Ausgabe 
10.10.1940
 
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strahlen den Bombenschützen und erschweren so das Auffinden des Zieles und die Durchführung des Zielens selbst.

Besonders unangenehm sind die unmittelbar vor dem Flugzeug aufleuchtenden, so harmlos aus- fehenden weißen Sprengwolken. Sie sind ein sicheres Zeichen dafür, daß das Feuer rich­tig ,^iegt" und zwingen den Flugzeugführer zu der zwar sehr peinlichen, aber richtigen lieber» legung, daß die nächste Gruppe dicht am oder im Flugzeug liegt. Oft genug hat sich der feindliche Bomber in diesem Augenblick durch eine scharfe Kurve und schnellesDrücken" also Aufgeben der Höhe dem todbringenden Treffer entzogen. Aber der günstige Augenblick für den gezielten Ab­wurf ist mindestens für diesen Anflug vorbei. Und ein erneuter Anflug im einmal ausgelösten Ab­wehrfeuer ist mit schwerstem Risiko verbunden. Meist landen die Bomben in solchen Fällen dann im freien > Felde, statt, wie gewollt, in der Fabrik oder auf dem Bahnhof. Auch dann hat die Flak- waffe einen Zweck erfüllt und schweren Scha­den verhütet. So hat schon allein das Vor­handensein des Flakschutzes in den letzten Wochen mehrfach die englischen Nachtbomber zum Abdrehen oder zur Umkehr gezwungen.

Wie bringt es die Flakwaffe überhaupt fertig, ihre Geschosse auch nur in die Nähe des feindlichen Flugzeugs zu schicken? Insbesondere bei Nacht? Das Geheimnis liegt im sogenannten Kommando­gerät, einer an sich sehr komplizierten, aber auf einen möglichst einfachen Nenner gebrachten deut­schen Erfindung. Mit diesem Gerät wird das Feind- flugzeug schon beim Anflug angemessen und im Entfernungsmeßgerät laufend verfolgt. Die Bewegung des Zieles macht sich nun sofort im Gerät bemerkbar. Das Flugzeug wandert aus so lautet der Fachausdruck. Dabei stellt der Kdo.-Ap­parat automatisch die Zielyeschwindigkeit und Flugrichtung fest. Zugleich mißt der Ent­fernungsmesser Höhe und Entfernung des Zieles. Sind Flugrichtung, Geschwindigkeit und Höhe erst festgestellt, so gibt das Kommandogerät die weiteren Werte von selbst an. Dabei fft zu be­denken, daß das Ziel sehr schnell weiter­fliegt und vom Augenblick des Anmessens bis zur Abgabe des Schusses schon mehrere 100 m zu­rück g e l e g t hat bis zum Abschuß. Der ent­scheidende Punkt, der Treffpunkt, liegt wiederum mehrere 100 m weiter vorwärts. In Metern aus­gedrückt soweit, wie der feindliche Bomber sich wäh­rend der Flugzeit des Geschosses vorwärts bewegt. Bei einer Geschoßflugzeit von nur 5 Sek. sind das je nach der Geschwindigkeit des Flugzeugtyps noch einmal 400 bis -£00 m und noch mehr. Um diese Strecke muß das Geschütz oder die Batterie beim Abschuß also bereits vorhalten, wo­bei unterstellt werden muß, daß das Ziel sich mit aleichbleibender Geschwindigkeit, Flugrichtung usid Höhe fortbewegt. Oft ist dies ein Trugschluß. Da Hilst dann nur Glück oder besonderes Fingerspitzen­gefühl des Batterieführers.

Man ersieht aus dieser kurzen Schilderung, daß ein Flugzeugbeschuß ein ziemlich kompliziertes Un­ternehmen ist, daß viel Können dazu gehört, den Treffpunkt" auch nur in die Nähe des Feind flug- zeuges zu bringen. Deshalb leuchtet ein, daß es ziemlich witzlos ist, mit einem Geschütz einen Feind vom Himmel holen zu wollen. Die Feuer­einheit ist daher für schwere Flak grundsätzlich die Batterie zu vier Geschützen unter ein­heitlicher Leitung des Feuers. Und sie schickt mit den immer neu ermittelten Schußwerten nicht eine, sondern mehrere Gruppen hintereinan­der in schneller Folge ab. Man nennt das Feuerüberfall oder Dauerfeuer.

Wer in der Nähe einer eingesetzten Flakbatterie wohnt, wird diese Beobachtung schon selbst gemacht haben, und wissen, warum das so sein muß. Es ist keine Munitionsverschwendung, sondern eine technische Notwendigkeit. Ich muß immer wieder betonen, daß das Flugzeug sich im Raume be­wegt und dazu mit einer Geschwindigkeit, die um ein Vielfaches größer ist, als das schnellste Auto und das schnellste Kriegsschiff, und inan nie weih, wohin es im nächsten Augenblick weiterfliegt.

Ist das Bekämpfen von Huftzielen schon bei Tage keine einfache Sache, so wachsen die Schwierigkeiten bei Dunkelheit, Nebel oder Wolken ganz erheblich. In klaren Nächten vermögen die Scheinwerfer einen gewissen Ausgleich zu schaffen, wenn es ihnen gelingt, ein Flugzeug rechtzeitig zu fassen und zu halten. Hier jedoch bringt die Wet­terlage verständlicherweise starke Einschränkungen mit sich. Schon das ©^fangen des Flugzeuges in den Scheinwerferkegel ist nicht leicht. Das Auge

versagt da bei der Dunkelheit völlig. Nur das Ohr kann die Anflugrichtung erkennen, und das ist sehr ungenau. Es wird unterstützt durch die Horch­geräte, die sowohl die Anflugrichtung als auch die Entfernung durch Anmessen der Schalloerzugs- 5eit ungefähr zu bestimmen vermögen. Bei völlig bedecktem Himmel wenn also der Feind über den Wolken fliegt find die Horchgeräte das einzige Hilfsmittel, mit dem die Flakwaffe den Abwehrkampf aufnehmen kann. Oft schon hat sie auch unter diesen besonders schwierigen Bedingungen schon Treffer erzielt.

Verspricht auch diese Methode keine Aussicht auf Erfolg, dann greift man zum Sperrfeuer, das nichts anderes ist als ein planmäßig vorausberech­neter Feuervorhang in einer begrenzten Aus­dehnung. Man kann unmöglich den gesamten Luft­raum über einer Fläche ununterbrochen so dicht mit detonierenden Flakgranaten erfüllen, daß ein feindlicher Bomber nicht durchzuschlüpfen vermag.

Im Heimatgebiet gibt es unendlich viele Stellen,

Stockholm, 10. Oft. (Europapreß.) Mittwoch­nachmittag bestätigte das britische Luftfahrtministe- vium, daß London auch in der Nacht zum Mittwoch, und zwar bis in die Morgenstunden des neuen Tages, einige sehr heftige Luft­angriffe erlebte, lieber 100 Gebiete in ganz England wurden in der letzten Nacht bombardiert, wobei London, wie auch in den letzten Wochen, den schwersten Angriff erlebte. Das bri­tische Luftfahrtministerium gibt zu, daß zahlreiche deutsche Bomber- und Jagdmaschinen über der Hauptstadt kreisten und sich geradezu ein Regen von Brand - und Sprengbomben über die Stadt ergoß. Zahlreiche Brände wurden her­vorgerufen; bis in die Mittagsstunden des Mittwoch konnten noch nicht alle Brände- gelöscht werden, lieber den angerichteten Materialschaden liegen vor­läufig nur sehr dürftige Angaben vor. So wird lediglich mitgeteilt, daß d i e Themsegegend wieder heftig bombardiert wurde, wobei Indu­strieanlagen in Milleidenschaft gezogen wur­den. Auch der große Ex- und Jmporchafen Mittel- englands, Liverpool, erlebte in der Nacht zum Mittwoch zwei Angriffe.

Abgesehen von den ununterbrochenen Bomben­angriffen gegen London und mehr als fünfzehn ver­schiedene militärische Punkte in Südengland haben deutsche Jäger am Mittwoch erneut Sonder- attionen gegen die Ballonsperren von Dover eingeleitet und diese trotz heftiger Gegen­wehr zu Ende geführt, wie aus vorliegenden An­deutungen des englischen Nachrichtendienstes hervor­geht. Die Tiefangriffe zahlreicher Maschinen gegen Flugplätze, Depots und dergl. dauerten noch in den späten Nachmittagstunden des Mittwochs an. Der englische Nachrichtendienst^, der zugeben muß, daß die deutschen Maschinen in steigendem Maße von ihren Maschinengewehren Gebrauch machten, be- ftätigt ebenfalls, daß bei den zahlreichen Tiefangrif­fen des Mittwochs jede englische Abwehr vergeblich war.

Stockholms Tidmngen" gerichtet, daß die deut­schen Luftangriffe London in ein Chaos ver­wandeln und das Verkehrswesen völlig außer Ordnung bringen. Wenn es den Deutschen gelungen sei, schreibt der Korrespondent, London zu erreichen, so beginne das dramatische Schauspiel, indem die Maschinen in sausender Fahrt in die Tiefe stürzen, um ihre Ziele zu bombardie­ren. Die deutschen Maschinen gingen unter Aus­nutzung der für die günstigen Witterungsverhält­nisse und der die Flak behindernden schlechten Sicht zu Tiefangriffen über, wobei sie nicht nur London heftig bombardierten, sondern auch mili­tärisch wichtige Punkte in den Grafschaften Sussex und Kent anflogen. 50 Deutsche Maschinen seien überraschend am Tage bis zur Stadt durchgebro­chen. Auf diesen bisher längsten Tagesan­griff sei bann der bisher längste Nachtan­griff, der IIV2 Stunden gedauert habe, gefolgt. Auch der Londoner Berichterstatter des Madrider ABC" findet, daß der deutsche Angriff auf Lon­don in der Nacht zum Dienstag der anhal­tendste gewesen sei, und es in den ersten drei Stunden Bomben aller Kaliber nur so ge­hagelt habe. Obwohl London bereits am Dienstag»

denen man gern Flakschutz gewähren möchte. Am besten wäre es natürlich, wenn man bei jeder Stadt und jedem Dorf, an jedem Bahnhof und an jeder Brücke, an jeder Schleuse und an jedem Kraftwerk eine Flakabteilung ausstellen könnte. Das geht nun leider nicht. Alles hat mal seine Gren­zen. Wir können in Deutschland stolz darauf sein, daß diese Grenzen sehr weit gezogen sind. Unsere Flak ist nicht nur die stärkste, sondern auch die mit modernstem und bestem Gerät ausgestattete Ab­wehrwaffe der Welt. Bei Tag und Nacht, bei Regen und Sonne, im Sturm und in eisiger Win­tersnacht sind Offizier und Mann auf chrem Posten. Tage, Wochen, ja Monate ist oft ihre Bereitschaft vergebens. Aber wenn der Feind kommt, und er kommt immer schnell und oft infolge der Wetter­lage auch überraschend, dann sind sie bei den Ge­schützen und bereiten ihm einen heißen Empfang. Sie sind der stille, kaum in Erscheinung tretende, aber starke und immer bereite Schutz von Front und Heimat.

morgen sieben Luftalarme hinter sich gehabt habe, seien plötzlich mehrere Stukas aus dem Himmel der-, ab geschossen. Dieser Angriff, der von 100 Maschi­nen durchgeführt wurde, sei der bisher heftigste bei Tageslicht gewesen.

Eine amerikanische Meldung besagt:Nazideutsch­lands Luftwaffe hat in der letzten Nacht auf Eng­lands Hauptstadt losgehämmert in einem Angriff,1 der einer der stärksten war des ganzen Krieges. Bei dem Angriff, der sich über den ganzen Tag er­streckte, wurde jeder Teil von England mitgenommen. Schwere Bomben fielen auf das Herz von London nieder." Mit diesen Worten schildert der Amerikaner die Vergeltung für den brutalen Angriff auf Berliner Krankenhäuser, Wöchnerinnenheime und Kinderkliniken. In einer anderen amerikanischen Schilderung heißt es:Bald nach Ende des Nachtalarms ertönte bereits der erste T a g e s a I a r m. Schwere Luftschlachten ent­wickelten sich über London, und Bomben fielen in Massen."Es ist widersinnig, anzunehmen, daß die Bombardierung der JndustriegebiÄe nur unbeträcht­lichen wirtschaftlichen und militärischen Schaden verursachte", erklärt der Londoner Korrespondent der argentinischen ZeitungN a c i 0 n" in einer Schilderung der verheerenden Auswirkungen der deutschen Luftangriffe auf England. Allein schon der fast ständige Fliegeralarm bedeutet den Verlust von Hunderttausenden von Arbeitsstunden. Infolge der nervenzerrüttenden Schlaflosigkeit der Londoner Be­völkerung sei deren Arbeitskraft fühlbar geschwächt. Berücksichtigen müsse man auch, daß die englischen Fabrikzentren dicht bevölkert und auch auf engem Raum zusammengedrängt seien. Daher fei ja auch England viel verwund­barer als Deutschland. Der Korrespondent hat festgestellt, daß drei Küstenflugplätze als völlig unbrauchbar aufgegeben werden mußten. Die Abwehr der kraftvollen deutschen An­griffe bezeichnet erfür die übermüdeten britischen" Flieger" als eine geradezu übermenschliche Aufgabe.

Was ein England-Reisender berichtet.

Neuyork, 9. Oft. (Europapreß.) Ein aus Eng­land eingetroffener neutraler Reisender beftätigt, daß Liverpool und Glasgow besonders schwer gelitten haben. Ein Angriff auf Liver­pool dauerte beispielsweise Tag und Nacht mit nur wenigen kurzen Pausen an. Auffallend erschien dem neutralen Beobachter die allgemeine Fremden- feindlichkeit in England, die sich besonders gegen die Franzosen richtete. Infolgedessen kam es bereits zu einer Meuterei unter den Truppen d e Gaulles, sodaß sich die eng­lische Regierung veranlaßt sah, den Tagessold für diese französischen Soldaten von zwei auf sechs Schilling zu erhöhen. Mit den neuen Ereignissen in Aegypten hat sich die englische Oeffentlich- feit nach dem Bericht des Reisenden bereits abge­funden. Letzthin sind bedeutende Truppenver- ftärfungen nach Alexandria abgegangen. Auch halte man in London den Sieg der Hertzog-Partei in Südafrika, d.h. der ständig wachsenden

Totengräber seines Volkes.

jJon unterer Berliner Schristleitung.

Als England uns den Krieg erklärte, sagte der jetzt in der Versenkung verschwundene Premiernum- fter Neville Chamberlain, ex rechne damit, daß der Krieg mindestens drei Jahre dauere. Sein Nachfolger, Churchill, hat am Dienstag im Un­terhaus die durch die deutschen Vergeltungsangriffe hervorgerufenen Menschenverluste in London als unerheblich abgetan und offen erklärt:Als roh' in den Krieg eintraten, erwarteten wir Verluste, bta sich auf 3000 Tote in einer einzigen Nacht belaufen würden und auf 12 000 Verwundete, und wir haben Anordnungen getroffen, daß die Kran­kenhäuser eine Viertelmillion Verwundete aufneh­men können". Churchill und die Plutokratensippe rechneten also bei Beginn des Krieges mit diesen Verlusten allein in London. Auf eine von Chamberlain angenommene Kriegsdauer von drei Jahren umgerechnet, macht das nach Churchills An­gaben mindestens 3,2 Millionen Tote und über 13 Millionen Verletzte, zusammen also fast 17 Mill. Opfer! Nun hatte Groß-London nur etwas über 8 Millionen Einwohner, hie also nach Churchills Vor­ausberechnungen vollständig aufgerieben wor­den wären. England insgesamt zählte 46,5 Mill. Einwohner. Davon würden innerhalb dreier Jahre mehr als ein Drittel hinweggerafft. Damit hatte Churchill also gerechnet, ohne die Verluste an den eigentlichen Kampffronten in Betracht zu ziehen! Ein Drittel aller Engländer tot oder verkrüp­pelt, das war nach Churchills Plänen kein zu hoher Einsatz, um Deuffchland mit Krieg zu überziehen. Wir stellen diese Tatsache lediglich fest, um zu zeigen, wie irrsinnig und kaltschnäuzig Chur­chill zum Totengräber feiner eigenen Nation wer­den wollte, und mit welcher Unverschämcheit er sich selbst im Unterhaus demaskierte.

In der medizinischen Wissenschaft kennt man wohl den Begriff des pathologischen Lügners. Man be­zeichnet damit einen Menschen, der aus krankhaster Anlage hemmungslos drauflos lugt. Unter gewis­sen Voraussetzungen billigt man ihm infolgedessen aus eben dieser krankhaften Anlage zuweilen einen mildernden Umstand zu. Der Milderungsgrund eines pathologischen Lügens trifft auf einen moralisch so tief stehenden Charakter wie den Churchills nicht zu. Dazu fft dieser politische Gangster denn doch zu gerissen. Es gibt in dem an Lügen so über­reichen Leben Churchills keine einzige, die er nicht mit voller Ueberlegung und im vollen Bewußffein ihrer Tragweite ausgesprochen hätte. Es hat infolge» dessen keinen Sinn, sich mit jeder einzelnen dieser schamlosen Lügen, Heucheleien, Verdrehungen, Be­schönigungen in einer solchen Rede zu befassen, wie sie Churchill jetzt vor dem Unterhaus gehalten hat. Man kann sich mit ihm nicht auseinandersetzen, wenn er sich zu derart unverschämten Behauptungen versteigt, wie etwa, er sei niemals in seinem Leben so liebenswürdig aufgenommen worden, wie jetzt.

Opposition gegen die Regierung Smuts, bereits für unvermeidlich. Als Beispiel für die Wirksamkeit der deutschen Blockade berichtete der Augenzeuge, daß er sich auf dem DampferVolendam" befand, als dieser in einem Geleitzug torpediert wurde. Auch drei andere Schiffe aus diesem Geleitzug seien dabei versenkt worden. Später habe er sich auf dem DampferSyri a" im Hafen von Liverpool befunden, als dieser torpediert worden sei. Das Schiff sei beschädigt worden und habe erhebliche Schlagseite erhalten.

Neues britisches Piratenstück gegen französischen Dampfer.

Genf, 9. Okt. (Europapreß.) Mit großer Ent­rüstung hat man in Vichy von einem neuen briti­schen Piratenstück gegen die Franzosen Kenntnis genommen. Es handelt sich um ein in derStraße der Tränen" (Bab el Mandeb) zwischen Aden und Dschibuti verübtes Piratenstück gegen den französischen DampferE s p e r a n c e", der Le­ben s mitte l für die französische Ko­lonie in Dschibuti an Bord hatte, die kaum noch über sechs Wochen Proviant verfügt. Dieser un­glaubliche Kaperstreich der Briten wird in Frank­reich mit um so größerer Enttüstung aufgenommen, als er den Engländern keinen militärischen Vorteil bringen und das Schiff mit seiner Ladung auch nicht die geringsten britischen militärischen Inter­essen gefährden konnte. Der Dampfer wurde von den Engländern nach Aden gebracht.

London unter einem Regen von Brand- und Sprengbomben

Dreimalige Begegnung.

Von Alfred dichter.

Die Aisne war überschritten. In dem waldigen Hügelland unweit der Vesle wurde biwakiert. Haupt­mann Mesch, auf der Brust die Ordensspange aus dem Weltkrieg, hatte die Gesellschaft zweier junger Leutnants. Er zauberte eine Flasche Rotwein zu­tage. Sie wurde mit offenem Hallo begrüßt. Er schenkte ein und meinte so nebenhin:In der zwo- ten Offensive anno 18 habe ich da drunten an der Vesle morgen werden wir sie fließen sehen in einem Nest, und es liegt auch diesmal in un­serem Gefechtsstreifen, das Zivil in unserem vor­gesehenen Quartier beim Abendessen betroffen. So überraschend waren wir eingedrungen. Es trieben sich noch letzte Engländer im Dorfe herum. Bis dahin war es für sie Etappe gewesen. Ich sehe die Familie noch sitzen: der Papa in Hemdsärmeln und mit Hingabe Spargel mit Schinken"

Oh!" machten die Leutnants.

Ja", lächelte der Hauptmann,oh, das habe ich damals auch gesagt. Und die Mama, eine sehr dicke Person, lud mich gleich 3um Mittafeln ein."

Ob wir dieses Glück morgen auch haben?" meinte der eine Leutnant.

Sie können sich beruhigen", schmunzelte der Hauptmann,auch ich bekam damals nichts ab. Ich hatte keine Zeit, ich hatte den Auftrag, das Dorf von den Resten der Engländer zu säubern. Wahr­haftig fand ich im Oberstock des geräumigen Hauses, in dem man unten in der großen Küche Schinken und Spargel schmauste, auf einem saalartig großen Korridor, der voller Riesenschränke stand, zwei Dommies beim Wäscheausräumen oder Wäscheein­räumen, wie mans nimmt. Sie stopften sich näm­lich ihre Schnappsäcke damit voll. Nun, ich lochte die beiden Kerls ein, die Mama bekam die Wäsche zu­rück und sprudelte von Dank über. Und nun be­kam ich doch noch meine Erfrischung. Der Papa stieg in seinen Weinkeller hinab, der Eingang lag im Hofe, ich sehe das noch alles vor mir. Er stieg hinab, der edle Mann, und holte eine dicke Pulle Sekt"

Zur Entschuldigung des Mannes ist zu sagen", fuhr der Hauptmann fort, ,Haß er Weinhändier

von Beruf war. Von mir wollte er aber für die Flasche Sekt kein Geld nehmen. Ich ließ mir aber von ihm nichts schenken und berappte. Er blickte die Zechinen an, seufzte und sagte: ,Sie sind unser Gegner und zahlen? Die Engländer, unsere Freunde, lagen hier Jahr um Jahr im Quartier, tranken immer und zahlten nie."

Die Leutnants lachten hell heraus..Haben Sie vor mir schon mal einen Deutschen gesehen?' fragte ich den Franzmann", erzählte der Hauptmann wei­ter. ,Mais öui, oui: 1914! ,So, so, 1914. Und wie waren die?' Da legte der Mann die Hand auf die Brust und sagte voller Hochachtung: ,Poli comme vous: Höflich wie Sie.'"

Ich habe dann am Abend, als wir endlich ruhige Minuten hatten und aus eigener Küche geatzt waren, die Enkelkinder des Weinhändlers fein Schwie­gersohn, Vater der Kinder, war kurz zuvor ge­fallen an den Händen genommen und mir von ihnen in ihrem Garten ihre Kaninchen zeigen las­sen. Die Oma hat uns ganz gerührt nachgeschaut. Die Kinder blickten verwundert zu mir auf. Wer weiß, welche Vorstellung von einem boche und Hunnen man ihnen eingeimpft hatte.

So, meine Herren, und nun, schlage ich vor, schlafen wir noch ein paar kurze Stündchen. Morgen früh geht es zeitig weiter."

Am nächsten Morgen wurde nach kurzem Marsch der letzte Höhenzug oberhalb der Vesle erreicht. Der Hauptmann lieh halten und schickte eine Streife hinab ins Dorf. Der eine der beiden Leutnants führte sie. Droben am Hang lag der Hauptmann hinter einer Hecke, neben sich Den anderen Leutnant, das Glas vor den Augen. Er war ein bißchen in die Wolle gekommen. Das machte die Erinnerung. Denn das Weinhändlershaus war das nächste vor ihnen, hart am Hügel. Man sah genau aufs Dach. Das Gebäude scheint noch intakt zu sein", sprach der Hauptmann, weiter beobachtend,ich erkenne sogar den Schuppen wieder, in dem damals die Karnickel waren."

Vielleicht", sprach der Leutnant,fft der alte Sekthändler noch am Leben."

Der Streifenfuhrer kam zurück und meldete bas Dorf frei vom Feinde. Aber es sähe da drunten schauderhaft aus, sehr schreckliche Unordnung!

Der Hauptmann führte eine Kompanie hinab und

betrat als erster sein Quartier von anno 18. Wieder ging er schnurstracks auf die Küche zu. Aber wie sah es diesmal darin aus! Töpfe und Kasserollen waren durcheinandergewirbelt, Speisereste lagen um­her, Wein und Milch waren verschüttet und rannen trübselig ineinander, Schrank und Truhe waren erbrochen und durchwühlt, und in einer Ecke kauerte vor sich hinjammernd ein Greis. Die Augen hielt er mit den Händen bedeckt. Der Hauptmann trat an ihn heran und legte ihm die Hand auf die Schul­ter: wahrhaftig, sogleich erkannte er ihn wieder, es war der Weinhändler. Aber wie sah er aus! Das eine Auge war blau geschlagen. Das H-md war zerrissen. Er starrte zu dem stattlichen deutschen Offizier empor.

Kein Wiedererkennen. Aber in einem war er sich gleich geblieben. Wortlos nahm er den Schlüssel­bund aus dem Versteck, dem Uhrgehäuse an der Wand, und schlurfte auf den Hof hinaus nach dem Keller.Was haben Sie vor?" fragte ihn der Hauptmann mechanisch.

Ich will eine Flasche Sekt holen. Sie haben mich von meinen Peinigern befreit, Herr Offizier."

Da konnte der Hauptmann nicht anders, er fragte: Bin ich der erste Deutsche, mit dem Sie sprechen, ober waren schon welche vor mir hier?"

Mais oui, 1914 und 18," erwiderte schier ver­wundert der Franzose.Und wie waren die?"

Der Alte legte die Hand auf die Brust genau wie damals und sagte achtungsvoll:Poli comme vous.

Wir trinken also richtig wieder feinen Sekt", sagte am Abend der Hauptmann zu seinen beiden Leutnants,wieder seinen bezahlten Sekt, selbst» verständlich. Er hat Pech, her arme Kerl. Das vorige Mal waren seine Peiniger immerhin Landfremde: seine englischen Bundesgenossen. Diesmal aber waren es seine eigenen Landsleute, marodierende Flüchtlinge. Und die boches mußten kommen und ihn von beiden befreien. Ich erkannte ihn sofort, er mich aber nicht. Und ich ließ es habet bewenden. Ich mochte ihn angesichts feiner zweiten Blamage, nicht auch noch an feine erste erinnern. Denn Bundesgenossen und Landsleute, die offen plündern ja, das verstehen wir nicht, wir sind ja boches und Hunnen."

Oer Gründer von Bethel.

Die Ahnen des Gründers von Bethel lasten sich in Hessen noch weiter zurückverfolaen, als in ulr. 230 desGießener Anzeigers" mitgeteilt worden ist. Der dort genannte Superintendent Dr. Fried­rich Simon war der Sohn des im Jahre 1771 in Echzell geborenen Pfarrers von Ober- Breitenbach Johannes Simon, besten Vater ber Echzeller Weber Johann Heinrich Simon und dessen Vater der 1697 in Groh-Eichen geborene Weber Johannes Simon, der sich «im Jahre 1722 nach Echzell verheiratete. Seine Frau, Florentine Wilhelmine Marie Willbring, war die Tochter des Echzeller Oberförsters Eustachius Willbring. Letzterer war verheiratet mit Amöna Elisabetha Dorochea Eberhard. Den Namen Eberhard hatte sie wohl aber erst bei ihrer frühestens im 14. Lebensjahre zu Rödelheim erfolgten Taufe er­halten. Sie war nämlich eine Türkin. Eustachius Willbring hatte sie aus Belgrad mitgebracht. In dem AufsatzVerlust deutschen Blutes" inHeimat im Bild" 1935 Nr. 36 ist darüber berichtet worden.

Zeitschriften.

Das neueInselschiff" (eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages zu Leipzig; Herbst 1940) wird mit Reinhard Buchwalds Vorwort zum neuen dreibändigen Volks-Schiller eröffnet; das Ge­leitwort wird ergänzt durch einige Parabeln und Rätsel, und, als Probe aus dem zweiten Bande der Ausgabe, die vermutlich wenig bekannte Schilderung der Schlacht bei Lützen. Ein nachdenklicher Aufsatz Reinhold Schneiders,Vom täglichen Leben in der Geschichte", schließt sich an. Einen sehr sachkundig informierenden, in gewissem Sinne aktuellen Beitrag' liefert der bekannte Kunsthistoriker Karl Scheffler mit einer Beschreibung der holländischen Stadtlandschaft. Vom übrigen Inhalt des vorzüglich ausgestatteten, mit zwei Reproduktionen geschmückten Heftes seien die Rheingedichte des Görres-Preisträgers Ernst Bertram, eine Szene aus Hans Jüngste Helena- Drama, Briefe der Droste, ein Probe aus Anton Coolens neuem RomanDas Wirtshaus zur Zwie­tracht" und ein kulturhistorisch aufschlußreicher Ab­schnitt aus ber Limburger Chronik im alten Wort­laut genannt