öert werden. Man kann es nicht damit bezeichnen, daß man etwa sagt, die deutschen Truppen hätten einen vollen Sieg errungen. Sie haben das erreicht, worauf die militärische Theorie überall so viel Wert legt, die vollständige Vernichtung eines feindlichen Heeres.
Daran ändert auch nichts, daß einige tausend Mann englischer Truppen auf die Schiffe geflüchtet sind. Viele Hunderte angeschwemmter Leichen am Strand von Dünkirchen besagen außerdem genug, daß auch diese Absicht nur zu einem beschränkten Teil Ausführung fand. Es mögen 5000 oder 8000, vielleicht auch 10 000 ober 15 000 Kraftfahrzeuge jein, die im weiten Ning um Dünkirchen, auf allen Straßen und Feldwegen, vielleicht in großen Parks versammelt, zumeist beschädigt oder ausgebrannt, sich befinden. Es ist hier wohl die größte Beute gemacht worben, die je ein Heer zu verzeichnen gehabt hat. Dieser Ausfall ist. in kurzer Zeit nicht zu ersetzen. Der deutsche Sieg im Artois und in Flandern kann als der erste entscheidende Schlag gegen die Heere 6et Westmächte angesehen werben. Belgier unb Holländer eingerechnet, haben allein runb 1,2 Millionen Mann die Waffen gestreckt. Hie blutigen Verluste find an vielen Stellen sehr hoch. Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man damit rechnet, daß die Zahl der Toten auf britischer und französischer Seite um das Zehnfache die deutschen Verluste übersteigt.
Berücksichtigt man hierbei noch, daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil deutscher Divisionen in den ersten drei Wochen der großen Operationen im Westen überhaupt gekämpft hat, so ist bas neue Kräfteverhältnis auf bem westlichen Kriegsschauplatz, soweit bas Heer in Betracht kommt, nach brei Gesichtspunkten zu beurteilen.
1. Es ist eine zahlenmäßige Schwächung des englisch-französischen Heeres um 30 bis 40 Divisionen eingetreten, wozu der Ausfall der gesamten belgischen unb holländischen Armee kommt.
2. Es ist ein wesentlich barüber hinausgehenber Materialausfall festzustellen, ber vor allem die Panzerwaffe unb bie motorisierten Verbänbe betrifft.
3. Der geringe Ausfall auf deutscher Seite unb feine bereits durchgeführte personell^ und materielle Ergänzung ber in ben Kampf getretenen Divisionen verändert bas Stärkeverhältnis weiterhin wesentlich zu beutschen Gunsten.
Es muß gewiß bamit gerechnet werben, baß eine Art Mut ber Verzweiflung hier und da auf ber Gegenseite jetzt sichtbar wirb; gilt es doch schon jetzt sowohl für England wie für Frankreich um bas Schicksal bes Krieges, so steht auf beutscher Seite ein herrlicher Schwung, ein echter Sieges» glaube unb ein unerschütterliches Vertrauen zur Führung. „Wir müssen ben Feind schlagen!" das ist bie Parole jebes Infanteristen, jebes Pioniers unb jebes Panzerschützen unb erst recht jebes militärischen Führers.
Aus bem Feinblager kann folgenbes zuverlässig berichtet werben: Alles was geschieht, wirb vom englischen Interesse bestimmt. Dies geht so weit, daß bei ber Flucht aus Dünkirchen zunächst bie englischen Toten mitgenommen werben mußten, bann erst Franzosen kamen. Zwei Angehörige ber 32. französischen Division berichten, baß britische Offiziere mit ber Pistole in ber Hanb bas Betreten der Schiffe in Dünkirchen durch Franzosen verhindert hätten. Es fei u. a. auch ber Frau eines gefallenen französischen Offiziers auf biefe Weife bie Flucht nach England verwehrt worben. Es erübrigt sich zu sagen, welche erbitterte Stimmung unter diesen Soldaten herrschte, Ich bin Zeuge einer Szene gewesen, daß englische unb französische Gefangene ooneinanber getrennt werben mußten, um Mord unb Totschlag zu verhinbern. Nicht anbers als in Belgien besteht auch heute in den von ben deutschen Truppen besetzten Gebieten unb vor allem bei ben Gefangenen der 1., 7. unb 9. französischen Armee ber Einbruck, baß England in Flandern das Wort wahr gemacht habe: „Für England bis zum letzten Franzosen!"
In der Beurteilung der gegenwärtigen Lage tritt ein neues wichtiges Moment in Erscheinung: England wird angegriffen, und zwar nicht mehr wie es bisher geschehen ist, auf dem Kontinent, sondern im eigenen ß a n b. Die deutsche Luftwaffe ist jetzt täglicher Gast im englischen Hoheitsgebiet! Sie überwacht den Verkehr zwischen den britischen und französischen Häfen. Sie wird das auf der Reede von Dünkirchen begonnene, durch zahllose Wracks von Kriegs- und Handelsschiffen jedem Besucher erkennbare Werk sortsetzen. Sie bereitet den Weg für weitere Kriegshandlun- g e n vor.
Wenige Wochen nach ber Eröffnung des aktiven Handelns auf bem westlichen Kriegsschauplatz hat der Krieg bereits einen Höhepunkt erreicht. Ich wiederhole noch einmal, was ich bereits sagte: Jetzt ist der Welt zum ersten Mal klar geworben, was es bedeutet, ein feindliches Heer zu vernichten. Man kann in Paris wie in London davon überzeugt fein, daß der deutsche Soldat ben angetretenen Weg bis zum endgültigen Sieg in aller Entschlossenheit und Konsequenz fortsetzen wird. Dafür bürgt die oberste Wehrmachtsführung, ber Führer in feiner Eigenschaft als Feldherr dieses Krieges, dafür aber auch ein Mann wie der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitfch und fein Gene- ralftabschef, General der Artillerie Halder, dafür in gleicher Weife ber Generalfeldmarschall Göring und ber Großadmiral Raeder. Wir besitzen ein prachtvolles, angriffsfreudiges unb tapferes Heer. Wir haben die beste Luftwaffe der Welt. Wir verfügen über eine immer bereite, schnell handelnde und zuschlaaende Kriegsmarine. Wir haben ein Kriegsziel, Kriegsgeist und »begeifterung, Glauben und Härte. Das aber sind die Grundlagen des militärischen Erfolges.
Vielsagender Armeebefehl Weygands.
Stockholm, 10. Juni. (Europapreß.) Der fram zösische Generalissimus Weygand hat am Sonntagvormittag an die französische Armee einen Tagesbefehl gerichtet, der sowohl in Paris als auch in London wegen seines Ernstes großes Auffehen erregt. In bem Tagesbefehl heißt es u. a.: „Die deutsche Offensive ist nunmehr auf ber Front vom Kanal bis nach Montmsdy losgebrochen. Morgen kann diese Front sich bis zur Schweiz erstrecken. Es ist unser aller Pflicht, zu kämpfen, ohne an Rückzug zu denken, und den Platz zu halten, auf ben ber Befehl uns gestellt hat." Bezeichnend sind insbesondere die beiden folgenden Sätze: „Der höchste Befehlshaber ist sich burchaus bewußt bes tapferen Einsatzes, ben bie streitenden Armeen und die Luftwaffe leisten. Aber Frankreich verlangt nun mehr(!) von euch, Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten!"
Die Pariser „Epoque" schreibt, wenn der deutsche Vormarsch Paris erreichen sollte, so dürfte die Regierung nicht davor zurückschrecken, die französische Hauptstadt als gewaltiges Hindernis gegen bie Panzerwagen und die Infanterie zu benutzen. „Jour" erklärt, das Verteibigungssystew bürste keine Grenzen kennen. Die künstlichen Hindernisse müßten bis zu ben äußersten Verteidigungslinien gehen. Zu diesem Zweck müßten militärische Vorsichtsmaßnahmen in Paris ergriffen werden.
Italienische Stimmen zur neuen deutschen Offensive.
Rom, 10. Juni. (Europapreß.) Die Aufmerksamkeit ber römischen Presse gilt in erster Linie bem Fortschreiten ber beutschen Offensive in Frankreich. Als entscheibenber Faktor in bem gegenwärtigen Stanb ber Operationen ber beutschen Streitkräfte wirb ber Einsatz frischer Kräfte, befonbers Panzer- bioifionen, unb neuer Flugzeuge gewertet. In Paris versuche man, so berichtet bie italienische Presse, auch biesmal roieber ben neuen Gelänbeverlust als einen „strategischen Rückzug" hinzustellen. Jebvch werbe in einem Bericht ber Havas-Agentur zugegeben, baß ber Ansturm ber Deutschen gegen die französischen Stellungen bas Furchtbar st e sei, was bie Kriegsgeschichte bisher zu verzeichnen gehabt habe. Er übertreffe an Heftigkeit unb Erbitterung bie größten Schlachten bes Weltkriegs. Gegenüber biefer beutschen Sturmflut fei bem französischen Oberkommando nichts anberes übriggebüeben, als ben B e - fehlzumRückzugzu geben. Auch an ber Aisne hätten bie Deutschen mit frischen Divisionen unb zahlreichen Panzerwagen einen bebeutenben Angriff unternommen. Selbstverstänblich werbe von französischer Seite erklärt, baß ber „strategische Rückzug" in aller Drbnung vor sich gegangen fei, unb baß bie französischen Truppen bie Deutschen nunmehr in neuen Stellungen erwarteten. Ferner rechne bas französische Oberfommanbo mit einer weiteren Aus- behnung ber Kampffront.
General Weyganb, so schreibt „Tribuna" in einer Betrachtung ber Kampftage im Westen, habe bie in Gang befinbliche Schlacht als „bie Schlacht Frankreichs" bezeichnet unb zur höchsten Aufopferung aufgeforbert. Wenn auch ber Aufruf Wey- ganbs an feine Truppen in anderem Tone verfaßt sei, so zittere in ihm nicht geringere Sorge als in jenem, ben General Oamelin an bas französische
Heer richtete, als um Seban gekämpft würbe. Da bie französische Heeresleitung bie eigene Unfähigkeit zu einer Gegenoffensive erkannt habe, richte sie einen verzweifelten Appell an die Widerstandskraft ihrer Truppen. Dies fei bie Atmosphäre, in ber bie französischen Truppen kämpften. Das Heer Weyganbs fei in bie engste Defensive gebrängt unb müsse bie Initiative bes Gegners über sich ergehen lassen. Der Gegner sei unb bleibe Herr seiner Ent- scheibungen, ben größten Druck bort anzusetzen, wo er ihn bem gesteckten Ziele unb ben oerwenbeten Kräften angemessen erachte.
Oie Lteberlegenheii von Panzer und Lustwaffe. Eine Unterhaltung mit General Giraud.
Berlin, 8. Juni. (DNB.) Der gefangne Generäl Giraud traf in einer Stadt Westdeutschlands ein, wo für ihn Quartier vorbereitet war. Aus der Unterhaltung mit feinen Begleitern ist folgendes interessant: Als Hauptanlaß der schwierigen Lage der ihm unterstellten Truppen gab er die Ueberleg e n h e i t der deutschen Panzerverbände unb ber beutschen Luftstreit«- f r ä f t e an. Seit Tagen hätten sich bie Franzosen schlechtes Wetter herbeigewünscht unb bie günstige Wetterlage hätte er selbst gerabezu als ein Unglück empfunben. Hierburch hätten bie beutschen Luftstreitkräfte so große Wirkungsmöglichkeiten gehabt.
Als sich bie Unterhaltung bem Wert ber oerschiebenen Armeen zuwanbte, machte Giraud in seiner vorsichtigen unb verhaltenen Art barauf aufmerksam, baß wir Deuffche uns vielleicht nicht genügen!) vorstellen konnten, wie. schwierig eine militärische Lage zu meistern ist, wenn Truppen von vier Staa.ten gemeinsam zu führen seien. „Eigentlich" fuhr General Giraud fort, „kämpfen im Westen nur zwei Armeen, bie beutfche unb bie französisch e". Auch bie englische Armee i[t natürlich gut, wenn sie auch sehr klein sei. Sie wäre vor allem „in ber Verteibigung" recht gut Den Wert ber belgischen unb hollänbi- schen Armeen schätzte Giraub niebriger ein.
General Giraub war burch fein mibriges Geschick der Gefangennahme sichtlich bebrücft. Er machte als Offizier unb Mensch ben Einbruck einer starken Persönlichkeit Man kann verstehen, daß die Franzosen in ihm den fommenben Mann sahen. Desto schwerer wiegt seine Gefangennahme.
Italien wartet auf das
ort des Duce.
Don unserem K G.-Korrespondenten.
Rom, Anfang Juni 1940.
Vor einem Jahre, am 20. Mai 1939, sprach d e r Duce auf feiner Fahrt durch die nordwestliche Grenzprovinz Italiens, Piemont, in Cuneo die berühmt gewordenen Worte: „Von jetzt ab werde ich mich in Schweigen hüllen; im Falle der Notwendigkeit wird das Volk sprechen!" Ob Mussolini damals vorausgesehen hat, daß sein Ausspruch schon nach so kurzer Zeit in Erfüllung gehen würde? Denn seit langem schon „sprich r das i t a e n i f (h e Volk. Auf den Sttaßen und Plätzen, in Massenkundgebungen, in Hunderten von Maueranschlägen, in der Presse, in Botschaften der Universitäten und anderer, die geistige Führerschicht der Nation zusammenfassenden Körperschaften, m Entschließungen der Soldatenvereinigungen und der Kriegsteilnehmerverbände ruft es dem Manne, der in einsamer Größe das Steuer des Staatsschiffes lenkt, immer wieder feinen Willen zu. Den Wil- len nach Befreiung von dem Joch, das die Hegemonie der westlichen Pluto- k r a t i € n einst einem schwachen Italien aufzwang, um seinen Aufstteg zu imperialer Größe zu hindern; nach Sprengung der Tore, durch die jene Mächte hofften, Italien auf alle Zeiten in seinem Meere, das nach Mussolinis Wort „sein Leben" ist, zum Gefangenen zu machen; nach Vollendung des Werkes, das ber Duce des Faschismus mit ber inneren Einigung und Stärkung des Volkes begann und bas mit der Eroberung eines in seiner Entwicklung von dem guten oder bösen Willen Englands abhängigen Imperiums noch nicht als abgeschlossen bettachtet werden kann.
Was der Schrei der italienischen Nation', ber zum Duce lauter und lauter hinaufbranbet, bebeutet, bas umschrieb in diesen Tagen die Zeiffchrift „Critica Fascista" in Sätzen von altrömischer Größe unb Klarheit. „Wir haben keine Wahl", so hieß es in bem Aufsatz, „entmeber müssen wir an bas Probern Herangehen ober wir versäumen unsere Stunde. Solange die englische Vorherrschaft bestehen wird, solange werden wir mit ihr zusammenprallen. Das ist nicht nur das Problem unserer Expansion, es ist asProblemunseresLebensselbst. Das Mittelmeer, unser Meer, ist nicht unsere ^Straße zur Welt, sondern unser Gefängnis. Es gibt für uns keine Lebensmöglichkeit, bis der Herrschaft der Eindringlinge, die sich der Zugänge bemächtigt haben, eine Ende gemacht wird. Die Einheit, die Unabhängigkeit, das Imperium werden nicht ihre endgültigen Früchte tragen; die Großmachtstellung wird eine Spiegelfechterei unb nicht eine Wirklichkeit fein, solange wir nicht bie Herrren unfe« res Meeres sein werben. Das Imperium, das wir mit unserem Blute erobert haben, wird nicht wirklich uns gehören, wenn wir ben Verkehr bamit nicht ohne die Genehmigung ber englischen Ein- brmglinae aufrechterhalten können. Diese englische Vorherrschaft in unserem Meere ist politisch unb geistig nicht mehr zu ertragen. Das Mittelmeer den Mittelmeervölkern!
Die Marschrichtung des Wieberaeburts», Eini- aungs» unb Unabhängigkeits-Prozesses bringt uns schicksalhaft zur Lösung dieses Problems. Italien hat zunächst bie Befreiung von ausländischer Beherrschung auf seinem eigenen Boden errungen; bann hat es sich durch die geistige und moralische Einigung von seinen inneren Spaltungen befreit. Der Faschismus hat den Befreiungsprozeß beschleunigt und zu feinen höchsten und endgültigen Lösungen geführt. Er hat uns durch bie korporative Staatsverfassung von ben sozialen unb wirtschaft- lichen Gegensätzen befreit; er hat uns durch die Autarkie von der wirtschaftlichen Knechtschaft frei- gemacht; er hat durch Die Eroberung des Imperiums die Befreiung von den Mittelmeerfesseln eingeleitet. Erst am Ende dieser Entwicklung haben wir gemerkt, wie sehr die Eroberung der Freiheit für uns noch ein konkretes, für unsere Geschichte und unsere Politik dringliches Problem ist. Die Engländer sind so naiv oder so frech gewesen, uns auf' alle mögliche Weise, von den Sanktionen bis zu den gegenwärtigen Seeräubereien, diese Lage zu Bewußtsein zu bringen und in unseren Adern einen Befreiungsdrang hervorzurufen, der sich erst an bem Tage legen wird, an dem wir wieder Herren unseres Meeres fein werden. Für
uns handelt es sich heute um ein reifes, positives Problem, um die Bekräftigung eines bewußten Willens, um das Ziel eines Sofortprogrammen Dieses wird der letzte Krieg für die Freiheit bes italienischen Volkes sein, für die Freiheit unb Unabhängigkeit seines Imperiums."
Nicht weniger deuttich brückte sich der „Schwarz- Hemd' zeichnende Leitartikler des führenben faschistischen Blattes „Resto bei Carlino" aus. Um den Krieg zu beenden, so erklärte er, sei e i m Ereignis notwendig, jenes Ereignis, bas jeber Italiener als unentbehrlich zur Befriedigung der italienischen Aspirationen betraute; jenes Ereignis, bem nur bie Feigheit sich in biefer historischen Stunde, in der bie letzten, sinnlosen Schöpfungen bes Versailler Vertrages Zusammenstürzen unb eine neue Wett geschaffen werbe, entziehen könne; jenes Er- eignis, bas als Imperativ von bem italienischen Volk geforbert werde, bas Mitbegründer unb nicht müßiger Zuschauer der neuen Geschichte sein wolle. „Und wenn noch niemals", so schließt bas Blatt, e r Duce wie in biefen Tagen angefleht worden ist, auf ben Balkon bes Palazzo Venezia heraus» zutreten, bann sagt uns unser Herz, baß wir sehr bald feine Stimme vernehmen werben."
Das italienische Volk hat gesprochen. Der Duce, der bereits vor 21 Jahren, am 22. Mai 1919, in einer in Fiume gehaltenen Rebe die Freiheit des Mittelmeeres forderte und anfünbigte, baß Italien bet der Befreiung dieses „natürlichen Feldes feiner unfehlbaren Expansion" sein Wort mitreöen werbe, schweigt. Schweigt unb wägt, um mit seinem siche» ren politischen Scharfblick ben Augenblick abzu» passen, ber die größten Erfolgsaussichten vereinigt.
„Alle Italiener stehen bereit."
Eine Ansprache Farinaecis.
Mailand, 9. Juni. (DNB.) In Cremona traf unter Führung des Vizepräsidenten bes Reichstages, Staatssekretär Hermann Esser, eine beutsche Abordnung ein, die im Auftrage von Reichsminister Dr. Goebbels ber Einlabung von Staatsminister Farinacci folgend, zur Besichtigung ber Kunst- ausstellung ber Werke um den „Preis von Cremona". Bei einem Empfang hielt Staatsminister Farinacci eine Ansprache. „Kameraden aus dem Dritten Reich", rief Farinacci aus, „wenn Sie zu Ihrem tapferen Volk heimkehren, dann berichten Sie dem Führer unb ganz Deutschland, daß alle Italiener b e r e i t st e h e n." Sie erwarteten nur die mannhafte Stimme des Duce, sie erwarteten oon ihm den Befehl, der den Weg vorzeichne. „Dis Italiener werden diesen Weg unter Nichtachtung aller Gefahren mit treuem Heldenmut unb mit dem unermüdlichen Willen zum Siege durcheilen. Ich preise ben Ruhm Deutschlands unb Italiens, der beiden furchtlosen Führer, unb ben Triumph ber gemeinsamen Sache!"
Die Italiener in Tunis unter schwerstem Terror.
Rom, 9. Juni. (DNB.) Die Uebergriffe gegen die Italiener in Tunis werben von ber römischen Presse an Hand eines Berichtes eines früheren italienischen Lehrers in Tunis, Professor Rizzo, miebergegeben, bem es gelang, burch bie Flucht mit bem letzten Flugzeug ber Gefangennahme zu entgehen. Von ber „Fünften Kolonne" besessen, so heißt es in ben Berichten, haben bie französischen Behörben ihren ganzen Haß gegen bie Italiener entfesselt. Auf allen Straßen finb spanische Reiter unb Maschinengewehrnester aufgestellt, Panzerwagen burchfahren ununterbrochen bie Hauptstra- fjen ber Stabt. Die verhafteten italienischen Bürger werben in Tunis mit brutaler Grausamkeit behanbelt. Ein ber Spionage angeklagter Italiener würbe mit ben Füßen an bie Decke ber Zelle ge- bunben unb blutig geschlagen, bamit er eine Schutt) bekenne, bie er nicht begangen hatte. Alle Häuser von Italienern finb burchsucht worben, wobei bie geringste Kleinigkeit genügte, um ganze Familien ins Gefängnis manbern zu lassen. Zur Zeit befinden sich 350 Italiener unter ber ungerechtfertigten Anklage der Spionage in Untersuchungshaft.
Tanger.
Durch lange Jahre ist Marokko ein europäischer Wetterwinkel gewesen, im befortberen hat bas Tangerproblem zeitweilig bie Politik ber Großmächte zu alarmieren vermocht. Jetzt will es erscheinen, baß eine neue Periobe ber Beunruhigung bevorsteht. Tanger ist zum großen Teil g e, räumt worben, unb bas gegenüberliegend Gibraltar evakuiert bie Zivilbevölkerung. Die Krise um biefe Stabt begann im Jahre 1905, als Kaiser Wilhelm II. in Verfolg ber mehr lauten als energischen Politik bes Fürsten Bülow unvermutet in Tanger lanbete unb in einer flammenben Rede bie Unantastbarkeit bes souveränen Scherifenreiches betonte. Tanger war für eine kürzere Zeitspanne in ben Mittelpunkt ber Auseinanbersetzung zwischen Deutschlanb unb ben Westmächten gerückt. Da aber Deutschlanb auch nach bem „Panthersprung" nach Agabir nicht bereit war, bie letzten Konsequenzen aus feinem Vorgehen zu ziehen, so kam es im Jahre 1906 zu Der Konferenz von Alge» c i r a s, im Schatten bes Gibraltarfelsens, wo die beutschen Delegierten, Botschafter von Rabowitz unb Graf Tattenbach, zuerst in bie Defensive gebrängt würben unb bann recht isoliert baftanben. Die Konferenz nahm bas französisch-spanische Generalman- bat über Marokko an unb bestimmte Italien als Kontrollinstanz. Es ist nun nicht etwa so gewesen, baß sich Mabrib, Paris unb Rom nach ben Beschlüssen biefer Konferenz in freunbfchaftlicher Zu» lammenarbeit über bie Einflußsphären in Marokko verstänbigt hätten, fonbern erst nach langen unb schwierigen Verhandlungen unb Reibereien bequemte sich Frankreich dazu, bem spanischen Drängen unb dem Druck der Mächte nachzugeben unb Spanien einen Teil ber marokkanischen Beute zu überlassen.
Die Geschichte ber Tangerzone nun ist eines ber vielen Beispiele für bie Versuche Englanbs unb Frankreichs, Italien bie Parität zu verweigern, obwohl Italien ein vitales Interesse baran zeigte, bie Internationalisierung biefer Zone aufrecht zu erhalten unb sich nicht aus ber Verwaltung ber Zone ausschatten zu lassen. Rom mußte es zu Der» hinbem suchen, baß ber bereits burch Gibraltar kontrollierte Ausgang aus bem Mittelmeer auch auf ber gegenüberliegenben Seite ber Meerenge in bie Hand einer anberen Großmacht fiel. Die internationale Sonberstellung Tangers würbe nicht nur_ in ben Algeciras - Akten bekräftigt, fonbern auch burch ben fpanifch-franzöfifchen Protektorats» vertrag vom Jahre 1911 bestätigt. Auf ber Versailler Konferenz machte Frankreich ben Versuch, bas Statut aufzuheben unb bie Zone unter- feine Verwaltung zu stellen, konnte aber mit feinem Verlangen nicht durchbringen. Eine englifch-fpanisch- französifche Konvention vom Jahre 1923 arbeitete ein neues Tangerstatut aus, bas bie italienische Interessen nicht berücksichttgte unb beshalb in Italien Unzufriebenheit erregte, bis schließlich Mussolini im Jahre 1926 eine Kriegsflotte in ben Hafen von Tanger entfanbte unb bamit ber Wahrung der italienischen Rechte energisch Nachdruck verlieh. Auf Drängen Italiens wurde das Statut im Jahre 1928 durch ben Beitritt Italiens in bie Verwaltung ber internationalen Zone ausgeweitet. Im Artikel 3 biefes Statutes heißt es: Die Tangerzone wirb unter bas Regime bauernber Neutralität ge- stellt. Kein feinblicher Akt auf ber Erbe, auf bem Meer, in ber Luft barf burch ober gegen die Zone noch innerhalb ihrer Grenzen durchgeführt werden.
Nominell untersteht die Tangerzone dem Sultan von Marokko, der durch den Mendub vertreten ist. Dieser Mendub, der seine Residenz im früheren deutschen Gesandtschaftsgebäude aufgeschlagen hat,
Oie Kunstschähe Italiens werden vor Kriegsgefahr geschützt. Rom, 8.Juni. (Europapreß.) Aus Anordnung des Ministers für nationale Erziehung find bis auf weiteres alle Museen, Bildergalerien und Kunstsammlungen geschlossen worden. Das italienische nationale Kunstgut soll vor den Kriegsgefahren geschützt werden. Der Ministerrat hat daher so- fertige Schutzmaßnahmen für die beweglichen Kunst- gegenstände der Nation und für die bedeutendsten nationalen Denkmäler angeordnet. Insbesondere sind diese Maßnahmen rasch in den Grenzgebieten Italiens zu treffen. Die Schutzmaßnahmen werden von den staatlichen Organen unter Mitarbeit der Provinz-Ausschüsse für den Luftschutz durchgeführt werden.
Flucht von der französischen Riviera.
Mailand, 8. Juni. (Europapreß.) Die „Ga- zetta del Popolo" meldet von der französischen Ri- oiera, bie an Italien grenzenbe Frembenstabt Mentone sei oon ber Zivilbenölkerung ganz geräumt worben. Die Grenzkontrolle würbe Der» schärft unb ist oft von Leibesvisitationen begleitet Die kostbaren Villen von Cannes, Antibes, Nizza unb anberen Orten ber Riviera finb von ihren Besitzern geräumt worben, bie sich in Per- ptgnan unb Spanien sicherer fühlen. Die Straßen finb von Flüchtlingen überfüllt. Hunbert- taufenbe von Flüchtlingen aus Norbfrankreich, bie Zuerst in ben leeren Hotelpalüften von Nizza unb anberen Stäbten untergebracht worben waren unb Zu Hunderten in großen Sälen übernachteten, wurden jetzt nach Tarbes, Toulon, Perpignan, Lyon ufw. abtransportiert
Vorbereitungen des Vatikans.
Rom, 9. Juni. (Europapreß.) Der Kardinal- Ausschuß für die Vatikanstadt teilt mit, daß Papst Pius X I I. erklärt hat, er werde sich auch bei einer etwaigen Ausweitung des Krieges von Rom nicht entfernen, weil er als Bischof von Rom in direkter Fühlung mit den Gläubigen seiner Diözese bleiben wolle. Das Sekretariat der Vatikanstadt teilt weiter mit, daß vom Kardinal-Ausschuß die Beschleunigung der Arbeiten zur Herstellung von Schutz bietenden Unterkünften gegen Fliegerangriffe längs den Mauern und dem großen Turm der Vatikanstadt angeordnet worden ist. Gegen die Nichtbeachtung der Verdunkelungsvorschriften wird auch in der Vatikanstadt mit ähnlicher Strenge wie im Königreich vorgegangen werden.
»Gibraltar ist spanisch!'"
Madrid, 10. Juni. (Europapreß.) Der britische Botschafter in außerordentlicher Mission, Sir Sa- muel Hoare, wurde am Samstagnachmittag mit dem üblichen Zeremoniell von Staatschef Franco zur Entgegennahme feines Beglaubigungsschreibens empfangen. — Während der Botschafter und seine Begleitung über den Orieyt-Platz fuhren, veranstaltete eine' etwa tausendköpfige Menge unter Führung von Studenten eine Kundgebung. Ununterbrochen wurde gerufen „Gibraltar ift spanisch!" Die Polizei mußt« eingretfen.
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