rung in weitgreifendem Ausmaße gelungen. Die deutschen Operationen haben der neutralen Schifffahrt gezeigt, daß die britische Seemacht nicht in der Lage ist, die Handelswege nach England zu sichern.
Dabei haben die deutschen Seestreitkräfte im Gegensatz zu den bekannten englischen Methoden es stets vermieden, die neutrale Schiffahrt unnötigen Schikanen auszusetzen. Schiffe, bei denen kein Zweifel über den Charakter und die Bestimmung der Ladung bestand, wurden bereits auf hoher See freigelassen. Man weiß, daß die Engländer sich gar nicht die Mühe machen, die Ladung eines neutralen Schiffes auf hoher See auf Konterbande hin zu untersuchen, sondern jedes neutrale Schiff, das sie antreffen, ohne weiteres und durchaus im Widerspruch zu den Grundsätzen des Völkerrechts in ihre berüchtigten Kontrollhäfen schleppen, wo es wochen- und monatelang festgehalten wird. Auch die wegen Verdachts der Konterbande von den deutschen Seestreitkräften in deutsche Häfen eingebrachten Schiffe werden ohne jeden Zeitverlust untersucht. Die öffentlichen Sitzungen des deutschen Prisenhofes haben aller Welt bewiesen, daß vor ihm auch der neutrale Reeder vollauf sein Recht bekommt. Das wird auch von unvoreingenommenen Neutralen durchaus anerkannt. Zahlreiche Dankschreiben neutraler Firmier beweisen das. So haben erst kürzlich wieder drei ausländische Firmen als Dank für die faire Behandlung eines Prisenfalles dem Winterhilfswerk 1500 RM. in Devisen übersandt, wohl der beste Beweis, daß das deutsche Prisenverfahren in neutralen Kreisen volle Anerkennung gefunden hat.
Immerhin ist die Verwirrungstaktik der englischen Meinungsmacher in anderen neutralen Kreisen nicht ohne Einfluß geblieben, wie man aus einigen lamentierenden Betrachtungen in der skandinavischen Presse ersehen kann. Das von London ausgegebene Stichwort „Deutsche Barbarei gegen friedliche neutrale Handels- dampfer" hat hier tatsächlich ein Echo gefunden, wobei man sich nur über die Kurzsichtigkeit wundern muß, mit der gewisse „kleine neutrale" Soldschreiber dem Schwall der britischen Greuel- meldungen begegnen. Bei näherem Zusehen ergibt sich nämlich auch in diesem Falle ein völliges Durcheinander und Gegeneinander der in England publizierten Meldungen über neutrale Schiffsver- luste. Einerseits haben die Briten großes Interesse daran, die neutralen Schiffsverluste durch deutsche Einwirkung als möglichst umfangreich er« scheinen zu lassen, um dahinter die britischen Der- Huste zu verstecken und gleichzeitig dem bösen Feind vorzuwerfen, er führe seinen Krieg lieber gegen die kleinen schwachen Neutralen, als gegen das starke England. Andererseits muß chnen daran liegen, die neutralen Schiffsverluste als möglichst gering auszugeben, denn es macht sich natürlich nicht gut, wenn es heißt, daß unter Kriegsschiffsbedeckung fahrende Geleitzüge den neutralen Schiffen keinen Schutz bieten, und daß die Be- Nutzung der Seewege an der englischen Todesküste mit höchster Gefahr verbunden ist. Aus dieser Gegensätzlichkeit der propagandistischen Absichten entsteht dann jener Nachrichten-Kuddelmuddel im englischen Rundfunk, der schon so oft unsere stille Heiterkeit erregt hat. Wenn einige sogenannte neutrale Zeitungen stattdessen einen sentimentalen Weinkrampf vorziehen und sich über die deutsche Seekriegführung beklagen, wenn gewisse neutrale Reedereien aus der gegebenen Sachlage nicht die Konsequenzen ziehen, sondern ihre Schiffe und Mannschaften auch weiterhin die riskanten Todesfahrten nach England antreten lassen, so scheint uns hierfür allerdings wertiger der britische Meldungswirrwarr als vielmehr die Aussicht auf einen anormalen Geldverdienst maßgebend zu sein. Gewiß, wir können den Kriegsgewinnlern in Neu- tralien ihre Geschäfte nicht verbieten und wollen es auch nicht, aber dann sollen diese Leute, die aus dem nassen Tod ihre Prozente ziehen, auch nicht so unverschämt sein und uns empörte Dorwürfe machen. Denn es ist ja nicht Deutschland gewesen, das den unmenschlichen und völkerrechtswidrigen Blockadekrieg begonnen hat, sondern England, dasselbe England, das nun unter dem Druck der deutschen Gegenwehr die Neutralen mit ver- lodenben Gewinn - Angeboten veranlassen möchte, ihr Leben und ihre Schiffahrt für Albion zu riskieren.
Größte Entrüstung unter den Iren Amerikas.
Neuyor k, 8. Febr. (DNB.) Die Erregung unter den Amerikanern irischer Abstammung über die Vollstreckung des Bluturteils an den irischen Freiheitskämpfern hält unvermindert an. Der Neuyorker Ärenbund veranstaltet am Montag eine Massenversammlung als Auftakt für einen finanziellen Werbefeldzug zugunsten der irischen Republikanischen Armee. Der soeben in Neuyork eingetroffene irische Dichter und Schriftsteller Liam o f L a h e r t y verurteilte in scharfen Worten die Hinrichtung. Eine kluge, in einen Existenzkampf verwickelte Regierung sollte sich hüten, sich einen neuen Gegner zu schaffen. Laherty glaubt, daß das nord- irische Problem innerhalb Jahresfrist gelöst werde. In einer Zuschrift an die New York Times kündigt James Brislane an, daß der Feldzug der IRA so lanqe fortgesetzt werde, bis keine englischen Truppen mehr auf irischem Boden ständen und die dauernde englische Einmischung in irische Angelegenheiten aufhöre. Die Vereinigten irischen Gesellschaften Neuyorks nehmen am Montag an einer kirchlichen Feier für die beiden Hingerichteten Freiheitskämpfer teil.
Das mit Trauerrand erschienene Hauptorgan der Amerikaner irischer Abstammung, rish Echo", ist eine leidenschaftliche Anklage gegen die „britischen Mörder", die für ihr neuestes Verbrechen teuer zu zahlen haben würden. England behauptet auch heute wieder für die Demokratie zu kämpfen, entyalte aber diese Demokratie dem Jrenoolk vor. Gott habe ein Irland geschaffen, aber die Engländer hätten Irland mit Drohungen und Menschenleid auseinandergerissen. Die neuesten Mord- opfer Englands hätten wie George Washington an Freiheit und Unabhängigkeit geglaubt und seien als Märtyrer einer ruhmreichen Sache in den Tod gegangen. Die republikanische Armee befinde sich m i t England im Kriege, deshalb stelle die Hinrichtung zweier Mitglieder eine Verletzung des Völkerrechtes dar, worauf England allerdings nie etwas gegeben habe. Die sogenannten Hinrich
tungen seien nichts anderes als kaltblütiger Mord und England werde dafür zur Verantwortung gezogen werden.
Sabotageakte in England.
Großer Flugzeugschuppen zerstört.
Gens, 9. Febr. (Europapreß.) Laut französischen Blättern bildet ein neuer großer Sabotageakt in England den Gegenstand fieberhafter Nachforschungen der Polizei. Ein Großfeuer, über dessen Ursache man vorläufig noch im Dunkeln tappt, hat nämlich auf dem Flugplatz von Rom- f o r d, östlich von London, einen großen Flugzeugschuppen zerstört. Acht große Flugzeuge und fünf wertvolle Flugzeugmotoren fielen den Flammen zum Opfer. Das Feuer, dessen Widerschein man bis weit in die östlichen Teile Londons hinein sehen konnte, rief eine panikartige Stimmung hervor. Untersuchungen sind im Gange. Bisher hat man aber noch keine Spur gefunden. Man befürchtet, vor einem neuen Akt politischer S a - b o t a g e zu stehen. Die erste Folge des Brandes war eine Verstärkung der Wachen des um London gelegten Ringes von Militär- und Zivilflugplätzen.
Im Zusammenhang mit diesem Großbrand wird von einem weiteren großen Brand berichtet, der am Donnerstagmorgen in einem östlichen Vorort Londons ausbrach. Auch hier sucht die Polizei noch vergeblich nach Spuren. Wenn auch der Materialschaden in diesem Falle nicht so groß war, so war der Brand insofern zu bedauern, als drei Kinder den Flammen zum Opfer fielen. Die beiden Brände in Groß-London haben zusammen mit der Hinrichtung der beiden Iren zu einer großen Anzahl von Vorsichtsmaßnahmen geführt. In der City wie in den Vororten werden alle öffentlichen Gebäude, die großen Bahnhöfe, Elektrizitätswerke und Themsebrücken scharf bewacht.
Englische Kirchenfürsten hetzen gegen Deutschland.
Amsterdam, 8. Febr. (Europapreß.) Chamberlain hat auf der Suche nach neuen Reklamemöglichkeiten und Hilfstruppen die Kirchenfürsten der englischen Kirchen als willfährige Werkzeuge auf Werbereisen geschickt, und zwar zunächst nach Skandinavien, wo diese streitbaren Kirchenapostel der englischen Kirchen eine Zusammenkunft mit ihren skandinavischen Kollegen haften. Auf dieser Konferenz hat sich besonders wieder der bereits sattsam bekannte Erzbischof von Port hervorgetan, der sich zusammen mit dem Erzbischof von Chichester, dort zum Wortführer der „guten englischen Sache" aufmarf. Er vertrat dabei auch in Skandinavien die längst bekannte englische Pharisäerthese, daß die Engländer als Christen nichts gegen die Deutschen hätten. Wenn der Krieg im allgemeinen eine Sünde sei, so mache der jetzige aber doch eine Ausnahme; denn es sei für England und Frankreich ein moralischer Krieg, weil sie „verpflichtet" gewesen seien, den Polen zu Hilfe zu kommen. Wie diese Hilfe für Polen aussah und daß Polen gut daran getan hätte, sich nicht auf die Engländer zu verlassen, sondern der Stimme der Vernunft zu folgen, vergißt der Herr Erzbischof wohlweislich. Schließlich brach er auch auf dieser Tagung wieder eine Lanze für die englischen imperialistischen Kriegsziele, deren Verwirklichung er als eine Conditio sine qua non für England bezeichnete. Es ist bezeichnend, daß die skandinavischen Bischöfe sich einer Stellungnahme zu den Ausführungen ihrer englischen Kollegen enthalten haben.
England sabotiert die Qaäkeraktion für die polnische Bevölkerung.
Krakau, 8. Februar. (DNB.) Die von der amerikanischen Quäkerorganisation und dem amerikanischen Roten Kreuz eingeleitete
Aktion zu Gunsten der unter den Folgen des von England herausbeschworenen Krieges notleidenden polnischen Bevölkerung ist vorerst insofern unmöglich geworden, als die für die polnische Bevölkerung bestimmten Schiffstransporte der amerikanischen Quäkerorganisation und des amerikanischen Roten Kreuzes mit Lebensmitteln und Bekleidung von den Engländern in Gibraltar angehalten worden sind. Alle Bemühungen der Quäker, die Freigabe zu erzwingen, sind bisher vergeblich gewesen. Das polnische Blatt „Goniec Krakowskistellt unter der bezeichnenden Ueberschrist, „So dankt uns England" fest, daß diese Nachricht bei allen Polen die größte Erbitterung Hervorrufen wird. Das also sei die Krönung jener egoistischen und zynischen englischen PoMk, deren Opfer das polnische Volk geworden sei.
Enttäuschte Hoffnungen.
Schon seit Wochen ist die Neuyorker Börse recht schwach gestimmt und die letzten Berichte lassen ein weiteres Abgleiten der Kurse als wahrscheinlich erwarten. Die Eisen- und Stahlproduktion, die noch immer ein Rückgrat der gesamt- amerikanischen Wirtschaft ist, meldet rückgängige Auftragsbestände. Unmittelbar nach Ausbruch des englischen Krieges hatten sich die Verbraucher sehr reichlich eingedeckt und es bestand deshalb in der amerikanischen Stahlindustrie eine Auftragsfülle, wie seit langen Jahren nicht mehr. Obwohl nun die Bundesregierung riesige Bestellungen für Heer und Flotte vergibt, so sacken doch die Aufträge allmählich zusammen.
Und dabei sind wir schon an einen wunden Punkt der amerikanischen Wirtschaft angelangt. Die smarten Pankees haben nach dem Kriege, einmal etwa zwischen 1921 und 1925 und dann zwischen 1929 und 1933, zum ersten Male ganz tiefe Wirtschaftskrisen erlebt, die ihnen an die Knochen gegangen sind. Sie waren bisher nur gewöhnt, in
Zrenmord.
In Birmingham sind die beiden Ären Peter Barnes und James R i g a r d s hingenchtet wor- den. Sie sollen Bombenanschläge verübt haben und Mitglieder der Ira, der irischen Organisation, die für die Frei^it ganz Irlands kämpft, gewesen sein. Ihre Schuld wurde mit zureichenden Gründen be- stritten. Der in Irland (Eire) lebende Führer die. ler Organisation hat an den Präsidenten seines Landes Eamon de Valero, appelliert, er möge an die englische Regierung einen Appell richten, die Todesstrafe um einige Tage zu verschieben, da die beiden Ären nachweislich unschuldig seien. Tom Barry, ein bekannter irischer Führer, der nicht der Ira anaehärt, hat das Gleiche gefordert, zahlreiche irische Städte haben die Forderung unterstützt. Der Präsident von Eire hat Vorstellungen in London erhoben. Er hat, wie alle Ären, darauf hingewiesen, das Verfahren gegen die beiden Iren sei ungesetzlich, denn die Indizien, auf die sich das Urteil stützte, seien nicht auf die beiden Verurteilten zu- tt ess end. Die beiden Iren hätten die Schuld an der Explosion in Coventry bis zuletzt geleugnet und England lause Gefahr, einen Äustizmord zu begehen. Es hat alles nichts genützt, Eng- land hat den Mord begangen, ohne das Verfahren noch einmal in aller Oeffentlichkeit aufzurollen und den irischen Führern Gelegenheit zu geben, ihre These von der Unschuld der beiden Gemordeten zu beweisen.
„Der beste Ire ist der tote Ire", rief bei der Un- techausdebatte im Jahre 1842 ein ehrenwertes Mit. glieö des englischen Parlaments aus, als die furchtbare irische Hungersnot und ihre Folgen zur Sprache kamen. Mit brutaler Gewalt und kaltschnäuziger egoistischer Grausamkeit hat England ein Exempel statuieren wollen und hat da. mit ganz Irland in das Lager der Ira getrieben, die die Kämpfer für Irlands Freiheit sind. Was die Ären am Ostermontag 1916 au dem damals vergeblichen Kampf in Dublin trieb, hatte der Führer Äefes Freiheitskampfes, Patrik P e a r c e , dahin formuliert: „Wir erklären, daß das Recht des irischen Volkes auf den Besitz von Irland und die unbeschränkte Gewalt über irische Geschicke souverän und unantastbar ist". Dieser Kampf ist, seit 1150 mit der Ausrottungspvkitik eines ganzen Volkes durch die Briten begonnen worden, um- so lebhafter entbrannt, und die Ära, die der britischen Gewalt mit Gewalt entgegentritt, wird die Unerstützung der Iren der ganzen Welt finden.
den Vereinigten Staaten das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sehen, wo es eigentlich keine Krisen, sondern nur Geschäftsabschwächungen gab. Jetzt lernten sie die Vollgewalt einer Wirtschafts, krise mit allen sozialen Folgen kennen. Und seither haben sie eine gründliche Abneigung gegen langfristige „Investitionen" großen Stiles, d. h. sie wollen ihr Geld nicht „verbauen" ohne die unbedinate Sicheicheit einer dauernden Rentabilität ihrer An« lagen zu haben. Da auch die Löhne der gelernten Arbeiter sehr hoch sind, so herrscht in den Vereinigten Staaten eine ausgesprochene Baumüdigkeit. Baumüdigkeit im weitesten Sinne gefaßt, also einschließlich der Errichtung von Maschinen, Bahnen, Kraftanlagen und dergleichen.
Diese psychologische Einstellung drückt jetzt — nachdem der erste Rummel der überstürzten „Ein- bedungen" vorbei ist — sehr erheblich auf den Geschäftsgang. Glänzend beschäftigt sind dagegen die Flugzeugfabriken. Die Aufträge der bereinigten Staaten selbst sind so groß, daß dadurch Lieferfähigkeit und Lieferbereitschaft an die Westmächte eingeschränkt wird. Gleichzeitig stellt sich her- aus, daß Die Fabriken zur Herstellung von Flugzeugmotoren stark hinter der Leistung der Fabriken Zurückbleiben, die die Flugzeugkörper Herstellen. Und es ist nun überaus bezeichnend, daß selbst in der Flugzeugindustrie ein erheblicher Widerwille gegen eine Erweiterung der Produktionsstätten besteht, weil die Industriellen nicht auf Anlagen sitzen bleiben wollen, die bei einem Nachlassen der jetzigen starken Nachfrage nur „Zinsen fressen", ohne eigentlich nur nutzbar zu sein.
Seemannssprache!
Von Alwin pietsch.
„Backbord ist links und Steuerbord rechts", heißt es in einem Shanty (Seemannslied). Warum aber gerade Backbord links? Die Erklärung ist darin zu suchen, daß bei den Wickingern das Ruder (Steuer) in Form eines Riemen (= Ruder, dient zur Fortbewegung des Bootes, zum Pullen) an der rechten Bordwand befestigt war. Der Steuermann faß also rechts, an Steuerbord, während er den Rücken (engl. back) der linken Seite des Bootes zukehrte. Daraus entstand Backbord. Steuerbord ist die vornehme Schiffsseite, deshalb liegt auch die Kajüte (Wohnraum des Kapitäns) an Steuerbord, und zwar mittschiffs (in der Mitte des Schiffes). Mit dem Ole (auch Käppn genannt = Kapitän) wohnen hier auch die Mittschiffsgaften (Steuermann, Ingenieur ufw. — Gast, Mehrzahl Gasten, mit einer Erläuterung davor bezeichnet die Tättgkeit der Crew, der Besatzung, z. B. Signalgast), die Jan- maaten (Mattosen) dagegen haben ihre Logis oder Joxil unter der Back. Logis als Wohnräume dürste auch an Land bekannt sein, Foxil ist aus der Zusammenziehung der drei englischen Wörter betöre the castle (vor dem Schloß) entstanden. „B a ck" im Gegenteil zur „S ch a n z" (Achterdeck, achtern ist hinten) nennt man das vordere Deck (Deck — zu vergleichen mit Stockwerk — nennt man das Oberdeck bei eindeckigen Fahrzeugen, z. B. Frachtdampfer. Passagierdampfer Haden mehrere Decks, z. B. Promenadendeck, Zwischendeck usw.).
Doch darf man Back und Schanz nicht mit Bug (vorderste Teil des Schiffes) und Heck (Hintere Teil des Schiffes) verwechseln. Das Wort Back hat noch mehrfache Bedeutung. Eine Back kann auch ein Tisch sein, daher auch „Backen und Banken", das Klarmachen (Herrichten) der Tische und Bänke zum Essen. Hier spielen die Back schatte r eine große Rolle (Backschafter = Essenholer). Auch Eß - back und F l e i s ch b a ck (flache Schüsseln) beiwhgt mon beim Essen, man ttinkt aus einer Muck (Tasse) und wenn alle satt sind, wird a b g p b a rf t, d. h. das Geschirr weggeräumt und gespült. Der wichtigste Mann bei Backen und Banken ist natürlich der Smutje (Koch), der in der Kombüse (Küche) mit einem Politikus (Löstet) in der Hand hinter feinen Pötten (Töpfe) steht.
Ist nun eine Landratte zum erstenmal an Bord (auf dem Schiff), dann kann es vorkommen, daß der Magen, durch das Rollen des Schiffes (Rollen ist eine zusammengesetzte Bewegung aus Schlingern und Stampfen — Schlingern ist
die seitliche Bewegung des Schiffes um seine Längsachse und Stampfen die Schiffsbewegung in der Längsrichtung um seine Querachse, das „Auf und Ab") beeinflußt, sich des Essens wieder entledigen möcyte. Dem Seekranken wird erst etwas komisch zu Mut, dann fangen die Bulleys und Schot- t e n (Fenster und Türen) an zu tanzen, mit der Hand vor dem Mund eilt er die Niedergänge (Treppen) rauf an Deck, torkelt (vorausgesetzt, daß er bis an Deck kommt) zur Reeling (Geländer um die Bordwand), macht eine Rumpfbeuge vorwärts und unterzieht sich der Tätigkeit, die der Seemann mit „Reihern" bezeichnet. Sollte nun der eine ober andre Leser mal in eine derartige Situation kommen, so könnte ich ihm noch empfehlen, trotz all der Minderwertigkeitsgefühle, die in ihm aufkommen, denn man fühlt sich da nicht mehr als Mensch, nicht durchzudrehen (Nerven verlieren) und in L e e zu reihern. Lee ist die Seite, nach der ber Winb weht und Luv die Richtung oder Seite von der der Wind kommt. Ich glaube das rechtfertigt meinen Rat.
Wenden wir uns nun einmal der Tättgkeit der Crew zu. Auf einem gewöhnlichen Frachtdampfer oder Segelschiff hat man zirka 12 Janmaaten. Die werden nun in meistens zwei Gruppen, in „W achen" eingeteilt und je nachdem auf welcher Seite des Schiffes sie bei Allemcmnsmanövern (das sind Arbeiten, zu denen die gesamte Besatzung gebraucht wird) ihre Stationen haben (Stationen - Arbeitsplätze), mit Backbord- bzw. Steuerbordwache bezeichnet. Diese beiden Wachen losen sich vierstündlich ab, Tag und Nacht, denn es kommt recht selten vor, daß der Seemann mal eine Bur- nacht (Bauernacht, d. h. er kann die ganze Nacht hindurch torfen = schlafen) hat.
Während der Freiwache (Freizeit, Ruhe) wird gegessen und gefilzt ober gemulcht (beibes die Bedeutung von schlafen). Die Wache (= Dienst) dagegen hat alle vorkommenden Arbeiten zu erledigen. Ein Mann ist Rudergänger (der Mann, der das Schiff steuert). Er muß immer Kurs (Fahrtrichtung) halten, sonst sitzt er bald auf Dreck (z. B. Sandbank), bas Schift havariert (durch Unglücksfall hervorgerufene Beschädigung des Schiffes), bekommt ein Leck (Loch) und säuft ob (sinken). Havarien können aber auch durch Kollisionen (Schiffszusammenstoß) hervorgerufen werden. Um dies zu verhindern, ist im Krähennest (nicht Mastkorb) im Dortopp = ! Spitze des vordersten Mastes (nicht Mastbaums) der Ausguck (Wachposten), ber alle Vorkommnisse meldet. Bei kleineren Schiffen (mit Schiff, im Gegensatz zu Boot, bezeichnet man größere seegehende Fahr
zeuge) steht der Ausguck auf der Back. Der Ko fixe lrnaat (Hilfskraft ber Navigation = Schists- lenkung)' errechnet den Kurs, macht Peilungen ! (Richtungsfeststellungen) und Eintragungen ins Logbuch (Schiffstagebuch). Der Rest der Wache bedient die Segel (bei Dampfern die Kessel und Maschinen), malt (anstreichen), macht Reinschiff („Hausputz") usw., und ber Moses (Schiffsjunge) sieht seine wichttgste Tättgkeit im Glasen (Ausläuten der halben und vollen Stunden mit ber Schiffsglocke).
Zum Schluß wäre noch zu sagen, baß ein Schiff in See geht (nicht sticht), baß ein Dampfer fährt, ein Segelschiff bogegen segelt, es geht von einem Hasen zum andern und läuft ein bzw. aus. Ein Schiff hat auch keine Fahne, sondern eine Flagge. Und wenn ein Schiff auf See ist (-- auf dem Meer, ! eine Welle wird auch als See bezeichnet) und Sturm 1 aufkommt, bann denkt der Seemann noch lange nicht ans Kentern (umkippen). Wenn das Schiff überliegt (d. h. durch den Druck des Windes auf einer Seite liegt), drückt er den Südwester (Hut aus wasserdichtem Oelzeug) fester auf den Kopf, und wenn dann wieder eine Bo (plötzlicher Windstoß) kommt, ruft der Ole seinen Janmaaten zu: „Jungs hol fast!"
Uebcrrafdienhe Ergebnisse heimischer Landesforschung.
Dem Leiter des Wetterau-Museums zu Friedberg (Hessen), Dr. Hermann Roth, ist es durch Grabungen auf dem Burgberg in den Jahren 1936 bis 1939 geglückt, das von Taritus (Annalen, Buch I, Kapitel 56) genannte Kastell des Dru- sus und Germanicus auf dem Berge Taunus (in monte Tauno) nachzuweisen, eine Tatsache, die inzwischen von allen zuständigen ©teilen Anerkennung sand, darunter dem Archäologischen Jnstttttt des Deutschen Reiches (Frankfurt am Main) und der Reichs-Limeskommission. Aber nicht genug damit! Der Leiter des von ihm 1938/39 völlig erneuerten Wetterau-Museums mit seiner prächtigen vorgeschichtlichen und römisch-germanischen Abteilung hat nun auch in einem Dor» trag des Friedberger Geschichtsvereins den bered)» ttgtes Aufsehen erregenden Nachweis erbracht, daß tun ober taun (= Zaun; lateinisiert: taunum) der germanische Namen von Friedberg ist. Das ger» manische tun ober taun entspricht dem keltischen bun und dem englischen toron und bedeutet „umzäunte Siedlung". Und die sttategisch ungemein wichtige auf stenein Basaltfels gelegene Feste Taunum gab
dem unter Kaiser Hadrian in der Wetterau geschaffenen Verwaltungsbezirk, der civitas Taunensium, den Namen. Das heißt: Friedberg (launum) gehört fortan zu den ganz wenigen deutschen Städten, deren germanischer Namen bekannt ist. Eine weitere Besonderheit in der ehrwürdigen Geschichte der ehemaligen Freien Reichsstadt bleibt es schließlich, daß der Sinn von „Taunum" und von „Friedberg" sich restlos deckt! Nicht weniger beachtlich ist Roths Hinweis, daß die Bezeichnung Taunus für die schmale Bergkette von Wiesbaden bis Butzbach erst um 1790 aufkam, da Gelehrte wähnten, hier das von Tacitus angeführte Gebirge (mons) gefunden zu haben. Was wir heute unter Taunus verstehen, hieß bis zur Eröffnung der Taunus-Bahn von Frankfurt nach Wiesbaden im Jahre 1840 nie anders als die Höhe und das Gebiet nordwestlich nach der Lahn hin der Heirich. Eine ausführliche Darlegung der hier angeschnittenen Fragen erscheint demnächst als Broschüre im Buchhandel.
Zeitschriften.
— Unter dem Motto: „Modisch — und doch sparsam" geht d i e „M o d e n w e 11", die mit dem Ultta-Moden-Album vereinigt wurde, ins kommende Frühjahr. Das soeben erschienene bunte Heft bringt 170 Modelle, die das modisch Neue zeigen, aber auch die Gegebenheiten der Kleiderkarte berücksichtigen. Für Vollschlanke und Kinder gibt es mehrere Seiten. Außerdem enchält die „Modenwelt" neue Stoffe und Hüte, zeitgemäße Umänderungen und Schnitte- und Bügel-Bogen als Beilagen.
— Baltische Adelige und Bauern, Wissenschaftler und Kaufleute, Männer und Frauen, Greise und Kinder, aufgenommen kurz nach ihrer Heimkehr ins Großdeutsche Reich, zeigt das Fedruarheft der neuen I i n i e (Verlag Otto Beyer, Leipzig). Zu diesen Fotos hat der Dichter Edzard Schaper, der selbst zu den Heimkehrern gehört, einen Aufsatz geschrieben, in dem er die Schicksale dieses deutschen Stammes schildert. In dem gleichen geistigen Raum spielt die spannende Novelle, die wegen ihres soldatischen Problems gerade heute viele nahe berühren wird. — Ein größer Beitrag ist Krakau gewidmet, mit Aufnahmen, die von der Schönheit dieser Stadt deutscher Kolonisation zeugen. — Auf farbigen Seiten ftt die Wohnungseinrichtung eines jungen Paares miebergegeben, das mit begrenzten Mitteln unter das Dach zog, um dort mit Hilfe alter und neuer Möbel {eine Wunschvorstellung zu verwirklichen.


