Ausgabe 
8.2.1940
 
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m. 55 Erstes Blatt

|90. Jahrgang

Donnerstag, 8. Zebruar 1940

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7. Febr. (Europapretz.) Auf dem Schieß- lothringischen Dialektforschung, ein Idealist, der a n c y ist, wie die Blätter melden, am über die Grenze seiner engeren Heimat in der gro-

Paris,

und

Amsterdam, 7. Febr. (DNB.) Die beiden Mitglieder der Irischen Republikanischen Armee Barnes und Richards wurden, wie aus Lon­don gemeldet wird, heute morgen 9 Uhr hinge- richtet. Seit gestern abend wurde das Gefängnis Wonsongreen in Birmingham von einem beträcht­lichen Polizei- und Detektivaufgebot überwacht. Die beiden Iren waren Mitte Dezember wegen a n -

um von weiteren Fermenten und schließlich von den Vitaminen fortgesetzt wird.

Den ganz weiteren Verdauungsweg entlang ar­beiten dann ununterbrochen unsereSpezialisten" daran, aufzuspalten, abzutragen, zu verwandeln und zu transportieren. Das Vitamin C z. B. hat die Hauptaufgabe, den Wasserstoff als Ener­giequelle aus dem Speisedrei lösen zu helfen; es ist damit unentbehrlich, für den Energiehaushalt des Körpers. Deshalb fühlen wir uns auch so müde und matt, wenn dieser Stoff in unserer Nah­rung fehlt. Das Vitamin B 1 wiederum hilft d i e Kohlehydrate, also den Zucker .und die

Umgebung zu starten.

Große Erregung in tlSA

Die unsichtbaren Lebenserhalter

Was sind die Vitamine und was wissen wir von ihnen?

Von Or. £. Kühle.

Hinrichtung zweier irischer Freiheitskämpfer

Helle Empörung in ganz Irland über den neuesten britischen Justizmord.

Krieg auf deutscher Seite rnitgernacht und widmete sich seit 1926 der autonom! st ischen B e - wegung, deren Ziele Roos, wie er selbst immer versicherte, innerhalb des französischen Staatsgebildes verfocht. Schon 1928 wurde er einmal in Abwesenheit zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, stellte sich aber freiwillig dem Staatsan­walt. Bei der erneuten Aufrollung des Prozesses

lich erschossen worden. Roos war früher Vorsitzen­der des Generalrates des Departements Oberrhein und stellvertretender Bürgermeister von Straßburg. Der zusammen mit Roos verurteilte Autonomist L o b st e i n ist vom Präsidenten der Republik z u lebenslänglicher Zwangsarbeit be­gnadigt worden.

Die Hinrichtung des elsaß-lothringischen Heimat­forschers Dr. Roos ist ein erschütterndes Dokument des sich allmählich Überschlagenden Deutschen­hasses, der von dem System Daladier immer mehr zur obersten Doktrin allen Handelns gemacht wird. Schon bei dem Scheinprozeß gegen Dr. Roos vor dem Kriegsgericht in Nancy lag die völlige Unschuld des elsaß-lothringischen Heimatforschers und ehemaligen Vorsitzenden der Elsaß-lothringi­schen Landespartei klar zutage. Inzwischen ist ein­wandfrei erwiesen, daß die Person von Proft Dr. Roos nur ein Mittel zum Zweck war und seine angeblichen Spionageverbrechen zugunsten Deutschlands den jüdisch-demokratischen Kriegshetzern in Paris nur zum Vorwand dienten, um eine neue Welle von Deutschenhaß in der französischen Oeffentlichkeit zu entfesseln.

Prof. Dr. Roos, früher Staatsrat von Straßburg, war reiner Heimatpolitiker, bester Kenner der elsaß-

Der Autonomist Roos standrechtlich erschossen

Daladier entfesselt neue Welle des Deutschenhasses.

geblicher Beteiligung an einem Bom­benanschlag in Coventry im August vergan­genen Jahres zum Tode verurteilt worden. In Coventty waren damals mehrere Perso­nen getötet und zahlreiche verletzt worden. Beide Freiheitskämpfer haben bis zuletzt immer wieder darauf bestanden, daß sie an der ihnen von den Engländern zur Last gelegten Mitwirkung am Bombenanschlag in Coventry im vergangenen August unschuldig seien. Der Londoner Korrespondent des AmsterdamerTelegraas" berichtet, kurz vor seiner Hinrichtung habe der Ire Barnes erklärt: Ich bin davon überzeugt, daß später alles heraus­kommt und sich daraus eraibt, daß ich an dem ' ' ' ' " ft g t gewesen bin." Der

a r o s , habe gesagt:Ich

Gleiche Vrüder-gleiche Kappen.

Die Engländer machen sich augenblicklich das Ver­gnügen, die Polen zu bemitleiden, die seit einigen Monaten im Generalgouvernement und in den neuen Reicbsgauen den Segen deutscher Ordnung, aber aucy die Sprache des deutschen Rechts kennenlernen. IM) er all in der Welt tauchen diese von der Londoner Hetzzentrale ausgestreuten Greuelmärchen auf, welche die tollsten Dinge über das Leid desarmen unterjochten Polenoolkes" er« zählen. Das Bedürfnis zu einer solchen Hetzkam­pagne, die an das sentimentale Gefühl unwissen­der Menschen appelliert, ist wohl dadurch entstan­den, daß die Engländer mit Schrecken gewahr ge­worden sind, wie sehr ihr eigenes Prestige als Sachwalter von Friede und Gerechttgkeit, als Be­schützer der kleinen und primitiven Völker schon gelitten hat. Die blutige Vergangenheit und Gegen­wart des Empire, die Grausamkeit, mit der Al­bions herrschende Kaste die unterworfenen Völker quält und erpreßt, dringt ja immer mehr in das Allgemeinbewußtsein der anderen Nationen, und so wurden die Dintenkulis des Herrn Churchills beauftragt, dem deutschen Gegner jene Verbrechen in die Schuhe zu schieben, die man selber be­gangen hat und noch begeht.

Außerdem verfolgen die britischen Kriegsmacher damit den Zweck, die künstlich erregte Volksmeinung in den neutralen Ländern zu einem neuen Werbefeldzug für den Kriegseintritt dieser Länder auszunutzen. Allerdings: das Objekt, das sie sich zur Bemitteiftung ausgesucht haben, ist denkbar ungeeig­net. Denn es ist unvergessen und wird niemals aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwinden, was die Polen in den ersten drei September­wochen 19 3 9 an sadistischen Quälereien, an Mordtaten und unaussprechlichen Verbrechen gegen­über der wehrlosen deutschen Volksgruppe begangen haben. 10 000 deutsche Männer, Frauen, Kinder und Greise sind damals den entfesselten Mordinstinkten des polnischen Pöbelvolkes zum Opfer gefallen. So widerwärtig für uns die Erinnerung an jene Pvlen- areuel im einzelnen fein mag, so notwendig ist ihre Kenntnis für das ahnungslose Ausland, das bisher allzu stark unter dem Einfluß der erdumspannenden britischen Meinungsmache gestanden hat. Denn hier handelt es sich nicht um Erfindungen wie bei der englischen Lügenhetze, sondern leider um die fürchterlichsten Tatsachen der Menschheits­geschichte.

Ganze Aktenberge und Photosammlungen liegen bei den deutschen Behörden und erbringen tausend­fältig den dokumentarischen Nachweis von den Un­taten eines Volkes, dessen Hinterlist und Falschheit, dessen Mordlust und Verschlagenheit, dessen Blut­durst und Gefühlsroheit sprichwörtlich geworden ist. Wenn man für die polnischen Greuel einen Ver­gleichsmaßstab sucht, so fällt der Blick unwillkürlich

der Dämmerung des trüben Wintermorgens vor dem Tor des Gefängnisses in Bir­mingham eine große Menschenmenge versam­melt, in der Hauptsache Iren, die schweigend gegen die britische Blutjustiz an den beiden Mär­tyrern der irischen Freiheit demonstrierten. Als die Stunde der Hinrichtung näher kam, rückten stärkere Aufgebote von britischer Polizei heran, die sich vergeblich bemühten, die Menge zu zerstreuen. Um 9 Uhr, der für die Hinrichtung festgesetzten Zeit, nahmen die Männer, die sich vor dem Gefängnis angefammelt hatten, ihre Hüte ab und ehrten in ergriffenem Schweigen das Opfer, das die beiden Freiheitskämpfer für ihre Heimat gebracht haben. Um 9.07 Uhr öffnete sich das Tor des Gefängnisses und ein britischer Polizist gab die erfolgte Hin­richtung bekannt.

In Dublin kam es zu stürmischen Protestkund­gebungen.Het Volk" berichtet, daß die Demon­stranten in militärischer Formatton einen Umzug durch die Hauptstraßen Dublins veranstaltet hätten. Nach einer Demonstration vor dem Hause des bri­tischen Vertreters in Irland, habe sich die prote­stierende Menge zum Regierungsgebäude begeben und dort de Valero zu sehen verlangt. Man habe von dem irischen Ministerpräsidenten -verlangt, daß er schleunigst gegen die Hinrichtung bei der britischen Regierung protestiere. Der habe sich daraufhin zum Dubliner Hauptpostamt bewegt, wo ein Redner die Hingerichteten Iren als Mär­tyrer bezeichnet habe. Später sei dann von den Demonstranten vor dem Dubliner Gefängnis unter Pfuirufen eine britische Kriegs- flagge verbrannt worden.

Die ungeheuere Erregung unter den Iren über den Justizmord an den beiden irischen Freihetts- kämpfem veranlaßte Herrn Chamberlain, den Schutz seiner Person zu verstärken. So wird aus London gemeldet, daß der britische Premier und seine Frau bei dem allmorgendlichen Spazier­gang im St.-James-Park ganz besonders stark bewacht worden seien. Außer den üb­lichen Pdlizeibeamten in Zivil habe noch einbe­sonders kräftig gebauter Polizist" das Ehepaar Chamberlain auf seinem Bummel durch die An­lagen begleitet. Da die Londoner Regierung mit neuen irischen Attentaten rechnet, sind überall umfassende Schutzmaßnahmen eingeleitet worden. Scotland And entwickelt eine fieberhafte Tätigkeit. Starke Patrouillen von PottMen und Detektiven durchstreifen nachts

Stärke, verwerten und hält außerdem unsere Ner­venzellen in Ordnung, weshalb man es mit gro­ßem Erfolg heute auch gegen bestimmte Nerven­schmerzen als Heilmittel anwendet. Das Vitamin A wird gebraucht, zum Aufbau der Zellen und zur Bildung des Seh purpurs, während das Vitamin D gebraucht wird, um das Knochen- wach s tu m zu regeln. Es mischt sozusagen den Mörtel, indem es Phosphorsalze und Kalk aus unserer Nahrung herausziehen hilft und zu phos­phorsaurem Kalk, dem Knochenbaustoff, vereinigt. Damit ist auch seine Lebensnotwendigkeit für den wachsenden Menschen erklärt. So verrichten also alle diese Stoffe, als Bauarbeiter, Chemiker und Transportarbeiter ihr unsichtbares, aber lebens­wichtiges Werk. Wir find nur dann wirklich gesund und leistungsfähig, wenn diese heute nicht mehr geheimnisvollen Stoffe in unserer Nahrung aus­reichend vorhanden sind. Sie find die unsichtbaren Lebenserhalter!

Irische Gegenrnatznahmen angekündigt.

N e u y o r k, 8. Februar. (Europapreß.) Die von der U8A-Presse in größter Aufmachung aus Lon­don berichtete Hinrichtung der beiden Iren Peter Barnes und Janes Richards löste in irischen ame- kaNischen Kreisen eine ungeheure Erregung aus. Die irischen Organisationen bereiten Pro­te sta kti o n e n vor, um die englischen Methoden im Kampfe gegen irische Freiheitskämpfer schärf- stens zu brandmarken. Der Zweigverband Penn­sylvania der Veteranen der Irischen Republikani­schen Armee wendet sich in einer Erklärung seines Vorsitzenden James Dignan gegen die Hinrichtung, die als Verstoß gegen das Völkerrecht bezeichnet wird, da der irische Kampf gegen Eng­land als Kriegszustand anzusehen sei und bre Hinrichtung irifdje?Kriegsgefangener" einen fla­granten Bruch des Völkerrechts darstelle.

In irisch-amerikanischen Kreisen ist man besonders darüber empört, daß die britische Regierung kei­nerlei Rücksicht auf die dringenden Appelle des Ministerpräsibenten de D a l e r a und promi­nenter irischer Kleriker genommen habe. Eine größere Gruppe von Mitgliedern irischer Verbände begab sich nach dem Ausstellungsgelände und senkte in Gegenwart einer großen Zuschauerzcchl am irischen Pavillon d i e Jrland- flagge auf Halbmast. James Bri slane vom irischen VerbandClannagael" wiederholte in einer Rede die Warnung der Führer der irischen republikanischen Armee, daß die Hinrichtungen dem Kampf in England eine neue Wendung geben würden. Am Abend fand eine Versammlung statt, in der entschieden werden sollte, welche Ver­geltungsmaßnahmen von Amerika aus er­griffen werden konnten,

platz von Nancy ist, wie die Blätter melden, am . . _ v ,

Mittwochmorgen der vor einigen Wochen zum Tode ßen Politik niemals beroorgetreten ist. Er^ hatte ben verurteilte elsässische Autonomist Roos standrecht-

Anschlag nicht betei andere JRÄ.-Mann, Rich . , v fürchte mich nicht, als Soldat der Irischen Repu­blikanischen Armee zu sterben, da ich das Leben für eine gerechte Sache lasse."

Der Korrespondent weist in feinem Bericht weiter darauf hin, es sei unvermeidlich, daß die Voll­streckung der beiden Todesurteile in Irland und unter der irischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten einen tiefen Ein­druck machen werde. Bereits am Dienstag habe die Enttüstung in Dublin einen Höhepunkt erreicht. UeberaU wurde am Dienstagabend in ganz Irland die Drohung laut, daß, wenn das Todesurteil wirk­lich vollstreckt werde, England für die Folgen ver­antwortlich fei. Noch in später Abendstunde haben in Dublin Tausende vor den Büros des britt- schen Vertreters Sir John Maffy gegen die Voll­streckung des Urteils protestiert. In letzter Stunde sind aus ganz Irland Gnadengesuche an die britischen Behörden abgegangen. So hat z. B. der frühere JRA.-Führer Tom Barry den briti­schen Innenminister ersucht, die Urteilsvollstreckung auf vier Tage auszusetzen, damit ihm, Barry, die Gelegenheit geboten werde, selbst nach London zu kommen, um dort überzeugend zu beweisen, daß die beiden zum Tode verurteilten Iren unschuldig seien.

Heber die Hinrichtung wurden aus London fol­gende Einzelheiten berichtet: Danach hatte sich in

die Straßen der englischen Großstädte, besonders sorgfältig bewacht werden nicht nur wichtige R e gicrungs gehäufte, sondern auch große Handelshäuser sowie die P o st b ü r o s. Selbst die Briefkästen erfreuen sich einer aufmerk­samen Aufsicht. Die Zentrale von Scotland Pard bemüht sich außerdem, die geheimen Pläne der Irischen Republikanischen Armee ml entdecken. Man weiß lediglich, daß solche ausgearbeitet worden sind, um eine neue Serie von Anschlägen in London

Noch immer sind die Vitamine für die meisten Menschen Nichts anderes als ein unverständliches Fremdwort. Wie sollten sie auch, da die Wissen­schaft noch vor wenigen Jahren von ihnen nicht viel mehr sagen konnte, a'ls daß es sich da um win­zige Beimengungen unserer Nahrung handelt, die zwar lebenswichtig sind daher auch der Name im übrigen aber weder wägbar noch meßbar noch sichtbar, ja, von denen man überhaupt nicht wußte, woraus sie eigentlich bestehen und welche vorge­schriebenen Aufgaben sie in unserem Körper haben. Unangenehm bemerkbar schienen sie sich zu machen, wenn sie nicht da waren. Dann traten nämlich t*ine Reihe sehr häßlicher Krankheiten auf, der Skorbut, die Beri-Beri öfter die Rachitis. So ging es den Vitaminen lange Zeit wie den Monden des Planeten Jupiter und den Sonnenflecken zur Zeit Galileis. Nur er hatte sie in seinem Fernrohr ge­sehen, alle anderen aber zuckten nur die Achseln und zweifelten an dem Vorhandensein von Dingen, die ihr Auge ja nicht erblicken konnte. Nun ist aber die Forschung mit den Vitaminen heute schon so weit, und ihr tägliches Wirken in unserem Körper ist schon so geklärt, daß man an diesen Erkennt­nissen, die ebenso lebenswichtig Pnd wie die Vita­mine selbst, nicht mehr länger vorübergehen kann.

Verwirrend scheint auf den ersten Blick, daß man von mehreren Vitaminen spricht, die mit den Buch­staben des Alphabets bezeichnet sind. Diese Vitamine sind nämlich vielseitige S p e z i a l i st e n. Je­des hat seine besonderen Aufgaben; als erstes wurde jener Stoff entdeckt, bei dessen Fehlen man Beri- Beri bekommt, eine Krankheit, die in ihren schwe­ren Formen, Muskelschwund, Nervenlähmungen, Krampfzustände usw., in den Tropen vorkommt, die aber auch mit Mattigkeit, nervöser Gereiztheit, Ner­venschmerzen usw. jeden Europäer befallen kann. Weil nun dieses Vitamin da sein muß, um die Beri-Beri zu verhüten, nannte man es B. Heute kennt man wieder Unterformen dieses Stoffes, die nun mit Zahlen benannt sind, und Bi, B2 usw. heißen. Ein anderes Vitamin hat die Hauptauf­gabe, das Wachstum der Zellen zu regulieren. Es erhielt nach dem lateinischen Namen für Wachsen den Buchstaben A. Dann aber blieb man im Alpha­bet und so heißt z. B. Vitamin C jener Stoff, der den Skorbut verhütet eine Krankheit, die nicht nur auf Polarexpeditionen oder langen Seefahrten vorkommt, sondern als leichte Form mit Zahnfleisch­bluten, Zahnlockerung, Müdigkeit und anderen Symptomen auch in Europa heimisch ist. Eines der wichtigsten Vitamine trägt den Buchstaben D. Fehlt es, so entsteht bei Kindern eine der furcht­barsten und verbreitetsten Krankheiten, die Rachitis.

Man nennt heute diese Stoffe, ebenso wie die sogenannten Hormone und die Fermente, die be­sonders für die Verdauung wichtig sind, Wirk­stoffe. Während aber die Hormone und Fermente ausschließlich im menschlichen und tierischen Kör­per erzeugt werden, nehmen wir die Vitamine, oder wenigstens deren Rohformen, in der Nahrung zu uns. Hier fängt die Sache nun wirklich an, etwas kompliziert zu werden. Wenn wir uns nämlich die Tabelle derjenigen Nährstoffe anfehen, die uns Vi­tamin A liefern, so finden wir darin in erster Linie fieber und Lebertran, dann Butter, aber auch Grün­kohl, Spinat, Karotten und andere Gemüse, also pflanzliche und tierische Produkte. Gehen wir der Sache auf den Grund, so stellt sich heraus, daß die Pflanzen überhaupt gar kein reines Vitamin enthalten, sondern eine Vorform, das Karotin. Erst in der Leber, und beim Wal sogar im Darm, verwandelt sich das Karotin in das Vitamin A. Normalerweise speichert die Leber dann diesen Stoff auf. Das also ist die Erklärung für den scheinbaren Widerspruch.

Das Vitamin C wird, ebenso wie die Vitamine der B-Gruppe, vollständig aus Pflanzen bezogen, während die Dinge beim Vitamin D wieder sehr verwickelt sind. Hier enthalten nämlich die Pflanzen nur eine Vorform, und zwar das Ergosterin, das sich im menschlichen ober tierischen Körper un­ter dem Einfluß des ultravioletten Lichtes in das gebrauchsfertige Vitamin D verwandelt. In Obst und Gemüse findet sich also ausschließlich Ergoste­rin, in der Milch aber beides, denn die Kuh frißt mit Öen Wiesenkräutern ober den Rüb en schnitzeln Ergosterin und verwandelt einen Teil davon in Vi­tamin D. Natürlich braucht sie bazu Sonne unb wirklich ergosterinhaltiges Futter. Deshalb ist auch die Milch ober die Butter von Weibevieh wertvoller als die von Stallvieh, und bie Sommermilch wieder vitaminhaltiger als die Wintermilch. So hat jedes Vitamin noch seine Eigenheiten. 14 von diesen Stoffen sind im einzelnen schon bekannt, wahrschein­lich gibt es aber weit mehr.

Täglich mehrmals essen wir alle möglichen Dinge. Teils, weil sie uns gut schmecken, teils, weil wir glauben ober aus Erfahrung wissen, daß sie uns gut bekommen. Wir wissen aber boch im allge­meinen nicht mehr, als baß biese Speisenver­daut" werben und dabei einen Teil ihres Gehalts an den Körper abgeben. Wir stellen uns vor, daß dabei die Magensäure und irgendwelche Vorgänge im Darm, vielleicht auch noch der Speichel, die Hauptarbeit leisten. In Wirklichkeit ist aber eine ganzechemische DeredlungsindustrM tätig, um aus unseren Speisen alle diejenigen Speqen her» auszuholen, die wir für den Betrieb unserer Mus­keln und Organe benötigen. Da sind zunächst ein­mal bie Enzyme und Elemente; sie stürzen sich schon im Mund auf die zerkauten Speisen und machen sich sofort an dieAufbereitung", bie dann jm Maaen, im Groben vom Magensaft« im Feinen aber wieder­

stellte sich bie sensationelle Tatsache heraus, baß völlig falsche Spitzel aussagen unb schamlose Schiebungen die Grundlage des ersten richterlichen Urteilsspruches waren. Seit dieser Zeit würbe Roos ftänbig als unbequeme Persönlichkeit verfolgt unb enbllch im Februar 1939 erneut verhafte t.^Jetzt, nach Kriegsausbruch, hielt man die Zeit für gekommen, um aus feiner Ermorbung den besten Effekt für bie antideutsche Hetze zu er­zielen.

Der zu lebenslänglichem Kerkerbegnadigte" Lobstein, ein junger Student von 23 Jahren, war einer der engsten heimatkundlichen Mitarbeiter des 63jährigen Dr. Roos. Man konnte beidenVer­brechern" keinen anderen Vorwurf machen als den, daß ihre Muttersprache deutsch war und deutsches Blut in ihren Adern floß. In ihnen unb mit ihnen wollte man, wie in vielen ähnlichen Fällen, bas verhaßte deutsche Volkstum und Deutschland überhaupt treffen.