(90. Jahrgang Nr. 188
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’ Ä® W * Samstag, 10. JSonntag, U.Zluguft 1940
Giehener Anzeiger
Westliche Humanität am Pranger.
Als deutscher Journalist in Brüssel verhaftet.
Von unserem E.
Unser Pariser Vertreter Lugen Fleischer, der nach der Kriegserklärung Frankreichs von Brüssel aus seine Tätigkeit als Berichterstatter deutscher Zeitungen und des Depeschenbüros Eu- ropapretz fortsehte, wurde dort am 10. Mai verhaftet und nach Südfrankreich verschleppt. Was er dort an schändlicher, jeder Gesittung hohnsprechenden Behandlung Hal erdulden müssen, hat er nach seiner Wiederherstellung von schwerer Erkrankung in einem erschütternden Bericht zusammengefaht, mit dessen Veröffentlichung wir heute beginnen.
I.
Die Brutalitäten, die sich das französische, aber auch das belgische Militär, die belgische Sicherheitspolizei und andere Behörden der beiden Nationen aegen die Hunderte von Reichsdeutschen zuschulden kommen ließen, die unmittelbar nach de'm Beginn des deutschen Einmarsches in Belgien am 10. Mai und den folgenden Tagen' verhaftet jinb in überstürzter Eile nach S^ü dfrankreich verschleppt worden sind, werden-für alle Zeiten die Vertreter des nun endgültig zusammengebrochenen Regimes dieser beiden Länder belasten. Die Erinnerung an die Scheußlichkeiten, deren sich die legitimierten Organe dieser beiden Völker gegenüber wehrlosen Zioilgefangenen schuldig gemacht haben, wird aber gleichzeitig auch einen Maßstab für die Schlußabrechnung mit den Vertretern von Völkern liefern, die einst den Anspruch erhoben haben, uns die Begriffe von „Humanität" und „Zivilisation" beizubringen.
Heber die Erlebnisse der deutschen, aus Belgien nach Frankreich verschleppten Zioilinternierten, deren Leidenszeit durch den glänzenden schnellen Sieg der deutschen Waffen glücklicherweise ein rasches Ende gefunden hat, .das viele der Internierten vor Tod und Siechtum bewahrt hat, sind in den letzten Tagen in der deutschen Presse eine Reihe von Berichten erschienen; die nachfolgenden Ausführungen sollen diese Darstellungen in wichtigen Punkten ergänzen. Die Verfasser der genannten Berichte hatten das Glück, einer Gruppe von Internierten anzugehören, die durch das Spiel des Zufalls wenigstens vor dem s ch l i m m st e n bewahrt geblieben ist, was die Ehre eines deutschen Mannes verletzen und zugleich auch seine Gesundheit bedrohen kann: den körperlichen Mißhandlungen und dem peinigenden Gefühl, wie eine Herde Vieh den sadistischen Quälereien von Menschen ausgesetzt zu sein, die man nicht mehr als Soldaten, sondern nur noch als Soldateska bezeichnen kann. Die nachfolgenden Erlebnisse mögen einen Begriff von dem geben, was die deutschen Zivilinternierten über sich ergehen lassen mußten.
Bereits bei meiner Verhaftung, die in den frühen Morgenstunden des 10. Mai in einem Brüsseler Hotel vor sich ging, wo ich als Journalist lebte, .— mit mir zusammen wurde ein anderer deutscher Schriftleiter verhaftet — wurden wir von höheren Beamten der belgischen Sicherheitspolizei als „deutsche Schweine" beschimpft. Die verhetzte Menge versuchte uns beim Transport zum Brüsseler Rathaus und zum Polizeigefängnis, wo wir zunächst untergebracht wurden, zu lynchen, sie erging sich in den unflätigsten Beschimpfungen gegen alles Deutsche, gegen den Nationalsozialismus und seinen Führer. Wie vielen anderen Gefangenen, so erlaubte man auch uns nicht die Mitnahme auch nur des geringsten Gepäckstückes; kein Stück Seife, keine Zahnbürste, keine Decke, kein Wäschestück konnten mitgenommen werden. Um unsere Verpflegung flimmerte man sich in den ersten drei Tagen unserer Internierung in Brüssel überhaupt nicht, so daß wir in einer Gruppe von ungefähr 1600 Mann, die als erster Transport am Sonntagabend, 12. Mai, auf den Weg gebracht wurden, uns schon zu Beginn der Fahrt in äußerst geschwächtem Zustand befanden. Mehrere tausend Mann waren während dieser drei Tage in der Reithalle der Artilleriekaserne won Etterbeck bei Brüssel untergebracht gewesen, deren Boden lediglich mit einer Sandschicht bedeckt war, ihre Notdurft verrichteten alle diese Leute in den Ecken der Halle. Das Wachpersonal drohte während der beiden Nächte mehrfach damit, uns mit Maschinengewehren zu beschießen.
Heber die Absichten, die man mit uns verfolgte, sieß man uns während der ganzen Dauer der Internierung bewußt im Dunkeln. Die vier Journalisten, die sich bei unserer Gruppe befanden, Major Fell vom Scherl-Verlag, Linder vom „Düsseldorfer Mittag", Furth vom DNB. und ich, ersuchten vor dem Abtransport mehrfach die anwesenden Organe der Sicherheitspolizei und einen belgischen General um Auskunft darüber, ob den deutschen Schriftleitern nicht die gleiche zuvorkommende Behandlung gewährt werden könne, die man den in Deutschland tätigen und im Berliner Hotel „Kaiserhof" untergebrachten belgischen und holländischen Berichterstattern hatte 'angedeihen lassen. Achselzucken und ironische Bemerkungen waren die einzige Antwort.
Bei dem Marsch von der Kaserne Etterbeck nsch dem dortigen Bahnhof am Sonntagnachmittag spielten sich ähnliche Szenen ab wie am Freitagnachmittag, als der Pöbel bei einem einstündigen Marsch zur Kaserne, der durch die verkehrsreichsten, bereits von englischem. Militär belebten Stadtteile geführt hatte, uns auf das aemeinste beschimpfte. Besonders gemein war die Abdrängung -einiger deutscher Frauen, die sich auf dem Wege zum Bahnhof aufgestellt hatten, um ihren Männern Pakete mit Lebensrnitteln usw. zuzuwerfen. Eine von ihnen, eine Frau Müller, wurde von einem Schutzmann mit Faustschlägen so übel zugerichtet, daß sie ohnmächtig zusammenbrach. Während vier Tagen und vier Nächten konnten wir die Güterwagen, in denen wir zu je vierzig Mann zusammengepfercht waren, nicht verlassen. Die
I.-Korrespondenien.
Wagen waren hermetisch verschlossen; zu allem Heberfluß hatte man von außen die Luftlöcher und auch die kleinsten- Ritze mit aufgesetzten Brettern usw. verschlossen.
Auch die ausschweifendste Phantasie kann sich kaum ein Bild machen von den Zuständen, wie sie sich im Verlauf dieser Fahrt nach Frankreich hinein nun entwickeln mußten. Der Transport in diesen Zügen, von denen am Sonntag und den folgenden Tagen eine ganze Anzahl Brüssel verließ, ist mehrfach geschildert worden; es mag lediglich noch auf eine besondere Brutalität hingewiesen werden, die fich die belgischen Soldaten vor der Abfahrt aus= gedacht hatten: Man hatte uns die Erlaubnis gegeben, pro Mann je ein in der Kaptine gekauftes Fläschchen Bier zur Stillung unseres Durstes mitzunehmen. Im letzten Augenblick nahm man uns diese Flaschen ab und zerschellte sie auf dem Steinboden des Bahnsteiges, der bald dicht mit Glasscherben bedeckt war. Ebenso nahm man uns die
Der Wehrmachlsbericht vom Freitag.
Berlin, 9. Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Unsere Schnellboote griffen, wie bereits bekanntgegeben, in der Nacht vom 7. zum 8. August einen stark gesicherten G e l e i t z u g an. Trotz heftiger Abwehr durch die begleitenden feindlichen Zerstörer, durch andere Bewachungsfahrzeuge und die stark bewaffneten Dampfer selbst gelang es, einen Ta nk-r von 8000 BRT., einen Dampfer vdn 5000 BRT. und einen Dampfer von 4000 BRT. zu versenken. Lin kleinerer Tanker wurde in Brand geschossen. Unsere Schnellboote kehrten unversehrt zurück.
Am' 8. August griffen deutsche Sturzkampfverbände unter Jagd- und Zerstörerschuh durch Luft- und Seestreitkräste stark gesicherte britische Geleitzüge südlich der Insel Wight an. Wie bereits bekanntgegeben, wurden allein aus einem Geleitzug 12 Handelsschiffe mit insgesamt etwa 55 000 BRT. versenkt und 7 weitere Handelsschiffe schwer beschädigt. Die Gesamtzahl der gestern durch die Luftwaffe versenkten oder schwer getroffenen britischen Schiffe beträgt 28.
Bei Dover vernichteten unsere Wesserschmitt- Flugzeuge 12 feindliche Sperrbalkone. 3m Zusammenhang mit den deutschen Luftangriffen entwickelten sich größere Lustkämpse, in deren Verlaus bei der 3nsel Wight und bei Dover insgesamt 49 feindliche Flugzeuge, darunter 33 Spitsire, von deutschen 3agd- und Zer-
Hargeisa
in Britisch-Gomaliland beseht
Der italienische Wehrmachtskrericht.
Rom, 9. Aug. (DNB.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:
3n Nordafrika haben 16 italienische Jagdflugzeuge an der Lyrenaikagrenze einen heftigen Kampf gegen 27 englische Flugzeuge ausgenommen. Trotz der zahlenmäßigen Heberlegenljeit der Gegner gelang es unseren kampferprobten Fliegern, fünf1
mitgeführten Zigaretten ab; diese wurden von der Begleitmannschaft ihren am Bahnhof faul herum- lungernden Kameraden zugeworfen.
Im ganzen wurden wir während der 96ftündigen Fahrt nach Südfrankreich zweimal mit übelriechendem, schmutzigem Wasser versorgt; ein Teil der Waggons erhielt indessen nur einmal Wasser, da es dem Begleitpersonal nicht schnell genug ging. Von einer Essenverteilung war keine Rede. Die Mengen des ausgegebenen Wassers waren durchaus ungenügend, besonders wenn man bedenkt, welch fürchterliche Atmosphäre fich in den dicht verschlossenen Waggons entwickelt hatte, bei denen es fich vielfach um eiserne Wagen handelte, auf welche die Sonne unbarmherzig knallte. In der Nacht zum Mittwoch wurde unter diesen Hmständen der Insasse eines Waggons wahnfinnig. Er rannte, als in Tours an der Loire die Tür des Wagens von der Begleitmannschaft geöffnet wurde, mit irren Ausrufen auf den Bahnsteig. Ein Leutnant tötete kurzerhand den Hnglücklichen durch einen Revolverschuß in den Rücken; der Fußtritt eines französischen Gendarmen beförderte den Leichnam noch zwei Meter durch die Luft. Unnötig zu erwähnen, daß während der ganzen Zeit die Verschleppten in den geschlossenen Wagen ihre Notdurft verrichten mußten, was die Qual des Transportes noch erhöhte.
ftörerflugjeugen abgeschossen wurden. 10 eigene Flugzeuge gingen verloren, zwei muhten notlanden.
Bei Nacht griffen unsere Kampfflugzeuge die britische Flugzeugindustrie um Liverpool und Bristol sowie häsem Flugplätze und Flakstellungen in Südengland an. Der Luftminenabwurf vor britischen Häsen konnte planmäßig fortgesetzt werden.
Britische Flugzeuge flogen in der letzten Nacht an verschiedenen Stellen in Westdeutschland ein. Durch unsere starke Abwehr wurde ein Teil der feindlichen Flugzeuge zur Umkehr gezwungen oder am Bombenabwurf gehindert. Vereinzelt abgeworfene Bomben richteten unwesentlichen Gebäude- und Flurschaden an. Personen wurden nur in einem kleinen Ort im Grenzgebiet verletzt. Flakartillerie schoß zwei feindliche Flugzeuge ab.
London gibt verheerende Wirkung zu.
Stockholms. August. (Europapreß.) Die Luft- kämpfe vorn Donnerstag über dem Kanal werden in englischen Fachkreisen.als diebisherheftig- ft e n Kämpfe feit Ausbruch des Krieges bezeichnet. Es wird ämtlich zugegeben, die Wirkung des deutschen Luftangriffs auf den Geleitzug fei derart verheerend gewesen, daß man am Freitagmorgen die Schäden noch nicht voll und ganz habe überblicken können. Außerdem wisse man noch nicht genau, wieviel Schiffe gesunken sind, und kenne auch nicht die Zahl der durch Bombenabwurf getroffenen Seeleute. Nur ein Teil der überlebenden Konvoibesatzungen tonnte bisher gelandet werden. *
feindliche Flugzeuge abzuschießen. Zwei unserer Flugzeuge sind nicht zu ihrem Ausgangspunkt zurückgekehrt.
3n Britisch-Somali haben unsere Truppen hargeisa beseht.
♦
Hargeisa, eine Stadt von etwa 20 000 Einwohnern, liegt in der Luftlinie etwa 100 Kilometer sübwestlich von Berbera, der Hauptstadt der britischen Kolonie. Von Hargeisa strahlen die Karawanenwege nach Ogaden, nach dem Vebi Schebeli und auch über Berbera nach Dschidschiga aus. Die Araber nennen Hargeisa das „kleine Harars
49 briilscheNugzeuge in Lustkämpsen abgeschossen
Oer große Schlag unserer Schnellboote und Lustwaffe gegen britische Geleitzüge. 32 Schiffe versenkt oder schwer getroffen. — Oer Lustminenabwurf fortgesetzt.
Zeila in Britisch-Somaliland.
Unfer Bild zeigt den Hafen von Z e i 1 a in Britisch-Somaliland, das jetzt von den Italienern besetzt wurde. — (Afsociated-Preß-M.)
Hi i
Ostasien und der Krieg.
Die Verhaftung einer Reihe von politischen Agenten des britischen Secret Service durch die japanischen Spionageabwehrbehörden hat die Blicke erneut auf die Rückwirkungen gelenkt, die der europäische Krieg auf die Lage in Ostasien gehabt hat. Japan hat zu Beginn des Krieges eine Politik der „Nichteinmischung" proklamiert/ die den damals maßgebenden Greifen Tokios am besten der traditionellen politischen Linie Japans zu entsprechen schien. Die Vorstellung von der Hnbesiegbarkeit des britischen Weltreichs hat es lange verhindert, daß sich in Japan die Erkenntnis einer grundlegenden Macht- verschiebung in Europa Bahn brach. Wenn auch der Krieg in China die Japaner genötigt hatte, in die Interessen der Vereinigten Staaten, Englands und Frankreichs einzugreifen, um Marschall Tschiangkaischek von seinen wichtigsten Hilfsquellen abzuschneiden, so war die japanische Politik doch immer darauf bedacht gewesen, es nicht zum offenen Bruch mit den Westmächten kommen zu lassen. Das entsprach einmal dem Gefühl, durch den Krieg in China, dessen Ende nicht abzusehen war, sowohl militärisch wie wirtschaftlich zu sehr angespannt zu sein, um noch eine weitere Belastung durch die offene Feindschaft einer Großmacht oder gar einer ganzen Mächtegruppe auf sich nehmen zu können, zumal ja auch das Verhältnis zu Rußland trotz aller beiderseitigen Bemühungen noch immer zu wünschen übrig ließ. Zum andern drückte sich m dem Bedürfnis nach einem erträglichen Auskommen mit den Westmächten die Fortsetzung eines außenpolitischen Kurses aus, den Japan trotz aller Nackenschläge mit Konsequenz verfolgt hat, seit es in den Kreis der Weltmächte getreten ist. England war es ja gewesen, das, um den Russen einen.starken Widerpart an ihre Ostflanke zu setzen, dem aus seiner Abschließung sich lösenden Japan zum Bau einer modernen Flotte verhalfen und ihm durch das Bündnis von 1902 in feinem Krieg gegen Rußland den Rücken gestärkt hatte. England und später auch die Vereinigten Staaten hatten den starken Geldbedarf der aufstrebenden japanischen Wirtschaft befriedigt, beide standen als Lieferanten sowohl wie als’ Käufer im japanischen Außenhandel an erster Stelle, die moderne Staatsoerfassung Japans konnte trotz mancher Zugeständnisse an die spezifisch japanische Vorstellungswelt das britische Vorbild nicht verleugnen, vielfache kulturelle und gesellschaftliche Bindungen führten nach Amerika und England. Es waren also viele und nicht unwesentliche Momente, die die japanische Außenpolitik auch noch während der ersten Phasen des europäischen Krieges in ihrer traditionsgebundenen Linie hielt.
' Dazu trug auch wohl die Hoffnung bei, daß das Ausbleiben britischer und französischer Subsidien sehr schnell zum Zusammenbruch des Widerstandes der Tschungking-Regierung führen werde, womit dann die Bahn frei geworden wäre für eine Neuordnung der Dinge in China, wie sie den Japanern vorschwebt. Da man zudem mit dem baldigen Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg gerechnet hatte, schien Aussicht zu bestehen, daß diese die Durchführung der japanischen Pläne in China ohne Widerspruch hingenommen hätten. Schließlich hatte man in Japan von dem europäischen Krieg eine starke Exportsteigerung erwartet durch den Ausfall der kriegführenden europäischen Mächte auf dem Weltmarkt. Die tatsächliche Entwicklung llat in keinem Punkt den japanischen Erwartungen entsprochen. Wenn es der japanischen Politik auch gelang, zu erreichen, daß Frankreich und England sich unter dem Druck der vernichtenden Niederlage auf dem europäischen Kriegsschauplatz zu einer Sperrung der Zufahrtswege durch Jndochina und Burma bequemten, auf denen Tschiangkaischek auch nach der Blockierung der ganzen südchinesischen Küste noch immer Kriegsmaterial aller Art zufloß, so hat es sich doch gezeigt, daß die Widerstandskraft Tschiangkaischeks noch auf anderen Faktoren beruht. In Tschungking hat man zwar beschlossen, sich auf eine reine Defensive zu beschränken, aber gerade die Defensivstellung Tschiangkaischeks mit dem Kern in der Provinz Szetschuan ist dank der Natur des Landes so stark, daß in diesem Feldzug mit der ungeheuren Weitläufigkeit des chinesischen Raums es den Japanern sehr schwer sein wird, mit Waffengewalt eine Entscheidung zu erzwingen. Das hat man in Tokio ja auch eingesehen und deshalb versucht, unter Wangtschingwei eine neue chinesische Nationalregie-
Nom läßt fich nicht schrecken.
Rom, 9. Aug. (Europapreß.) Die Londoner Presse tritt — offenbar um die Moral der englischen Bevölkerung etwas zu heben — dafür ein, die italienischen Erfolge in Afrika durch Repressalien gegen d i e Zivilbevölkerung Italiens zu beantworten. Einige Blätter scheuen nicht davor zurück, die Bombardierung Roms, das als offene Stadt betrachtet werden muß, zu fordern. „News Chronicle" sucht das eigentliche Ziel dieser gewünschten Luftangriffe, die Terrorisierung der italienischen Zivilbevölkerung zu verschleiern, jes schreibt, die beste Verteidigung Englands gegen die italienischen Operationen läge darin, die italienischen Streitkräfte in ihren Stützpunkten anzugreifen. „Daily Expreß" dagegen spricht ganz offen von Luftangriffe n auf Rom und erklärt, in der nächsten Zeit würden die Nächte schon länger fein. Den englischen Bombern würde es also ermöglicht, i m Schutze der Dunkelheit Flüge bis nach Rom und wieder zurück auszuführen.
Dazu schreibt „Popolo di Roma", durch diese Drohungen könne England die Leute am Tiber nicht erschrecken; sie zeigten lediglich die Schwäche der englischen Verteidigung auf. England habe während dieses Krieges bereits auf feinen unbegründeten Ruf als zivilisierte Macht verzichtet, indem es die Frauen und Kinder friedlicher Städte gemordet habe. Es könne also ruhig dieses sein System verschärfen. Aber das werde ihm nicht zum Siege verhelfen.


