Ausgabe 
8.11.1940
 
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Botschafter in Berlin, Neville Henderson, vom Führer einen Plan erhielt, über den sich dann das englische Kabinett zwei Tage lang beraten habe, und zwar schien eine positive Antwort zu erfolgen, wenn nicht die Polen lamentiert hätten. Brinon glaubt auch hier den Einfluheiner hohen ameri­kanischen Persönlichkeit" zu entdecken, und wir nah­men an, daß er nicht nur glaubt, sondern es weiß, woran die Friedenspläne Adolf Hitlers scheiterten, weshalb die Chamberlain und Daladier den Krieg wählten. Weil sie Amerika vertrauten. Die ungeheuerliche Tatsache also besteht, daß Frankreich gegen den eigenen Willen, durch die internationalen, nach Washington gehenden und von dort gelenkten Beziehungen der Freimaurer und Juden gebunden, um der Polen halber uns den Krieg erklärte. Das wäre niemals möglich gewesen, wenn nicht in Frankreich und England die ameri­kanischen Kriegstreiber Helfershelfer gehabt hätten, die den jüdischen ,Kreuzzug" gegen uns wollten.

Nun ist die furchtbare Enttäuschung da, nun sind die Dorfechter dieser Kreuzzuasprediger ins Unglück gestürzt worden. Denn die USA. konnten nicht helfen. Der angesehene amerikanische Journalist Karl von Wiegand schreibt imNew Port Journal", Roosevelt wolle nur den Krieg zwischen England und Deutschland verlängern, während Marcel D 6 a t, früher französischer Minister, an Hand von Zahlen die ungeheure Illusion klarlegt, die man sich von der amerikanischen Waffenhilfe versprochen habe. Auch jetzt noch stände die ameri­kanische Armee nur auf dem Papier, weder die amerikanische Luftwaffe noch Flotte seien auf der Höhe. Daß aber diese Kriegshetzer heute noch, wie Brinon sägt, einen Druck auf Frankreich aus- üben, daß die französischen Staatsmänner gegen diese Unanständigkeit, um kein schärfer treffendes Wort zu gebrauchen, sich wehren müssen und das Recht Frankreichs, seine Zukunft selbst zu bestim­men, gegenüber Amerika verteidigen müssen, das ist ein Skandal, begangen von der Regierung eines Landes, das sonst immer seine Unverletzlichkeit und die seiner Hemisphäre" heroorhebt, während es Überall in der Welt gegen Deutschland und damit gegen Europas Frieden auf das Schwerste sich ver­gangen hat. E. S.

Französische Ausbürgerungen

Paris, 8. Nov. (Europapreß.) Die jetzt erschie­nene neue Ausbürgerungsliste gibt wieder einmal den Blick auf die Hintergründe der Politik der Kriegshetzer frei.' Man findet auf ihr vor allem den Namen des langjährigen Generalsekretärs des Außenministeriums, Alexis Läger, der hinter den Kulissen meirtst viel tiger war als der jeweilige, aus dem Parlament gekommene Außenminister, er hat der französischen, im Fahrwasser Englands segelnden Außenpolitik seinen Stempel ausgeprägt. Weiter enchält die Liste den Namen des jüdischen Bankiers Jacques Stern, der fick) im Parlament einen Sitz erobert hatte. Stern gehörte sogar zeit- wellig der Regierung als Unterstaatssekretär, an. Don unheilvollen jüdischen Kriegstreibern findet man weiter den Namen des früheren Besitzers der Agence Economique et Financiöre" und der Agence Fournier", Georges B o l l a ck. Auch der frühere Bürgermeister von Orleans, Claude L 6 vy , ist ausgebürgert worden. Weiter der Jude Andre Meyer, der der Direktion der jüdischen Bank Lazard Freres angehörte, welche an vielen Operationen der Regierung auf dem Gebiet der Währung, bei Vergebung von Regierungsaufträgen in Jndochina usw. viel Geld veMent hatte. Auch der AnwÄt Henry T h o r ö s, der ein Freund der Volksfront war und in vielen Strafprozessen als Verteidiger auftrst, ist ausgebürgert worden; weiter der Flugzeug-Industrielle Paul-Louis Weiler, der sich schon in Schutzhaft befindet; der Journalist Pierre Lazar e ff, einer der früheren Hauptbe- sitzer desParis Soir", und das frühere Mitglied der Comädie Fran^aife, die Schauspielerin Dera K o r ä n e.

Ruhepause in LtGA.

Neuyork, 7. Nov. (Europapreß.) Die Stim­menzählung für die Präsidentschaftswahl ist zwar noch nicht endgültig abgeschlossen, aber es trat nach dem leidenschaftlichen Wahlkampf die ersehnte Ruhe ein, sobald datz Ergebnis im großen und ganzen feststand. Die Presse fordert dazu auf, die inner­politischen Gegensätze zu vergessen, weist jedoch darauf hin, daß Roosevelts Stimmenmehrheit die geringste seit Wilsons zweiter Wahl sei, und daß ein unterlegener Präsidentschaftskandidat nie eine so hohe Stimmenzahl aufgebracht habe, wie Willkie. Innenminister Ickes reichte dem Präsidenten heute seinen Rücktritt ein. In der Pressekonferenz er­klärte er, daß er Roosevelt die Möglichkeit für eine Umbildung des Kabinetts geben wolle.

Wie verlautet, werden die Demokraten im Repräsentantenhaus nach den bisher vor­liegenden Ergebnissen 223 von insgesamt 435 Sitzen erhalten. Die Republikaner haben bis jetzt 115 Sitze errungen, wobei der in verschiedenen Staa­ten erzielte Stimmengewinn den Verlust an Stim­men wieder ausgleicht. Im Senat dürften die Re­publikaner etwa einen bis zwei Sitze gewinnen. Im großen und ganzen kann gesagt werden, daß die Mehrheit der Demokraten in beiden Häusern, also sowohl im Senat als auch im Re­präsentantenhaus, u n b er ü h r t bleibt.

Japan zur Wiederwahl Roosevelts.

Tokio, 7. Nov. (Europapreß.) Roosevelts Wie­derwahl hat in Japan wenig Ueberraschung her­vorgerufen. Man war auf diesen Ausgang vorbe­reitet und betont, daß die japanische Politik hier­von nicht berührt werde. Die gesamte Presse hebt Japans unerschütterliche Entschlossenheit hervor, die Neuordnung Ostasiens im Bunde mit den Achsen­mächten durchzuführen und nordamerikanische Ein­mischungen in Zukunft ebenso wenig zu dulden wie bisher.' Im Einzelnen schreibtAsahi", es sei anzunehmen, daß Roosevelt seine Politik der Un­terstützung Englands und Chinas noch verstär­ken werde, wenngleich manche seiner gegen Japan ergriffenen Maßnahmen offensichtliche W a hl- ma n ö v e r gewesen seien, um der japanfeindlichen Stimmung der Wählermassen zu schmeicheln. Washington sollte aus zahlreichen japanischen Er­klärungen wissen, daß es kaum eine einzelne Frage gebe, die zwischen USA. und Japan nicht auf diplomatischem Wege lösbar wäre. Trotzdem be­stehe kaum Grund zu der Annahme, daß Roose­velts Wiederwahl eine gütliche Lösung der Stteit- fragen nähergerückt habe.

In japanischen Wirtschaftskreisen wird betont, der Wahlausgang bestätige die Richttgkeit der von Japan seit Jahr und Tag vorgenommenen Um­stellung mit dem Ziele, sich vor einer wirtschaft­

lichen Abhängigkeit von USA. und England zu be­freien. Nur so könne sein Kampf um die zukünftige Selbständigkeit der-Völker Asiens erfolgreich sein.

Japanischer Erfolg in Westhnpeh

Schanghai, 8. Nov. (Europapreß.) Die Ein­nahme von Nantsinkwan in dem gebirgigen Gelände im Westen der Provinz Hupeh (Mittel- chlna) nördlich der Stadt I t s ch a n g gelang den japanischen Truppen im Laufe eines zehnstündigen

Kampfes. Mit Unterstützung von Artillerie und Sturzoombern verachten die japanischen Truppen die chinesischen Linien zu durchbrechen. Nantsinkwan wird als eine wichtiges chinesisches Versorgungs­zentrum Westhupehs bezeichnet. Japanische Bom­benangriffe auf Tschungking-Truppen haben in Fantschang in Süwestkwantung und in den Bergen Südwantungs, der südlichsten Küstenpro­vinz, stattgefunden.

Versenkungen!

13on innerer Beniner (Schufsteiiung.

Furchtbar!" sagte Churchill in öffenllicher Sitzung des Unterhauses, und in der nachfolgenden gehei- men hat er wohl noch offener über die Wirkun­gen der deutschen Seekriegführu n g gegen die englische Schiffahrt gesprochen. Dabei wandte Churchill das Mittelchen der Kurpfuscher an, nur Teilgefahren festzustellen. Er sprach ausdrücklich von der Furchtbarkeit der deutschen U - B o o t g e f a h r, die im kommenden Jahr nach einer Ansicht noch zunehmen werde, unterließ es aber, die Auswirkungen unserer anderen Waffen,- unserer U e b e r s e e st r e i t k r ä f t e und unserer Luftwaffe zu kennzeichnen. Diese bewußte Um terlassungssünde hat am nächsten Tage der OKW.- Bericht deutlich gemacht. Er gab eine Ausstellung, wonach unsere U-Boote allein in den Mona­ten September und Oktober 946 000 BRT., andere Streitkräfte 351400 BRT., zusammen also 1 308 000 BRT. versenkten. Seit Kriegs. beginn haben die feindlichen Handelsflotten, also hauptsächlich die Engländer, insgesamt 7,1 Millionen BRT. verloren, davon durch Ueberwasserstreitkräfte 1 810000, durch U-Boote 3 714 000, durch die Luftwaffe 1 638 200. Dabei sind nicht einmal die Verluste durch schwere Beschädigungen sowie der neutralen, ür England fahrenden Schiffe mitgerechnet.

Nun hatte England 1939, als der Krieg aus­brach, eine kleinere Flotte als zu Weltkriegsbeginn. Bis jetzt ist gut ein Drittel dieser englifchen Handelsflotte versenkt worden! Oder, um einen an» deren Vergleich zu wählen: eine Flotte, so groß wie die Handelsflotten von Frankreich, Schweden, ©rie- chenland und Dänemark zusammen ist seit Kriegs- beginn versenkt worden, oder wie die Japans und Frankreichs oder die Deutschlands und Italiens. Für die Rohstoff- und Lebensmittelversorgung Englands ist dieser gewalttge Verlust im Kriege un wider, bringlich, da die englischen Werften, die übrigens unter deutschem Bombardement liegen, nicht in der Lage sind, diesen Verlust zu ersetzen. Sie sind, wie kürzlich ein schottischer Schiffsbauer im Londoner Rundfunk erzählte,voll von beschädigten Schiffen"! Waren im Gewichte von mindestens 8,5 Millionen Gewichtstonnen, jede Tonne zu tausend Kilo, fin^ mit diesen Schiffen vernichtet worden. Man macht sich von dieser versenkten Menge einen Begriff, wenn man annimmt, daß es sich hier nur um Butter handele. Die Menge Butter hätte genügt, um vierundvierzig Jahre lang jedem Berliner, er sei Mann, Frau oder Kind, täglich ein Viertelpfund Butter zu verabfolgen! Kein Wunder, wenn jetzt sogar englische Amtsstellen auf die Lebensrnittel- oerknappung Hinweisen. Hier haben wir eben einen der vielen Punkte getroffen, wo England höchst emp­findlich ist. E. S.

auch weiterhin dazu berufen, den Sowjetstaat zu schützen.

An der Parade nahmen Verbände aller Truppen- gattungen in guter Haltung und Ausrüstung teil. Zum ersten Mal beobachtete man die neuen präch­tigen Uniformen der sowjetischen Generale sowie die gleichfalls neu eingeführten Fellmützen bei den Truppen (an Stelle der bisher üblichen Tuchhelme). Den Vorbeimarsch begannen Abteilungen der Mos­kauer Krieasschulen und Akademien sowie Truppen des Grenzschutzes, des inneren Schutzes und der Kriegsmarine. Es folgten Infanterie in feldmarsch­mäßiger Ausrüstung, Kavallerie und motorisierte Infanterie auf Krafträdern und Panzerautos. Der Nachdruck bei der diesjährigen Parade war auf die schweren und schwersten motorisierten Waf­fen gelegt. Man sah Scheinwerfer, Flakgeschütze aller Kaliber, darunter eine neues leichtes 2-cm- Flakgeschütz, Pak-Geschütze, Minenwerfer, leichte, schwere und schwerste Feldartillerie. Zum ersten Male bemerkte man ferner schwerste Langrohrge- schütze und Mörser von modernster Bauart. Es folg­ten etwa 2 5 0 Tanks aller Gruppen, darunter 10 schwerster Bauart. Zum Schluß überflogen einige hundert Bomben- und Jagdflugzeuge verschiedener Typen den Platz. An die Militär­parade schloß sich die übliche Massenkundgebung an, in deren Verlauf mehrere hunderttausend Men­schen mit Fahnen, Transparenten und Porträts der sowjetischen Staatsmänner über den Roten Platz zogen, während Stalin und seine Umgebung auf den Stufen des Lenin-Mausoleums vor dem Kreml ihre Huldigungen entgegennahmen.

'Der japanische Außenminister beim Empfang desSowjetbntschaff rS.

Tokio, 7. Nov. (DNB.) Der Sowjetbotschcrfter in Tokio, S m e t a n i n, veranstaltete anläßlich des russischen Nationalfeiertages einen Empfang, dem neben dem Diplomatischen Korps zum erstenmal wieder Außenminister M a t s u o k a , Kriegsminister T o j o, Marineminister Ottawa, Landwirtschafts­minister I s h i g u o, Eisenbahnminister Ogana und andere japanische Diplomaten beiwohnten.Tokio Nitschi Nitschi" stellt fest, daß der Empfang in der Sowjetbotschast im Hinblick auf die sapanisch-rulsst- schen Beziehungen darum große Bedeutung hat.

Englands Staub baltischer Schiffe.

Stockholm, 7. Nov. (Europapreß.) Die Requi­rierungDon insgesamt 24 ehemals lettischer, estnischer und litauischer Dampfer in englischen Häfen ist, wie bereits der parlamentarische Unterstaatssekretär im Londoner Auswärtigen Amt, Butler, im Unterhaus mitteilte, Gegenstand eines englisch-russischenGedankenaus­tausches" geworden. Butler erklärte, die ganze Frage sei von komplizierter technischer Natur, Eng­land hoffe, mit Rußland zu einer Regelung zu kom­men. Er deutete an, daß auch andere Fragen (u. a. die Auslieferung der baltischen Guthaben bei der Bank von England an die Russische Staatsbank) Gegenstand der Diskussion seien, und mußte abschlie­ßend einräumen, daß die englisch-russischen Handels­vertragsverhandlungen nach wie vor e r g e b n i s l o s geblieben seien. #

Churchills Echo in Irland.

Stockholm, 7. Nov.MitEiseskälte hat man in Irland die Anspielungen Churchills, ir­ländische Häfen für den Krieg gegen deutsche U* Boote zu benutzen aufgenommen", schreibt der Kor­respondent desAftonbladet" am Donnerstag aus London. Das schwedische Blatt gibt einen Leit­artikel aus der in Dublin erscheinendenIrish Times" wieder, in dem es heißt:Churchill steht vor einem unvermeidlichen Dilemma, denn der Irische Freistaat wird an seiner Neutrali­tät f e st h a l t e n. Wir bedauern die lockeren Worte über Irland, die gelegentlich den englischen Par- lamentsreden entschlüpft sind. Das irische Volk bil­ligt die Neutralitätspolitik, die die irische Regie-

Erfolgreiche Luftangriffe auf mehrere Geleiizüge.

Berlin, 7. Nov. (DNB.) Am heutigen Tage erzielte die Luftwaffe wiederum nachhaltige Erfolge gegen Großbritannien. An mehreren Stellen des Seegebietes vor der englischen Insel wurden G e - leitzüge erfolgreich angegriffen. 3 m Seege­biet vor der Grafschaft Norfolk wurde ein Handelsdampfer versenkt und ein anderer in Brand geworfen. Südlich davon wurde ein Handelsschiff von 6000 BRT.' von zwei Bomben eines Kampfflugzeuges getroffen und so beschädigt, daß es in große Dampfwolken gehüllt hinter dem Geleitzug Zurückbleiben mußte, im Seegebiet von Harwich griff ein anderes Kampfflugzeug einen Frachter von 5000 BRT. an. Das Schiff er­hielt Schlagseite und blieb gestoppt liegen.

Ein Verband von Sturzkampfflugzeugen griff einen Geleitzug, der unter dem Schuhe der Deckung bietenden Wetterlage in den Londoner Hafen einzulaufen versuchte, besonders erfolgreich an. Ver­geblich bemühten sich zahlreiche Bewachungsfahr­zeuge, die deutschen Angreifer durch ihr Abwehr­feuer am Bombenwurf zu hindern. Lin Kreu­zer wurde getroffen und schwer beschädigt. Starke Explosionserscheinungen waren das weithin sichtbare Zeichen der nachhaltigen Bombenwirkung. Lin Handelsschiff von etwa 10000 BRT. er­hielt von den Sturzkampfflugzeugen einen Voll­treffer auf das Vorschiff und blieb mit Schlag­seite liegen. Lin Frachtdampfer von etwa 5000 BRT. wurde gleichfalls durch einen Volltref­fer zum Stoppen gebracht und in Brand ge­setzt. Lin drittes Handelsschiff von gleichfalls etwa 5000 BRT. fank unmittelbar nach einem Voll­treffer unter starken Explosionserscheinungen. Die deutschen Flugzeuge kehrten ohne eigene Verluste zu ihren Linsahhöfen zurück.

Der Wevrmachlbericht vom Donnerstag.

Berlin, 7. Nov. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Kampffliegerverbände fehlen die V e r g e l - lungsangriffe auf London bei Tage und besonders bei Nacht mit starken Kräften fort und

Weite Teile der unter deutschen

Stockholm, 8. Nov. (Europapreß.) Die deut­schen Luftangriffe gegen London haben im Laufe .des Donnerstags einen überaus umfassenden Cha­rakter angenommen. Abgesehen von zahlreichen gro­ßen Operationen bestätigt London die ständigen Einttüge kleinerer Formattonen in den englischen Luftraum und erneute Angriffe aus London. Eine Stadt im Süden erlebte eine Anzahl Angriffe deut­scher Maschinen. Südvststädte wurden heftig bom­bardiert. Die mittelenglischen Grafschaften und Mersey-Städte waren wiederum besonders heftigen Angriffen ausgesetzt. Neben London, den Midlands, Südostengland, Westschottland, Südwales und East- Anglia war in der Nacht zum Donnerstag auch die Grafschaft Yorkshire deutschen Luft­angriffen ausgesetzt. Eine Stadt an der Ostküste wurde von deutschen Bombern im Tie ff lug an­gegriffen. Englische Berichte sprechen davon, daß die Maschinen bis zu hundert Meter niedergingen, um ihre Bombenlast abzuwerfen.

Das englische Königspaar fetzte am Don­nerstag die Desichttgungsreise durch die Mersey- Städte fort; es weilte u. a. in Liverpool, wo wie der britische Nachrichtendienst mitteilte es vier Stunden lang die zerstörten Stadtteile durch­fuhr. In diesen vier Stunden wurde die Stadt drei­mal von deutschen Maschinen angegrif­fen, so daß die Besichtigung dreimal wegen Lust­alarms unterbrochen werden mußte. Bei der Mit­teilung über diese Besichtigungsreise entwich dem englischen Nachrichtendienst das Eingeständnis, daß die deutschen Bomben entgegen den bisherigen Be­hauptungen Eisenbahn st recken 3er ft ort haben. Es wurde nämlich erklärt, daß das Königs­paar der Ausbesserung von Signalposten unb Schie­nensträngen zugesehen habe. 6800 der militärischen Hilsso-rganisattonen und 3000 Mann der regulären

Streng neutral.

Moskau, 7. Nov. (DNB.) Am Mittwochabend fand im Moskauer großen Theater anläßlich des 23. Jahrestages der bolschewistischen Revolution wie alljährlich ein Staatsakt statt in Anwesenheit Sta­lins, der Sowjetregierung und der Marschälle der Sowjetunion. Der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR., Kalinin, behan­delte die wirtschaftlichen Leistungen der Sowjet­union während des letzten Jahres. Er hob hervor, daß die gesamte Produktion der Sowjettndustrie (ohne die neuerworbenen Gebiete) während dieses Jahres um 11 v. H. die Erzeugung des Vorjahres übersteige, was 13 Milliarden Rubel ausmache. Insbesondere sei auf dem 'Gebiete der Metallgewin­nung, der Kohlenförderung usw. ein erheblicher Zu­wachs zu verzeichnen. Die Ernte sei im lausenden Jahre gut ausgefallen. Man rechne mit einem Bruttoertrag der Getreideernte von 7 Milliarden Pud (1 Pud gleich 16 Kilogramm).

Nachdem Kalinin die Leistungen der Sowjet­armee im finnischen Konflikt gewürdigt hatte, kam er auf die Angliederung der neuen Sowjetrepubliken zu sprechen (wobei u. a. erstmalig erwähnt wurde, daß die Armeen der baltischen Republiken in die Rote Armee ein- gegliedert sind), sowie auf den Anschluß

aber

Kalinin über die Stellung Rußlands zum Kriege.

belegten auch sonstige kriegswichttge Ziele erfolg­reich mit Bombern 3n den Dockanlagen und Lager­häusern von Southampton und an anderen Stellen Süd-Englands brachen Brände aus. Er­folgreiche Rachlangriffe richteten sich ferner auf Eoventry, Birmingham und Liverpool. Hallen und Unterkünfte der Flugplätze von Great Driffield, Leeming und Rum wurden in Brand gefetzt, Flakbatterien durch rNaschlnenge- wehrfeuer zum Schweigen gebracht. Au der Kanal­küste schossen Jagdflieger wiederum 9 britische Jäger ab.

Fernkampfbatterien des Heeres bekämpften den Hafen von Dover sowie einige feindliche Schiffe südostwärts davon. Eines dieser Schiffe wurde so schwer getroffen, daß es feine Fahrt nicht fort­sehen konnte.

3m Atlantik, 500 km westlich von 3rland, griffen deutsche Kampfflugzeuge einen Geleit- zug an und trafen drei Frachter von je 6 0 0 0 BRT. so schwer, daß mit ihrem Verlust gerechnet werden muh. Südlich der Orkneys wurde ein handelsschisf von 8000 BRT. mittschiffs getroffen und versenkt, ein zweites schwer beschä­digt. Ein weiterer Frachter wurde an der briti­schen O st k ü st e mit Bomben belegt. Bei den An­griffen auf den Hasen Kinl-och-Eastle an der Westküste Schottlands erhielt ein großes Handels­schiff zwei schwere Treffer, Lagerhäuser wurden in Brand gesetzt. Auch gestern wurden britische Häfen vermint.

Nächtliche Bombenwürfe des Feindes trafen im Reichsgebiet in der Mehrzahl freies Gelände und verursachten nur Flurschäden. Nur in zwei Fällen griffen feindliche Flugzeuge 3udustrieanlagen an. Sie beschädigten dabei unerheblich ein Kesselhaus und eine Laderampe. Bei weiteren Angriffen auf Wohnviertel sind mehrere Tote und Verletzte zu beklagen. 3n Westdeutschland erfolgte ein Angriff auf ein mit dem Roten Kreuz kenntlich gemachtes Krankenhaus.

Die Verluste des Gegners betrugen gestern ins­gesamt 9 Flugzeuge. Drei eigene Flugzeuge wer­den vermißt.

britischen Insel Lustangriffen.

Armee sollen sofort nach London entsandt werden, um die zur Zeit etwa 12 000 Mann starken Räumungskommandos zu verstärken und zu unterstützen. .Außerdem sollen BauspezialiÜen eingeifert werden. Die Regierung gab bekannt, daß sie keinerlei G l a s b e st ä n d e zur Ausbesserung zerschlagener Fensterscheiben zur Verfügung stellen kann. Wohnungen, denen Fensterscheiben zerstört wurden, sollen durch Holz und Pappe vor ungün­stigen Witterungseinflüssen geschützt werden.

Die inner politischen Spannungen haben in der letzten Zeit beträchtlich zugenommen. Die gereizte Dienstagssitzung des Unterhauses ist, wie der Londoner Korrespondent vonGöteborgs Handels- und Schiffahrtszeitung" mitteilt, nicht das einzige Anzeichen einer inneren Unzufriedenheit. Der schwedische Beobachter will vielmehr festgestellt haben, daß sich immer weitere Kreise der englischen Oeffentlichkeit gegen die Vertreter des Hochkonser- vattvismus wenden. Im Zusammenhang mit der Rückkehr des englischen Botschafters in Washington, Lord Lothian, nach London sollen die wildesten Gerüchte aufgetaucht sein, über die sich das Blatt jedoch nicht aussprechen kann. Es heißt lediglich: Ein gewaltiges Unwetter wird sich in der nächsten Zeit entladen, wenn es Lord Lothian und Lord Halifax nicht gelingt, das Volk davon zu überzeugen, daß die Regierung es ernst meint. Das englische Volk hat seine Opfer gebracht und ist zu neuen Opfern bereit. Es will den Krieg bis gum Siege führen und duldet nicht mehr das dumme Zeug der Tories. Vielleicht verstehen diese den Wink, aber vielleicht versuchen auch einige in ihrer Klassenblindheit, sich wieder einzubilden, daß der Krieg ohne große Umstürze gewonnen werden kann."

nicht gleichgültig.

Bessarabiens, der ein historisches Unrecht wieder gutgemacht habe. Die Sowjetunion, die am gegenwärtigen Kriege nicht beteiligt sei, beobachte ftrenge Neutralität. Freilich könne kein Land ganz von den Kriegsereignissen unberührt bleiben, was z. B. für das Gebiet des Seehandels gelte.- Daß die Sowjetunion vom Krieg verschont geblieben sei, sei bedingt durch ihre Erfolge ihrer Führung, die in wirtschaftlicher, militärischer und außenpolitischer Hinsicht in den Händen Stalins ruhe. Die internationale Lage gebe der Sowjet­union nicht das Recht, die Rolle eines gleichgültigen Beobachters zu spielen. Es sei vielmehr die Pflicht jedes .Sowjetbürgers, zur Stärkung der wirtschaft­lichen und militärischen Macht der Sowjetunion bei­zutragen.

Auf dem Roten Platz in Moskau fand die große Truppenparade statt in Anwesenheit Stalins und Molotows, Kriegskommiffar Timojchenko eröffnete die Parade mit einer kurzen Ansprache. In Verfolg ihrer Interessen und der Sicherheit ihrer Grenzen habe die Sowjetunion im letzten Jahre ihre Grenzen an den Finnischen Meerbusen, an die Ostsee und an die Donau vorgeschoben. Die Rote Armee sei