkwürdige Uhr also! Dann steht noch eine andere Uhr da; sie stellt als Hauptstück einen Jäger dar, der sich in einer richtigen Landschaft befindet. An diesem Prunkstück von ehemals ist aber auch, „alles dran": da sind Hund, Beute, Gartenzaun und Bäume, da sind auch sonst alle Embleme in Metall ausgedrückt, die man sich in Verbindung mit dem Jäger denken kann. Das Ganze ist ein schaurig
schönes Stück, und die Zeit, in der es geschaffen wurde, scheint uns in weiter Ferne zu sein.
Dann kommt uns eine uralte Pistole in die Hände, die mit schweren Messinabeschlägen verziert ist. Es hat den Anschein, als sei sie unmittelbar nach der Erfindung des Schießpulvers geschaffen worden, so primitiv ist sie, so derb, und so fern von aller durchdachten Konstruktion der Mafien der Gegenwart.
Interessant ist die Tatsache, daß die Männer, die die Metallgegenstände entaegennahmen, bisher nur wenige Gewichte zur Verfügung hatten. Jetzt sind ihnen Gewichte aus Messing abgeliefert worden, die nun zunächst beim Abwiegen der Spenden Dienst tun. Und wenn dann die Sammlung abgeschlossen wird, werden sie hinter all deck vielen Sachen herwandern, deren Gewicht sie fesfitellen halsen.
Roch vieles andere muß der Chronist verzeichnen. Die Fleischer-Innung lieferte einen Jubiläumspokal ab und eine hiesige Bank hatte auch einen großen Pokal zu spenden. Die Spielvereinigung 1900 räumte gewaltig in ihren Schränken und lieferte eine ganze Reihe Pokale ab. Von der GRG. 1877 steht eine prunkvolle Bowlenterrine da. Diele Kraftfahrer, die Plaketten an ihren Wagen hatten, die von irgendwelchen Rennen oder Stern- und Zielfahrten herrührten, brachten diese Erinnerungszeichen. Die Jugenh gar brachte, wenn vielleicht auch schweren Herzens, begeistert für die große Sache, ihre Bleisoldaten zum Opfer und ließ stolz ihren Namen notieren. Auch sie werden dann nach der Sammlung die Spendenurkunde erhalten als Erinnerungszeichen an eine wahrhaft große Zeit.
Noch hält der Strom der Spender gleichmäßig an. Immer noch wird in der Wohnung, in Kellern und Boden gekramt. Unermüdlich sind die Männer in der Sammelstelle tätig, um die Spenden zu registrieren. Schon jetzt darf gesagt werden, daß sich die Stadt Gießen mit dem Ergebnis ihrer Metallsammlung ein neues Ruhmesblatt der Opferbereitschaft schaffen wird.
Noch einmal sei darauf hin-gewissen, daß sich die Sammelstelle für GießenrStadt in der Marktstraße befindet. In den Vororten Klein-Linden und Wie- seck werden die Metalle in den Verwaltungsstellen entgegengenommen. N.
Oie Allerersten.
Nahrung, die am Wege wächst.
Sie wächst wirklich am Wege, blüht auf Wiesen, am Feldrain und im Wald und soll nicht vergeblich blühen, denn dieses junge Frühlingsgrün ist köstlicher Erdsegen.
Da sproßt fast auf Schritt und Tritt die Brennessel, eine unserer zuckerreichsten Pflanzen. Schon unsere Vorfahren kannten ihren Kochwert und bereiteten aus ihren ersten Frühlingstrieben entweder — unter Zusatz von Milch und Butter — ein Spinatgemüse, oder sie kochten die jungen Triebe und Blatter mit Fleisch zusammen, wodurch das Fleisch zarter wird und die Suppe einen feinen Beigeschmack erhält. Auch in der russischen Küche ist junger Nesselspinat ein altbeliebtes Gemüse. Aber beim Pflücken heißt es vorsichtig sein: man pflückt in Handschuhen und hantiert bis zum Abbrühen mit zwei Löffeln.
Als Frühlingsblattgemüse lassen sich ferner die zierlichen, dem Boden dicht aufliegenden Blatt» rosetten der wilden Zichorie oder Wegwarte verwenden, der „wilden Endivie", so genannt, weil sie mit der echten Endivie tatsächlich nahe verwandt ist. Genießbar sind aber nur die jungen Blätter, und am wohlschmeckendsten sind sie, wenn sie, zuerst weich gekocht und dann erkaltet, als pikanter Salat zubereitet werden. Der leicht bittere Geschmack verliert sich nach kurzer Gewöhnung. Jedenfalls. gehört der „Raditsch", wie man die Wildzichorie in den italienischen und jugoslawischen Küstenländern nennt, dort zu den Frühlingssalaten, die auch in den feinsten Gaststätten nicht fehlen dürfen.
Eines Tages ist es auch so weit, daß der Löwenzahn wieder junge Blätter bildet, und da heißt es denn zupacken, so lang sie noch klein, hell, und zart sind. Infolge des im ersten Frühjahr be- i
sonders reichen Gehalts des jungen Grüns an Mineralsalzen ist ein Salat aus zerschnittenen Löwenzahnblättern nicht nur eine nahrhafte, sondern auch heilkräftige Rohkost, und wenn ein zerhacktes Ei darunter gemischt wird, eine Frühlingsfeinkost, die sich sehen lassen kann. Ein „Aber" ist freilich dabei. Um einen Teller dieses Salats zu erhalten, braucht man nämlich sehr viele der jungen Blätter, denn der Feinschmecker verzehrt sie nur, so lang sie nicht mehr als fünf Zentimeter hoch sind. Es empfiehlt sich deshalb, den Löwenzahnsalat nur als Beimischung zu anderem Salat — etwa zu Kartoffelsalat — zu verwenden, wozu er sich sehr gut eignet.
Zur gleichen Zeit treibt auf den Wiesen auch der Sauerampfer seine pfeilförmigen, saftigen Blätter in die Höhe, die mit ihrem pikant-säuerlichen Geschmack zu einer vortrefflichen, spinatähnlichen Soße verkocht werden können; durch Beigabe von Melde-Blättern läßt sich übrigens die Säure mildern, ebenso auch durch etwas Milch. Die dem Spinat verwandten Meldearten, namentlich die Gartenmelde — die auch verwildert vorkommt — liefern, besonders bann, wenn die Pflanzen noch jung sind, auch für sich allein ein wohlschmeckendes Gemüse, weshalb die Gartenmelde vor der Einführung des Spinats häufig in unseren Küchengärten gezogen wurde. Nur muß man bei den wildwachsenden Arten, die bisweilen rot gefärbt sind, beim Pflücken der Blätter auf ihren Geruch achten, weil manche von ihnen fischartig oder sonstwie unangenehm riechen und dann natürlich unbrauchbar sind. Außerdem schneidet man das bitter schmeckend« Herzblatt heraus. Dasselbe gilt auch für die Gänsefuß-Arten, deren junge Blätter ebenfalls zu Spinat verkocht werden können.
In den Frühlings-Gemusetopf können in spinat
Aus der Stadt Gießen.
Heckenzäune.
Reichsforstmeister Hermann Göring will die hölzernen und eisernen Gartenzäune, da er für Metall und Holz eine wichtigere Verwendung hat, durch Heckenzäune ersetzen und dem ältesten und ursprünglichsten Gartenzaun, der lebenden Hecke, wieder zu seinem naturgegebenen Recht verhelfen. Seit dem aermanischen Rodezeitalter hat sich außer der Feld- flur noch eine weitere Form des Kulturbodens herausgestaltet — das „Hausland". Darunter versteht man ein Stück Nutzboden, an der Hofstätte gelegen und umzäunt. Es ist der Ursprung des Gartens, dessen Name .(vom gotischen gairöan — gürten) gleichfalls einen umfriedeten Raum bezeichnet. Ein umzäuntes Rasenstück mit einigen Obstbäumen und Krautpflanzen: das war unser ältester deutscher Vaüerngarten. Die Umzäunung wurde bewerkstelligt durch die lebende Hecke; sie ist noch immer der schönste und vornehmste Zaun, und kein Staketenzaun, auch kein Drahtgeflecht kann dagegen aufkommen.
Auch heuer zeigt sich das erste Frühlingsgrün in den Hecken, die als Gehege den Garten, als Schutz gegen Unberufene die Obstbäume umgeben, die als Knick die Viehweide einfrieden und an der Ackergrenze, am Rain, der Vogelwelt Rast und Nest bieten. Heckensträucher sind das Dorado für die gefiederte Welt. Gerade den nützlichen Vögeln bieten die Hecken mit ihren Früchten beliebte Nahrung und durch ihre Dornen sicheren Schutz gegen Raubvögel, Fuchse und wildernde Katzen.
Die Hecke hat zum deutschen Volk von jeher in besonderen Beziehungen gestanden und hat ihr Teil beigetragen zur Ernährung der von ihr behüteten Menschen. Als im Dreißigjährigen Krieg die Marodeure der Kriegsheere unseren bäuerlichen Vorfahren alles Getreide und Vieh raubten, den letzten Laib Brot wegfraßen und ihnen nichts ließen, als das nackte Leben, da zogen die hungernden Landleute an die Hecken, sammelten Schlehen und dörrten sie über dem Feuer, um daraus ein fladen- förmiges Brot zu backen. Schlehenmus wird auch heute noch vielfach auf dem Lande gegessen, -und „Schleebranntwein" gilt in Süddeutschland bei Männlein und Weiblein als wohlgeschätzte Medizin. Unter den kriechenden Stachelgewächfen liefern der Himbeerstrauch und der Brombeerstrauch die beliebtesten Früchte; aus ihnen macht man süße Tafelliköre — mehr 'was für Damen! Die schwarzen Holunderbeeren hat man von je als „Mus" und Hausarznei geschätzt. Der Holunder, Holler, Holder, der Baum der Frau Holle, in grauer Vorzeit schon hoch geehrt, schützt vor allem bösen Zauber; in feinem Schatten schläft man sicher, ungefährdet von Schlangen und Mücken.
Sie alle überragt die märchenumsponnene Heckenrose; Dornröschen hat unter ihrem Schutz geschlafen. Die Hecke, dem Menschen treu verbunden, war immer Stoff und Zugabe für das deutsche Märchen.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Feuerteufel". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Morgenrot". — Altersvereinigung der Damen 1890/1940: 20.30 Uhr Zusammenkunft im „Schipkapah".
Kahenhaltung und Naturschutz.
Es ist an der Zeit, auf den Schaden hinzuweisen, den Katzen an der Vogelwelt anrichten können, wenn sie sorglos ins Freie gelassen werden. Hat man einen Garten, in dem Vögel nisten, so schütze man die Nester durch Stacheldraht, Dornenreisig ober sonstig? geeignete Maßnahmen. Zum Schutze der Vögel lasse man während der Brutzeit (April—Juli) seine Katzen nach Möglichkeit nicht ins Freie. Wo dies undurchführbar ist, sorge man wenigstens • dafür, daß in diesen Monaten die Katzen nachts im Hause bleiben und besonders ausreichend gefüttert werden. Vor allem darf feine Katze morgens hungrig das Haus verlassen. Abends ist die Heimkehr durch Verabreichung einer von der Katze bevorzugten Nahrung im Innern des Hauses anzustreben. Junge Katzen sind zur Duldung von Vögeln anzuhalten, was bei liebevoller Pflege vielfach gelingt. Wer dies tut, schützt seine eigene Katze vor Verfolgung und Mißhandlung und trägt dazu bei, den unwürdigen Streit zwischen Vogelfreunden und Katzenhaltern zu beenden. Nach § 2 Ziffer 5 des Reichstierschutzgesetzes ist das Aussetzen von Katzen, um sich ihrer zu entledigen, verboten.
Oer Kapitulant.
Don Erich Grisar.
Verdammt nochmal, sagte Willy Vollbeck, als die Sirene der Maschinenfabrik Hollmann zur Mittagspause blies. Jetzt habe ich doch meine Butterbrote vergessen.
Ra, wird so schlimm nicht sein, meinte ein Arbeitskamerad. Da gehst du rüber zum Metzger, holst dir ein Stück Fleischwurst, paar Brötchen dazu, bann wird's schon gehen.
Du hast gut reden, aber vielleicht sagst du mir auch, wo ich die Fleischmarken dazu hernehmen soll.
Richtig, an die habe ich nicht gedacht.
Woran hast du nicht gedacht, mischte sich nun August Surkamp ins Gespräch.
An di« Fleischkarten. Willy hat nämlich seine Butterbrote vergessen. Er hätte sich sonst beim Metzger ein Stück Wurst holen wollen.
Ist bas euer ganzer Kummer, meinte August gemütlich. Laß ihn doch mit in die Werkskantine gehen. Eine Portion EsseN wird wohl für ihn übrig sein.
Wenn du meinst, daß das geht, sagte Willy und schloß sich den Kameraden an, die zur Kantine gehen, wo die Essenausgabe bereits in vollem Gange war.
Da saß der lange Fritz, der jetzt wieder nach Hause gekommen ist, nachdem er den ganzen Polenkrieg mitgemacht hat, neben ihm haut der dicke Karl in seine Eßschüssel, daß er schwitzt. Emil vom Kran sitzt gleich hinter ihm und der alte Vorarbeiter, den sie den Hahn nennen, wtzil er in seinem ganzen Auftreten an diese gewichtige Perlon des Hühnerhofes erinnert, legt eben den Löffel fort, um mit der Gabel nach dem Fleisch zu angeln, das in das Essen gekocht ist.
Allen sieht man an, wie gut es ihnen schmeckt und wenn auch mancher zu beqem war, sich erst zu waschen, er steckt sein ölgeschwärztes Gesicht doch mit gleichem Behagen in die weiße Porzellanschüssel, die nun auch vor Willy Vollbeck dampft. Schon ist da und dort einer fertig mit feiner Mahlzeit und fröhliche Scherzworte fliegen durch den Raum. Auf allen Mienen ist das Glück dieser Stunde zu spüren, die der Lohn treu erfüllter Pflicht
ist. Nur Willy Vollbeck sitzt da, als sei ihm ein Knochen, der versehentlich in die SHüssel aeraten ist, quer die Kehle hinuntergegangen, so das August Surkamp, der die Sache mit der Eßmarke für ihn in Ordnung gebracht hat, ihn nach einer Weile fragt: Schmeckt es dir Nicht?
Doch, doch, beteuert Willy und zeigt seine Schüssel, die er bis zum Boden leergekratzt hat.
Ja, was hast du denn, fragt August weiter.
Nichts, weicht Willy aus. Ich ärger mich nur immer noch, daß ich so vergeßlich bin.
Ach, du trauerst deinen Butterbroten nach. Bist du denn nicht satt geworden?
Doch doch, beeilt sich Willy zu antworten, nur ...
Was nur?
Ich meine, ich hätte ganz gut noch einen Löffel voll vertragen können.
Ach so, lacht August Surkamp, kapitulieren möchtest du? Dann geh doch hin und hol dir noch einen Schlag.
Nein, wehrt Willy ab, das tu ich nicht. Ich will ja schließlich nicht aus dem Rahmen fallen.
Aus dem Rahmen fallen? Nun tu mir aber nicht leid. Du brauchst dich doch nicht zu schämen, daß du Hunger hast. Schließlich mußt du ja auch ordentlich ran bei deiner Arbeit. Also los, geh hin und hol dir noch was. Oder soll ich für dich gehn?
Willy bleibt bei seinem nein und erst als August weiter in ihn dringt, verrät er den Grund, warum er so eisern ist. Da oben steht es dock), sagt er und zeigt auf ein großes Plakat, das wir andern im Eifer des Essens gar nicht beachtet haben. Da oben steht doch groß genug hingemalt: W i r kapitulieren nie!
Ach du gerechter Strohsack, sagt da August Surkamp. Deshalb brauchst du deinen Maaen wirklich nicht auf halb sieben hängen zu lassen. Los, geh hin und hol dir noch einen Schlag, damit du auch rundherum satt wirst; denn dazu reichts noch allemal bei uns. Und weil es immer dazu reichen wird, darum werden wir auch nie kapitulieren. Vor den Engländern nämlich und wer sonst an unfern Wagen will
Ja, wenn das so ist, sagt Willy merklich erleichtert und er eilt mit frohem Gesicht zur Essenausgabe, um sich noch einen großen Löffel voll geben zu lassen.
Gießener Giadtiheaier.
Silpps: „Leichte Kavallerie."
Franz von Suppe muß mit Recht als der eigentliche Schöpfer der Wiener Operette gelten. Mochte in seinen .Adern väterlicherseits belgisches Blut pulsieren, mochte die Umwelt der ersten Jugend (geboren in Spalato) nachhaltend italienische Eindrücke befestigen, stark bestimmend für seine musikalische'Eigenart wurde doch wohl die wienerische Mutter. Und gerade durch diese glückliche Verbindung konnte ihm der entscheidende Schritt gelingen. Obwohl er zu den sechziger Jahren hin der französischen Operette sich verhaftet fühlt, weist ihm doch sein gesundes Musikantentum, das die beste Schulung u. a. durch Simon Sechter, dem Lehrer Anton Bruckners, und persönlichen Unterricht bei Donizetti erfahren hatte, den rechten Weg. Fernab von den bissigen parodistischen Einschlägen des Westens, wird seine Operette „Das Pensionat" (1860) zur Geburtsstunde der tyvischen Wiener Richtung mit ihrer flüssigen Melodik, italienisch gelichtet, erfüllt vom herzigen Gemüt des Wieners, bald selig- schwärmend, bald humorvoll-neckisch.
Wenige Jahre darauf (1866) erlebt „Die leichte Kavallerie", nach einem Texte des Wiener Dichters Karl Costa, ihre Erstaufführung. Den nachfolgenden Generationen aber blieb bis auf heute die schwungvoll-frische Ouvertüre vornehmlich im Gedächtnis mit ihren elektrisierenden Rhythmen; das ganze Werk aber hörte man nur seltener. Die musikalische Neufassung von Horst P laten unter Zugrundelegung des Volksspieles von A. Müller und H. Brennecke rückt die dem Werk eigentümlichen Werte in den Blickpunkt, Musikalisches und Politisch- Aktuelles gaben den Grundton an; dazu die reizvolle Vielseitigkeit der Partitur mit ihren Walzerthemen, ihren Marschweisen und dem Sinnig-Gemütvollen. Eine besondere Note trägt die Gestalt der Gräfin Jlonka Csikos in die Musik hinein: die Welt des Czardas. Die Ouvertüre, der sammelnde Brennpunkt des Ganzen, wird dem großen Finale im zweiten Akt mit feinen dramatischen Zuspitzungen zur maßgebenden Grundlage und läßt so das Musikalische im Lichte der Szene aufs neue durchleben.
artiger Zubereitung dann noch die jungen Blätter des Ackersenfs und des A ck e r r e 11 i ch s (He- derich) wandern, fei es als Zusatz zu echtem Spinat, oder überhaupt als Mifchgemüse.
In den ersten Frühlingswochen ist die Auswahl an „wildem Grün" auf Den Wiesen und Wegrändern so reichhaltig, daß man kaum alle die Pflänzchen aufzählen kann, die uns vitaminreiche und gesunde Nahrung spenden. Aber freilich: Probieren geht über Studieren, denn es kommt dabei sehr auf die Art der Zubereitung an. Vorbedingung zum Ge- fingen eines guten Wildgemüses ist sorgfältiges Auslesen und Waschen des — nur jungen — Blattwerks. Dann mit kochendem Wasser überbruhen, worauf das Grün nach einer Weile herausgenom- men und in kochendem Salzwasfer völlig weichgekocht, dann ausgedrückt, zerwiegt und jetzt erst in der üblichen Einbrenne fertig gedämpft wird.
Selbst, wenn man davon absieht, wilde /Zemüse in größerer Menge zu sammeln, so genügt schon eine Handvoll jungen Grüns in die Suppe geworfen, um ihren Geschmack zu verbessern und ihren Gehalt an Nährstoffen, wie sie fast in jeder jungen und gesunden Pflanze enthalten sind, zu erhöhen. L.
Jahreshauptversammlung des Schitlubs Gießen.
In kleinern Kreis hielt gestern der Schiklub Gießen im „Burghof" feine Jahreshauptversammlung ab. Vereinsführer Dörfner erstattete den Jahresbericht. Er erinnerte an die verschiedenen Veranstaltungen des vergangenen Jahres, an di« Fahrt in die Rhön zum Abschluß des Segelflug- Wettbewerbs, an die Beteiligung am Anlagenlauf des Jahres 1939, an die Trockenschikurse, die von den 40 Anfängern besucht worden waren und sich wieder zu einem schönen ideellen und praktischen Erfolg gestalteten, schließlich berichtete der Vereinsfüh. rer über die verschiedenen Wintersportfahrten in den Vogelsberg, insbesondere auch in das Biebertal, das im vergangenen Winter häufig aufgesucht werden konnte und manche schöne Stunde auf Brettern möglich werden ließ. Sechs Mitglieder des Schiklubs hatten eine Fahrt nach Balderschwang unternommen und kehrten von reichen Erlebnissen erfüllt, nach Hause zurück. Mit besonderer Freude berichtete der Dereinsführer über die Kreisschimeisterschaften am Hoherodskopf, die der Schiklub Gießen allein mit 40 Mitgliedern bestritt, während die Gesamtteilnehmerzahl rund 90 Wettkämpfer betrug. Mit schönen Erfolgen nahm der Schiklub Gießen an den Gaumeisterschaften teil. Zum Jahresende wurde eine stimmungsvolle Silvesterfahrt nach dem Hoherods« köpf unternommen.
Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde die neue Satzung des NSRL. verlesen und angenommen. Gleichzeitig wurde beschlossen, den Namen „Schiklub Gießen" beizubehalten. Der Vereinsführer erstattete sodann Bericht über den Stand der Bauarbeiten an der oereinseigenen Hütte am Hoherodskopf. Die Hütte ist, was ihre äußere Gestalt an» betrifft, fertiggestellt. Der Innenausbau soll demnächst erfolgen. Die Kasse des Vereins wurde in bester Ordnung gefunden. Die Kassenlage kann als günstig bezeichnet werden. Den Mitgliedern, die sich im vergangenen Jahre für die Mitarbeit zur Verfügung stellten, rourbe, herzlicher Dank gesagt.
Im weiteren Verlaus der Versammlung wurde mitgeteilt, daß der Sommersport wieder in einem möglichst großen Umfang ausgenommen werden soll. An jedem Sonntag wird auf dem Universitätssportplatz Uebungsmöglichkeit gegeben fein. Auch das Tennisspiel soll gepflegt werden. Vereinsführer D ö r f n e r wurde von der Versammlung auch für das nächste Geschäftsjahr als Dereinsführer vorgeschlagen.
Leere Flaschen
für die Einmachzeit ausnutzen.
Leere, saubere Flaschen kommen der Hausfrau heute gut zustatten; denn beim Einmachen von Rhabarber, grünen Stachelbeeren und Blaubeeren ersetzen sie nicht nur die Einkochgläser, sondern ermöglichen auch das Konservieren ohne Zucker und das Einsparen von Brennstoff durch Wegfällen der Sterilisation. Warum sollen wir nicht in Kriegszeiten, wo es heißt an Gläsern, Dosen, Zucker und Brennstoff sparen, auf altbewährte Verfahren zurückgreifen, wenn sie auch ein wenig umständlicher sind! Geht doch das Einfüllen und Entleeren der Flaschen selbstverständlich nicht so schnell und einfach vonstatten wie von Gläsern oder Dosen. Der Rhabarber muß zudem vorher in entsprechend kleine Stücke geschnitten werden, damit er durch den Fla-
Di« volkstümliche Handlung mit ihren mannigfachen Typen entwickelt« Harry Grünet« in der von ihm oft b em Irenen Weise; Soldat enge ist der friederizianischen Zeit, echter Schneid der Zielen- Husaren wurden zum lebentragenden Element, dabei die vielen Einzelgestalten in sich geschlossen und ursprungsnah ausprägend. Farbigkeit der Kostüme, die vielseitige Belebtheit und Ausstattung der Szenenbilder (Karl Löffler) und die Ausstrahlung im Tänzerischen (Thea Maaß) wurden so zur anziehenden Einheit. Suppes unvergängliche Musik mit der Treffsicherheit des Ausdrucks und des Klanges ließ Richard B o e ck lebendig werden, mit sicherem Geist und Impuls das Tempo ein fangend, und sich im Laufe des Abends immer erschließend; nur den Singstimmen gegenüber wäre an einzelnen Stellen noch mehr Eingehen erwünscht. Die Chöre führte er in Abgestimmtheit.
Herzhaft, resolut, die leitend« Hand im Haus« Bredereck, war Friedel F o r n a l l a z als Ilse, und doch wiederum mädchenhaft innig; in schöner Weise fand sie sich in den Duetten mit Christoph Reuland als Rittmeister der Ziechenhusaren zusammen. Schneidig-kühner, siegesgewisser Offiziersgeist strahlt« von ihm aus, verbunden mit schmelzvoller Stimme und Musikalisch geschmackvollem Singen. Dem gegenüber standen als zweites Paar Eva Eckert als Gräfin Jlonka mit sehnsuchtsgefchwell- ten ungarischen Tönen und tänzerischer Gewandtheit und Gustav Bley als Graf Adolar, würde- getragen in Haltung und Bewegung bei bewährtem gesanglicbem Können. Bernhard Schmitz stellte den Baron von Bredereck als alten Offizier von echtem Schrot und Korn hin; packend und wuchtig- Den Marquis Fontaine gab Siegfried Lowitz- Stürme von Heiterkeit aber entfesselten Harry G r ü n e k e (Unteroffizier Zinke), Walter E r l e r (Trompeter Apfelbaum) und mit ihrer „oberhelfisch en" Echtheit Anneliese Garbe als Lenchen. Hans Voß (Schulmeister), Max Schneider- Oe st (Pastor) und Harry Braunwarth (Förster) fügten sich dem Ganzen mit eigener Note ein. Wiederholungen und oft sehr starker Beifall bezeugten die interessierte Anteilnahme des Hauses.
Dr. Hermann Hering.


