Stadtverwaltung ihre Vergehen kannte. Die lokalen Behörden verweigerten den Bundesbeamten bei der Bekämpfung der Verbrechen nicht nur die Mitarbeit, sondern setzte alle Ortspolizisten auf eine schwarze Liste, welche über das in Miami herr
schende Derbrechevunwesen aussagten. Gangster, Schwindler und anderes Gesindel, welche aus dem ganzen Lande durch Miamis Wintersaison ange- zo-aen wurden, konnten unter der lvkalen Polizeibehörde ungestört ihr dunkles Handwerk ausüben.
Geduldspiele.
Don Rudolf Schne»0er-Sche1de.
Geduldspiele sind Spiele, welche angeblich Geduld lehren, da sie Geduld benötigen. Es gibt eine ganze Menge davon, vom Kügelchen, das nicht in ein bestimmtes Loch rollen will, bis zu den Patiencen, welche eine mehr geistige als manuelle Geschicklichkeit voraussetzen. Man spielt sie meistens dann, wenn man bei irgend etwas die Geduld verloren hat, sei es das Leben, sei es die Liebe, und sie haben den Vorteil, daß man bei ihnen größere Gewinnchancen hat als in der Wirklichkeit, schon darum, weil man jederzeit das Spiel neu beginnen kann, was im Leben und in der Liebe nicht so leicht möglich ist.
An sich ist es schwer verständlich, daß es Menschen gibt, die für Geduldspiele etwas übrig haben. Man sollte meinen, daß etwas, das sozusagen das Schicksal der Irdischen ausmacht und so selten belohnt wird, die Hebung in Geduld, uns dermaßen zum Hals heraushängt, daß es nicht die leiseste Aussicht hat, auch noch ohne Not, zeitvertreibshalber oder sogar mit Leidenschaft betrieben zu werden.
Aber die Geduldspiele haben ihren Namen ja mit Unrecht. Sie sind Spannungsspiele wie alle anderen Spiele auch. Sei es, daß des Leben eine Pause macht, sei es, daß es uns unbefriedigt läßt, oder daß unser übergroßer Tatendrang in dem Lebensvorgang, in den wir hineingeraten sind, nicht aufgebraucht wird: für all das und mehr ist das Spiel vorhanden.
Geduldspiele, vom rollenden Kügelchen bis zur „Brasilianischen Acht", dieser an Möglichkeiten reichen Patience, die selbst dem Kenner und Könner nicht immer „aufgeht", sind für den, der sie liebt und betreibt, Sport; Lehnstuhlsport zwar oder Sofaleidenschaft, aber das muß in bezug auf Spannungen und Erregungen keine herabmindernde Bezeichnung sein. Auch das rasendste Hasardspiel wird im allgemeinen sitzend um einen Tisch herum betrieben.
Freilich, die Geduldspiele sind die Gaukelei der Einsamen. Da sitzen sie abends, manche schon am hellen Tag, in ihrer Ecke und mischen das Spiel. Sie legen die Karten aus, denn Karten sind es immer zuletzt, bei denen der Geduldspieler landet, und damit stellen sie sich in der Entsprechung, die alles Spielen bedeutet, dem Leben. Wie der Kartenfall verläuft, erregt ihr Staunen, ihr Nachdenken, ihre Trauer. Für den Zuschauer ist es nur eine Reihe hübsch bedruckter Blättchen, die sich da ausbreitet, dem Spieler aber bedeutet dieses Feld eine Fülle von Problemen, Hoffnungen und Klippen, durch die hindurchzufinden, seine nicht einfache Aufgabe ist. Er wundert sich über einen leichten Sieg, ist beglückt, wenn es ihm gelingt, Schwierigkeiten zu überwinden, und oftmals ist er tiefen Nachden
kens voll, wenn er erkennt, daß ein vermeintlich glückbringender oder ein gänzlich belanglos erscheinender Zug,.den er getan hat, ihn später unweigerlich zur Niederlage führt.
Man sage nicht, Geduldspiele seien dumm oder langweilig oder geistlos. Es kommt darauf an, und mancher Spötter hat — aus der Aktion hinausgeworfen — ihnen seinen Tribut gezollt. Man sage natürlich auch nicht, sie seien interessanter als das Leben selbst, das sind sie so wenig wie andere Liebhabereien, wie Briefmarkensammeln, Hundezucht oder Schachspiel, die alle höchstens dankbarer als das Leben sind, weil einfacher und daher leichter zu begreifen.
Heute sind die Geduldspiele etwas aus der Mode gekommen. Das waren sie schon oft. Aber gerade, wenn sie ganz aus der Mode waren, begann wieder ihre Zeit. Nur die Ausübenden einiger Berufe sind es, die zu natürliche Beziehungen zu den Regeln aller Geduldspiele haben, als daß sie je von ihnen vergessen werden könnten. Schriftsteller zum Beispiel: denn was könnte es anderes sein als ein geradezu verteufeltes Geduldspiel, zu versuchen, aus einer schier unübersehbaren Fülle von Wörtern Sätze zu machen, die nicht nur einen scheinbaren Sinn, sondern wirkliche Tiefe, zündenden Witz und blendenden Verstand haben müssen, wenn sie brauchbar sein wollen. — Zum Glück gibt es für die an diese Galeere Geschmiedeten außer der richtigen Lösung auch noch andere, die Gefallen finden.
Kapuzen.
Eines Morgens wacht man auf, harmlos und nichtsahnend, geht aus die Straße und siehe da, alle Frauen (oder um nicht zu übertreiden, wenig- stens die Hälfte von ihnen) haben den Kopf in die Kapuze gehüllt. Es ist wie auf eine Verabredung. Woher kommen mit einem Schlag all diese Kapuzen? Vorher waren sie nicht da. Auf einmal sind sie in Mengen vorhanden. Im Daviets bewundern wir den Zauberer. Er krempelt sich die Aermet hoch und fördert aus einem vorbildlich erhaltenen Zylinderhut Sträuße und Girlanden zutage, auf Wunsch auch lebende Kaninchen. Dann greift er aus der Luft klingende Taler und brennende Zigaretten. Zaubernde Damen, die Vrefki- digitateusen heißen müßten (schnell zehnmal hintereinander herzusagen), sind auf der Bühne selten. Frauen zaubern lieber zu Hause. Ohne alle Apparate. Schwerer noch, sogar ohne Kleiderkarte. Aus nichts, aus weniger als nichts entstehen von heute auf morgen Kapuzen. Offenbar auch aus der Luft gegriffen. Konservativ und unbeugsam fahren mir Männer fort, brav an den Ohren zu frie
ren. Dabei haben doch eigentlich wir die Kapuze erfunden. Aber das Gedächtnis der Menschen ist leider kurz, und das mit der männlichen Kapuze ist schon lange her. Damals hieß sie Gugel. Daher auch der Gugelhupf. Die Gugel hat sich, zur Kapuze umbenannt, in die Tracht der Kapuziner gerettet. Kapuziner heißt in Wien ein Kaffee mit einem kleinen Schuh Milch (dieweil er dann so braun ist wie bas Gewand der Kapuziner). Andere Leute trinken den Kaffee ganz ohne Milch, auch ich. Das heißt, ich trinke ihn ohne Sahne. Das klingt feiner und kostet auch nicht mehr. O. Robolsky.
„Orei Later um Anna."
Es ist zwar eine etwas dunkle Geschichte um die Herkunft der Tochter der verstorbenen Donka Stansky, aber davon wissen die biederen Bewohner eines Dorfes an der bayerisch-böhmischen Grenze nichts. Diel me-hr bringt es sie auf, daß der heim gekehrte Dr. Fogg die bildhübsche Anna bei sich behält und Mit ihr zusammenlebt. Insbesondere die Frauen und Mädchen regen sich mäch- tig darüber auf und beeinflussen natürlich auch die männliche Dorfbevölkerung. So ist es kein Wunder, daß Fogg tauben Oyren predigt, als er auf einem wüsten Stück Land Graphit findet und den Bauern vorschlägt, das Vorkommen genossenschaftlich auszubeuten. Anna erfährt von allem und auch von dem Gerede, das über sie und ihren „Onkel Fogg" im Darf herumgetragen wird und will das Dorf verlassen. Aber zum Schluß renkt sich alles ein, Anna findet sogar ihren richtigen Vater und in Fogg endlich auch den geliebten Mann.
Der Film, der von Zügen eines feinen Humors umwoben ist und in hübschen Bildern das dörfliche Leben schiDert, ist einem Roman von Walther K l o e p f f e r nachgeschaffen, der unter dem Titel „Fogg bringt ein Mädchen mit" vor einiger Zeit im Gießener Anzeiaer großen Anklana gesunden hat. In der geschickt besetzten Darstellung sieht man Ilse Werner als liebreizende Anna, die sich in natürlicher Bescheidenheit gibt und da- durch um so anzi'chender wirkt. Neben ihr steht in kraftvoller und klarer Männlichkeit Hans Stüw e als Dr. Fogg. lieber den Ameiser Theodor Daneggers, wie auch über seinen Hausdrachen Afra (Josephine Dora) gibt es vi-el und herzlich zu lachen. In Georg Vogelsangs Gfodmair und Beppo Brems Fenzl begegnet man zwei kraftvollen bäuerlichen Typen. Auch die übrigen Rollen sind glücklich besetzt. Regie führt Carl B o e s e. Sehr fein tmb künstlerisch gesehene Dorf- und LandschaftMlder erhöhen den Reiz des Filmwerks ungemein.
Gin Kulturfilm führte die Zuschauer nahe heran an große erdgeschichtliche Zusammenhänge, insbe- sondere an die Bildung unserer Gebirgszüge und brachte außerdem phantastische Silber aüs einer großen Felsenhöhle in den Alpen.
H. L. Neuner.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, Verlag und Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., Derlngsleiter: Dr. Erich Hamann, alle in Gießen.
Im Alter von 59 Jahren.
Gießen, den 8. Februar 1940.
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Gießen-Wieseck, Lollar, den 7. Februar 1940.
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Die feierlichen Exequien werden gehalten am Samstag, dem 10. Februar, vormittags um 7% Uhr. — Die Beisetzung findet am selben Tage, vormittags um 11% Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt
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ncht durfte sich das Gebirge am Nordastrand- des Santes befinden, das Byrd wahrend feiner Kund- fahrt von 1829 vom Flugzeug aus entdeckte. Byrd hat auch schon die Blldvermessuna der Sukberaer. Bucht abaefchlofsen und das V°?hand°nK L weiteren Bucht östlich von Kap Colbeck na-haeprüst der er wegen des Wetters, in welchem er das Um ternehmen durchführt«, vorläufig den Namen „Bucht der Stürme" gab.
E. G. Burggaüer gefallen.
Als Major der Luftwaffe und Kommandeur einer Jagdgruppe hat der frühere Rennfahrer Ernst- Gunther Burg g aller den Fliegertod gefunden. Burggaller, der im 44. Lebensjahr stand und be- reits im Weltkrieg beim Jagdgeschwader Richthofen als Offizier diente, war einer unserer erfolgreichsten Privatfahrer im Motorrad- und Automobilsport. Eine Zeitlang gehörte er auch der Auto-Union- Rennmannschaft an. Besonders im Kleinwagen hat Burggaller zahlreiche Erfolge errungen.
Neunzehn Todesopfer eines Erdrutsches in Spanien.
Ein schweres Einsturzunglück hat sich in dem Dorf Fuentes dx Cesna (bei Granada) ereignet. Gewaltige Erbmassen, die sich infolge anhaltender Regengüsse von einem Berghang gelöst hatten, b e - gruben elf H ä u s er der Ortschaft unter sich. Dabei wurden neunzehn Einwohner getötet und zahlreiche andere verletzt. Man befürchtet, daß das ganze Dorf verschüttet werden wird.
26 Tote bei einem Großfeuer auf einer französischen Zeche.
Än der Kohlenzeche „P a r e n t" dei M a r ch i e n- nes im Kohlenbecken von Charleroi brach in den frühen Morgenstunden des Donnerstag eine große Feuersbrunst aus. Bisher wurden 26 Tote und fünf Schwerverletzte gezählt.
Drei Hunderttaufendmarkgewinne auf Los Nr. 225 215.
Dn der Ziehung der 4. Klasse der 2. Deutschen Reichslotterie fielen drei Gewinne von 100 000 RM. auf das Los Nr. 225 215. Die Glücksnummer wird in der ersten Abteilung in Vierteln, in der zweiten und dritten in Achteln gespielt.
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Am Dienstag ist der 30jährige Rudolf Bro- Müller aus Würzburg hingerichtet worden, den der besondere Strafsenat des Reichs- Berichts wegen schweren Raubes als Volksschädling zum Tode und dauerndem Verlust der Ehrenrechte verurteilt hatte. Bromüller, ein viel- fach vorbestrafter Verbrecher, überfiel zusammen mit einem Komplizen unter Ausnutzung der Verdunklung heimtückisch einen 55jährigen Mann, dem er sich nach einer Zecherei als Begleiter aufgedrängt hatte, und raubte ihm die Geldtasche.
Verbrecher paradies in bekanntem USA-lBinferfurotf.
Die Bundesgeheim Polizei deckte in dem bekannten Winterkurort Miami Beach (Florida) ein wah- res Derbrecherparadies auf, das hauptsächlich m i t Hilfe der korrupten städtischen Polizei florierte. Ihr gehörten sechs vorbestrafte Personen an, die nicht entlassen wurden, obwohl die
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Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und lieber- landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Strom- und Gasgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage ohne kosten an die Kasse der Stadtwerke Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 277 07 oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei lieber- schreiten des Zahlungstermins müssen die Beitreibungskosten berechnet und entrichtet werden.
Dom 15. Februar 1940 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Monat Dezember 1939 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Die Kosten der Strom- und Gassperre gehen zu Lasten der Säumigen. 646A
Gießen, den 6. Februar 1940.
Direktion der Stahlwerke Gießen.
Bekanntmachungen.
Zur Abgabe von Schlachtfetten.
Durch die Aufhebung der Bestellscheinpflicht für Schlachtfette ist die Freizügigkeit beim Einkauf von Schlachtfetten gegeben. Es ist dafür gesorgt, daß jeder Verbraucher das ihm zustehende Schlachtfett erhält. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß in gewissem Maße auch Speck zur Versorgung mit herangezogen wird. 657D
Wichtig für Rückgeführte!
Die Betreuungsstelle des Gaues Hessen-Nassau für die Rückgeführten aus der freigemachten westlichen Zone befindet sich von jetzt ab bei der Gauleitung Hessen-Nassau der NSDAP, in Frankfurt a. M., Gutleutstraße 8—14, Adolf-Hitler-Haus. Der Gau- beauftragte, Ortsgruppenleiter Märker, ist daselbst Montags bis Freitags von 14 bis 18 Uhr zu sprechen. Die Ruckgeführten werden jedoch gebeten, ihre Anliegen möglichst schrifllich an die Betreuungsstelle einzureichen. _________________656D
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63 Gewinne tu 500 RM. 14484 26197 35439 51134 72255 88287 94428 101111 145976 161797 201174 244438 249249 266889 277469 342087 350991 365679 384473 385229 392992
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76192
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17016 18336
135104 1S641 235732 233233
22245 26921
MM?
300 Gewinne zu 400 RM. 1461 6740 13076 20000 23352
2380 26103 3*05 35745 35»6 426W 43079 43855 44209
383796
und
136943 167746
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140285 169850 195030 230979 268981 319945 351004 383637
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129628
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379724
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