Kundgebung der Ortsgruppe Gießen-Ost
11. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Keine Spur von Hauck
Roman von Lharlotte Kaufmann.
Gießener Stadttheaier mit Sommerspielzeit
proben und Aufführungen.
fing, Ingeborg Petersen zu vergessen. Durch die stille Innigkeit der jungen Frau mußte er stärker als vorher die Oberflächlichkeit des flachshaarigen Mädchens empfinden, das ihn mit kapriziösen Kinderaugen nach Abenteuern fragte.
Das Rechtsanwaltsbüro von Dr. Thomas Mjölln bemühte sich, Spuren des verschwundenen Kunstmalers Detlef Hauck zu finden. Das Personal hatte bereits Wetten abgeschlossen, ob dieser Auftrag mit Erfolg durchgeführt werden würde oder nicht. Der größere Teil war davon überzeugt, daß diesmal Mjölln klein beigeben mußte. Aber die wenigeren, dafür jedoch die Auserwählteren, vertraten die Ansicht, daß Mjölln mit seinem unerhörten Glück auch hier wieder zum Ziel kommen würde.
Zu diesen letzteren gehörte auch der Sekretär Frommel, Mjöllns rechte Hand: wie es ja überhaupt in erster Linie Frommel zu verdanken war, daß die Sache Keit bezw. Hauck, bearbeitet wurde und man sie nicht gleich von Anfang an zum Verstauben verurteilte und ins Aktenregal legte.
Zn Frommel steckte etwas von einem Detektiv. Es machte ihm einen Heidenspaß, die Direktoren der Museen und Ausstellungen, die Kunsthändler aus ihrer beschaulichen Ruhe aufzuschrecken mit seinen Fragen nach dem Bild einer lächelnden Frau am Meer. Es war erstaunlich, wieviel lächelnde Frauen am Meer gemalt wurden. Aber kein Bild stammte von einem Maler namens Hauck. Dieser Maler Hauck war überhaupt soviel wie gänzlich unbekannt. Lediglich eine Kunstausstellung in Nürnberg hatte seinen Namen schon gehört.
Frommel bekam täglich Stöße von Briefen, die er stets mit Behagen sortierte. Dies war doch einmal etwas anderes als die trockenen Termine vor dem Amtgerrcht, bei denen er Mjölln meistens zu vertreten.hatte, und bei denen es sich immer und ewig um rückständige und nicht bezahlte Rechnungen drehte. Immer um Geld und nichts anderes.
Auch die Besuche draußen am Strand in der Umgebung von Stein und Teek waren nicht zu verachten. Kein Haus ließ Frommel verschont. Ein jeder und eine jede wurden gefragt nach dem verschwundenen Maler. Diese allmählich schon vollkommen in Vergessenheit gesickerte Angelegenheit zerrte er wieder hervor mit innerlicher Freude am Forschen und Nachspüren. Es war kein Wunder,
„Na also." Evamaria aß noch ein Schinkenbrot. Der Regen schlug gegen die Fenster. Wie Perlen hingen die Tropfen an der nachtdunklen Scheibe. Die Studentin zog die Vorhänge vor. „Weiß Gott, man soll sich über Männer keine Gedanken machen", sagte sie dabei. Ihr Gesicht war ausgeglichen und energisch.
Jedoch Ingeborg zog keinen Trost daraus. Sie war weiter traurig und mißmutig, und manchmal weinte sie fogar. Es war das erstemal, daß sie sich über einen Mann Gedanken machte.
Sie war nicht die einzige, die sich diese Gedanken machte. Auch Frau Agnes Keit war unruhig.
Sie merkte wohl, daß in Joachim etwas vorging, wovon er nicht sprach. Er war manchmal zerstreut und oft nicht zu Hause. Er wurde von der. Kanzlei eines gewissen Rechtsanwalts Dr. Mjölln angerufen, und Sonntag morgens machte er Fahrten mit dem Segelboot, das er sich hatte wieder instandsetzen lassen.
Wenn sie ihn fragte, dann lächelte er ober gab ein paar ausweichende Antworten. Natürlich, er war kein kleiner Junge mehr und konnte tun, was er wollte. Aber es schien ihr doch unmöglich, daß er zu der Malerin ging, die er einmal mit nach Hamburg genommen hatte.
Sie fragte ihn geradeheraus: „Du fährst wohl zu dem Mädel, das dich damals aus dem Wasser gezogen hat?"
„Ja", erwiderte er darauf, „manchmal. Nicht immer." Er strich ihr dabei ein wenig über den grauen Scheitel. „Siehst du, es ist sehr schön da draußen. Schöner, als ich je gedacht habe. Besonders jetzt, wenn niemand mehr unterwegs ist."
„So ..."
„3a, man hat das ganze Wasier allein für sich. Und nach der Woche in der Werft mit den vielen Menschen ... es ist wie Freizeit."
„Ich weiß, du bist immer gern allein gewesen." Frau Agnes lächelte mütterlich und etwas hilflos. Es war wie Angst in ihr. Trotzdem fragte sie weiter:
Am gestrigen Freitagabend veranstaltete die Ortsgruppe Gießen-Ost in der Neuen Aula eine öffentliche Versammlung, die einen starken Besuch aufzuweisen hatte. Nach dem Einbringen der Fahnen und den kurzen Eröffnungsworten des Ortsgrup- penleiters Treser sprach der Reichsredner, Prof. Dr. Kötteritz, über das Thema „Mit unseren Fahnen ist der Sieg!" .
Der Redner wies einleitend auf die verzweifelte Lage der Feindmächte hin, die mit einem Lügen- eldzug ohnegleichen die eigenen Völker und Die Welt in schmählicher Weise zu belüaen und zu tauchen versuchen, wobei sie natürlich auch die Leitungen der deutschen Truppen zu schmälern be° trebt sind. Demgegenüber stehe unser Volk in un- erschütterlichem Glauben an den Führer und an den vollen Sieg der deutschen Waffen, an den Sieg, der unter dem Hakenkreuz durch die geniale Große unseres Führers und durch das Heldentum unserer Wehrmacht erkämpft werde.
Dann gab der Redner einen Rückblick auf die Entwicklung unseres Reiches nach der Machtübernahme, auf die geistige Erneuerung unseres Volkes und auf die Verwirklichung des deutschen Sozialismus, der in der Welt ohne Beispiel dasteht. Der aufsteigenden Entwicklung Deutschlands gegenüber habe England seit Jahren den Krieg vorbereitet und immer wieder nach einem geeigneten Grund zu seiner Entfesselung gesucht. Der Redner hob hervor, daß die plutokratischen Machthaber Englands in Gemeinschaft mit dem internationalen Judentum das nationalsozialistische Deutschland fürchteten, weil sie von seinem Beispiel Rückwirkungen auf ihr eigenes Land befürchteten und ihr Plan, Deutschland, wie die übrige Welt, mit ihrem Gold zu beherrschen und in wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen, durch den Führer und fern gigantisches Aufbauwerk, insbesondere durch die Dierjahresplanarbeit, zunichte gemacht sei.
Im weiteren Verlaufe seiner Rede gab Prof. Kötteritz den Zuhörern einen Ueberdlick über Eng
lands Raub- und Gewaltpolitik während der bisherigen Jahrhunderte, bei der es sich Überall die wertvollsten Bodenschätze der Welt angeeignet und andere Völker seiner Machtgier unterworfen habe. Er kennzeichnete dabei auch das immer wieder in der Geschichte festzustellende Streben Englands, zur Führung seiner Kriege gegen aufstrebende Nationen andere Völker zu mißbrauchen, um dadurch seine Gewaltherrschaft über alle aufrichten und sichern zu können. In den Rahmen dieser Betrachtungen stellte der Redner auch den jetzigen, von den Plutokraten Englands und Frankreichs entfesselten Krieg, bet dem sie bisher glaubten, sich auf der englischen Insel bzw. hinter der Maginotlinie vor dem deutschen Zu- griff sicherfühlen zu können, während mit ihrer Blockade und mit ihrer Gewalt gegen alle Völker das nationalsozialistische Reich in die Knie gezwungen werden sollte. Nunmehr müßten England und Frankreich aber erkennen, daß sie sich in der Kraft des nationalsozialistischen Reiches verrechnet hatten und der Krieg eine ganz andere Wendung genommen habe, durch die unsere herrliche deutsche Wehrmacht bereits tief in Frankreich und im Besitz der französischen Kanalhäfen vor den Toren Englands stehe.
Im felsenfesten Glauben an den Führer und im unerschütterlichen Derttauen auf die Stärke unserer Wehrmacht lebe das'ganze deutsche Volk unter opferbereiter Mitarbeit der Heimat nur dem einen Ziel, diesen von England und Frankreich entfesselten, unserem Volke aufgezwungenen Krieg mit einem vollen deutschen Sieg zu beenden. Dazu werde auch die Heimat in unvermindertem Opfergeist alles beitragen und sich dabei bewußt sein, daß wir unserem Führer, dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches, damit einen Teil unseres unauslöschlichen Dankes abftattep.
Die Zuhörer dankten dem Redner mit lebhaftem Beifall. Sanft wurde die Kundgebung in üblicher Weise mit dem Gruß an den Führer geschlossen.
und Zuschauerraum, zwischen Kulissen und Beleuchtungsständen in abgründiger Dunkelheit dahin, bereit und fürchtend, jeden Augenblick in der Tiefe des Orchesterraumes zu landen. Draußen ist noch heller Tag, aber hinter den eisernen Türen, die den gesamten Bühnenraum nach außen abschließen, hat das Tageslicht keine Gewalt mehr.
Im Zuschauerraum ist man gar nicht so ganz allein. Der Regisseur sitzt (allmählich erst erkennt man das alles) hinter einem Pult mit einem blauen Lämpchen; der Intendant ist auch da und beobachtet, eine Schauspielerin verfolgt die Probe und verschwindet dann plötzlich lautlos, sicherlich weil nun bald ihr Stichwort kommt. Leise klappen die Türen. Kein fremder Laut von irgend woher soll die Probe stören. Nur die Stimmen der Darsteller sind im Raum und klingen härter, schallender, brechen sich merkwürdig im Raum, wenn die Menge der Zuschauer fehlt. Dann plötzlich greift der Regisseur ein und ruft irgend etwas dazwischen, was den Schauspielern gilt, dem Beleuchter eine Anregung gibt, ein Geräusch, das hinter der Bühne erzeugt wird, lauter oder leiser, länger oder kürzer verlangt wird — nun erinnert man sich plötzlich, daß das, was auf der Bühne geschieht, ja noch gar nicht die Aufführung ist, sondern die Generalprobe. Generalprobe war das gestern abend — Generalprobe zu dem Lustspiel „Zwei im Busch", das am Dienstag aufgeführt werden soll, denn -das Stadttheater ist ja seinen Abonnenten noch einige Vorstellungen schuldig...
Die Geschichte spielt im afrikanischen Dusch' und unter Palmen. Den Damen unserer Stadt fei verraten, daß sie sich zum Schluß kriegen. N.
Wenn man sonst, zu Zeiten, da die Vorstellungen i in unserem Stadttheater zu beginnen pflegen, das i Haus betritt, bann ist alles eitel Helligkeit und fest- i liche Erwartung. Sonntäglich gekleidet sitzt man im j Zuschauerraum und harrt immer neu gespannt der 1 Dinge, die das Theater zu bieten hat, ist aufae- ; schlossen und bereitwillig, sich beeindrucken, ja sich i begeistern zu lassen. Da ist dann im Zuschauer oder im Zuhörer wohl nur selten ein Gedanke an Die Vorbereitungsarbeit, die einem Stücke gelten muß, bis sich vor besetztem Zuschauerraum der Vorhang hebt.
Interessant und fast erregend ist es aber doch, einmal einen Blick werfen zu können auf ein Theaterstück, das im Entstehen begriffen ist, einen Blick auf eine Szene, die zweimal, dreimal, viermal hintereinander geprobt wird, bis alles so abläuft, wie es sich der Regisseur denkt. Sprechproben gibt es da und Kostümproben; der Bühnenbildner hat sich längst seine Gedanken gemacht, und im großen Malersaal wachsen die Dekorationen heran, Beleuchter machen sich auch ihre Gedanken und lassen alle Lichter blitzen, dämpfen da und dort, lassen hier grelles Sonnenlicht durch die Fenster fallen, und wenn die Aufführung Dämmerung verlangt, dann wird ein Licht nach dem anderen fortgenommen, ober bie Leuchtkraft aller Lichtquellen, aller Scheinwerfer, erstirbt unter ben eingeschalteten Widerständen ...
Wenn man zur Stunde einer Probe in der gegenseitig wohlwollenden Nachbarschaft von Theater und Presse das Haus am Hindenburgwall betritt, wenn man nicht sofort einen Führer findet, der einen durch die mannigfachen Türen in den Zuschauer- raum schleust, dann tastet man Fch zwischen Bühne
„Wäre es aber nicht doch nett, wenn du Ingeborg mitnähmst? Sie segelt doch so gern."'
Jedoch Joachim wich aus: Bei Sonnenschein. Jnge- borg liebt bas kalte Wetter nicht, unb jetzt ist es schon kalt. Ich glaube nicht, baß sie soviel Lust hat, mit hinauszufahren.
„Du mußt sie einmal fragen."
„Ja, wenn bu es wünschest."
„Wenn ick es wünsche — bir selbst liegt wohl nicht viel baran?*'
„Nein, wenn ich offen sein will, es liegt mir nichts baran."
Plötzlich sah er seine Mutter an. ,/Jch ^veiß nicht, was bu benkst", sprach er in ihre ängstlichen Augen hinein. „Du benkst, bas blonbe Mäbchen ba nebenan ist jung unb hübsch. Sie ist aus einem guten Haus, unb wir haben uns früher gut vertragen. Wir passen gut zusammen. Aber siehst bu, ein Leben kann lang sein, unb jebes.Jahr hat viele Tage ..." Er hatte seine Stimme gehoben unb brach nun jäh ab, als hätte er zuviel gesagt.
Frau Agnes Keit sah zur Seite. (£in Gefühl von Bitterkeit stand in ihr auf darüber, daß ihr Sohn das ablehnte, was sie ihm in ihrer mütterlichen Sorge zugedacht hatte. „Oh, du denkst vollkommen falsch, wenn du meinst, wir wollten dich irgendwie beeinflussen", sagte sie kühl. „Es steht dir immer frei, zu tun, was du willst. Gefällt dir denn das Mädchen, diese verheiratete Frau, da draußen in Stein?"
„Darüber habe ich noch nie nachgedacht."
„Nein, Joachim hatte sich noch nie gefragt, ob ihm Sibylle Hauck gefiel ober nicht. Es gab Sonntage, : an benen er hinüberkreuzte nach Bülk ober Stran- borp, unb Sibylle überhaupt nicht sah. Aber manchmal überkam ihn bie Lust, ihr von ben Nachfor- : schungen zu berichten, bie Mjölln anstellte. Dann saß . er wohl eine halbe Stunbe auf ber Couch in ihrem
Zimmer neben bem Purliputzelchen, ober sah sich bie ; kleinen Silber an, bie sie malte. Diese innigen Lanb- schaften, bie so träumerisch waren unter viel hellem Himmel.
Nein, der Gebaute, baß ihm das Mädchen gefallen i könnte, war ihm noch nie gekommen. Sie liebte ja auch ihren Mann. Sie wartete auf ihn. Jeden Tag ' hoffte sie, daß er wiederkommen würde.
Aber doch waren nur diese kleinen spärlichen : Besuche in Sibylles Haus daran schuld, daß er an
baß Anfang Dezember in ben Fischerdörfern von nichts anderem gesprochen wurde als von Detlef Hauck.
Mjölln hörte sich die täglichen Berichte seines Sekretärs schweigsam, mürrisch und mit Kopfschüt- teln an. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn man ihn mit dieser Geschichte überhaupt nicht beteiligt hätte. Mit dieser verrückten Geschichte, wie er sie bei sich nannte. Es war doch sonnenklar, daß dieser Maler einfach auf und davon gegangen war. Er hatte natürlich längst einen anderen Namen, war vermutlich seit Jahren schon über alle Grenzen, in Amerika vielleicht, in Afrika. Weiß ber Teufel.
Aber nein, Fromme! war gerabezu begeistert von biefem Blöbsinn, unb er, Mjölln, mußte sich ebenfalls bamit befassen, ob er wollte ober nicht.
Eines Donnerstags jeboch würbe es ihm zuviel. Er war eben vom Seeamt gekommen, mübe, hung- rig unb ärgerlich, als Frommel noch unter ber Tür seines Privatbüros über ihn herfiel.
„Herr Doktor, ich habe etwas Neues."
„Was Neues? Doch nicht etwa in der Sache Hauck?"
„Doch, natürlich. Gerade da.",
„Dann lassen Sie mich zufrieden", fauchte Mjölln. „Sparen Sie sich Ihre Neuigkeit auf, bis ich Zeit habe." Er eilte ins Büro und schlug die Tür hinter sich zu, daß es dröhnte, ohne daß dadurch das- Kichern der Stenotypistinnen übertönt wurde, bie sich jebesmal freuten, wenn er sich über etwas ärgerte.
Uebrigens verging kaum eine Viertelstunde, als Frommel schon wieder klopfte unb Bericht erstattete ob es Mjölln nun interessierte ober nicht.
Es war ihm gelungen, einen Menschen aufzu-- treiben, ber ben Maler Hauck kannte, ohne bis jetzt etwas baoon gehört zu haben, baß er feit bra Jahren verschwunden war.
„Das muß ein schöner Dummkopf fein", brummte: Mjölln und wickelte sein Vesperbrot aus, das ihm bie Hausbarne mitgegeben hatte. Sein Lüsterjäckchenr war am Ellenbogen geflickt, unb seine Hänbe waren runzlig unb schon ziemlich gelb. Frommel sah es ganz deutlich in ber Helle bes Tages. Er lächelte etwas über ben alten Junggesellen, bei bem er nult schon fett sieben Jahren arbeitete.
(Fortsetzung folgt.)
Wege"; 11 Uhr: Wochenschau-Sonbervorstellung „Die gewaltigste Schlacht aller Zetten".
Notizen für den 9. Juni.
Sonnenaufgang 5.04 Uhr, Sonnenuntergang 21.44 Uhr. — Mondaufgang 8.52 Uhr, Monduntergang 23.51 Uhr.
BDM., Untergau 116, Weiterau.
TUäbetgruppe 1/116 Gießen-Süd.
Betr.: Fahrt. Die Scharen 1 und 2 treten am Sonntag, 9. Juni, um 7.15 Uhr am Biebertalbahnhof zu einer Fahrt an. Mitzubringen sind Tagesverpflegung, 70 Pf. für die Fahrt und Sportzeug.
Die Versorgungstage im Mein-Mam-Gebiei lieber die Versorgungslage im Bereich des Landesernährungsamtes Hessen wirb u. a. berichtet:
Die reichen Schweinezufuhren halten wie immer in ber Sommerzeit an, so baß bie Zulassung zu ben Rinbermärkten gedrosselt wirb. Die Milch- anüeferung ist weiter gestiegen, ebenso bie Dutter- erzeugung. Gelegentlich auftretenbe Klagen über bie Butterbeschaffenheit erklären sich baburch, baß Kühlhausbutter zur Verteilung gelangt, bie mitunter aus Gebieten kommt, in benen bie Butter z. B. hinsichtlich bes Salzgehaltes nach anberen Gesichtspunkten hergestellt wirb als bei uns, unb sie baburch ber hiesigen Geschmacksrichtung nicht so zusagt. Die neuerliche Zuteilung von fünf Eiern, sowie eine auch für bie nächste Woche zu erwartenbe, gibt breiteren Kreisen bie Möglichkeit, eine gewisse Dorratswirtschaft zu treiben. Bei Kartoffeln ist bie Versorgungslage im ganzen Rhein-Main-Gebiet ausreichend unb gesichert. Von Gemüse ist besonders Kopfsalat reichlich vorhanden, während die Spinaternte ihrem Ende entgegengeht. Daneben kommen Kohlrabi, Rettich, Karotten unb Römischkohl an den Markt, allmählich auch hiesiger Blumenkohl. Von ausländischen Gemüsen spielten zur Zeit nur italienische Erbsen eine gewisse Rolle. Italienischen Erdbeeren ftefjen auch schon deutsche Freilanderzeugnisse gegenüber. Erste deutsche Kirschen finden laufend Aufnahme.
Kriegshilfswerk im Loskasten.
Der Glücksmann ist in unseren Straßen und Lokalen eine gern gesehene Persönlichkeit geworden. Die Mißgünstigen unb Ungläubigen finb im Laufe ber Zeit verstummt, benn bie hohen Treffer, die alle Augenblicke aus dem Loskasten in oft schmale Brieftaschen umgestiegen finb, sprechen das üverzeugende Wort. Unb ber Glücksmann ist schon vielen Volksgenossen zum wahren Glücksbringer geworben.
Man hat die letzte Kriegswinterhilfslotterie schon um einige Serien vermehren müssen, weil die Nachfrage groß war. Wie ihrem Namen, kommt auch dem Namen der Reichslotterie für nationalsozialistische Volkswohlfahrt, die zur Zeit ihre Gewinne verstreut, besondere Bedeutung zu. Der Name geht für gewöhnlich ih dem Worte „Glücksmann" auf. Man nimmt ein Glückslos und fragt nicht weiter als Treffer ober Niete.
Niete — Lotteriespiel — Nicht mehr? — O ja, sogar viel mehr. Ein tiefer Sinn verbirgt sich hinter bem fröhlich heiteren Spiel; denn lebe Niete, vorn Prämienschein abgesehen, ber, leiber oft zu wenig beachtet, nachträglich einen ansehnlichen Gewinn bringen kann, ist auch ein Gewinn. Wir müs- fen baran benten, baß bie Reichslotterie für natio» nalsozialistische Volkswohlfahrt zu unserem Kriegs- hiliswerk gehört.
Die halbe Mark — wie oft gibt man sie sonst flüchtig aus — hilft Wunben heilen, bie der Krieg schlug. Sie sammelt sich zu ungeheuren Summen und beglückt jene, die bie Not bebrängt.
Weit brühen im Feinbeslanb greift unser tapferes Heer nach bem Lorbeer bes Sieges, ber Groß- beutschlanb zu niegewesener Größe führen wirb. Es ist nicht genug, begeistert bie Nachrichten zu hören unb bankbar ben Helbenmut zu grüßen. Mithelfen heißt bie Losung! Glückslose sinb Bausteine im Kviegshilsswerk unb am herrlichsten Sieg ber beutschen Geschichte.
ZahreStagung der Fachgruppe Blumenbindereien. Dieser Tage hielt bie Fachgruppe Blumenbinbe. reien (Ortsstelle Gießen) ihre Jahresversammlung ab. Die Tagung wurde in Vertretung bes einberufenen Ortsstellenleiters Wibmann burch den stellvertretenden Leiter, Gärtner- unb Blumenbindermeister Schneider (Gießen) eröffnet. Zunächst wurde der Bericht über bie Bezirkstagung in Kassel erstattet, fobann befaßte man sich mit ber Materialbeschaffung. Ferner würbe barauf hinge- wiesen, baß bie Blumenbinberei, ein burchaus selb- stänbiges hanbwerkliches Gewerbe, jungen Menschen eine gute Ausbilbung unb eine gesicherte Existenz bieten könne. Erfreulich sei es, baß bie Blume in immer größerer Menge bei Familienfestlichkeiten oerwanbt werbe. Im Verlaufe ber Ver ammlung mürbe bekanntgegeben, baß auch für bie en Sommer, in ber Zeit vom 1. Juni bis 30. September, bie Sonntagsruhe gehalten werbe, um ben (Befolg, fchastsmitgliebem ausreichenb Gelegenheit au Ruhe unb Erholung zu bieten. Nachbem ber bisherige Orksstellenleiter, trotz seiner Abwesenheit, erneut bestätigt worben war (bie Geschäfte ber Fachschaft führt inbessen ber ftelloertretenbe Ortsstellenleiter), fanb bie Versammlung ihren Abschluß.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 8. Juni. Auf bem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, bas Stück 6 bis 10, deutsche Eier 12, Kartoffeln, 5 kg 48 Rpf., 50 kg 4,15 RM., Wirsing, Va kg 25 Rpf., gelbe Rüben, bas Bund 30 bis 40, Spinat, % kg 8 bis 12, Römischkohl 20, Bohnen 30, Mischgemüse ß bis 12, Zwiebeln 15 bis 17, Meerrettich 70, Rhabarber 10 bis 13, Aevfel 50, Kirschen 60 bis 70, Stachelbeeren 40 Rpf., Erdbeeren 1,40 bis 1,60 RM., Blumenkohl, das Stück 60 bis 80 Rpf., Salat 10 bis 15, Salatgurken 60 bis 70, Oberkohlrabi 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.
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** Von einer Zugmaschine totgedrückt. Am Donnerstagnachmittag verunglückte auf der Landstraße zwischen Werdorf und Aßlar (Kreis Wetzlar) ein Lastzug, der von dem Kraftfahrer Jo- Hannes Borngrebe aus Gießen im Auftrage einer Gießener Firma gefahren wurde. Der Lastzug, bestehend aus Zugmaschine mit Anhänger, geriet auf unbekannte Weise von seiner Fahrbahn ab, wobei die Zugmaschine in ben Straßengraben ftürjte unb Vorngrebe unter sich begrub. Dabei fand der bedauernswerte Mann auf ber Stelle ben Tod.
Strafkammer Gießen.
Der O. K. in Butzbach war angeklagt, von 1938 bis 1940 öffentliche Urkunden (Steuerkarten) ver- fälscht, davon Gebrauch gemacht und dadurch das Vermögen bes Reiches unb ber ©emeinbe Ober- Hörgern um Beträge von zusammen etwa 100 RM. geschädigt zu haben. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von sieben Monaten unb eine Geldstrafe von 100 RM. Der Angeklagte wurde wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in drei Fällen zu einer Gesamtgefängnisstrafe von sechs Mo. naten und einer Geldstrafe von 100 RM., ersatzweise 10 Tage Gefängnis, verurteilt.
Der W. F. I. in Friedberg hatte einen Strafbe- fehl über 15 RM. erhalten. Er war beschuldigt, am 7. Februar mit einem Personenkraftwagen die Kaiserstraße in Friedberg befahren zu haben, ohne die Laternen mit Abblendklappen zu versehen. Ge- gen den Strafbefehl legte ber Angeklagte Einspruch ein. Zum Hauptverhanblungstermin vor bem Amts- gericht Friebberg am 9. April mar ber Angeklagte trotz orbnungsmäßiger fiqbung nicht erschienen, weshalb ber Einspruch verworfen würbe. Gegen
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