Klare Sprache.
Kam weist Provokationen der englischen presse zurück.
Rom, 9. März. (Europapreß.) „Daily Sketch" verwies darauf, daß unter allen europäischen Staaten I t a l i e n zur See und in der Luft a m l e ich - testen verwundbar sei. Das Blatt knüpft daran mit mysteriösen Mahnungen die Andeutung der Möglichkeit, „daß sich in den nächsten Tagen eine heikle Lage ergeben tonnte"; Diese provozierende Auslassung, bemerkt hierzu das halbamtliche Blatt „Giornale d'Jtalia", erreiche ihren Zweck keinesfalls. Denn die italienische Nation bewahre ihre Ruhe. Bielleicht wolle der „Daily Sketch" nur die Ungereimtheiten des gegenwärtigen Mittelmeersystems in Erinnerung bringen und damit das oute Recht Italiens bestätigen, im Namen der Freiheit und der Gerechtigkeit dessen Revision zu fordern. Die Streikräfte Italiens seien vollauf bereit. Ihr Geist sei wie jener der ganzen Nation stolz und wagemutig. Die Streitkräfte stützten sich auf Positionen, die nicht nur unverwundbar seien, sondern auch äußerst offensiv werden könnten. — Das Blatt bringt dann die außerordentlich günstige seestrategische Lage Italiens im Mittelmeer in Erinnerung, die England bereits zur Aufgabe jeder Verteidigung des Mittelmeeres bestimmt habe.
„News Dhronicle" hat festgestellt", schreibt „Po- pvlo d'Jtalia", daß England im Kriege sei und deshalb sich nicht mit halben Mitteln be- genügen könne. „Dieses Blatt spricht klar", bemerkt das Organ Mussolinis. „Es bestätigt, ,daß mit allen möglichen Mitteln' verhindert werden solle, daß sich Deutschland Auslandsdevisen beschaffe auch mit Mitteln, die aus dem Rahmen der internationalen Gesetze herausfallen. Auch mir sprechen k l a r", fährt „Popolo d'Jtalia" fort.
„und sagen, daß Italien diese schmutzige Moral der nützlichen und unnützlichen Belästigungen nicht an nimmt. Wir sagen, daß dieses unmoralische Gesetz, das dem anderen die Luft wegnimmt, wenn diese Luft auch dem brutalen englischen Egoismus dienlich ist, verschwinden muß. Und wir sagen schließlich, daß Italien keine bevorzugte Behandlung verlangt hat, noch jemals verlangen wird. Niemand hat im abessinischen Krieg verlangt, daß die Home Fleet nicht schießen solle. Wenn ihre Kanonen geschwiegen haben, so ist dies geschehen, weil es nützlich war für England, daß sie schweigen!
Oer Reichsaußenminister fährt nach Rom.
Berlin, 8. März. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop wird sich am Samstag, 9. März, vormittags, zu einem kurzen Aufenthalt nach Rom begeben.
„Popolo di Roma"' betont, daß „dieser Besuch in der anormalen internationalen Situation e i n völlig normales Ereignis darstelll", um so mehr, als die Abkommen der Achse den Austausch der Ansichten zwischen den leitenden Persönlichkeiten der beiden Nationen vorsehen und vor allem dann, wenn sich bedeutsame Probleme bieten, die beide Telle interessieren. „Messaggero" unterstreicht die Uebereinstimmung der Ideale der beiden befreundeten Nationen sowie die Tatsache, daß der Besuch zu einem Zeitpunkt vor sich gehe, da Italien energisch für seine Rechte eintrete, die eine andere Macht zu beschneiden versuche.
zäher, harter Arbeit, in eiserner Disziplin, in ernster Bereitschaft, und wenn die Stunde es von uns fordert, in Kampf und Tod es ihnen gleichzutun, auf daß Deutschland lebe und das Werk nicht vergehe^ für das sie einst gestritten und gelitten haben.
Ohne Bitterkeit dürfen wir heute des Opfertodes unserer gefallenen Kameraden aus dem Großen Kriege gedenken, mag es auch einst eine Zeit gegeben haben, wo viele, die den Gatten, den Sohn, den Baler, den Bruder verloren hatten, wähnten, daß ihr Opfer umsonst gebracht worden sei. Der Geist des Frontsoldaten, der niemals verzagend, niemals entmutigt, immer das letzte Ziel vor Augen, das deutsche Volk wieder empvrriß und das neue Reich schuf, hat sich niemals überzeugender und erschütternder offenbart als in den letzten Tagen des Krieges, als alles zusammengebrochen zu sein schien. Heber diese Tage, die der Feind von damals, der auch wieder unser Todfeind .von heute ist, überheblich als seinen Sieg bezeichnet, schrieb der Schweizer Hermann Stegemann in seiner „Geschichte des Krieges": „Als die Kanonen schwiegen, war die deuffche Front, rückwärts schreitend, vor der Maas-Linie angekommen, aber nirgends von Panik erfaßt, nirgends gebrochen. Dieses von allen Glücksgöttern verlassene, der obersten Leitung entbehrende, auf sich selbst gestellte Heer focht unter der Führung des auf seinem verlorenen Posten aus- harrenden Feldmarschalls yon Hindenburg bis zum letzten Augenblick in verbundener Front und setzte seinen Rückzug in Staffeln fort,' ohne dem Feind den Rücken zuzuwenden und ohne ihm den Weg in seine Flanken freizugeben. Es bleibt dem deutschen Heere der Ruhm, unter den schwierigsten Umständen, vor sich den Feind, hinter sich die Revolution, von den Bundesgenossen verlassen, aber s i ch selbst getreu und seiner unsterblichen Taten eingedenk, bis zum letzten Augenblick gefochten zu haben, ohne die Grenzen des Vaterlandes zu öffnen. Die Kriegsgeschichte wird ihm, ob Deuffchland auch den Krieg verlor, zu allen Zeiten und vor allen anderen Armeen den Lorbeer reichen."
„Sich selbst getreu", auch in dunklen Stunden, die im Leben des einzelnen wie in der Geschichte eines Volkes nicht ausbleiben, das ist letzte und höchste Bewährung. Aus diesem Gefft kamen die Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung, deren Glaube an ein neues Deutschland der Ehre und Freiheit die Brücke schlug zu einer neuen Zeih in der das Opfer der feldgrauen Kameraden des Weltkrieges ihren Sinn und ihre Rechtfertigung erhielt. Und der Geist, der in jenen dunklen Novembertagen des Schicksalsjahres 1918 das deutsche Heer zusammengehalten und unter schwersten Umständen zu höchsten Leistungen befähigt hatte, dieser Geist war es, der auch in den Jahren der Schmach und Erniedrigung den Gedanken des „Volkes in Waffen" als teuerstes Vermächtnis des stolzen alten Heeres hinüberzuretten gewußt hat in eine Zeit, die sich wieder auf die Werte besann, die einst Deuffchland groß und stark gemacht hatten. Der Führer selbst hatte, als Frontsoldat des Weltkrieges klar durchschaut, was die allgemeine Wehrpflicht, die als nationaler und sozialer Kitt Stände und Stämme zur großen Einheit des feldgrauen Heeres band, für unser Volk bedeutete. Und auch unsere Feinde hatten gemeint, das deuffche Volk nicht harter treffen zu können, als durch das Verbot der allgemeinen Wehrpflicht, die es Deutschland ermöglicht hatte, gegen eine Welt von Feinden AXA Jahre standzuhalten. Aher was die kleine Reichswehr unter den widrigsten Verhältnissen treu bewahrt hatte, wurde nach dem Sieg der nationalsozialistischen Revolution durch die kühne Tat des Führers zum Kern der neuen groß- deuffchen Wehrmacht, die auf den Schlachtfeldern Polens, im Vorfeld des Westwalls, auf und über der Nordfeee ihre erste Bewährungsprobe bestanden hat.
Arn 16. März werden fünf Jahre vergangen fein feit jenem Tage, an dem der Führer durch die Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht wieder anknüpfte <yi die große Tradition der letzten hundert Jahre preußisch-deutscher Geschichte und feinem Volk den starken Schild zurückgab, der den Frieden seiner Arbeit schirmt, aber auch das scharfe Schwert, das dem Feind deutscher Freiheit und deutschen Lebensrechts die Kraft des neuen Deutschlands vor Augen führt. Fronffoldatentum und Nationalfoüalismus haben sich in diesen fünf Jahren verbunden, um aus dem deutschen Volke jene große Wehrgemeinschaft zu machen, in der alle jene Tugenden wieder etwas gelten, die im Zeichen der allgemeinen Wehrpflicht unser Volk groß gemacht haben, Zucht und Ordnung, Verantwortungsfreude und Opferbereiffchaft. Das sind die gleichen
tßolöene WolEc ttbet Kcnatt.
Roman oon kW Bicrnath.
4. Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
,^vas ist leider ein Fehler. Es ist eine Puppe für Erwachsene ..."
„Wer behauptet das?" forschte er angriffslustig.
„Mein Austtaggeber, dem ich sie heute anbot. Er hatte sogar einen Ausdruck aus der Philosophie dafür bereit. Wie nennt man doch sowas? Emen schwarzen Schimmel —?
„Ein Paradoxon?" fragte der Doktor unsicher, da er sich in philosophischen Fachausdrücken nicht sehr auskannte.
„Nein, anders ..
„Na, ist ja auch Wurst!" fiel der Doktor fast heftig ein. „Jedenfalls ist der Mann ein Idiot! Selbstverständlich ist das eine Puppe für Kinder! Kinder haben einen ausgeprägten Sinn für Humor. Und Kinder wollen Dinge besitzen, die ihre Phantasie anregen. Diese Puvpe erzählt ihnen die wunderbarste Räubergefchicyte, die man sich denken kann." Es fehlt nut noch die Frage: Sagen Sie mir um Gottes willen rasch nur noch, wie der Mann heißt, der Sie abgewiesen hat, damit ich ihn verprügeln kann!"
„Gefällt sie Ihnen wirklich?" fragte sie scheu.
„Soll ich Ihnen mein Ehrenwort geben?" fragte er. „Also, ick schwöre Ihnen: Wenn ich noch mit Puppen spielte und unter hundert zu wählen hätte, würde ich mir den edlen Kasimir heraussuchen!" Aus seinem hellen Gesicht sttahlte eine lodernde Überzeugungskraft.
Sie sah mit einer gewissen Beharrlichkeit an ihm vorbei. „Sie werden doch häufig Kinder zu behandeln haben, Herr Doktor?" meinte sie schüchtern.
Herrgott im Himmel, flehte er inbrünstig, zaubere mir einen Zehnmarkschein ins Portemonnaie! „Gewiß, natürlich!" Er nickte übereifrig, wie früher in den stummen Filmen Herren nickten, wenn sie ein Ja besonders deutlich herauszubringen hatten.
„Und Kinder sind immer so ein bißchen unruhig — und nicht gerade die einfachsten Pattenten ...
„Leider, leider...*
alten Soldatentugenden, die unsere Wehrmacht, auf die unser Volk an dem heutigen Tage der Erinnerung und des Dankes mit besonderem Stolz blickt, einsetzen wird, wenn die kommenden Wochen und Monate von ihr das Letzte verlangen werden. Und sie darf überzeugt sein, daß in diesem durch den ruchlosen Dermchtungswillen unserer Feinde uns aufgMoungenen Kampf um unsere Freiheit und die Sicherung unseres Lebensrechtes ein Volk hinter ihr steht, das das Erbe des Frontsoldaten im Herzen trägt und weiß, daß nach einem Wort Paul de Lagardes die Kraft der Natton in der Zucht und der Opferfähigkeit liegt. „Wenn der Mensch für nichts mehr wird sterben dürfen", so sagte Rudolf Binding, auch ein Kamerad des Großen Krieges, „dann wird alle menschliche Größe von ihm genommen fein." In diesem Geist geht unsere Wehrmacht in den Kampf, helfen Opfer ein Volk finden werden, das ihrer würdig fft.
Dr. Fr. W. Lange.
England sucht ausländische Tonnage um jeden Preis.
Kopenhagen, 9. März. (Europapreß> Die Zunahme der Schiffsverluste hat die englische Regierung veranlaßt, sich in verstärktem Maße um den Ankauf ausländischer Schisse zu bemühen. Die Tatsache, daß London für ausländische Schisse fast jeden Preis zu zahlen gewillt ist, wird in skandinavischen Kreisen als Zeichen dafür angesehen, daß man in England größere Tonnagesorgen hat, als man zugeben mochte. Stellemveffe liegen die von England gezahlten Preise um 400 Prozent über dem Friedenssatz. Ein 63 Jahre altes estnisches Schiff mit 2400 Brt. wurde zum Beispiel mit 21000 Pfund bezahlt, ein im Jahre 1913 gebauter finnischer Frachtdampfer mit 80 000 Pfund Sterling, obwohl der englischen Regierung bekannt war, daß dieses Schiff neu nur 21 750 Pfund Sterling gekostet hat. Ein neutraler Staat kaufte im März vergangenen Jahres ein 8500 Brt. großes Schiff für 16 000 Pfund Sterling; London zahlte später 55 000 Pfund für den gleichen Dampfer.
Amerika will dem Kriege fernbleiben.
Neuyork, 9.März. (Europapreß.) Die amerikanischen Zeitungen veröffentlichen Erklärungen, die der Botschafter der USA. in London, Kennedy, bei seiner Rückkehr auf seinen Posten gemacht hat.
„Aber, wenn man sie ein wenig ab lenken kann —?"
Der Doktor rechnete fieberhaft: Sieben Mark fünfzig, acht Mark dreißig — neun Mark und ein paar Pfennige darüber ... Es war nichts zu machen und blieb dabei. ,Ablenkung ist die Hauptsache!" äußerte er laut.
„D.arf ich Ihnen diese Puppe schenken?"
Der kühne Räuber Kasimir blinzelte den Doktor an. Ich bin ans freie Leben gewöhnt, schien er zu sagen, und, weiß der Teufel, hier riecht es verflucht nach Krankenhaus!
„Auf keinen Fall!" widersprach der Doktor störrisch. „Das kommt gar nicht in Frage! Nein, nein, nein! Ich habe doch gar keine Möglichkeit, mich für dieses Geschenk--"
„Bitte, Herr Doktor, nehmen Sie ihn! Ich wäre ja nie auf den Gedanken gekommen, Ihnen solch einen lächerlichen kleinen Burschen anzubieten ... Aber Ähre Freude ..."
Der Doktor verdrehte geradezu kunstvoll den Hals. „Also dann —?" brachte er schließlich heraus und streckte zögernd eine Hand vor. „Ich danke Ihnen, Fräulein Naumann! Wie gesagt: Ich danke Ihnen!"
Er spürte einen kurzen, festen Druck in seiner Hand und hörte einen raschen Abschiedsgruß ...
Und dann stand er allein im Wartezimmer, breitbeinig, nomübergeneigt und mit leicht geöffnetem Mund, als ob er jemand zurückrufen wolle.
Und nach einer Weile ging er langsam in fein überhelles Sprechzimmer zurück. „Also, Kasimir", sagte er zu dem kleinen Mann in seiner Hand, „die Sache wird jetzt etwas leichter und nicht ganz so langweilig sein, wenn wir beide auf Patienten warten."
Die Kanzlei der Anwälte Waffon, Watson & Dones lag zwischen Maysair und Soho in einem jener steifen Hauser aus der frühviktvrianischen Zeit, an denen sogar die Karyatiden bis zum Halse hinauf geschlossene Gewänder trugen und auch unter den Gewändern nichts von jenem üppigen Formenreichtum durchschimmern ließen, durch den sich diese steinernen Jungfrauen sonst auszuzeichnen pflegten. Es war ein Haus, dessen Lust so von Rechtlichkeit und strengen Grundsätzen gesättigt war, daß Allan Parker oftmals befürchtete: Roch ein Teelöffel Ehr-
Kennedy betonte, die Bereinigten Staaten wünschten mehr denn je dem Konflikt sernzublei- den. Niemand habe die amerikanische Oeffentlich- kett davon Merz engen könnten, daß Amerika den geringsten Vorteil von einer Teilnahme am Kriege hätte. Die Amerikaner wollten keinen Krieg führen. Dieser Wunsch nach Isolierung habe durch die Be- fchla-gnahme der amerikanischen Post und das^ Anhalten amerikanischer Schifft durch die Engländer zugenommen. Engländer, die glaubten, Amerika werde mitmachen, wenn es den Alliierten schlecht gehe, begingen einen großen Irrtum. Es habe keinen Sinn, wenn man sich in England darüber aufrege, dadurch würde nichts besser. Die täglich widersprechenden Krtegsbericyte machten das ame- rikattische PMlikum konfus und verstärkten nur die isolationistische Tendenz.
Eine Frankfurter Arbeitstagung der Partei.
NSG. Auf einer Arbeitstagung der G a u a m t fr- leiter und Kreisleiter in Frankfurt ent- wickette der Gauleiter an Hand der Erfahrungen der vergangenen Monate und neuer Aufgabenstellungen den weiteren Einsatz der volksführenden Arbeit der Partei. Er hob die opferfreudige und siegeszuversichtliche Hattung der Bevölkerung unseres Gaues besonders hervor und kennzeichnete sie als den wertvollsten Erfolg des bisher Geleisteten. Referate über die wirtschaftliche und ernährungswirtschöstliche Situation gaben zu- sammensassende Ueberblicke, die die starke unüberwindliche Stellung des Reiches auch in dieser Hinsicht feststellten.
Milcherzeugungsschlacht.
In Berlin fand unter dem Vorsitz von Reichs- Minister Reichsbauernführer D a r r 6 eine Tagung der Landes, und Provinzial-Ernäh- rungsämter statt, an der als Leiter dieser Aemter sämtliche Landesbauernführer teilnahmen. Die Tagung diente der Sicherung der Frühjahrs- bestellung und der Mobilisierung der in der deutschen Milchwirtschaft noch vorhandenen Pro- duktionsreserven. Die Landwirtschaft wird im Kampf geehrt die Fettblockade zur Milcherzeugungsschlacht aufgerufen. Zu ihrer Durchführung ordnete der Reichsbauernführer die Bildung von Milchleistungs-Ausschüssen und -men allgemeinen Milchleistungswettbewerb der Landwirtschaft an.
barkeit mehr, und die Atmosphäre würde zu einem gräßlichen Brei von erstickender Zähigkeit erstarren ...
Die Brüder Waffon, zwei knochige, asketische Herren von galliger Gemütsart, und ihr Tetthaber Bones, der so aussah, als ob er der dritte Bruder wäre, genossen als Anwälte einen Ruf, der nur noch von der Höhe chrer Einkommensteuer übertroffen wurde. Ihre männlichen Angestellten zeichneten sich mit zwei Ausnahmen dadurch aus, daß sie, je länger im betriebe, ihren Chefs in der Lauterkeit des Charakters und leider auch in den äußeren Körpermerkmalen immer ähnlicher wurden. Die weiblichen Hilfskräfte hielten, ob nun lange ober kurz im Betriebe, in allen Büros der Vereinigten Königreiche und des Kaiserreiches Indien den Rekord des höchsten Durchschnittsalters.
Die beiden Ausnahmen waren einmal der zett- wettig mit Erstickungsanfällen kämpfende Allan Parker, der vor wenigen Wochen feinen dreißigsten Geburtstag gefeiert hatte, und dessen.heitere Wesensart in diesem Hause wie eine Herausforderung wirkte, und zweitens Spike, von dem niemand wußte, ob das fein Vorname oder fein Nachname war.
Dieser Spike war ein rothaariger Knabe von etwa fünfzehn Jahren, dem die Natur neben pfenniggroßen Sommersprossen auch noch ein Paar fledermausartiger, säst durchsichtiger Ohrmuscheln geschenkt hatte und der es wahrscheinlich aus Naschsucht vorzog, Briefmarken zu belecken, anstatt sie in dem für diesen Zweck bereitstehenden Schwamm- fchälchen anzuftuchten.
Allan Parker, der nie davon sprach, mußte es um so häufiger hören, daß er seine — übrigens nicht übermäßig hoch bezahlte — Stellung als Privatsekretär der drei Anwälte nur dem Andenken an die arme, irregeleitete Mary verdankte, seine gute Mutter, die in seinen Augen makellos gewesen war und ohne Fehler — bis auf einen einzigen: daß nämlich die Herren Jeremias Waffon und Nathanael Waffon ihre Brüder gewesen waren. Die Brüder Watson ihrerseits gestanden und billigten ihrer Schwester alle weiblichen Tugenden zu — bis auf eine: daß sie nämlich den Vater Allans, Herrn William Parker, vor nunmehr fünfimddreißig Jahren aeheiratet hatte.
Als William Parker feine Mary heimführte»
Großer Erfolg der Leipziger Frühjahrsmesse.
Leipzig, 8. März. (DNB.) Die Leipziger Frühjahrsmesse hat die Erwartungen der Aussteller weit übertroffen. Die durch den Krieg bedingten Produktionsumlagerungen machten sich in einer starken Kauflust der in- und ausländischen Einkäufer bemerkbar. Insbesondere wurde nach Ausweichmöglichkeiten von einer Mangelware auf eine andere greifbare Ware gesucht. Daß gerabe die erste deutsche Kriegsmesse mit ihrem einzig da- stehenden Angebot aller in Frage kommenden Firmen hier vorbildliche Arbeit geleistet hat, wurde allgemein anerkannt.
Kleine politische Nachrichten.
Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, und Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Molotow, feiert heute feinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlaß hat der deutsche
Zer Optiker am Sahnhof |
Botschafter in Moskau, Graf von der Schu - l e n b u r g, Herrn Molotow die Glückwünsche der Reichsregierung zum Ausdruck gebracht. Der Reichsminister des Auswärtigen, von Rio- b e n t r o p, hat an Herrn Molotow ein Glückwunschtelegramm gerichtet.
In Berlin traf eine Kommission des Außenhandelskommissariates der UdSSR, ein. Sie steht, wie die des Vorjahres, unter der Führung des Volks- kommissars I. F. T e w o s s j a n. Der Besuch dient dem Zwecke, mit deutschen Firmen über die Lieferungen zu verhandeln, die in dem deutsch-sowjetischen Wirtschaftsabkommen vorgesehen sind.
In England wurden aus Mangel an Futtermitteln 21 Millionen Federvieh abgeschlachtet, nachdem alle Bemühungen, genügend Futter herbeizuschaffen, fehlgeschlagen waren. Dieser sich aus der stetig abnehmenden Zufuhr nach England erklärende Eingriff wird sich bald in der englischen Ernährungs- läge bemerkbar machen.
Die japanischen Truppen haben die Stadt Tschungschan am Westufer der Kwangtung- Bucht, die Geburtsstadt Sun Hat Sens, besetzt. Damit ist die Stadt zum zweiten Male in japanische Hände gefallen.
Aus aller Wett.
Schweres Vergwerksunglück in Chile.
In der Kohlengrübe von San Pedro-Coronel erfolgte eine außerordentlich heftige Explosion; ein ausgedehnter Brand erfaßte dte gesamte (3rube. 500 Bergleute befanden sich in den Schächten. Etwa hundert konnten sich retten-. 93 wurden verletzt, die restlichen erstickten. Ms Donnerstagmitternacht wurden 284 Leichen geborgen.
Wieder Winter in Rumänien.
lieber Nacht ist es in Rumänien wieder Winter geworden. Seit mehr als 24 Stunden wütet ein heftiger Schneesturm. In der Bukowina, in Bessarabien und der Moldau sind die meisten Eisenbahnstrecken verschneit. In Siebenbürgen, in der Gegend von Bistritz ist das Thermometer auf achtzehn Grad unter Null gesunken. — lieber dem westlichen Schwarzen Meer wütet ein starkes Unwetter; die Schiffe haben die schützenden Häfen ausgesucht, so daß der Schiffsverkehr vollkommen ruht. In der Gegend von Turn-Severin ist die Donau immer noch mit einer vier Meter dicken Eisschicht bedeckt.
glaubte er sich zu der Gründung eines Hausstandes durch die Erfindung einer Patentgeldbörse be, red>tigt Wenige Tage nach der Hochzett schickte ihm das Patentamt seinen Entwurf, auf den er so viele Hoffnungen gesetzt hatte, als längst vorhanden wieder zurück. Bei Allans Geburt nach fünfjähriger Ehe hatte es fein Vater zwar schon seit langem auf gegeben, sein Glück als Erfinder zu versuchen. Dafür pfändeten die Gerichtsvollzieher am Tage des freudigen Ereignisses die Möbel, weil William Parker, von den Möglichkeiten eines neuen Traums geblendet, als Spielleiter, Dramaturg, Drehbuchverfasser, Operateur, Besitzer und Vorführer eines der ersten Londoner Bioskope in Konkurs geraten war. Ein späterer Versuch, Brieftauben zu züchten, endete nicht erfolgreicher als das Vorhaben, in Nordschottland eine Pelztierfarm aufzubauen. Aber als William Parker und seine tapfere Frau Mary während des Krieges in der gleichen Nacht in die Ewigkeit abberufen wurden, da rafften nicht etwa Mutlosigkeit und Verzweiflung sie hinweg, sondern es war eine Grippeepidemie nötig, um ihre Herzen, die voller Zärtlichkeit füreinander und in ungebrochener Heiterkeit und Zukunftshoffnung schlugen, zum Stillstand zu bringen.
Damals stand Allan im Aller seines augenblicklichen Freundes und Kollegen Spike. Er hatte bis du. diesem Zeitpunkt nicht die Ehre gehabt, dem mütterlichen Zweig seiner Verwandtschaft vorgestellt zu werden; und vom väterlichen hatte sein eigener Vater eingestanden, daß es sich nicht verlohne ... Als wenige Tage nach der Beerdigung seiner Eltern zwei Herren unter stumpfen Stichelhaarzylindern imfc in schwarzen Zwirnhandschuhen zu ihm kamen, war Allan in völliger Verkennung ihrer Absichten unklug genug, den beiden zu erklären, daß die Leichenbestattung bereits von einem Konkurrenzunternehmen durchgeführt worden sei.
Die Herren Jeremias und Nathanael Waffon hat- ten sich die vorlaute Frucht der Ehe chrer Schwe- ster mit dem „Scharlatan" und die nicht gerade fürstlich aufrgeftattete Wohnung in eisigem Schweigen angesehen, sich daraus Allan als feine Onkel vorgestellt und ihm besohlen, den Hausverwalter zu rufen. Von diesem erfuhren sie, daß das Ehe- paar Parker dem Patron noch die Mete für das letzte halbe Jahr schulde.
(Fortsetzung folgt)


