Ausgabe 
11.4.1940
 
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Nr. 85 Zweites Blatt

Donnerstag, 11. April 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Aus dem Reiche der Krau

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

USD MANTEL

em- zur

Sauer- hält es

I. M.

Das ist ein ganz besonders schmackhaftes krautgericht. Wer es einmal probiert hat, mit der Witwe Bolte.

kann also dazu sehr gut Sauerkrautreste verwenden. Hat man keine Reste, so kocht man das Sauerkraut nach der bekannten Methode, aber mit ganz wenig Fett, und schmeckt es süß-sauer ab. Aus den Kar- tosfeln bereitet man mit entrahmter Frischmilch einen sahnigen Kartoffelbrei. Man streicht eine Aus­laufform mit etwas Fett aus, gibt die Hälfte Kar­toffelbrei hinein, darüber das Sauerkraut, begießt dieses nach Wunsch reichlich mit seicht gebräunten Zwi'ebelwürfelchen, schneidet die Wurst in Schei­ben darüber und bedeckt das Ganze wieder mit Kartoffelbrei. Obenauf streut man etwas Panier­mehl und ganz wenig Fett oder Butterflöckchen. Man backt den Auflauf, bis er schön braun ist.

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fehlen, auch Puffer, Flinfen, Eierkuchen, Pfann­kuchen vertragen ausgezeichnet Zitronensaft. Keine Zitrone verwende man, ohne die Schale genutzt zu haben. Paßt sie nicht an das Gericht, so schäle man sie dünn ab ohne das Weiße, das bitter schmeckt und lege sie in ein Glas mit grobem Zucker, das man zubindet; dieser Zucker konserviert den Duft der Schale und nimmt ihn selbst an, so daß man ihn ebenfalls als Zitronengewürz verwenden kann. Na­türlich läßt sich Zitronensaft auch einmachen; man verwende aber dazu Rezepte, die die Erhaltung des Vitamins verbürgen, koche ihn also nicht.

Gertrud Abel,

Slick auf die Frühjahrs-Awden.

Kleiderkarte hin, Punktrechnung her das bringt uns keineswegs davon ab, uns auf die neuen Möglichkeiten der Frühjahrsmoden zu freuen. Denn wir haben geschickte Hände und einen einfallsreichen Kopf, wir haben einen raschen Blick für das was man trägt". Das Kostüm tanzt -an erster Stelle. Es hat sich einen neuen Trick ausgedacht, denn es hat aus der nicht mehr tadellosen Jacke ein Mittel­ding zwischen Weste und Bluse zurechtfantasiert, das sowohl im Rock als auch darüber getragen werden kann. Als Hut macht sich ein kleiner Bolero aus grobem Stroh beliebt, der ein Band in den Nacken flattern läßt. Im übrigen sind die neuen Frühjahrs­hüte etwas strenger in der Linie geworden, verleug­nen aber immer noch nicht ihre Verwandtschaft mit den entzückenden Modellen unserer Großmütter aus den achtziger Jahren. Die Frisuren bestehen dürchaus darauf, vom Nacken nach dem Wirbel hinauf­gekämmt zu werden und die Locken werden kürzer gehalten. t

Die Kleider betonen noch die Kurze, aber sie scheinen an Weite einbüßen zu wollen. Es gibt rei­zende enge Prinzeßkleider mit schmalem Stehkragel­chen die guten Figuren bezaubernd stehen. Neu an ihnen ist die Neigung zu einfarbigen und bunten Stickereien, die sich»mit Vorliebe in grobem Streifen vom Kragen bis zum Rocksaum herunterzieht und die Linie besonders schlank erscheinen laßt. Sehr schlanke Frauen werden bunte Stickereien bevor­zugen, während der vollschlanken Linie am besten mit einfarbigem Muster gedient ist. Zweifarbige Handschuhe sind Trumpf. Sie geben geschickten Händen Gelegenheit, aus zwei Paaren eins zu machen. Beim Ausschmuck der Manschetten sind die buntesten Einfälle erlaubt, falls sie nicht etwa den ganzen Eindruck zu sehr beunruhigen.

a Marianne Stein.

AusdunkelblauemTuch ist die Bolero­jacke oben links mit den Herrenaufschlägen und dem Herrenkragen, aus weißem, grobem Seinen der kurze Mantel unten rechts. Neu sind an ihm die großen Taschen, die den Faltenteilen eingesteppt sind. H. '

Rezepte.

Bauernklöße. 300 Gramm Mehl, 1 Zwiebel ober Lauch, 30 Gramm Fett, Salz, 1A Liter ent­rahmte Frischmilch. Die Zwiebel wirb feingeschnitten unb in Fett angebünftet. Dann gibt man bie Milch, unb wenn alles kocht, bas Mehl unter Rühren bazu, bamit keine Klümpchen entstehen. Man kocht einen bicken Brei, schmeckt mit Salz ab, sticht mit einem in heißes Wasser getauchten Löffel Klöße ab, setzt in eine gute ausgefettete Auflaufform unb backt sie im Backofen.

Dicke Kartof felsuppe mit Brenn» nesseln. VA kg Kartoffeln werben geschält, in kleine Würfel geschnitten unb mit Zkviebel, Salz unb Brühe weichgekocht. Dann zerbrückt man bie Kartoffeln mit einem Löffel unb gibt zum Schluß etwa 1 Suppenteller feingewiegte, junge Brennessel- blgttchen baran unb läßt noch einmal kurze Zeit ziehen, bann abschmecken.

Hefeschneckennubeln. Man stellt aus 500 Gramm Mehl, XA Liter entrahmte Frischmilch, 30 Gramm Hefe, 40 Gramm Fett unb etwas Salz einen Hefeteig her, ber nach bem Gehen ausgerollt wird und mit einer Hackfleischmasse bestehend aus- 125 Gramm gemischtem Hackfleisch, einem eingeweichten Brötchen, etwas Salz und geriebener Zwiebel bestrichen wird. Dann schneidet man den Teig in 7 Streifen, rollt auf, stellt nebeneinander in eine vorbereitete Springform, backt etwa 45 Minuten. Die Speise wird warm mit Endiviensalat oder einer Zwiebel-, Kräutertunke und etwas Frischkost gereicht.

H u f a r e n l a I a t. AA kg Pellkartoffeln, etwa 250 Gramm rote Rüben, 1 Knolle Sellerie, 20 Gramm Del ober Fett, 1 Zwiebel ober Lauch, 40 Gramm Mehl, % Liter Wasser ober Gemüsebrühe ober ent­rahmte Frischmilch, Essig, Salz unb Zucker. Aus Fett, Zwiebel, Mehl unb Flüssigkeit eine sämige Tunke Herstellen unb unter Rühren abkühlen lassen. Die gargebämpften, abgezogenen unb in Würfel geschnittenen Kartoffeln unb roten Rüben hinein» geben, zuletzt ben geraffelten Sellerie zumischen und abschmecken. Man läßt ben Salat gut durchziehen.

Oberfläche zeigen. Beulen entstehen burch einen Gärungsvorgang, ber bie Büchsendeckel nach außen brückt, also ausbeult. Wenn so auch manche Haus­frau jetzt mit Kummer feststellt, baß ber harte Win­ter auch vor ihren Vorräten nicht Halt gemocht hat, so soll sie boch versuchen, ber Sache auch eine gute Seite abzugewinnen; ben nie ist der Verbrauch "** gemachter Lebensrnittel so gut angebracht wie obst- und gemüsearmen Frühlingszeit.

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Zitronen sind auch Obst.

In diesen Wochen gibt es verhältnismäßig reich­lich frische Zitronen. Und wir sollten uns daran gewöhnen, sie fleißig zu verbrauchen und mehr in ihnen zu sehen als nur ein schmackhaftes Gewürz oder das Rohmaterial zu einer Limonade. Zitronen sind gerade um diese Zeit wichtige Vitamin- träger, die das Vitamin C bergen, das in ber Wintermilch fehlt unb barum sogar Säuglingen drin- genb nottut, wenn sie mit gekochter Milch gefüttert werben. Zitronen sind Obst. Unb wenn wir sie auch nicht aus ber Hanb essen können wie einen Apfel, so lassen sie sich boch auf bie mannigfaltigste Weise zu erfrischenden Gerichten zubereiten.

Mit Milch bereiten wir unter Zuhilfenahme von Zitronensaft unb geriebener Zitronenschale einen köstlichen Zitronenkrem. Mit Haferflocken ober Gräupchen, Zitronensaft unb -schale nebst ein paar Korinthen stellen wir eine süßsaure Suppe her, bie in fommenben warmen Tagen als labende Kaltschale gereicht wirb. Ein Zitronengelee wirb wie ein Wein­gelee nur natürlich ohne Wein bereitet, im Zustand bes Erstarrens schaumig geschlagen unb mit einer Vanillesoße gereicht. Zitronensaft sollte wegen seiner treibenben Kraft in keinem Backpulverkuchen

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sie vor zu schneller Erwärmung geschützt werden. Eine plötzliche Erwärmung wird meist ein Platzen ber Glasbehälter zu Folge haben, unb zwar zer­springt entweder das ganze Gefäß nach bem Auf- tauen bes Inhalts ober aber es find feine Riffe im Glas entstanden. Durch einen Sprung im Glas bringt Luft in bas Gefäß, unb bas Eingemachte fängt an zu Derberben. Zeigt sich eine Blasenbildung an der Oberfläche des Einmachegutes, so sollte man diese Vorräte sogleich verbrauchen. Auch die Deckdl der Einmachgläser müssen durch leichtes Anheben auf ihre Verschlußbichtigkeit hin geprüft werden. Blechkonserven kann man nur bann weiterhin auf» bewahren, wenn bie Büchsen keine Beulen an der

Man hackt dazu 250 g Sauerkraut gut durch, gibt Salz, eine- Spur Essig, Senf, Zucker, ein wenig Del, Weißwein und zum Schluß einen großen, mit der Schale geriebenen Apfel dazu. Der Salat muß gut durchziehen! Noch eine Verwendungsmöglichkeit Tür rohes Sauerkraut, nämlich zu gelber Erbsensuppe! Man hackt das Kraut wieder leicht durch, damit es nicht so lange Fäden gibt, und streut es bei Tisch auf den mit Erbsensuppe gefüllten Teller. Das gibt ber Suppe einen frischen Geschmack.

Zum Schluß noch ein guter Sauerkraut­auflauf! Man gebraucht dazu 500 g Sauerkraut, 1 kg Kartoffeln, 200 g Leberwurst 2. Sorte, ent­rahmte Frischmilch, Zwiebeln, Fett. Bei diesem Ge­richt wird das Sauerkraut tatsächlich aufgewärmt, d. h. es wird vorher gekocht unb bann als Auf­lauf mit den anderen Zutaten noch gebacken. Man

Wofür sie besonders schwärmt, wenn er wieder oufgewärmt...

Eben geht mit einem Teller Witwe Bolte in ben Keller, Daß sie von bem Sauerkohle Eine Portion sich hole, Wofür sie besonbers schwärmt, Wenn er wieder aufgewärmt.

Wer kennt nicht die köstliche Geschichte von der Witwe Bolte, der bie beiben bösen Buben Max und Moritz so üble Streiche spielten? Nicht allein, baß ie ihre, der Witwe Bolte so heiß geliebten Hühner mf so grausame Art ins Jenseits beförberten, nein, ie stahlen ihr auch nachher noch diese Tierchen im zebratenen Zustand, gerade als bie arme Witwe in ben Keller ging, um bas Gemüse zu ben gebratenen Hühnchen zu holen. Dieses Gemüse war ... Sauer­kraut! Eine seltsame Zusammenstellung: Hühn­chen und Sauerkraut! Wir schätzen diese Zusam­menstellung heute nicht mehr, aber die Liebe zum Sauerkraut ist geblieben. Dieses Gemüse erfreut sich in Deutschland jahrhundertealter Beliebtheit. Und gerade die deutsche Hausfrau, versteht es meister­haft, Sauerkrautgerichte herzustellen.

Während man glaubte, daß zu Sauerkraut unbe­dingt Fleisch, insbesondere aber gepökeltes Schweine- ileisch gehöre, hat man in den letzten Jahren Sauer­trautgerichte mit geringen ober ohne Fleischzugaben ichätzen gelernt; ja auch als Rohkost erscheint es aus bem Tisch. Auch die Kochmethoben sind andere ge­worden. Während man früher das Sauerkraut häufig wusch oder es gar in reichlich Wasser aus- kochte, um dieses bann fortzugießen, vermeidet man heute, wenn bas Kraut nicht zu sauer ist unb gut verpackt war, das Waschen ober reichliche Wasser­en gab en, weil dadurch dem Gemüse der charakte­ristische Geschmack genommen wird.

Am besten bereitet man bas Sauerkraut so zu: Man dünstet in etwas Fett kleine Zwiebelwurfel­chen glasig, gibt bas Sauerkraut und ganz wenig

Linser Kind ist srijhlingsniijde.

©obalb es Frühling wird, bann wird mein Kind mube unb blaß. Die kleinste Anstrengung ist km zuviel! Kommt bas wohl von ben erhöhten Anforderungen bes letzten Schuljahres? Ich mache mir bireft Sorgen!"

Immer und immer wieder hört ein Arzt diese Klagen .ber besorgten Mütter. Meistens kann er beruhigend sagen:Das ifUbie .Frühjahrsmüdigkeit', es geht ben Kinbern nicht anbers als den Er­wachsenen! Diese Erschlaffungserscheinung fomnV von ber vitaminarmen Winterkost, kommt von ber Stubenluft unb ber wenigen Bewegung! Ein Kin­derkörper muß zum Frühjahr .überholt' werden, igenau wie das Auto, genau wie bie Kleibung!" > Wenn so ein blasses, müdes Kindchen in meine ^Sprechstunde kommt, dann frage ich zunächst ein-- tnal genau, wann die Müdigkeitserscheinungen zuerst aufgetreten sind.Zuerst als die ersten wärmeren Tage kamen! Wir machten einen Spa­ziergang, es war nicht weit, aber schon nach einer halben Stunde war das Kind müde. Dabei kennt meine Kleine den Weg ganz genau, es macht ihr keine Schwierigkeiten, aber seit bem Frühjahr schafft sie ihn nicht mehr!"

Ja, die .Frühjahrsmüdigkeit'! Das ist keine Krankheit, aber ein Warnungssignal! Ein War­nungssignal, das anzeigt: Jetzt muß etwas ge­schehen. Es haben sich zuviel Schlacken während der Winterszeit im Körper angesammelt!" .Ent­schlacken' heißt bie Parole. Auch ber Ofen kann nur nichtig unb rationell brennen, wenn bie Asche regel­mäßig entfernt wirb. Vor allen Dingen muß ber Lunge orbentlid) Sauerstoff zugeführt werben. Je­den Morgen bei offenem Fenster Atemübungen. Tief einatmen unb bie Arme babei heben, bann langsam ausatmen! Es muß darauf geachtet wer­den, daß das Kind bis zu ben Lungenspitzen durch- atmet, denn gerabe bie Lungenspitzen werben in ber winterlichen Stubenluft vernachlässigt! Und nun kommt die Hauptsache! Frisches Obst und Gemüse! Vitaminreiche Frischkost! Es ist im Winter ja nicht ^u vermeiden, daß man vitaminarm ißt. Das Frischgemüse fehlt. Jetzt ist die 3eit, ,roo es das erste Grün wieder gibt: junger Spinat, Salat, aber auch Zwiebelgewächse, besonders Porree, ist für Kinder außerordentlich gesund. Lieber kann man den Ge° inuß der Apfelsinen etwas einschrrnken! Dafür aber Nadieschen, sobald es diese gibt!"

Und wie ist es mit dem Nachmittagsschlaf? Das Kind ist ja jetzt so müde, wenn es aus ber Schule kommt!"

Gegen einen Schlaf von einer Stunbe ist nichts einzuwenben, aber nicht die Kinder ,überschlafen' lassen! Vor allen Dingen müssen sie ganz ausge- zogen sein. Ein Schlaf im Kleidchen womöglich noch mit Schuhen hat gar keinen Zweck. Solch ein Schlaf belastet mehr als er erfrischt!"

Und wann verliert sich die Frühjahrsmüdigkeit?" Sobald das Kind viel an die frische Luft kommt, - ordentlich im Freien sich Bewegung macht, richtig 1 ernährt wird wenn also der Körper .entschlackt' V 1ft!" P.

Konserven und Eingemachtes auf Frostschäden prüfen'

Zu Beginn ber wärmeren Jahreszeit sollte jede Hausfrau ihre Lebensmittelvorräte baraufhin burch- sthen ob bie Konserven unb eingemachten Lebens­mittel von bem scharfen Frost in ungeheizten Räu­men unbeeinflußt geblieben sinb. Sind Buchsen, Gläser und Flaschen ganz durchgeftoren, so müssen

Wie spart man Fett?

Selbst Hausfrauen, die eine größere Familie zll versorgen haben, also wöchentlich eine verhältnis­mäßig große Fettmenge auf einmal zur Verfügung haben, klagen mitunter, baß sie schwer bamit zu­rechtkommen. Dabei wirtschaftet es sich, bei gleicher Zuteilung je Kopf, weit besser mit vier bis sechs Rationen, als mit je einer. Es liegt daher meist an ihnen selbst, wenn sie Schwierigkeiten haben. Es ist z. B. grundfalsch,aus dem Papier" zu wirtschaften, also jeweils bie benötigte Menge Fett von ber Wochenmenge abzuschneiden und zu verkochen. Jede Hausfrau muß dafür sorgen, daß sie sich einen Fe11op f" anlegt, in bem sie bie ausgekochten Fette aufbewahrt. Das ebenfalls noch oft anzutref- fenbe Vorurteil gegen Talg, also Rinber- und Hammelfett ist unberechtigt. Gerabe diese Fettart liefert eine gute (Brunblage für benDreifettopf", wie er in jeder Küche vorhanden sein sollte. Aus ihm kann man am sparsamsten unb besten kochen. Zu bem ausgekochten Talg (auch Kalbsfett gehört bazu) gibt man bie anderen, ebenfalls ausgelassenen Fettarten, also Schweinefett und Margarine. Diese Fette, aus denen das Wasser verdampft ist, halten sich monatelang ohne ranzig zu werden, sind beson­ders sparsam im Verbrauch und machen bie Speisen sehr kräftig. Um bie tierischen Fette auszulassen, werden sie in kleine Würfel geschnitten Talg wässert man vorher einige Stunben, bann mit etwas Wasserzusatz langsam erhitzt und so lange gekocht, bis alles Wasser verbunstet ist. Ein zischen- bcs Geräusch und die beginnenbe Bräunung bes Fettes zeigt diesen Zustand an. Am heften gibt man 1 bis 2 Zwiebeln zum Auskochen mit, sie machen den Geschmack sehr kräftig. Die zurückbleibenden Grieben eignen sich, mit etwas Salz bestreut, als Brotauflage, als Beigabe zu Bratkartoffeln und Gemüse. Ein weiterer Vorzug bes Fettopfes, in dem Talg den Hauptbestandteil bildet, ist, daß das Fett nicht so leicht anbrennt, so daß sich Fleisch darin besonders gut anbräunen läßt.

Durch richtige Verwendung des Fettes kön­nen mir ebenfalls zu sparsamem Verbrauch beitra­gen. Eine wichtige - Regel ist, das Fett, bas man zum Anbraten von Fleisch gebraucht, sehr heiß wer­den zu lassen, ehe man bas Fleisch hineingibt. Sehr heißes Fett verschließt nämlich sofort bie Randzellen ber Nahrungsmittel, so baß bann kein Fett mehr einbringen kann, ba die sich bilbenbe Kruste bas ver- hinbert. Fleisch und Fisch sollen völlig trocken sein, ehe man sie in das sehr heiße Fett legt; Fisch pa­niert man vorher mit etwas mit Salz vermischtem Mehl, damit sich bie abschließend Kruste bilben kann. Während bes Bratens barf bas Kochgut nie mit einer Gabel angestvchen werben, bamit nicht Flüssigkeit austreten kann.

Die sparsamste Fettwirtschaft wird mit dem Gril» len des Fleisches erreicht. Es beruht auf dem Grund­satz, mittels großer Hitze (Bratröhre) die Fleischporen chnell zu schließen, damit der Saft vollständig er­halten bleibt und dann den Braten so gar werden zu lassen. Das Grillen kann u. 11. auch auf offener Flamme auf der Pfanne erfolgen. Dazu wird bie Pfanne ohne Fett so sehr erhitzt, baß ein darauf gebrachter Wasfertrovfen stehen bleibt. Dann wird bas Fleisch hineingelegr unb sorgfältig so lange gewendet, bis cs rundherum eine braune Kruste zeigt. Erst dann wird etwas Fett und Wasser zu­gegeben unh bas Fleisch barin gargebünftet.

Auch bie stärkere Verwendung von brauner statt weißer Mehlschwitze als Tunke ober zur Gemüse­bindung hilft Fett sparen, ba sich bie erstere fast ohne Fett Herstellen läßt, wenn man bas Mehl bei nicht zu großer Flamme unter starkem Umrühren bräunen läßt.

Das unten gezeigte, einfache Frühjahrs­ki eib ist aus leichtem, biagonalgeroebtem blaßrosa Wo11stoff unb hat einen schmalen, bunfelblauen Ripsgürtel sowie kleine, weiße Pikee- ausschläge (am Hals unb an ben Aermeln) als Aus­putz.

Wasser hinzu und läßt das Gemüse mit ein paar getrockneten Wacholderbeeren lange im fest ge­schlossenen Topf schmoren. Ab und zu gießt man tlmas Wasser nach. Etwa vorhandene Speck­schwarten kocht man selbstverständlich mit. Ist das Kraut weich, so ist auch meist die Flüssigkeit aufge­locht, so daß sich ein Binden derselben erübrigt. Sollte das Gemüse aber trotzdem noch etwas zu irühig sein, so reibt man eine rohe Kartoffel dazu rnb läßt alles noch einmal tüchtig durch koch en. Ge­würze sind zum Ab schmecken nicht nötig der Sauer» Irautgeschmack ist kräftig genug. Durch Hinzugabe 1 er klein geschnittenen Zwiebeln nimmt man ihm Istie zu große Schärfe, auch durch Mitkochen von ceschälten Apfelstückchen mildert man sie. Evenfp lonn man auch dem Kraut nach dem Kochen etwas ; Milch zusetzen. Eine pikante Note erhalt das Kraut I Denn man es mit etwas Weißwein ober Eisig sino I Hücker abschmeckt und ihm so einen typifch >utz- lauren Geschmack gibt.

Eine besonders gesunde Zubereitungsart ist, nu ;inei Drittel der erforderlichen Menge zu kochen und nachher ein Drittel bes Krautes roh, fern ge* D i>ackt, barunter zu mischen. Diese Kochart ist auch H für Leute, bie Rohkost verabscheuen, geeignet, o ! man bas rohe Kraut nachher nicht mehr h^nus- ! chmeckt. Rohkostliebhaber können Sauerkraut zu V Herstellung eines schmackhaften Salates verwenoei.