Ausgabe 
9.9.1940
 
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Aus dem Reich

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. BerantworMch für Polttll, FeuMeton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein.

Druck und Verlag: Brühlsche Univeriitätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6.

von Solanum-Holz, so wurde der neue Werk­stoff genannt, zu Papier zu kommen.

Kartoffelkraut ist ein Abfallprodukt der Land­wirtschaft, dessen wirtschaftliche Verwertung bisher sehr problematisch war. Seine Verwendung als Futtermittel empfahl sich nicht, einmal wegen sei­nes geringen Nährwertes, zum anderen wegen sei­ner schlechten Bekömmlichkeit für das Vieh. Wenn es in geringerem Maße zur Abdeckung von Mieten oder zur Düngung herangezogen wurde, so wurde die Hauptmasse des Kartoffelkrauts doch in den lodernden und qualmenden Erntefeuern vernichtet, zweifellos die bequemste Art, diesen Abfall zu be­seitigen.

Damit wird man zweifellos in weiter Zukunft aufhören, wenn erst die technischen Voraussetzun­gen für eine Erfassung und Anlieferung von Kar­toffelkraut geschaffen sein werden. Sie wird aber

Kartoffelkraut ersehtHaderlumpen".

Rohstoffquelle für Papier aus einem Abfallprodukt der Landwirtschaft.

Ein Generalnachwuchsplan der OAF.

In welchem Maße die Aufgaben der Berufs­erziehung auch im Kriege weitergeführt wurden, ergibt sich aus dem Leistungsbericht, den das Amt für Be r u f s er z i e h u n g und Be­triebsführung der Deutschen Arbeitsfront für das Kriegsjahr 1939 veröffentlicht. Auf dem Ge­biete der Berufsforschung und Nachwuchslenkung mußten die Fragen des Einsatzes weiblicher Arbeitskräfte in der Kriegswirtschaft be­schleunigt geprüft werden. Die steigende Bedeutung der Berufsnachwuchslenkung forderte die Inan­griffnahme eines Generalnachwuchsplanes, der für alle Berufe die Richtlinien für die Verteilung des jährlichen Zustromes von jugend­lichem Nachwuchs auf die verschiedenen Be­rufe enthalten wird. In der Nachwuchserziehung stand die Planung industrieller Lehrwerkstätten im Vordergrund. Durch die Arbeit des Amtes wurde mit 58 Lehrwerkstätten, darunter acht Gemein­schaftslehrwerkstätten, für weitere 9200 Lehrlinge die Möglichkeit einer geordneten Berufserziehung geschaffen. Damit ist die Zahl der Betriebe, die von der DAF. zu einer geordneten Ausbildung ge­führt wurden, auf 3500 mit nahezu 250 000 Lehr­lingen angewachsen. Die fördernde Berufserziehung für Erwachsene erzielte ebenfalls weitere Fort­schritte. Die Zahl der überbetrieblichen und betrieb­lichen Berufserziehungswerke stieg auf 378, zu de­nen noch 205 Betriebe kommen, die eine planmä­ßige Berufsausbildung für Erwachsene eingerichtet haben. Rund 106 000 Maßnahmen mit 2,8 Mil­lionen Teilnehmern wurden durchgeführt. Bei Kriegsbeginn standen die Schnellunterweisungen im Vordergrund. Wesentlich gesteigert wurde auch die organische Betriebsgestaltung. Die Jngenieurtrupps

des Amtes unterzogen 64 Betriebe mit 300 000 Ge- folgschaftsmitgliedern einer Totaluntersuchung und führten in 32 Betrieben Untersuchungen über den betrieblichen Arbeitseinsatz durch.

Nur noch deutsche Muttersprache im Elsaß.

Nach einer Anordnung des Chefs der Zioilver- waltung wird in allen öffentlichen Dienststellen im Elsaß nur noch die deutsche Sprache verwendet Familiennamen werden ausschließlich in ihrer deutschen Form gebraucht, auch wenn sie in französischer Sprache in das Geburts­register eingetragen sind. Nur deutsche Dor­na m e n dürfen noch eingetragen werden. Auch die Betriebe sind angewiesen, sich restlos auf die deut­sche Sprache umzustellen. Nach einer weiteren An­ordnung sind sämtliche ehemals bestehenden I u - gendverbände im Elsaß a u f g e l ö st worden. Es gibt nur noch eine Deutsche Volksjugend im Elsaß.

Sänger-Arbeit im Kriege.

Wie schon kurz gemeldet, hielt der Deutsche Sängerbund seine Jahrestagung in Dresden ab. Aus dem Jahresbericht ergab sich, daß trotz des Krieges die Arbeit der Vereine mit verschwinden­den Ausnahmen fortgesetzt wird. Von den 27 000 Vereinen des Deutschen Sänger-Bundes wa­ren nur 7 Prozent gezwungen, ihre Tätigkeit zu unterbrechen. Abgesehen davon, daß die uneingeschränkte Fortsetzung des Dereinslebens die Stärkung der Heimatfront unterstützte, daß die Pflege des Soldatenliedes und Bekenntnisliedes besondere Beachtung fand, haben sich Vereine und Sänger bei Veranstaltungen des Staates, der Par­tei und der Wehrmacht mit ihrem Liede eingesetzt. Diejenigen, die Soldaten sind, haben sich bei der Aufstellung und Ausbildung der Soldat-'nchöre be­

auch schon aus rein privatwrrtschaftkchen Gründen aufhören, da der Verkauf von Kartoffelkraut sich zu einer nicht unbeträchtlichen Nebenemnahme für den Landwirt oder Bauer entwickeln wird, da er pro Doppelzentner verladefähiges Kartoffelkraut 1,75 RM. erhalten wird. ...

Neben dieser privatwirtschaftlichen Bedeutung für den Landwirt steht aber die noch viel größere volkswirtschaftliche Bedeutung. Nachdem es schon gelungen ist, durch die Maßnahmen des Reichs­kommissars für Altmaterialoerwertung der deutschen Papierindustrie etwa eine Million Tonnen Altpapier, d. h. etwa 25 v. H. ihres Rohstoff­bedarfes, zur Verfügung zu stellen, kann die Mög­lichkeit geschaffen werden, etwa drei 4k 11 1 o- nen Tonnen Kartoffelkraut in Groß­deutschland zu gewinnen, die einer Entlastung der deutschen Waldwirtschaft um etwa 675 000 Tonnen Zellulose entsprachen Wenn diese letzte Zahl auch noch eine Zukunftszahl ist, so laßt sich aus ihr doch ermessen, welche Bedeutung ein­mal das einst (o wertlose Kartoffelkraut für ine deutsche Volkswirtschaft gewinnen wird. J. K.

Einer der wichtigsten Kulturträger ist das Pa­pier. Ohne sein Vorhandensein wäre die Erfin­dung der Buchdruckerkunst bedeutungslos geblieben, ohne es hätten die Geistesheroen niemals die Mög­lichkeit gehabt, ihre Gedanken Allgemeingut des Volkes werden zu lassen.

Während die ältesten Papiermacher als Rohstoff überwiegendHaderlumpen" verwandten, Alttextilien also, die heute in der Papierherstellung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, eine um so größere dagegen in der Textilwirtschaft, keß sie die immer größer werdende Nachfrage nach Pa­pier nach einem in Massen vorhandenen Rohstoff suchen, den sie schließlich im Holz der Fichte fanden. Als diesem hochwertigen, aber langsam wüchsigen Holz neben seiner Rolle als Rohstoffliefe­rant für die Papierindustrie noch die des Lieferan­ten für die immer größer werdende Zellulose- industrie mit ihrer steigenden Bedeutung für die Textilversorgung zugewiesen wurde, stellte es sich bald heraus, daß Fichte und Tanne mit ihrem jährlichen Zuwachs nicht mehr den gesteigerten Be­darf dieser beiden Industriezweige befriedigen konn­ten. Es gelang deutschem Forschergeist, nach zwei­jährigen Versuchen nun auch die bis dahin unge­nutzte Buche für die Zelluloseherstellung dienstbar zu machen. Im waldarmen Italien gelang es, das bisher unverwertete Schilfrohr ebenfalls zum Zelluloseträger für das ganztz Land zu machen, während man in Deutschland daranging, immer mehr pflanzliche Zelluloseträger m den Laboratorien zu untersuchen.

Während eine Reihe von anderen Zelluloseträ­gern bei diesen Untersuchungen als brauchbar für ihre Auswertung erkannt wurden, schien es den Fachleuten sehr abwegig, wenn nicht sogar absurd, das Kartoffelkraut der gewerblichen Zel­luloseausnutzung zuzuführen. Da war es der Füh­rer selbst, der im Frühjahr 1938 den Gauleiter und Reichsstatthalter von Thüringen, S a u ck e l, da­mit beauftragte, in der Thüringischen Zellwolle­fabrik Versuche durchführen zu lassen, ob aus Kar­toffelkraut Zellulose zur Erzeugung von Fasern für die Herstellung von Textilstofsen und Papier gewonnen werden könne.

Schon wenige Monate später konnten dem Füh­rer zu seinem Geburtstag die ersten Fasern aus Kartoffelkraut in einem kleinen Al­bum überreicht werden. Aber von den ersten gelun­genen Laboratoriumsversuchen bis zur Großpro­duktion war nachdem weiter und mühevoller, mit unzähligen Rückschlägen gepflasterter Weg.Als die Chemiker und Zellulosetechniker die technischen Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt hatten", so erzählt der mit der Durchführung der Versuche beauftragte Staatsrat und Gauwirtschaftsberater Dr. Schieber, der Leiter des Werkes,da be­gannen die Sorgen des Betriebswirtschaftlers und die Mühen des Ingenieurs." Aber auch der in­zwischen ausgebrochene Krieg konnte die Arbeit nicht unterbrechen, so daß es mit Hilfe der Papier­industrie gelang, zur industriellen Großverarbeitung

währt. Der Bund unterstützt die Wehrmacht durch regelmäßige Versendung von Liederbänden und Liedblättern.

Michsakademie der Wissenschaft.

Die im Reichsverband der Deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Akade­mien der Wissenschaften von Berlin, Göttingen, Heidelberg, Leipzig, München und Wien haben unter dem Vorsitz des Präsidenten der Preußischen Akademie, ^-Oberführer Ministerialdirektor a. D. Prof. Dr. V a h l e n, getagt. Im Hinblick auf die erhöhten Aufgaben, die der deutschen Wissenschaft nach dem siegreichen Kriege erwachsen, haben die Vertreter der Akademien des Reichsverbandes den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gebeten, zwecks Durchführung und Vertiefung der den Akademien übertragenen wis­senschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben den Reichs­verband der Deutschen Akademien zu einer Reichs­akademie zu erheben und damit ihrer Orgamsation eine der neuen Aufgabenstellung angepaßte Form zu geben. Reichsminister Rust hat diesen -Entschluß der deutschen Akademien begrüßt und die Um­wandlung genehmigt.

Kleine politische Nachrichten.

Im Auftrage des Führers hat der deutsche Bot­schafter in Madrid, von Stohrer, dem spanischen Staatschef, Generalissimus Franco, heute das Großkreuz des Ordens vom Deutschen Adl er in Gold, das der Führer dem spanischen Staatschef am spanischen Nationalfeiertag verliehen hatte, feierlich überreicht.*

Der 54jährige Neuyorker Rechtsanwalt und Kino­besitzer Frank C. Walker wurde von Präsident Roosevelt zum G e n e ra l p o stm e i ste r (Post- minkster) als Nachfolger des kürzlich zuruckgetrete- nen James Farley ernannt. Gleichzeitig wurde der neue Landwirtschaftssekretär Claude R. Wickard als Nachfolger des zum demokratischen Vizepräsi­denten nominierten Henry Wallace vereidigt.

*

Im Gebiet Groß-Prags werden für Zwecke der Hitler-Jugend besondere Heime errichtet werden, wo­für bereits entsprechende Objekte gewählt sind. Die Stadtgemeinde Prag wird für diese Heimstätten die Miete bestreiten und die bauliche Ausstattung und die Inneneinrichtung besorgen.

In der französischen Diplomatie ist ein neuer Diplomatenschub vor sich gegangen. Zwei neue Botschafter, de St. Quentin in Rio de,Ja­neiro und Jules Henry in Ankara, sind ernannt worden. St. Quentin war bisher Botschafter in Wa­shington, Jules Henry, der bisher Botschafter in Rio de Janeiro war, wird Nachfolger Massigks in der Türkei.

Von zuständiger amtlicher Stelle im Haag wurde mitgeteilt, daß für ganz Holland die Auflösung ber Freimaurerlogen angeordnet worden ist.

Todes-Anzeige.

Am 7. September d. J. verschied nach schwerer, mit großer Geduld getragener Krankheit der

Kreiskriegerfechtwart im NS. Reichskriegerbund

Kamerad Heinrich Zimmermann

Wir verlieren einen treuen Kameraden und pflicht- bewußten Mitarbeiter. Das Andenken an sein vorbild­liches Wesen und Wirken wird bei uns unvergessen bleiben. 0er Xreiskriegertübrer: Dr. Monnard.

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Am 7. September 1940 starb '4 plötzlich unser 1b. Kamerad

MAX Kreiskriegerfechtwart

Heinrich Zimmermann, Steuer-Inspektor.

zu erweisen.

Die Führerschaft.

Die Beerdigung findet Dienstag, 10. Sept., 3.15 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.

Es ist Pflicht eines jeden Kameraden, unserem treuen Mitglied die letzte Ehre

Heinrich Zimmermann

Steuer-Inspektor

aus dem Leben geschieden. Des ver­dienstvollen Kameraden werden wir stets in dankbarer Treue gedenken.

Beerdigung: Dienstag, den 10. Sept., um 15% Uhr, Neuer Friedhof.

4005 D

Unser lieber Alterskamerad

Heinrich Zimmermann

ist am Samstag sanft entschlafen. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Sep­tember, tum 1514 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet DER VORSTAND.

Am 7. September 1940 ist unser Mitglied

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