Ausgabe 
8.4.1940
 
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Ur. 82 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 8. April {940

Auskiana her Woche für Kunst und Literatur

am

und

Avend der alten Soldaten

C. K.

leben.

es

einer aber

den sich

in die Gegenwart, und führte auch hier durch viele Beispiele den Nachweis, daß England noch niemals irgendwelche Bereitwilligkeit zum Verständnis für die deutschen Interessen gezeigt hat, sondern immer nur Gegnerschaft, ja ausgesprochene Feindschaft gegen das deutsche Volk an den Tag legte. Jnsbe- sondere aus der neueren Geschichte von 1870/71 bis zum Ausbruch des Weltkrieges wurde eine Fülle von Beweisen für die stets deutschfeindliche Haltung Englands angeführt, ebenso auch aus der Zeit nach dem Weltkrieg bis heute. Die Schluß­folgerung ergab sich von selbst, daß nämlich das ganze deutsche Volk, in erster Linie die alten Sol­daten, mit aller Kraft bis zum letzten zusammen­stehen müssen, um in der Gefolgschaft unseres Füh­rers die deutschfeindliche Raub- und Gewaltpolitik der plutokratischen Machthaber Englands für alle Zeit, auch im Interesse aller Völker, unschädlich zu machen. Nur durch einen vollen deutschen Sieg, für den auch in der Heimat alle Kräfte eingesetzt wer­den müssen, sei dieses Ziel zu erreichen.

.Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurden noch einige kleinere Angelegen­heiten erledigt und danach der Appell in üblicher Weise geschlossen.

Monatsappell der alten Kavalleristen.

Am Samstag hielt die Kameradschaft ehemaliger Kavalleristen unter Kameradschaftsführer Ernst Hartmann ihren Monatsappell ab. Der Kame­radschaftsführer gedachte zunächst des verstorbenen Ehrenmitgliedes Gastwirt Ludwig G e r l a ch (Bie­ber). Anschließend wurden die neuesten Eingänge be­kanntgemacht. Dabei wurde u. a. geeigneten Kame­raden empfohlen, der Technischen Nothilfe beizutre­ten. Außerdem mürbe das Kreisoerbandsschießen be­sprochen, das die Abgabe von 10 Schuß liegend pro Mann bis zum 4. August erfordert. Die Hebungen werden für den einberufenen Schießwart von dessen Stellvertreter Eisenach geleitet. Kamerad Heinrich P r e u ß e r erhielt die Ehrennadel für 25jährige Mitgliedschaft überreicht. Auf die Metallfpende zum Geburtstag des Führers wurde besonders aufmerk­sam gemacht.

Schriftführer Kamerad Karl Stork gab die neuesten Anordnungen bekannt, u. a. auch die über die .Ablieferung der Spitzen der Kameradschafts­fahnen. Die Standarte der alten Kavalleristen hat allerdings keine Spitze gehabt. Weiterhin erwähnte er, daß der NS.-Reichskriegerbund für das zweite WHW.-Wunfchkonzext den ansehnlichen Betrag von 50 000 RM. aufgebracht hat. Kameradfchaftssührer Hartmann sprach in diesem Zusammenhang auch von der Beteiligung der Kameradschaft an der Stra­ßensammlung und dankte allen Kameraden, die sich dafür eingesetzt hatten. Er gedachte ferner all der Kameraden im Felde und gab der besonderen Freude darüber Ausdruck, daß das Ehrenmitglied, Haupt­mann F u n k, der Lehrer an der Kriegsakademie in Potsdam war und jetzt wieder bei der Truppe steht, den Weg zur alten Kameradschaft gefunden hatte.

Hauptmann Funk gab dann eine interessante Schilderung der Waffe der Kavallerie in ihrer Ent­wicklung durch die Jahrhunderte bis auf den heu­tigen Tag. Kamerad Funk erhielt für seine Schilde­rung reichen Beifall. Ein kameradschaftlich geselliges Beisammensein beschloß den Abend.

Der weitere Verlauf des Abends brachte noch einige tänzerische Vorführungen des Balletts des

Brigadeführer Schwarz mit dem Blutorden ausgezeichnet.

Dem Führer der SA.-Vrigade 147 (Oberhessen), Brigadeführer Schwarz (Gießen), wurde mit Wirkung vom 31. März der Blutorden der NSDAP, verliehen. Brigadeführer Schwarz erhielt die hohe Auszeichnung der Partei in Würdigung seines Ein­satzes für die Partei und für die schwere Verletzung, die er im Jahre 1927 bei Straßenkämpfen in Ber­lin erlitt. Brigade sichrer Schwarz stand damals zur gleichen Zeit mit Horst Wessel als Sturmführer in der Berliner SA. Gegenwärtig befindet sich Bri- gadeführer Schwarz im feldgrauen Ehrenkleid an der Front.

große Leere zu hinterlassen.

Mit dem Igele endete auch die Kinderzeit. Es kam das vielgestaltige Leben, Ehe kam und Tod, Glück und Leid und Weite der Welt. Der alte Garten der Kindheit versank.

Aber so oft ich irgendwo einen Igel sehe, stehen die blauen Tage wieder auf: die heimatlichen Bäume rauschen im leichten Seewind, meine Taschen sind schwer von des Nachbars besten Aepfeln, und auf meinem Schoß, r:rtraulich mit mir speisens

Oer festliche Abend

im Saal des Gesellschaftsvereins war mehr

sichtlich der Metallfpende, zu der alle Kameraden nach besten Kräften opfernd besteuern sollten. Da­mit auch die Artilleristen-Kameradschaft als solche ihre Opsergabe zu dieser Sammlung geben kann, machter der Kameradschaftsführer den Vorschlag, die an der alten Kameradschaftsfahne befindlichen ansehnlichen Messinatelle der Metallspende zuzu­führen und dafür Der alten Fahne eine andere Ausstattung zu geben, die zugleich eine Erinnerung an die jetzige Kriegszeit darstellen soll. Diesem Vorschlag des Kameradschaftsführers stimmten die Kameraden einmütig zu, und sie bewiesen damit ihr Verständnis für die Notwendigkeiten unserer Zeit.

Der Propaganda- und Pressewart sprach sodann über Englands Gewalt- und Raubpolitik gegen alle Länder, die im Laufe der Jahrhunderte durch ihr Emporblühen dem englischen Handel unbequem und mißliebig wurden. Der Redner führte eine Reihe von Beispielen aus der Geschichte an, die Englands Piratentum und politische Skrupellosig­keit deutlich machten. Er beschäftigte sich dann ein­gehend mit der deutschfeindlichen Politik der Eng­länder im Verlaufe des nötigen Jahrhunderts bis

Artill-nstsn-Kameradschast 1895 Gietzen.

Der Monatsappell der Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen, der am Samstagabend unter Leitung des Kameradschaftsführers Müller im Heim der Kameradschaft (Hessischer Hof) ftattfanb, vereinigte wiederum eine stattliche Anzahl alter Artilleristen mit jungen Kameraden von der aktiven Wehrmacht, und war eine neue Bekundung der engen Kame­radschaft zwischen den alten und den jungen Sol­daten.

Diese Verbundenheit unterstrich Kameradschafts­führer Müller in seinen Worten zur Eröffnung des Appells. Anschließend machte er die Kameraden mit einer Reihe neuer Anordnungen der NS.- Reichskriegerführung und der Gießener Kreiskrie­gerführung bekannt, gleichzeitig ermahnte er die alten Soldaten zu unentwegt festem Zufammen- stehen, um gerade jetzt im Kriege dem Werke des Führers auch im Gießener Bezirk, eine starke Stütze zu fein. Er erinnerte besonders an die Pflichten, die sich aus der Gegenwart in erster Linie für die alten Soldaten ergeben, zur Zeit vornehmlich hin-

Sinn feines Erbauers im einzelnen und die alte deutsche Freude an friedlichem Schaffen allgemein widerspiegelt. Daß aber jeder Frieden erkämpft sein will und erftritten werden muß, ist eine ebenso all­gemeingültige deutsche Erkenntnis; sie fand Nieder­schlag in dieser alemannischen Hausinschrift

beschaulichen Geselligkeit gewidmet, mit der ein feiner literarischer Genuß verbunden werden

Schüsselreim:

Es steht geschrieben, daß Sechs oder Sieben nicht sollen harren auf einen Narren, sondern essen und des Narren vergessen!" Hübsch und sinnig ist auch dieses schlichte Wort, das einen Tellerrand ziert:

Ein Herz soll daran haben Freud, sein Brot zu essen mit Dankbarkeit!"

Ein froher Gast ist niemand's Last!" liest sich auch recht nett, und für treuen Opfersinn, sowie Dolks- gefühl spricht dieser Tellerspruch aus der Gegend um Calw:

Bist du ein Armer vor der Tur, so komm herein und mit mir!"

Oft spricht auch ein kunstlos sich ausdrückender Humorsinn aus solchen Geräteinschriften:

Diese Schüssel wär' mir recht, wenn darin ein Braten läg'."

Und die ganze Spruchfreude des deutschen Men­schen redet aus dieser Inschrift eines Milchtopfes: Es segne Gott zu jeder Stund', was ein- und ausgeht deinem Mund, jedweden Tropfen Milch im Topf, viel gute Gedanken und Sprüch' im Kopf!"

Aus her Stadt Gießen.

Volkes Mund tut Wahrheit kund.

23on Werner Lenz

Es ist eine alte, schöne Sitte, das Haus innen und aufjen mit ernsten und heiteren Versen und Sprüchen zu schmücken. Wo die alte Sitte des Hauses, Volkstracht und volkstümlicher Häuserbau bewahrt bleiben, da blüht auch meist solche Sprachdichtung noch. Dieser Hausschatz deutscher Spruchverse ist in seiner Art nicht minder reich an lauterem Golde wie das eigentliche Volkslied."

So schrieb der bahnbrechende Volkstumsforscher W. H. Riehl vor 100 Jahren, und gerade unsere Gegenwart, die in der Beachtung und Wertschätzung überlieferten Gedankengutes unserer Vorfahren eine der stärksten seelischen Kraftquellen im Kampfe um Deutschlands Selbstbehauptung erkennt, dankt es den Hütern und Hegern deutschen Volkstun^s, daß sie uns so viel von dem, was sie fanden, bewahrten; dankt es ihnen um so mehr, als durch die darauf verwandte Aufmerksamkeit der schon abgleitende Brauch, Haus und Gerät mit echter ungekünstelter Volksweisheit und Volkspoesie zu schmücken, wieder angeregt und erneuert wurde, wie es manch' Haus, das neu erstand, und manch' Geschirr, das in klein­bürgerlicher und ländlicher Werkstatt jüngst erst entstand, zu bekunden vermag.

Einige Zeugnisse solcher alten deutschen Familien­kultur hier zusammenzustellen, ist wohl um so zeit­gemäßer, als aus ihnen allen die schlichte deutsche Art redet, für deren Erhaltung die innere und äußere Front heute kämpft.

Des Hauses Schmuck ist Reinlichkeit, des Hauses Glück Zufriedenheit, des. Hauses Segen Frömmigkeit.

Glücklich frohe, schöne Stätte, wo Friede und Zufriedenheit das Haus zum Sitz des Segens weiht."

So lautet eine Giebelinschrift, die den redlichen

Als das Igele in die Jahre kam, lief es nicht mehr so behende über die begrünten Wege, seinen unerfindlichen Zielen nach. Sein kleines spitzes Ge­sicht wurde trüb und alt. Unt> eines Tages kam es nicht mehr zum Abendbrot. Ich suchte es mit schwe­rem Herzen und fand es schließlich tief unter dem Stroh feines Winterlagers vergraben. Es war schon starr und kalt. Mit der keuschen Scheu, welche die Tiere in der Stunde des Todes überfällt, hatte sich verborgen, auch vor mir, und war einsam seinen letzten Weg gegangen. Ich stand in bitteren Tränen neben ihm und sann dieser fremden, klei­nen Existenz nach, aus deren Aeuglein eine so freundliche Seele geglänzt hatte, diesem grotesken kleinen Stachelball, der für viele eine Sache war, ein Nichts, und der es verstanden hatte, eine so

n i n g e r s. Für die Mitglieder des Goethe-Bundes gab es im Laufe des Abends noch eine besondere Ueberraschung in der Form einer Bücher-Ehrengabe. Der weitere Verlauf des Abends war ganz der ge-

Es wohnte in einer alten Laube, wo das Gar­tengerät aufbewahrt wurde; jeden Herbst, wenn wir die Villa verließen und nach München zogen, bekam es einen frischen Haufen Stroh, und unter diesem Berg vergraben, hielt es seinen Winter­schlaf. Welche Sorgen die langen Monate hindurch, ob das Igele das nächste Jahr wohl noch erleben werde, welche Freude, wenn es im Frühjahr bei unserem Einzug klein und stachlig seine Honneurs machte!

Bald wuchs es aus der Rolle eines beschützten Lieblings in die eines Beschützers und Vertrauten hinein. Denn die Zeit kam, wo ich Schleifen an meine wilden Zöpfe band, und mein Interesse stark geteilt wurde zwischen den geliebten verbotenen Streichen und einem sporenklirrenden Leutnant, der erstaunlich ost bei uns zu sehen war und sich sehr rasch zu meinem anerkannten Verlobten auswuchs. Aber mein korrekter Vater schätzte bräutliche Zärt­lichkeiten wenig, und so zogen wir uns denn recht häufig unter dem Vorwand, das Igele zu besuchen einer Mutter hätte man das ja kaum weis- machen können, in das dämmerige Gartenhaus zurück, wo ich, von den dunklen Aeuglein meines kleinen Kameraden freundlich bewacht, die ersten Küsse junger Liebe gab und empfing. Diese Mit­wisserschaft band mich nur noch fester an meinen seltsamen, kleinen Vertrauten.

der erste Band des RiesenwerkesWolga, Wolga", drei weitere folgten im Laufe dieser zehn Jahre, vier waren noch geplant. Nun ist plötzlich die große Ruhe über den Dichter gekommen, der in diesem Werk die tiefste Unruhe seines eigenen Herzens gesungen und zugleich ein geheimnisvolles Stück deutschen Schicksals gedeutet hat. Grade in unserer Zeit, da die deutsche Unruhe heimfindet ins alte neue Reich, wird der Dichter vonVolk auf dem Wege", den 1936 seine Heimat mit dem Rheinischen Literaturpreis und im folgenden Jahr seine zweite Wahlheimat München durch Verleihung des Mün­chener Dichterpreises ehrte, in unseren Herzen fort-

Igele.

23on Sophie von tfbhe

Womit ein Igel, Erinaceus europaeus, gemeint ist, ein ausgewachsener Igel. Denn das Diminutiv be­zieht sich nicht auf seine Körperlichkeit, es will viel­mehr geistige Beziehungen dokumentieren. Zärtliche Wertschätzung einer illustren Persönlichkeit, die un­serem Herzen nahesteht.

Als ich meine Bekanntschaft mit ihm anknüpfte, befand ich mich noch in dem einzig guten und be­rechtigten Stadium, in dem man mit ewig ausge­lösten Zöpfen mit unergründlich schmutzigen Händen und einem allezeit schwer belasteten Gewissen sich fröhlich durchs Leben schlägt. Ich war eben im Be- qtiff, mich zwecks Birnenklauen bäuchlings unterm Gestrüpp in den Nachbargarten zu schieben, als ich auf den Igel stieß. Ich schrie erbost, er rollte sich zusammen, und so waren zunächst die Aujpien für einen freundschaftlichen Verkehr keineswegs günstig.

Ader man war ja noch in dem interessierten Mter wo auch die kleinste Begebenheit von Wert ist So wartete ich denn, platt auf der Erde lie­gend, bis der Igel sich wieder aufrollen wurde. Er tat es, und da mußte es ihm passieren, daß er, vorsichtig sein spitzes Näschen in die Luft steckend, direkt aus nächster Nähe in zwei Menschenaugen blickte was ihn so verblüffte, daß er ganz vergaß, sich wieder in sein Inneres zurückzuziehen. Wir starrten uns ein Weilchen an, und diese stumme Kritik fiel auf beiden Seiten günstig aus; denn ob­gleich er bald in aller Ruhe seinen unterbrochenen Weg fortsetzte, und auch ich weiter meinen anfecht­baren Zielen nachging, betrachteten mir uns fortan als Bekannte, begegneten uns auch alle Tage, wobei freilich weniger der Zufall, als ein unermüdliches Sitten von meiner Seite die Hand im Spiele hatte.

Zum Tode von Josef Ponten.

Der jähe Tod von Josef Ponten in seinem 57. Lebensjahr berührt besonders tragisch, insofern als Ponten trotz frühester Beschäftigung mit der Dichtkunst doch verhältnismäßig spät das Thema seines Lebens und damit auch seinen eigenen Stil fand. In den knappen anderthalb Jahrzehnten, die ihm schließlich für seine große, breit ab gesteckte Aufgabe hlied, hat er diese Aufgabe nur noch halb vollenden können.

Aus einer alten Handwerkerfamilie eines rheini­schen Grenzdörfchens stammend und an der Scheide zweier Kulturen ausgewachsen, hat Ponten bei aller heißen Treue zur deutschen Art sich doch stets willig von fremder Kultur befruchten lassen. Ja, möglichst viel von der Weite der Welt in sich auf­zunehmen, war ihm stärkstes Bedürfnis. Innere Unruhe, diedeutsche Unruhe", trieb ihn auf Wan­derschaft. Umfassende geologische, geographische, kul­turgeschichtliche und vor allem kunstgeschichtliche Kenntnisse, denen er ein gründliches Studium ge­widmet hatte, ermöglichten ihm Darstellungen wie seineGriechischen Landschaften" und sein "Euro­päisches Reisebuch", in denen sich das wissenschaft- liche und das künstlerische Element in einzigartiger Weise die Wage halten. ~

Seine eigenen Frühwerke wie die Romane Jungfräulichkeit" undSiebenquellen" hat er sel­ber später nicht gelten lassen wollen. Wie für mele bedeutete auch für ihn der Krieg die große Krstis, aus der er als ein Verwandelter hervorging, ^ber euch der. vor dem Krieg schon begonnene und am Kriegsende umgearbeitete und vollendete Roman .Der babylonische Turm" befriedigte seine eigenen Ansprüche nicht. In bewußter zuchtvoller Arbeit crzog er sich nun zum Meister der Novelle. Erzäh­lungen wieDie Uhr von Gold",Der Gletscher , Die Insel" feien nur als hervorragende Beispiele (iner langen Kette genannt. Dazwischen ^utstanden, in Zusammenhang mit seiner kunstgeschlchtuchen Beschäftigung, das BuchArchitektur, bte nid)t ge= baut wurde" und der RethelromanSeine Hocy- deitsreife", ferner auch der historische Roman aus bem 16. JahrhundertDie Studenten von Lyon .

Da, 1925, auf einer Reise im östlichen Rußland, in der Begegnung mit deutschen Auswanderern, rand auf einmal blitzhaft das große Thema feiner Seele: Volk auf dem Wege, Roman der deutschen Unruhe. Don Anfang an hat Ponten dieses Werk auf das weiteste Quellenstudium Der Vücher und Urkunden, sondern vor allem auch a s persönlichen Reisen, auf dem Balkan, m Noro- Efrita, Asien, Nord- und Südamerika. 1930 erschien

Sehr bald fing das Igele an, mich zweifellos zu schätzen, was zunächst nicht so sehr den Meriten meiner Persönlichkeit, als dem Umstande zuzuschrei- ben war, daß ich ihm täglich die erlesensten Lecker­bissen verehrte, die ich mit viel List in der Vor­ratskammer für ihn stahl.

Nach wenigen Wochen schon kam das Igele, wo immer es sich auch befand, eilig angerannt, wenn ich pfiff, und nahm fein Hehlergut in Empfang, und bald hatte ich es nicht mehr nötig zu pfeifen; das Igele fand mich überall. Wenn ich irgendwo mit einem Buch oder infolge höherer Gewalt auch mal mit einer bemerkenswert schwarzen Handarbeit im Garten versteckt saß, so hockte nach wenigen Mi­nuten, wie aus dem Boden gewachsen, das Igele neben mir, ein kleiner stacheliger Gnom, und ver­langte mit spitz emporgerecktem Schnäuzchen auf meinem Schoß zu sitzen.

Für platonische Liebe habe ich noch nie etwas übrig gehabt, auch damals.nicht, und daß das Igele jeden Versuch, zärtlich zu ihm zu werden, infolge seiner Stacheln nolens volens ablehnte, bereitete mir viel Kummer. Aber wir fanden einen Ausweg: ich legte meine Hände flach auf den Boden, das Igele mit- gespreizten Pfötchen kletterte darauf, wäh­rend es mit freundlichen Aeuglein für die Unlie­benswürdigkeit feiner Oberseite um Entschuldigung bat, es wurde auf den Schoß gehoben, und so saßen wir Stunden und unterhielten uns aufs vor­trefflichste, sehr auf Kosten der widerwärtigen Hand- arbeit.

Die ganze Familie liebte das Igele, und ich beob­achtete oft mit Freude meinen Vater, wie er seine Staffelei verließ und. die Palette in der Hand, andächtig in irgendeinem Gesträuch herumkroch, wo das Igele fein Wesen trieb. Es mußte auch bald überall dabei sein, und als einst, anläßlich einer italienischen Nacht in unserem Garten, Otto Julius Bierbaum, in splendid Isolation in einem Rosen- beet stehend, mit viel Schwung eigene Strophen oortrug, saß plötzlich das Igele zu seinen Füßen, mit dunklen Aeuylein zu ihm emporhimmelnd, und in das feurige Liebeslied.prasselte ein so homerisches Gelächter, daß der Dichter, der die Anwesenheit des stachligen Störers nicht sah, verletzt den Mund schloß.

Des Abends, wenn wir auf der ebenerdigen Veranda beim Nachtmahl faßen, kam das Igele trab-trab herein und fetzte sich, mit spitzen Schnäuz­chen witternd, freundlich zwischen uns zu einem Schälchen Milch. Es kam stets pünktlich wie eine Uhr um halb acht, und hatten wir uns einmal auf einem Ausflug verspätet, so wartete es schlecht ge­launt auf der Veranda, begrüßte uns nicht und mukschte".

fettigen Unterhaltung gewidmet.

Jugend und Dichtung."

Die Morgenfeier der Hitler-Jugend am Sonntag stand unter dem Begriff ,Lügend und Dichtung". Die Feier war wieder außerordentlich gut besucht und brachte in abwechslungsreicher Ge­staltung das Verhältnis der Hitler-Jugend zu den deutschen Kulturgütern zum Ausdruck. Nach einem Fanfarenruf wurde, ausgezeichnet und nachhaltig gesprochen von einem der jungen Kameraden, der Hymnus an die deutsche Sprache" von Josef Wein- hebsr zum Vortrag gebracht, in dem der deutschen Sprache in reifer künstlerischer Form ein Loblied gesungen wird. Der weitere Verlauf der Morgen­feier brachte dann einige musikalische Darbietungen der Mädelgruppe 5/116 und der Bannspielschar, die mit deutscher Musik von schlichter Sinngebung auf­warteten und dankbaren Beifall fanden. Auch im Mittelpunkt der Morgenfeier stand dann eine Vor­lesung des Dichters Karl Heinrich Waggerl, der wiederum aus feinemWagreiner Tagebuch" las, und zwar die hübsche, von reichem Leben erfüllte Geschichte von dem vielem Geld und dem Erwerb eines Lehens.

Nach einem Fanfarenruf hielt Kreisleiter Back­haus eine eindringliche Ansprache, in der er in großer Ueberschau über die deutsche Kunst und Kultur im Laufe zweier Jahrtausende sprach und damit gleichzeitig die Bedeutung deutschen kultu­rellen Schaffens nicht nur .für Deutschland, sondern auch für die ganze Welt umriß. Abschließend kam der Redner auf die künstlerischen Impulse zu spre­chen, die die deutsche Kunst der Gegenwart und seit 1933 bestimmen und uns alle hoffen lassen, daß wir einer neuen Epoche deutschen künstlerischen und kulturellen Aufstiegs entgegengehen. Der Kreisleiter schloß seine Ansprache mit herzlichen Worten des Dankes an alle, die sich für den Erfolg der Gie­ßener Woche für Kunst und Literatur eingesetzt haben. Mit dem Gedenken des Führers, mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied fand die Morgenfeier ihren Abschluß.

Oberrhein:

Wer sich nicht kann wehren, wird sich nicht lange nähren!" Auf den Ziertellern an der Wand, wie auf GebrauHsgefchirren auf dem Tisch finden Sprüche vielerlei Inhaltes.

Ein gut Gewissen

ist im Alter ein guter Bissen" steht auf einem Steingutteller älteren Datums, zur Pünktlichkeit im Familienverkehr rät dieser

konnte. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die Partei war durch den Kreisleiter Backhaus, die Stadt durch Oberbürgermeister Ritter vertreten, unter den Ehrengästen sah man den Vertreter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propa­ganda, Oberregierungsrat Schlecht, ferner den Dichter Karl Heinrich Waggerl, den Redner der Feierstunde des Vorabends Prof. Dr. B u ch w a l d, schließlich nahmen die Mitglieder des Goethe-Bundes und des Kaufmännischen Vereins regen Anteil.

Unterhaltungsmusik leitete den Abend ein. Der Leiter der Vortragsvereinigung, Dr. Henning (Berlin) hieß die zahlreichen Teilnehmer der Ver­anstaltung willkommen und dankte für das gezeigte rege Interesse an den Veranstaltungen derGieße­ner Woche für Kunst und Literatur".

Im Mittelpunkt des Abends standen dann die Vorlesungen des Dichters Karl Heinrich Waggerl, der den Gießenern im besten Sinne bekannt ist und aus mancherlei Anlaß herzlich begrüßt wurde. Er machte auch am Samstagabend wieder mit einigen feiner heiteren Schilderungen bekannt. Ein anhalten­des Schmunzeln löste zunächst eine Geschichte aus demWagreiner Tagebuch" aus, in der das Gast­spiel eines Schmierentheaters sehr realistisch aber durch die Brille eines verständnisbereiten Menschen gesehen, wiedergegeben ist, wiedergegeben mit allen Feinheiten und einem Humor, von dem man sich gerne gefangen nehmen ließ. Nicht anders war es mit einer anderen kleinen Geschichte, in der das Ver­hältnis zweier Gartennachbarn zueinander liebevoll und wirklichkeitsnahe geschildert war. Eine freudige Ueberraschung war schließlich eine dritte Vorlesung aus einem bisher unveröffentlichten Mcmuskript. Diese Skizze war zugleich ein feines Beispiel der Bescheidenheit, aber auch der Selbstkritik des Dich­ters. Die Zuhörer folgten mit aller Aufmerksamkeit. Der Dichter, der mit seiner weichen und dunklen Stimme sofort gefangen nahm, erwies sich in seinen 'Vorlesungen als ein ausgezeichneter Interpret seiner Werke. Stürme des Beifalls entfesselte er schließlich durch die Wiedergabe einiger von köstlichem Humor erfüllter Gedichtefür den Hausgebrauch".

Der vergangene Samstag und der gestrige Sonn-1

tag vereinigte noch einmal im Rahmen derGie- o _

ßener Woche für Kunst und Literatur" die Freunde1 Gießener Stadttheaters, ferner ein Tanzduett der der kulturellen Betätigung in unserer Stadt zu fest- Ballettmeisterin Thea Maaß und Herrn G r b - lid>en Veranstaltungen. M m n r hz><=