rung in Nanking zu konstituieren, wodurch man die Kuomintang, Chinas revolutionäre Einheitspartei, zumindest zu spalten und den Marschall Tschiang- kaischek zu isolieren oder gar auszuschalten hoffte. Aber bislang scheint auch dieser Politik noch kein zuverlässiger Erfolg beschieden zu sein, so daß der Krieg in China auch weiterhin das erste Problem der japanischen Politik bleiben wird, zumal die Vereinigten Staaten sich durch die Ereignisse in Europa nicht haben abhalten lassen, ihre Stellung in Ostasien mit Nachdruck zu vertreten und der europäische Krieg der japanischen Wirtschaft keineswegs die erhofften Erleichterungen durch Gewinnung neuer Absatzmärkte gebracht hat.
Diesen Hemmungen für eine weiterausgreifende, die Gunst der Stunde nutzende Politik, hatte der erste Berater des Kaisers, der Siegelbewahrer P u a s a, und das von ihm kreierte Kabinett des Admirals P o n a i, in dem A r i t a Außenminister war, Rechnung tragen zu müssen geglaubt, indem sie ängstlich vermieden, sich mit den Westmächten zu überwerfen. Sie konnten sich dabei auf gewisse Kreise des parlamentarischen Liberalismus und des Großkapitals stützen. Aber seit dem Frühjahr machten sich immer stärker in der öffentlichen Meinung Japans Gegenströmungen geltend, die auf einen außenpolitischen Kurswechsel hindrängten, wie ihn ja die japanische Wehrmacht schon lange gefordert hat, ohne bislang damit vollkommen durchdringen zü können. Der Stteit der Meinungen beschränkte sich nicht nur auf die Außenpolitik, auch innenpolitisch wurde eine radikale Abkehr von dem überkommenen parlamentarischen Liberalismus und eine straffe Zusammenfassung aller politischen Kräfte gefordert, um Japan in den Stand zu setzen, bei der durch den europäischen Krieg eingeleiteten großen Umwälzung des Weltbildes die ihm als führende Großmacht Ostasiens zukommende Rolle zu spielen. Die nationalistischen Organisationen schlossen sich unter der Führung Suetsugus und Seigo Nakanos in einem „Bund zum Neuaufbau Ostasiens" zusammen und auch innerhalb der Parteien des Reickstags bildete sich eine Vereinigung mit. ähnlicyer Zielsetzung unter dem Namen „Bund zur Vollendung des Heiligen Krieges". Ihr gehörten bald mehr als die Hälfte der Reichstagsabgeordneten an. Ihrem Verlangen auf Auflösung der alten Parteien und Gründung einer neuen Einheitspartei haben sich die traditionellen alten Parteien, die konservative Seyukai und die liberale Minseito, so wenig wie die kleineren Splittergruppen auf die Dauer entziehen können, zumal ein Mann von dem persönlichen Ansehen und dem politischen Einfluß wie der Fürst Fumimaro K o n o y e an die Spitze der Einheitsbewegung trat. Unter dem Eindruck der schweren militärischen und politischen Niederlagen Englands, die den außenpolitischen Kurs des Kabinetts Ponai-Arita gründlich desavouierten, mußte Ende Juni der Siegelbewahrer Puasa zurück- treten. Außenminister Arita suchte zwar noch den neuen Strömungen den Wind aus den Segeln zu nehmen durch die Erklärung, daß die Länder Ostasiens und der Südsee sich unter Japans Führung zu einem eigenen Lebensraum zusammenschließen müßten, für den Japan der stabilisierende Machtfaktor sein werde, aber diese Wendung kam zu spät, um das Kabinett noch halten zu können. Der neue Siegelbewahrer, Marquis Kido, der dem engsten Freundeskreis des Fürsten Kon 0 ye angehört, schlug diesen dem Kaiser als künftigen Minister- präsidenten vor. Mitte Juli hat denn auch Fürst Konoye, der bereits in den Jahren 1937 bis 1939 Ministerpräsident und dann Präsident des Staatsrats gewesen war, fein zweites Kabinett gebildet.
Daß in Tokio nun ein schärferer Wind weht und daß man dort anscheinend nickt länger gewillt ist, vor einer britischen Herausforderung die Segel zu streichen, um ä tout prix das britisch-japanische Verhältnis ungetrübt zu erhalten, erhellt aus der schon erwähnten Verhaftung zahlreicker politischer Agenten des britischen Secret service, der das ganze Land wie auch die japanische Interessensphäre in China mit einem ganzen Netz seiner Kreaturen überzogen hatte, um unter dem Mantel kultureller Betätigung großzügige Spionage zu betreiben und durch probritische Propaganda die Lebenskraft des japanischen 'Volkes zu untergraben. Auf die vom natürlichen Selbstbehauptungswillen gebotenen Maßnahmen der japanischen Behörden hat England mit Repressalien geantwortet, bk das Verhältnis
Jahrgänge.
Don Richard Gerlach.
Als ich nun unter lauter Männern stand, die ebenso alt waren wie ich, nach.zweiundzwanzig Jahren zum erstenmal wieder, sah ich deutlicher als vorher, daß es Schicksal ist, einem beistimmten Jahrgang anzugehören. Wenn man allein für sich lebt, ist es kein großer Unterschied, ob man dreißig oder vierzig ist, obwohl es gewisse Dinge gibt, die einem nur mit den Jahren aufgehen. Vermutlich wird man auch mit fünfzig oder sechzig immer noch etwas von dem Jüngling in sich sehen, der man einmal war. Aber jetzt, unter den Kameraden des gleichen Jahrgangs, sah ich auf einmal, daß wir alle inzwischen gesetzte Familienväter geworden waren. Fast alle hatten mir das schwarzweißrote Band mit den beiden gekreuzten Schwertern, und mancher daneben das Eiserne Kreuz.
Wir waren damals zwei Jahre lang Soldat gewesen, als wir noch nicht halb so alt gewesen waren wie heute. Aber nun standen mir wieder in Reih und Glied, und die Pause der zweiundzwanzig Jahre war wie aus gelöscht.
Der Unteroffizier hatte auch den Polenfeldzug mitgemacht und war dann im Westen gewesen. Er erzählte uns von einem Abend an der Moseb Der Quartierwirt bat ihn noch auf ein Stündchen zu sich herunter in den Keller, der voll großer Fässer war. Der Greis sah den auch schon ergrauten Soldaten an, als wolle er prüfen, ob dieser wohl einen guten Tropfen zu schätzen wisse.
„Welcher Jahrgang?" fragte der Alte.
Es war der unsrige.
Darauf wurde der Gast in eine Ecke des Kellers geführt, und der Winzer zog unter anderen Flaschen eine hervor, die kein Etikett zierte. Das Staubgespinst des Alters bedeckte sie. Nur auf dem Kork war die Jahreszahl unserer Geburt eingebrannt.
„Es war ein vorzüglicher Jahrgang. Ich habe den Wein selbst als junger Mensch ab gefüllt."
Dann scheute er ein und hob fein Glas. Das Feuer einer längst vergangenen Zeit rann über die Zungen.
Jahrgänge, nur Menschen und Weinen gestehen wir diesen Ehrentitel zu. Die Weine behalten bie Wärme ober auch den Frost, wie es dem Sommer ihrer Reife beschieden war. Die einen sind süß und schwer, die anderen dünn und sauer, und keiner gleicht dem anderen ganz. Was sich bet den Weinen
Rumäniens neuer Kurs.
An der (Seife der Achse. — Ausgleich mit Ungarn und Bulgarien. Lösung der Zudenfrage.
Bukarest, 9. August. (DNB.) Der rumänische Ministerpräsident ©igurtu erklärte in einer Rundfunkansprache: Erst eine von dem Geiste der Erneuerung auf allen Gebieten des nationalen" Lebens beseelte Regierung habe die Politik an der Seite Deutschlands und Italiens für die den Interessen des rumänischen Volkes günstigste gehalten. Diese Politik sei imstande, Rumänien ein würdiges Gedeihen zu sichern und es gleichzeitig in seinem kulturellen und wirtschaftlichen Leben vor dem Einfluß des Judentums zu retten. Diese Erneuerung schließe gewisse Opfer in sich. Die rumänische Regierung wünsche eine Verständigung mit Ungarn und Bulgarien auf einer Grundlage, die für die Zukunft eine friedliche und wirklich freundschaftliche Nachbarschaft verwirkliche. Nach einem Ueberblick über die Verteilung der Volksgruppen betonte Gigurtu, daß zwischen den verschiedenen Schwierigkeiten der beste Weg für eine Verständigung gesucht werden müsse, die sowohl vom ungarischen wie auch vom rumänischen Volk aufrichtig und loyal gewünscht werde und die in Zukunft jeden Konflikt in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern unmöglich machen solle. Die Bereinigung der Lage im Verhältnis Rumäniens zu Bulgarien, der weniger Schwierigkeiten im Wege stünden, solle einem Streit zwischen zwei Völkern ein Ende setzen, die sich im Laufe ihrer Geschichte oft und verständnisbereit geholfen hätten. Gigurtu gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Beziehungen zur Sowjetunion nun auf der Grundlage der besten Nachbarschaft sich entwickeln könnten. Der Minister
präsident schloß mit dem Appell an die nationale Einheit, die der Natton an ihren Grenzen gutnachbarliche Beziehungen und einen dauerhaften und würdigen Frieden gewährleisten werde.
Zur Regelung der Judenfrage in Rumänien wurden zwei grundlegende Gesetze durch den König verkündet. Das erste behandelt die rechtliche Lage der jüdischen Bewohner Rumäniens, deren Anteil an der Gesamtbeoölkerung auf stehn vom Hundert beziffert wird. Es wird im Gesetz genau festgelegt, wer als Jude zu gelten hat. Dann werden die Juden — hauptsächlich nach dem Zeitpunkt ihrer Zuwanderung — in drei Kategorien eingeteilt. Dem Gros ist es verboten, öffentliche Beamte zu sein oder öffentliche Berufe (Notar, Rechtsanwalt, Sachverständiger, Mitglied eines Derwaltungsrates, Handelstreibender oder Gastwirt) auszuüben. Ebenso dürfen sie der Wehrmacht nickt angehören, können Lichtspiettheater, Buch- und Zettungsverlage nicht leiten oder besitzen und sind auch aus Sportvereinigungen ausgeschlossen. Wegen des Wegfalls der Wehrpflicht werden sie zu einer Sondersteuer herangezogen. Grunderwerb in Landgemeinden ist den Juden verboten. Das Landwirtschastsministe- rium kann zur Enteignung jüdischen Grundbesitzes schreiten. Auch industrielle Unternehmungen dürfen Juden nicht mehr erwerben. Ferner wird ihnen untersagt, ihre Namen in rumänische Namen ab- zuändern. Der Schulunterricht für Juden soll besonders geregelt werden. Das zweite Gesetz verbietet Eheschließungen zwischen Juden und Blutsrumänen.
beider Länder in eine Spannung gebracht haben, wie sie seit den Tagen des japanischen Vorgehens gegen die britischen Konzessionen in Tientsin und Schanghai nicht mehr zu verzeichnen gewesen war. Die Erklärungen des Außenministers Matsouka lassen es nicht glaubhaft erscheinen, daß Japan vor dem Druck Englands, das sich auch hier wieder in feiner ganzen Arroganz zeigt, zurückweichen wird. Mag auch England auf der einen Seite mit der Aufhebung des Burma-Abkommens, das Tfchiang- kaischek die. britischen Zufuhren sperrt, und mit der Kündigung des britisch-javanischen Handelsvertrages drohen und auf der anderen Seite durch Zurückziehung der britischen Garnisonen aus Schanghai, Tientsin und ganz Nordchina Entgegenkommen heucheln, dieses System von Zuckerbrot und Peitsche ist zu plump, um in Tokio Eindruck zu machen und Japan von der konsequenten Sicherung seiner Lebensinteressen abzuhalten.
Das gilt nicht minder auch für die zwischen massiven Drohungen und besänftigenden Gesten schwankende Politik der Vereinigten Staaten im pazifischen Raum. Die „japanische Gefahr" spielt selbstverständlich in den ungeheuren Aufrüstungsprojekten des Präsidenten Roosevelt eine besondere Rolle, wenn auch in der Propaganda vornehmlich die totalitären Staaten für die Vermehrung der amerikanischen Rüstungslasten verantwortlich gemacht werden. Nach der Vernichtung Frankreichs scheint auch den Amerikanern Englands Nie- derlage unabwendbar zu fein, was freilich Roosevelt und seine Freunde nicht hindert, durch eine hemmungslose Hetze den britischen Kriegsmachern Mut zu machen,'obwohl sie genau wissen, daß eine amerikanische Hilfe, wenn sie überhaupt ernsthaft in Aussicht genommen ist, was durchaus bezweifelt werden kann, diesmal bestimmt zu spät kommen und Englands Schicksal nicht mehr wenden könnte. Aber für die Aufrüstungspropaganda in den Vereinigten Staaten ist die angebliche Bedrohung Amerikas durch einen Sieg der totalitären Staaten in Europa ebenso brauchbar wie die viel berufene „japanische Gefahr". Beides muß dafür herhalten, um dem amerikanischen Volk die Notwendigkeit des Baues einer Doppelflotte plausibel zu machen, die die Vereinigten Staaten in' den Stand setzen soll, sowohl im Atlantik wie im Pazifik eine jeder anderen überlegene Kriegsflotte zu unterhalten. Die von den beiden Häusern des Parlaments zum
großen Teil bereits bewilligten Rüstungsvorlagen sehen nicht nur eine Vergrößerung der Kriegsflotte um ein "Drittel vor, sondern auch eine starke Vermehrung der Luftwaffe und eine Erhöhung des Mannschaftsbestandes der Bundesarmee oon 280 000 auf 400 000. Um die Einführung der Militärdienst- pflicht wird noch lebhaft gestritten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Roosevelt hofft, durch diese gewaltigen Rüstungen der amerikanischen Wirtschaft hinreichend Auftrieb geben zu können, um die Arbeitslosigkeit herabzickrücken. Don diesem wirtschaftspolitischen Erfolg, der seinem New Deal versagt blieb, erhofft der Präsident eine Förderung seiner Wiederwahl, für die außerdem der lächerliche Popanz einer außenpolitischen Bedrohung der Vereinigten Staaten herhalten muß, die nur eine Kontinuität der Staatsführung abwenden könne.
Japans neuerliche Wendung zur autoritären Staatsführung wird in den regierenden Kreisen der Vereinigten Staaten mit größtem Mißtrauen betrachtet. Englands Rückzug aus Ostasien, eingeleitet durch die Aufgabe der britischen Garnisonen in China und die vorbereitete Räumung Hongkongs, läßt die Vereinigten Staaten als Partner, Japans allein im pazifistischen Raum, dessen südlichen Teil japanische Staatsmänner in die japanische Interessensphäre einbezogen haben. Auch in London hat man das Gefühl, daß etwas zur. Rettung der britischen Position wenigstens in dem bislang noch un» bestritten britischen Interessenbereich um den Indischen Ozean getan werden müsse. Der Dizekönig von Indien hat deshalb die britischen Anrainer des Indischen Ozeans, also Australien, Neuseeland, Südafrika, die ostafrikanischen Kolonien, Ceylon und Indien zu einer Wirtschaftskonferenz nach Delhi eingeladen, auf der versucht werden soll, durch enge politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit eine neue Klammer um diese für das Empire schlechthin lebenswichtigen Reicksteile zu legen. Man sieht, wie weit England vor der neuen Afienpolittk Japans feine Pflöcke zurückgesteckt hat. Die Vereinigten Staaten sind damit im eigentlichen pazifischen Raum allein gelassen. Sie sorgen sich nicht nur um die Zukunft der Philippinen, die zwar 1946 unabhängig werden sollen, aber damit für die Vereinigten ©tagten kaum an Interesse verlieren dürsten. Gewiß auf amerikanischen Einfluß hin haben die Philippinen die Einwanderungsquote für die Japaner auf 500 Personen herabgesetzt, während im vergangenen Jahr noch 2800 Japaner zugewandert
waren. Nun hat sich der Präsident der Philippinen, Manuel Quezon, autoritäre Vollmachten geben lassen, anscheinend um jeder möglichen Entwicklung schneller begegnen zu könne«. Mit Sorge blickt man in den Vereinigten Staaten auch auf die im Dunkel liegende Zukunft der Straits Settlements, Britifch-Malaya, die vorerst noch durch die riesig ausgebaute Seefestung Singapore geschützt werden. Don hier bezieht Amerika im wesentlichen seinen Bedarf an Zinn und Kautschuk, die beiden wichtigsten Rohstoffe, in denen es noch vom Ausland abhängig ist, solange die mit nordamerikanischem Ka- pital eifrig betriebenen Kautschukpflanzungen in Mittelamerika noch nicht hinreichende Mengen erzeugen. Die Politik der Nadelstiche, mit der die bereinigten Staaten nun schon seit Jahren den Japa- n-an zusetzen, geht unverändert weiter. Nach der Kündigung des amerikanisch-japanischen Handelsvertrages ist die Ausdehnung des Exportlizenzsystems auf Schrott und Erdöl, bie praktisch einer Ausfuhrsperre gleichkommt, der jüngste Schlag der Vereinigten Staaten gegen Japan, das in beiden Dingen seit Jahren Amerikas bester Kunde war. Hawai erhielt ein Schwimmdock für Großkampfschiffe, die dem Philippinenhafen Manila vorgelagerte Insel Corri- gibor würbe zu einem starken Flottenstützpunkt ausgebaut, bie Insel Guam, mitten zwischen ben japanischen Mandatsgebieten der Marianen und Karolinen gelegen, wurde stark befestigt und amerikanische Flottenübungen -wurden bis weit in den westlichen Pazifik hinein abgehalten. Das alles sind betonte Unfreundlichkeiten, die für die pazifische Politik Roosevelts bezeichnend sind. Japan wird diesen Faktor in feine außenpolitische Rechnung eingestellt haben. Er wirb ein so tüchtiges, selbstbewußtes und mit Ernst und Aufopferung um eine große Zukunft ringendes Volk, wie es die Japaner sind, nicht auf die Dauer von der Sicherung seines Lebensraumes abhalten können.
Dr. Fr. W. Lange.
Für die Beseitigung Englands aus Osiasiett.
Tokio, 9. Aug. (DNB.) 120 Mitglieder des Reichstages aus allen führende« Parteien schlossen sich als „Vereinigung für die neue politische Ordnung" zusammen und erklärten, daß die Regierung, unterstützt von einer starken politischen Körperschaft, die Führerstelle in der neuen Ordnung bilden müsse als Ausdruck untrennbarer Einheit von Führung und Volk. Das Gebot der Stunde sei die neue Ordnung, bie die Nation auf ber Grundlage der totalen Macht des Staates zusammenführe und den totalen Krieg vorbereite. Englanb wirb als Feind Japans bezeichnet und die Regierung aufgefordert, alle Maßnahmen zur Entfernung Englands aus Ostasien zu ergreifen. Der nationalistische Schriftsteller Tokutomi, Mitglied des Oberhauses uno Mitarbeiter des Nitchi-Nitchi-Konze r ns, warnt vor der „fast abergläubischen Anbetung Englands". Gewisse Kreise hätten anscheinend immer noch nicht erkannt, daß Englands Entfernung aus dem Fernen Osten die V o r a u s f e tz u n g für den Neuaufbau Großasiens fei. Sie wollten immer noch mit England zusammenarbeiten, also Feuer mit Brennholz löschen. Derselbe Churchill, der um Amerikas willen Japan nach dem Weltkriege geopfert' habe, wolle nunmehr der Welt weißmachen, daß England Frieden zwischen Japan und China wünsche. Aber Englands wahre Piratennahur sei wieder einmal bei ber Verhaftung der Japaner zum Vorschein gekommen. Man kenne Englands letzte Winkelzüge nicht, deshalb sei das Gebot der Stunde, immer wieder leidenschaftlich vor der britischen Politik zu warnen.
England zieht seine Truppen aus den Ehina-Konzessionen zurück. Stockholm, 9. Aug. (Europapreß.) Unter dem
Druck ber augenblicklichen Umftänbe hat sich Englanb gezwungen gesehen: seine sämtlichen Truppen aus den englischen bzw. internationalen Konzessionen in Schanghai, Peking, Tientsin unb sonstigen chinesischen Stäbten zurückzuziehen. Das englische Kriegsministerium gibt bekannt, baß bie Zurückziehung dieser Truppen erfolgt fei, um sie an anberer Stelle einzusetzen. Man vermutet in London, baß biete Truppen nach Hongkong abgegangen finb, um biefe fernöstliche englische Besitzung zu schützen. Die britische Botschaft in Tokio unter-
in einem Sommer zusammendrängt, um bann zu dauern und auf feine Stunden zu harren, ist bei den Menschen über ein ganzes Leben verteilt. Keiner kann sich den Tag aussuchen, an dem er geboren wird. Es ist das den Jahrgängen gemeinsame Los, in Zeiten der Entscheidungen dasselbe Alter zu haben. Mögen wir auch sonst jeder seinen eigenen Weg gegangen sein, 1914 ober 1918 ober 1939 waren wir genau so alt. Wenn wir von Generationen reden, so fassen wir Jahrzehnte ähnlichen Alters zusammen. Es ist, "als ob wir bei den Weinen von denselben Lagen sprechen. Der Unterschied zwischen Jahrgang und Jahrgang wird einem erst klar, wenn man auf einmal die Altersgenossen wie- dersieht, die man seit der Schulzeit ober feit ber ersten Soldatenzeit vergessen hatte.
Das Gemeinsame ist ba, ohne baß man darüber zu sprechen brauchte. Die Bürde der vier Jahrzehnte läßt sich nicht leugnen. Aber wir nehmen sie nicht zu schwer, denn jeder einzelne hält sich insgeheim ja doch noch für einen Jüngling.
Go ändern sich die Zetten.
Don Hansjürgen Weidlich.
Es ist noch gar nicht fo lange her — ach, vor wenigen Monaten war es noch so: wenn ich da meinem Freunde begegnete, und ich saß auf meinem Stahlroß... du lieber Himmel, wie hat er sich da noch mißbilligend über uns beide geäußert!
„Manometer, immer noch unterwegs mit dem alten Eimer?! Verstehe ich nicht. Verstehe ich wirklich nicht. Anständiger Mensch fährt doch nicht Fahrrad! Und dann noch so ’ne ausgeleierte Klapper müh le! Tut ja schon ordentlich weh, wenn man die bloß sieht!"
„Laß doch! Ich war mit Sofie jetzt gerade wieder in den Bergen. Nicht eine Panne ..."
„Richtig! Du nennst dein Fahrrad ja Softe. — Na ja, eine andere Frau... Also dafür lege ich meine Hand ins Feuer: solange du mit dieser Drahtschaukel verheiratet bi ft, wirst > du nie eine andere Frau finden. Wie lange besteht eure komische (He jetzt eigentlich schon?"
„Och, so — warte mal... sieben, acht Jahre vielleicht."
„Was?! Länger nicht? Ich dachte immer... Natürlich: ich habe mit demselben Apparat doch auch schon deinen Vater gesehen!"
Irrtum! Ich habe Sofie alt getauft*
„Dann aber wohl sehr alt, nicht wahr? Und sind die Leute dir da nicht gleich um den Hals gefallen, als du ihnen ... als fie mit deiner Hilfe den Schinken nun endlich los waren? Oder willst du mir etwa erzählen, daß du für die alte Karre auch noch Geld aus gegeben hast?"
„Natürlich. Vierzig Mark. Und ich war froh..."
„Vierzig Mark?! Jä, da bist du denn ... Ueberleg* doch mal: Vierzig Mark! Was man sich dafür alles kaufen kann! Und da kaufst du dir... Ach —V*
„Was: Ach!"
„Laß nur! Hat ja doch keinen Zweck. Mit der Dummheit... Was ist denn dies eigentlich für ein komisches Ding hier?" —
„Das ist zum Anschließen."
„Wie?! Anschließen tust du den Schlitten auch noch?"
„Selbstverständlich! Ich werde mir doch Sofie nicht klauen lassen."
„Das ist ber Gipfel! Dein Fahrrad flauen! Weißt du, was ich tun würde, wenn ich ein Dieb märe? Mich in die Ecke stellen und meinen — so beleidigt mürbe ich mich fühlen, baß bu bie Aalkutsche auch noch anschließt! — Was ist benn das für ein feitfan)es Gebilde?"
„Das ist zum Umfchalten für die kleine und die große Uebersetzung. Gemifsermaßen der Ganghebel — erster und zweiter Gang."
„Ich sage ja: hoffnungslos! Hoffnungslos größenwahnsinnig! Somas —! Und mit dem ulkigen Bock millst du bis in die Berge gemesen sein?"
„Bis zum Achensee in Tirol!"
„Hast ihn wohl auf bie Schulter genommen? Oder oben auf’n Omnibus verfrachtet? Soll ich bir mal was sagen? Was ich tun würbe, wenn dieser halbe Kinderwagen mir gehörte? Ihn langsam aus- einandernehmen unb bann jebes Stück einzeln kaputt brechen. Einzeln! — verstehst bu? Unb bann alles in’n Chausseegraben werfen unb braus rumtrampeln. — Rabfahren! Wie kann man bloß?!"
— Ja, so etwa war ein Dialog, ben wir noch vor einem Jahr miteinander führten, als ich von meiner Urlaubsfahrt zurückgekommen mar. Inzwischen nun rft auch bas Auto meines Freundes auf gebockt worden. Vorgestern traf ich ihn: er trug in der Hand den Hut... Er schwitzte nämlich.
„Mensch, diese Wege jetzt immer! Unb immer alles zu Fuß! Ja, bu kannst lachen: Du hast dein! Fahrrad. Mit dem kannst du überall bis vor die Tür fahren. Mer unsereiner... Wie geht es denn der guten alten Sofie überhaupt? Ein tolles Rad!,
Was das nun schon so alles mit bir durchgemacht hat! Und ist doch nicht totzukriegen! Ja, ja, diese alten Räder! Die habeu's in sich. Wenn man bedenkt: sogar dein Vater ist doch schon mit ihm gefahren. Phantastisch!" .
»Mein — ich habe doch Softe erst vor acht Jahren gekauft."
„Was du nicht sagst! Acht Jahre hast du sie schon? Und alt gekauft? Sollte man nicht für möglich halten! Sieht doch noch immer... wirklich: sieht doch immer noch schmuck aus. Wieviel hast du eigentlich für sie gegeben?"
„Vierzig Mark."
„Was?! Mehr nicht? Tatsächlich bloß vierzig Mark? Mensch, das ist ja beinahe geschenkt! lieber- leg' doch mal: vierzig Mark — was kann man denn damit schon groß anfangen? Paar Kleinig- keiten, gewiß. Aber hier — acht Jahre hast du nun schon was davon! Und wo seid ihr überall gewesen! Was für Reisen hast du mit ihr gemacht! Denk' doch bloß an Tirol! Unb sogar die Berge bist bu hinaufgefahren mit deiner doppelten Übersetzung!"
„O doch, bas ist auch ganz schön, so'n Zweigang, g-etriebe."
„Schön? Das ist fabelhaft. Ich habe mir inzwischen Räder ^angesehen — da gibt es doch jetzt tatsächlich schon welche, die haben drei Gänge! Fast wie ein Auto. Großartig, sage ich dir!"
„Wolltest du dir denn ein Rad kaufen?"
„Na, selbstverständlich! Ich muß es nur erst 1er- mm. Ist das eigentlich schwer: rabfahren? Ich stelle mir bas herrlich vor: so aus eigener Kraft in bie Gegend flitzen... Du willst beins wohl nicht verkaufen?"
„N ... nein!!"
„Das konnte ich mir denken. Ist ja auch ein wunderbares Rab. Ich wollte, ich hätte genau so eins. Vierzig Mark — ich würde sogar fünfzig ge- ben."
„Und was mürben deine Freundinnen sagen, wenn bu ..."
„Ach, bu meinst... Hahaha, das wäre sg noch schöner! Fahrrad als Hinderungsgrund! Weißt bu, was ich mit so einer Frau tun würde? Ihr auch eins kaufen, damit sie kuriert wird. Aber so.was Dummes gibt es ja auch gar nicht. Also nochmals: überleg' dir — fünfzig Mark! Daß du bir es aber vorher ja nicht flauen läßt! Dazu ist es zu kostbar. Schließt bu es auch immer sorgfältig an?"
— Wie gesagt: auch das Auto meines Freundes steht jetzt irgendwo aufgedockt.i,


