Ausgabe 
8.11.1940
 
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(Sari Wahl zu Hausen, ihren 9 0. Geburtstag. Die Jubilarin, bie ihren Vater im 93 Jahn sei­nes Lehens verlor, hatte sechs Kinder, von denen noch vier mit 18 Enkeln und 15 Urenkeln am Le­ben sind. Sie ist Trägerin des goldenen Ehren- krcuzes der deutschen Mutter und erfreut sich im großen Kreiise ihrer Familie hoher Wertschätzung bei erstaunlicher geistiger und körperlicher Frrsche. So konnte auch die Feier außerhalb ihrer Woh­nung, im Hotel Hindenburg, stattfinden. Seit 1885 ist die Jubilarin mit einer nur kurzen Un- terbrecyung eifrige Leserin desGießener Anzei­gers".

Wer hat die leerstehende Wohnung zu verdunkeln?

Es ist wiederholt beobachtet worden, daß nach Eintritt der Dämmerung Handwerker bei Beleuch­tung in leerstehenden Wohnungen arbeiten, ohne daß die Fenster verdunkelt waren. Im soeben er­schienenen Heft derSirene" wird auf eine An­frage darauf hingewiesen, daß selbstverständlich alle Räume, in denen Licht gemacht wird, verdunkelt sein müssen und daß in einer noch nicht bezoge­nen Wohnung der neue Mieter für die Verdunk­lung verantwortlich ist. Ist die Wohnung noch nicht vermietet, so ist der Hausbesitzer für die Verdunk­lung verantwortlich. Das neue Heft derSirene" bringt außerdem einen großen Bildbericht über den Einsatz der deutschen Frau im Luftschutz, sowie Ver­träge über den Einsatz des Berliner Selbstschutzes. Die Mitteilungen des RLB.-Präsidiums und Nach­richten der RLB.-Gruppen beschließen das Heft.

Aus dem Siebener Handelsregister.

In das Handelsregister A des Amtsgerichts Gie­ßen wurden folgende Eintragungen gemacht: Firma Textllhaus Bensberg & Co., Gießen, offene Han­delsgesellschaft: Die Gesellschaft hat am 1. September 1940 begonnen, persönlich haftende Gesellschafter sind Wilhelm Bensberg, Kaufmann in Gießen, Günter Venecke, Kaufmann in Berlin. Firma Emil H. Müller, Holzwarenfabrik in Gießen: Seit 1. Januar 1940 Kommanditgesellschaft. Persönlich haftender Gesellschafter Carl Müller, Kaufmann in Gießen. Neu eingetretene Kommanditisten: 3. Zur Vertretung der Gesellschaft ist nur der persönlich haftende Gesellschafter ermächtigt. .Einzelprokura ist erteilt der Karl Müller Ehefrau Emilie, geborene Henopp, dem Karl Ludwig Müller und dem Emst August Müller, sämtlich in Gießen. Firma Ta­petenhaus Heinrich Kreiling, Gießen: Die Prokura der Gretel Kreiling in Gießen ist erloschen. Dem Berthold Dreher in Gießen-Wieseck ist Einzelprokura erteilt. Firma Carl Keil, Gießen: offene Han­delsgesellschaft seit 1. Januar 1940. Der Kaufmann Heinrich Keil ist als persönlich haftender Gesellschaf­ter eingetreten. Zur Vertretung der Gesellschaft ist jeder Gesellschafter allein ermächtigt. Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke, vormals Fernie, m Gießen: In der Gewerkenoersammlung vom 23.9.1940 wurde folgendes beschlossen: An Stelle des durch Tod ausgeschiedenen seitherigen Vorsitzen­den, Direktors Arthur Klotzbach in Gießen, ist der Direktor Alfried von Bohlen und Halbach zu Essen zum Vorsitzenden des Grubenvorstandes und als stellvertretender Vorsitzender der Bergwerksdirektor Dr. Erich Böhne zu Betzdorf bestellt worden. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende des Gruben­vorstandes, Bergwerksdirektor Dr. Gustav Einecke zu Weilburg, ist zum Mitglieds des Grubenoor­standes bestellt worden. Dem Bergassessor a. D. Dr. Helmut Schiele in Weilburg ist Einzelprokura er­teilt.

punktfreie Kinderkleidung.

Gfs. Gehen Sie in die Stadt? Schauen Sie sich doch einmal das Schaufenster der Beratungsstelle des Deutschen Frauenwerks unter den Marktlauben am Lindenplatz an. Dort können Sie sehen, wie man mit viel Liebe und Erfindergeist aus allem, was in unseren Haushaltungen sich immer noch findet, unsere Lieblinge anziehen kann. Alles, was Sie hier sehen, soll Ihnen eine Anregung geben, nachzueifern und alles, was vorhanden ist, so nett und praktisch wie möglich zu verwerten. Auf diese Weise schonen Sie nicht nur ihre Punktkarte, son­dern auch ihren Geldbeutel, und beides ist doch zu begrüßen. Auf keinen Fall sollen wir aber auf die Freude verzichten, unsere Kleinsten so nett als irgend möglich anzuziehen, sind ffie doch unsere Freudenbringer.

Gpielschar des Gebiets und Obergaues Hessen-Nassau auf Frankreichfahrt.

45 frische Jungen und Mädel aus allen Teilen unseres Gaues haben am Montagmittag eine 14- tägige Fahrt durch das besetzte Frankreich ange­treten, um den dort als Besatzungstruppe stehenden Soldaten die Grüße der Heimat zu überbringen. Die kleine Gruppe aus besonderen Könnern, in zwei Vorbereitungslehrgängen zusammengestellt, wird unseren Soldaten in Volks- und Soldatenliedern, Volkstänzen und bunter Volksmusik sowie kleinen Theaterstücken und Schwänken ein Stück Heimat vermitteln. Die Jungen und Mädel werden sich mit Begeisterung ihrer Aufgabe widmen, davon

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Die Unfallverhütung ist während des Krieges als eine wichtige Aufgabe der Landesverteidigung an­zusehen. Wirkungsvolle Unfallverhütung fchaftt Betriebssicherheit und gesteigerte Arbeitsleistuna. Folgenden Erfordernissen kommt nach den Feststel­lungen der gewerblichen Berufsgenossenschaften jetzt erhöhte Bedeutung zu:

Planmäßige Durchführung des Unfallschutzes durch den Betrieb selbst, durch Betriebsführer, Mei­ster, Unfalloertrauensmänner, Arbeitsschutzwalter und deren Zusammenwirken. Der Mangel an ge­schulten Aufsichtspersonen Und die vorübergehend unterbrochenen Sonderschulungen geeigneter Per­sonen für diese Aufgaben müssen durch Auswertung innerbetrieblicher Erfahrungen ersetzt werden.

Belehrung der neueingestellten, zum Teil berufs­fremden, insbesondere auch der fremdsprachigen Ar­beitskräfte über die Unfallgefahren im Betriebe, ein bloßer Hinweis auf die Unfallverhütungsvorschriften genügt nicht!

Beschäftigung der Frauen nur mit ihrer Anlage entsprechenden Arbeiten, richtige Arbeitskleidung, eng anliegende Kleider, u. U. auch Arbeitsanzüge und Hauben.

Ansetzen von Jugendlichen zur Arbeit an Ma­schinen nur bei besonders gutem Maschinenschutz

Aus der eng

Das Vermögen im Bett versteckt.

+ Grünberg, 7. Nov. Dieser Tage verstarb hier im Alter von 72 Jahren eine in ärmlichen Ver­hältnissen lebende ledige Frau ohne nähere An­verwandte, die ihren Unterhalt mit Putzarbeit ver­diente. Bei der Sichtung des Nachlasses machte man nun die merkwürdige Entdeckung, daß die Ver­storbene, die neben ihrer Invalidenrente noch Hin­terbliebenenrente für ihren im Weltkrieg gefallenen Sohn bezog und auch von der NSV. betreut wurde, über ein ansehnliches Vermögen verfügte. Anstatt ihr Geld zur Kasse zu bringen, um es zins­tragend anzulegen, hatte sie die Aufbewahrung in der Weise unserer Voreltern vorgezogen. In Zigar­renkisten, Schachteln, Kartons, in Lappen einge­wickelt, im Bett und an anderen Stellen versteckt, fand man einen Geldvorrat von fast 10 0 0 0 M k. U. a. waren dabei Goldstücke im Betrage von knapp 1400 Mark, ferner alte Silbermünzen aus der Zeit vor dem Weltkriege im Werte von mehr als 1000 Mark, heute noch gültige Münzen und Geldscheine im Betrage von über 4000 RM. und über 3000 Mark Geldsorten aus der Zeit nach der Inflation, die aber inzwischen durch Einziehung ihre Gültig­keit verloren haben. Ein Karton von ziemlichem Gewicht enthielt eine große Menge von den jetzt in Umlauf befindlichen 10- und 5-Pfennigstücken. Neben dem Hamstern von Geld hatte die Verstorbene aber auch Lebens mittelvorräte in größeren Mengen angehäuft, u. a. beinahe 8 Pfund Bohnen­kaffee, der schon verschimmelt war. Ob sich entfernte Verwandte finden werden, ist fraglich, da die Ver­storbene als uneheliches Kind im benachbarten Lau­ter zur Welt gekommen war.

Landkreis Gießen.

<£ Lich, 6. Nov. Der Oberleutnant in einem Landesschützen-Bataillon Karl Ott, Führer des SA,-Sturms 26/116, wurde zum Hauptmann be­fördert. Unteroffizier Hermann R au, wohnhaft

legte die von jedem einzelnen betriebene Vorberei­tung Zeugnis ab.

** Vom Untergau Wetterau (116). Die Abschlußprüfung des Sanitätskurses für das ßei= stungsabzeichen findet am Freitag, 8,11., pünktlich um 19.30 Uhr im Mveserheim statt.

** Goldene Hochzeit. Am morgigen Sams­tag 9. November, begehen die Eheleute Heinrich B e n d e r o t h und Frau, geb. Luh, Am Riegelpfad Nr. 44 wohnhaft, das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar, das seit nahezu 40 Jahren zu^dem treuen Bezieherkreis desGießener Anzeigers" ge­hört, bringen auch wir unseren herzlichen Glück­wunsch zur goldenen Hochzeit und für einen schönen Lebensabend dar.

ng im Kriege.

und unter Beachtung der in den Unfallverhütungs­oorschriften vorgeschriebenen Altersgrenzen.

Schaffung von geeigneten Arbeitsplätzen für ein­gesetzte Kriegsbeschädigte. Nach Möglichkeit Abstel­lung der Vorrichtungen an den Maschinen auf die körperliche Behinderung der Kriegsbeschädigten und besondere Sorge für guten technischen Unfallschutz.

An besonders gefährdeten Arbeitsstellen nur Ein­satz von Personen, die die erforderliche Eignung und Kenntnis besitzen. Einarbeiten von Neulingen unter Aufsicht eines Meisters ober erfahrenen Vor­arbeiters mit Unterrichtung über die mit der Be­schäftigung verbundenen Unfallgefahren.

Bei Umstellung des Betriebes, Aenderung der Arbeitsweise und Verwendung neuer Werkstoffe be­sonders strenge Beachtung der von den gewerblichen Berufsgenossenschaften ausgegebenen Unfallver­hütungsvorschriften und Merkblätter.

Vorsicht bei Arbeiten während der Verdunkelung! Gute Ordnung auf den Betriebsanlagen! Verkehrs­wege stets freihalten! Abdeckung yder Kenntlich­machung von Vertiefungen, wie Gruben, Schächten usw. Langsame Anpassung der Augen an die Dun­kelheit beim Verlassen hellerleuchteter Räume.

Die Erkenntnis der Notwendigkeit unfallsicheren Arbeitens und der webrwirtschaftlichen Bedeutung der Unfallverhütung wird zur Erhaltung und Stär­kung der Front der Arbeit beitragen.

?ren Heimat.

Bahnhofstraße 10, wurde zum Feldwebel befördert. Obergefreiter in einer Sanitäts-Kompanie Karl Buß wurde zum Unteroffizier befördert.

= Steinbach, 8. Nov.- Dem Feldwebel Ludwig Gerhard von hier, der kürzlich wegen Tapferkeit mit dem E. K. II ausgezeichnet und zum Feldwebel befördert worden war, wurde nun auch noch das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.

G.A^Gport.

Vorentscheidung im Tschannner-Pokal.

Fortuna-Dusseldorf1. FC. Nürnberg und Dresdner SC.Rapid Wien.

Der Fußball-Wettbewerb um den Tschammer- pokal nähert sich feinem Höhepunkt und Abschluß. Am kommenden Sonntag steigen in Düsseldorf und Dresden die beiden Spiele der Vorschlußrunde,- und schon am 1. Dezember stehen sich im Berliner Olympiastadion die beiden Sieger im Endkampf um den Wanderpreis des Reichssportführers gegen­über, den der traditionsreiche 1. FC. Nürnberg zu verteidigen hat.

Vier Klassemannschaften bestreiten am Sonntag die beiden Treffen der Vorschlußrunde. Im Düs­seldorfer Rheinstadion sind Fortuna Düssel­dorf und der Pokalverteidiger 1. F C. Nürn­berg die Gegner, während im Dresdner Ostra­gehege Sachsens Meister Dresdner SC. und die Ostmarkmannschaft Rapid Wien antreten wenden.

DerClub" ist sechsfacher deutscher Meister und zweimaliger Gewinner des Tschammerpokals, For­tuna Düsseldorf gewann 1933 die deutsche Meister­schaft und zählt feit einem Jahrzehnt zu den ffüh-

renben Mannschaften des Reichs, Rapid Wien gllt als die erfolgreichste Mannschaft der Ostmark und gewann 1939 im Kampf gegen den FSV. Frankfurt den Tschammerpokal, und der Dresdner SC. ist oft. maliger sächsischer Meister und der letzte Endspiel» gegner Schalkes beim Kampf um die großdeutsche Meisterschaft.

Terminliste der 2. Klaffe Gießen s geändert.

10.11.: Hungen Saubringen.

Steinbach VfB.-R. Gießen. Klein-Linden Lollar. Wißmar Rodheim.

17.11.: Daubringen Rodheim.

Lollar Steinbach. DfB.-R. Hungen. Wißmar Klein-Linden.

24.11.: Hungen Klein-Linden.

Rodheim Lollar. , Daubringen DfB.-R. Steinbach Wißmar.

1.12.: Steinbach Hungen. Klein-Linden Daubringen. VfB.-R. Rodheim.

Lollar Wißmar.

8.12.: Rodheim Hungen.

Klein-Linhön Steinbach. Lollar VfB.-R.

Wißmar Daubringen.

15.12.: Rodheim Steinbach.

VfB.-R. Klein-Linden. Daubringen Lollar. Hungen Wißmar.

22.12.: Wißmar DfB.-R.

Durch die Neuhereinnahme von VfB.-R. II. und Wißmar war eine Neuausstellung der Terminliste notwendig. Es spielen also am nächsten Sonntag die obengenannten Mannschaften.

Die Daubringer werden in Hungen auf einen Gegner stoßen, der die Punkte behalten will und sie auch auf Grund seiner Spielstärke behalten kann. Die II. Mannschaft des VfB.-R. spielt nach halb­jähriger Pause wieder. Gegen den Meister dürfte es zu keinem Erfolge langen. Schon ein Unentschie­den wäre eine Ueberraschung. Erst das Abschnei­den von Rodheim und Wißmar gibt die Möglich» feit einer Beurteilung der Spielstarke bvi'der Mann­schaften.

Spielen VfL. 1860 Marburg und Germania 08 Marburg in der Vezirksklasse Gleßen/Wehloir?

Schon vor Jahren waren Bestrebungen im Gange, die sogenannte Lahnliga zu bilden. Diese Bestre­bungen scheiterten damals. Wie wir hören, sind in dieser Richtung erneut Verhandlungen ausgenom­men worden. Vielleicht erfährt der frühere Plan jetzt seine Umsetzung in die Tat. Vom spielerischen Standpunkt wäre die Einreihung dieser Mann­schaften zu begrüßen.

Schwerathletik beim Hallensportfest des BfB.-Aeichsbahn.

Im Rahmen des Hallsnsporffestes am kommen­den Sonntag in der Turnhalle am Aulweg tritt auch die Schwerathletik-Abteilung des BfB.-Reichs- bahn vor die Oeffent-lichkeit. Zunächst wird die Ringermannschaft ge-gen Reichsbahn Hanau mit einer fast friedensmäßigen Mannschaft antreten. Folgende Ringer vom Bantam bis Halbschwerge­wicht starten: Rabow, Dem, Alois Funk, Uffz. Eder, Gefr. Becker und Klotz. Das Schwergew'cht fällt aus. Dann werden noch verschiedene Jugend* kämpfe gezeigt. Der vorjährige Gamnsister, Reichs­bahn Hanau, ist zwar nicht mehr so kampfstark wie früher, denn drei Ringer der 1. Mannschaft sind auf dem Felde der Ehre geliehen. Der Hanauer Verein verfügt aber über tüchtige Nachwuchsrm- ger, so daß schöne Kämpfe zu ern>arten sind. Im Gewichtheben will der Schwergewichtler Gary (Marburg) eine neue Gaubestleistung im einarmig Reißen aufstellen. Erstmals wird auch Dr. Luh als Gewichtheber auftreten, denn auch als Heber zeigt Luh sehr gute Leitungen, und man erwartet z. B. im beidarmig Stoßen eine Leistung von 240 Pfund nach den bisher gezeigten Trainingsleistungen.

Sprechstunden der Redaktton.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach» mittags geschlossen.

Gesang des Herbstes.

Von Hedwia Forstreuter.

Die Luft kommt rein und frisch von den Feldern her, sie riecht nach Wiese' und Vieh, nach Laub und Kartoffelkraut. Von den kleinen Feldstücken am Dorf steigt Rauch auf, Kinder werfen immer aufs neue Kraut in die schwelende Glut. Sack an Sack steht in den Furchen gereiht, gebückte Frauen lesen Kartoffeln aus der Erde. Ich grüße herüber, und sie rufen zurück. Dann muß ich vom Rade springen und den jungen langhaarigen Jagdhund am Hals­band halten,' denn ein Lastzug kommt uns ent­gegengebraust, und der Hund in seiner Tapsigkeit, . eben noch artig an meiner Seite, würde es fertig bekommen, im letzten Augenblick über die Chaussee zu laufen, den Autos vor die Kühlerhauben. Die Fahrer winken uns verständnisvoll zu, dann sausen tpir wieder weiter, die schöne, baumbestandene

-- Chaussee entlang, über die Ebereschen ihre korallen­roten Früchtebüschel zierlich halten. An Der rechten Wegseite steht Wald, von schmalen Wiesenstreifen unterbrochen, links ziehen sich Felder bis zu einer Hügelkette, die mit zart verblauendem Schatten­riß den Horizont abschließt.

Aus de.r Ferne kommt das dumpfe Surren eines Motors: der Trecker arbeitet auf den Kartoffel­feldern des Gutes. Ein Vorwerk taucht auf; breite weiße Stallungen mit niedrigen tiefgezogenen Dächern. Ein Haus unter Bäumen, windverbogene Kiefern als Wahrzeichen neben Scheunen. Eine Kirschallee, die noch prangt im leuchtenden Bunt ihrer Kronen, führt in leichter Biegung hügelan in die Felder. Das Geräusch des Treckers wird stärker, und da werden auch schon langgestreckte Mieten sichtbar und Menschenreihen, die sich im Takt der Arbeit bewegen.

Wir sind angelangt. Der Hund Strupp kann es nicht erwarten, daß ich mit ihm über das Feld gehe. Seine junge Herrin, die Tochter vom Gut, arbeitet dort unter den Frauen und Mädchen, und er ist außer sich vor Freude, als sie ihn ruft. Alle Gesichter wenden sich Dem heranstürmenden Hunde zu, die Kinder rufen seinen Namen, aber er nimmt kaum Notiz davon, läßt nur einmal kurz die Ohren spielen und wendet sich pneber ausschließlich zu der jungen Herrin, die mit leisen Worten zu ihm spricht. Dann ist Pause.

Wir sitzen auf Säcken im Schutz einer Miete. Bei heißem Tee, Broten und dem Bericht der Morgen­erlebnisse ist die Frühstückszeit behaglich. Wir sehen von unserem tiefen Sitz auf zu dem zart­blauen Herbsthimmel, an dem weiße Wolken wie die Rücken von Gebirgen stehen, fonnbeglänzt, als leuchte da oben ewiger Schnee. Die Landschaft ruht still und selig unter diesem Himmel. Baumreihen verlieren sich zum Horizont hin, lesre Felder schwin­gen in fünften Bogen in die Ferne. Der Pflug ging schon über sie hin, und die dunkle Scholle glänzt.

Ehe wir ins Träumen kommen, schrillt die Pfeife des Vogtes und läßt uns aufspringen. Die Arbeiter gehen wieder an das Zuschüßen der Mieten, das sehr sorglich geschehen muß: erst gute Lagen Stroh, dann Erde und noch einmal Stroh, das mit Erde zugeschüttet und so befestigt wird. Gegen Frost und Feuchtigkeit muß die Kartoffel geschützt sein.

Etwas entfernt von den Mieten sind die Frauen und Kinder dabei, die Kartoffeln aufzulefen, die der Trecker aus der Erde holte. Hellgelb, glänzend, groß und regelmäßig liegen die Knollen in dem braunen, lockeren Grund, und viele arbeitsrauhe Hände grei­fen nach ihnen, um die Körbe zu füllen, die dann in Säcke ausgeleert werden. Für jeden Korb, der beim Wagen abgeliefert wird, gibt es eine Marke, diese Kennmarken werden dann beim Löhnen ver­rechnet. Die Tochter vom Gut gibt die Marken aus, wenn sie nicht selbst unter den Leserinnen ist. Sie kennt also wie die Arbeiterinnen das mühselige Stapfen durch den weichen aufgerissenen Acker und das Bücken und Wiederaufrichten beim Lesen, das in den ersten Tagen der Arbeit ausgiebigen Mus­kelschmerz schenkt. Aber schön ist die Ernte, und alle haben den Ehrgeiz, recht viel zu schaffen, nicht allein des klingenden Lohnes wegen. Sie wissen: das gute Wetter muß ausgenutzt werden; es sind noch viele Aecker abzuernten, ehe im November die Rüben­felder drankommen. Und bei feuchter Witterung ar­beitet es sich so viel schwerer. Strupp treibt sich un­ter den Kindern herum, bis die Herrin in wegpfeift. Dann muß ich ihn am Halsband nehmen und ein Stück fortführen, damit er folgt, der Abschied fällt ihm schwer. Wenig später trottet er zufrieden neben dem Rade die Landstraße herab, stöbert Vogel- schwärme auf und verfolgt einen flüchtigen Hasen.

Das Stampfen des Treckers klingt noch aus der Ferne wie das Lied der Ebene selbst, eintöniger Gesang des Herbstes.

Sloria-Paiast:Traummusik/'

Traummusik" ist ein Itala-Film der Tobis. Er schildert den dornenreichen Weg eines jungen ehr­geizigen Musikers zum großen Erfolg. Der junge Mann hat eine OperDie Heimkehr des Odysseus" geschrieben, er ist von seinem Können überzeugt, und auch eine junge Sängerin, die er liebt, und die ihn liebt, glaubt an fein Talent und an seinen Aufstieg. Aber während ihr das Glück des Ruhmes beim ersten Versuch in den Schoß fällt, hat der Komponist mit seiner Oper Schwierigkeiten; da er überdies die ehrlichen Bemühungen seiner erfolg­reichen Freundin, auch ihm zu helfen, verkennt, weil er auf den Generalmusikdirektor eifersüchtig ist, ent­fremden sich die beiden. Der junge Mann entdeckt, daß der große Erfolg bei der Revue leichter zu haben ist als bei der Oper: er stellt sich um, tauft sich um, pfeift auf das Mädchen und ihren Mäzen und verschrottet seinenOdysseus" portionsweise zu munteren Schlagern einer knalligen Revue un­ter dem TitelTraummusik". Das Mädchen aber liebt ihn noch immer, sucht ,üm, findet ihn und kommt gerade noch zurecht, um ihn zu bekehren und seiner wahren Bestimmung zurückzugeben. Er erfährt zu seiner Ueberraschung, daß derOdysseus" (hinter seinem Rücken sozusagen) endlich doch auf­geführt werden soll, und die geliebte Freundin wird sogar die Penelope darin fingen, wie sie es sich in ihren überschwänglichen, aber anonymen Anfängen immer ausgemalt haben. Da bläst er dieTraummusik" noch auf der Generalprobe ab (er kann es sich leisten, denn er hat ja mittlerweile mit seinen Schlagern Geld verdient wie Heu), und derOdysseus" wird ein großer Erfolg, noch dazu vom Glück zweier jungen Paare gekrönt, wohin­gegen Der Generalmusikdirektor leider leer ausgeht. Das Drehbuch schrieben Georg Klaren, I. B. Malina und, erstaunlicherweise, Richard B i V- l in ger, der als Lyriker und Dramatiker well bekannter wurde. Die Vertonung wurde, den hete­rogenen Elementen der hier gespielten Musik ent­sprechend, zwischen dem italienischen Opernkomponi­sten Z a n D o n a i und Peter Kreuder gerecht geteilt. Der Spielleiter Geza von B o l v a r y ar­beitete die krassen Gegensätze heftig heraus und sparte nicht mit üppiger Ausstattung. Gigli spielt I sich selber: er erscheint nur in zwei kürzest Szenen,

aber das genügt, um ihn die blühende Fülle seiner berühmten Stimme entfalten zu lasten. Werner Hinz ist der Komponist: etwas überraschend nach dem, was er früher gespielt hat, aber das Spröde, Abweisende, Verbitterte und Zynische dieser Figur scheint feiner Ausdrucksart zu entsprechen. Marte H a r e 11, sehr hübsch, sehr zärtlich und hinge­bungsvoll, mit einem hohen Koloratursopran, ist die Sängerin Carla; Lizzi Wo Id Iler wirkt neben ihr in der Soubrettenrolle der Odelle heller und unbeschwert; Schönhals behandell den nicht besonders sympathischen Generalmusikdirektor mit taktvoller Zurückhaltung; Axel von A mb ess er, Elsa Wagner und Walter Ladengast seien vom Ensemble noch genannt. An der Kamera stand Friedl Behn-Grund. Hans Thyriot

Oer lockende Urwald.

Der seit drei Jahren im bolivianischen Urwald lebende Schwede Larsen Lundström führt als Fell­händler und Orchideenjäger ein ziemlich abgeschlos­senes Dasein. Kein Wunder, wenn er endlich auch einmal ein weibliches europäisches Wesen um sich sehen wollte und deshalb in einem heimffckM Blatt durch einen Stockholmer Freund ein Heiratsgesuch aufgeben ließ. Eine, so meinte er, werde sich schon finden, die zu ihm passe und das wilde Leben mit ihm teilen wolle. Nach einiger Zeit, es mögen zwei bis drei Monate Darüber verflossen sein, machte sich Larsen zu Der Poststation auf, um nachzusehen, ob sein Inserat Erfolg gehabt habe. Er fiel fast auf Den Rücken vor Ueberraschung, als bei seinem Ein­tritt Der Postagent auf einen kleinen' Berg von Postsachen wies, Der Dort in Der Ecke Des Raumes lagerte.Alles für Sie, Senor!" meinte er. Und tatsächlich waren es sage und schreibe genau 742 Briefe, Die von heiratslustigen Mädchen an den einsamen Urwaldmenschen gerichtet worden waren. Er mußte sich noch einen Sack borgen, um Den Segen" mit in seinen Rancho nehmen zu können, lieber einen Monat tat Larsen gar nichts weiter als Briese sortieren und prüfen, um die geeignete Ehefrau zu finden. Ob erauf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" zur Richtigen gekommen ist, wurde bis jetzt nicht bekannt; es ist aber anzu­nehmen.