strahlen den Bombenschützen und erschweren so das Auffinden des Zieles und die Durchführung des Zielens selbst.
Besonders unangenehm sind die unmittelbar vor dem Flugzeug aufleuchtenden, so harmlos aus- fehenden weißen Sprengwolken. Sie sind ein sicheres Zeichen dafür, daß das Feuer richtig ,^iegt" und zwingen den Flugzeugführer zu der zwar sehr peinlichen, aber richtigen lieber» legung, daß die nächste Gruppe dicht am — oder im Flugzeug liegt. Oft genug hat sich der feindliche Bomber in diesem Augenblick durch eine scharfe Kurve und schnelles „Drücken" — also Aufgeben der Höhe — dem todbringenden Treffer entzogen. Aber der günstige Augenblick für den gezielten Abwurf ist mindestens für diesen Anflug vorbei. Und ein erneuter Anflug im einmal ausgelösten Abwehrfeuer ist mit schwerstem Risiko verbunden. Meist landen die Bomben in solchen Fällen dann im freien > Felde, statt, wie gewollt, in der Fabrik oder auf dem Bahnhof. Auch dann hat die Flak- waffe einen Zweck erfüllt und schweren Schaden verhütet. So hat schon allein das Vorhandensein des Flakschutzes in den letzten Wochen mehrfach die englischen Nachtbomber zum Abdrehen oder zur Umkehr gezwungen.
Wie bringt es die Flakwaffe überhaupt fertig, ihre Geschosse auch nur in die Nähe des feindlichen Flugzeugs zu schicken? Insbesondere bei Nacht? Das Geheimnis liegt im sogenannten Kommandogerät, einer an sich sehr komplizierten, aber auf einen möglichst einfachen Nenner gebrachten deutschen Erfindung. Mit diesem Gerät wird das Feind- flugzeug schon beim Anflug angemessen und im Entfernungsmeßgerät laufend verfolgt. Die Bewegung des Zieles macht sich nun sofort im Gerät bemerkbar. Das Flugzeug wandert aus — so lautet der Fachausdruck. Dabei stellt der Kdo.-Apparat automatisch die Zielyeschwindigkeit und Flugrichtung fest. Zugleich mißt der Entfernungsmesser Höhe und Entfernung des Zieles. Sind Flugrichtung, Geschwindigkeit und Höhe erst festgestellt, so gibt das Kommandogerät die weiteren Werte von selbst an. Dabei fft zu bedenken, daß das Ziel sehr schnell weiterfliegt und vom Augenblick des Anmessens bis zur Abgabe des Schusses schon mehrere 100 m zurück g e l e g t hat — bis zum Abschuß. Der entscheidende Punkt, der Treffpunkt, liegt wiederum mehrere 100 m weiter vorwärts. In Metern ausgedrückt soweit, wie der feindliche Bomber sich während der Flugzeit des Geschosses vorwärts bewegt. Bei einer Geschoßflugzeit von nur 5 Sek. sind das — je nach der Geschwindigkeit des Flugzeugtyps — noch einmal 400 bis -£00 m und noch mehr. Um diese Strecke muß das Geschütz oder die Batterie beim Abschuß also bereits vorhalten, wobei unterstellt werden muß, daß das Ziel sich mit aleichbleibender Geschwindigkeit, Flugrichtung usid Höhe fortbewegt. Oft ist dies ein Trugschluß. Da Hilst dann nur Glück oder besonderes Fingerspitzengefühl des Batterieführers.
Man ersieht aus dieser kurzen Schilderung, daß ein Flugzeugbeschuß ein ziemlich kompliziertes Unternehmen ist, daß viel Können dazu gehört, den „Treffpunkt" auch nur in die Nähe des Feind flug- zeuges zu bringen. Deshalb leuchtet ein, daß es ziemlich witzlos ist, mit einem Geschütz einen Feind vom Himmel holen zu wollen. Die Feuereinheit ist daher für schwere Flak grundsätzlich die Batterie zu vier Geschützen unter einheitlicher Leitung des Feuers. Und sie schickt mit den immer neu ermittelten Schußwerten nicht eine, sondern mehrere Gruppen hintereinander in schneller Folge ab. Man nennt das Feuerüberfall oder Dauerfeuer.
Wer in der Nähe einer eingesetzten Flakbatterie wohnt, wird diese Beobachtung schon selbst gemacht haben, und wissen, warum das so sein muß. Es ist keine Munitionsverschwendung, sondern eine technische Notwendigkeit. Ich muß immer wieder betonen, daß das Flugzeug sich im Raume bewegt und dazu mit einer Geschwindigkeit, die um ein Vielfaches größer ist, als das schnellste Auto und das schnellste Kriegsschiff, und inan nie weih, wohin es im nächsten Augenblick weiterfliegt.
Ist das Bekämpfen von Huftzielen schon bei Tage keine einfache Sache, so wachsen die Schwierigkeiten bei Dunkelheit, Nebel oder Wolken ganz erheblich. In klaren Nächten vermögen die Scheinwerfer einen gewissen Ausgleich zu schaffen, wenn es ihnen gelingt, ein Flugzeug rechtzeitig zu fassen und zu halten. Hier jedoch bringt die Wetterlage verständlicherweise starke Einschränkungen mit sich. Schon das ©^fangen des Flugzeuges in den Scheinwerferkegel ist nicht leicht. Das Auge
versagt da bei der Dunkelheit völlig. Nur das Ohr kann die Anflugrichtung erkennen, und das ist sehr ungenau. Es wird unterstützt durch die Horchgeräte, die sowohl die Anflugrichtung als auch die Entfernung durch Anmessen der Schalloerzugs- 5eit ungefähr zu bestimmen vermögen. Bei völlig bedecktem Himmel — wenn also der Feind über den Wolken fliegt — find die Horchgeräte das einzige Hilfsmittel, mit dem die Flakwaffe den Abwehrkampf aufnehmen kann. Oft schon hat sie auch unter diesen besonders schwierigen Bedingungen schon Treffer erzielt.
Verspricht auch diese Methode keine Aussicht auf Erfolg, dann greift man zum Sperrfeuer, das nichts anderes ist als ein planmäßig vorausberechneter Feuervorhang in einer begrenzten Ausdehnung. Man kann unmöglich den gesamten Luftraum über einer Fläche ununterbrochen so dicht mit detonierenden Flakgranaten erfüllen, daß ein feindlicher Bomber nicht durchzuschlüpfen vermag.
Im Heimatgebiet gibt es unendlich viele Stellen,
Stockholm, 10. Oft. (Europapreß.) Mittwochnachmittag bestätigte das britische Luftfahrtministe- vium, daß London auch in der Nacht zum Mittwoch, und zwar bis in die Morgenstunden des neuen Tages, einige sehr heftige Luftangriffe erlebte, lieber 100 Gebiete in ganz England wurden in der letzten Nacht bombardiert, wobei London, wie auch in den letzten Wochen, den schwersten Angriff erlebte. Das britische Luftfahrtministerium gibt zu, daß zahlreiche deutsche Bomber- und Jagdmaschinen über der Hauptstadt kreisten und sich geradezu ein Regen von Brand - und Sprengbomben über die Stadt ergoß. Zahlreiche Brände wurden hervorgerufen; bis in die Mittagsstunden des Mittwoch konnten noch nicht alle Brände- gelöscht werden, lieber den angerichteten Materialschaden liegen vorläufig nur sehr dürftige Angaben vor. So wird lediglich mitgeteilt, daß d i e Themsegegend wieder heftig bombardiert wurde, wobei Industrieanlagen in Milleidenschaft gezogen wurden. Auch der große Ex- und Jmporchafen Mittel- englands, Liverpool, erlebte in der Nacht zum Mittwoch zwei Angriffe.
Abgesehen von den ununterbrochenen Bombenangriffen gegen London und mehr als fünfzehn verschiedene militärische Punkte in Südengland haben deutsche Jäger am Mittwoch erneut Sonder- attionen gegen die Ballonsperren von Dover eingeleitet und diese trotz heftiger Gegenwehr zu Ende geführt, wie aus vorliegenden Andeutungen des englischen Nachrichtendienstes hervorgeht. Die Tiefangriffe zahlreicher Maschinen gegen Flugplätze, Depots und dergl. dauerten noch in den späten Nachmittagstunden des Mittwochs an. Der englische Nachrichtendienst^, der zugeben muß, daß die deutschen Maschinen in steigendem Maße von ihren Maschinengewehren Gebrauch machten, be- ftätigt ebenfalls, daß bei den zahlreichen Tiefangriffen des Mittwochs jede englische Abwehr vergeblich war.
„Stockholms Tidmngen" gerichtet, daß die deutschen Luftangriffe London in ein Chaos verwandeln und das Verkehrswesen völlig außer Ordnung bringen. Wenn es den Deutschen gelungen sei, schreibt der Korrespondent, London zu erreichen, so beginne das dramatische Schauspiel, indem die Maschinen in sausender Fahrt in die Tiefe stürzen, um ihre Ziele zu bombardieren. Die deutschen Maschinen gingen unter Ausnutzung der für die günstigen Witterungsverhältnisse und der die Flak behindernden schlechten Sicht zu Tiefangriffen über, wobei sie nicht nur London heftig bombardierten, sondern auch militärisch wichtige Punkte in den Grafschaften Sussex und Kent anflogen. 50 Deutsche Maschinen seien überraschend am Tage bis zur Stadt durchgebrochen. Auf diesen bisher längsten Tagesangriff sei bann der bisher längste Nachtangriff, der IIV2 Stunden gedauert habe, gefolgt. Auch der Londoner Berichterstatter des Madrider „ABC" findet, daß der deutsche Angriff auf London in der Nacht zum Dienstag der anhaltendste gewesen sei, und es in den ersten drei Stunden Bomben aller Kaliber nur so gehagelt habe. Obwohl London bereits am Dienstag»
denen man gern Flakschutz gewähren möchte. Am besten wäre es natürlich, wenn man bei jeder Stadt und jedem Dorf, an jedem Bahnhof und an jeder Brücke, an jeder Schleuse und an jedem Kraftwerk eine Flakabteilung ausstellen könnte. Das geht nun leider nicht. Alles hat mal seine Grenzen. Wir können in Deutschland stolz darauf sein, daß diese Grenzen sehr weit gezogen sind. Unsere Flak ist nicht nur die stärkste, sondern auch die mit modernstem und bestem Gerät ausgestattete Abwehrwaffe der Welt. Bei Tag und Nacht, bei Regen und Sonne, im Sturm und in eisiger Wintersnacht sind Offizier und Mann auf chrem Posten. Tage, Wochen, ja Monate ist oft ihre Bereitschaft vergebens. Aber wenn der Feind kommt, und er kommt immer schnell und oft infolge der Wetterlage auch überraschend, dann sind sie bei den Geschützen und bereiten ihm einen heißen Empfang. Sie sind der stille, kaum in Erscheinung tretende, aber starke und immer bereite Schutz von Front und Heimat.
morgen sieben Luftalarme hinter sich gehabt habe, seien plötzlich mehrere Stukas aus dem Himmel der-, ab geschossen. Dieser Angriff, der von 100 Maschinen durchgeführt wurde, sei der bisher heftigste bei Tageslicht gewesen.
Eine amerikanische Meldung besagt: „Nazideutschlands Luftwaffe hat in der letzten Nacht auf Englands Hauptstadt losgehämmert in einem Angriff,1 der einer der stärksten war des ganzen Krieges. Bei dem Angriff, der sich über den ganzen Tag erstreckte, wurde jeder Teil von England mitgenommen. Schwere Bomben fielen auf das Herz von London nieder." Mit diesen Worten schildert der Amerikaner die Vergeltung für den brutalen Angriff auf Berliner Krankenhäuser, Wöchnerinnenheime und Kinderkliniken. In einer anderen amerikanischen Schilderung heißt es: „Bald nach Ende des Nachtalarms ertönte bereits der erste T a g e s a I a r m. Schwere Luftschlachten entwickelten sich über London, und Bomben fielen in Massen." „Es ist widersinnig, anzunehmen, daß die Bombardierung der JndustriegebiÄe nur unbeträchtlichen wirtschaftlichen und militärischen Schaden verursachte", erklärt der Londoner Korrespondent der argentinischen Zeitung „N a c i 0 n" in einer Schilderung der verheerenden Auswirkungen der deutschen Luftangriffe auf England. Allein schon der fast ständige Fliegeralarm bedeutet den Verlust von Hunderttausenden von Arbeitsstunden. Infolge der nervenzerrüttenden Schlaflosigkeit der Londoner Bevölkerung sei deren Arbeitskraft fühlbar geschwächt. Berücksichtigen müsse man auch, daß die englischen Fabrikzentren dicht bevölkert und auch auf engem Raum zusammengedrängt seien. Daher fei ja auch England viel verwundbarer als Deutschland. Der Korrespondent hat festgestellt, daß drei Küstenflugplätze als völlig unbrauchbar aufgegeben werden mußten. Die Abwehr der kraftvollen deutschen Angriffe bezeichnet er „für die übermüdeten britischen" Flieger" als eine geradezu übermenschliche Aufgabe.
Was ein England-Reisender berichtet.
Neuyork, 9. Oft. (Europapreß.) Ein aus England eingetroffener neutraler Reisender beftätigt, daß Liverpool und Glasgow besonders schwer gelitten haben. Ein Angriff auf Liverpool dauerte beispielsweise Tag und Nacht mit nur wenigen kurzen Pausen an. Auffallend erschien dem neutralen Beobachter die allgemeine Fremden- feindlichkeit in England, die sich besonders gegen die Franzosen richtete. Infolgedessen kam es bereits zu einer Meuterei unter den Truppen d e Gaulles, sodaß sich die englische Regierung veranlaßt sah, den Tagessold für diese französischen Soldaten von zwei auf sechs Schilling zu erhöhen. Mit den neuen Ereignissen in Aegypten hat sich die englische Oeffentlich- feit nach dem Bericht des Reisenden bereits abgefunden. Letzthin sind bedeutende Truppenver- ftärfungen nach Alexandria abgegangen. Auch halte man in London den Sieg der Hertzog-Partei in Südafrika, d.h. der ständig wachsenden
Totengräber seines Volkes.
jJon unterer Berliner Schristleitung.
Als England uns den Krieg erklärte, sagte der jetzt in der Versenkung verschwundene Premiernum- fter Neville Chamberlain, ex rechne damit, daß der Krieg mindestens drei Jahre dauere. Sein Nachfolger, Churchill, hat am Dienstag im Unterhaus die durch die deutschen Vergeltungsangriffe hervorgerufenen Menschenverluste in London als unerheblich abgetan und offen erklärt: „Als roh' in den Krieg eintraten, erwarteten wir Verluste, bta sich auf 3000 Tote in einer einzigen Nacht belaufen würden und auf 12 000 Verwundete, und wir haben Anordnungen getroffen, daß die Krankenhäuser eine Viertelmillion Verwundete aufnehmen können". Churchill und die Plutokratensippe rechneten also bei Beginn des Krieges mit diesen Verlusten allein in London. Auf eine von Chamberlain angenommene Kriegsdauer von drei Jahren umgerechnet, macht das nach Churchills Angaben mindestens 3,2 Millionen Tote und über 13 Millionen Verletzte, zusammen also fast 17 Mill. Opfer! Nun hatte Groß-London nur etwas über 8 Millionen Einwohner, hie also nach Churchills Vorausberechnungen vollständig aufgerieben worden wären. England insgesamt zählte 46,5 Mill. Einwohner. Davon würden innerhalb dreier Jahre mehr als ein Drittel hinweggerafft. Damit hatte Churchill also gerechnet, ohne die Verluste an den eigentlichen Kampffronten in Betracht zu ziehen! Ein Drittel aller Engländer tot oder verkrüppelt, das war nach Churchills Plänen kein zu hoher Einsatz, um Deuffchland mit Krieg zu überziehen. Wir stellen diese Tatsache lediglich fest, um zu zeigen, wie irrsinnig und kaltschnäuzig Churchill zum Totengräber feiner eigenen Nation werden wollte, und mit welcher Unverschämcheit er sich selbst im Unterhaus demaskierte.
In der medizinischen Wissenschaft kennt man wohl den Begriff des pathologischen Lügners. Man bezeichnet damit einen Menschen, der aus krankhaster Anlage hemmungslos drauflos lugt. Unter gewissen Voraussetzungen billigt man ihm infolgedessen aus eben dieser krankhaften Anlage zuweilen einen mildernden Umstand zu. Der Milderungsgrund eines pathologischen Lügens trifft auf einen moralisch so tief stehenden Charakter wie den Churchills nicht zu. Dazu fft dieser politische Gangster denn doch zu gerissen. Es gibt in dem an Lügen so überreichen Leben Churchills keine einzige, die er nicht mit voller Ueberlegung und im vollen Bewußffein ihrer Tragweite ausgesprochen hätte. Es hat infolge» dessen keinen Sinn, sich mit jeder einzelnen dieser schamlosen Lügen, Heucheleien, Verdrehungen, Beschönigungen in einer solchen Rede zu befassen, wie sie Churchill jetzt vor dem Unterhaus gehalten hat. Man kann sich mit ihm nicht auseinandersetzen, wenn er sich zu derart unverschämten Behauptungen versteigt, wie etwa, er sei niemals in seinem Leben so liebenswürdig aufgenommen worden, wie jetzt.
Opposition gegen die Regierung Smuts, bereits für unvermeidlich. Als Beispiel für die Wirksamkeit der deutschen Blockade berichtete der Augenzeuge, daß er sich auf dem Dampfer „Volendam" befand, als dieser in einem Geleitzug torpediert wurde. Auch drei andere Schiffe aus diesem Geleitzug seien dabei versenkt worden. Später habe er sich auf dem Dampfer „Syri a" im Hafen von Liverpool befunden, als dieser torpediert worden sei. Das Schiff sei beschädigt worden und habe erhebliche Schlagseite erhalten.
Neues britisches Piratenstück gegen französischen Dampfer.
Genf, 9. Okt. (Europapreß.) Mit großer Entrüstung hat man in Vichy von einem neuen britischen Piratenstück gegen die Franzosen Kenntnis genommen. Es handelt sich um ein in der „Straße der Tränen" (Bab el Mandeb) zwischen Aden und Dschibuti verübtes Piratenstück gegen den französischen Dampfer „E s p e r a n c e", der Leben s mitte l für die französische Kolonie in Dschibuti an Bord hatte, die kaum noch über sechs Wochen Proviant verfügt. Dieser unglaubliche Kaperstreich der Briten wird in Frankreich mit um so größerer Enttüstung aufgenommen, als er den Engländern keinen militärischen Vorteil bringen und das Schiff mit seiner Ladung auch nicht die geringsten britischen militärischen Interessen gefährden konnte. Der Dampfer wurde von den Engländern nach Aden gebracht.
London unter einem Regen von Brand- und Sprengbomben
Dreimalige Begegnung.
Von Alfred dichter.
Die Aisne war überschritten. In dem waldigen Hügelland unweit der Vesle wurde biwakiert. Hauptmann Mesch, auf der Brust die Ordensspange aus dem Weltkrieg, hatte die Gesellschaft zweier junger Leutnants. Er zauberte eine Flasche Rotwein zutage. Sie wurde mit offenem Hallo begrüßt. Er schenkte ein und meinte so nebenhin: „In der zwo- ten Offensive anno 18 habe ich da drunten an der Vesle — morgen werden wir sie fließen sehen — in einem Nest, und es liegt auch diesmal in unserem Gefechtsstreifen, das Zivil in unserem vorgesehenen Quartier beim Abendessen betroffen. So überraschend waren wir eingedrungen. Es trieben sich noch letzte Engländer im Dorfe herum. Bis dahin war es für sie Etappe gewesen. Ich sehe die Familie noch sitzen: der Papa in Hemdsärmeln und mit Hingabe Spargel mit Schinken —"
„Oh!" machten die Leutnants.
„Ja", lächelte der Hauptmann, „oh, das habe ich damals auch gesagt. Und die Mama, eine sehr dicke Person, lud mich gleich 3um Mittafeln ein."
„Ob wir dieses Glück morgen auch haben?" meinte der eine Leutnant.
„Sie können sich beruhigen", schmunzelte der Hauptmann, „auch ich bekam damals nichts ab. Ich hatte keine Zeit, ich hatte den Auftrag, das Dorf von den Resten der Engländer zu säubern. Wahrhaftig fand ich im Oberstock des geräumigen Hauses, in dem man unten in der großen Küche Schinken und Spargel schmauste, auf einem saalartig großen Korridor, der voller Riesenschränke stand, zwei Dommies beim Wäscheausräumen oder Wäscheeinräumen, wie man’s nimmt. Sie stopften sich nämlich ihre Schnappsäcke damit voll. Nun, ich lochte die beiden Kerls ein, die Mama bekam die Wäsche zurück und sprudelte von Dank über. Und nun bekam ich doch noch meine Erfrischung. Der Papa stieg in seinen Weinkeller hinab, der Eingang lag im Hofe, ich sehe das noch alles vor mir. Er stieg hinab, der edle Mann, und holte eine dicke Pulle Sekt —"
„Zur Entschuldigung des Mannes ist zu sagen", fuhr der Hauptmann fort, ,Haß er Weinhändier
von Beruf war. Von mir wollte er aber für die Flasche Sekt kein Geld nehmen. Ich ließ mir aber von ihm nichts schenken und berappte. Er blickte die Zechinen an, seufzte und sagte: ,Sie sind unser Gegner und zahlen? Die Engländer, unsere Freunde, lagen hier Jahr um Jahr im Quartier, tranken immer und zahlten nie.’"
Die Leutnants lachten hell heraus. „.Haben Sie vor mir schon mal einen Deutschen gesehen?' fragte ich den Franzmann", erzählte der Hauptmann weiter. ,Mais öui, oui: 1914!’ — ,So, so, 1914. Und wie waren die?' — Da legte der Mann die Hand auf die Brust und sagte voller Hochachtung: ,Poli comme vous: Höflich wie Sie.'"
Ich habe dann am Abend, als wir endlich ruhige Minuten hatten und aus eigener Küche geatzt waren, die Enkelkinder des Weinhändlers — fein Schwiegersohn, Vater der Kinder, war kurz zuvor gefallen — an den Händen genommen und mir von ihnen in ihrem Garten ihre Kaninchen zeigen lassen. Die Oma hat uns ganz gerührt nachgeschaut. Die Kinder blickten verwundert zu mir auf. Wer weiß, welche Vorstellung von einem boche und Hunnen man ihnen eingeimpft hatte.
So, meine Herren, und nun, schlage ich vor, schlafen wir noch ein paar kurze Stündchen. Morgen früh geht es zeitig weiter."
Am nächsten Morgen wurde nach kurzem Marsch der letzte Höhenzug oberhalb der Vesle erreicht. Der Hauptmann lieh halten und schickte eine Streife hinab ins Dorf. Der eine der beiden Leutnants führte sie. Droben am Hang lag der Hauptmann hinter einer Hecke, neben sich Den anderen Leutnant, das Glas vor den Augen. Er war ein bißchen in die Wolle gekommen. Das machte die Erinnerung. Denn das Weinhändlershaus war das nächste vor ihnen, hart am Hügel. Man sah genau aufs Dach. „Das Gebäude scheint noch intakt zu sein", sprach der Hauptmann, weiter beobachtend, „ich erkenne sogar den Schuppen wieder, in dem damals die Karnickel waren."
„Vielleicht", sprach der Leutnant, „fft der alte Sekthändler noch am Leben."
Der Streifenfuhrer kam zurück und meldete bas Dorf frei vom Feinde. Aber es sähe da drunten schauderhaft aus, sehr schreckliche Unordnung —!
Der Hauptmann führte eine Kompanie hinab und
betrat als erster sein Quartier von anno 18. Wieder ging er schnurstracks auf die Küche zu. Aber wie sah es diesmal darin aus! Töpfe und Kasserollen waren durcheinandergewirbelt, Speisereste lagen umher, Wein und Milch waren verschüttet und rannen trübselig ineinander, Schrank und Truhe waren erbrochen und durchwühlt, und in einer Ecke kauerte vor sich hinjammernd ein Greis. Die Augen hielt er mit den Händen bedeckt. Der Hauptmann trat an ihn heran und legte ihm die Hand auf die Schulter: wahrhaftig, sogleich erkannte er ihn wieder, es war der Weinhändler. Aber wie sah er aus! Das eine Auge war blau geschlagen. Das H-md war zerrissen. Er starrte zu dem stattlichen deutschen Offizier empor.
Kein Wiedererkennen. Aber in einem war er sich gleich geblieben. Wortlos nahm er den Schlüsselbund aus dem Versteck, dem Uhrgehäuse an der Wand, und schlurfte auf den Hof hinaus nach dem Keller. „Was haben Sie vor?" fragte ihn der Hauptmann mechanisch.
„Ich will eine Flasche Sekt holen. Sie haben mich von meinen Peinigern befreit, Herr Offizier."
Da konnte der Hauptmann nicht anders, er fragte: „Bin ich der erste Deutsche, mit dem Sie sprechen, ober waren schon welche vor mir hier?"
„Mais oui, 1914 und 18," erwiderte schier verwundert der Franzose. — „Und wie waren die?"
Der Alte legte die Hand auf die Brust — genau wie damals — und sagte achtungsvoll: „Poli comme vous.”
„Wir trinken also richtig wieder feinen Sekt", sagte am Abend der Hauptmann zu seinen beiden Leutnants, „wieder seinen bezahlten Sekt, selbst» verständlich. Er hat Pech, her arme Kerl. Das vorige Mal waren seine Peiniger immerhin Landfremde: seine englischen Bundesgenossen. Diesmal aber waren es seine eigenen Landsleute, marodierende Flüchtlinge. Und die boches mußten kommen und ihn von beiden befreien. Ich erkannte ihn sofort, er mich aber nicht. Und ich ließ es habet bewenden. Ich mochte ihn angesichts feiner zweiten Blamage, nicht auch noch an feine erste erinnern. Denn Bundesgenossen und Landsleute, die offen plündern — ja, das verstehen wir nicht, wir sind ja boches und Hunnen."
Oer Gründer von Bethel.
Die Ahnen des Gründers von Bethel lasten sich in Hessen noch weiter zurückverfolaen, als in ulr. 230 des „Gießener Anzeigers" mitgeteilt worden ist. Der dort genannte Superintendent Dr. Friedrich Simon war der Sohn des im Jahre 1771 in Echzell geborenen Pfarrers von Ober- Breitenbach Johannes Simon, besten Vater ber Echzeller Weber Johann Heinrich Simon und dessen Vater der 1697 in Groh-Eichen geborene Weber Johannes Simon, der sich «im Jahre 1722 nach Echzell verheiratete. Seine Frau, Florentine Wilhelmine Marie Willbring, war die Tochter des Echzeller Oberförsters Eustachius Willbring. Letzterer war verheiratet mit Amöna Elisabetha Dorochea Eberhard. Den Namen Eberhard hatte sie wohl aber erst bei ihrer frühestens im 14. Lebensjahre zu Rödelheim erfolgten Taufe erhalten. Sie war nämlich eine Türkin. Eustachius Willbring hatte sie aus Belgrad mitgebracht. In dem Aufsatz „Verlust deutschen Blutes" in „Heimat im Bild" 1935 Nr. 36 ist darüber berichtet worden.
Zeitschriften.
— Das neue „Inselschiff" (eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages zu Leipzig; Herbst 1940) wird mit Reinhard Buchwalds Vorwort zum neuen dreibändigen Volks-Schiller eröffnet; das Geleitwort wird ergänzt durch einige Parabeln und Rätsel, und, als Probe aus dem zweiten Bande der Ausgabe, die vermutlich wenig bekannte Schilderung der Schlacht bei Lützen. Ein nachdenklicher Aufsatz Reinhold Schneiders, „Vom täglichen Leben in der Geschichte", schließt sich an. Einen sehr sachkundig informierenden, in gewissem Sinne aktuellen Beitrag' liefert der bekannte Kunsthistoriker Karl Scheffler mit einer Beschreibung der holländischen Stadtlandschaft. Vom übrigen Inhalt des vorzüglich ausgestatteten, mit zwei Reproduktionen geschmückten Heftes seien die Rheingedichte des Görres-Preisträgers Ernst Bertram, eine Szene aus Hans Jüngste Helena- Drama, Briefe der Droste, ein Probe aus Anton Coolens neuem Roman „Das Wirtshaus zur Zwietracht" und ein kulturhistorisch aufschlußreicher Abschnitt aus ber Limburger Chronik im alten Wortlaut genannt


