Ausgabe 
9.9.1940
 
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Die deulschen Erfolge nicht mehr abzuleugnen

en.

leisten hatten.

Dazu schoß d.ie englische Flak."

Einmal flogen mir minutenlang im Lichtdom von wenigstens 30 englischen Scheinwerfern. Ich kurvte, drückte und zog hoch, um herauszukommen. Plötzlich war ich ihnen entwischt. Wenige Sekun­den später sind wir über London. Unsere Bomben fallen aufs Albert- und Viktoria-Dock. Mit guter Wirkung. Explosionen werden beobachtet. Auf Hei­matkurs meldet der Funker:Schatten rückwärts, vermutlich Nachtjäger!" Sofort drücke ich nach un­ten, und die Spitfire stieß ins Leere!" Die Män­ner haben die Anstrengungen eines schweren Nacht-

Stockholm, 9.September. (Europapreß.) Das britische Luftfahrtministerium ' bestätigt zwölf Stunden nach dem großen Luftangriff auf London, daß das Bombardement Londons in gro­ßer Ausdehnung vorgenommen wurde, daß R i e - senfchäden angerichtet und fast ausschließlich militärische Anlagen unter Feuer genom­men wurden, wobei Magazine in Brand gesteckt und zerstört, Schuten und Flußkähne versenkt so­wie die Verkehrsverbindungen in Groß- London teilweise zum Stehen gebracht wur­den. In dem Kommunique des Ministeriums wird festgestellt: Das Bombardement umfaßte ein großes Gebiet. Der Feind setzte seine Streitkräfte in erster Linie gegen den östlichen Teil Londons und gegen Anlagen zu beiden Seiten der T h e m s e ein, wo drei Riesenfeuer und ein Teil kleinerer Brände ausbrachen. Große Schäden wurden ange­richtet und eine Anzahl von Personen wird zeit­weise obdachlos sein, doch ist es geglückt, sie aus den Gefahrenzonen zu evakuieren und Maßnahmen zu treffen, um sie unterzubringen. Eine große An­zahl von Bomben wurde auf die Londoner Hafenanlagen geworfen, wo große Feuers­brünste ausbrachen, insbesondere am südlichen Ufer der Themse. Weiter wurden Magazine zerstört und Mele Flußkähne in Brand gesetzt und versenkt. Die Angriffe auf die anderen Teile Londons waren nicht von derselben Intensität, obwohl eine große Anzahl von Bomben abgeworfen wurde. Brände bra-

..... 8. September. (PK.) (DNB.-Funkspruch.) Es ist an der Zeit! Bald müssen die Kameraden vom Nachtflug gegen England zurückkehren Wir warten mit dem Gruppenkommandeur am Rollfeld- rand im Sternenzauber einer flandrischen Nacht auf sie. Ein feines Summen wird in der Ferne hörbar. Es kommt näher. EineDo" nach der an­deren umkreist den Platz, stellt die Motoren ab und rollt dann über die Grasnarbe. Wenige Minuten spä.

insgesamk 596 500 BRT.

In diesen Zahlen sind nicht die Erfolge einer Reihe von Minenunternehmungen ent- halten, die durch Unter- und lleberwasserstreitkräfte gegen die englischen Küsten durchgeführt wurden. Diese Erfolge werden im einzelnen erst später be­kanntgegeben werden können. Das Gesamtergebnis enthält nur nachgewiesene Verluste, die bis zum Ab­sinken der getroffenen Schiffe beobachtet wurden. Damit sind im Handelskrieg seit Kriegsaus­bruch allein durch die llnterseebootswaffe 2,767 Millionen BRT.. durch Ueberwasserslreitträfte 1,555 Millionen BRT. versenkt worden. Die durch Kampfhandlungen der Kriegsmarine eingetrelenen feindlichen Schiffsverluste belaufen sich also in einem Jahr Handelskrieg auf 4,323 Millionen BRT.

der Widerschein der bveunenden Tankan-lage sehr stark!"

Mr haben prima hineingeworfen!", wirft Ober­leutnant G. ein-Irgendwer hatte schon vor uns die große Tankanlage angeknackt. Mr konnten mit­ten zwischen die zahlreichen Behälter unsere Bom­ben werfen. Sofort begannen neue Brände.

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minen abgeworfen.

Der Feind griff bei Rächt wieder die Reichs- Hauptstadt an und verursachte einigen Perso­nen- und Sachschaden durch wahllosen Vombenab- rourf auf nichlmilitärische Ziele der Innenstadt Die deutsche Luftwaffe ist daher dazu übergegangen, nunmehr auch London mit starken Kräften <m- zugreifen. In der vergangenen Rächt wurden D o ck - anlagen im östlichen London in Brand ge­worfen und durch Sprengbomben schwer getrof-

Dort und im Oellager von Thames-

Der Schlag -er Vergeilung

Von Kriegsberichter Anton Ooppelfeld.

ter sitzen wir in einem Gruppengefechtsstand zu­sammen.Ich erreichte Thameshaven als letzte Maschine", erzählt Hauptmann B.Schon von wei­tem s^hen wir den ^Himmel hell erleuchtet. Das konnten nicht die Scheinwerferbündel der Englän- her sein. Richtig, bald sehen wir die Bescherung. Riesige Flammensäulen lodern aus dem Oeftanklager zum Himmel empor, und immer wie­der fahren neue hohe Stichflammen aus dem Feuerbrand heraus. Alles brennt lichterloh. Ich,..,. ... - .

muß aus mittlerer Höhe weit Heraufziehen. Unsere fluges hinter sich. Aber aus ihren Augen leuchtet Kabine ist voller Licht und unsere Maschine taghell die Freude über den großen Angriffserfvlg. erleuchtet. Noch in 6000 Meter Höhe blendet mich! ------

Ueber dem brennenden London

Von Kriegsberichter Hans Hechenberg.

Aachtangriff auf Tanklager von Thameshaven

In 6000 Meter Höhe noch vom Feuerschein geblendet.

Von Kriegsberichter Eugen preß.

Haven waren starke Brände weithin sichtbar.

Der Gegner verlor am gestrigen Tage 67 Flugzeuge, von diesen 52 in Luftkämpfen und 13 durch Zerstörung am Boden. Lin feindliches Flugzeug wurde auf dem Rückflug von Berlin nördlich Hannover durch Flakartillerie zum Absturz gebracht, ein anderes von Rachtjägern am Dort­mundEms-Kanal abgeschossen. 24 eigene Flug­zeuge werden vermißt.

In der Zeit vom 1. bis31. August sind an feindlichem und dem Feinde nutzbaren Handels­schiffsraum versenkt worden:

durch Torpedos unserer Unterseeboote 503 000 BRT^ durch Ueberwasserstreitkräfie 93 500BRT^

Ser Wehrmachtsbericht vom Samstag.

Berlin, 7. Sept. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am 6.9. griff die Luftwaffe kriegswichtige Ziele im Südosten Englands, so de Flugzeugwerke von Rochester und Weybndge. die Oellager von Thameshaven und den Flugplatz von Kenley wirksam mit Bomben an. Von den feino- lichen Jägern, die sich zum Kampf stellten, wurde eine große Anzahl abgeschossen. Rächtliche An­griff e richteten sich gegen Hafenziele und Anlagen der Luftrüstungsindustrie. In Liverpool, Rlanck^fter und Derby sowie an einigen Hafenplähen der Sud- küste entstand erheblicher Schaden.

Ein britisches im Geleitzug fahrendes Handels- ch i f f von 6000 BRT. wurde im Seegebiet nord­ostwärts Aberdeen durch Bombentreffer versenkt. Vor verschiedenen britischen Häfen wurden Luft-

Oie Kriegsmarine versenkte n einem Jahre 4,323 Millionen ART Vom 1. bis 34. August wurden 596 500 BAT. versenkt.

DNB.....8. September. (PK.) Zum ersten Male

in diesem von England provozierten Krieg hat der Engländer selbst in seiner eigenen Metro- pole die vernichtende Wirkung der deutschen Luft­waffe zu spüren bekommen. In der Nacht zum 8. September 1940 brennen d i e wicht rast en Versorgungsanlagen der britischen Haupt­stadt. Die Londoner Einwohner, die an diesem Tag und in dieser Nacht aus dem Luftschutzkel­ler nicht herausgekommen sind, erleben am Morgen das furchtbarste Erwachen, das jemals ein Engländer in der Geschichte des Empires durch­machte, ein Erwachen, das keines ist, denn in Lon­don hat in dieser Nacht niemand die Augen zuge­drückt.

Zur gewohnten Stunde, in der sonst der Grup­penkommandeur den Staffelkapitänen die täglichen Einsatzbefehle bekanntgibt, sind alle Männer des hiesigen Personals zum Gruppengefechtsstand be­fohlen. Kurze Meldung, kurz aber um so inhalts­vollere Ansprache des Kommandeurs.Kameraden! Die Stunde ist gekommen. Mit dem heutigen Tage greifen größere Verbände der deutschen Luftwaffe mit Bomben schwersten Kalibers wichtige militä­rische Dersorgungsanlagen und Kraftwerke der eng­lischen Hauptstadt an. Unser Reichsmarschall selbst leitet den Angriff." Ein befriedigendes und befrei­tes Aufatmen geht über die Gesichter der Männer. Der Kommandeur gibt die Zieloerteilung für die Gruppe.

Das Dergeltungswerk nimmt feinen Anfang. Kurze Einsatzbesprechung bei der Staffel. Als wir den Gefechtsstand verlassen, um zu den Maschinen zu gelangen, rollen bereits die Flugzeuge der ersten Staffel zum Start. Es klappt mit meisterhafter Präzision trotz dec überraschenden Schnelligkeit der.

anderen Verbände. Nach der Landung Meldung beim Kommandanten, der eben selbst rmii Einsatz zurückkehrte. Ein stolzes Gefühl der Gewißheit des Sieges, der endlich begonnenen Vergeltung, erfüllt alle Besatzungen.

Ganz England unter Daueralarm

Eindrücke eines amerikanischenDiplomaten.

Rom, 8. Sept. (DNB.) Stefani meldet aus Bern: Eine hochgestellte amerikanische diplomatische Per­sönlichkeit, die dieser Tage aus England in der Schweiz eintraf, erklärte, daß die innere Lage in Großbritannien anfange beunruhigend zu werden. Die systematischen Bombardierungen ließen Mil­lionen von Menschen keinen Schlaf mehr finden. Die Arbeitsleistung in den Industriezentren sei durch die ständigen Arbeits­unterbrechungen beträchtlich vermindert worden. Allenthalben breite sich eine Atmo­sphäre der Nervosität aus. In den Zonen Südenglands hätten die letzten Bombardierungen eine wahre Panikstimmung hervorgerusen. England befinde sich in einer schwierigen strategi­schen Situation. Sobald die Beobachter an der Küste das Herannahen der deutschen Flugzeuge an­zeigten, werde ganz Südengland in Alarmzustand versetzt, weil man nie wisse, nach welcher Seite h i n sich die deutschen Bomber wendeten, die gewaltige Entfernungen in kürzester Zeit durchflögen. Sobald die Anwesenheit von Flugzeugen gemeldet werde, müsse im Umkreis von 4 0 0 bis 5 0 0 Kilometer Alarm gegeben werden, so daß auch ein guter Teil von Schottland und Westengland eingeschlossen sei. Da nun die deutsche Luftwaffe gleichzeitig von Norden, Süden und 0 st e n angreife, sei praktisch ganz England in A l a r m z u st a n d. Die Unterbrechung Der Arbeit in Tausenden von Fabriken bringe enorme Verluste mit sich. Der Verkehr sei in weiten Distrikten des Landes unterbrochen.

Iliegerkameradschaft!

Berlin, 8. Sept. (DNB.) Mitten in dem gestrigen Angriff auf London spielte sich über dem qualm- und raucherfüllten Häusermeer der eng­lischen Hauvtstadt ein Stück echter deutscher Flie- gerkameradschait ab. Ein deutsches Kampff lug- zeug wurde schwer getroffen und geriet in

rosig ist, wie man es tn England wahrhaben möchte. Kanada «st heute keineswegs das große Produktionszentrum, dieWaffenschmiede" Eng­lands, und die bisher erteilten Aufträge von rund 145 Millionen Dollar auf Munition, Automobile und Flugzeuge sind ei» Tropfen auf den mehr als heißen Stein der augenblicklichen englischen Der- sorgungskalamität.

Aber zu diesen Schwierigkeiten tritt noch etwas sehr wesentliches. Das Land ist innerlich un­zufrieden, das starre Zweiparteiensystem der Liberalen und Konservativen, von denen die Li­beralen unter Mackenzie King die erdrückende Mehrheit (179 von 245 Sitzen) haben, wird von allerlei politischen Strömungen angegriffen und unterhöhlt. Der Schatten der USA. liegt ebenfalls aufs dem Land und wird durchaus nicht immer freundlich betrachtet, da die sterile purttanische Gei­steshaltung der mit der Traditton des Empire er­wachsenen Kanadiers zu einer Unsicherheit geführt hat, die durch die völkische Zersplitterung noch ge­nährt wird. .

Und damtt berühren wir die wesentliche Schwie­rigkeit, das Kernproblem des Landes. Von den 11 Millionen Einwohnern des Landes sind nur etwa die Hälfte englischer Ab st am- mun g. Drei Millionen sind Franzosen, der Rest setzt sich aus Iren, Skandinaviern, Eskimos, Oft® asiaten und etwa 500 000 Deutschen zusammen. Die drei Millionen Franzosen sind aber die ur= sprünglichen Einwanderer des Landes, die schon tm 16. und 17. Jahrhundert nach Kanada kamen, also schon vor der Französischen Revolutton. Dieser französische Dolksteil ist außerordenttich konservativ in seinen Ansichten und wacht sehr eifersüchtig über seine Privilegien, um so mehr, als diese Franko- Kanadier niemals vergessen haben, daß Frankreich

nach dem Siebenjährigen Kriege im Jahre 1763 Kanada an England abtrat.

Die Sonderstellung der französischen Kanadier hat nun in der letzten Zeit, vor allem nach dem englischen Verrat an Frankreich, nach der feigen Beschießung französischer Kriegsschiffe vor Dran und anderen Zeichen brittscherFreundschaft zu äu­ßerst heftigen Reibungen zwischen der Bundesre­gierung und der französisch-kanadischen Provinz Quebec geführt, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Franko-Kanadier sich als die wirklichen Kanadier fühlen und dieses Vorrecht der englisch- kanadischen Provinz Dntario ftreitig machen.

Inzwischen haben die Franko-Kanadier auch er­kannt, daß mit dem Königsbesuch im Mai 1939 und vor allem mit der Versenkung derAthenia" durch Churchill dieAthenia" war für kanadische- fen bestimmt! ein frivoles und nichtswürdiges Spiel getrieben wurde. Dem Druck, der dadurch auf die kriegslustige Stimmung ausgeübt werden sollte, ist inzwischen ein tiefes Mißtrauen gewichen, das dadurch genährt wird, daß sich die Franko-Ka° nabier, geographisch gesehen, zum amerikanischen Kontinent hingezogen fühlen und gegen eine wei­tere Verwicklung in den Krieg sind. Es ist immer­hin beachtlich, daß selbst die Liberale Partei unter dem Eindruck der letzten Vorfälle die Regierung aufforderte, sich der Panamerikanischen Union an­zuschließen, was diese selbstverständlich ablehnte.

Alle diese Dinge zeigen, daß es in Kanada gärt und daß hinter der britischen Agitatton sich Pro­bleme breitmachen, die eines Tages bereinigt wer­den müssen. Kanada ist nicht ohne weiteres gewillt, jene Rolle zu spielen, die London ihm zugedacht hat. Ohne Quebec ist Kanada nicht zu regieren. Das weiß man auch in Ontario genau. Bkn.

Brand. Das Feuer konnte gelöscht werden, aber die Manövrierfähigkeit der Maschine war dahin. Eisern hielt sie der Flugzeugführer in der Luft in der klaren Erkenntnis, daß' ein weiterer Angriff das Ende bringen mußte. Der Vorgang war den britischen Jägern nicht Verborgen geblieben, und schon stürzte sich eine Anzahl Spitfire auf die Beute. In diesem Äugenblick aber hatten sich einige deutsche Messerschmitt-Jäger um ihre gefährdeten Kameraden geschart, wehrten zäh alle Angriffe der Briten ab und geleiteten die Maschine unter dauernden Kämpfen sicher über den Kanal bis nach (9ent, wo sie notlanden konnte.

Wieder eine Kirche von Engländern bombardiert.

Hamm (Westfalen), 8. Sept. (DNB.) Einen ui> erhört feigen und verbrecherischen Anschlag unter­nahmen die englischen Flieger in der Nacht zum Sonntag auf die Stadt Hamm in Westfalen. Wahllos warfen sie ihre Bomben indas Stadt­gebiet. Die katholische Liebfrauenkirche erhielt dabei zwei Volltreffer, so daß das Gottes­haus schwer beschädigt wurde. Eine weitere Bombe explodierte unmittelbar vor der Kirche. Eine Bombenexplosion riß eine Seitennische vollkommen weg, während eine andere Bombe seitlich vom Turm in die Kirche einschlug und schwerste Ver­wüstungen anrichtete. Dieser neue Ueberfall ist um so verwerflicher, als in unmittelbarer Nähe der Kirche zweiKrankenhäuser stehen, die durch die Zei- chen des Roten Kreuzes weithin kennllich gemacht sind. Von den Sprengbomben fielen vier in unmittelbare Nähe des Hammer Städttfchen Krankenhauses. Das andere Krankenhaus steht ebenfalls nur 100 Meter von den Einsckflagftellen entfernt. Die von den englischen Fliegerbomben zerstörte Liebfrauen­kirche von der Turmseite her zu betreten, ist lebens­gefährlich, da hier Einstürze drohen. Durch riesige Sprenglöcher sieht man in das Kircheninnere. Die ganze innere Kircheneinrichtuna ist zerstört. Die kostbaren Glasfenster sind zertrümmert. Die Orgel ist vernichtet. Das Gewölbe und die mächttgen Säulen der Kirche weisen zahllose Splittereinschläge auf. Die vor der Kirche explodierte Bombe richtete auch an den Außenmauern der Kirche schwere Zer­störungen an.

britannien Hervorrufen müsse. England sei nun keine Insel mehr. Bleriot benötigte für feinen Flug noch eine halbe Stunde wir schaffen es heute in wenigen Minuten.

Schon erkennen wir vor uns die ersten Sprengwolken der Flak. Unsere erste Staffel geht zum Angriff vor. Die Flak schoß wie besessen. Sie legte um die Hauptstadt einen Ring von Sprengwolken, aber wir machten unsere Auf­gabe doch zu Ende. Ich sah, wie die Flammen hoch- sihosfen, unten an den Kais, auf den Schiffen, aus Lagerschuppen und Docks. Ein riesiges Deltantlager liegt am Themseufer und in Sekundenschnelle fliegt es wie eine sprühende Kaskade in die Lust. Aus unzähligen Maschinen fielen dieEier" ab, eine endlose Kette, und entfesselten an allen Ecken des Londoner Hafens Brand- und Sprengwirkungen.

Wenn der Zweck nicht so bitter ernst und die Fol­gen nicht so grauenhaft wären, so hätte man das Schaustück, das sich uns in geradezu dramatischer Wucht bot, imposant nennen können. Als wir ab« drehten, lagen über der Hauptstadt des britischen Weltreiches dunkle schwere Wolken, die rot durchleuchtet schienen vom Feuerschein der Flammen.

Die Flak ließ bald nach. Ihre Arbett war hoff­nungslos. Aufmerksam suchten wir nach feindlichen Jägern den Himmel ab, aber nur einmal sah ich, wie ein Schwarm aus einer Ecke hervorstieß, sich an unsere Maschinen heranmachte, aber dann von unseren eigenen Jagdflugzeugen ab getrennt wurde und wieder verschwand. So blieb denn der Heim­flug eine einzige Welle der Freude. Der Oberleut­nant strahlte. Ich sah seinem jungen straffen Ge­sicht an, daß er sich noch eine Sache, gewissermaßen zum Abschluß, ausgedacht hatte. Als wir über un­serem Heimathafen ankamen, rief er:Anschnallen", und schon schnellte er die Maschine in die Höhe und drehte eine saubere Rolle. Dann setzte er behut­sam auf. Unten lief uns der Nachrichtenoffizier in die Quere.Soeben erfahre ich, daß die letzte Ma­schine in der Nähe gelänget ist. Die einzige Not­landung. Alles übrige wohlauf."

Startfolge. Am Start winkt uns der Geschwader­kommodore erwartungsvoll den Abschiedsgruß zu. Die Aufgaben des Einsatzes nehmen uns gefangen. Zunächst Anflug über das Festland. Das Meer ist erreicht. Mr wissen, rechts und links, vor und hinter uns fliegen deutsche Maschinen den gleichen Kurs. Die voraufgegangene Welle kehrt zurück. Wir sollen Zeugen werden der Wirkung ihres Einsatzes. Der brandrote Schein am Himmel weist uns den Kurs auch ohne Kompaß. Kurz vor dem Ziel die Themse. Dahinter brandrote Glut und schwelende Rauchwolken. Es scheint, als ob schon ganze Ar­beit geleistet ist und kein Platz mehr für unsere zer­störende Last rft unter uns. Rechts und links, neben, um uns, spielen die Scheinwerfer der englischen Ab­wehr. Die englische Flak schießt aus allen Rohren Planfeuer. Sie hat uns nicht erkannt. Auf jeden Fall vermag die ausgesprochen passive und nega­tive Abwehr die englischen Jäger sind allem Anschein nach schon beim Tageseinfatz außer Ge- fecht gesetzt uns in keiner Weise zu stören. Ge­nau nach Kurs fliegen wir einen größeren Brand­herd an. Ein Gaswerk ist vernichtet und brennt lichterloh. Davor einige Gasometer sind unser be­fohlenes Ziel. Noch ein Anflug, umspielt von Schein­werfern, die Bomben sind klar. Hinein! eine geschickte Kurve des Flugzeugführers ermög­licht uns allen, die Wirkung des Angriffes zu er­kennen. Im Ziel ein jähes Aufflammen und eine darauffolgende rasche Ausbreitung des Brandes. Die Tankanlage ist getroffen.

Ein schauerliches Bild beim Abflug. Kilometer­weit mindestens zehn Kilometer in der Länge und Breite im Gebiet unserer Gruppe ein e i n - ziges Flammenmeer. In allen Himmels- ricAungen verheerende Wirkungen der Angriffe der

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chen auch im Zentrum von London aus und zerstörten einige Häuser. In allen Gebieten Londons, die Luftangriffen ausgesetzt waren, griff der Luftschutz schnell und effektiv ein. Er mußte sich zum Teil an den Evakuierungsarbeiten der vielen hundert Zivilpersonen beteiligen, die durch die gro­ßen Brände- gefährdet waren.

In einem Bericht des flugmilitärischen Mitarbei­ters von Reuter heißt es, daß am Sonntagvor-- mittag ein Teil der Feuersäulen und Feuersbrünste, die nach den deutschen Luftangriffen in London entfacht wurden, hätten eingekreist werden können. Rauchsäulen stiegen insbesondere in der Themse- Mündung auch am Sonntagnachmittag noch auf und viele Flammen züngelten aus dem schwarzen Rauch hervor. Der deutsche Luftangriff, ber 8% Stunde dauerte, war, wie Reuter berichtet, der hef­tigste, den London seit Kriegsausbruch erlebt hat. Er richtete sich gegen ganz bestimmte Punkte Groß­londons. Die deutschen Flugzeuge kamen in un­aufhörlichen Wogen auf London zu- geflogen und warfen eine riesige Anzahl von Brandbomben über der Stadt ab, um die dadurch entfachten Brände später als neues Ziel zu be­nutzen. Arn Schluß des Reuterberichtes wird, wie es ähnlich der britische Rundfunk am Sonntag tat, auf die ungeheure Aufgabe hingewiesen, die die englische Bodenabwehr sowie die Feuerwehren und die Hilfsmannschasten bei den Rettungsarbeiten zu

........ 9. Sept. (PK.) (DNB. Funkspruch.) Hin­ter dem gewaltigen Eindruck des Anfluges auf Lon­don versinken die Gefühle der Spannung und Un­rast, des Hoffens und Abwartens, die uns feit Tagen beherrschen. Die Verbände, die sich über dem eftgesetzten Treffpunkt sammeln, formieren sich zu imponierender Wucht. Immer neue Schatten stoßen zu uns. Wir streben auf große Höhen. Dae flan­drische Ebene unter uns liegt wie ein schimmernder grüngewirkter Teppich ausgebreitet im Licht des päten Tages. In einer Stunde wird das Hafen­gelände an der Themse in Flammen aufgehen. Das Stahlgewitter über London wird sich entloben.

Bald liegt diese Kette, bald jene höher, wir win­ken uns zu. Ringsumher, wohin ich blicke, bis in die Weiten des Horizontes, ausgerichtet nach den takttschen Richtlinien der Befehle Kampfflugzeuge über Kampfflugzeuge. Unsere Maschine schwebt weit vorn in der ersten Staffel. Die Stimmung ist groß­artig. Es wird gesungen, daß die Mikrophons kra­chen. Immer noch einmal das LiedRan an den Feind, Bomben auf Engel and".

Schon taucht die Küste des Kanals unter uns auf. Dort liegt Calais, der berühmte Brückenkopf, dort Dünkirchen, der Schiffsfriedhof der Tommies, der Schutthaufen dessieghaften" Rückzugs. Wir ändern unseren Kurs um einige Grade. Es geht nun straks aufLondonzu. lieber uns tauchen plötzlich helle, litzende Punkte auf. Die deutschen Jäger sind ia, die den Jagdschutz unseres Angriffes übernehmen ollen. Wie bei eine Parade eskortieren sie unsere Formationen, schnellen vor, erkunden den feindlichen Raum und kurven elegant um die Staffeln der Kampfflugzeuge.Achtung! Waffen prüfen, Trom­meln aufsetzen!" Der Oberleutnant, der die Maschine fliegt, gibt die letzten Anweisungen. Wir lockern die Maschinengewehre, ich steige in die Wanne und richte mich dort ein. Es ist verdammt falt in der Höhe, trotz Sonnenschein und Pullover.

Jetzt ist der Kanal überflogen, die Steilküste Englands tritt plastisch hervor. Damals, im Jahre 1909, flog ein Franzose erstmalig diesen Weg: Louis B l s r i o t. Aufgeregt schrieb dieTimes", das fei ein Ergebnis, das höchste Beunruhigung in Groß-