durch kaum bewohntes Land. Kein Mensch ist zu sehen. Nur Berge sind ba, Täler, weite Moore. Es fängt an zu regnen, die Luft ist grau und schwer. Die kahlen Gipfel der Berge find in wehende Nebel- schleier gehüllt. Schafherden Haden sich an die Berglehnen geschmiegt, sie sehen kaum auf, e« ist ihnen einerlei, wer da vorüberfährt, ihr kärgliches freies Leben hat mit diesen gelbblauen Vögeln nichts zu tun. Ruhig liegen sie aneinandergeduckt, ihre Kiefern bewegen sich langsam und mahlend. Und an allen Hängen blähen wundersam zarte dunkelrote Striche. Welch eine herbe, kaum spürbare Schönheit. Der gelbe Weg steigt und fällt, die schroffen Felswände und abgeplatteten Vorsprünge, ja die allerkleinsten Vorsprünge sind mit rotvioletten Blüten bedeckt.
Im ersten Wagen hat jemand, der diese Schönheit verspürte uüd von ihr angerührt wurde, den Vorschlag gemacht, eine Weile zu rasten. Und nun gehen die vielen Menschen über das unberührte Land. Sie stehen beieinander und wissen nicht recht, was mit sich und der merkwürdigen Gegend anfangen sollen. Sie pflücken Blumen und rufen: „.Oh, das ist ja Heidekraut, aber ganz anders als bei uns."
Doch Anne und Christian klettern in den Felsspalten umher. Dieses Land ist ihr Land, es ist ihnen nicht fremd. „Rosmarienheide", sagte er und erklärt, daß er eigentlich aus einem Moorhos stammt, ja, aus einem großen Hof in der Heide. Sein Vater war der dritte Sohn, er wurde Landbriefträger, weil er nicht Knecht werden wollte, aber er selbst ist wieder zum Bauernstand zurück- gekehrt. Als Kind hütete er beim Onkel die Kühe, und immer schon hat es ihm das Moor in seiner vermeintlichen Unfruchtbarkeit angetan. „Wie kann ein Land unfruchtbar sein, das seit Bestehen der Welt vielleicht brach liegt? Es muß nur entsäuert werden, muß fruchtbar gemacht werden. Die Moorkultur ist eine der interessantesten Aufgaben unserer Zeit."
Anne kniet und pflückt Heide. „Sie riecht wie junger Wein, die Rosmarienheide, ich habe mich zu Hause manchmal mitten hineingelegt. Sie blüht im Frühling und im Herbst, aber bei uns sind die Glöckchen blasser." Zwei junge Leute sind sie, die sich vor wenigen Tagen noch nicht kannten, aber sie merken jetzt, daß sie eines Sinnes sind, denn sie lieben das gleiche Land. Sie sind auch hier nicht fremd, hier auf den schottischen Hochmooren, Sie könnten durch das Land wandern und in der Einsamkeit leben so, wie es ihre Vorfahren taten, die auf ihren Höfen sahen und wochenlang keinen Fremden zu Gesicht bekamen. ,Lch kann mir den-
ken, daß allen Menschen, die aus diesem Landstrich stammen, so herbe sind wie ihre Berge und daß sie dieses Land lieben wie kein anderes auf der Welt." Anne hält ihrem Begleiter ein Heidesträußchen hin.
Christian Schwertfeger nimm die Brieftasche heraus und legt die Blüten sorgfältig hinein. „Ja", sagt er, mehr nicht, aber er greift nach ihrer Hand. Hand in Hand klettern sie einen kleinen Abhang hinauf und stehen dann wieder auf der Straße vor den Wagen.
Margot und Willem sind auch da. Sie wissen hier genau so wenig anzufangen, wie es die meisten wissen. Margot sagt zwar: „Merkwürdig ist es hier, ich möchte da ein paar Wochen arbeiten. Sehen Sie, wie sich da die Berge kahl und immer höher als Kulisse für den niedersinkenden hellen Strich der Straße aufbauen. Diese Straße ist aber auch das einzige, was der Mensch hier an den Jahrhunderten änderte. Ich habe Blumen gepflückt und habe sie in die Brötchentüte gesteckt, sehen Sie, wie ent- zückend! Flora der schottischen Hochmoore in der Lloyd Käsetüte." Sie lacht, sie denkt, daß sie sehr klug geredet hat und lacht. Auch ein paar stehende lachen und nicken Margot zu. Ihre Al find jetzt nicht wild und ärgerlich, sie ist freun und fragt Anne, wie ihr die Fahrt gefällt und kommt. Margot kann sehr liebenswürdig sein. D ist ihr Gesicht nicht angespannt und ihre Liv>§^ sind nicht schmal, dann ist sie weich und gut, fein Malerin mit großer Zukunft und so, sondern eine junge Frau, die ihrem Freund die Hand entgegen« streckt, sich an seine Schulter lehnt und sagt. „Wil- ling, wie ist das hier oben schön, weit über allem Aerger."
Aber es fängt wieder an zu regnen, vielleicht nur ein kurzer Schauer, doch die Menschen streben in die Wagen. Also-doch ein unfreundliches Land. Und wieder fliegen sie dahin. Die große Einsamkeit breitet ihre Stille über sie aus, und plötzlich liegt am Wege ein Zelt. Nichts als dieses Zelt. Weit und breit ist kein Haus zu sehen und kein Hof. Ein offenes Zelt ist da, in dem zwei Menschen liegen, eine Frau und ein Mann. Auch ein Hund ist da, aber er macht es wie die Schafe, er hebt kaum den Kopf. Die Frau aber richtet sich auf, lehnt sich auf «men Arm, und ihre erstaunten Augen folgen den Wagen. Vielleicht sind es Hirten, vielleicht' Zigeuner, keiner weiß, wer sie sind, keiner kennt ihr Ziel ja, haben sie überhaupt ein Ziel? Anne wendet den Kopf, doch ist von der Frau nichts mehr zu Üben, sie hat sich wohl wieder an die Seite ihres Mannes gelegt und schläft, was sind ihr die Fremden?
(Fortsetzungfoh**v
Aus der engeren Heimat
Mer gedenke deines Wildes!
Wirtschaft
Justizpersonalien.
Gerichtsafsessor
Herbornseelbach wegen
erns zu er«
gerichtsrat Bauermann vom Amtsgericht Schotten an das Amtsgericht in Alsfeld versetzt.
in
Urteil der ersten Instanz mit
Lpd. .Frankfurt a. M., 8. Jan. Der 46jährige
werden könn-en, durch ärztliche werden.
der Angelegenheit. Bei vier Angeklagten wurde das Gefängnisstrafen von
neun Monaten bis zwei Jahren bestätigt. Bei dem Hauptangeklagten wurde die Strafe von einem Jahr sechs Monaten auf ein Jahr neun Monate erhöht. Dem Angeklagten, der die Waffen geliefert hatte,
Wenn man Soldaten bestiehlt
Schwere Zuchthausstrafe.
Rundsunkvrogramm
Mittwoch, 10. Januar.
6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzeü. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Land- volk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Kleine Rat- schläae für Küche und Haus. 9.30: Frohe Weisen. 11: Orchesterkonzert. 11.50: Mikrofon unterwegs. 12: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Es spielt das große Orchester
Pfandbriefe weiterhin scharf rationiert werden mußten.
Im Verlaufe war die Haltung überwiegend schwächer, besonders die später notierten Papiere zeigten Rückgänge. Am meisten verloren Scheideanstalt, nämlich 8 v. H. auf 232, ferner gingen Rhein. Braunkohlen um etwa 6 v. H. auf 254 und Mansfeld um 4 v. H. auf 188 zurück. Im übrigen betrugen die Einbußen etwa 0,50 bis 1,50 v. H. Höher waren Dt. Linoleum mit 133,50 (130) und Feinmech. Jetter mit 106 (104).
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 8. Januar. Die Ankeserun- gen in Brotgetreide hielten sich tm bisherigen Umfange, im ganzen gesehen haben sie jedoch nachgelassen, da die Landwirtschaft des hiesigen Bezirks nur noch Restmengen zum Verkauf stellen kann. Die Nachfrage der Mühlen bleibt lebhaft. Durch den erhöht vorgenommenen Drusch kam Braugerste in größeren Partien heraus, die in der Hauptsache an die RfG. gehen. Jndusttiegerste bleibt gefragt. In Futtergerste erfolgten Zuteilungen durch die RfG. Das Angebot an Futterhafer ist gut und wirb im wesentlichen von der Heeresverwaltung aufgenommen. Das Mehrlgeschäft bewegt sich in ruhigen Dahnen. In ölhaltigen Futtermitteln beginnt die Abwicklung der Amidmischfutterzuteilung. Die etwas gebesserten Rauhfutteranlieferungen gehen hauptsächlich an die Wehrmacht. Die Preise blieben gegen den letzten Markt unverändert.
Mirragsronzert. tzs jpteit bas große Orchester wurde die Straft von zehn Monaten auf acht des Reichsjenders Breslau. 14: Nachrichten. 14.15: Monate berabaelekt 'TVr frnhiirK» iß. -Utonoie geraogqegt.
ihnen die Ehrennadel des Vereins aushändigen. Die Auszeichnung wurde Gg. Burger und dem seit 21 Jahren als Schriftführer tätigen Karl Schneid« müllet III. zuteil, der sich um die Sache des deutschen Liedes sehr verdient gemacht hat. Der Vereinsführer würdigte auch besonders die Verdienste des Schriftführers um die Sache des Vereins. Don der Abhaltung weiterer Singstunden fall zunächst Abstand genommen werden, man hofft aber zu gegebener Zeit um so eifriger damit beginnen zu können. Ferner wurde bekanntgegeben, daß aus Mitteln der Dereinskasse 31 Mitglieder, die im Felde stehen, je ein Feldpostpäckchen zugefandt erhielten. Mit Freude nahm der Vorstand davon Kenntnis, daß sich die Ehrenmitglieder, die Sänger und auch die Heranwachsende Jugend bereiter Harten, durch freiwillige Spenden dazu beizutragen, daß auch in Zukunft die Angehörigen des Vereins, soweit sie das graue Ehrenkleid tragen, mit Liebesgabensendungen bedacht werden können. Die Versammlung nahm davon Kenntnis, daß der Vorstand auch weiterhin in seinem Amt bleibt. Otto Häuser übernimmt vertretungsweise das Amt des Vereinsführers auf Kriegszeit. Nachdem unter Leitung von Chormeister Schleuse noch einige Lieder zu Gehör gebracht worden waren, wurde die Derfamnr« lung mit dem Treugelöbnis zum Führer geschloffen.
Kreis Marburg.
<£ Nordeck, 8. Januar. Spaziergänger sahen gestern mittag im hiesigen Wald ein Stück Muffelwild. Das Tier konnte aus nächster Nähe beobachtet werden. Mit Freude wurde festgestellt, daß es gut genährt und in bester Verfassung erschien. Hoffentlich bleibt das schöne Wlld unseren Wäldern erhalten.
deutsche Lied gepflegt hat. Der Verein veranstaltet« ein wohlgelungenes Silcher-Konzert und trat bet den verschiedensten Anlassen öffentlich in Erscheinung. Rechner Lecke erstattete Bericht über die Kassenverhältnisse, die als geordnet angefehen werden können, obwohl das abgelaufene Jahr große Anforderungen an die Kasse stellte. Nach der Prüfung der Rechnung wurde dem Kassenführer Entlastung erteilt. Sodann konnte der stellv. Dereins- führer Häuser zwei Sänger für 25jährige treue Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernennen und
heblichen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten von 1919 ab bis zum Jahre 1936 im Herbornseel- bacher Jagdgebiet, sowie den umliegenden Jagdbezirken gewildert. Die Beute war erheblich. Gegen das Urteil des Herborner Gerichts hatten alle Angeklagten Berufung eingelegt. Jetzt befaßte sich die Große Strafkammer in Siegen, die in Herborn tagte, mit
Iahlestagung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Lich.
Z Lich, 8.Jan. Im Park-Hotel hielt der Verkehrs- und Verfchönerungsverein feine 18. Hauptversammlung ab. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vereinsführers, Lehrer H i l d , der feit über zehn Jahren den Vorsitz fuhrt, sprach er über die Fremdenverkehrsarbeit im allgemeinen und speziell über die Arbeit innerhalb des Vereins. Er erwähnte, daß die Fremdenverkehrsarbeit bis zur Machtübernahme nur als eine wirtschaftliche Angelegenheit angesehen wurde, während die nationalsozialistische Führung dieser Arbeit vor allem auch politische Aufgaben zugewiesen habe. Auch jetzt im Krieg laute die Parole: „Großdeutschland, gastliches Reiseland." Sodann kam der Redner auf die Arbeiten innerhalb des Gebietes Oberhefsen zu sprechen und streifte dabei die Tagungen in Nidda und Schotten sowie die Ausstellung „Wille und Tat" in Wiesbaden. Bei der Werbearbeit des Vereins konnte man erfreuliche Ergebnisse feststellen. In der Zeit vom 1. Oktober 1938 bis 30. September 1939 wurden hier gezählt: An Besuchern mit kurzem Aufenthalt 34 000 Personen, an Uebernachtungen, z. B.' in den Monaten Mai, 400, Juni 470, Juli 600. Mittag- und Abendessen wurden hier allein in einem Monat an rund 3000 Fremde ausgegeben. Es konnten wieder verschiedene Verschönerungen m der Stadt durchgeführt und verbesserte Bahnoerbindun- rren erreicht werben; für das Schwimmbad wurden Bildbandkarten angeftrttgt. Am Schlüsse feiner Ausführungen dankte der Vereinsführer allen Mitarbeitern, insbesondere Bürgermeister Geil für die Unterstützung im verflossenen Jahre und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das gute Einvernehmen auch im neuen Jahre bestehen bleiben möge. Nach der Rechnungsablage mußte Lehrer Hild leider davon Kenntnis geben, daß der seitherige Rechner Hermann Walz infolge Arbeitsüberlastung fein Amt zur Verfügung gestellt habe. An dessen Stelle wurde K. Säuberlich als Rechner besttmmt. Bürgermeister Geil dankte dem Vereinsführer für seine rastlose, nur dem Gemeinwohl gewidmete Arbeit und gab auch seinerseits einen Rückblick über die Arbeit im vergangenen Jahre. Er versicherte, daß die für den Sommer geplanten großen Arbeiten nicht aufgehoben, sondern nach Kriegsende sofort zur Durchführung kommen würden. Nach verschiedenen Anregungen aus der Versammlung führte Lehrer Schnrerle seinen Farbenfilm vor, der den prachtvollen und dieffarbigen Blüten- und Blumenschmuck in den Vorgärten und an den Häusern unserer Stadt zeigte. Sodann schloß der Vereins führer, Lchrer Hild, die Versammlung in üblicher Weift.
Schwere Strafen für Wilderer.
Lpd. Dillenburg, 8.Jan. Im Oktober wurden vom Amtsgericht Herborn sechs Einwohner aus
Der fröhliche Lautsprecher. 16: Von Köln: Nachmittagskonzert. Das große Orchester des Reichssenders Köln. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Was bringen die Theater in unserem Sendegebiet? 18.25: Bilder und Klänge aus Moselfranken (VIII.). Späße und v_____,________, ___
Lieder. 19: Unterhaltungskonzert. Es spielt das Or- Friedrich Werkmeister hatte sich bisher gut geführt, chester Otto Dobrindt. Dazwischen: 19.10: Berichte, wurde aber plötzlich ein gemeingefährlicher Ein- 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten, brecher, als er seiner Stelle verlustig ging. Die An- 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender: Da-' regung, kriminell zu werden, gab ihm vielleicht ein zwischen: 22 bis 22.15 und 24 bis 0.15: Nachrichten, j Sperrhaken, den er schon lange im Besitz hatte und
Rhein-Mainische Börse.
Tendenz zurückhaltend.
Frankfurt a. M., 8. Januar. Stärkere Zurückhaltung der Kundschaft und der Kulisse gaben der Börse zum Wochenanjang das Gepräge, lieber» wiegend setzte sich zwar die Anlagetättgkeit fort, sie hatte aber keinen besonderen Umfang, so daß an den Aktienmärkten keine größeren Umsätze zu verzeichnen waren. Da auch weiterhin einige Glattstellungen vorgenommen wurden, war die Kursentwicklüng wiederum uneinheitlich, wobei aber im allgemeinen nur geringe Abweichungen vorlagen. Eine Ausnahme bildeten nach Pause Demag mit 147,90 (145) und andererseits Ilse Genuß mit 161,50 (163,50). Leicht befestigt waren IG.-Farben auf 169,50 (169), Metallgesellschaft auf 130,75 (130,50) und Heidelberger Zement auf 150,50 (149,50), dagegen ließen Verein. Stahl auf 105 (105,50), Hoesch auf 110,75 (111,50), Adlerwerke auf 103,50 (104) und Rheinmetall auf 128,75 (129) nach.
Am Rentenmarkt suchte das Kapital hauptsächlich in Pfandbriefen und Kommunal-Obligatio- nen Anlage, jedoch bestand auch nach den übrigen Titeln Interesse. Weiter fest verkehrten Reichsalt- befitz mit 139,90 (139,60), ferner gewannen Reichsbahn-VA. 0,25 v. H. auf 125,25. Industtie-Obligatio- nen und Stadtanleihen wenig verändert. Länder- Anleihen lagen vielfach etwas höher, während
I u n g, der vor kurzem vom Amtsgericht in Schotten an das Landgerickt in Gießen versetzt wurde, ist jetzt erneut an das Amtsaericht in Schotten als Behördenleiter versetzt worden. Ferner wurde der Amts-
mit dem er früher einer Verwandten Dienste leistete. Jetzt fiel ihm das Ding zufällig wieder in die Hande und er feilte daran herum, bis es ihm gelang, die Mansarde einer auf dem gleichen Flur wohnenden Mitbewohnerin zu öffnen. In der Mansarde bewahrte die Frau Gegenstände ihres im Feld weilenden Bräutigams auf. Werkmeister wußte, daß der Mann bei der Wehrmacht war und scheute sich trotz- dem nicht, sich eine Reihe von Gegenständen anzueignen. Als die Braut, die tagsüber arbeiten ging, den Einbruch merkte, teilte sie dem W. schreckerfüllt bas Ereignis mit. „Der Gauner, der Sie bestohlen hat, dem gehört der Kopf runter", meinte mit geheuchelter Entrüstung der Täter, der im übrigen im gleichen Haus noch andere Diebstähle begangen hatte. Werkmeister hatte sich jetzt wegen der Serie der von ihm im August und September v. I. ausgeführten Diebstähle vor dem Sondergericht in Frankfurt zu verantworten, wo er des Verbrechens gegen § 4 des Gesetzes gegen Volksschädlinge angeklagt war. Es war dem Angeklagten bekannt, daß er bei dem Mansardeneinbruch einen Soldaten bestahl; es liegt aber die Möglichkeit vor, daß die Tat schon kurz vor Erlaß des Gesetzes gegen Volksschädlinge begangen wurde, und deshalb konnten hier die schärferen Bestimmungen nicht Platz greifen. Der Angeklagte hatte aber Ende September auch einen Einbruch bei einem weitläufigen Verwandten, der Soldat ist, begangen. In diesem Fall galt der Angeklagte des Verbrechens nach § 4 überführt. Er wurde außerdem wegen fünf schwerer Diebstähle verurteilt und erhielt eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.
Landkreis Gießen.
s. ßang-Oöns, 9.Jan. Am heutigen Dienstag, 9. Januar, feiert unser Mitoürger Konrad Spies, Niederhofenstraße, seinen 83. Geburtstag. Der alte Herr ist körperlich und geistig noch recht rüstig. Dem Jubilar gelten auch unsere herzlichen Glückwünsche.
* Watzenborn-Steinberg, 8. Jan. Der Gesangverein Jugendfreund" Watzenborn-Steinberg hielt in seinem Vereinslokal „Zur Krone" feine Jahreshauptversammlung ab. In Vertretung Des zum Heeresdienst einberufenen Vereinsführers Haas erstattete Otto Häuser den Jahresbericht. Aus dem Bericht ging hervor, daß der Verein auch im vergangenen Jahre mit Eifer das
(er, der als Feldwebel im Westen steht, waren Grü^e zum Jahreswechsel eingegangen, mit denen .er du» Hoffnung verknüpfte, daß die in der Heimat gebliebenen Kameraden auch weiterhin treu zusammenstehen mögen. Der Rechner, Kamerad Tele- grapheninspektor Strack, gab einige Feldpost- grüße bekannt und berichtete über den Versand der Weihnachtspäckchen. Die Kameraden wurden ersucht, die genauen Feld Postanschriften der einberufenen Kameraden zu ermitteln. Kameradschaft sführe r Oehlenschläger berichtete über die Arbeitstagung des Kreisverbandes Gießen des NS.-Reichs- kriegeÄuNdes, bei der u. a. ein Vortrag von Kame- rab Kreispropagand awart Diesel gehalten wurde. Außerdem wurde auf das Schießen des Ehren- falutes hin gewiesen. Anschließend wurden die Dienst- befehle verlesen und noch einige organisatorische Fragen besprochen.
Oie Jlafc schützt vor Krankheiten.
Der menschliche Körper besitzt einen Selbstschutz gegen schädliche Einwirkungen der Außenwelt. Ein wichttges Organ dieses Selbstschutzes ist die Nase. Gerade die Nase hat wichtige, für die Gesunderhaltung des menschlichen Körpers notwendige Funk- tionem zu erfüllen. Die Nase stellt den obersten Teil unseres Atmungsapparates dar und hat die Auf- gaoe, zunächst einmal die kalte Außenlust für den Zugang zum Körperinnern zu erwärmen und sie dann mit Wasserdampf zu sättigen. Würde die kalte Lust unerwärmt in die Luftröhre und in die ßunae bringen, wie das bei der Mundatmung geschieht, so wäre eine Erkältung und somit eine Erkrankung dieser Organe die unausbleibliche Folge.
Das Innere der Nase besitzt einen samtartigen, mit feinsten Härchen versehenen Bezug, der sich in dauernder Bewegung befindet. Diese Flimmerbe- roegung ermöglicht es, aus der Luft kommende Fremdstoffe, Krankheitserreger usw. vom Eindringen in den Körper fernzuhalten. Der Schleim, den bis Jnnenhaut der Nase hervorbringt, ist ein wichtiges Schutzmittel, denn er macht eine große Reihe von Krankheitserregern für den Körper unschädlich. Man achte besonders beim Niesen darauf, daß man di« für den eigenen Körper unschädlich gemachten Stoff« nicht andern Personen ins Gesicht schleudert. Deshalb hatte man sich beim Niesen stets ein Taschentuch vor.
Schließlich sei auch nicht zu vergessen, daß uns die Nase als Vermittler des Geruchs vor der Ein« atmung schädlicher Stoffe schützt. Wer also das wertvolle Werkzeug schützen will, das chm die Natur in der Nase verliehen hat, der atme stets nur durch die Nase ein und sorge dafür, daß etwaige
Behinderungen der Naftnatmung, wie sie durch Wucherungen, Entzündungen usw. hervorgeruftn Hilfe beseitigt
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Roman Don$riöaficttclöi!(f
CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 86
17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Das nun wieder nicht. Ich habe nie ein Pferd besessen, aber ich weiß es trotzdem, denn wenn der Tau wie zarte Spitzen um die drei geteilten Blätter des roten Futterklees stand, trieb ich die Kühe meines Verwandten auf die Weide. Dann fliegen die Wiesen gerade aus dem Nebel, und manchmal sah ich meine Tiere nur wie dunkle Striche vor mir. Wenn sich bann die ersten Sonnenstrahlen im Tau brachen, war das Wunder der Schöpfung vollkommen.^
Anne mochte mehr Horen, sie möchte viel mehr hören. Don dem kleinen Hütejungen und seinen Gedanken und seinen Tieren. Und wie es bann weiterging, bis zum grünen Tisch — eigentlich mochte sie alles wissen.
Doch hinter ihnen wird „Einsteigen, einsteigen" gerufen. Bitte sehr, man tft ja in Schottland, im Inserreich, das so umkämpst war und. das immer noch von Stürmen umbraust ist. Schnell, schnell in den Wagen, es ist spät, man kann sich nicht darum kümmern, daß man zwei junge Menschen aus der Verzückung einer Stunde reifet
Es sind gerade noch zwei Plätze da. Für Anne hinten Im Wagen, für Christian dickt beim Fahrer. Da sieht sie ihn vor sich, sieht den starken, kanttgen Kopf. Und sie denkt, bafe er doch ihrem Ahnen ähnelt, dessen Bild sie so oft angelacht hat, wenn Klarifsa ihre wahre ober erfundene Begebenheiten aus dem Leben des Bären vorn Birkenhof erzählte. Ja, sie ähneln sich, nicht äufeerlich, sicher nicht, aber in der Art, wie der Kops auf den breiten Schultern fitzt Sie sind ja beide Bauern, Sohne eines Landes. Wie gut, bafe Christian Schwertfeger Bauer ist!
Man fährt in zwei Gruppen. Es stehen für die Reisenden Extrazüge bereit, die nach verschiedenen Richtungen fahren. Anne und Christtan Schwert- ftger sitzen sich gegenüber. Sie sind allein, sie haben Margot Wenzien und Willem Schönemann aus den Augen verloren. Wenn schon! Sie sind nicht weiter um Gesellschaft verlegen. Sie sind zwei Menschen, die sich noch viel zu erzählen haben. Denn an den wenigen Worten haben sie gemerkt, bafe sie eigentlich nichts voneinander wissen. Gestern haben sie nur wenig gesprochen, gestern sind sie über das Meer gefahren, haben nebeneinander m
ihren StWen gelegen und geträumt. Sie haben beide die Sttlle wie eine Gnade empfunden, es war ihnen nicht nach Plaudern zumute. Aber jetzt fliegen sie durch ein frentdes Land, und es ist fast wie am ersten Tag ihrer Bekannschaft. Wie lange ist das her, jahrelang? Mal nackrechnen! Christian lehnt sich über den breiten Tiscy, der zwischen ihnen ist: „Geben Sie mir Ihre Hand, Anne."
„Warum?"
Wie blüht dieser Mädchenmund! Es ist gut, bafe Christtan die Augen auf ihre Hände senkt. Aber wie braun, schlank und gesund finb sie. Zärtliche Hände. Seine Stimme ist ein bißchen gedrückt, als er mit dem Daumen anfängt: „Heute haben wir den 22., am 21. waren wir auf See, am 20. nachmittags saßen sich Anne Wegner und Christtan Schwert- feger zum ersten Male im Zuge gegenüber. Da haben Sie es, zwei ganze Tage und keine kleine Ewigkeit Man lebt in dieser Zeit konzentriert, man ist so ganz und gar aus dem Alltag gehoben, daß sie einem unendlich lang vorkommt."
Anne ist nicht bei seinen Worten, dieses Mal nicht, nein. Sie mufe plötzlich an einen Menschen denken, den sie schon ganz und gar aus ihren Gedanken gestrichen hat, an den Studenten Horst Niel- ien. Er nahm auch ihre Finger, einen nach dem an» eren. Es war nicht schlimm, nichts dabei, aber er küßte ihren Daumen, und da erschrak sie. Christian Schwertfeger küßt ihren Daumen nicht, er ist zurückhaltend, ein Bauer, ein zurückhaltender Mann. Es ist richttg so, sie braucht bei ihm nicht zu erschrecken. Sie kann ruhig diese Reife mit ihm machen, kann ihm gegenüberiitzen und neben ihm stehen, kann sich erzählen lassen, wie die Strahlen der Morgensonne Nein«, heitere Orgien in einem Kleefeld feiern. Sie kann es unbesorgt. Er wird ihr nicht zu nahetreten. Vielleicht hat er eine Braut, die ihn abholt, wenn er abeüds aus dem Dienst kommt. Darum wird er nie daran denken, auch nur einen ihrer Finger zu küssen ... Welch ein Glück, daß sie einen Reisekamerade« wie Christtan Schwertfeger fand. Ja, sie hat wirklich Glück, und ihre Augen muhten daher noch Heller strahlen. Aber das tun sie nicht, es legt sich vielmehr wie ein Schleier über die Goldpünttcken in her lallen Iris.
Christtan sieht es. Er mochte wohl wissen, woher das plötzlich kommt, er hält Anne Wegner nicht für launisch, bewahre, aber welchen Grund diese Heine Traurigkeit Haden kann, ahnt er nicht.
Die Fahrt geht am alten Sttrlingsschloß vorüber, und nachdem die Reisenden den Zug in Aber- foyle verlasien haben, wirb der Weg über die schot» tischen Hochmoore im Autobus fortgesetzt. Welch ein Weg! 2>ie großen blau-gelben Wagen fliegen


