Ausgabe 
8.1.1940
 
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Nr. 6 Erstes Matt

190. Zahrgang

Montag, «.Januar 1910

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Sietzener Anzeiger

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An der holländischen Grenze.

Von unserem B.G.-Miiarbeiier.

Geldern, Anfang Januar 1940.

Kommt man aus dem hastenden, unruhigen In­dustriegebiet, das bei Duisburg den Rhein über­schreitet, nach Westen, so umfängt einen die Ruhe und die Weite der niederrheinischen Landschaft. In weiter Ferne sieht man am Horizont Himmel und Erde ineinander übergehen. Einige Wälder durch­ziehen das Land, und dort, wo sich die großen Fel­der erstrecken, stehen hin und wieder einige Baum- gluppen und vereinzelte Bauernhäuser. Sanfte Wellen unterbrechen die Flachheit der Ebene. So entsteht das Bild einer Landschaft, die in chrer Eigenart die rheinischen Maler von jeher angezogen hat.

Von dieser Gegend war noch vor kurzem in der ausländischen Presse etwas reichlich viel die Rede. Hier sollte sich der sagenhafte Aufmarsch der deutschen Armee vollziehen, die der englischen Phantasie nach in diesem Grenzland gesammelt wurden, um durch das arme Holland zu marschie­ren, und um dann wohl von dort aus über den Kanal zu setzen. Wir wissen nur, daß der Führer, um ungekehrten Gelüsten der Gegenseite von vorn­herein den Geschmack zu nehmen, überall dort, wo es erforderlich erschien, der deutschen Grenze den notwendigen Schutz gegeben hat. Auch in diesem Grenzgebiet hat die deutsche Wehrmacht ihre Verteidigungsstellungen bezogen und dafür gesorgt, daß jegliches Herumspionieren ausländischer Agen­ten unterbunden wird.

Wenn auch die Grenzkreise im niederrheinischen Land, über die die feindlichen Flieger hinwegfliegen müßten, wenn sie von England aus den kürzesten Anflugweg zum rheinisch-westfälischen Jndustrie- bezirk wählen würden, eine bestimmte strategische Bedeutung erlangt haben, so wäre es doch falsch, wollte man annehmen, daß das Leben hier etwa ähnlichen Charakter trüge, wie beispielsweise in den Gebieten an Mosel und Saar. Im Gegenteil, man muß sich darüber wundern, daß es sich nach Ueber- windung der ersten Schwierigkeiten in so abso­lut normalen Bahnen abspielt. Mit selbst­verständlicher Ruhe bestellt der Bauer seinen Acker und hat die Wintersaat gesät. Mit der gleichen Ruhe und Selbstverständlichkeit geht die Bevölke­rung ihrer gewohnten Beschäftigung nach und ar­beiten die Fabriken. Im Grenzbezirk Geldern finden sich viele gewerbliche und industrielle Betriebe, von denen einige eine durchaus beachtliche Mittelgröße haben. Da ist beispielsweise ein Betrieb, der nicht weniger als 6000 einzelne Artikel herstellt. Ange­

fangen beim Kragenknops über die Bleistifthülse bis zur Anstecknadel werden an außerordentlich komplizierten Maschinen Gebrauchswaren produ­ziert, die einen technisch hervorragend durchgebilde­ten Arbeiterstamm und eingehende feinmechanische Kenntnisse verlangen. Weiter gibt es hier Seiden­webereien, und es ist bezeichnend, daß einer dieser Betriebe, der in der Hauptsache für den Export ar­beitet, vier Jahre lang stillgelegen hat, heute jedoch wieder mehrere hundert Männer und Frauen be­schäftigen kann.

Für die gewerbliche Wirtschaft dieses Grenzkrei­ses ist vor 1933 herzlich wenig getan worden. Der Umschwung konnte naturgemäß hier nicht so schnell vonstatten gehen, weil es zunächst einmal galt, die Millionenziffern der Arbeitslosigkeit zu beseitigen und den Großangriff zuerst in den großinduftriellen Mittelpunkten, wo sich die Menschen massieren, vor­zutragen. Aber bereits im vergangenen Jahre hat beispielsweise die RS.-GemeinschaftKraft durch Freude" den Fremdenverkehr energisch zu beleben versucht. Sie sorgte dafür, daß den Men­schen des Industriegebietes überhaupt erst einmal die Schönheit dieser Landschaft, die dicht beimRe­vier" liegt, vor Augen geführt wurden. Und wenn gerade der Kreis Geldern, der nicht an den Rhein grenzt und daher für die beliebten Rhein­dampferausflüge ausfiel, hiervon nicht so viel ab­bekommen konnte, so fanden sich doch in der Gau­leitung Essen Männer, die sich warm für ihn ein­setzten.

Nunmehr ist es gelungen, denjenigen Stellen, die für die Vergebung größerer öffentlicher Auf- träge oder für die Zuteilung von Rohstoffen in Frage kommen, die Förderung des Grenzlandes am linken Niederrhein nahe zu legen. Entgegen den irrigen Meinungen, daß hier Betriebe stillgelegt worden seien, muß nochmals betont werden, daß ganz im Gegenteil von einigen Betrieben zusätz­liche Lei st ungen verlangt worden sind und Neueinstellungen von Arbeitern vorgenom­men werden konnten. Die arbeitsame, stille, aber zähe Bevölkerung am Ni-ederrhein hat es verdient, daß sie gefördert wird. Sie geht ohne Unterbrechung ihrer Arbeit nach, während auf den gleichen Stra­ßen die Soldaten des Heeres und der Luftwaffe vom Quartier oder der Ruhestellung aus sich zu ihren Bereitschaftsstellungen begeben. Nirgendwo wird besser als hier die Richtigkeit der Feststellung sichtbar, daß es heute feine Etappe mehr gibt, son­dern nur eine gemeinsame Front.

Amerikanischer Ozeandampfer in Gibraltar durchsucht.

England kümmert sich nicht um Washingtons Proteste.

Neuyork, 7.Jan. (DNB.) Laut Funkspruch aus Gibraltar wurde am Samstag der amerika­nische OzeanrieseManhattan" von den Eng­ländern in Gibraltar fest geh alten und nach Banngutdurchsucht, trotz des Pro- t e st e s, den die USA. gegen die Aufbringung amerikanischer Schiffe erst am Donnerstag in Lon­don vorgebracht haben. DieManhattan" befindet sich auf ihrer ersten Reise der neuen Route Neu­yorkNeapelGenua. Sie wurde auf Grund des amerikanischen Neutralitätsgesetzes aus dem Ver­kehr nach Irland, England und Deutschland zurück­gezogen, um die von Roosevelt proklamierten Ge­fahrenzonen zu meiden.

Die Engländer mußten auf den verstärkten ame­rikanischen Druck hin den Dampfer .,M a n h a t - tan" freigeben, unter der Voraussetzung, daß seine Schiffspapiere von den britischen Behörden geprüft würden, während das Schiff seine Reise fortsetzt. Die Londoner Agenten des Dampfers sol­len die Garantie gegeben haben, daß die Ladung in ihrer Gesamtheit von Navycerts gedeckt sei, aus welchen alle Einzelheiten zu ersehen seien, deren Prüfung bedeutende Zeit gekostet hätte. Es wird betont, daß, falls solcheNavycerts" vor der Ab­reise aus Amerika von den dortigen Konsularbe­hörden angefordert worden wären, die Anhaltung des Dampfers unnötig gewesen wäre.

Außenminister Hüll gab bekannt, daß nach einer Mitteilung der amerikanischen Reederei Moore McCornick deren SchiffM oore Mac Sun", unterwegs nach Bergen, am Donnerstag von den Engländern aufgebracht und zum Anlaufen von Kirkwall gezwungen worden sei. Da amerikanische Schiffe laut amerikanischem Neutrali- tätsgesetz die Häfen von kriegführenden Nationen nicht anlaufen dürfen, habe er die ameri­kanische Botschaft in London beauftragt, sofort mit dem amerikanischen Kapitän in Verbindung zu treten und tine genaue Darstellung von allen Tat­sachen zu besorgen. Anschließend teilte Hüll mit, daß er dem englischen Botschafter ein Note übersandt

habe, worin die amerikanische Ablehnung des eng­lischen Standpunktes ganz klar zum Ausdruck ge­bracht werde und alle Vorbehalte bezüglich des Schadenersatzes für Schiffsschäden oder Verluste durch Verzögerungen usw. gemacht wurden. Der englische Botschafter hatte Amerika nahegelegt, daß alle amerikanischen Dampfer freiwillig die briti­schen Kontroll st ationen anlaufen sol­len. Da inzwischen das amerikanische Neutralitäts­gesetz in Kraft getreten sei, welches den ameri­kanischen Schiffen das Anlaufen englischer Häfen verbiete, so erklärte der Botschafter, die eng­lische Regierung behalte sich trotzdem das Recht vor, amerikanische Schiffe notfalls mit Gewalt zum Anlaufen englischer Kontrollhäfen zu zwingen.

Darauf antwortete Hüll, die englische Regierung mutete den amerikanischen Schiffen Handlungen zu, die ihnen durch das amerikanische Gesetz ver­boten seien. Außerdem verkehre die amerikanische Schiffahrt seit Inkrafttreten des Neutralitätsgefetzes nur zwischen neutralen Ländern, und von ihnen mitgeführte Ladung habe daher den An­spruch, als harmlos angesehen zu werden, solange nicht konkrete Beweise des Gegenteils vorliegen. Außerdem hätten amerikanische Schiffseigentümer sich freiwillig bereit erklärt, britischen Wünschen weitgehend entgegenzukommen. Er betrachte dieses Entgegenkommen der amerikanischen Reedereien als genügend für England, gleiches Entgegenkommen zu zeigen und keine Zwischenfälle hervorzurufen, durch die die amerikanischen Schiffe gewaltsam ge­zwungen würden, von ihrer Route abzuweichen und Häfen anzulaufen, deren Betreten ihnen durch amerikanisches Gesetz verboten ist. Sollten solche Zwischenfälle eintreten, so würde die USA.-Regie­rung gezwungen sein, jeden einzelnen Fall genau zu untersuchen und zweckmäßige Schritte zu ergrei­fen. Im übrigen mache er nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die amerikanische Regierung selbstverständlich für Schäden oder Verluste ent­sprechende Schadensersatzansprüche stellen werde.

Ablösung

Oer Kriegsschieber.

Der jüdische Kriegsminister im Kriegskabinett Chamberlain, Hore-Belisha, ist zurückgetre­ten. Das wirkt wie eine Ueberraschung, denn gibt es einen Mann, der in die britische Plutokraten- regierung paßt, so ist es dieser jüdische Kriegsschie- ber von Format. Dem Kriegskabinett Chamberlain gehörte in Hore-Belisha ein Raffke an, der, ehe er Minister wurde, einen Rekord darin aufgestellt hatte, nicht weniger als sieben der schmutzigsten Pleiten gemacht zu haben. In der Hauptsache war es die chmische und elektrische Industrie, die sich Hore-Belisha. als Beute ausgesucht hatte, denn es ist zu verstehen, daß er die Gesellschaften und Aktio­näre nicht nur um das Aktienkapital prellte, sondern selbst dabei ein reicher Mann wurde. Hore-Belisha mar nicht nur ein Rekordmann für Pleiten, er war in richtiger Einschätzung seiner Ministerkollegen massiv genug, um einigen jüdischen Großfirmen der Bekleidungsindustrie die Belieferung des englischen Heeres mit Uniformen und anderen Bekleidungs­stücken zuzuschanzen. Ob sich im englischen Parla­ment wohl einehrenwertes" Mitglied findet, Chamberlain danach zu fragen, ob ihm bekannt ist, was Hore-Belisha als Provision dafür erhalten hat, daß er jüdischen Bekleidungshäusern die Ausrüstung des englischen Heeres übertrug?

Sie haben alle ein dickes Fell, diese Kriegsschieber im Kabinett Chamberlain. Daß es schon eine pre­käre Sache ist, wenn ein Kriegsminister im Kriege zurücktritt, versteht sich von selbst. Das haben sich wohl auch Chamberlain und Hore-Belisha gesagt, weshalb sie sich gegenseitig vor der Oeffentlichkeit bescheinigten, es hätten zwischen ihnen keinerlei politische Gegensätze bestanden: vielleicht auch keine moralischen Gegensätze, so daß es nicht überrascht, daß der Nachfolger Hore-Belishas als Kriegs­minister, Oliver Stanley, ebenfalls zu den Fa­milien gehört, die als Großgrundbesitzer und Groß- a'ktionäre das englische Volk seit Jahrhunderten ausplündern. Die Stanleys Haben sich auch schon in verschiedenen Generationen als brauchbare Werk­zeuge der englisch-jüdischen Weltherrschaftspolitik der^ährt. Der Urgroßvater des neugebackenen Kriegs Ministers führte feinen Namen als Ober­sekretär für Irland in die Geschichte ein. Nachdem er sich hier würdig in das Buch britischer Unter- drückungsmaßnahmen eingetragen hatte, wurde er Staatssekretär der Kolonien. Später brachte er es dann zum Premierminister. Kennzeichnend für ihn ist. daß sein Schatzkanzler der Jude D i s r a e l i war.

Sein Sohn Edward Henry Stanley setzt diese Tradition der Familie Stanley würdig fort. Er wird Staatssekretär für Indien und 1866 holt ihn jetn Vater als Staatssekretär des Auswärtigen in fein Kabinett. Im Kabinett Disraeli bekleidet er das gleiche Amt. Als er 1878 ab treten muß, wird die Familie Stanley von dem Juden Disraeli da­durch entschädigt, daß fein jüngerer Bruder Frede- ric Arthur Stanley Kriegsminister wird. Der Sohn Frederic Arthur Stanleys, Edward Georg Stanley, verdient sich die erste Anerkennung als Privat- fefretär des britischen Feldmarschalls Roberts im Burenkrieg. Im Weltkrieg gibt man ihm den gro­ßen Werbefeldzug zur Gewinnung von Kriegsfrei­willigen in die Hand. Als das klappt, wird er im Jahre 1916 Kriegsminister. Unter ihm wird die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Nach Beendigung des Weltkrieges wirkt er als Botschafter in Paris für die Freundschaft EnglandFrankreich, um 1922 wieder Kriegsminister zu werden. Nun ist der fünfte dieser würdigen Familie in das Scheinwerferlicht der Politik gerückt worden, der dritte Kriegsmini­ster, den die Familie Stanley dem britischen Welt­reich stellt. Oliver Stanley war bisher Handels- Minister. Er steht im 43. Lebensjahr. 1924 wurde Stanley das erste Mal in das Unterhaus gewählt. Dom Jahre 1934 an hat er ununterbrochen ein Ministeramt bekleidet. Er wurde 1934 zunächst Ar­beitsminister; dann von 1935 bis 1937 Unterrichts­minister und 1937 Handelsminister. Oliver Stanley wird sich seines jüdischen Vorgängers würdig zu zeigen wissen, wie seine Ahnen es in hervorragen­der Weise taten.

Chamberlain hat auch den Jnformationsminister Mac Millan hinausgesetzt, ebenfalls ein viel­facher Millionär und Großverdiener aller Art, der aber wohl nicht intelligent genug war, um das für diesen Krieg der englischen Gangster notwendige Lügensystem aufzuziehen. Max Millan wird durch Sir John Reith ersetzt, der die englische Rund­funk-Gesellschaft organisiert und bisher geleitet hat. Zu den Aufgaben des Jnformationsminifters gehört es, die öffentliche Meinung einzunebeln sowie vor «llem das englische Volk darüber hinwegzutäuschen, worauf die Kriegsschieber schon lange gestoßen -sind: daß der verbrecherische Anschlaa auf den Frieden Europas für England eine Katastrophe -werden wird. Als neuer Handelsminister ist ein Direktor der Bank von England Sir Andrew Dun­can berufen worden, der ebenso wie Stanley und Chamberlain selbst in sehr engen Beziehungen zur chemischen und elektrotechnischen Großindustrie steht. Cr steht im 55. Lebensjahr, ist Fachmann auf fi­nanziellem und wirtschaftlichem Gebiet und gehörte vor Kriegsausbruch sowohl dem Direktorium der Bank von England wie auch dem der 'Imperial Chemicals an. Mit Kriegsausbruch übernahm er die Leitung der Abteilung für Muntionslieferung im Munitionsministerium. Das Ergebnis dieser Auswechselung ist also, daß alle wichtigen Inter­essenten der Kriegsindustrie dem Kriegskabinett an­gehören. Das sind die Kriegsschieber von gestern und heute, das sind die Exponenten der Plutokratie, Bür die ein_ Krieg nichts anderes ist als ein lukra­tives Geschäft Das taktische Manöver, das in der

Ausbootung einiger allzu kompromittierter Kabi­nettsmitglieder besteht, ändert daher an dem poli­tischen Verbrechertum der englischen Regierungs­clique nicht das geringste. D. S.

Allgemeine Wehrpflicht für in Indien lebende Briten.

London, 8. Januar. (DNB.) Der Zweckopti­mismus, der von offizieller englifcher Seife hin­

sichtlich des Jndienproblems zur Schau getragen wird, erhält eine seltsame Beleuchtung durch die Tatsache, daß die britische Verwaltung in Indien fieberhafte Vorbereitungen trifft, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Wenn man auch damit rechnen kann, daß der innere Hader, die Gegensätze der 3000 verschiedenen Kasten und der Religionen das Aufflammen eines nationalen Aufstandes gegen die Herrschaft der britischen Geldsäcke vorläufig verhin­dern werden, so nimmt man das Schreckgespenst des

Generalrat" der Kriegswirtschaft.

Das WortKriegswirtschaft" ist uns geläufig ge­worden. Es bedeutet, daß es im Kriege keine ab- aefonderte oder gar freie Wirtschaft geben kann, sondern nur eine solche, die sich restlos in den Dienst des Ganzen stellt, also sich in die Erfordernisse des Krieges einordnet.Kriegsverpflichtete Wirtschaft" hat man sie daher genannt. Der Kampf der Feinde richtet sich ja Nicht nur gegen den deutschen Soldaten, sondern gegen das ganze Volk, feinen Lebensraum, feine Arbeitskraft und seine Zukunft. Die Trennung zwischen Front und Hinterland" gibt es in diesem Kriege noch weniger als im Weltkriege. Daher ist es selbstverständlich, daß Erzeugung und Rohstoffe, Nahrungsmittel und Verbrauch, Ein- und Ausfuhr, Finanzen und Sozialpolitik, Verkehrsfragen und Verwaltung eine große Einheit bilden, die gesammelt und Über­sichtlich in den Kriegsbedarf eingeschaltet wird. Für Ressortfragen oder Einzelinteressen ist weder Raum noch Zeit. Darüber ist sich jedermann klar gewor­den: von der Stieftlsohle bis zur Lokomotive, vom Nähgarn bis zum fertigen Anzug, von der Brot­karte bis zur Devisenbeschaffung ist jede Form des Verbrauchs und der Erzeugung kriegswirt­schaftlich bestimmt. Dabei ist es selbstver­ständlich, daß die Bedürfnisse der kämpfenden Front vorangestellt werden, daß daneben aber die Wehr­wirtschaft und die in ihr tätigen Kräfte in gleicher Weise den Vorrang genießen.

Die deutsche Kunst der Organisation hat der straf­fen Erfassung aller Kräfte und Bedürfnisse auch auf diesem Gebiet vorgearbeitet. Jeder Industriebetrieb ist in feiner Fachgruppe erfaßt, ebenso der Hand­werker und Einzelhändler, die Landwirtschaft hat im Reichsnährstand eine berufsständische Vertretung ge­funden, die im Kriege für die gesamte Ernährungs­wirtschaft die größte Bedeutung gewonnen hat. Alle diese Gliederungen der Wirtschaft und der Partei sind in die Kriegswirtschaft eingeschaltet. In den Städten bestehen dafür die Ernährungsämter und die Wirtschaftsämter. Sie sind die untersten Organe der kriegswirtschaftlichen Organisation. Uebergeorbnet sind ihnen die Landes- und Provinzial-Ernährungs- ämter. Auf der gleichen Ebene stehen die Bezirks- wirtfchaftsämter und die Forstwirtschaftsämter. Sie sind für die Fragen der Bewirtschaftung in den ein­zelnen Gewerbezweigen zuständig. Während die Er­nährungsämter dem Reichsernährungsminister un­terstellt sind, gehören die Bezirkswirtschaftsämter in den Bereich des Reichswirtschaftsministers und die der Forstwirtschaft zu dem des Reichsforstmeisters. Der Reichswirtschaftsminister war gleichzeitig Ge­neralbevollmächtigter der deutschen Wirtschaft und Mitglied des Ministerrates für die Reichsverteidi­gung. Damit war die Kriegswirtschaft schon bisher in das höchste Organ des Reiches eingebaut

Bevor die Kriegswirtschaft ihre überragende Be­deutung gewann, hatte sie einen Vorläufer in dem Vierjahresplan, dessen Aufgabe es war, das Rohstoffproblem zu meistern. Generalfeldmarschall Göring hat als der Beauftragte für den Vier­jahr esplan diese gewaltige Arbeit geleistet. Er ist seit Kriegsausbruch auch der Vorsitzende des Mi­nisterrats für die Reichs Verteidigung und auch da­mit an der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem Ge­biete beteiligt. Reichswirtschaftsminister Funk hat nun die Ueberzeugung gewonnen, daß Dierjahres-

d roh end en passiven Widerstand es doch außerordenk. lich ernst. So hat die britische Verwaltung in Indien die allgemeine Wehrpflicht für die gesamten in Indien lebenden Engländer eingeführt. In Neu-Delhi sind selbst Jungen von 16 Jahren ebenso wie ältere Männer bis zu 50 Jahren in die Stammrolle eingetragen worden. Die Besorgnis der britischen Ausbeuter wird verständlich, wenn man bedenkt, daß 350 Millionen Inder von einer Handvoll Engländer, insgesamt nur 116 000, aus- geplündert werden.

Nie indische Nordwestgrenze.

Amsterdam, 6. Jan. (Europapreß.) Die schwere Sorge, mit der die englische Presse seit Be­ginn des Krieges die internationale politische Lage verfolgt, hat sich in den letzten Wochen keineswegs verringert. Besondere Aufmerksamkeit findet hier­bei die indische Nordwe st grenze, von der man befürchtet, daß sie eines Tages durch den Gang der Ereignisse in die Kampfhandlungen ein« bezogen werden könnte. DieTimes" muß zu­geben, daß es in Indien noch immer brodele. Wa- ziristan sei noch nicht ruhig geworden und werde es wohl auch kaum, solange der Fakir von Jpi sich in Freiheit befinde. Trotz des auf seinen Kopf gesetzten Preises sei es bisher noch immer nicht ge­lungen, ihn in die Hand zu bekommen. Im Gegen­teil, im September und Oktober hätten die Afridis die an der Nordwestgrenze stationierten Truppen durch ihre plötzlichen Vorstöße teilweise in ge­fährliche Situationen gebracht. Erst nach­dem die indische Regierung gegen die Grenzstämme eine wirtschaftliche Blockade durchgeführt und sie hermetisch abgesperrt habe, sei cs gek­lungen, dieRuhe einigermaßen wiederherzustellen".

Was England unterwirtschaftlicher Blockade" gegenüber indischen Eingeborenenstämmen versteht, die ihre Vorratshäuser nicht vor den englischen Bombern zu schützen vermögen, ist der Welt nur allzugut bekannt. Terror und Hungerkrieg gegen Frauen und Kinder sind die gebräuchlichsten eng­lischen Kampfmittel, die die Engländer nicht nur in ihren Kolonien verwenden.