190. Zahrgang Nr. 187
Gietzener Anzeiger
8reltag,y. August MO
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vrühlsche UnioerfitätLdruckerei 8. £owge General-Anzeiger für Oberheffen -ietzen^chulstraher-9
Schnellboote und Luftwaffe vernichten britische Geleitzuge.
88000 BAT. versenkt. — 36 Klugzeuge abgeschoffen. — Rüstungswerke und Abwehrstellungen mit Bomben belegt.
Berlin, 8. Aug. (DJIB.) 3n der Radjt vom 7. zum 8. August griffen unsere Schnellboote einen stark gesicherten feindlichen G e l e i t z u g an. Trotz heftiger Abwehr durch die begleitenden feind- lichen Zerstörer, durch andere Bewachungsfahrzeuge und durch die stark bewaffneten Dampfer selbst wurden ein Tanker von 8000 BRI„ ein Dampfer von 5000 BRT. und ein Dampfer von 4000 BRT. versenkt. Lin kleinerer Tanker wurde i n Brand geschossen. Unsere Schnellboote kehrten unversehrt zurück.
Die Luftwaffe griff heule vormittag einen britischen Geteitzug im Kanal an. Dabei wurden zwölf S ch i f f e mit insgesamt 55 000 BRT. versenkt, sieben weitere beschädigt. Bei den sich hierbei entwickelnden Luftkämpfen wurden fünf britische Jagdflugzeuge abgefchoffen. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt.
Bei weiteren Luftkämpfen des Vormittags wurden 2 9 weitere Jagdflugzeuge abgeschossen. Zwei eigene Flugzeuge gingen hierbei verloren.
Deutsche Flugzeuge legen Minen vor englische Häsen.
Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag.
Berlin, 8. Aug. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Eines unserer Unterseeboote hat drei bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit über 16 000 BRT. versenkt.
Deutsche Flugzeuge legten in der Rächt zum 8.8. vor mehreren englischen Häfen Minen aus und griffen verschiedene Rüstungswerke sowie Flak- und Scheinwerfer st ellungen an. So wurden in Leyland Motorenwerke, bei Ehester die Motorenwerke von Vickers-Armstrong und bei
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Eine Lagekarte von England zum OKW.-Bericht vom Donnerstag. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Peovil Flugzeugwerke, bei Plymouth Industrieanlagen, ferner Flak- und Scheinwerferslellungen bei Manchester, Eardiff, Dorchester und Plymouth mit Bomben belegt.
Der Feind flog in der Rächt zum 8.8. mit einigen Flugzeugen in Rord- und Westdeutschland ein und warf Bomben, ohne wesentlichen Schaden anzu
richten. In einem Essener Vorort sowie bei Datteln wurden Wohnhäuser beschädigt. Die entstandenen Brände konnten durch Einsatz des Luftschutzes schnell gelöscht werden. Eine Scheune brannte nieder. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschoffen.
Italienischer Vormarsch inVriüsch-Somaliland bedroht Verbera
Italienischer Wehrmachtsbericht.
Rom, 8. Aug. (DRB.) Der italienische Wehr- rnachtsberichl vorn Donnerstag hat folgenden Wortlaut:
Eine unserer Kolonnen, die vor drei Tagen die Grenze von Britisch-Somaliland überschritten hatte, ist am Meer angelangt und hat Zeila beseht.
In O st a f r i k a haben unsere Bomberformationen den Flugplatz von W a j i r angegriffen, drei Flugzeuge am Boden zerstört und schweren Schaden und Brände an den Flugplahaulagen verursacht. Ein feindliches Jagdflugzeug wurde im Luftkampf abgeschossen. Feindliche Luftangriffe auf Di re- d a u a und M a f f a u a haben unbedeutenden Schaden angerichlet.
Im östlichen M i t t e l m e e r ist ein von Kriegsschiffen begleiteter feindlicher Geleitzug von fünf Dampfern von unserer Luftwaffe mit Bomben belegt worden. Zwei Dampfer find getroffen und ernsthaft beschädigt worden.
Berbera
oSweina
Einheit zu schaffen. Eine radikale Grenzbereinigung sei zu diesem Zweck unerläßlich. Die bisherige Austeilung sei eines der schwersten Hindernisse für die materielle und moralische Hebung der Eingeborenenbevölkerung dieses großen Raumes gewesen. Jetzt
werde die Eroberung von Zeila und die bevorstehende Besitzergreifung von ganz Englisch-Somaliland die wirkliche Einheit jenes großen Raumes am Golf von Aden verwirklichen und gleichzeitig das wirtschaftliche Leben in dem vergrößerten Jtalienisch- Ostafrika heben. Außerdem aber werde Italien eine glänzende strategische Position am Golf von Aden erhalten, und damit werde eine der wichtigsten Schlüsselstellungen aus dem britischen Imperium herausgebrochen.
„Popolo d'Jtalia" schreibt, ein Blick auf die Karte genüge, um die strategische Bedeutung dieser britischen Kolonie am Golf von Aden zu erfassen, die mit der Insel Perim und dem Flottenstützpunkt von Aden den Durchgang vom Roten Meer zum Indischen Ozean kontrolliere. Die Engländer hätten sich hier nur festgesetzt, um den Welthandel der anderen Völker behindern zu können. Aber Italien werde auch diese Riegelstellung aus den Angeln heben. Der Angriff auf Somaliland werde daher große Bedeutung für Europa und den ganzen Osten, wo Millionen von Arabern und Indern auf ihre Befreiung warteteck, haben.
Aach der Besetzung Zeilas.
Die Bedeutung Somalilands.
Wichtige strategische Position am Golf von Aden.
Rom, 8. Aug. (DRB.) Der Rundfunksender Bagdad meldet aus Aden, daß englische motorisierte Verbände in Britisch-Somaliland von den Italienern schwer geschlagen worden seien. Die in drei großen Kolonnen in je 100 Kilometer Abstand nebeneinander vordringenden italienischen Truppen marschieren konzentrisch auf B e r b e r a , die Hauptstadt und den einzigen größeren Hafen des Landes. Sie haben bereits teilweise die Hälfte der Strecke von der Grenze bis Berbera zurückgelegt. Die nordwestliche Kolonne hat bereits die nächstgrößte Hafenstadt, Zeila, einen nur 25 Kilometer von der Grenze Französisch-Somalilands und 50 Kilometer von Dschibuti entfernten britischen Stützpunkt, erreicht und genommen. Die Küstenstraße von Zeila nach Berbera bildet, vom Meertransport abgesehen, den einzigen Landweg. Pas von der einen italienischen Kolonne eroberte Städtchen h a g e i s a , 50 Kilometer nordöstlich der abessinischen Grenze und nur wenig mehr als 100 Kilometer von Berbera, liegt bereits weit hinter der italienischen Front. Die zweite Kolonne eilt von Oad Wei na die Flußtäler herauf ins Gebirge zur Wasserscheide des 1700 Meter hohen Gahu Nibah, der nach Norden Berbera beherrscht, und die dritte Kolonne marschiert längs der Straße Bobotleh über Garraro ebenfalls auf Berbern zu. In Aden befürchtet man den Fall Ber- beras binnen 48 Stunden.
In Rom stellt man fest, daß mit der Aktion gegen Zeila und der Besetzung dieses wichtigen Hafens das Kapitel der Eingliederung von Britisch- Somaliland "in das italienische Imperium begonnen hat. Diese Aktion bezwecke, die Einheit des künstlich getrennten Somalilandes mit den Waffen herzustellen und damit aus Französisch-, Englisch- und Jtaljenisch-Somaliland eine geschlossene
Der englische Rückzug.
Stockholm, 8. Aug. (Europapreß.) Achtundvierzig Stunden lang haben die englischen Militärbehörden in Kairo oder aber die Londoner Regierung der Weltöffentlichkeit verheimlicht, daß die Städte Zeila, hargeisa und Odweina nicht erst am Mittwoch, sondern bereits am vergangenen Montag, also 24 Stunden nach Beginn der italienischen Offensive, von italienischen Truppen besetzt worden sind. Die Besetzung war damit bereits seit 24 Stunden Tatsache, als in einem englischen Kommunique der Beginn des italienischen Vormarsches gegen diese Stadt gemeldet wurde. In London tröstet man sich über den Verlust Zeilas, indem man erklärt, diese Hafenstadt habe man 1935 während des Abessinien-Konflikts den Italienern angeboten. Diese hätten das Angebot jedoch abgelehnt. Weniger gleichgültig spricht man über den zu erwartenden Fall der Hafenstadt Berbera. Man hegt vielmehr die ernstesten Befürchtungen, die sich aus der strategischen Lage der Stadt ergeben. Man fürchtet vor allem die Sperrung der Bucht von Aden und damit des Seeweges durch das Rote Meer. Damit wäre England gezwungen, nur noch den Weg um das Kap der Guten Hoffnung zu benutzen, um die Verbindung mit Asien und Australien aufrechtzuerhalten.
Die englische Presse warnt die Oeffentlichkeit jetzt schon vor einer optimistischen Beurteilung der Lage im Mittelmeer und im mittleren Osten, sowie vor einer Unterschätzung der italienischen Wehrmacht. „Daily Mail" beispielsweise schreibt: „Tatsächlich ist, seitdem die Franzosen ausgefallen sind, General Wa- vells Aufgabe schwieriger geworden. Wir können annehmen, "daß fa st an jedem Punkt die Italiener an Mannschaften und Fliegern zahlenmäßig nahezu grenzenlos stärker sind." Das
Blatt weist ferner darauf hin, daß die Italiener im Rücken keinen Gegner hätten, so daß sie alle ihre Kräfte an der ägyptischen Grenze konzentrieren könnten. Das Blatt erklärt ferner, daß in den englischen Gewässern des Mittelmeeres die britische Flotte Nachschubverstärkungen für einen machtvollen Vorstoß der Italiener gegen Aegypten und den Suezkanal nicht unbedingt verhindern könne.
In England war stets behauptet worden, m einem Kolonialkrieg werde Italien nicht in der Lage sein, Eingeborenentruppen einzusetzen, weil diese das faschistische Regime haßten und die erste Gelegenheit suchten, um sich auf die englische Seite zu schlagen oder zumindest zu desertieren. Nun gibt der Londoner Rundfunk bekannt, daß die Einnahme der Stadt hargeisa in Britisch-Somaliland auch a u f den Einsatz italienischer Kolonialtruppen zurückzu führen sei, die die Truppen des Mutterlandes wirksam unter« stützt hätten. — Im übrigen bestätigt man in London, daß starke italienische Truppenbewegungen a n der ägyptischen Grenze beobachtet werden.
Eine amtliche italienische Kriegsbilanr
Rom, 8. August. (Europapreß.) Als Antwort auf Erklärungen Duff Coopers veröffentlichen die italienischen Blätter eine amtliche Kriegsbilanz. Danach hat die italienische Luftwaffe in den ersten 58 Kriegstagen bis zum 5. August insgesamt 285 feindliche Flugzeuge abgeschossen, während sich die italienischen V e r l u st e nur auf 45 Flugzeuge belaufen. Der feindlichen Flotte wurden folgende Verluste zugefügt: Ein Kreuzer, sieben Torpedoboote, elf U-Boote versenkt; drei
Zeila.
In dem gewaltigen Landblock, den sich die Italiener durch die Eroberung Abessiniens in Ostafrika geschaffen haben, waren F r a n z^ö s i sch - S 0 m a l i- land mit dem bekannten Hafen Dschibuti und das räumlich weit größere Britisch-Somaliland ein höchst unliebsam empfundener Keil, der an der strategisch wichtigsten Stelle die Küstenlinie zwischen der italienischen Besitzung Erythrea am Roten Meer und dem an den Golf von Aden vorstoßenden Zipfel von Jtalienisch-Somaliland trennte und damit Abessinien von der Küste abschnitt. Britisch-Somaliland, seiner Natur nach zum weitaus größten Teil eine von zwei Bergketten durchzogene Steppe von rund 175 OOO qkm mit etwa 350 000 zumeist nomadisierenden Eingeborenen, hat für das Empire als Gegenküste für die den Eingang zum Roten Meer beherrschende Seefestung Aden ausschließlich strategische Bedeutung. Seit 1885 ist es in englischem Besitz und seit 1898 Kronkolonie. Mit den aus östlichen hamiten, Gala und asiatischen Einwanderern gemischten Eingeborenen, die strenggläubige Mohammedaner und wegen ihrer Kriegstüchtigkeit gefürchtet sind, hat England bis zum Weltkrieg hin häufig kriegerische Konflikte gehabt. Besonders der Aufstand des „tollen Mullah", eines Derwischs, hat den englischen Besatzungstruppen seit 1899 immer wieder schwer zu schaffen gemacht. Noch im März 1914 überfielen aufständische Derwische die Küstenstadt Berbera und erst 1915 gelang ihre Vertreibung.
Die italienische Besitzergreifung Somalis begann 1891 und erweiterte sich durch Grenzverträge mit Abessinien, schließlich auch durch die britische Abtretung von West-Iubaland im Jahre 1925. Das bisherige Jtalienisch-Somaliland umfaßt rd. 700 000 Quadratkilometer mit etwa 1 150 000 Einwohnern, Die wichtiaste Stadt ist M 0 g a d i s c 0 im südlichen Teil des Landes mit etwa 55 000 Einwohnern, während in Britisch-Somaliland der Hafen Berbera mit etwa 20 000 Einwohnern der wichtigste Platz ist. Weiter westlich liegt der jetzt von den Jta- lienern besetzte Küstenort Zeila mit etwa 5000 Einwohnern.
Die britische Presse und der britische Rundfunk waren vorsichtig genug, schon vor der Besetzung Zeilas durch die italienischen Truppen sowohl, diesem Hafen, wie der Stadt Berbera, die auch bereits unmittelbar bedroht ist, jede Bedeutung abzusprechen, wie man auch, um das eigene Volk zu trösten und die Weltöffentlichkeit über die neue empfindliche Niederlage der britischen Waffen in Ostafrika zu täuschen, Somaliland als trostlose Wüste unb eine der wertlosesten Kolonien des Empire hin- gestellt hatte. Es ist nur seltsam, daß, als um Weihnachten 1935 der britische Außenminister Sir Samuel Hoare mit dem damaligen französischen Ministerpräsidenten Laval über eine Kompensation verhandelte, die Italien veranlassen könnte, auf den Krieg mit Abessinien zu verzichten, und dabei Britisch-Somaliland als geeignetes Kompensationsobjekt genannt wurde, in England Presse und Parlament eine so entrüstete Opposition erhoben, daß Sir Samuel Hoare als Außenminister erledigt war.
Auch für Italien hat der Besitz des Somali- landes natürlich vorwiegend strategische Bedeutung. Die Vereinigung der bisher unter den drei Großmächten geteilten Somaliküste in italienischer Hand schafft hier den großen einheitlichen Landblock, den Italien braucht, um seine Interessen in Ostafrika zuverlässig wahren zu können. Gegenwärtig bedeutet die Besitznahme Britisch-Somalilandes eine gefährliche Bedrohung des Zuganges zum Roten Meer, den die britische Schiffahrt braucht, um die schnellste Verbindung zwischen dem Mutterland auf der einen und Indien, Ostasien und Australien auf der anderen Seite zu unterhalten.
Der Sicherung dieser Durchfahrt dient vor allem die schon genannte Festung Aden, die nach dem!
Schlachtschiffe (die „hood" und zwei Schlachtschiffe der ,,Warspite"-Klasse), zwei Flugzeugträger („Ark Royal" und „Eagle"), sowie acht Kreuzer, drei Torpedobootszerstörer und zwei U-Boote schwer bet schädigt. Schließlich wurden ein Dutzend Handels- dampfer und vier Petroleumschiffe versenkt. Die Verluste der italienischen Flotte sind fofc gende: Ein leichter Kreuzer, drei Torpedoboote, sieben U-Boote und ein Minensucher untergegangen.
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Die italienische Presse veröffentlicht ferner die Zahl der Gefallenen im Monat Juli. Danach hatte die Kriegsmarine 130 Gefallene und 69 Vermißte zu verzeichnen. Bei der Luftwaffe waren es 89 Gefallene und 62 Vermißte. Das Heer und die Faschistische Miliz zählten im gleichen Zeitraum 13 Gefallene und 18 ihren Wunden Erlegene.
Lustangriffe veränderten das Gesicht Gibraltars.
Madrid, 9. August. (Europapreß.) Durch dis zahlreichen schweren Luftangriffe, denen Gibraltar besonders in der letzten Zeit ausgesetzt war, hat sich das Gesicht dieser britischen Festung stark verändert. Nach aus Algeciras vorliegenden Berichten ist von dort aus die Wirkung der über dem Felsen von Gibraltar abgeworfenen Fliegerbomben deutlich zu erkennen. Die L a n d st r a ß e nach Gibraltar rft schwer beschädigt, militärische Anlagen, Gärten, die Reitbahn, der Fußballplatz, Benzindepots und Industrie-Anlagen sind dem Erdboden g l e i ch g e m a ch t. Im Umkreis von über einem Kilometer ist alles z e r st ö r t. In Punta Europa sind keine militärischen Gebäude mehr erkennbar. Die gewaltige Mole von Gibraltar fft, wie man in Algeciras feststellte, nuf noch eine Legende. Mehrere Fabriken am Westufer, besonders die Gießereien von Haynes und Bland haben schwere Treffer erhalten und sind zum Teil völlig zerstört. Diele Dillen englischer Pluto- traten sind von der Spitzhacke niedergelegt worden, um an ihrer Stelle Bettungen für Flakgoq schütze zu errichten.


