und Amerikas. Ähr Widerstand war es, der China veranlaßte, alle Versuche zu einer friedlichen Einigung zurückzuweisen, so daß Japan schließlich bje Neuordnung mit den Waffen erzwingen mußte. Es kann sein Werk nur vollenden, wenn auch in Oft- asien die englische Hand gänzlich ausgeschaltet wird Darum war es eine ganz natürliche Entwicklung, daß Japan schließlich sich den Achsenmächten an- schloß. Sein Kampf ist der gleiche, wie chn Deutschland und Italien in Europa führen.
lieber einen der beiden wehrwichtigsten Rohstoffe, die Kohle, veriügte Japan schon immer. Sein Kohleverbrauch ist allerdings verhältnismäßig gering, da es große Wasserkräfte besitzt und verwendet. Die Kohlevorkommen in Japan selbst betragen schätzungsweise 8 Milliarden Tonnen, die in Mandschukuo 13 Milliarden, während China über 300 Milliarden Tonnen an Kohlevorräten besitzt. Wesentlich ungünstiger war die Lage beim Eisen Japan mußte bisher Eisenerz aus Mittelchina, aus Malaya und Australien einführen. .Dazu war es der Hauptkäufer für amerikanischen Schrott. Auf dieser Abhängigkeit vom Eisen basierten in der Hauptsache die englischen Hoffnungen auf einen japanischen Niederbruch. Man hat sich getäuscht. In Mandschukuo sind rund eine Milliarde Tonnen Eisenerze vorhanden, 4,6 bis 4,7 Millionen Tonnen Eisenerz soll Mandschukuo nach den japanischen Plänen jährlich liefern. Aus Korea, das ebenfalls schätzungsweise 400 Millionen Tonnen Eisenerze besitzt, vor allem aber aus den Eisenerzvorkommen Chinas kann sich Japan weiter versorgen. Aus den Minen des Pangtsetals hofft Japan eine Jahresproduktion von 5 Millionen Tonnen zu erzielen. Die Eisenversorgung Japans für den nötigsten kriegswirtschaftlichen Bedarf ist damit zweifellos gesichert.
Erdöl braucht Japan jährlich 4 Millionen Tonnen. Die Jnlandproduktion deckt nur etwa rund 10 v. H. Nach Untersuchungen der Standard-Oil- Comp. sotten aber in der Schansiprovinz in Nordchina derartig reiche Oettager vorhanden sein, daß allein dadurch das japanische Erdölproblem gelöst werden könnte. Auch in Setschuan sollen Oelvor- kommen vorhanden sein. Gerade diese Tatsachen zeigen, wie notwendig eine Neuordnung des ost- asiatischen Raumes für Japan ist. Die Hindernisse, die England und Amerika sowie auch Frankreich den japanischen Plänen auf eine Zusammenarbeit mit China immer wieder aufgebaut haben, waren freilich so stark, daß diese Zukunftsmöglichkeiten den Japanern zur Zeit noch wenig helfen. Japan war daher gezwungen, die Gewinnung von Del aus Kohle aufzunehmen. Im Oktober 1938 wurde eine Fabrik in Fufchun eröffnet, eine weitere Fabrik in Korea ist ebenfalls in Betrieb, eine dritte in Chin- chow ist im Bau. Man darf annehmen, daß Japan auch in der Erdölversorgung seinen notwendigsten Bedarf gesichert hat, zumal es ja schon seit Jahren die Erdölimporteure durch Gesetz zur Haltung eines Vorrates für sechs Monate verpflichtet hat.
Schiffahrt im Pazifik.
Obgleich der Pazifik mehr als die Hälfte der Wassermenge der gesamten Erde birgt und drei riesige Kontinente bespült, ist seine Bedeutung a l s Handels st raße doch nur auf einige Teile des Ozeans beschränkt. Die amerikanische Pazifikfahrt geht entlang der Küste von Chile bis Kanada, die Schiffahrt im Raume um China und Japan bietet dazu ein gewisses Gegenstück. Nur einige große Linien quer über diese unabsehbare Wasserfläche hinweg dienen dem modernen Großhandel zu Schiff, vor allem der Versorgung Japans mit amerikanischen Rohstoffen, die jetzt von den USA. infolge des Ausfuhrverbots für Schrott erheblich eingeschränkt worden ist. Dagegen ist Japans Handel mit Südamerika besonders in diesen Kriegszeiten noch gewachsen. Die Meldung, daß die Ausfälle des Bezuges nordamerikanischer Baumwolle durch südamerikanische Lieferungen bereits ersetzt seien, läßt erkennen, wie Japan sich auf den Wirtschaftskrieg der USA. vorbereitet hat. In dem Dreieck Japan—Mandschukuo— China ist die englische Handelsschiffahrt jetzt praktisch durch die Kriegsereignisse ausgeschaltet, die amerikanische rückläufig. Ferner bewältigte schon nach den Angaben des Nauticus 1938 die japanische Schifffahrt zwei Drittel des gesamten Verkehrs z w i - f ch e n I n d i en und Australien und Ja
pan, wozu noch die Verstärkung des japanischen Verkehrs mit Niederländisch ■ Indien kommt. Die Britische Schiffahrtskammer hat bereits 1938 Klagerufe dagegen erhoben, aber inzwischen dürften die Japaner noch stärkere Fortschritte gemacht haben, zumal England sich gezwungen sah, infolge des Frachtraummangels während des Krieges feine Schiffe zu einem großen Teil aus den Pazifikrouten zu ziehen. Die Handelsflotte der Ver
einigten Staaten spielt gegenüber der japanischen im Pazifik nur eine untergeordnete Rolle. Japan steht an dritter Stelle in der Reihe der Schiffbauländer, es steht auch an der dritten Stelle der Welthandelsflotten, und bezeichnend bleibt, daß sich seine Flotte hauptsächlich im Pazifik bewegt. Für die Neuordnung in Asien und im Pazifik ist das besonders wichtig zu wissen.
Meder Krankenhäuser und Wohnviertel.
Ser Mordfeldzug der RAF. gegen deutsche Frauen und Kinder.
Berlin, 8.Okt. (DNB.) Mehrere Nächte hindurch gelang es den britischen Fliegern nicht, bis nach Berlin durchzukommen. Unter Ausnutzung der günstigen Witterungsverhältnisse erschienen sie aber nach längerer Pause in der Nacht zum Dienstag wieder über der Reichshauptstadt. Die wenigen Maschinen, die durch den Sperrgürtel der Flak hindurchschlüpften, warfen zunächst eine Reihe von Leuchtbomben, um ihre Ziele klar auszumachen. Dann war-
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Bei dem nächtlichen Luftangriff auf Berlin in der Nacht zum Dienstag haben die britischen Bomber auch wieder ein Kinderkrankenhaus getroffen. Zwei Kinder wurden unter den Mauern verschüttet. Unser Bild zeigt die Stätte des sinnlosen vernichtenden Mordens. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
fen sie ihre Bomben fernab von militärischen oder industriellen Objekten mitten hinein in die Wohnviertel der schaffenden Be- völkerung Berlins, ja, auf deren Krankenhäuser, Kinderpflegeanstalten und Wöchnerinnenheime. In der vergangenen Nacht ist auch nicht an einer einzigen Stelle eine Bombe auf einen Industriebetrieb oder eine militärische Anlage gefallen; getroffen wurden das in der ganzen Welt bekannte Robert - Koch - Krankenhaus, ein Kinderkrankenhaus und ein Wöchnerinnenheim, beide im Nordwesten der Stadt sowie ein großes Krankenhaus im Norden. Unter den Kranken, Erwachsenen und Kindern, sowie unter dem Pflegepersonal hat es Opfer an Toten und Verletzten gegeben. Schwestern starben mitten in ihrer aufopferungsvollen Arbeit um die Sicherheit ihrer Schutzbefohlenen. Das Robert- Koch-Krankenhaus wurde von mehreren Spreng- und Brandbomben getroffen. Man wandert in den weiten Sälen über Berge von Glas und Trümmern, die Betten find mit Splittern, Scherben und Mauerresten übersät, in den Ope- kationssälen und Laboratorien sieht man überall die Spuren dieser Verbrechen. Vor der Chirurgischen Abteilung des Robert - Koch - Krankenhauses schlug eine Bombe dicht neben einem Sanitätswagen ein, der eine schwerkranke Frau zur Operation
brachte. Die Frau und eine Schwester fanden den Tod, eine andere Schwester und zwei Träger erlitten Verletzungen durch Sprengstücke.
Wie die Aerzte und auch Angehörige des Luft- schutzdienstes einwandfrei beobachten konnten, haben die Flieger erst lange Zeit nach dem Herablassen von Leuchtbomben, also nach sorgfältigster Beobachtung, ihre Bomben abgeworfen. Sie haben also ganz bewußt hier ihre todbringende Last abgeladen, sie haben gehandelt nach den Worten des Abgeordneten Cazalet, der im britischen Parlament sagte: „Es kommt ja gerade dar- auf an, > die Zivilbevölkerung zu treffen." In der vergangenen Nacht hat sich uns wieder einmal das ungeschminkte Antlitz Englands dargeboten. Jetzt ist das Maß voll, die Vergeltung wird fortgesetzt, bis England ausgelöscht ist.
Don Berliner Flak abgeschofferi.
In der Nacht zum Dienstag haben wieder britische Flugzeuge die Reichshauptstadt angegriffen. Von der Flakartillerie wurden zwei britische Bomber abgeschossen. Unser Bild zeigt die Trümmer eines brennend abgestürzten Bombers, dessen fünfköpfige Besatzung ums Leben kam. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Abschluß her Gauleiterreise.
Saarbrücken, 8. Okt. (DNB.) Am Montagabend fand die Reise der Gauleiter über den west- lichen Kriegsschauplatz in Saarbrücken ihren Abschluß. Es wurden das Fort Eben Emael, die Vimy-Höhe, Langemarck, die wichtigsten Punkte an der Küste, der Kriegsschauplatz an der Marne, Derdun und die Maginotlinie besucht. Offiziere der drei Wehrmachtsteile hielten an zahlreichen Punkten Vorträge, Truppenbesnche und Vorführungen besonders aus .der Panzerwaffe vermittelten ein lebendiges Bild der jetzigen Aufgaben der Wehrmacht. Führungen durch Brüssel, Gent, Paris und andere Städte ergänzten das Bild. Einen Höhepunkt der Reise bildete ein Empfang am Geburtstag des Generalfeldmarfchalls von Brauchitfch in dessen Hauptquartier. Der Generalfeldmarschall un-
Vergeltung.
Von unserer berliner Schriffleiiung.
In Hamburg und Berlin haben die Mordgesellen Churchills nächtens ihr schändliches Handwerk fort- gesetzt. Sie haben in Berlin das weltberühmte Rooert-Koch-Krankenhaus, ferner ein weiteres Krankenhaus, ein Wöchnerinnenheim und ein Kinderheim getroffen, eine Anzahl Wohnhäuser vernichtet, aber fast gar keine Schäden an Industrieanlagen hervorgerufen. Auch zahlreiche Menschen« leben sind diesem wahnwitzigen Treiben zum Opfer gefallen. Deutsche Frauen und Kinder klagen vor Gott und der Welt Churchill an, das scheußlichste Morden begonnen und trotz allsr Vergeltungsmaßnahmen fortgesetzt zu haben. Sie klagen ihn an des Verbrechens gegen die Moral und Gesittung der zivilisierten Welt. Sie klagen ihn an, und die Geschichte wird durch die Männer der deutschen Luftwaffe unbarmherzig die Vergeltung vollziehen lassen. Unter den Trümmern Albions wird dieser Hetzer begraben werden, und sein Name soll in die Geschichte eingehen, wie Melacs, des Verwüsters des Heidelberger Schlosses, der noch bis auf die Gegenwart als Hundename in der Pfalz dient und der öffentlichen Verachtung preisgegeben ift
Churchill erzählt in seinen Erinnerungen, wie er während des Madhistenaufstandes einen gefangenen Madhi, also einen Waffenlosen und Gefesselten, kaltblütig niederschoß, und bemerkt dabei: „Wie leicht ist es doch, einen Menschen nieterzuschiehen. Ich machte mir nichts daraus." Churchill war schon damals kein Mensch. Aber Enaland hat diesen feigen Mörder an feine Spitze gestellt und ist damit mitschuldig geworden. Seine Plutokratensippe hat mit ihren barbarischen Kriegsmethoden die äanze Welt in Brand stecken wollen. Was sind ihr Die Namen der edelsten Menschenfreunde, eines Robert Koch, der Millionen gerade in den britischen Zwingburgen Afrikas vor der Schlafkrankheit rettete und dessen Werk an stiller Forschungsstätte fortgesetzt wird! Was ist ihr das furchtbare Los der enterbten Londoner, die heute unter den Vergeltungsschlägen der deutschen Luftwaffe Heimat- und brotlos geworden sind? Das Verbrechen ist entfeffelt, eine unsagbare Gemeinheit der Gesinnung als politische Richtschnur inthronisiert worden. Davor sollte nach dem Willen dieser Höllensöhne alles versinken, was die Welt an Edlem und Verehrungswürdigem hervorgebracht hat. Das Chaos sollte regieren, die finitere Nacht das Werkzeug fein, um die Plane Dieser nihilistischen Plutokraten zu fördern. Wenn nicht Deutschlands Luftwaffe furchtbar zurückschlüge, wäre bereits ganz Deutschland mit allem, was es trägt, ausgerottet, und grinsend würden die Londoner Plutokraten feftstellen, daß dieses edle und
terstrich die glückliche Zusammenarbeit von Partei und Wehrmacht und verlieh dem Willen des Füh. rers zur Niederwerfung Englands Ausdruck, Im Namen der Gauleiter antwortete der Gauleiter von Niederdonau, Dr. I u r y, in herzlichen Worten Auf einem kameradschaftlichen Abend in Saar, brücken sprach im Auftrage des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, der Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes im Oberkommando der Wehrmacht, Generalleutnant Reinicke. Der Gauleiter von Thüringen, S a u ck e l, übermittelte in herzlichen Worten den Dank der Reifeteilnehmer und versicherte, daß die Partei Seite an Seite mit den Soldaten alle ihre Kraft für den Sieg einfetzen werde.
Neue Nheinbrücke Kehl — Straßburg.
Straßburg, 8. Okt, (DNB.) In einem Fest- akt übergab am Montag der Chef der Ziviloerwal- tung im Elsaß, Reichsstatthalter und Gauleiter Ro> bert Wagner, die neue Dauerbehelfsbrücke Kehl — Straßburg dem öffentlichen Verkehr. Die Brücke wurde in knapp 2XA Monaten fertiggestellt. In einer Ansprache führte der Reichs- statthatter aus, die neue Brücke stelle symbolisch Die Zusammengehörigkeit zwischen den beiden deutschen Stämmen diesseits und jenseits des großen Stromes her. Das linke und das rechte Rhemuser seien bewohnt von Menschen, die ihrer Art, ihrem Volkstum, chrer Sprache und chrer ganzen Kultur nach zusammengehörten.
Berlin unter der ersten Premierenwelle der neuen Spielzeit.
Zehn Premieren auf neun Bühnen in 2Vs Wochen, das ist die erste Flutwelle, mit der die Zweite Krieasspielzeit Der Berliner Theater eingesetzt hat. Obwohl die Reichshaupt- stadt augenblicklich lernt, eher schlafen zu gehen, und die Aufführungen frühzeitiger beginnen, ist die Theaterfreudigkeit groß, find die Häuser voll besetzt und viele Vorstellungen ausverkauft.
Im Zeichen der hohen Tragödie begannen ihre Arbeit Das Staatstheater und Die Volksbühne. Im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt inszenierte Karlheinz Stroux Die „Antigon e" Des Sophokles nach einer dichterisch hochwertigen neuen Übersetzung von Roman Woerner. In einem breit und tief ausladenden Bühnenbilde von Traugott Müller wurde die antike Auseinandersetzung zwischen staatlicher Satzung und religiösem Ethos für Die glänzenden Sprecher Des Staatstheaters ein großer Abend eherner Formkunst. Walter Francks überragendem Kreon und Marianne Hoppes statuarisch schöner Antigone galt der Hauptteil Des begeisterten Beifalls. — Im Theater am Hör st- Wessel-Platz traf Ernst Martins feinfühlige Inszenierung von Grillparzers „Medea" in den monumentalen Räumen Edmund Erpfs auf Das heute mehr denn je lebendige Verständnis für eine biologisch bedingte Tragödie Der Rassenmischung. In Der Titelrolle spielte sich Lieselotte Schreiner mit einer Das Menschliche vor Dem Barbarischen betonenden Leistung in Die erste Reihe der tragischen Charakterdarstellerinnen Deutschlands.
Während das Rose-Theater mit Gerhart Hauptmanns quälender „Dorothea Angermann" eine 50-Jahrfeier des Naturalismus beging und in der Titelrolle sich auf die Vielseitigkeit Der von Operettenaufgaben bis zu Hauptmannschen Frauengestalten reichenden Traute Rose verlassen konnte, bekannte sich Das Schiller-Theater am Beginn eines ehrgeizigen Spielplans zum großen historischen Schauspiel eines zeitgenössischen Autors. Max Geisenheyners „O b r i st Michael" nimmt an Hand eines Rechtsstreites um zwei Pferde das Michael-Kohlhaas-Problem wieder auf, packt aber nach dem Vorbild von Goethes „Götz" und Hauptmanns .Florian Geyer" ein ganzes Zeitbild mit allen Spannungen des Reformationsjahrhunderts in Das weit verästelte unsprüngliche
Dolksstück. Die Bühnenwirksamkeit der dramatisch nicht immer geradlinigen Vorgänge und Die lyrischen Ruhepunkte Der Dichtung Dienten Dem opernerfahrenen Regisseur Walter Felsenstein zur Entfesselung aller szenischen und schauspielerischen Künste Des Theaters. Phantasievoll unterstützt durch Josef Fennekers stimmungsschwere Ausstattung, gelang eine farbensatte, emdrucksreiche Aufführung mit oft unheimlichen Wirkungen der Szene. Im Mittelpunkt: Heinrich Georges Michael — ein künstlerischer Prüder Götz von Berlichingens.
Unter Drei echten Komödienaufführungen erlebte man eine Entdeckung: Den russischen Dramatiker A.N. Ostrowski, (1823—1886). Aus der Schwelle zwischen Romantik und Realismus gibt er in seiner sicher und fesselnd angelegten Komödie „D e r Wald" eine kritische Durchleuchtung der russischen Gutsbesitzerschicht aus den Gründeriahren, huldigt mit zwei wundervoll komischen Schauspielerporträts der ewigen Romantik des Theaters und läßt in köstlichem Humor die russische Volksseele selber aufleuchten. Lothar Müthel hat im Staats- t h e a t e r mit Rochus ©tiefes minutiös-realistischen Bildern eine vollendete Aufführung daraus geschaffen. Ihre schauspielerischen Höhepunkte waren Gustav Knuth und Elena Polewitskaja, eine „russische Düse", auf die Das deutsche Theater auch fernerhin nicht verzichten, dürfte.
Zwei Auseinandersetzungen mit Shakespeare schlugen ganz verschiedene Wege ein. Gustaf Gründgens löste im Kleinen Haus des Staatstheaters die bittersüße Liebeskomödie „Wie es euch gefällt" aus der romantischen Aufführungstradition und interpretierte sie als höfisches Schäferspiel in einer gartenhast übersichtlichen Kunstlandschaft, die Rochus ©liefe voller Witz und milder Ironie aus einer Spielzeugschachtel entnommen zu haben schien. In diesem Rahmen entwickelte ©rünbgens* virtuose Menschenführung ein dialektisches Wortgefecht von höchster Sprechzucht, die in Käthe Golds unvergleichlicher Rosalinde einen seelenvollen Schwerpunkt hatte. Problematisch blieb dagegen Heinz Hilperts Versuch, im Deutschen Theater ausgerechnet Den „Sommernachtstraum" durch modern getönte Ironie zu entzaubern. Eigenwillige Besetzungsexperimente und das Schwanken des Spielleiters zwischen Der Mär
chenpoesie, die Caspar Nehers Bühnenbilder werkgemäß anschlugen, und vordergründiger Komik der meisten Darsteller brachten Die Dichtung um ihre Wirkung.
Schwankhaftes Satyrspiel bedeuteten die restlichen drei Premieren, in denen zeitgenössische Autoren ein lachlustiges Publikum unterhalten wollten. Am amüsantesten war noch Walter Erich Schäfers Persiflage einer wienerischen Bi^ermeier- Revolution, „Theres und die Hoheit", weil im Theater in der Saarlandst raße Gustav Waldau Gelegenheit bekam, als Kaiser Franz eine Menschenstudie von unnachahmlichem Charme zu stricheln. Mit Spott und Bitterkeit glossierte in den Kammerspielen des Deutschen Theaters die Schauspielerin Charlotte Schultz als Autonn einer allzuleicht gewogenen Uraufführung „Bitte zwei Mal läuten" ihren eigenen Beruf. Und in Der Komödie am Kurfürstendamm hielt gar der Film ein Repetitoriuw für Nachzügler ab, indem Die „L i e b e s s ch u l e" noch einmal auf Der Bühne durchererziert wurde. Der einzige bemerkenswerte Unterschied: An Stelle von Luise Ullrich hetzte hier die berlinisch geprägte Grethe Weiser ihren Vormittagschef gegen Den Nachmittagschef zum happy end. Johannes Jacobi.
Büchertisch.
— Erfüllung und Grenze., Worte Der Weisuna. Gesammelt von Fritz U s i n g e r. 95 Seiten. Geb. 3,60 RM. Karl Rauch Verlag, Dessau und Leipzig — (110) — Usinger ist Den Lesern Des Gießener Anzeigers nicht fremd: in feinen Gedichtbänden („Das Wort", „Die Stimmen", „Die Geheimnisse", „Gedichte") ist der.wesentlichste Beitrag zur gesamtdeutschen Lyrik unserer Zeit aus dem hessischen Raum und Kulturkreise enthalten. Das vorliegende kleine Werk ist eine Sammlung Der Spruchweisheit aus vielen Jahrhunderten — von Laotse bis Frobenius, von Plato bis Ernst Nnger, von Angelus Silesius bis Hofmannsthal: bas Ganze nicht die Frucht einer systematischen Arbeit, sondern eine geordnete Auswahl von Lesefrüchten, deren Lektüre eine weise Dosierung selbstverständlich voraussetzt. Dem Lesenden wird dann der in der Ueberschrift sich andeutende tiefere Sinn aufgehen. Die „therapeutische Absicht" des Buches und auch, wenn man es recht begreifen will, feine Aktualität; Usinger umschreibt Das im Vorwort mit der aus der Sammlung sich ergebenden Einsicht, „daß viele letztgründige Gewißheiten und Ungewißheiten nicht nur gerade zwei oder drei Generationen eigen sind, sondern ganzen Jahrhunderten". — Der Stoff gliedert sich sinnvoll nach Gedankenkrei
sen: „Weltgrund und Weltaeftatt"; „Der Mensch im Unendlichen"; „Maß und Haltung"; „Schöpse« nscher Geist"; „Die ewige Grenze". In Der Auswahl und Anordnung einer Sammlung wie dieser prägt sich naturgemäß auch Die Individualität des Herausgebers aus; mancher wird vielleicht finden, daß Die hier zusammengetragenen Stellen aus Kierkegaard im Verhältnis zu sämtlichen übrigen angezogenen Autoren allzusehr überwiegen. Sicher ist indessen, daß auch der unphilosophische, der nicht spekulativ geschulte Leser sich mit Genuß und Gewinn in Die oft merkwürdig gegenwärtig anmutende, epigrammatisch begrenzte Weisheit vieler Völker und Zeiten vertiefen wird. Hans Thyriot.
— U It i ch Christoffel: Musizierende Engel. 10 farbige Tafeln nach Ausschnitten aus Bildern deutscher Meister Des 15./16 Jahrhunderts. (Der Silberne Quell. Bd. 2) Kart. 1.60 RM. Verlag Woldemar Klein, Berlin. — (165) — Die Poesie der Legenden. Die seit Den frühesten Zeiten Das christliche Leben verschönten, ließ Die musizleren- Den Engelkinder in die Künste einDringen. In hohen strengen Zeiten nahmen diese Engel, wie in den Mosaiken von Ravenna oder am Engelspfeiler des Straßburger Münsters, die Gestalt ter Gottes- und Gerichtsboten an. Als aber eine Verfeinerung und Vermenschlichung der religiösen Empfindung ein» trat, erwachten unter Den Blumen und Tieren des Paradieses auch die kleinen Engelskinder wieder, um als Gefährten Des Chriftusknaben ihre Instrumente zu spielen und ihre Stimmchen ertönen zu lassen. Mit den vier musizierenden Engeln aus Der Maria im Rosenhag, Dem schönsten Bilde Stephan Lochners, beginnen Die Tafeln dieses Bändchens. Es folgen die Engel Des Meister Wilhelm. Grüne- walds. Cranachs und Altdorfers. Wie Blüten, glaubt man. könnten diese Engel verwehen, aber sie bleiben festgebannt im Bilde durch Die formende Kraft Des künstlerischen Geistes, und ihre Farben Dringen in immer neuen Wellen aus Dem Grund hervor Musiki"?" unfer ^ge mit chrer süßen, fröhlichen
— Bismarcks Sturz — ein Seherschicksal. Von Walter Lange. Verlag Ferdinand Hirt, Breslau. Geh. 1 RM.. gebd. 1,40 RM — — (69) — Fünf Bilder deutscher Geschichte bringt dieses Bismarck-Stück, das für Die deutschen Bühnen geschrieben ist, in packender Darstellung in geschichtlicher Wahrheit und dichterischer Wahrhaftigkeit. Die Szenen sind in lebendiger Dramatik der großen historischen Vorgänge gestaltet, die Dialoge ind flott und wirkungsvoll. Das Ganze ist von wuchtiger Eindrucks kraft. Man erlebt in diesem Wett ein großes Stück deutscher Geschichte


