3enfur Habe die Bevölkerung Aegyptens dennoch von den systematischen und wirksamen Angriffen der italienischen Luftwaffe, der Marine und des Kolonialheeres erfahren. Die Kundgebungen, in denen die volle Unabhängigkeit von England gefordert würde, wiederholten sich immer öfter. Es werde eine unabhängige, von jeder unerwünschten Bevormundung Englands freie Politik Aegyptens gefordert. Eine große Anzahl evakuierter ägyptischer Familien hat den Rückweg nach Kairo und Alexandrien eingeschlagen. Nach einem langen und qualvollen Marsch durch die Provinz, während dessen sie weder Unterkunft noch Nahrung finden konnten, oder ihnen ihr neuer Wohnort als „Gefahrenzone" wieder entrissen wurde, beschlossen diese ägyptischen Flüchtlinge, den britischen Befehlen passiven Widerstand zu leisten und in ihren Wohnungen den Verlauf der Ereig- nisse abzuwarten.
Der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch.
Deutsches Kriegsschiff versenkte 30 000BRT. in überseeischen Gewässern.
Berlin, 7. Aug. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Ein deutsches Kriegsschiff hat 30 000 BRT. feindlichen Handelsschiffsraums in überseeischen Gewässern versenkt.
Unsere Kampfflugzeuge griffen Flugplätze bei Tynemouth und St. Athan sowie die Flug- zeugwerke von Vickers-Armstrong in Chester und Anlagen der Rüstungsindustrie in Swansea mit Bomben an.
Britische Flugzeuge, die in der Rächt zum 7. August in Holland und Westdeutschland in geringer Zahl einflogen, warfen an verschiedenen Stellen Bomben, ohne nennenswerten Schaden an- zurichken.
Innenpolitische Aufgaben der Slowakei.
Preßburg, 7.Aug. (DNB.) Vor dem erwei- terten Parteivorstand der Slowakischen Volkspartei hlinkas nahm Staatspräsident Dr. T i s o als Parteivorsitzender zu den letzten politischen Ereignissen Stellung, wobei er hervorhob, daß das nationalsozialistische Deutschland als führender Faktor des neuen Europas nicht nur Schützer der slowakischen Selbständigkeit und ter- ritorialenJn. tegrität, sondern auch w o h l- meinender Helfer der Slowakei sei. Der Staatspräsident unterstrich die Aufbauarbeit der Volkspartei hlinkas im Kampf um die nationalen und sozialen Werte des slowakischen Volkes, unter deren neuem Geiste die Slowakei einen sozialen Staat unter Ausgleich aller Klassenunterschiede aufbauen wolle. Der Staatspräsident kündigte sodann Maßnahmen für eine gesunde Verteilung des Gewinnes des in Industrie und handel investierten Kapitals sowie weitere Maßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit, zur Einführung angemessener Löhne und zur Arisierung an. Nach dem Hinweis darauf, daß Einsatz und Opferbereitschaft Sinn des neuen slowakischen Geistes sein müßten, erklärte Dr. Tiso, daß die Slowakei einig den höchsten sittlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen der slowakischen Nation unter dem mächtigen Schutz des Großdeutschen Reiches und seines Führers Adolf Hitler entgegengehen wolle.
Innenminister Sano Mach hat im Rahmen der Maßnahmen zur Lösung der Iudenfrage in der Slowakei weiteren 41 jüdischen Rechtsanwälten d i e Praxis entzogen. In der letzten Zeit wurde außerdem 435 jüdischen Aerzten die Berufsausübung verboten. Die Bevölkerung nimmt diese Maßnahmen mit Befriedigung zur Kenntnis.
„3(6 bin aus Alcaniz-
Zaragoza, 7. August. (Europapreß.) Die aragonesische Stadt 21 Ijc a n 13 hat von dem deutschen Besatzungskommandanten in Frankreich einen Brief erhalten, in dem es hieß, das Museum des Louvre in Paris beherberge zur Zeit eine Statue aus Silber, worauf zu lesen ist „Ich bin aus Alcaniz". Der deutsche Besatzungskommandant
teilt der Stadt Alcaniz mit, falls sie Besitzrechte auf diese Statue geltend machen könne, möge sie einen entsprechenden Antrag stellen. Offensichtlich stamme die Statue aus rotem Raub in der Zeit des Bürgerkrieges. Die Freude in Alcaniz ist besonders deshalb so groß, weil es sich um die Statue der Schutzheiligen der Stadt handelt, die verschleppt worden war. In Alcaniz fühlt man sich den deutschen Soldaten gegenüber zu Dank verpflichtet. Schon einmal hat man dort deutsche Soldaten gesehen, als die Legion C o n - d o r dort ihr Quartier einrichtete, um von dort aus den roten Durchbruch im Ebrobogen von Gandeza zu erkämpfen, der Alcaniz direkt bedrohte.
Englands Kolonien werden für die Kriegswirtschaft emgespannt.
Stockholm, 7. Aug. (Europapreß.) Die empfindliche Schwächung Englands durch den verschärften deutschen Handelskrieg kommt auch in dem Bestreben zum Ausdruck, die kolonialen Besitzungen Englands noch brutaler als bisher für die Kriegswirtschaft der Insel einzuspannen. Im Oktober soll in Delhi eine Konferenz unter dem Vorsitz des indischen Vizekönigs Lord Linlithgow stattfinden, an der sich alle englischen Kolonien, Mandate und Besitzungen sonstiger Prägung im vorderen Orient, in Afrika und Indien beteiligen müssen. Die Konferenz soll einen 2lusschuß einsetzen, der die kriegsindustriellen Lieferungen dieser Räume für England und die Ausbeutung vorhandener Naturprodukte steigern soll. Weiter soll der Warenaustausch innerhalb dieser Gebiete mit anderen Ländern gedrosselt werden, was der englische Nachrichtendienst in die Worte
„plutokratischer Patriotismus."
it 7- (Europapreß.) Unter der
Ueberschrift „Ich klage an" geißelt -der frühere Hauptschriftleiter des „Daily herald", Francis W i I- liams, in der „Picture Post" die Gewinnsucht und den Mangel an Opferbereitschaft der englischen Großkapitalistenklasse und enthüllt damit ein ungemein anschauliches Bild des plutokratischen Regimes britischer Prägung. Williams, der die Schrift- leltung des Zentralorgans der Labour Party wegen Differenzen mit dessen kapitalistischen Hinterleuten erließ, zeigt das völlige Scheitern des Versuches, einen beträchtlichen Teil der Kriegslasten durch zinslose Darlehen an den Staat zu finanzieren. Die bisher auf diesem Wege aufgebrachte Gesamtsumme betrage nur zwölf Millionen Pfund, was „nicht einmal hinreicht, um die Staatsausgaben nach dem gegenwärtigen Stande für anderthalb Tage zu decken". Diese Summe gibt aber ein noch zu günstiges Bild der wahren Sachlage, da ein erheblicher Teil nicht von Kapitalisten, sondern von den Gewerkschaften stammt. Beispielsweise sei eine Diertelmillion Pfund allein vom Transport- arbeiterverband gegeben worden.
„Wo sind", so fraat Williams, „die großen Betröge der reichen Kapital-Gesellschaften und der privaten Kapitalisten der Londoner City?" Von wenigen patriotischen Ausnahmen abgesehen, exi
stierten sie nicht. Der Aufruf zur Zeichnung sei unbeantwortet geblieben, und die Männer mit Geld seien nur bereit, dieses Geld gegen Gewinn der Nation zu leihen, damit sie gegen den Nationalsozialismus kämpfe, der sie vernichten wolle, aber sie seien nicht bereit, dieses Geld zinsfrei zu leihen.
Wie ungerecht der Reichtum der britischen Pluto- kratie verteilt ist, erläutert Williams im einzelnen: Von einem Gesamtprivatkapital von mehr als 25 Milliarden Pfund gehörten 14 Milliarden nur einem Prozent der Bevölkerung! Da die Großkapitalisten freiwillig die Notwendigkeit der sozialen Gerechtigkeit in Kriegsze'lten nicht einsähen, fordert Williams eine ehrliche Kapitalabgabe, damit nicht, wie im vorigen Kriege, die Kapitalisten durch „das System einer legalisierten Bestechung" Profite einstreichen.' Daß sich wohlhabende Kreise in England nichts abgehen lassen, stellt auch die Zeitung „Daily Sketch" fest. Sie berichtet, daß in den eleganten Damenmoden-Geschäf- ten in diesem Sommer bemerkenswert viel Geld ausgegeben sei. Auch die Luxus-Restaurants seien überfüllt. Beispielsweise seien von vier Clubs, „wo die Politiker und Militärs abends zusammenzutreffen pflegen", in der letzten Woche seit den letzten acht Jahren Rekordeinnahmen erzielt worden.
kleidet, der Warenaustausch solle „auf eine autarke Form gebracht werden".
Vorbildliche Arbeit der Zentralauskunftstelle für Kriegsgefangene.
Berlin, 6. Mufluft. (DNB,) Der GesckMsfüh- rende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, ff- Brigadeführer Dr. Grawitz, hielt sich, einer Einladung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz folgend, einige Tage in Genf auf. Er besichtigte die vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in Genf geschaffene Zentralaus- k u n f t s st e lle für Kriegsgefangene und Zivilinternierte, die einzige in der Welt, die während eines Krieges in Zusammenarbeit mit den einzelnen nationalen Rotkreuz-Gesellschaften in der Lage ist, einen Nachrichtenaustausch über Kriegsgefangene und Vermißte zwischen den kriegführenden Mächten zu vermitteln. Dr. Grawitz konnte sich von der vorbildlichen Arbeitsleistung dieser segensreichen Einrichtung erneut überzeugen. Das Ende eines unsinnigen Gerüchtes.
Die Iustizpressestelle Darmstadt teilt mit:
In Bensheim und vielen anderen Orten ging im Juni d. I. das Gerede, Mitglieder des Hauses Erbach hätten sich der Spionage schuldig gemacht und sich nach Entdeckung ihrer Tat erschossen. Bei dem Gerücht, das in verschiedenen Abwandlungen auftrat und bald die eine, bald die andere Linie des Hauses Erbach verdächtigte, handelte es sich um völlig aus der Luft gegriffene, jeder tatsächlichen Grundlage entbehrende Schwätzereien. Gleichwohl fanden sich immer
wieder Leute, die es gedankenlos weitererzählten und so zu seiner Verbreitung beitrugen. Wegen des Vergehens, sich an dieser Verbreitung beteiligt zu hoben, standen am Dienstag vier Einwohner aus Bensheim vor dem Strafrichter des Amtsgerichts Darmstadt. Da sie sich inzwischen von der Haltlosigkeit und Unsinnigkeit des Gerüchts überzeugt hatten und nicht anstanden, einem Der- treter des Hauses Erbach gegenüber eine entsprechende Ehrenerklärung abzugeben, fand sich
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dieser bereit, den Strafantrag zurückzunehmen. Eine Bestrafung blieb den Angeklagten zwar auf diese Weise erspart, doch mußten sie die Kosten des Verfahrens und die der Veröffentlichung ihrer Ehrenerklärung tragen.
Kleine politische Nachrichten.
Die dem Führer um die Jahreswende geschenkte Villa Zirio in. San Remo, deren Nutzung und Betrieb er dem Deutschen Kriegerkurhaus in Davos-Dorf übertragen hat, wird am 1. OlMber d. h. erholungsbedürftigen Kriegsbeschädigten und Angehörigen oes öffentlichen Dienstes geöffnet werden. Einst wohnte hier Kaiser Friedrich während seiner schweren Erkrankung 1888.
Durch eine belgische Verordnung ist der ehemalige Professor' der Augenheilkunde an der Universität Gent S p e l e e r s , der 1918 ohne Rechtsgrund von der damaligen belgischen Regierung wegen seiner flämischen Gesinnung seines Amtes enthoben worden war und seitdem in Holland lebte, wieder auf seinen alten Lehrstuhl zurückberufen worden.
Mit Rücksicht auf den unbefriedigenden Stand der Kohlenzufuhren muß in dem am 6. Oktober 1940 in Kraft tretenden Winterfahrplan der schweizerischen Bundesbahnen eine Einschränkung auf den mit Dampf betriebenen Linien durchgeführt werden. 1
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In Moskau trat die Zweite Kammer des Ober- sten Sowjets, der Nationalitätenrat, zu einer abschließenden Sitzung zusammen und bestätigte, wie vorher der Bundesrat, die durch den Anschluß der vier neuen Bundesrepubli- k e n an die Sowjetunion erforderlichen Verfassungsänderungen sowie die im Zeitraum zwischen der 6. und 7. Session des Obersten Sowjets erlassenen Gesetze und Verordnungen. Damit ist die 7. Tagung des Obersten Sowjets der UdSSR, beendet.
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Der zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten seit 1937 bestehende Handelsvertrag wurde durch Notenaustausch zwischen dem Volkskommissar für den auswärtigen handel der UdSSR., Mikojan, und dem amerikanischen Geschäftsträger um ein weite-
Molotow spricht vor dem Obersten Sowjet.
Unser Bild zeigt den Regierungschef und Außenkommissar der Sowjetunion, Molotow, bei seiner Rede über die außenpolitischen Beziehungen der Sowjetunion auf der 7. Tagung des Obersten Sowjets. — Auf der Seitentribüne sieht man (ganz rechts in der Ecke) Stalin und (ganz links am äußeren Bildrand) die Marschälle Budfenny und Timoschenko. — (Scherl-Bilderdienst. — Taß-M.)
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Die schone Melusine
Roman Son HanS Richter
21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Tildes erstes Gefühl, als sie mit Agnes Sprenger spricht, ist etwa dem zu vergleichen, das man hat, wenn man unerwartet kalt geduscht wird. Eigentlich spricht Agnes allein. Sie trägt ein fabelhaftes Kostüm und wirst angenehm bestiedigte Blicke nach dem von Deetjen respektlos „Kommerzienratsarche" getauften, weißen Motorboot hin.
„hübsch, daß Sie da sind, Fräulein Rohloff", sprudelt sie. „Also, ich muß Ihnen erzählen, na, Sie werden Bauklötzer staunen. Daß ich nicht mehr im Reisebüro bin, wissen Sie? Nein, na, jetzt wissen Sie's. Kam ja für die Dauer für mich auch nicht in Frage. Das ist hier ganz etwas anderes. Ich habe gleich gesagt, Hellwig, hab' ich gesagt, telephonieren Sie die Rohloff an, die hat so was bestimmt noch nicht gesehen."
Tilde ist unter dem Wortregen hindurch an Land gestiegen und steht nun auf der Brücke. „Was soll ich noch nicht gesehen haben, liebe Sprenger?"
„Filmaufnahmen, so richtig, wie sie gemacht werden. Bobby, komm doch mal her", sie winkt dem dritten Herrn, der sich langsam in Bewegung gesetzt hat. Denn das war ihre neueste Tour; sie wollte Hellwig mit Bobby ärgern. „Also das ist Bobby Verend, Aufnahmeleiter bei Kolossalfilm, hier das ist Tilde Rohloff, Bobby, die kann dich beruhigen, voll und ganz, nicht wahr? Siehst ja, wie sie aussieht, echte Kajakfrau, goldecht. Also die wird dir aus eigener Erfahrung erzählen können, daß hier alles so ist wie in Ostpreußen."
„Jetzt sind wir doch auch schon alle hier", kaut Bobby pomadig. Aber dann rafft er sich auf. „Den Ton bringen wir aufs Boot, montieren könnt ihr unterwegs. Ach was, heute am Abend könnt ihr montieren. Geh mal rauf ins Schloß, Agnes, und bestell' Mittag für zwanzig Leute. Ach so, der Ton ist auch da, für fünfundzwanzig. Bißchen rasch, bißchen hurtig, und sag in den Garderoben, die Schauspieler sollen sich fertig machen.^Wir nehmen gleich alles mit. Vielleicht regnet's morgen."
Damit hat er sich genug erregt und versinkt wieder in Nachdenken. Die Sprenger läuft davon, und endlich kann Tilde mit Hellwig ein vernünftiges Wort reden.
„Nun sagen Sie mir bloß, Herr Hellwig", fragt sie, „was hier eigentlich gespielt wird?"
Der steht ein bißchen da wie ein begossener Pu- del. „Sehen Sie, Fräulein Tilde", fängt er an. „Also zuerst mal sind wir heute mit dem Straßenbummler hier. Straßenbummler ist für die nächsten acht Tage fest an Kolossalfilm vermietet und soll die Filmexpedition herumfahren. Das hat natürlich nichts mit „Sommernachtstraum" zu tun. „Sommernachtstraum" ist ausverkaust und fährt am Samstagmittag hierher."
„Und die Filmleute bleiben auch hier?"
„Ja, die bleiben hier in Schloß Lüchow."
Tilde muß lachen. „Und ausgerechnet mich hat der Mann von Lüchow beinahe an die Lust gesetzt. Aber steht denn nun schon fest, wo die Aufnahmen gemacht werden?"
„hier in der Nähe, soll eine Insel sein. Warten Sie mal, der Berend hat sie mir auf der Karte gezeigt, sie liegt weiter oben am Endsee."
-<Etwa Runeninsel, Herr Hellwig?"
Der nickt. „Richtig, Runeninsel hieß das Ding." „Ausgerechnet."
Wilhelm Hellwig sieht sie erstaunt an. „haben Sie denn etwas dagegen, Fräulein Tilde?"
„Ich, nein, das heißt, dann ist also in den nächsten Tagen großer Betrieb auf der Runeninsel?"
„Wenn es nach Berend geht, sicher."
„Das hat mir gerade noch gefehlt", stöhnt Tilde.
20.
In der Vorfahrt von Lüchow steht neben dem Straßenbummler auch Hellwigs kleiner Wagen. Der Chauffeur hat es sich hinter dem Steuer bequem gemacht und schläft.
„Am liebsten wäre ich allein gefahren", stottert Hellwig und ist ein bißchen verlegen, „aber dann wollte ich heute doch mit den Filmleuten fahren."
Tilde droht ihm mit dem Finger. „Sie werden doch nicht, Herr Hellwig."
Der große Kerl wird tatsächlich rot. „Wo denken Sie denn hin, Fräulein Tilde. Es ist doch nur, weil ich, weil — feit wir die neue Firma haben,
sieht alles anders aus. Früher, da machte man seine Arbeit, und wenn man fertig war, ging man nach Hause. Eigentlich habe ich ja viel Zeit, in so einem kleinen Betrieb geht nun einmal alles ziemlich ruhig zu. Man sitzt an seinem Schreibtisch, und wenn mal nichts anderes ist, brennt man sich seine Zigarre an und denkt nach."
„Und was haben Sie mit dem Nachdenken erreicht?" fragt Tilde.
„Man muß doch Menschen kennenlernen", ereifert er sich. „Deshalb bin ich hier. Und außerdem, ich habe es mir nett gedacht, hier mit Ihnen zusammen zu sein. Wir brauchen ja nicht gerade bei den Film- leuten zu bleiben." — „Wir müssen nach der Waldmühle fahren", gibt sie ihm recht. „Und nach Utrin."
.Könnten wir nicht ein bißchen spazieren gehen?" fragt er kleinlaut. „Das in der Waldmühle und in Utrin haben Sie doch schon alles erledigt."
Der Chauffeur wird geweckt, und der kleine Wagen fährt los. Tilde würde ums Leben gern den Platz neben dem Fahrer haben, aber Hellwig zu Gefallen verzichtet sie und sitzt nun hinten an seiner Seite.
Der ist in einer gefährlich lyrischen Stimmung. Immer wieder entdeckt er Einzelheiten, die er ihr zeigen muß, und Tilde fühlt, daß es nur geschieht, damit er sie einmal am Arm fassen oder ihre Hand berühren kann. Wej! das aber im krassen Gegensatz zu der Art Deetjens, an den sie leider immer noch denken muß, steht, und weil er ihr beinahe wie ein großer, guter Jagdhund vorkommt, behagt es ihr, und sie kuschelt sich zusammen und schnurrt innerlich wie eine Katze.
„Warum sind mir eigentlich nicht im Boot gefahren, wenn wir doch den ganzen Taq Zeit haben?" fragt sie.
Wilhelm Hellwig macht ein verlegenes Gesicht. „Sie dürfen jetzt, bitte, nicht lachen, Tilde, aber ich habe noch nie in solch einem Ding gesessen, und ich kann mir auch gar nicht denken, daß es schön ist, und außerdem — ich wiege beinahe zwei Zentner."
Da muß Tilde widersprechen. „Es ist schön", sagt sie energischer, als sie beabsichtigt hatte.
„Bestimmt, man muß es wahrscheinlich nur erst kennenlernen", gibt er kleinlaut zu.
Dieses kurze Zwiegespräch genügt, um einen Gegensatz zu schaffen, den Wilhelm Hellwig nicht erkennen kann, weil er von einem Gegner ja nichts weiß. Nichts? Doch, das ist wohl bei beiden Geschlechtern gleich. Jeder fühlt, wenn ein anderer Pol sich nähert und den unworbenen Gegenstand beunruhigt.-Der Kampf der Geschlechter ist nun einmal auf völligen und nicht auf teilweisen Besitz gestellt. So empfindet auch Hellwig die astrale Gegenwart eines anderen, während dieser andere — davon ist Tilde fest überzeugt — zur Zeit wohl in hallersdorfer Teerofen mit sich und der Welt herumbockt.
Geschieht ihm recht, denkt sie, und weil schon der Gedanke genügt, sich wieder über seine jungenhafte Art zu ärgern, erntet ihr jetziger Nachbar, wo er nicht gesät hat. Tilde ist nett und liebenswürdig zu ihm, und Wilhelm Hellwig ist glücklich. Er wird immer persönlicher, erzählt von dem Dackel Pumps, der immer noch zu Holzmann ins Geschäft kommt, und vor allem, wie sie es sich eingerichtet haben und noch ejnrichten werden.
Er ist ja bereit, heute alles schön zu finden, und es ist auch schön. Mögen die Filmleute in dem großen Speisesaal von Schloß Lüchow sitzen. Für ihn und Tilde hat Fikchen Brümmer in der Fliederlaube den Tisch gedeckt, und wenn auch der Flieder längst verblüht ist, so ist doch das Laub dicht ge- worden und täuscht ein Alleinsein vor, das jederzeit durch Fikchen Brümmer gestört werden kann.
Denn die weiß, was sie dem Ruf der Waldmühle schuldig ist. Es gibt wieder (Eier, Salat und Schinken, und Fikchen versichert, daß es am Samstag ganz anders werden würde und am Sonntag ganz, ganz anders.
Wilhelm Hellwig nimmt das zur Kenntnis und gibt sich eigenen Traumbildern über diesen Samstag und Sonntag hin.
Nach Tisch möchte er eigentlich einen Liegestuhl haben. Weil jedoch Tilde ein Gesicht zieht, ist er auch mit dem Sonnenfleck oben am Berg einver- tanben, klettert neben ihr den steilen Hang hinauf und streckt sich oben aus.
hoffentlich schnarche ich chr nicht etwas vor, denkt er und ist schon weg.
(Fortsetzung folgt.)


