3000 RM., gegen den Inhaber einer Lederhandlung wegen grobfahrlässiger Zuwiderhandlung gegen die Lederpreisverordnung und die dazu ergangenen Durchführungsbestimmungen im Unterwerfungsverfahren eine Strafe von 2000 RM. verhängt. Ein Hauseigentümer wurde wegen einer fahrlässigerweise vorgenommenen Mietpreissteigerung im Unterwerfungsoerfahren in eine Strafe von 750 RM. genommen. Der unzulässigerweise erlangte Mehrpreis wurde zugunsten der Staatskasse einaezogen, da der Mieter in voller Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen sich zur Zahlung der übersetzten Miete bereitgefunden hat. Der Mieter wurde im Unterwerfungsverfahren mit 150 RM. bestraft.
Kuttermittelscheine für Hunde.
Dom 1. August 1940 ab ist die Futtermittelversorgung für Hunde neugeordnet worden. Für Hunde werden nur pflanzliche' Futtermtttel bereitgestellt. Um für Hunde, deren Halten volkswirtschaftlich von Interesse ist, bevorzugt Futtermittel zur Verfügung zu stellen, werden an die Besitzer solcher Hunde Futtermittelscheine durch die Ernährungsämter, Abt. B, ausgegeben, die auf einen Monatsabschnitt den Bezug dis zu 6 kg pflanzlicher Futtermittel vorsehen. In Betracht kommen Diensthunde der Behörden, der Partei und ihrer Gliederungen, für Heeres- oder Polizeibedarf gemusterte Hunde, Rasse- zuchthunde in Zuchtzwingern, Icrgdhunde in Zuchtzwingern, Hunde in Tierheimen und Blindenhunde. Den Besitzern solcher Hunde wird auf Antrag von dem Ernährungsamt, Abt. B, je Hund ein Futtermittelschein ausgehändigt. Um die erforderlichen Futtermittel rechtzeittg bereitstellen zu können, haben die Hundebesitzer ihre Anträge auf Aushändigung von Futtermittelscheinen alsbald, jedoch nicht vor dem 12c August 1940, bei dem Ernährungsamt, Abt. B, ihres Kreises zu stellen. Besitzer anderer Hunde müssen ihren Futtermittelbedarf auf dem freien Markt decken.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 9. August. (Vorbericht.) Es kostetenDchsen 37,50 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 18 bis 44,50, Färsen 35,50 bis 44,50, Kälber 30 bis 59, Hämmel 30 bis 48, Schafe 20 bis 44, Schweine 53 bis 59 RM. — Marktverlauf: Alles zugeteilt.
Landkreis Gießen.
* Garbenteich, 8. Aug. Auf besonderen Wunsch gab der Gesangverein „Frohsinn" Garbenteich dieser Tage unter Leitung seines Ehrenchormeisters Harnisch (Watzenborn-Steinberg) im Standortlazarett Gießen zum zweiten Male ein Konzert. Es gelangten nach sorgfältiger Wahl Lieder von Silcher, Sonnet, Köhler, Baumann, Meinhardt usw. zum Vortrag. Der Chor des Vereins bewies dabei erneut seine ausgezeichnete Schulung. Die Soldaten waren eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft und gaben ihrer Dankbarkeit für die schöne Unterhaltung lebhaften Ausdruck. Die Sänger des Vereins ließen es sich angelegen sein, auch für das leibliche Wohl der Soldaten einen Beittag zu leisten. Don den Mitgliedern wurde eine Eiersamm- l u n g durchgeführt, bei der 300 Eier für diesen guten Zweck aufgebracht wurden.
ch L i ch, 8. Aug. Einem Sohn unserer Stadt, dem Oberstfeldarzt Dr. Hermann Rau, wurde für seinen Einsatz im Westen das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Im Weltkrieg wurde Dr. Rau bereits mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und im. Feldzug gegen Polen mit der Spange zum E. K. 2. Klasse ausgezeichnet.
Wegen Arbeitsvertragsbruchs bestraft.
Lpd. Marburg, 8. Aug. Ein juntzer Mann aus dem Kreise Biedenkopf hatte sich vor dem Amtsgericht wegen Vergehen gegen das Arbeitspflichtgesetz zu verantworten, weil er ohne Genehmigung des zuständigen Arbeitsamts seine Arbeitsstelle in einem Siegener Betrieb verlassen und sich längere Zeit ohne seine ihm von der Firma vorenthaltenen Papiere durchschlug, bis man endlich seiner habhäst wurde. Das Urteil lautete wegen Arbeitsvertragsbruchs auf einen Monat Gefängnis.
Don her, Straßenbahn totgefahren.
Lpd. Mainz, 8. Aug. Am Mittwoch ereignete fick in der Nähe des Domes ein folgenschwerer Der- kehrsunfall, bei dem eine Frau getötet wurde. Die Frau wollte die Straße überqueren, lief aber direkt in die Straßenbahn hinein. Der Wagenführer bremste den Wagen sofort ab, er konnte es aber nicht mehr verhindern, daß die Räder über die Frau hinweggingen. Die 45jährige Frau war sofort tot.
Eßbare und gistige Pilze der Heimat.
Speisepilze sind nahrhaft. Sie enthalten gewöhnlich nahezu die gleichen Mengen an Protein wie Hülsenfrüchte, doch nur ein Teil dieser Nährstoffe ist verdaulich, d. h. Pilze sind zwar wohlschmeckend, können jedoch die Fleischnahrung nicht ersetzen.
Gute, in unserer engeren Heimat häufig vorkommende Speisepilze sind Pfifferlinge, Champignon, Schirmpilze, beide Arten, echter Reizker, in jungem Zustande auch die beiden Kremplinge, junge Hallimasch, Stoppelpilz, Steinpilz, Birkenpilz, Rothäubchen oder Kapuziner, Butter- und Maronenpilz, Ziegenlippe, Schmerling. Wenig bekannt ist, daß in jungem Zustande auch die schwarze Totentrompete zu den ergiebigen,' wohlschmeckenden Speisepilzen zu rechnen ist. Was in dieser Aufzählung fehlt, kommt nur für den gründlichen Kenner in Frage, so die zahlreichen Arten von Täublingen und Ritterpilzen, die entweder zu Verwechslungen Anlaß geben können oder bald voller Maden und dann gesundheitsschädlich sind. Was man nicht genau kennt, läßt man am besten stehen.
Verwechselungen kommen vor, bei Steinpilz mit dem äußerst bitteren Gallenpilz, der sich vom Steinpilz durch einen rötlichen Schimmer der Röhren und gröbere Netzung des Stieles sowie bitteren Geschmack unterscheidet. Ein einziger Pilz kann das ganze Gericht von Steinpilzen ungenießbar machen. Unter den Pfifferlingen oder Eierschwämmchen findet sich nicht selten als Verwechslung der dünnere, orangegelbe falsche Pfifferling. Er soll giftig sein, doch ist trotz der häufigen Verwechselungen, wie sie tatsächlich kaum vermieden werden können, noch kein Fall einer Erkrankung durch ihn bekannt geworden. Der echte Reizker ist vom Giftreizker leicht durch die Milch zu unterscheiden, die beim echten rötlich, bei dem giftigen weiß ist.
Giftpilze, deren Sammeln unter allen Umständen vermieden werden muß, sind Fliegenpilz, gelblicher, grüner und weißer Knollenolätter- schwamm, Wolfs Röhrenpilz, Hexen- und Satanspilz, Speiteufel, Giftreizker, Schwefelkopf, Pancher- pilz. Den roten, weiß betupften Fliegenpilz kennt
jedes Kind. Er ist in der Nähe von Birken im Herbst überaus häufig und wird später oft gelblich, ohne Tupfen, die vom Regen abgespült werden. Der gelbliche oder gemeine Knollenblättersckwamm ist in der Umgegend von Gießen in manchen Jahren überaus häufig. Die Knolle fehlt oft, der Hut ist gelblichweiß, die Lamellen sind, zum Unterschied von Champignon, immer weiß, während alle Champignons rötliche, später dunkler werdende Lamellen haben. Unentwickelte Exemplare, bei denen der Unterschied nur wenig ausgeprägt ist, läßt man am besten stehen. Der grüne Knollenblätterschwamm ist bei uns selten, und wo er — wie vereinzelt im Gleibachtal — vorkommt, verliert er sich schon im Sevtember. Er wird nur gefährlich, wo grünliche Pilze, wie der Grünlings massenhaft gesammelt und auf die Märkte gebracht weroen, was bei uns nicht der Fall ist. Der weiße oder Frühlings-Knollen- blätterschwamm ist ebenfalls sehr selten und erscheint schon im Vorsommer. Ein weiteres Merkmal der Knollenblätterschwämme ist ihr Vorkommen im Walde. Was an ähnlichen Pilzen außerhalb des Waldes wächst, sind andere, nicht genießbare Arten. Erwähnenswert ist noch der rote Satanspilz. Sein deutscher Name läßt Gutes nicht erwarten. Gleichwohl gibt es Menschen, die ihn roh und zubereitet ohne Nachteil essen. Da aber Boden wie Menschen verschieden sein können, ist vor dem Genuß aller roten Röhrlinge, die Aehnlichkeit mit einem Steinpilz haben, nur zu warnen.
Alle Pilze, auch die Speisepilze, werden, wie alte, verdorbene Wurst, durch Zersetzung giftig. Es gibt Pilzgerichte, die man am Abend oder vom Mittagsmal übrig noch am nächsten Tag essen kann. Aber man weiß nicht, wie alt der Pilz zur Zeit des Sammelns schon war und wie lange. er schon bis zum Verkauf lagerte. Man wird darum gut tun, größte Vorsicht walten zu lassen^ Das Gefährliche ist, daß Pilzvergiftungen sich erst äußern, wenn es meist zu spät ist. Erste Gegenmittel sind solche, die Erbrechen erregen. Man rufe sofort den Arzt!
9Ji.~foOTt
Handballspiele des Sonntags.
Der größte Teil der für kommenden Sonntag an« gesetzten Spiele mußte mit Rücksicht auf das vom Tv. Oberkleen durchgeführte große Jugendkurz- turnier abgesetzt werden.
Es blieben nur drei Treffen übrig, und zwar Tv. Beuern — Tv. Heuchelheim Spgd. Großen-Buseck — Tv. Atzbach Tv. Krofdorf — Tv. Launsbach.
Wenn auch Beuern erst am letzten Sonntag eine recht gute Figur abgab, so ist doch kaum anzunehmen, daß die Mannschaft gegen die spielstarken Heuchelheimer gewinnen wird. Der Unterschied wird allerdings nicht groß sein, zumal sich die Gäste in der Hauptsache auf den Einsatz jugendlicher Kräfte beschränken. Großen-Buseck hat zwar auf eigenem Platz schon recht gute Spiele gezeigt und auch annehmbare Ergebnisse erzielt, o-b es aber gelingt, Atzbach zu besiegen, bleibt abzuwarten. Gespannt sein darf man auf das Zusammentreffen der beiden Gegner in Krofdorf. Die Platzbesitzer haben sich mehr und mehr herausgemacht und zählen heute zu den stärksten Einheiten der Kreisklasse.
Das Jugendturnier, das der Tv. Oberkleen ausgerichtet hat, geht über den üblichen Rahmen weit hinaus. Einmal wird sich eine große Anzahl der bekanntesten Jugendmannschaften, der Bann 116 und 88 treffen, zum anderen aber sind Einheiten versammelt, die durch ihr Können die besten Garanten .für eine ausgezeichnete sportliche Auswertung der Veranstaltung darstellen. Neben dem Gebietsmeister Lützellinden kommen u. a. Hochelheim, Hörnsheim, Dornholzhausen, Grüningen, Lang-Gons usw. in Frage.
Im Rahmen des in Watzenborn-Steinberg statt- findenden Ortssporttages tritt der Tv. Holzheim mit einer starken Mannschaft der neugebildeten Handballabteilung des Tv. Watzenborn-Steinberg gegen
über. Auch dieses Spiel wird feine Wirkung nicht verfehlen.
Stadtelf Gießen-Luftwaffe Z:l(2:0)
Die Stadtelf war in bestechender Form und hatte Gauligareife. Die Gäste zeigten weit bessere Leistungen wie die Mehrmals Wetzlar, nur versuchten die Spieler durch unnötige Härte aufzufallen. Drei Gästespieler mußten des Feldes verwiesen werden. Die Gäste kamen zunächst besser ins Spiel. Die Stadtelf tastete den Gegner ab. Bald wurde das Spiel schnell. Die schön vorgetragenen Angriffe der Gäste gingen auf die beiden Flügel, doch wurden diese liebevoll bewacht, so daß Erfolge nicht zu verzeichnen waren. Das Spiel wurde härter, und ein Freistoß von Funk brachte die Stadtelf nach 32 Minuten in Führung. Die Versuche des Gegners, aus- zugleichen, scheiterten an der aufmerksamen Hintermannschaft. Ehmann setzte einen scharfen Schuß an den Pfosten, dann wurde Lukaschewski gegen den kleinen Funk hefttg, den Freistoß verlängerte Nikolai kurz vor der Pause zum zweiten Tore.
Nach der Pause hatte die Stadtelf mehr vorn Spiel, die wunderbaren Kombinationen ließen erkennen, daß die Mannschaft viel gelernt hat. Grü- ning schoß kurz entschlossen zwischen den Verteidigern das dritte Tor, dann hatte Hofmann mit seinen Schüssen Pech. Die Gäste wurden völlig eingeschnürt. Der Mittelstürmer der Gäste ließ eine große Gelegenheit aus, frei vor dem Tore stehend, vergab er die Chance. Hofmann hatte mit feinen Schüssen Pech. Als er wieder nur den Pfosten traf, war es dann Ehmann, der auf 4:0 eryöhte. Kurz daraus legte Funk gut vor, Grüning nahm den Ball auf und schoß wuchtig in die Maschen. Ehmann wurde gehalten, den Freistoß verwandelte Kraft zum sechsten Tor. Wenig später war es wieder Kraft, der sich schön freigespielt hatte, der auf 7:0 erhöhte. Im Gegenangriff konnte der Mittelstürmer der Gäste kurz vor Schluß den verdienten Ehrentreffer anbringen.
ObelhesffchesKnegs-VerMaufdemSchrenzer
Der deuffche Mensch fft mit seiner Landschaft, mit der deutschen Natur aufs engste, verbunden. Körperliche Ertüchtigung und Naturverbundenheit sind nicht voneinander zu trennen. Die Natur in ihren rnan- niafachen Erscheinungsformen ist das Betätigungsfeld der körperlichen Ertüchttgung. So sind auch Berge zu Turn- und Feierplätzen geworden, zu Wallfahrtsorten der körperlichen und seelischen Wehrhaftigkeit.
So liegen die Bergfeste des NSRL. in der ge- waltiaen Ausrichtung der deutschen Volkwerdung. Die oberhessischen.Bergfeste, das Hoherodskopf-Berg- feft und das Weidig-Bergfest auf dem Schrenzer, haben in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufstieg genommen. Daß das Hoherodskopf-Bergfest in diesem Jahre aus verkehrstechnischen Gründen nicht durchgeführt werden kann, haben wir früherschon mitgeteilt. Es wird mit dem Weidig-Bergfest Zu dem oberhessischen Kriegs-Bergfest 1940 vereinigt und am 18. 21 u g u ft auf dem Schrenzer bei Butzbach veranstaltet. Wie das Hoherodskopf-Bergfest und das Weidig-Berafest ist auch das oberhesslsche Kriegs-Bergfett über den Bereich Hessen hinaus auch offen für ben Nachbarbereich Südweft. Das bedeutet, haß man auch — und zahlreiche Anftagen bestätigen das bereits — aus dem Frankfurter und Maingebiet Besuch in größerer Zahl erwarten darf, 3umal den zahlreichen Freunden des Feldbergs in opfern Jahre ein Mettkampfeinsatz auf dem Tau- nusgipfel nicht möglich ist.
. Auf den „frohen Höhen" des Schrenzers werden sich also in diesem Jahre die Kameraden des NSRL. aus Oberhessen und den Nachbargebieten zu frohem Wettstteite in größerer Zahl vereinen. Die guten Bahnverbindungen nach Butzbach ermöglichen das.
Der Kampf auf der Bergeshöh', die einen weiten und herrlichen Blick ins hessische Land bietet, be- teht aus volkstümlichen Dreikämpfen in den folgenden Alters- und Leistungsklassen: Männer (19 Jahre und älter), Altersklasse 1 30 bis 40 Jahre), Altersklasse 2 (40 bis 50 Jahre), Altersklasse 3 (50 Jahre und älter), Altersklasse 1 (30 bis 40 Jahre), Frauen (über 18 Jahre), BDM.-Klasse A, BDM.« Klasse B.
Eine Besprechung des Bergfest-Ausschusses legte jetzt fest, daß alle Meldungen an NSRL.-Bezirks- sührer Hch. Strauch in Friedberg gehen und daß Meldeschluß am 12. August ist. Butzbach, die alte hessische Turnevstadt, trifft alle Vorbereitungen für bas Bergtreffen an historischer. Stätte, an der vor 125 Jahren F. L. Weiüig, der Zeit- und Gesinnungsgenosse E. M. Arndts und Fr. L. Jahns den ersten hessischen Turnplatz nach dem Vorbild der Hasenheide begründete.
Wilhelm-Will-Staffel beim Kriegsbergfest.
Zum 60. Geburtstag wurde zu Ehren unseres Ehrengauoberturnwarts Wilhelm Will die Wilhelm- Will-Staffel vom alten Gau Hessen der früheren Deutschen Turnerschaft erstmals gelaufen. 1934 kam sie beim Bezirksturnfest des Bezirks Gießen im neuen Gau XII Hessen (jetzt Bereich Hessen) in neuer Form durch die 6 Kreise des hessischen Südbezirks gum Austtag. Seit 1935 das Hoherodskopf-Bergfest, bas 1907 unter Wilhelm Mills Leitung erstmals burchgeführt worben ist, roieber neu belebt würbe, ist diese 10X100-Meter-Staffel ein Höhepunkt in der Wettkampffolge des für den Bereich Hessen offenen Bergtreffens. Nach stillem Uebereinfommen mar zunächst die Staffel ein Bestandteil des Berg- sestes. Der Brauch sand feine rechtskräftige Be- ftatigung dann 1938, als man in Verbindung mit dem Hoherodskopfbergfest W. Witts 60jähriges Tur- nerjubiläum beging, durch eine Urkunde des NSRL.- Bezirksführers Otterbein, der bestimmte, daß die Wilhelm-Will-Staffel offen ist für die hessischen Bezirke 4 (Lauterbach-Rhön), 7 (Marburg), 8 (Gießen) und 11 (Friedberg) und alljährlich auf dem Hoherodskopf durchaeführt wird.
Bisher Hot der NSRL.-Bezirk Gießen ben Wil« Helm-Will-Schild immer erfolgreich verteidigt. Er wird auch in diesem Jahre wieder zum Kampf an- treten. Da das Hoherodskopf-Bergfest in diesem 3aj)re mit dem Weidig-Bergfest zum oberhessischen Kriegs-Bergfest vereinigt wird, wird die Wilhelm- Will-Staffel bei dieser Kriegsveranstaltung am 18. August auf dem Schrenzer bei Butzbach gelaufen werden.
Die schöne Meiusine
Roman Son Hans Richter
22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Tilde erwacht nach einiger Zeit von einem regelmäßig bald stöhnenden und bald gurgelnden Geräusch: Wilhelm Hellwig liegt auf dem Rücken, hat die Hände über dem Bauch gefaltet, den Mund halb geöffnet und schnarcht mit dem ruhigen Gewissen eines Menschen, der nichts zu verbergen hat, vor sich hin. Tilde denkt an alle die kleinen Mittelchen, die Vater und Tante Malwine gegenseitig beieinander angewendet haben, wenn sie im Garten von Steinbergen ihr Nickerchen machten. Man kann kurz und energisch husten. Dann pflegt der Schnarcher zu erschrecken und aufzuhören.
Tilde hustet.
Der schlafende Riese reagiert augenblicklich, verschluckt sich, setzt aber nach kurzer Zeit wieder ein.
Tilde versucht es mit dem Bienchen. Das Biencken ist ein Grashalm, mit dessen Spitze man unter der Nase kitzelt.
„Tschi", sagt Hellwig und dreht den Kopf ab. Er kann aber auch in dieser Lage schnarchen.
Tilde aibt es auf, erhebt sich und geht nach vorn an den Abhang. Von dieser Stelle aus hat man einen weiten Blick über den Endsee. Olsch Brümmer behauptet, einen schöneren Blick gäbe es in der ganzen Gegend nicht, und eines Tages würde er, wenn er nur Zeit dazu hätte, dort eine Bank hinsetzen. Olsch Brümmer hat viel Zeit, aber die Bank wird nie gesetzt werden.
So ist Olsch Brümmer.
Aber der Blick ist schön. Zuerst weitet sich der See, und die Userlinien schwingen in langen, rhythmischen Bögen. Hinten fängt der Wald den Blick und schluckt alles in sich auf, das Mückenfließ, den Lüchower See und das fatale Schloß.
Nein, doch nicht, das Schloß wird heute aufdringlich und gegenwärtig, auch wenn man es nicht sieht. An seiner Stelle sieht man die Bewohner. Denn da ist die Runeninsel, die in der Mittagssonne gar nichts Spukhaftes hat, und vor der Runeninsel liegt behäbig und pritschig die Kommerzienrats
arche und leuchtet weiß und unverschämt in der Sonne. x
Gestern hätte sich Tilde über diesen Anblick noch geärgert. Heute genießt sie ihn mit einem füllen Behagen, und der Wunsch, dort einmal Mäuschen zu spielen, wird übermächtig in ihr.
Der Plan wird sofort in die Tat umgesetzt. Tilde weckt Hellwig und erzählt ihm, der noch gar nicht erfassen kann, was mit ihm geschieht, daß sie jetzt eine Seefahrt unternehmen würden.
Der Kahn, den Olsch Brümmer zur Verfügung stellen kann, sieht bedenklich aus. Aber Wilhelm Hellwig kann nun wenigstens einmal zeigen, daß er seinen Mann steht. Er zieht seinen Rock aus, krempelt die Aermel auf, greift nach den Riemen und legt sich mächüg ins Zeug. Tilde bleibt nur die Bedienung des Steuers und der Schöpfkelle überlassen, denn der alte Kahn zieht ziemlich Wasser.
Nun ist sie ganz die Tilde/ die tagelang auf dem See herumgelegen hat, und nicht mehr jene andere, die in Berlin „Geehrter Herr" schreibt. Sie arbeitet ebenso wie Hellwig, und der kann ihre kräftigen Arme und Beine, die dabei zutage treten, beobachten.
Der Kahn ist nicht leicht, und Tilde hat auch nicht den nächsten Weg eingeschlagen. Im Gegenteil! Sie kriecht fast unter den Uferbäumen entlang und nimmt erst den Kurs auf die Insel, als sie sowohl vom Motorboot wie auch von Gussow aus nicht mehr geschen werden kann. Sie dreht sich auch mehrfach um und stellt mit Befriedigung fest, daß diese Seite der Insel von der fremden Invasion noch unberührt geblieben ist. Als Hellwig verwundert fragt, was sie eigentlich vorhabe, legt sie die Finger auf die Lippen.
„Bißchen Robinson spielen, Herr Hellwig."'
Das Boot gleitet leise wie das Kanu eines Indianers in den Schutz der Zweige und wird an einem überhängenden Baum, der einen natürlichen Landungssteg darstellt, befestigt. Tilde übernimmt die Führung und klettert gleich steil bergan. Hellwig folgt ihr und hat ziemliche Mühe, mit ihr Schritt zu halten.
Tilde hat richtig gerechnet, Filmleute wollen ihre Bequemlichkeit haben. Sie haben sich unten nicht weit von dem bisherigen Lagerplatz niedergelassen und sind eben dabei, sich einzurichten. Bobby führt das große Wort. Die Sprenger sitzt auf einem Baumstamm und sieht zu, der Kameramann baut
auf, und die beiden Darsteller, ein Mann und ein junges Mädchen, sind noch an Bord geblieben und warten darauf, daß alles fertig wird.
Bobby wird zum kleinen Napoleon. „Dörfler hat hier gerade seine Netze nachgesehen, das ist Bild 315 — schlag Bild 315 auf, Agnes! Was hat Dörfler an, wenn er die Hütte vertagt? Wasserstiefel, gut. Also die Wasserstiefel, Dörfler. Wenn er gerade hantiert, kommt Ernesti von links, Bieder- melerkleidchen, weiße Strümpfchen, pendelt das Schutenhütchen am Arm. Haben Sie das Schutenhütchen mit, Frau Ernesti?"
„Ja", ruft die.
„Affo Sie schwenzeln so ein bißchen heran und..."
Tilde und Hellwig liegen keine zwanzig Meter oberhalb im Gebüsch, können alles bedbachten und doch selbst kaum entdeckt werden.
In diesem Augenblick geschieht etwas Unerwartetes: Auf dem Uferweg kommt langsam Heinz Deetjen heran. Er trägt nur kurze Hosen und Ru- ?rhemd, sieht aber — braun, wie er am ganzen Körper ist — diesen Städtern gegenüber wie ein Waldmensch aus. Er geht, als ob ihn das alles nichts anginge, und bleibt dicht vor Bobby stehen.
„Was ist denn das hier für ein Zirkus?"
Bobby ist aufgeregt. „Bitte stören Sie uns nicht, Herr, Sie sehen doch, mir arbeiten."
„Eigentlich haben Sie mich gestört", sagt Heinz ungerührt.
„Wieso denn?"
„Weil ich hier mein Zelt habe."
„Gehört die Insel vielleicht Ihnen?"
„Das gerade nicht, aber Ihnen gehört sie auch nicht." Aber er fft gutmütig und setzt sich ganz in der Nähe von Agnes Sprenger auf den Erdboden, fließt die Knie an und schlingt die Arme' darum. Agnes wäre nicht die Agnes, die sie nun einmal ist, menn sie dem neuen Mann nicht wenigstens etwas Beachtung schenken würde.
Tilde ist ganz nach oo-m gekrochen und beobachtet gespannt.
„Wahl Film?" fragt Deetjen.
Agnes gibt eine langatmige Erklärung und rückt näher. „Haben Sie ein Boot hier?"
„3a, geschwommen bin ich nicht."
„Aber Sie könnten doch Mer von hier an Land schwimmen?"' .sr ..
„Könnt' ich."
Es zeigt sich, daß Menschen von der Bauart Deetjens doch nicht ganz zwecklos sind. Die Darstel- ler müssen nun nämlich in Aktion treten. Für Dorf, ler fft das nicht wetter schwierig. Er hat seine Wasserstiefel an und kann die paar Meter gut und gern durchwaten. Aber mit der schonen Ada Ernesti will das nicht gehen. So steht sie nun auf dem Motorboot und macht ein unglückliches Gesicht.
„Fch trage Sie, Ada", schlägt Dörfler vor.
„Sie lassen mich bestimmt fallen."
Ohne viel Worte fft Heinz aufgeftanöen und steht neben dem Boot. „Auf mich können Sie sich tfier verlassen."
Weil öas die Ernesti auch zu finden scheint, läßt sie sich auf die Arme nehmen und tragen. Sie tonu men beide auch gut und sicher an Land. .
Bobby Verend fft versöhnt und fragt Heinz, ob er sich nützlich machen wolle, ob er die Gegend kenne und so. Als es sich herausstellt, daß Heinz hier Bescheid weiß, faßt er ihn sogar unter und gebt mit ihm auf und ab.
Was die beiden besprechen, kann natürlich Tilde oben nicht hören. Sie sieht Bobby reden ünb feine Worte mit großen Gesten unterstützen, und sieht auch, daß Heinz mehrfach mit dem Kopf nickt.
Auch das Ergebnis der Besprechung bleibt ihr nicht verborgen.
„Das fft Herr Deetjen", stellt Bobby nun ganz anders und viel höflicher vor. „Und er hat gerade t>as, was wir suchen. Einen alten Teerosen. Natürlich sehe ich mir den heute noch an, und wahrscheinlich disponieren wir um, machen die Teerofenaufnahmen nicht im Atelier, sondern hier, und fahren morgen gleich rüber."
Tilde rückt dicht an Hellwigs Seite. „Ich habe eine Bitte", sagt sie leise. „Ich will heute auch einmal nett zu Abend essen. Meinen Sie, daß mir auf Schloß Lüchow noch Platz finden?"
Der begreift nicht, aber er freut sich über Bildens Wunsch. „Natürlich."
„Dann können wir uns jetzt verkrümeln. Fürs erste ist mein Bedarf gedeckt."
Und gleich Indianern auf dem Kriegspfad schleichen sie nach dem Boot zurück.
(Fortsetzung folgt)


