Ausgabe 
9.10.1940
 
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(Strafkammer Gießen.

Der W. M. in Bad-Nauheim war wegen Kup­pelei angeklagt. Es wurde ihm zur Last gelegt, im Juni in Bad-Nauheim aus Eigennutz der Un­zucht Vorschub geleistet zu Haden. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Ange­klagte zu einer Gefängnis st rase von drei Monaten verurteilt. Der Angeklagte ist zwar vorbestraft, die Vorstrafen liegen aber auf ande­rem Gebiet. Dies wurde strafmildernd berücksichtigt.

Direktor Strasburger f.

LPD. Frankfurt a. M., 8. Okt. Am 5. Okto­ber st a r b in Frankfurt a. M. der Vorsitzende des Vorstandes der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft Rhein-Main-Neckar, Direktor Joseph Strasbur­ger, nach mehr als 25jähriger Tätigkeit im Dienste des genossenschaftlichen Warengeschäfts. Mit dem Verstorbenen ist ein unermüdlicher Förderer des rhein-mainischen Genossenschaftswesens dahingegan­gen, der sich um den Aufbau und die Entwicklung der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft große Ver­dienste erworben hat.

Schweinemarkt ia Buhbach.

* Butzbach, 8.Okt. Der heutige Schweine- markt war mit 338 Ferkeln zum Verkauf beschickt. Es kosteten bis zu sechs Wochen alte Ferkel 11 bis

Abschießen

des Gießener SchühenvereinS.

Der Gießener Schützenverein hielt am Wochenende als Abschluß seiner Sommertätigkeit das Absckießen ab. Dabei wurden fünf Ehrenscheiben ausgeschossen. Die Beteiligung war gut Mit Rücksicht auf die ab­wesenden Kameraden wurde auch in diesem Jahre das Schießen um die Königswürde und die Wander­becher nicht durchgeführt. Bei der Siegerehrung im Schützenhaus" konnte Vereinsführer Willi Georg den neu ernannten Ehrenmitgliedern Hans Ham­me r m a n n, Fritz Jung und Friedrich Groß die ihnen für langjährige ehrenamtliche Mitarbeit und Treue zum Verein zugedachten Ehrenplaketten überreichen. Der Gießener Schützenverein hat auch im abgelaufenen Jahre wieder eine große Anzahl von Meisterschaften hei den Unterkreis- und Kreis-

Herbst-Vezirksspiellag im Iaustbali und Korbball.

Auf der Spilburg in Wetzlar.

13 RM., sechs bis acht Wochen alte 13 bis 16 RM., acht bis zehn Wochen alte 16 bis 20 RM. pro Stück. Nach flottem Handelsgeschäft verblieb Ueber- stand.

Landkreis Gießen.

Z S t e i n b a ch, 9. Okt. Morgen, am 10.10., feiert der Landwirt Karl Nicolaus IV. in guter Ge­sundheit seinen 7 5. Geburtstag. Dem Jubilar unsere herzlichen Glückwünsche.

# Mainzlar, 8. Okt. Der Schlosser Balthasar Schneider aus Sichertshausen konnte auf eine 25jährige Tätigkeit in den hiesigen Didier-Werken zurückblicken. Aus diesetn Anlaß wurden dem Jubi­lar von dem Betriebsführer, dem Betriebsobmann und den Arbeitskameraden mit herzlichen Glück­wunschansprachen Jubiläumsgeschenke überreicht und dabei seine vorbildliche kameradschaftliche Verbun­denheit mit der Betriebsgemeinschaft hervorae- hoben. Die in unserer Gemarkung eingebrachte Flachsernte wurde dieser Tage auf dem hie­sigen Bahnhof zum Versand an die Flachsrösterei verladen. Dabei wurde noch einmal die Erinnerung lebendig an die zahlreichen Helfer in unserem Orte, die bei der Aussaat und bei der Pflege, sowie bei der Ernte des Flachses wacker Hand angelegt und sich dadurch in vorbildlicher Weise in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben.

wettkampfen erringen können. Bei dem Abschießen wurden vier Hebungen mit dem Wehrmanngewehr und eine mit Kleinkaliber ausgetragen. Nach der Siegerehrung machte der Vereinsführer darauf auf­merksam, daß die Winterarbeit bereits am Montag mit dem Zimmerstutzenschießen beginnt.

Die Ergebnisse:

Wehrmannbüchse (175 m auf die 40er-Ring- scheibe): 1. (stehend freihändig): Sieger: Heinrich Appel; 37 Ringe; 2. Georg Schilling, 36 Ringe, 3. Hans Wessels, 27 Ringe. 2. (kniend): Sieger: Willi Georg, 36 Ringe (Stechschuß 34); 2. Hans Wessels, 36 Ringe (Stechschuß 33); 3. H. Georg Schmidt, 33 Ringe. 3. (liegend freihändig): Sieger: Hans Wessels, 31 Ringe; 2. Adolf Möhl, 30 Ringe; 3. W. Schwinn, 27 Ringe. Wehrmann: Sieger: Konrad Dreyer. KK.: Sieger: Adolf Möhl.

von Kriegsgefangenen schließt die Verpflichtung ein, nur Fahrten zwischen Hof und Acker oder Arbeits- stelle vorzunehmen. Den landwirtschaftlichen Be­triebsführern wird empfohlen, den Antrag auf Zu­lassung von Kriegsgefangenen zur Führung von Zugmaschinen der Zulassungsbehörde nur mit einer entsprechenden Bescheinigung des Kreisbauernfüh­rers zuzuleiten.

Der erste Abend im Konzertring.

Im Konzertring A findet äm morgigen Donners­tag, 10. Oktober, das 1. Symphoniekonzert im Theater statt. Das Städtische Orchester spielt unter Leitung von Professor Temesväry Beethovens Coriolan"-Ouvertüre und die 2. Symphonie in D-dur von Brahms, wohl die freundlichste (in Pastoralstimmung) der Symphonien des Meisters, die 1876 im Pörtschad am Wörthersee, also in herr­licher Gegend, entstand und 1877 in Wien ihre Erst­aufführung mit durchschlagendem Erfolg erlebte. Als Solist des Abends lernen wir den jungen, hoch- begabten Pianisten Konrad Hansen aus Berlin kennen, wacher das d-woll-Klavierkonzert op. 23 von Peter Tschaikowsky spielen wird. Es ist das­jenige Werk, welches wie die Symphonie pathetique den Komponisten populär gemacht hat. Das Konzert ist seit 1908, wo es der damals noch jugendliche Wilhelm Backhaus unter Professor Trautmann im Konzertverein spielte, nicht mehr gebracht worden. Das Programm wird viele Musikfreunde inter­essieren.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoieh-Verteilungsmarkt) in der Viehverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41 bis 45,5 Rpf., Bullen 42, Kühe 16 bis 46, Färsen 39 bis 44,5, Kälber 30 bis 57, Hämmel 15 bis 3tz Rpf. je Yi kg Lebendgewicht; Ziegen 12 bis 28 RM. pro Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 99,5 kg) 1,02, ef (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,12, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: Stiles zugeteilt.

** Kriegsauszeichnung. SA.-Sturmfüh- rer Bauer von der SA.-Standarte 116, der als Unteroffizier den Feldzug im Westen mitgemacht hat und bei Amiens schwer verwundet wurde, ist für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden.

** Ein folgenschwerer Unglücksfall ereignete sich am gestrigen Dienstagabend in einer hiesigen Familie. Dort bereitete der bei der Wehr­macht stehende Mann seine Rückfahrt zur Front vor. Dabei hatte er u. a. seinen Dienstrevolver für einen Augenblick auf den Tisch gelegt. Unglücklicher­weise griff das für einen Moment unbeachtet ge­bliebene zwei Jahre alte Söhnchen nach der Waffe, riß sie vom Tische herab und kam dabei an den Abzug. Im gleichen Augenblick krachte der Schuß, dessen Kugel dem bedauernswerten Kinde durch den Bauch ging und noch die in der Nähe stehende Mutter am rechten Fuß traf. Kind und Mutter muß­ten sofort nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden, wo bei dem Bübchen eine sofortige Opera­tion notwendig war, während die Mutter nach ärztlicher Hilfeleistung wieder nach Hause zurück­kehren konnte. Dem Bübchen geht es den Umständen entsprechend leidlich gut.

Amtsgericht Gießen.

Der K. W. in Gießen war wegen fahrlässiger Brandstiftung angeklagt. Er wurde beschuldigt, am 18. April in einem Betrieb durch Fahrlässigkeit in einem Raume einen Brand verursacht zu haben. Der Angeklagte bestritt die gegen ihn erhobene Anschuldi­gung unb betonte, er habe in dem fraglichen Raume nicht geraucht und darin auch kein Streichholz an­gezündet. Der Anklagevertreter beantragte eine Ge­fängnisstrafe von drei Monaten. Der 23ertei-biger beantragte Freisprechung mangels Beweises. Der Angeklagte wurde freigesprochen.

Es gibt wohl wenig Spiele, die in ihrer techni­schen vollkommenen Vorführung vom Wetter so abhängig sind, wie das Faustballspiel. Daher hatten auch alle Freunde dieses Spieles am Freitag ge­hofft, sie könnten sich auf die Wetterregel:Frei­tagswetter Sonntagswetter" verlassen. Leider mar dem nicht so.

In der einen Grupve, in der T v. 1846 Gie­ßen, Turnverein Oberndorf und Polizei Hanau spielten, belegte Gießen mit 56:20 gegen Oberndorf und mit 39:3Q gegen Hanau den ersten Platz und Hanau mit 44:24 vor Oberndorf den zweiten. In der anderen Gruppe befanden sich 4 Mannschaften, von denen sich Turnverein Wetzlar knapp mit 32:29 gegen Herborn auf den 1. Platz bringen konnte. Gegen P olizei Gießen gewann Wetzlar mit 38:32 und gegen NSRL.-Ortsgruppe Gie­ßen 40:28. Herborn gewann gegen Polizei Gie­ßen mit 33:26 und gegen NSRL.-Ortsgruppe Gie­ßen mit 40:32. Die Gießener Drtsgruppenmann» schäft konnte ihr Spiel gegen Polizei Gießen mit 34:31 für sich entscheiden.

In der darauf folgenden Zwischenrunde konnte Gießen gegen Herborn mit 49:25 das Spiel für sich entscheiden und Hanau gegenüber Wetzlar mit 43:26. Es folgte nun das Spiel um den 3. Platz zwischen Herborn und Wetzlar, das von Herborn mit knappem Vorsprung 37:34 gewonnen wurde.

So blieb am Nachmittag noch das Spiel um den 1. und 2. Platz auszutragen, das Gießen 1846 wiederum überlegen mit 45:25 für sich entschied. Der Turnierleiter Dr. Loh konnte daher der Gie­ßener Mannschaft die Wanderpreisplakette des Be­zirksführers überreichen. Da Hanau lediglich als Gast des Turnvereins Wetzlar an den Spielen teil­nahm, gilt als 2. des Bezirksspieltages Herborn 1846, als 3. Turnverein Wetzlar.

Als die Faustballer am Vormittag ihre Vor­runde beendet hatten, traten sie zusammen mit 6 Korbballmannschaften zu der Begrüßungsan­sprache des Kreisführers im NSRL. Kreis Wetzlar, H a e ge an.

Hierauf lösten die Korbballspiele für Frauen die Faustballer ab. In den Vorrundenspielen der beiden Gruppen gab es einige Überraschungen. Zunächst gewann zwar Tv. Wetzlar L wie erwartet gegen Heuchelheim mit 5:0 und gegen M tv. Gie­ßen II. ebenso überlegen mit 8:1 Aber schon das Spiel Mtv. Gießen II. gegen Heuchelheim brachte einen derart ausgeglichenen Kampf, daß zwei Ver­längerungen nötig waren, um eine Entscheidung herbeizuführen, die dann von Heuchelheim mit 3:2 errungen wurde. Das erste Spiel der anderen Gruppe brachte die Ueberraschung, daß es Mtv. Gießen gelang, Turngemeinde Hanau mit 1:0 zu schlagen. Diesen beiden Spitzenmannschaften

konnte trotzdem die Wetzlarer 2. energischen Wider­stand entgegensetzen und verlor nur knapp nut 2:3 gegen Hanau, gegen Gießen dagegen mit 1:4.

So standen sich in der Zwischenrunde die Wetz­larer I. und Hanau gegenüber. In diesem Spiel zeigte Hanau wieder sein altes Können und gewann mit 4:2. Heuchelheim verzichtete auf das Spiel gegen Gießen I. So hätten sich in der Endrunde Hanau und MTv. Gießen treffen müssen. Da aber die Hanauer Spielerinnen ebenfalls als Gäste an­wesend waren und es galt, eine einwandfreie Ent­scheidung innerhalb der Bezirksmannschaften des Bezirkes Gießen herbeizuführen, wurde das End­spiel zwischen Mtv. Gießen I. und Tv. Wetzlar I. angesetzt. Die Wetzlarer Spielerinnen zeigten, daß sie von beiden Mannschaften die größere Spieler­fahrung haben, und konnten mit 4:2 die Mtv.- Mannschaft von dem 1. Platz ausschalten. Zu glei­cher Zeit trugen Hanau und Heuchelheim noch ein Freundschaftsspiel aus, in dem sich die Heuchel­heimer Spielerinnen, die offensichtlich aus den Spie­len des Vormittags viel gelernt hatten, sehr gut gegen den Gaumeister verteidigten, sodaß dieser nur mit 5:2 gewann. Zum Schluß der Veranstaltung überreichte Bezirksobmann Dr. Pfeffer der Wetz­larer Turnerinnenmannschaft die Wanderpreis­plakette des Bezirksführers.

Nun sollte sich laut Spielansetzung des Bezirks- fachwartes für Handball, A. Luh, das Verbands­spiel Krofdorf Wetzlar, das bereits das Rückspiel darstellte, anschließen. Beim Anpfiff des Schieds­richters trat jedoch nur die Wetzlarer Mannschaft an, während Krofdorf ohne Entschuldigung dem Spiel fernblieb. Damit fielen Wetzlar kampflos die Punkte zu, sehr zum Leidwesen der Mannschaft, die sich ausgerechnet an diesem Tage durch auf Fronturlaub weilende Spieler aus der alten Gau­meistermannschaft hatte verstärken können.

llm die Kriegserinnerungsplakette,

Steinbach L Slein-Llnden L 2:0.

Die Gäste aus Klein-Linden traten zu diesem Spiel mit stärkster Mannschaft an. Der Gastgeber hatte 2 Urlauber zur Verfügung und konnte da­durch in starker Aufstellung sein zweitletztes Spiel um die Kriegserinnerungs-Plakette sicher gewinnen. Das Spiel begann in sehr flottem Tempo, beide Tore wurden hart bedrängt. Nach schönem Durch­bruch der Einheimischen konnte der Linksaußen feine Mannschaft in der 4. Minute durch einen prächtigen Schuß in Führung bringen. In der 10. Minute war es wieder der Linksaußen von Steinbach, der einen mächtigen Pfostenschuß los­ließ. Die Mannschaft von Klein-Linden machte An­griff auf Angriff, die aber alle an der guten Ver­teidigung des Gegners scheiterten. Fünf Minuten vor Halbzeit war es der Mittelstürmer Deuker, der die Einheimischen durch ein schönes Tor weiter in Führung bringen konnte. Auch die zweite Halbzeit begann in sehr scharfem Tempo, außer einem Lat­tenschuß von dem Halblinken Stürmer Größer und einigen Eckbällen wurde aber nichts erreicht. Her­vorzuheben ist die Leistung des Steinbacher Tor­manns, der es Klein-Linden nicht möglich machte, das verdiente Ehrentor zu schießen.

Grünlngen Hungen 1:4 (0:2).

In Grüningen sah man einen erbitterten Kampf, der sogar in der zweiten Spielhälfte mehr wie hart wurde. Man darf dem Leiter dieses Spieles keinen Vorwurf machen, denn er machte es so gut wie möglich. Der Schiedsrichter war wieder einmal aus­geblieben, ein Uebelstand, der unbedingt vermieden werden muß. Hungen war im ganzen Spiel über­legen und konnte bereits vor dem Wechsel zweimal einschießen. Nach der Pause wurde das Spiel sehr hart, die Gäste ließen sich nicht beirren und schossen zwei weitere Tore. Für die Platzherren reichte es gerade zum Ehrentor.

Tabellenstand nach dem 6.10.

Spiele Gew. Unentsch. Verl.

Pkte.

Steinbach

7

6

0

1

12:2

Heuchelheim

6

4

0

2

8:4

Hungen

5

3

0

2

6:4

Klein-Linden

7

3

0

4

6:8

Grüningen

7

0

0

7

0:14

43. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Nach dem Sachverständigenurteil

stammen die

die Nachricht, Käte Weber

Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

Die Verhaftung Heidenreichs ist mit der Bergholz am Abend zu kommt.

Der junge Mann hat ein Fach des Schreibtisches aufgeschlossen und einen flachen schwarzen Kasten daraus hervorgeholt. Ohne den heftigen Protest Heidenreichs zu beachten, reicht er ihn dem Krimi­nalrat. Der öffnet ihn und entnimmt ihm^ vorsichtig eine Pistole. Er nimmt den Geschoßrahrnen heraus. Drei Patronen sind noch darin, eine steckt im Lauf, zwei fehlen.

Eine Minute des Schweigens vergeht. Heiden­reich steht, macht fahrige Bewegungen mit den Hän­den und stammelt Unverständliches.

Der Kriminalrat reicht die Waffe samt der Hülle dem Kommissar.Mitnehmen!" bestimmt er. Dann wendet er sich zu Bergholz und reicht ihm die Hand. Ich danke Ihnen für Ihr schnelles Kommen und Ihren weiteren Beitrag zur Aufklärung des Ver­brechens, Herr Doktor! Leider kann ich Ihnen nicht den Wagen zur Rückfahrt lassen; ich brauche ihn selbst."

beiden kleinen Geschosse, die Dietmuthe Röhls Leben vernichteten, aus der Pistole, die im Arbeits­zimmer Herdenreichs beschlagnahmt worden ist.

Es ist auch noch ein Brief von Kläre Springer an ihn hefunden worden, der wenige Tage vor dem Morde geschrieben worden ist. Die Springer klagt darin über die Launenhaftigkeit und Unbe­rechenbarkeit ihrer Herrin.

Es ist jetzt wieder eine kritische Zeit", heißt es in dem Brief.Heute kam sie verärgert von der Probe. Die Rolle der Mona Lisa, für die sie sich seit langem vorbereitet hat, ist einer anderen Sän­gerin übertragen worden. Bei Tisch war sie melan­cholisch und machte die Bemerkung, es wäre viel­leicht das beste, sich in den Hafen einer bürgerlichen Ehe zu retten. Ueber meine Entgegnung, sie könne das ja jederzeit, Herr Heidenreich warte schon lange, daß sie sich scheiden lasse und in die Heirat mit ihm willige, lachte sie erft Dann sah sie mich böse an und sagte: ,Du bist verrückt, Kläre, daß du mir immer wieder mit dieser Zumutung kommst! Ich

will doch feine Ruine heiraten! Dann doch lieber Mann wie Doktor Bergholz/ Eine spottende rfung, die ich über diesen unbedeutenden hen machte, erboste sie. Sie machte mir Vor­würfe und fragte mich, welche Absichten ich eigent­lich damit verfolge, immer gerade die Männer her­abzusetzen, die ihr gefielen. Ich schreibe Ihnen dies", geht es in dem Brief weiter,damit Sie im Bilde sind. Diese merkwürdige Schwäche Dietas für den Zahnarzt scheint noch immer nicht völlig überwunden zu sein."

Dann kommen Sätze in dem Brief, die sich auf die Spielleidenschaft der Sängerin beziehen. Die Schrei­berin erwähnt die großen Opfer, die der Empfän­ger bereits gebracht habe, und gibt ihrer Besorg­nis Ausdruck, daß diese selbst für ihn mit der Zeit untragbar werden können ...

,Hch kann mir nicht helfen: etwas in diesem Brief klingt unecht; da sind falsche Töne angeschla­gen", sagte der Untersuchungsrichter Landgerichts­rat von Hanke, dem der Kriminalrat den Brief vorlegt.

Die Person intrigiert, das ist klar", entgegnet dieser darauf.Ihr Verhalten ist verdächtig, wenn sie auch an der Tat selbst unbeteiligt war. Aber sie hat versucht, eine Hausangestellte zum Ver­schweigen eines hochwichtigen Umstandes zu bewe­gen des Umstandes, der ein neues Licht in das Dunkel der Vorgänge warf und nun ja auch zu dem Geständnis Heidenreichs geführt hat. Ich lasse die Springer ebenfalls in Haft nehmen."

,Hm ... Es ist geradezu ungeheuerlich, wie die beiden Personen versucht haben, den Doktor Berg­holz hineinzulegen! ... Uebrigens: Sie sagten, Hei­denreich sei Morphinist, Herr Kriminalrat. Sein Geständnis ist mithin Folge eines Nervenzusam­menbruchs?"

Einesteils ja. Aber der Druck der gegen ihn vorliegenden Beweise war doch stark genug. Man dürfte es einstweilen als Teilgeständnis werten. Manches bleibt noch unklar."

Der Untersuchungsrichter nickt.Da fehlt uns noch der Tjaden zur restlosen Aufklärung. Haben Sie noch keine Spur von ihm?"

Wohl die Spur, aber ihn noch nicht. Doch dar­über bin ich nicht in Unruhe. Nach der Aussage des Fuhrmanns Pahl, bei dem Tjaden wohnte, hat dieser öfters die Absicht geäußert, einmal fein Hei­matdorf an der Nordseeküste aufzusuchen. Diese Friesen zieht es dorthin, und die Richtung hat er eingeschlagen."

Der völlig zusammengebrochene Heidenreich, der sich in ärztlicher Beobachtung befindet, hat gestan­den, Dietmuthe Röhl erschossen zu haben, als er

sie vor dem fremden Eindringling schützen wollte. Diesen hatte er treffen wollen.

Auch Doktor Bergholz ist um die Frau zu schützen, auf den Mann > zugetreten, ist von dem ehemaligen Meisterboxer niedergeschlagen worden", sagt der ihn verhörende Beamte.Sie gebest zu, Bergholz gesehen zu haben. Sie waren ja im Ne­benzimmer, waren nach ihm gekommen, hatten seine Ueberkleider in der Diele hängen sehen. So waren sie zwei gegen einen. Mußte da geschossen werden? Die Getötete ist von zwei Kugeln getroffen worden! Wie kam das?"

Ich war sehr erregt", entgegnet Heidenreich. ,Lch drückte zweimal kurz hintereinander ab, ohne daß es mir bewußt wurde. Der Mann, hinter dem-ich stand, machte im gleichen Augenblick eine seitliche Bewegung, indem er nach Bergholz schlug. Da­durch ... traf ich ... Frau Röhl."

Auf weiteres Befragen gibt Heidenreich an, wie er, als er Frau Röhl vornüberstürzen und Berg­holz ein paar Schritte tun, dann gleichfalls zu Boden fallen fah, die Tür zuzog und den darin steckenden Schlüssel umdrehte. Dann fei er in die Diele hinausgelaufen, habe seine Sachen vom Rie­gel genommen und sei auf den die Schritte dämp­fenden Läufer zum Hinterausgang der Wohnung geeilt, die zur Treppe im Seitenflügel des Hauses führte. Dort habe er Stimmen gehört. Die Köchin stand im oberen Stockwerk wohl im Gespräch mit jemandem.Da muß doch irgendwo geschossen wor­den sein", hörte er sie sagen. Mit feinen Sachen im Arm fei er sehr leise und hastig die Treppe hinabgeeilt und habe am Hofausgang ein paar Minuten gewartet, weil er den Hauswart nach dem Vordertor gehen und dort stehenbleiben sah. Da er wußte, daß der Hauswart im Erdgeschoß des Sei­tenflügels wohnt, habe er sich, um nicht von ihm bemerkt zu werden, hinter einer Fliederhecke im Hofgarten versteckt. Nachdem der Mann dann in seine Wohnung gegangen war, habe er das Haus verlassen und sei in feinem Wagen weggefahren.

Daß triefe Darstellung der Wahrheit entspricht, wird angenommen. Doch auf die Frage, warum er die Pistole mit in die Wohnung der Künstlerin genommen habe, bleibt Heidenreich die Antwort schuldig. Ebenso auf die, warum er dem Eindring­ling, in dem er einen Einbrecher vermutete, nicht mit der Waffe in der Hand entgegengetreten sei zumal er sich nicht allein, sondern Bergholz an­wesend wußte.

Wollten Sie etwa Dottor Bergholz totschießen?" wird gefragt.

Nein! Nein!" ruft er heftig abwehrend.Ich kann mich nicht mehr klar an meine Gedanken und Empfindungen vor dem Unglück erinnern! Ich ... wußte doch auch nicht, als ich mich zu Frau Röhl

begab, daß ich dort Doktor Bergholz antreffen würde!"

Später aber widerspricht sich Heidenreich in dieser sowie auch noch in mancher anderen Behauptung. Mehr und mehr verliert er die Nerven und mutz schließlich zugeben, daß er doch von dem Besuch Bergholz' bei Frau Röhl unterrichtet war. ,

Durch Fräulein Springer?" fragt der Beamte. Er hat nur eine Vermutung ausgesprochen, die Heidenreich aber als festgestellte Tatsache nimmt und bejaht. Er gibt den Inhalt eines Telephongesprächs mit der Springer wieder. Sie hatte ihn gegen sechs Uhr angerufen und erzählt, sie habe eben Frau Röhls Anruf bei Doktor Bergholz belauscht und die Aufforderung gehört, daß er sie besuchen solle, sie sei allein.Ich selbst muß fort und kann das nicht mehr ändern; habe auch die Empfindung, als wünsche Dieta mein Fortgehen. Also bitte, kommen Sie, Herr Heidenreich! Es ist äußerst nötig. Kom­men Sie und bereinigen Sie die Sache endgültig!" hatte ihn die Springer aufgefordert.

Und dem sind Sie gefolgt ... mit der Pistole in der Tasche ...?"

Hier erregt sich Heidenreich. Sein Kopf, fein gan­zer Körper zittert.Ich kann nur widerholen: Ich weiß nicht, warum ich die Waffe einsteckte! Vielleicht wollte ich Doktor Bergholz warnen oder drohen ..."

Mit der geladenen Pistole? ..."

Am nächsten Morgen wird Heidenreich tot auf­gefunden. Er hatte sich erhängt. Es ist am Tage, an dem Dietmuthe Röhl bestattet wttd.

In den Zeitungen ist noch nichts von feiner Ver­haftung bekanntgegeben worden. Viele wundern sich, ihn bei der Bestattung nicht zu sehen. Aber noch unbegreiflicher erscheint allen, die der toten Künstlerin näherstanden, die Abwesenheit der Springer weiß man doch, wie sie schmerzbewegt und in tiefer Trauer die Belleidsbezeigungen ent­gegengenommen hatte.

Bereits vor.und unmittelbar nach dem Begräbnis tauchen die sonderbarsten, teils sich widersprechenden Gerüchte auf, und dem Sensationsbedurfnis wird noch immer wieder neue Nahrung gegeben.

3n Sörfenfreifen ist es kein Geheimnis, daß Heidenreich im letzten Jahr die Sicherheit und Schlagkraft eingebüßt hat, mit der er früher feine Geschäfte tätigte. ,Er ist alt geworden, oder er hat die Nerven verloren*, urteilt man. Einige tuscheln sich ihre Vermutungen flüsternd zu, die nach ihrer Ansicht zum Versagen der einst so bedeutenden kaufmännischen Fähigkeiten Hetdenreichs führten. Es waren zuletzt weniger feine Geschäfte, die er betrieb, als die einer Frau, yeißt es, die vom Büh­nenspiel vielleicht sehr viel, vom Börsenspiel aber wenig verstand. (Fortsetzung folgt)