Ausgabe 
9.9.1940
 
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SJ.Jpori

Weltmeisterin im Arbeitsdienst.

(F-)

(F-)

1. Schweden

2. Deutschland

3. Finnland

147 Punkte

141

134

Ein Bild vom Besuch eines Lagers des weiblichen Arbeitsdienstes, in dem die deutsche Weltmeisterin im Eiskunstpaarlaufen, Maxie Herber, ihrer Arbeitsdienstpflicht genügt. (Schirner-M.)

400-Metek-Hürden: 1. Storskrubb

53,2; 2. S. Larsson (Schw.) 53,9; 3. Virta xuv

54,3; 4. Oeh man (Schw.) 55,2; 5. Brand (D.) 55,3;

Schwedischer Sieg in Helsinki

Deutschlands Leichtathleten an zweiter Stelle.

Das Eckenverhältttis 10:4 für die Grün-Weißen laßt erkennen, daß sie jederzeit mehr vom Spiel hatten. Das Spiel wurde mit ungeheurem Tempo durch­geführt.

Deutsche Kriegsmeisterschaften 1940 in der Leichtathletik.

Unter sinngemäßer Zugrundelegung der allge* meinen Kriegsbestimmuygen des NSRL. wird die Deutsche Kriegsvereinsmeisterschaft 1940 ausgetra­gen. Mir die Leichtathletik treibenden Vereine un Bezirk 8 Gießen mit den Kreisen Wetzlar, Dillen­burg und Alsfeld ist die Klasse II maßgebend, der die Vereine zuzuteilen sein werden. Diese Klasse ent­hält nur wenige Hebungen und ist also insoweit den Kriegserfordernissen angepaßt. Sie besteht aus: 200 Meter, 1500 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen, 4X100-Meter-Staftel. In dieser Klasse kann ein Teilnehmer an höchstens zwei Hebungen und der Staffel teilnehmen. Die Einstellung von Jugend­lichen in eine Vereinsmannschaft ist nur nach vor­heriger Vereinbarung mit der örtlichen HJ.-Füh- rung möglich, bei der die Startgenehmigung bean­tragt werden muß. Für jede Hebung werden zwei Teilnehmer gewertet. Es ist also auch dem kleinsten Verein möglich, an diesen Versuchen teilzunehmen. Schon mit insgesamt 5 Teilnehmern ist ein solcher Versuch um die Deutsche Dereinsmeisterschaft mög­lich. Zur Festlegung eines Durchführungstermins ist es erforderlich, daß die Vereine dem Fachamt Leichtathletik von der beabsichtigten Teilnahme Mit- teilung machen. Seither ist die Entwicklung in der Leichtathletik äußerst günstig gewesen; die Teil­nehmerzahlen sind größer geworden, und auch tn der Leistung ist eine deutliche Steigerung sestzu- stellen. Nun zum Abschluß des Sommers soll eine Bewertung der Mannschaftsleistung erfolgen. Es wäre erfteulich, wenn auch die kleinsten Vereine ihre Meldung abgeben würden.I.

Sommerkampfspiele in den Schulen.

Wie der NS.-Reichsbund für Leibesübungen trotz schwieriger Verhältnisse den Sport weiter durch­führt und den Leistungsstand nicht nur hält, sondern weiter verbessert, so hat auch die Schule das Be­streben, die Leibesübungen nach Möglichkeit zu för­dern. Deshalb werden auch in diesem Sommer Kampfspiele ausgetragen, nachdem die Regeln in Arbeitsgemeinschaften erläutert wurden. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß nun an allen Schulen des Kreises die Spiele stattfinden, denn dadurch wird erreicht, daß trotz der oft schwierigen Voraussetzun­gen im Schulturnen kein Stillstand und damit auch kein Rückgang eintritt. So hilft auch die Schule mit, den Wunsch des Führers zu erfüllen, ein Volk in Leibesübungen zu schaffen.

Sorten eignen sich absolut für die Einlagerung. Eier wurden in der Berichtswoche keine aufye- rufen. Lediglich die auf Abschnitt c aufgerufenen Eier des vorigen Versorgungsabschnittes wurden fertig verteilt. Der Bedarf an Großvieh und Schwei­nen wurde in der Vorwoche durch Bacon gedeckt, da, wie alljährlich, in dieser Zeit der Auftrieb geringer ist. Die Qualität war mittel. Der Bedarf an Milcherzeugnissen, Deien und Fetten war wie bisher ausreichend gedeckt. Beim Brotgetreide macht sich in der Anlieferung die Verzögerung bemerkbar, in die die Ernte- und Druscharbeiten durch die Wetterlage geraten sind. Die Mühlen müssen aus den Beständen der Reichs­stelle beliefert werden. Der Mehlmarkt zeigt keine Veränderung. In Nährmitteln und Zucker sind nach wie vor genügend Bestände vorhanden.

1900Garbenteich 3:2.

Dem gestrigen Spiel um den Kriegserinnerungs­pokal fehlte manches, was Begeisterimg hatte Her­vorrufen können. Bei 1900 war es Bequemlichkeit und bei Garbenteich der allzu große Elfer, der die Leistungen nicht auf den sonstigen Stand kommen ließ.

Beaünstiat durch starken Wind kommt Garbenteich gleich zu einer Feldüberlegenheit. Beim ersten Gegem angriff jedoch gelingt es den Blau-Weißen durch Kraft in Führung zu gehen. Dabei bleibt es denn troß der starken Heberlegenheit der Gaste verstehen es diese nicht, hieraus einen Vorsprung zu erzielen. Als nach dem Wechsel die Platzbesitzer kaum nach Anstoß durch Stieler auf 2:0 erhöhen, glaubt man allgemein, daß nunmehr eine hohe Niederlage der Gäste unvermeidlich wäre. Weit gefehlt, denn als es diesen durch einen Fehler der Hintermannschaft von 1900 gelingt, einen Treffer aufzuholen, bekommt das Spiel etwas Spannung. Teilweise haben die Gäste trotz des Windes mehr vom Spiel, und es wäre nicht unverdient gewesen, wenn hier der Aus­gleich gefallen wäre. Eine Hmstellung im Sturm der Blau-Weißen bewährt sich, was durch den dritten Treffer durch Rodenhausen zum Ausdruck kommt. Doch auch hierbei bleibt es nicht, denn als bei einem Angriff der Gäste Handabwehr irn Strafraum er- olgt, verkürzen diese auf 3:2, womit der Endstand hergestellt wurde.

DfB.-Neichsbahn Gießen.

Großen-Buseck I BfB.-R. I 0:3 (0:2).

Klarer wie erwartet konnten die Grün-Weißen die Elf von Großen-Buseck bezwingen, hatte man doch nur mit einem knappen Siege der Grün- Weißen gerechnet. Die Elf befand sich in ausgezeick^ neter Spiellaune und hat wiederum bewiesen, daß die Führung der Tabelle die wahre Form der Mannschaft widerspiegelt. Starker Wind machte sich auf dem nicht gerade idealen Sportplatz in Großen- Buseck bemerkbar, die Grün-Weißen hatten Platz­wahl und entschieden sich für den Wind. Das Spiel wurde von den Grün-Weißen meist überlegen durch­geführt, die bereits nach 10 Minuten durch Kopf­ball von Ehmann die Führung an sich reißen konn­ten. Der Gegner hatte zwar eine stabile Hinter­mannschaft, doch konnte sie nicht verhindern, daß Rohm nach weiteren 10 Minuten auf 2:0 erhöhte. Der Gegner wurde völlig eingeschnürt, außer eini­gen wenigen Durchbruchsversuchen hatte er nichts zu bestellen. Nach der Pause wurde das Spiel in­folge des Windes etwas offener, ohne aber die Grun-Weißen daran zu hindern, ein weiteres Tor zu schießen. Fröhlich nahm eine Flanke von Grü- ning wunderbar mit dem Kopfe auf und köpfte ein.

Finnland mit 54:53 Punkten ebenfalls einen knap­pen Vorsprung.

Oer zweite Tag.

Der Leichtachlettk-Dreiländerkampf in Helsinki wurde am Sonntag mit den restlichen zehn Wett­bewerben zu Ende geführt. Die deutsche Mannschaft konnte leider ihren am Samstag errungenen -Bor« fprung nicht behaupten, da am Sonntag in einigen Wettbewerben nicht alles nach Wunsch ging. Die Schweden gingen mit 147 Punkten siegreich aus diesem Dreiländertteffen hervor. Deutschland be­legte mit 141 Punkten den zweiten Platz, Finnland wurde mit 134 Punkten Dritter. In der Länder- einzelwertung siegte Deutschland mit 112:102 Punk­ten gegen Finnland, unterlag aber mit 1 (>1:1.13 Punkten gegen Schweden. Schweden kam schließlich noch gegen Finnland mit 111:103 Punkten zum Sieg.

Die Ergebnisse des zweiten Tages:

HO Meter Hürden: 1. Lid man (S.) 14,4, 2. Suvivuo (F.) 14,9, 3. H. Nilsfon (S.) 15,3, 4. Leitner (D.) 15,4; 5. Iussila (F.) 15,4; 6. Becker (D.) 15,5.

Stabhochspruig: 1. Lahdesmäki (F) 4,00; 2 Glötzner (D.) 4,00, 3.. Reinikka (F.) 3,90, 4. Gu° stavsson (S.) 3,90, 5. Dästberg (S.) 3,80, 6. Haun- zwickel (D.) 3,60.

800 Meter: 1. Harbig (D.) 1:52,8, 2. L. Nils- fon (S.) 1:54,1, 3. Brandscheit (D.) 1:54,6, 4. Kam- lauri (F.) 1:55,4, 5. Jonsson (S.) 1:56,1, 6. Lehtt (F.) 1:58,1.

Diskuswerfen: 1. Berah (S.) 47,91, 2. Trippe (D.) 47,45, 3. Wotapek (D.) 47,25, 4. Red- vall (S.) 45,98; 5. Hännisson (F.) 44,94; 6. Nyqvist (F.) 44,06.

200 Meter: 1. Mellerowicz (D.) 21,8, 2. Strandberg (S.) 21,9, 3. Kronqvftt (F.) 22,0, 4. Scheuring (D.) 22,1, 5. Tammisto (F.) 22,3, 6. I. N l*0°0 0 0 Meter: 1. Hellström (S.) 30:41,2, 2. Syring (D.) 30:41,4, 3. TuoMinen (F.) 30:43,2, 4. Heinstrürn (F.) 30:44,6, 5. Oestbrink 30:45,0, 6. Haushofer (D.) 30:53,0.

Dreisprung: 1. Rasasaari (F.) 15,42, 2. Hallgren (S.) 15,10, 3. Nor6n (F) 15,02, 4: An­dersson (S.) 14,47, 5. Mähnert (D.) 14,35, 6. Gleim (D) 13 93

Speerwerfen: 1. Iärvinen (F.) 73,79, 2. Nikkanen (F.) 68,95, 3. Tenstedt (S.) 65,10, 4 Berg (D.) 64,39, 5. Pettersson (S.) 62,62, 6. Loose (D.) 59,02 Meter. . . no ,

3000°Meter°Hindernis: 1. L. Larsson (S.) 9:16,0, 2. Arvidsson (S.) 9:16,4, 3. Seiden­schnur (2).) 9:18,5, 4. K. Tuominen (F.) 9:20,0, 5. Kaindl (D.) 9:20,2, 6. Pekuri (F.) 9:40,4

4 X 400-Meter-Staffel: 1. Deutschland (Ahrens, Wieland, Linnhoff, Harbig) 3:12,3, 2. Schweden 3:18,2, 3. Finnland 3:19,8 Mm.

Endstand:

6. Mayr (D.) 55,8.

Weitsprung: 1. Glötzner (D.) 7,37; 2. Ha- kansson (Schw.) 7,21; 3. Lindberg (F.) 7,16; 4. Teivonen (F.) 7,03; 5. Stenqvist (Schw.) 7; 6. König (D.) 6,76 Meter.

H o ch s p r u n g: 1. Nicklen (F.) 1,96; 2. Dedmark (Schw.) 1,93; 3. Kalima (F.) 1,90; 4. Duregaard (Schw.) 1,90; 5. Nacke (D.) 1,85; 6. Schlegel (D.) 1,85 Meter.

Kugelstoßen: 1. Wöllke CD.) 16,06; 2. Trippe (D.) 16,03; 3. Berah (Schw.) 14,97; 4. Bärland (F.) 14,63; 5. Lehtilä (F.) 14,57; 6. Fernström (Schw.) 14,47 Meter.

H a m me r werfen: 1. Storch (D.) 57,31; 2. Veirilä (F.) 55,40; 3. Blask (D.) 52,41; 4. Hannula (F.) 50,98; 5. Thyrvelli (Schw.) 49,63; 6. Backlund (Schw.) 48,16 Meter.

4X100-Meter-Staffel: 1. Deutschland (Scheuring - Mellerowicz - Bänecke - Kersch) 41,8; 2. Schweden 42,2; 3. Finnland 42,5.

Im Länderkampf gegen Schweden führt Deutsch­land mit 54:53 Punkten und gegen Finnland mit 57:50 Punkten. Schweden hat in der Wertung gegen

Aus der engeren Heimat.

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Eine Neunzigjährige.

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cs3 Langdorf, 9.Sept. Am heuttgen Montag i feiert die älteste Einwohnerin unseres Dor- ; fes, Frau Margarete Kuhl, geb. Roth, die Voll- < endung ihres 9 0. Lebensjahres. Nachdem sie tn , ihren mittleren Jahren viel an Krankheit gelitten , hatte, ist sie im hohen Greisenalter von großer Ru- ; stigkeit des Körpers und des Geistes. Nur ihr Gehör ; hat gelitten. Sie entstammt einer unsrer ältesten Bau- : ernsippen, die in unserer Gegend seit Anfang des 15. Jahrhunderts, also seit rund 550 Jahren, urkundlich nachweisbar ist. Ihr Gatte, der den Deutsch-Fran­zösischen Krieg von 1870/71 mitgemacht hatte, ist ihr schon lange Zeit im Tode vorausgegangen. Ihr Sohn erlebte bei dem Landwehr-Jnfanterie-Regi- ment 116 den Weltkrieg, ihre Enkel erleben aktiv den gegenwärtigen Krieg. Die Nachkommen der Jubilarin sind zum Teil im bodenständigen Bauern- - tum geblieben, zum Teil in das städtische Bürgertum ; übergegangen, zum Teil Beamte geworden. Wir wünschen der würdigen Frau, die unter uns sehr beliebt ist, noch einen langen und friedlichen Lebens- abend wie seither.

lleberwiegend befestigte Börsen.

F r a n k f u r t a. M, 7. September. Die Berichts- zett war an den Börsen überwiegend durch Festig­keit gekennzeichnet, die nur vorübergehend durch den Ultimo und den Steuertermin unterbrochen wurde. Vor allem standen Aktien im Mittelpunkt einer starken Nachfrage, der gegenüber kaum nennens­wertes Angebot vorlag. Die Kurse der führenden Werte vermochten daher teilweise sehr erheblich zu steigen. Bevorzugt wurden Anleihestockpapiere und Werte, die man noch als unterbewertet ansehen zu müssen glaubte. Neben Montanwerten, von de­nen 23er. Stahl inzwischen den Stand von 130 er­reichten, wurden Bauaktien, so Zement Heidelberg und- Holzmann, einige Chemiewerte, wie Scheide­anstalt, Metallgesellschaft und IG. Farben, zahlreiche Elektrowerte bevorzugt. Konti Gummi setzten ihre Aufwärtsbewegung fort und lagen vorübergehend bei 300, im Verlaufe jedoch gab der Kurs nach auf zirka 297. Auch Scheideanstalt, die bis zu 273 v. H. notiert hatten, gaben ebenfalls wieder etwas her, um zum Schluß wieder erneut anzuziehen. Die VDM.-Aktie ging auf 210 hinauf. Unter den Bank­aktien fiel die Festigkeit der Braubank auf, die am Mittwoch plötzlich 5 o. H. höher gesucht wurden.

Der Renten markt hatte demgegenüber em verhältnismäßig sehr ruhiges Aussehen. Das In­teresse konzentrierte sich auf die neuen 20jährigen 4 v. H. Reichsschatzanweisungen. Altbesitzanleihe schwankte zwischen 152 und 154, auch Reichst) ah n- vorzüge uneinheitlich. Für Stadtanleihen zeigt sich laufend Interesse; die Kurse haben jetzt durchweg den Stand von 101 v. H. bereits überschritten und liegen teilweise bei 102 v. H. Jnduftrieobligationen wurden vernachlässigt und lagen sehr still. Unver­ändert besteht die Nachftage nach Pfandbriefen. Steuergutscheine I gut behauptet und gefragt.

Im Freiverlehr der Aktien lagen die Kurse durchweg fest bei allgemeiner Nachftage. Vor al­lem sind Sektaktien gefragt, eine Auswirkung der guten Aussichten, wie sie auch in der Kapitalser­höhung der Kupferberg Sektkellerei zum Ausdruck kommt. Veithwerke, die ein Bezugsrecht 5:1 ju 105 v. H. gewähren, nannte man mit zirka 135 v. H.

Der K a f s a m a r k t ähnelte in vielem der Hal­tung der führenden Werte. Hier sind vor ollem Brauereiaktien bei kleinem Angebot gefragt und viel­fach gestrichen Geld.

Der erste Tag.

Der in der ganzen Sportwelt mit riesiger Span­nung erwartete Leichtathletik-Dreiländerkampf zwi­schen Deutschland, Schweden und Finnland in Hel­sinki brachte der deutschen Mannschaft am ersten Tage mit 75 Punkten die Führung vor Schweden mit 69 und Finnland mit 67 Punkten. 23on den zehn Wettbewerben des Samstags gewann Deutsch­land sechs, während Schweden und Finnland ,e Mei Siege errangen.

Die Ergebnisse vom Samstag. .

100 Meter: 1. Mellerowicz (D.) 10,7; 2. Strand- berg (Schw.) 10,8; 3. Krongvist (Fi.) 10,9; 4. Bä­necke (D.) 11,0; 5. Nilsfon (Schw.) 11,0; 6. Vanne ^Vo'Meter: 1. Harbig (D.) 47,9; 2. Linnhoff (D.) 48,4; 3. Storskrubb (F.) 49,1; 4. Tammisto (F.) 49,1; 5. Ljunggren (Schw.) 49,8; 6. Eriksson (Schw.) 49,9.

1500 Meter: 1. A. Jansson (Schw.) 3:52,4; 2. Anderslon (Schw.) 3:53,4; 3. Sarkama (F.) 3:54,8; 4/Kaindl (D.) 3:57,8; 5. Pekuri (F.) 3:58,6;

5000 Meter: 1. Hägg (Schw.) 14:38,2; 2.° larne (Schw.) 14:38,4; 3. Eitel (D.) 14:38,6; 4. Tuo­minen (F.) 14:39,6; 5. Maki (F.) 14:47,2; 6. Eber­lein (D.) 14:47,6.

(Nachdruck verboten.)

17. Fortsetzung.

Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

Darauf schüttelt er den Kops und sagt leise, aber mit einer eigentümlichen Heftigkeit:Das tue ich nicht, Marta!" _ ,

Sie sieht rasch auf und lächelt ihn an. Dann be­ginnt sie zu erzählen. Sie ist in einer kleinen Stadt aufgewachsen, wo ihr Vater einen Posten als Magi­stratsschreiber hatte. Noch einen Bruder hat sie ge­habt, der sechs Jahre älter war als sie. Er hatte ziemlich früh das Elternhaus verlassen, weil er sich nicht so wie sie in des Vaters grämliche, unfrohe Art schicken konnte, und weil er auch etwas lernen wollte. Er war nach Amerika gegangen, und die Familie hatte nie mehr etwas von ihm gehört.

noch ein recht albernes Ding aber doch auch wie »tn eingesperrter Vogel. Ach, und so dumm war ich, ms! Ich begreife heute noch nicht, wie ich so chterlich dumm sein konnte. Es lag wohl auch __ran, daß ich die Mutter so früh verloren hatte. Hnd dann war ich immer so sehr abgesondert, kam ast gar nicht unter Menschen. Mit Freundinnen zu verkehren, erlaubte mir mein Vater nicht. Ja, wenn ich damals nicht so ahnungslos gewesen wäre, wäre mir das gewiß nicht geschehen, dazu hatte ich viel zu große Angst vor dem Vater!

Unsere Mutter war sehr gut und auch heiterer und gemütlicher als der Vater, der es wohl auch auf feine Art gut mit uns meinte", erzählt sie.Ader er war immer so streng und verdrossen, er war wohl auch ein bißchen engherzig. Er hatte eine sehr trau­rige Kindheit gehabt und konnte es nicht leiden, wenn wir lachten und Dummheiten anstellten. Er kränkelte auch oft. Und dann hatte er viel unter Neid und Mißgunst seiner Kollegen zu leiden wenigstens sprach er oft davon und war immer so erbittert. Wir litten alle darunter, besonders meine Mutter. Sie wurde auch nicht alt. Ich war erst drei- zehn Jahre alt, als sie starb. Von da an besorgte ich den Haushalt, so gut es ging. Mein Bruder Erich war damals schon nicht mehr bei uns. Als ich sech­zehn Jahre alt war, kam mal bei unseren Nachbars­leuten, die mit im gleichen Hause wohnten, ein Neffe zum Besuch. Der studierte an der Technischen Hoch­schule und verlebte einmal seine Ferien bei den Ver­wandten in der kleinen Stadt. Er war so 'n kraus­haariger Schwarzkopf und ein übermütiger Bursche. Ei konnte hübsch Mandoline spielen und lustige Lie­der fingen. Wenn der in meiner Nähe war, gab es ein Lachen ohne Aufhören, denn ich war damals

Später, als der Felix lange wieder fort war, agte mir unsere Nachbarin auf den Kopf zu, was mit mir war. Dann kam eine schreckliche Zeit. Mein Vater war wie von Sinnen, als er es erfuhr. Er meinte, er sei entehrt und bloßgestellt vor seinen Kollegen und Vorgesetzten, vor allen Bekannten und der ganzen Stadt; er könne das nicht überleben und werde sich erhängen. Ich kam beinahe um vor Angst und traute mich nicht mehr zu schlafen. Immer führte er so schreckliche Reden. Einer von uns beiden müsse aus der Welt, sagte er, und ich begriff schließlich, was er im Sinne hatte: Ich sollte ins Wasser gehen, meinte er!

Aber ich fürchtete mich so entsetzlich! Mir graute vor dem falten dunklen Wasser und dem Tod. Ich war ja noch ein halbes Kind und verstand damals noch nicht, daß das Sterben manchmal leichter ist als das Leben. Aber wie ich das alles ertrug, weiß ich heute noch nicht, denn ich konnte nichts mehr essen und auch nicht schlafen. Ach, ich will das nicht alles so ausführlich schildern. Aber ich muß es schon, wenn Sie verstehen sollen, wie sich alles so gefügt hat. Ich kam zu einer Schwester meiner ver­storbenen Mutter; da wurde mein kleines Mädel geboren. Es war recht schwach, denn ich war ja auch sehr elend damals. Es ist nur drei Wochen alt geworden."

Marta Ellrich lehnte ihre Stirn gegen den Hals des Schecken. Die kleinen Haarringel unter dem dicken Zopf in ihrem Nacken zittern leise. Klaus sieht das. Er fühlt einen pressenden Druck um die 23ruft

So, nu is nicht mehr viel zu erzählen", sagt Marta und hebt Den Kopf. Ihre Finger strählen weiter die Mähne des Schecken, wie sie es während ihres Erzählens getan haben.Ich ging nach Berlin in Stellung und hatte es ganz gut und konnte mir

was sparen. Mein Vater beantragte dann auch feine Versetzung hierher. Er ertrug Das Leben in der kleinen Stadt, wo ihn alle kannten, nicht mehr. Ich lernte nähen und besorgte wieder unfern Haushalt. Es wurde auch fchlimmer mit feinem Leiden. Er hat es mit der Galle und oft auch solche bösen Gicht­anfälle. Aber ehe er sich pensionieren lieh, hat er noch einmal geheiratet. Ich wäre ja nun lieber wieder in Haushaltstellung gegangen, aber die Frau kommt mit der Pflege nicht so zurecht, und auch dem Ge­schäft ist sie nicht mehr gewachsen. Sehen Sie, Klaus, nun reden manchmal die Menschen so komisch, besonders die, die es gut mit mir meinen wie Pahls. Sie sagen, ich sei dumm, wenn ich bei den beiden Alten aushielte und feste arbeitete. Ich würde mal keinen Dank dafür haben! Als ob ich's deswegen täte! Man tut, was man muß. Mein Vater ... Na ja, es hat bei ihm wohl an dem richtigen Verständnis gefehlt. Er hat auch nie gefragt, wie's mir zumute war all die Jahre, wo man jung war und Sehnsucht hatte. Ach, es ist ja egal jetzt! Auch er hat viel durch­gemacht, und ich war es, die ihm schweren Kummer bereitete. So, Klaus, jetzt habe ich Ihnen alles erzählt, und mir ist ordentlich leicht Mir ist so, als müßten Sie mich nun besser verstehen als die andern alle."

Er nickte. In seinen Zügen, die wie versteinert waren im Leide der vergangenen Jahre, arbeitete es. Stumm stehen sie sich gegenüber und sehen sich in die Augen. Der warme Brodern des Stalles be­engt ihnen den Atem; das Blut beginnt stärker in ihren Adern zu pochen. Marta aber entringt sich der Beklommenheit, seufzt auf und sagt: ,Lch muß jetzt nach Hause; will bloß noch Vater Pahl gute Nacht sagen!" e u

Ich komme ein Stück mit Ihnen", sagt Klaus. Sie verlassen den Stall und begeben sich in Die Stube zurück. Wenig später gehen sie nebeneinander die dunkle Straße entiang. Schneeflocken taumeln sacht herab und berühren kühlend ihre heißen Gesichter. Erst gehen sie schweigend. Dann sagt Klaus:Ich kann Ihnen jetzt nichts erwidern, Marta! Sie warten darauf, ich fühle es. Aber ich muß das erst in mir verarbeiten."

..Sie brauchen mir nichts zu erwidern, Klaus!" sagt sie rasch.Aber ich mußte Ihnen das einmal sagen. Nun sprechen wir nicht mehr davon, nicht wahr?"

Er tastet nach ihrer Hand. ,Letzt nicht. Später vielleicht wieder. Aber Sie sollen wissen, Marta, daß mich das beinahe umwirft! Hnd doch ist mir Ihr Vertrauen so etwas Wunderbares! Ihnen danke ich ja, daß ich überhaupt noch lebe, und daß ich jetzt wieder Kräfte in mir wachsen fühle. Sie sind so gut zu mir gewesen wie nie zuvor ein Mensch, seit meine Mutter gestorben ist. Sie haben selbst die Härte und Grausamkeit des Lebens und der Welt so bitter gefühlt und lehrten mich doch wieder an das Gute glauben. Das mußte ich Ihnen einmal sagen, Marta!"

Sie bleiben stehen. Im Laternenlicht sieht er ihr Gesicht emporgerichtet.Lieber Klaus", flüstert sie und lehnt ihren Kopf an feine Schulter. Sie sind allein in der dunklen Straße. Glockengeläut klingt von der Stadt herüber; von allen Türmen fingen die gewaltigen metallenen Stimmen. Ihre dunkle schlichte Melodie trägt und wiegt das schmerzlich-innige Glück zweier Menschenherzen, die sich in Not und Ver­trauen zueinandergesunden haben.

9. Kapitel.

Am Wochenbeginn nach jenem Sonntage, an dem Hans Bergholz einen ersten Besuch bei Dietmuthe Röhl gemacht hatte, reißt er sich zusammen. Viel­leicht finden feine Patienten ihn weniger liebens­würdig oder um einige Grade gleichgültiger gegen ihre Leiden als sonst. Sonst merken sie nichts.

Die tiefe Verstimmung des gestrigen Abends wirkt nach. Aber die Arbeit verhindert ein fortwährendes Grübeln darüber, womit ja auch schließlich ein be­stehender Zwang nicht zu beseitigen ist.

Erste Notwendigkeit dünkt es ihn, von dem Aben- teuer wieder loszukommen, das ja eigentlich noch keines war, wozu er aber eine bedenkliche Geneigt­heit verspürt hatte. Wie auch sonst alles andere sein mag dieses Abenteuer ist auf keinen Fall etwas für ihn; es kann nichts Gutes Dabei herauskommen; er ist sich der eigenen Verletzbarkeit zu sehr bewußt.

Nachmittags will Dietmuthe zur Behandlung kom- men. Er hat Angst davor. Weil sich das nicht weg- leugnen läßt, ist er peinlich um die äußere Haltung bemüht Er gibt Auftrag, ihm ihr Kommen sogleich zu melden. Das soll die einzige Ausnahme fein, die er mit ihr machen will.

(Fortsetzung folgt.)