Amtstrager des Reichsluftschutzbundes an alle Haushaltungen verteilt werden.
Fahrgemeinschaffen für den Personenverkehr.
Vor einiger Zeit hat der Reichsoerkchrsminister einen Runderlaß veröffentlicht, in dem Zweifel geklärt wurden, die über die rechtliche Zulässigkeit des Mltnehmens von Personen in bewinkelten Fahrzeugen ausgetreten waren. Wer auf einer im öffentlichen Interesse liegenden Fahrt, so stellt dieser Runderlaß fest, ohne einen Umweg zu machen, mit einem Kraftfahrzeug eine andere Person aus Ge- älligkeit mitnimmt, macht sich keines Mißbrauchs. chuldig. Bei manchen Kaufleuten, die mit einem zugelassenen Fahrzeug regelmäßig bestimmte Strecken zurücklegen müssen, kommt es vor, daß Berufskameraden oder auch Kunden das Ansinnen stellen, mitgenommen zu werden, um am Zielort der Fahrt Besorgungen zu erledigen. Für solche Fälle fft die Klarstellung des Runderlasses wichtig, denn der Fahrzeugbesitzer hat bei einer Kontrolle keine Beanstandungen zu befürchten, wenn er jemand mitgenommen hat. Der Reichsverkehrsminister ersucht in diesem Zusammenhang, in geeigneten Fällen auf die Bildung von Fahrgemeinschaften hinzuwirken. Es ist also hier wohl auch für den Personenverkehr an Fahrgemeinschaften gedacht, wie sie für den Güterverkehr schon weitgehend üblich sind.
Jetzt auch Hackfleisch mitKnochenbeilage
Bei Abgabe von Fleisch, das ohne Knochen verkauft wird, ist auf Verlangen des Käufers eine Knochenbeilage hinzuzufügen oder, wenn knochenloses Fleisch ohne Knochenbeilage verlangt wird, ein entsprechender Abzug an der Gewichtsmenge zu machen. Bisher fehlte jedoch eine Regelung darüber, wie bei der Abgabe von Hackfleisch, Hackepeter, Gehacktes und Schabefleisch zu verfahren sei. Die Hauptoereinigung der Deutschen Viehwirtschaft hat diese Lücke durch eine neue Fassung ihrer Sammelanordnung beseitigt. Danach ist Fleisch grundsätzlich mit eingewachsenen Knochen abzugeben. Bei Abgabe von Fleisch, das handelsüblich ohne Knochen verkauft wird (z. B. Schnitzel, Filet, Rouladen, Hackfleisch, Hackepeter, Gehacktes, Schabefleisch usw.) ist auf Verlangen des Käufers eine Knochenbeilage, die gesondert zu wiegen und zum Knochenpreis zu berechnen ist, hinzuzufügen. Sie darf bei Schweinefleisch 20 v. H., bei Rindfleisch 25, bei Kalbfleisch 30 v. H. der auf den Kartenabschnitt abzugebenden Fleischmenge nicht übersteigen Wird die Abgabe von knochenlosem Fleisch ohne Knochenbeilage verlangt, so vermindert sich die Gewichtsmenge um den angegebenen Hundertsatz. Hammelfleisch ist nur mit eingewachsenen Knochen abzugeben. Wie hierzu die „Deutsche Fleischer-Zeitung" bemerkt, kommen beim Verkauf von Hackepeter 20 v. H., bei Schabefleisch und auch bei Gehacktem 25 v. H. Abschlag in Frage.
Der Waldmeister duftet.
Der edle Saft der Reben wird zur Maienzeit gern durch ein bescheidenes Kräutlein besonders gewürzt, durch den duftenden Waldmeister. Ein wun- dervolles, eigenartiges Aroma erhält der Wein, wenn wir ihn mit dem Waldmeister vermählen. Maienwein ist ein köstliches Getränk, das sich schon der Liebe unserer Vorfahren erfreute.
Der Waldmeister ist ein unscheinbares Pflanz- chen, das sich auf der Laubdecke des Buchenwaldes erhebt, ein „duftig Kräutlein" mit zierlichen Blättersternchen und schneeweißen Blüten. Gar manches Lied lobt den Waldmeistertrank, er scheucht die Sorgen von der Stirn. Der starke Dust des Pflänzleins schützt es vor den Tieren, denen der scharfe Geruch zuwider ist, sodaß es sich ungestört entwickeln kann. Insekten fühlen sich dadurch angezogen und eilen zum Honignaschen herbei. Der Waldmeister lebt an geschützten Stellen, im Schatten 'riesiger Buchen. Wird der schützende Stamm niedergerissen und treffen ihn die heißen Sonnenstrahlen, dann ist es mit ihm bald vorbei. Er kränkelt und welkt dahin. Beim Waldmeister haben Blätter und Blüten denselben Geruch, was bei andern Pflanzen selten der Fall ist. Die Blätter tragen am Rande zarte Borsten, die sie rauh machen. Darum nannte man den Wawmeister „wohlriechende kleine Rauhe", Asperula odoratal
Der Waldmeister muß dem Wein in der richtigen Weise zugeführt werden. Es wäre verkehrt, die ein
zelnen Blättchen in den Wein zu streuen. Man stellt vielmehr ein kleines Bündelchen her, das man mit den Blättern in den Trank hineinhängen läßt, indem man es am Rande des Trinkgefäßes befestigt. Rach einiger Zeit nimmt dann das Getränk den lieblichen Waldmeisterduft an, worauf man den Duftspender wieder aus dem Gefäß herausnimmt.
Es steckt eine mächtige Kraft in dem kleinen Kräutlein. Schon mancher hat das fühlen müssen,
wenn er in einer schönen Maiennacht allzu sehr der Waldmeisterbowle zusprach.
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* * Dienstjubiläum bei der Stadt Gießen. Ihr 25jähriges Dienstjubiläum kann heute die Museumsbeschließerin Frau Lina Ochs Wwe. feiern. Aus diesem Anlaß erhielt die Jubilarin für ihre langjährigen treuen Dienste neben einer Treudienstprämie ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters.
Aus der engeren Heimat.
Nach dem Buntmetall jetzt Altpapier und Eisen.
NSG. Eben erst wurde' unter stärkster Mitarbeit der Partei die Metallspende des deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers abgeschlossen und zu einem beispiellosen Erfolg geführt. Auch das deutsche Landvolk hat durch Ablieferung von Metall- gegenständen seine Pflicht voll und ganz erfüllt. Nun tritt die Partei in den Monaten Mai und Juni wieder an, um auch andere für die Kriegswirtschaft notwendige Rohstoffe zu mobilisieren. Wieder gilt es, in Erfüllung unserer Pflichten gegenüber Volk und Staat große praktische Ausgaben zu lösen.
Auch aus dem Lande finden sich noch große Mengen von Altpapier und Alteisen, die nunmehr ihrer nützlichen Verwendung durch die Sammelaktion der Partei zugeführt werden sollen. Insbesondere sollen die Eisengitter, die wir da und dort auch auf dem Lande noch antreffeh, z. B. als Gartenzäune, von der Sammelaktion erfaßt werden. Meistens können diese Gitter leicht ourch andere ersetzt werden, wo sie nicht überhaupt unnötig sind. Ueberall dort, wo die Eisenzäune auf dem Lande bisher noch nicht entfernt worden sind, wird die Partei in Zusammenarbeit mit den technischen Organisationen ab 1. Juni 1940 alle Eisengitter entfernen. Aber auch sonst liegt in unseren landwirtschaftlichen Betrieben noch manches Stück Alteisen herum. „Diele Wenig geben ein Viel"; wenn jeder Bauernhof restlos sein nutzloses Eisen zur Ablieferung bringt, dann werden wir im ganzen Reich wieder gewaltige Schrottteserven ansammeln können. Das gleiche gilt vom Altpapier, welches mefft nutzlos auf den Speichern lagert und ebenfalls einen wertvollen Rohstoff darstellt.
Schwerer Verkehrsunfall in Lich.
* L i ch, 10. Mai. Am gestrigen Donnerstag nachmittag ereignete sich hier in der Braugasse ein schwerer Verkehrsunfall. Der 13jährige Edwin Klein von hier wurde von einem Motorrad, das die Kurve etwas weit genommen hatte, angefahren, ein Stück mitgeschleift und dabei erheblich verletzt. Der bedauernswerte Knabe muhte sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Die Untersuchung ergab einen Schadelbruch, der noch am gestrigen Abend operiert werden mutzte.
Ein Kind totgefahren.
Lpd. Alsfeld, 9. Mai. Der Landwirt Specht in Fischbach war im Begrkff, den schwerbeladenen Mistwagen von seinem Hofe abzufahren, als sein siebenjähriger Junge hinzusprang und nm Vorderrad „drücken" helfen wollte. Als der Wagen, sich in Bewegung setzte, glitt der Junge aus und geriet unter d i e Räder. Er wurde tuf der Stelle getötet.
BOM.-Mädel auf froher Fahrt.
§ Mücke, 8. Mai. Dieser Tage sah man die Mädel der M.-Gruppen 12, 13 und 16/304 auf Fahrt. Etwa 100 Mädel, die zum größten Teil in der Landwirtschaft tätig sind, hatten sich freigemacht, um einige Tage des Frohsinns und der Kameradschaft zu verleben. In der Frühe ging es los mit dem Fahrtziel Lauterbach. Der erste Teil der Strecke wurde mit der Bahn, der zweite Teil in frohem Wandern zurückgelegt. Die Musikschar Mücke mit ihren Instrumenten sorgte für die beste Stimmung. Um 11 Uhr kamen die Mädel im schönen Lauterbach an und wurden festlich begrüßt. Anschließend ging es in die Quartiere. Am Nach- mittaa wurde Lauterbach unter Führung von einheimischen Kameradinnen durchstreift. Besondere Aufmerksamkeit schenkten die Mädel dem Heimat- Museum. Abends veranstalteten die M.-Gruppen Lauterbach, Angersbach und die Fahrtengruppen im Burghof ein Frühlingssingen. Der zweite Tag begann mit Sport. Gegen Mittag traf die Untergauführerin Anneliese Kunz ein, die die Mädel zum Singen um sich versammelte. Alte und neue Frühlings- und Wanderlieder wurden geübt. Nach dem Mittagessen, das aus den mitgebrachten Vorräten bestand, folgten drei Stunden Freizeit. Sonnenbäder wurden genommen, manche musizierten, andere suchten Bekannte und Verwandte in der Stadt auf. Dann trafen sich die Fahrtengvuppen an der Jugendherberge und marschierten zum Sportplatz an der Turnhalle. Fahnen wurden eingeholt, und mit einem Wanderlied nahmen die Mädel von Lauterbach Abschied.
In der Iauchegrube ertrunken.
Lpd. Büdingen, 9. Mai. In Calbach fiel ein dreijähriger Junge in eine ungenügend abgedeckte Jauchegrube und ertrank.
Handballgroßkampf in Gießen.
Hochelheim gegen Bettenhausen in neuer Auflage!
Das zweifellos größte sportliche Ereignis an Pfingsten wird im engeren und weiteren Gebiet das erneute Zusammentreffen der beiden Rivalen um die Bereichsmeisterschaft: Dv.. Hochelheim und Tu- spo. Bettenhausen am 2. Pfingstfeiertag in Gießen sein. Weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus interessiert man sich für dieses Spiel und ist gespannt, wer diesmal Sieger bleiben wird.
Die Ansicht geht mehr denn je auseinander. Das erste Spiel hat Hochelheim verhältnismäßig knapp und zudem noch mit- einigem Pech verloren. Diesmal steht nicht nur die komplette Mannschaft zur Verfügung, man hat sich vor allen Dingen etwas vorgenommen und wird beftrebt sein, das in die Einheit gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Warum sollte es nicht gelingen? Die Form des Entschei- dungsspieles in Butzbach genügt, um die Oberhand zu behalten.
Gewiß ist der Gegner nicht so einfach zu über
rennen. Aber immerhin hat auch er seine Schwachen, die eben nur geschickt ausgenutzt zu werden brauchen. Es kommt noch hinzu, daß diesmal die lange Bahnfahrt vollkommen in Wegfall kommt, daß das Spiel unter ganz anderen Verhältnissen zum Austtag kommt und daß schließlich das heimische Publikum sein Teil zu einem guten Gelingen der Aktton beitragen wird.
Die besten Wünsche der gesamten Handballbe- megung des Bezirkes Meßen begleiten jedenfalls unseren tapferen Vertreter. Ein Sieg würde ein schöner Lohn für die mühselige Arbeit der verantwortlichen Männer sein.
Hinter diesem Ereignis bleiben naturgemäß die übrigen Spiele im Bezirk etwas zurück. Selbstverständlich sind überall kleinere und größere Spiele angesetzt, die vor allem die Wehrmacht als Gegner sehen. Man darf gespannt sein, wie sich unsere Spieler halten werden, zumal gerate die Kameraden der Wehrmacht über hervorragende Spieler verfügen. __________________________
Hitler-Jugend Bann 116.
Betr.: „Der erste Schritt".
Die Anfänger - Prüfungsfahrt ,Ier erste Schritt", zu der alle Angehörigen der HI., die noch an keinem öfsentlichenRadrennen teiige- nommen haben, startberechtigt sind, findet a m 13. M a i (2. Pfingstfeiertag) für den Kreis Gießen in Gießen statt. Start für beide Altersklassen 8 Uhr am Schützenhaus. Gefahren wird im HJ.-Spvrtzeug. Es können alle Arten von Rädern benutzt werden. Nähere Einzelheiten über die Ausschreibungen sind bei den Geff. zu erfahren.
.Pfingsten der Leibesübungen- in Heuchelheim.
Am 1. Pfingstfeiertag« findet auf dem Sportplatz in Heuchelheim eine größere Turn- und Sportveranstaltung statt. Um 14 Uhr wird nach der Flaggen- hissung ein leichtathlettscher Dreikampf der Männer und Frauen aus-getragen. Turnerische und sportliche Darbietungen verschiedener Art werden Gelegenheit geben, einen Einblick in die Arbeit auf dem Gebiete der Leibesübungen zu gewähren und Volksgenossen, die noch abseits stehen, zu begeistern. Geräteturner und Turnerinnen werden an Barren und Pferd das schöne Geräteturnen zeigen, während Turnerinnen mit Gemeinschaftsaufführungen wie Volkstänzen, Keulen- und Freiübungen aufwarten werden. Ein Fußball- und ein Handballspiel werden auch die Ballspiele zu ihrem Rechte kommen lassen.
Die ganze Veranstaltung ist von dem Grundsätze getragen, gerate an dem schonen Pfingstfeste allen Volksgenossen die Schönheit und Naturverbunden- heit von Turnen und Sport zum Bewußtsein zu bringen und sie für eine ausgefallene Pfingstreise zu entschädigen.
Wirtschaft.
Ruhige, aber feste Börse.
Frankfurt a. M., 9. Mai. Die Kundschaft kam in den letzten Tagen nur zögernd mit Kaufaufträgen an den Markt, und auch der berufsmäßige Handel stellte seine eingegangenen Engaae- ments immer wieder kurzfristig glatt. Infolgedessen war die Kursgestaltung an den Aktienmär k- t e n nicht immer einheitlich nach oben gerichtet, doch überwogen an den einzelnen Börsentagen die Befestigungen. Vor allem verschiedenen Spezial- werte rückten in den Vordergrund, und am Einheitsmarkt zeigte sich hauptsächlich für Bankwerte, Bahnaktien und verschiedene industrielle Werte rege Kauflust. Eine feste Grundstimmung erhielt sich auch im Wochenverlauf trotz kleinerer Einbußen an manchen Tagen, und es bedarf nur etwas regerer Publikumsbeteiligung, um eine Belebung des Geschäfts herbeizuführen. Nicht zuletzt wurde die feste Grundhaltung durch die Erfolge unserer Wehrmacht in Norwegen beeinflußt, doch zeigen auch die aus der Wirtschaft vorliegenden Meldungen eine sehr befriedigende Entwicklung. Kurz vor der Feiertagsunterbrechung stellte sich eine feste Haltung auf breiterer Linie ein, ohne daß jedoch die Umsätze zunahmen. Größere Veränderungen gegenüber der Vorwoche lagen nur vereinzelt vor, insgesamt schloß die Börfe zuversichtlich und fest.
Am Rentenmarkt hielt der Anlagebedarf an. Vorübergehend zeigten sich in manchen Werten gewisse Ermüdungserscheinungen, die aber bald wieder überwunden waren. Für Werte mit dem neuen Zins von 4 v. H. ist das Interesse weiter sehr erheblich, jedoch konnten auch die 4Vrprozen- tigen Reichsschätze in den letzten Tagen wieder glatt untergebracht werden, was zugleich mit einer leichten Erholung um 0,13 v. H. verbunden war. Schon heute besteht rege Nachfrage für die 4prozentige 500 Mill. RM.-Preußenanleihe von 1940, von denen allerdings nur 250 Mill. RM. in der Zeit vom 14. bis 27. Mai zur Zeichnung aufgelegt wer- den bei einem Preis von 99,75 v. H., während die restlichen 250 Mill, bereits anderweitig fest untergebracht wurden. Im wesentlichen dient sie dem Umtausch der am 20. Januar 1941 fällig werdenden 4,5 v. H. Preuß. Schatzanwetsungen und den hauptsächlich bei den Sparkassen untergebrachten unverzinslichen Preuß. Schatzanweisungen. Insoweit handelt es sich um eine Konsolidierungsanleihe. Bemerkenswert an dieser Neuemission ist, daß sie die erste große Anleihe mit 4 v. H. ist, die im Laufe der neuesten Zinsenkungswelle öffentlich aufgelegt wird.
(Nachdruck verboten!)
24. Fortsetzung.
Mcsl öu es schaffen,Lena ?
Roman von Martina kckort-yelm
soll mal herüber kämmen. Wir brauchen ihn. Sagt ihm die Sache mit der. Autobahn. Nichts von dem Streit. Vielleicht braucht er es gar nicht zu erfahren, vielleicht wird alles schneller, als man denkt, Mieter gut."
Ja, das tun sie natürlich sehr gern, die beiden. Für ein paar Stunden dem Gräfehof zu enffliehen, kann nur angenehm fein. So weit ist es nun schon, daß sie froh sind, wenn sie ihn hinter sich haben.
„Willst du sie nicht begleiten, Gottfried?"
Lena muß sich Raum schaffen. Alle sollen sie fort, auch Gottfried. Es bedrückt sie zwar, wie flüchtig er ihr die Hand gibt. Sie ist auch ein wenig beunruhigt, aber schließlich bleibt ihr nichts anderes übrig, als auf dem Gräfehof Ordnung zu schaffen. Gottfried ist vernünftig. Wenn er seine kleine Enttäuschung überwunden hat, wird er es gewiß verstehen.
Lena sieht Ernis Kleid noch lange in der Sonne leuchten. Gottfried geht an ihrer Seite. Seine Schritte sind groß und frei. Er geht, als habe er eine Last abgeschüttelt. Alle drei haben es offenbar eilig gehabt, aus der Stube zu kommen.
Es ist fast unerträglich sttll im Haus. Von den beiden Männern ist nichts zu hören. Sie steht mit gefalteten Händen am Tisch. Wie soll sie ihre schwere Aufgabe lösen? Wohin soll sie ihren Fuß zuerst setzen, was soll sie sagen?
Schwerfällig verläßt sie die Stube, steigt die Treppe hinaus und geht den langen Gang zu Hermanns Stube entlang. Sie zögert keine Sekunde, mutig legt sie die Hand auf die Klinke, drückt sie nieder und betritt Hermann Gräfes Zimmer. Sie sieht' in den wenigen Sekunden, die sie auf der Schwelle verweilt, nichts von den Dingen in dieser Stube. Sie sieht nur den Mann, der mit breitem Rücken vor dem Fenster steht.
Mit leichten Schritten geht sie über die Diele, nichts ist zu hören, die alten Fußbodenbretter knarren nicht einmal. Aber Hermann hat wohl schon oorausgefpürt, daß sie auf dem Wege zu ihm ist. Nichts bewegt sein bleiches, versteintes Gesicht.
.Hermann!"
Ihre Hand liegt auf seinem Arm.
„Warum bleibst du nicht bei den anderen? fragt er. Tonlos ist seine Stimme, seine Augen sind versunken in Düsternis.
Lena fühlt eine Schwäche in den Gliedern. Sie weiß nicht, woher sie die Kraft nehmen soll, diesen Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen?
„Wollen wir uns nicht setzen?" fragt sie hilflos.
Hermann deutet auf den hochlehnigen alten Stuhl, ter, hart und bäuerlich, neben dem Fenster steht. Er selbst bleibt stehen, rührt sich nicht von der Stelle.
„Wir wissen es alle, Hermann, daß ter Vorwurf deines Vaters dich zu Unrecht traf!"
Hermann schweigt. Er kommt ihr keinen Schritt entgegen. Alles muß Lena selbst sagen.
„Du hast ihn nicht um Ernis Geld bitten wollen, weil er dir's abgeschlagen hätte. Du hast es bestimmt gut gemeint —"
Findet keines ihrer Worte zu feinem Herzen?
„Du wolltest einmal ganz von dir aus, ganz selbständig handeln — einmal ohne deines Vaters Rat und Geheiß, nicht wahr?" Kommt Leben in die erstarrten Züge? „Schließlich will ja jeder Mensch einmal mündig werden ..."
Das ist das Wort, das wie ein Blitz in Hermann Gräfe fällt. Er hebt di« Hand, ftteckt sie nach Lena aus, läßt sie wieder fallen. „Du — bist die einzige, die mich versteht!"
Bodenlos die Einsamkeit, die aus diesem Wort spricht. Lena senkt betroffen den Kopf. Nein, diese trostlosen, verbitterten Augen kann sie nicht sehen.
Nun aber bricht der Strom aus Hermann hervor. „Keiner ist in diesem Hause, der daran denkt, daß auch ich etwas anderes in mir habe als Hunger und Durst, daß ich noch etwas anderes brauche als Brauerei und Hof. Keiner fragt: geht dir's gut, fehlt dir was? Schon in meiner Kind er zeit war ich Der .andere', der eigentlich nicht zur Familie gehört, weil er kein Oettekingscher fft. Deine Schwester in allen Ehren, Lena, sie war gut zu mir, sie hat versucht, es mich nicht spüren zu lassen, daß ich nicht ihr Kind war. Vielleicht habe ich mich selbst ver- schlossen. Vielleicht aus Trotz. Kinder sind ja so merkwürdig. Ja, und da waren nun die drei anderen, für die ich immer nur der Große war. Der Kronprinz, ter vom Vater bevorzugt wurde. Ach, ich und bevorzugt! Aermer war ich als die anderen, denn die konnten machen, was sie wollten. Ich aber sollte das Ebenbild aller Gräfes, aller Hofbesitzer vor mir sein. Gewiß, ich hielt mich mehr als die anderen an Vater; dafür aber hat er mich be» oormunbet, hat mir meine Selbständigkeit genommen ... Heute nun, durch feine Worte, ist auch das Letzte zerrissen — das Band zu ihm — zu dem, den ich nun nicht mal mehr Vater nennen mag.
(Fortsetzung folgt)
Es kümmert sich keiner um Erni. Sie sehen alle auf Hermann. Was hat er getan? Sie blickten wohl gerne in eine andere Richtung, um seine Schande nicht zu sehen, aber sie sind wie gebannt von diesem Gesicht, aus dem alles Blut gewichen ist, die Augen sind fast in den Höhlen verschwunden. Sein Mund will Worte formen und kann es nicht. Und dann diese Hände, die zuerst schlapp am Körper herabhängen, sich schließlich krümmen und verkrampfen, daß die Adern wie Stricke heraustteten. Gott im Himmel, was wird Hermann tun?
Keiner wagt zu atmen, und es geschieht mchts — gar nichts! Aber der Druck bleibt, der sie alle fast erstickt. ...,
Hermann Gräfe acht. Er geht mit unenbhd) schweren, aber sehr festen Schritten zur Tur. Alle blicken ihm wie gebannt nach. Er geht nicht mte em Gefällter. Nein! Er trägt den Kopf trotz allem hoch. Er hat für niemanden einen Blick. Aber sie wissen es in diesem Augenblick genau. Der Dorwurf seines Vaters trifft ihn zu Unrecht. Die Dur fallt ms ^hr^stoph Gräfe reißt den Hut vom Kop^ und wirft ihn auf die Diele. Auch er verlaßt die Stube.
Erni wirft sich in die Ecke des, schwarzen Ledersofas. „Bei uns — ach bei uns! wernt sie m sich hinein. „Ich bleibe hier nicht, nein, ich geh fort!
Lena und Gottfried sehen sich an. „Wir wollen heute noch sichren, Lena."
Sie fühlt feine Fürsorge, fühlt aber auch, wie ihn, den völlig Fremden, dieser Sturm anwidern muß. Selbstverständlich sehnt er sich fort. Erms Schluchzen wird stärker, und Jupp sagt nun auch, den Kopf in beide Hände gestützt:
„Wenn ihr zwei noch geht, dann kann ich mit Erni ja in den Teich." ,,A M
„Na, na", Lena muß wider Willen lachen.
Gottfried sieht ratlos zu Erni hinüber. Er zuckt die Achseln. „Schlimm", murmelt er.
„Ja", fügt Lena hinzu, „und jetzt soll ich von hier fort? Jetzt, Gottfried?" „
Gottfried sieht ein, wie recht st« ,h°t. So« diese beiden Summen Kinder m dieser Aufregung allein lassen? Nein, Gottfried sieht immer wieder
I nach Ernis braunem Kopf. Er möchte ihn gern streicheln.
Er stellt sich ans Fenster und blickt hinaus auf den Hof. Fortfahren, Erni Gräfe mit ihrem Jammer allein lassen? Ist er nun auch unsicher geworden?
Lena sieht auf die drei Menschen, die sie Hebt, sie denkt an die beiden Männer, die irgendwo oben in ihrer Kammer Zorn und Wut austoben, an diese beiden, die zu allem fähig sind — zu allem.
Plötzlich reißt Ernis helle Stimme sie aus ihrer Versunkenheit. „Wenn das so weitergeht, dann gibt es bei uns noch Mord und Toffchlag."
Erni hat recht, so ist es, wahrhaftig, genau so!
Und nun weiß Lena, daß sie alles tun muß, um zu schlichten. Sie muß diese Last, die auf den Menschen des Gräsehauses liegt, mit auf ihre Schultern nehmen. Sie darf nicht fortfahren, sie muß bleiben. Sie muß Christoph Gräfe zureden, Hermann aufrichten, muß zwischen den beiden vermitteln. Den einen dazu bringen: zurückzunehmen — den anderen: zu verzeihen! Sie ist überzeugt, daß Hermanns Tun nicht schlecht, vielleicht falsch, aber gut gemeint war, daß die Schmähungen seines Vaters ihn bis ins tiefste getroffen haben.
So steht sie nun zwischen den Menschen dieses kleinen Kreises, möchte allen helfen und schafft sich damit eine Aufgabe, die vielleicht größer als ihre Är,Q(3ottfrieb", sagt sie leise bittend, „du mußt verstehen ..." ,
Aber Gottfried hort nicht. Sie kann fern abgewandtes Gesicht nicht sehen. Sie geht zu ihm.
Verlaß dich darauf, morgen können mir fahren, morgen ist alles wieder in Ordnung. Laß mich heute noch dableiben. Wir dürfen sie nicht allein lassen, ®O®ottfrieb nickt. Sein Gesicht ist nicht klar und ruhig wie sonst. Auch auf seiner Stirn sind Falten. "^Es^tu^^chr weh, daß er nicht mehr sagt. Aber kann sie mehr erwarten? .
„Jupp und Erni — ihr zwei konntet eigentlich heute nachmittag mal zum Schloß hinubergehen.
Die beiden braunen Köpfe heben sich rasch. Lena schluckt ein paarmal. Sie weiß, sie muß rasch handeln, damit es nicht zu spät ist. Morgen muß sie für Gottfried da sein. Sie hat nur noch diesen Tag für Hermann und Christoph.
! 1 „Acht nur und seht zu, ob Rudolf drüben fft. Er


