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8.5.1940
 
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Eichener Anzeiger

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haus unmittelbar den Rücktritt der Regie­rung fordern wird. In diesem Fall werde die Regierung genötigt sein, die Vertrauensfrage

sich seit Abzug der Stteitkräfte in Sud- und Mittel« Norwegen schon sehr zurückgezogen hatten, treten nach der Rede Chamberlains jetzt völlig in den Hintergrund, da sie nur noch peinlichen politischen Erörterungen ausgesetzt sind. Eine bemerkenswerte Tatsache ist, daß sich auch die zahlreich hier an­wesenden amerikanischen JoMalistey. von den AM

Diktatorische Vollmachten für Churchill?

A m st e r d a m , 8. Mai. (Europapreß.) Die Mög­lichkeit eines dramatischen Ausgangs der großen Unterhausdebatte erscheint keineswegs ausgeschlos­sen.Daily Mail" berichtet, daß möglicherweise Attlee im Namen der Arbeiterpartei im Unter-

Amsterdam, 7. Mai. (DNB.) Das englische Unterhaus hat am Dienstag der groß angekündig­ten Rede Chamberlains mit Spannung ent­gegengesehen. Alles, was er jedoch zu sagen wußte, war die Tatsache, daß es den Engländern gerade noch rechtzeitig gelungen ist, bei Nacht und Nebel aus Namsos zu entweichen. Selbstverständlich stritt er wieder ab, daß die englische Flotte auf ihrer Flucht vor der deutschen Luftwaffe schwere Schläge bezogen hat. Er sagte, er möchte den englischen Seestteitkräftenfür die wirklich bemerkens­werte Geschicklichkeit beim Rückzüge" seine Anerkennung aussprechen. Der Feldzug in Südnorwegen sei beendet, und die englischen Trup­pen hättenihre Aufgabe mit der größten Tapferkeit erfüllt". Wörtlich sagte er:Sie haben dies in einer Neffe getan, die unserer gro­ßen Kriegstradition noch mehr Ruhm hinzufügt. Sie haben sich nach jeder Richtung ausgezeichnet, und jeder einzelne Mann zeigte sich dem Feinde überlegen". Kein Mensch wird dann verstehen, war­um die Briten so schnell geflohen sind, und ebenso wenig, wie die Nachricht vom Rückzüge in ganz Englandeinen schweren Schock" Hervorrufen konnte, wie Chamberlain zugab.

Um die Katastrophe dem Land in chrem ganzen Ausmaß zu verheimlichen, log er dem Unterhaus vor, die englischen Verluste seien nicht groß und irgendwelche beträchtlichen Kriegsvorräte seien in Norwegen nicht zurückgelassen worden. Das steht im krassen Widerspruch zu dem Abschiedsbrief des eng­lischen Brigadekommandanten an den norwegischen Obersten Goetz, in dem der Engländer erklärte, er habe, gewissermaßen zum Trost, große Mengen an Waffen und Material den von ihm verlassenen Norwegern dagelassen. Chamberlain erklärte, er habe gewußt, wie schwer es sein würde, Dront- h e i m einzunehmen. Man habe diesen Versuch jedoch unternehmen müssen, weil man die Wirkung auf das norwegische Volk hätte in Bettacht ziehen müssen, und man sich sonst dem Vorwurf ausgesetzt hätte, das einzige Ziel der Engländer in Skandi­navien sei das schwedische Erz und nicht dieFrei­

Belgrad, 8. Mai. (Europapreß.) Nach__

Achten oer BelgraderPrawda" soll der in Sofia weilende englische Botschafter bei der türkischen Regierung, Knatchbull-Hugesson, in der bulgarischen Hauptstadt auch die Frage der Schaf­fung eines Balkanblockes unter Ein -

London sensationell gewirkt.

Dramatischer Ausgang der Merhausdebatte?

hejt der kleinen Nationen". Mit anderen Worten: Man wollte dem norwegischen Volk etwas vor­machen und schickte nur deshalb das Expeditions­korps, um die Lüge von dem Kampf für die Kleinen aufrechterhalten zu können. Das geht auch eindeu- ttg aus dem Geständnis hervor, daß England nur eine einzige Division nach Norwegen ge­sandt habe. So also tritt England für die Völker ein, die es aufhetzt und denen es seinenSchutz" verspricht.

Zum Schluß sah sich Chamberlain genötigt, die Mitglieder des Unterhausesnoch einmal zu be­schwören", in diesen kritischen Tagen die Lage hin­zunehmen. Er meinte, die Abgeordneten müßten sich vor allen Nörgeleien und Meinungsverschieden­heiten hüten. Und um die Opposition zu beschwich­tigen, forderte er aus, sich nur mit der Zukunft und der Verstärkung der kriegerischen Anstrengun­gen Englands zu beschäftigen, damit, wie er sagte, wir unsere Schläge austeilen können, wann und wo mir wollen". Offenbar spielte der Kriegshetzer auf die neuen Aggressionsobsichten der Pluto krati en an. Er darf jedoch versichert sein, daß Deutschland diese Schläge blitzschnell pa­rieren und so erwidern wird, daß England um bei einem Ausspruch Chamberlains zu bleiben zu derLektion in Norwegen" noch andere Lektio­nen erhält. Aus dem letzten Teil der Rede geht klar hervor, daß die britische Regierung, nachdem sie Norwegen ins Unglück gestürzt hat, weiter nach neuen Opfern sucht, worauf Chamber­lain auch anspielte, als er die Entsendung der Kriegsschiffe nach dem Mittelmeer kurz streifte. Allgemein ist ausgefallen, daß der alte Kriegshetzer es wohlweislich vermied, auf die sen­sationellen Dokumente über Englands verhängnis­volle Umtriebe in Norwegen einzugehen. Er hat es noch nicht einmal gewagt, sie überhaupt zu er­wähnen, wo er doch sonst mit Dementis immer gleich bei der Hand ist. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Der Täter schweigt, weil er sich ertappt sieht. Englands Schuld an dem ttagischen Schicksal Norwegens ist damit vor aller Welt bewiesen.

Britische Zerstörer in den griechischen Inselgewäffern. Athen beobachtet besorgt die britisch-französischen Operationen im östlichen Mittelmeer.

Athen, 8. Mai. (DNB.) Die Bewegungen der englischen und französischen Geschwader im Mittel­meer werden in Athen sehr aufmerksam und wach­sam verfolgt. Die man erfährt, ist die e n g l i s ch e A l o t t e nach anfänglicher Massierung in der Ge- genb von Alexandria im wesentlichen mit der Beobachtung wichtiger punkte des östlichen Mittelmeers beschäftigt, während die fran­zösischen Kriegsschiffe offenbar den w e st - lichen Teil des Millelmeers als Operationsfeld zugewiesen erhielten. Die Kampfverbände sind ziem­lich gleichmäßig und bisher noch ohne erkennbares Ziel verteilt. Ein Geschwader leichter englischer Tor­pedoboote ist auf der Höhe von Kreta vor der befestigten Ducht von Suda gesichtet worden. In den Gewässern der griechischen Inselwelt ist durch englische Zerstörer ein patrouillen- d i e n st eingerichtet worden.

Die britischen Umtriebe in Sofia durchschaut.

schwerer zu glauben, die Formel derNichtkrieg- führung" fei zwischen den beiden totalitären Staaten bei Beginn des Krieges nicht vereinbart worden, um periodisch den Ereignissen angepaßt zu werden.

Italien

zur britischen Flottenverschiebung

Mailand, 7. Mai. (Europapreß.)Gazzetta del Popolo" schreibt, wenn man die britische Flot­tenverschiebung nach dem Mittelmeer prüfe, komme man zu dem Schluß, daß die britische Admiralität damit hauptsächlich viele große Schlachtschiffe dem Angriff der deutschen Luftwaffe habe entziehen wollen. Die Schläge der deutschen Sturzkampfflieger hätten die britische Admiralität überzeugt, daß jeder Einsatz großer Schlachtschiffe ungeheuren Gefahren ausgesetzt ist, und daß infolge der deutschen Besetzung von Nor­wegen nicht einmal mehr der Flottenstützpunkt von Scapa Flow unbedingte Sicherheit böte. Es sei jedoch eine Entstellung der Wahrheit, daß man eine Flotte im Mittelmeer Zuflucht suchen lasse und dies Vorgehen so hinstelle, als ob sie das Mittelmeer erobern würde. Gegenüber dieser Selbsttäuschung müsse man maßvoll aber entschlossen bemerken, daß die Zeiten einer Beherrschung des großen Binnen­meeres für die englischen Flottengeschwader f ü r immer vorbei seien. Die Kennzeichen des modernen Krieges hätten im Mittelmeer die gleiche Wirkung wie in der Nordsee. Bei der festgestellten Macht der Luftwaffe sei es undenkbar, daß die englische Flotte im Mittelmeer die Triumphe Nelsons wiederholen könne.

Das Kabinett kämpst um seine EMenz.

Italienische Gtimmungsberichte aus London.

Mische SMbloüade.

Arn letzten Sonntag nannte der greife Lloyd George, einst im Weltkrieg der Organisator der Hilfskräfte des Empire, imSunday Pictorial" die von England an Polen gegebene Garantie kurz und bündigverrückt" und zog die Folgerung, daß der ganze Garantieschwindel Chamberlains, dem er Unfähigkeit und Langsamkeit bescheinigt, für andere Staaten ebensowenig wert sei. Die Staaten des Südostens, Rumänien und Grie­chenland, die von Chamberlain mit diesem wert­losen Garantieversprechen bedacht worden sind, haben mittlerweile erlebt, was solche Versprechun­gen in Wirklichkeit bedeuten, denn die lärmenden Drohungen mit einer neuen Aggression im Mittel- meer sollen doch vor allem die Tatsache der schwe­ren englisch-französischen Niederlage in Norwegen bemänteln. Diese Politik nannte Lloyd George den sichersten Weg zur Katastrophe", und fürwahr, die Katastrophe wird für England gerade durch die Einfchüchterungsmaßnahmen gegenüber den Neutralen umso sicherer herbeigeführt, als die Ver­worrenheit der Kriegsausweitungspläne sich auch auf wirtschaftliche Maßnahmen erstreckt. Der Verlust des skandinavischen Holzes und Eisen­erzes für die englische Industrie wird schön jetzt fühlbar. Es fehlt an den Holzstempeln für Kohlen­gruben, und vergeblich sind die Versuche, sie durch stählerne zu ersetzen, da die Erzlieferungen eben­falls fortfallen. Die Einbuße an dänischer Butter, dänischem Speck und dänischen Eiern macht sich für die englische Volksernährung sehr schroff be­merkbar.

Dazu kommt nun eine Maßnahme, deren Folgen

Wie Norwegen betrogen wurde.

Chamberlain entschuldigt den Fehlschlag seiner Norwegen-Politik vor -em Unterhaus

Schluß Bulgariens angeschnitten haben. Die- er Balkanblock hätte natürlich nach dem englischen Wunsch eine gegen das Deutsche Reich gerichtete Tendenz haben und den Kriesausweitungsplänen !>er Westmächte dienen sollen. Knatchbull-Hugesson, i>er am Montagvormittag der großen bulgarischen Truppenparade beiwohnte, wird wahrscheinlich erst »m Dienstagabend die Rückreise nach Ankara an= treten. Er hatte am Montagnachmittag eine Be­sprechung mit Vertretern aller britischen Zalkangesandtschaften, die zu diesem Zwecke nach Sofia gekommen waren.

Eine Broschüre des bekannten bulgarischen Publi­zisten Dr. Risov über die Mittelmeer-Frage lommt zu dem Ergebnis, daß der Friedensliebe der tn Südosteuropa interessierten neutralen Länder, iItalien, der Sowjetunion und der Balkanstaaten, die Angriffsabsichten der Westmächte gegenüber fänden, die den Krieg auch auf den Südosten aus­lehnen wollten. England und Frankreich hätten (in neuesKriegsrecht" geschaffen, das keine Rücksichten auf den Friedenswillen i e r Neutralen nehme. So wie sie diese Rück- lchten im Norden vergessen ließen, so würden sie ie auch im Südosten fehlen lassen. In diesem Falle reilich würde Italien handeln. Sobald die Vestmächte ihren Vorstoß auf dem Balkan oder em Nahen Osten ausdehnen würden, würde Jta- i en schnell und blitzartig seine militärischen Kräfte cusspielen. Eines Tages würde dann Italien mit inem Schlage das ganze Mittelmeer- i n b Kolonialproblem aufroHen und ei dem folgenden Friedensschluß kein zweites Versailles Massen.

Bischöfe und Journalisten.

England verstärkt seinen Propaganda­apparat in Jugoslawien.

Belgrad, 8. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die fgramer ZeitungHrvatska Sttascha", das Organ >s katholischen Metropoliten von Kroatien, befaßt ich mit der Agitationsreise anglikani - ch e r Bischöfe durch Jugoslawien, die natürlich ihre politische Bedeutung habe. Die anglikanische Kirche habe sich im italienisch-abessinischen Krieg wie auch im spanischen Bürgerkrieg in italien- feindlicher Weife politisch exponiert. Man dürfe auch nicht vergessen, daß anglikanische Bischöfe bereits im Jahre 1935 eine ähnliche Reife durch Jugoslawien gemacht hätten. Damals feien sie auf dem Agramer Hauptbahnhof an dem greifen kroati­schen Metropoliten und Kardinalerzbischof Dr. An- tvn Bauer, ohne zu grüßen, einfach vorbeige­gangen. Wenn deshalb die anglikanischen Bischöfe sich diesmal beeilten, dem kroatischen Metropoliten ebenfalls ihre Aufwartung zu machen, so dürfe man in der kroatischen Hauptstadt nicht vergessen, z u welchen Zwecken die anglikanischen Agitatoren im Bischofsrock gekommen sind.

In Belgrad fällt das ständige Anwachsen der Zahl der englischen Journalisten auf. Neuer britischer Presseattache wurde ein gewisser S y m e, |ein ebenfalls neu zugereister Stellvertreter heißt Lyell. Außerdem zählt diese Abteilung, die sich in den letzten Tagen bei derBetreuung" der an­glikanischen Bischöfe und ihres Gefolges hervorgetan hat, noch vierGehilfen". Die Belgrader Reuter- ßertretung übernahm der aus Bukarest wegen fei­ner skandalösen Falschmeldungen ausgewiesene Mr. Lo w e l. Für denDaily Expreß" ist ebenfalls aus Bukarest der sattsam bekannte Seftvn Weimar zugereist. DerDaily Mail"-Dertreter Atherton, der gleichzeitig die englischsprachige ZeitungBal­kan Herold" undSouth Slovic Herold" herousgibt, wurde durch einen Mr. Maker verstärkt, während ber jüdischeNews Chronicle"-Bertreter A r c e 11 i aus Budapest einen gewissen Segrue beigeorimet erhielt.

Drohender Belagerungszustand in der Türkei.

Istanbul, 7. Mai. (DNB.) Die türkische Na­tionalversammlung hat die Vorlage über den Be°

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beim Vorliegen außerordentlicher Umstände, die Kriegsgefahr für das Land bedeuten, den Belage­rungszustand zu verhängen.

Spannung in Paris.

Brüssel, 8. Mai. (Europapreß.) In Paris, wo der ehemalige norwegische Außenminister K o h t am Donnerstag erwartet wird, sind die Mitglieder der Regierung ständig mit Beratungen über die Lage beschäftigt. Am Montag trat im Elysee-Palast unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Lebrun, d a s Kriegskomitee zu einer zwei­stündigen Sitzung zusammen. Am Mittwoch werden sich die Mitglieder der Regierung zu einem Minister­rat versammeln. Inzwischen erwartet man mit ge­spannter Aufmerksamkeit den Verlauf der zwei­tägigen Beratungen im englischen Unterhaus über die Ereignisse in Norwegen, bei denen es, wie derJour" schreibt, um den Bestand der englischen Regierung gehe.

Bei einer Betrachtung der Lage im Mittelmeer greift dasOrdre" Italien an. Das Blatt schreibt, dieNichtkriegführung. Italiens" werde auf eine Weife geführt, die in Wirklichkeit einer Teil­nahme am Kampf gleichkomme. Es werde immer

schreibt, auf einem Umzug iw Whitehall seien Montag Tafeln mit Aufschriften zu sehen gewesen, die neue Männer forderten. Es werde zwar von einer neuen Regierung gesprochen, doch seien viele Stimmen in London immer noch der Ueberzeugung, daß Chamberlain den Sturm im Unterhaus u b e r st e h e n werde. Pessimistischer hinsichtlich des Fortbestehens der Regierung Cham­berlain zeigt sich der Londoner Korrespondent des Giornale d'Jtalio". Den Gnadenstoß Hobe der Regierung, die noch immer auf einen Einfluß Schwedens zu Gunsten der Westmächte gehofft habe, die Nachricht von dem zwischen der deutschen und schwedischen Regierung bestehenden vollen Einvernehmen gegeben. Der Briefwechsel zwischen Adolf Hitler und König Gustaf von Schweden habe

konservativen Reihen mehrere Abgeordnete, die noch am Montag offen erklärt hätten, sie würden den Rücktritt der Regierung fordern. Zu diesem Entschluß seien sie nach Beratungen mit ihren Wählern gekommen. In dem gleichen Bericht heißt es, eine der Fragen, die der Regierung gestellt werden würden, sei die, wer den Rück­zug der Truppen aus Norwegen angeordnet habe und ob dieser in Uebereinftimmung mit der Ansicht der örtlichen Befehlshaber geschehen sei.

Churchill soll, wieNews Chronicle" schreibt, mit der Veröffentlichung seiner Prioatkritiken an der Durchführung des norwegischen Abenteuers ge­droht haben, für den Fall, daß die Frage des An­teils der Admiralität an dem Fehlschlag von Chamberlain aufgeworfen worden märe. Um der Verwirklichung dieser Drohung zu entgehen, habe Chamberlain dem Marineminister weitere Vollmachten bei her Leitung der brttischen Kriegsstrategie eingeräumt.Daily Telegraph" schreibt:Unter der neuen Anordnung wird die Zusammenarbeit ausschließlich durch die Stabs­chefs der drei Wehrmachtsteile, über die Churchill den Vorsitz führt, durchgeführt werden. Wo Ange­legenheiten die Zustimmung des Kabinetts erfor­dern, wird Churchill allein als Sprecher des Kabinetts auftreten." D. h. also, daß Kriegsminister Oliver Stanley und Luftfahrtminister Sir Sa­muel Hoare aus der strategischen Leitung des Krieges ausgeschaltet würden. In Zukunft würde dann Churchill als einziger verantwortlicher Minister in dem Komitee der Stabschefs sitzen und es bliebe seinem Gutdünken anheimgestellt, welche' Fragen dem Kabinett zur Entscheidung voraelegt werden müßten und welche er aus eigener Macht­vollkommenheit entscheiden zu können glaubt. Chur­chill besäße also hamit diktatorische Voll­machten für die strategische Leitung des Krieges. Es scheint, daß sich Chamberlain durch dieses Zu­geständnis vor der befürchteten parlamentarischen Auseinandersetzung retten will.

SchlechlerSindruck in Stockholm

Chamberlain durch Augenzeugen Lügen gestraft.

Stockholm, 8. Mai. (Europapreß.) Die Aus­führungen des englischen Ministerpräsidenten im Unterhaus haben in Stockholm einen denkbar schlechten Eindruck gemacht. Die FeftsteLun« gen Chamberlains über den Abzug der englisch- ftanzösischen Truppen aus Namsos und Andalsnes stehen in direktem Widerspruch zu den Berichten, die in Stockholm nicht nur durch schwedische und norwegische, sondern in erster Linie amerikanische und italienische aber auch englische Augenzeugen bekannt wurden. Darin heißt es übereinstimmend, die Zahl der Opfer bei den Westmächten sei be­trächtlich. Es handelte sich um keine geordnete Ein­schiffung wie Chamberlain behauptete, sondern um eine panikartige Flucht. Der größte Teil des Kriegsmaterials wurde in den Häfen und Versorgungsplätzen zurückgelassen. Auch die Zahl der versenkten Kriegs - und Trans­portschiffe der Westmächte sei wett höher als die von Chamberlain zugegebenen zwei Zerstörer.

Amerikanische Journalisten, die am Dienstag auS dem Namsosabschnitt eintrafen, berichten, daß bei dem Abzug der Truppen der Westmächte ein er­schreckendes Durcheinander geherrscht habe und daß englische Offiziere die Flucht ergriffen hätten, bevor sie sich in voller Uniform befanden. Die Journa­listen der Westmächte, die in den ersten Kriegs­monaten in Stockholm groß aufgetreten waren und

Rom, 8. Mai. (Europapreß.) Besonderes Inter­esse zeigt die römische Presse für dieSchlacht", im englischen Unterhaus. Man fragt, ob die eng­lische Regierung auch gegenüber ihren parlamen­tarischen Feinden einen strategischen Rückzug be­schließen werde. Die Regierung so berichtetTe­uere" aus London werde im schärfsten Trommelfeuer ihren Gegnern standhalten müssen. Die unerbittlichen Gegner seien aber nicht nur im sozialistischen und oppositionellen liberalen Lager zu suchen. Auch eine Gruppe von Konser­vativen sei ihnen zuzuzählen, und zwar nicht nur jene, die sich seinerzeit gegen die Politik von Mün­chen erklärt hätten, sondern auch solche, auf die die Regierung bisher bei großen Anlässen jederzeit habe rechnen können. Nun scheine zum erste Mal die Regierungsmehrheit in zwei klar gesonderte Gruppen geschieden zu sein.

Es komme wenig darauf an, schreibtPopolo di Roma", welcher Art das Ergebnis der Schlacht im Unterhaus fein werde. Das Wesentliche sei, daß das Schicksal der Regierung Cham­berlain besiegelt sei. Die militärischen und politischen Niederlagen der Westmächte hätten ein Ausmaß erreicht, das einen Personenwechsel in der Regierung Englands unvermeidlich macht. Vielleicht werde sich eine gleichartige Rückwirkung auch rn Paris einstellen. Das demokratische Regierungs­system müsse der öffentlichen Meinung, die zuerst getäuscht und dann aufgereizt worden sei, irgend- iiuiiu eine Genugtuung bieten. ,

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