Ausgabe 
7.9.1940
 
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Römischkohl 10, Bohnen (grün) 15 bis 18, (gelb) 18 bis 20, Unterkohlrabi 7, Erbsen 25, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 12, Rhabarber 10, Kürbis 7, Feldsalat, */io 10, Aepfel 20 bis 25, Falläpfel 7 bis 10, Birnen 20 bis 45, Zwetschen 16 bis 20, Mirabellen 25 bis 30 Renekloden 20, Blumenkohl, das Stück 10 Rpf. bis 1 RM., Salat 8 bis 10 Rpf., Salatgurken 10 bis 40, Einmachgurken YA bis 4, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis,15 Rpf. *

* * Beförderung. Der Truppenarzt beim Wehrbezirkskommando Gießen, Assistenzarzt Dr. M a s s i n g, Laubach, wurde zum Stabsarzt be­fördert.

* * Ein Achtzigjähriger. Am morgiaen Sonntag, 8. September, kann der Metzgermeister Konrad B e p t e r, Neustadt 21, in bester körper-

Oie Pflicht des Herzens.

Zum ersten Opfersonntag.

Pflicht ist die Triebfeder und der Motor unseres Lebens und aller Vorgänge unseres Willens. Sie durchpulst uns wie das Blut. Sie hält uns und richtet uns auf, läßt uns Blick gewinnen in die Zukunft und stachelt uns und unseren Willen zu Wundern von Taten. Sie zügelt den Ablauf unseres Alltags und gibt chm seinen Sinn und seine Be­deutung. Die Pflicht ist alles in uns! Sie brennt, sie zwingt, sie reißt mit. Sie läßt uns jegliche Wi­derstände überwinden, lieber uns selbst erhebt sie uns.

Die Pflicht adelt den Menschen gegenüber jeg­licher Kreatur. Sie ist das erste und größte Gebot unseres Daseins. Sie prägt uns erst unsere eigene Bedeutung ins Angesicht. Pflichtlose Menschen sind kranke Menschen. Sie faulen in der Seele und zer­brechen in den Stürmen des Lebens. Sie wanken, stürzen und werden ausgelöscht. Pflichtlostgkeit ist keine Charaktereigenschaft, sondern das Absterben jeden Charakters.

Die Volksgemeinschaft aber braucht pflichttreue Menschen, denn nur die Dflicht bindet Mensch an Mensch. Nur aus ihr wächst das Volk und aus ihr nur erhebt sich die geeinte Nation.

Kriegszeiten sind Zeiten gesteigerter Pflicht. Ne­ben das Pflichtgewand des arbeitenden Menschen dem Lederschurz des Schmiedes, den Kitteln der Dreher, Schlosser und Monteure, der Sturmjacke des Seemanns und der kargen Kluft des Berg­manns hat sich der graue Rock des Soldaten ge­stellt. Darüber haben mir ihn gezogen den Feld­rock des Krieges. Todesmut heißt die Pflicht des Soldaten. Sie fordert den Einsatz seines ganzen Lebens.

Die Krieasvflicht hat ein eisernes Gesicht, aber sie ist die Pflicht aller Pflichten die Summe all unserer Pflichten für Volk und Nation. In ihr lodert wie ein heiliger Brand unser Sieg!

Und unsere soldatische Kriegspflicht hat gefiegt! Wir sind stolz darauf! Stolz erhebt unsere Köpfe zum grauen Rock des Soldaten und zu seiner Pflicht. Kommen wir uns mit unseren bescheidenen Pflichten des Alltags nicht ein bißchen schäbig neben ihm vor?

O nein! Auch uns warten Pflichten, die uns groß und stolz machen dürfen: Pflichten des Krieges! Gleichmäßig verteilt zwischen der Front draußen und der Heimat sind diese Pflichten. Zwei Fronten stehen in einer Pflicht vereint: kämpfen und helfen! Das ist eine Pflicht. Von den Soldaten fordert sie das Kämpfen von uns aber das Hel­fen! Hier wir dort fordert sie den ganzen Einsatz den ganzen Mann!

Der Führer hat seine Soldaten gerufen. Er hat auch die Heimat gerufen, auf Posten zu stehen. Und mit der Eröffnung des Kriegs-Wmterhilfswerks 1940/41 ruft er uns wieder an feine Seite. Wo er marschiert, marschiert die Pflicht in ihrer ge­waltigsten und zwingendsten Größe. Er gibt den Marschtritt unserer Pflicht an. Darum ist unser Platz neben dem Führer. Die Erfüllung her uns von ihm gegebenen Pflichten vereint uns mit ihm.

Welches nun sind die Pflichten in diesem zweiten Kriegs-WHW.? Der Krieg hat auch uns Wunden geschlagen. Deutsche Soldaten blieben in fremder Erde; Bauerngehöfte und Stadtviertel in befreiten Landen sind zerstört, und Obdachlose warten auf un­sere Hilfe. Millionen deutscher Volksgenossen aus Lothringen, Elsaß und Eupen-Malmedy schauen auf unsere helfende Hand!

22 Jahre hindurch zog sich eine Grenze zwischen ihren und unseren Herzen. Feindland war es, wo sie mit stummem Bangen trotzten und auf ihre Heimkehr warteten. Durch ihr Land marschierte der Krieg. Sie wurden in feindliche Uniformen gepreßt und gegen die Heimat eingesetzt. Sie waren die letz­ten in ihrem Lande. Sie waren ja nur Deutsche. Aber sie blieben es! Nun sind ihre Herzen wieder bei uns. Nur Deutsche! Welch ein anderes Nur schlägt in diesem Klang! Nur, ja, nur Deutsche! Und nichts weiter!

Sie haben immer um ihre Pflicht gewußt, ihre Pflicht, die sie im Mute spürten und im Herzen, und die sie niemals vergaßen in ihrem Hirn. Hier nun in ihrem Lande wird das diesjährige Kriegs- WHW. einen zweiten Krieg gewinnen! Die Volks­küchen der NSV., die Beratungsstellen fürMutter und Kind", die Mütter- und Kinderverschickung, die NSV.-Schwesternstationen und die NSV.-Bahn- hofsdienststellen werden in ganzer Bereitschaft ein­gesetzt werden.

Ganze Arbeit wird hier geleistet, um alle Schat­ten der vergangenen Jahre von den Gesichtern und Seelen der Volksdeutschen zu nehmen. Ihre Heim­kehr soll nicht" nur eine Waffentat unserer Heere gewesen sein sondern sie muß jetzt die ganze Hilfsleistung unserer Nation erfassen. Der deutsche Sozialismus, dessen höchster Ausdruck das WHW. ist, wird ihre Herzen restlos erobern. Für uns er­obern für dich und das Volk. Für Deutschland.

So siehst du nun deine Pflicht für das Kriegs- WHW. dieses Winters. Sie ist gewaltig wie die Größe unserer Zeit. Wir müssen uns groß zeigen, wenn die Trommeln des Kriegs-WHW. an unser Ohr schlagen. Sie wollen unser Herz rufen! Unsere Pflickt! Wir vergessen sie nicht, unsere heilige Pflicht des Herzens. Wir treten in den neuen Opfer­abschnitt des Kriegs-WHW. Und daß wir ihn ge­winnen, dessen sittd wir so sicher wie des Sieges unserer Soldaten.

Wir Deutschen wissen, was unsere Pflicht ist aber mehr noch wissen wir was unsere Kriegs­pflicht ist: Kämpfen und helfen!

lieber allem steht unser Sieg! Georg W. Pijet.

Ortszeit für den 8. September.

Sonnenaufgang 6.47 Uhr, Sonnenuntergang 19.57 Uhr. Mondaufgang 14.41 Uhr, Monduntergang 23.29 Uhr.

Ortszeit für den 9. September.

Sonnenaufgang 6.49 Uhr, Sonnenuntergang 19.55 Uhr. Mondaufgang 15.40 Uhr, Monduntergang 0.21 Uhr.

Aus der Stadt Gießen.

Front der Herzen.

Zu allen Zeiten haben die deutschen Menschen in ganz besonderer Weise um die Erhaltung oder Er­oberung ihrer Freiheit gekämpft, waren sie beson­ders erfüllt von der Sehnsucht nach Freiheit oder vom Glück der Freiheit.

Aeußere Freiheit von Sklavenketten kann aber nur durch innere Freiheit von jedweder Knechtschaft ver­dient werden. Bei allen Vorzügen des nordischen Blutes muß aber diese innere Freiheit Tag für Tag aufs neue erkämpft werden.

Wer so fest und klar im Leben steht, daß er sicher und gerade, unbeirrt von den Wechselfällen des Da­seins und ungehemmt von den Schwächen und Lau­nen der Menschen sein Werk erfüllen kann, der ist innerlich frei.

Es gibt Menschen, die schleppen bei ihrer Arbeit und ihren Entschlüssen, bei ihrem Denken und Füh­len wie einen schweren Ballast die Bindung an irgendeine äußere magische Kraft mit sich. Sie ver- trauen auf die Macht irgendwelcher Amulette oder geheimnisvoller Zaubermittel, auf die Mystik irgend­welcher Zahlen oder Worte, auf die Wirkung fremd­artiger Zeremonien oder Formeln ober auf den über­sinnlichen Einfluß der Sterne. So feste Formen nimmt diese Bindung oft an, daß solche Menschen vielfach Sklaven dieses ihres Wahnes werden. Ihre Willensfreiheit wird begrenzt, ihre Entschlußkraft geschwächt. Sie werden unselbständig und hilflos und geraten in völlige Abhängigkeit von ihrer Magie. Der deutsche Mensch glaubt an eine höhere göttliche Kraft. Aber er hält sich frei von jeder Zauberei. Er weiß, daß Gott mit ihm ist, wenn er selber schafft und kämpft.

Es gibt andere Menschen, die stehen allzusehr im Banne der Wechselfälle des Lebens. Krankheiten und Todesfälle, Unwetter und Naturkatastrophen, persön­liches Mißgeschick oder ein Unglück des Volkes, Zu­fälligkeiten ober Schicksalsschläge jeglicher Art können diese Menschen völlig verwirren und aus der Fassung bringen, niederschmettern und erschüttern.

Der natürliche, innerlich freie Mensch weiß, daß es nach der Gesetzmäßigkeit des Lebens nicht nur Jugend, sondern auch Alter, nicht nur Blühen, son­dern auch Verwelken, nicht nur Leben, sondern auch Sterben gibt, daß Sonnenschein mit Regen, Milde mit Sturm, Gesundheit mit Krankheit, Frieden mit Krieg, Glück mit Unglück wechselt. Er sieht deshalb z. B. dem Tod eines Menschen ebenso frei wie jedem anderen Naturereignis entgegen. Er ist dem Schicksal aber nicht blind ergeben in orientalischem Fatalis­mus. Er weiß, daß er gegen alle Widerwärtigkeiten ankämpfen, durch jedes Mißgeschick hindurchschreiten und alle Unbill überwinden muß. Sein heiliger Glaube sagt ihm, baß für jeden schaffenden unb kämpfenden Menschen nach aller Finsternis immer wieder die Sonne leuchtet unb daß der Tob ein Tor zur Ewigkeit ist. Der deutsche Mensch bewahrt seine Innere Freiheit aber auch bei unerwartetem Glück und un vorher gesehenem Wohlstand. Manche kampf­erprobten Menschen verlieren die innere Freiheit, wenn es ihnen plötzlich gut acht, wenn sie uner­wartet zu Ehren und Ansehen kommen. Gerade auch im Glück bemal)rt sich der deutsche Mensch den wei­ten Blick der Freiheit. Er wirb im Glück nicht über­mütig und ausgelassen unb vom Unglück nicht überwältigt. Und trotzdem ist der deutsche Mensch stets aufgeschlossen für alle Tiefen des Leides unb alle 5)0'9en der Freude. Oberflächlichkeit und Bla­siertheit sind ihm bei aller inneren Freiheit fremd.

Manche Menschen sind in ihrem Handeln und in ihrer Haltung allzusehr von ihren Mitmenschen abhängig. Die Stimmungen und Launen, das Ge­rede und die Meinung der Menschen, die neben, unter unb besonders über ihnen durch das Leben wandern, beherrschen ihr Dasein. Sie sind keiner selbständigen Gedanken und Taten mehr fähig. Sie sind Sklaven ihrer Mitwelt geworden. Es mag ge- rode hier oft am schwersten sein, sich die Freiheit gegenüber Freunden und Feinden zu erhalten. Wer diese Freiheit nicht gewährt, ist aber ebensowenig deutsch, wie der, der sich um diese innere Freibeit nicht bemüht. Nur auf dem Boden dieser Freiheit können große Werke wachsen und kommende Ge­schlechter reifen. A. H.

Tageskalenber für Samstag.

NSG.Kraft burch Freube": 19.30 Uhr im Stabt- theater:Johannisfeuer". Gloria-Palast, Selters­weg:Die Geierwally". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Der Vetter aus Dingsba". Artilleristen- Kamerabschaft 1895 Gießen: 20.30 Uhr,Hessischer Hof", Monatsappell.

Tageskalender für Sonntag.

NSG.Kraft burch Freube": 14 Uhr Salbaten- BetreuungLuftiges Kunterbunt"; 10 Uhr Zweite Führung durch das Oberhesfische Museum. Hei­matbund für Hessen und Nassau (in Zusammenarbeit mit dem NSLB.): 9.30 Uhr in der Aula der Uni­versität öffentliche Heimatkundgebung, Studienrat Dr. von der AuVolkstumsarbeit als Kultur­arbeit" und Rektor Dr. Kl i p p e lBlühende Berge am Wilden Kaiser" (mit farbigen Lichtbildern). Gloria-Palast, Seltersweg: 11 Uhr Wochenschau- Sondervorstellung.Die Geierwally". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der Detter aus Dingsda". Waldsportplatz 14 Uhr: Leichtathletischer Vereins­wettkampf DfB.-R. Tv. Wetzlar.

Kommt in die Kurse des Neichsmütterdienstes!

Gfs. Lassen Sie fick einmal von Teilnehmerinnen unserer Kurse erzählen, welch reichen Schatz an Wissen und Können sie von dort mit nach Hause genommen haben. Um Ihnen auch all dies zu er­möglichen, sollen demnächst die Kurse des Mütter­dienstes wieder beginnen, unb zwar für Nichtberufs­tätige von 16 bis 18 Uhr und für Berufstätige von 19.30 bis 21.30 Uhr. Sie können sich jederzeit in der Kreisgeschäftsstelle, Frankfurter Straße 1, an­melden. Es finben statt Kurse über Säuglingspflege,

Gesundheits- und häusliche Krankenpflege, Erüe- Mragen, Kochen, Nähen, Heimgestaltung, Volks- rauchtum.

An die Sevölkernng von Gießen

Am 10. September beginnt das UI. Trimester 1940. Nach dem Stand der bisher eingegangenen Meldungen wird eine große Zahl Stubierenber unsere Ludwigsuniversität besuchen. An die Ein­wohnerschaft der Stadt ergeht deshalb die brin­gende Bitte, alle irgendwie verfügbaren Zimmer bereitzustellen unb dem Wohnungsantt der Stu- bentenführung Gießen, Sonnenstraße 19, mi mei- ben. Es wäre unverantwortlich, wenn ein Teil Der Studierenben aus Mangel an geeigneten Zimmern der alten Universitätsstadt Gießen verlorenginge.

Die enge Verbundenheit zwischen Universität und Bürgerschaft wirb und muß sich auch diesmal unter Beweis stellen; zumal vom Ernährungs- und Wirt- schaftsamt auf Antrag Zusatzkohlenpunkte für Ver­mieter bewilligt werden.

Gießen, 6. September 1940.

Der Rektor der Ludwigs-Universität: Prof. Dr. med. H.W. Kranz.

Gießener Wochenmarklpreife.

* Gießen, 7.Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, kg 5,2, 5 kg 50, Wirsing, A kg 8, Weißkraut 6, Rotkraut 8, gelbe Rüben 7, rote Rüben 8, Spinat 20,

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

kicher unb geistiger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Dem Jubilar bringen auch wir unsere herz­lichen Glückwünsche bar.

* * Veränber te Jagbzeiten. Nach einer Verordnung des Reichsjägermeisters darf im Jagd- fahr 1940/41 im ganzen Reichsgebiet die Jagd auf weibliches Rot- unb Damwild sowie Kälber beider­lei Geschlechts vom 1. September bis 31. Januar ausgeübt werden.

OerStern der Weisen" wieder sichtbar!

Don Universitäts-Professor Dr. W. Gundel, Gießen.

Vor einigen Tagen konnte der Verfasser dieses Aufsatzes feinen 60. Geburtstag be­gehen. Aus diesem Anlaß hatten wir Pro­fessor Dr. Gundel gebeten, uns einen aktu­ellen Beitrag aus seinem wissenschaftlichen Arbeitsgebiet zur Verfügung zu stellen. Daß es sich bei dieser Wissenschaft des weit über Gießen hinaus geschätzten Gelehrten um ein höchst beachtenswertes Stück Geistesleben handelt, wird u. a. dadurch bekundet, daß Professor Gundels Arbeiten in der einschlä­gigen Literatur an hervorragender Stelle als wertvolle Beiträge verzeichnet stehen. Es feien hier nur die Bücher von Robert Hense- lingUmstrittenes Weltbild", Thaffilo von SchefferDie Legenden der Sterne" und vor allem ein in einem Brüsseler Verlag in französischer Sprache erschienenes Buch LEgyte des Astrologues von Franz Cu- mont erwähnt. Von Professor Gundel stammt u. a. das grundlegende WerkSternglaube und Sternbilder", in dem die Forschungen des Gießener Gelehrten ihren Niederschlag gefun­den haben.

Professor Dr. Gundel, der in Straßburg tm Elsaß geboren wurde, hat in Heidelberg und Gießen studiert, im Herbst 1903 in Gie­ßen promoviert und im Frühjahr 1904 die Staatsprüfung bestanden. Dann war er am Neuen Gymnasium in Darmstadt, hierauf am Gymnasium in Gießen und zugleich als Assi­stent am Philologischen: Proseminar tätig. 1914 habilitierte er sich für Klassische Philo­logie. 1914 bis 1918 kämpfte er als Kriegs­freiwilliger an der Front. Im Jahre 1920 wurde er zum außerordentlichen Professor der Klassischen Philologie ernannt. Als Studien­rat unb zuletzt als Oberstudienrat gehörte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Schul­dienst dem Lehrkörper unseres Gießene/ Gym- fiums an. Seitdem widmet Professor Gundel seine Arbeitskraft völlig den wissenschaftlich en Aufgaben ber Universität und seiner For­schung.

In dem Bericht desGießener Anzeigers" vom 15. August heißt es, daß nach den Ausführungen desbekannten Spezialisten Prof. Dr. Hennig (Düsseldorf)" in dem letzten Heft der Senckenbergi- schen Naturforschenden Gesellschaft niemals daran gezweifelt worden ist, daß jener Stern der Weisen tatsächlich am Himmel geleuchtet hat. Wir wissen heute, daß dieser Stern kein Wunder und auch kein neuer Stern mar, sondern eine überaus eindrucks­volle Planetenkonstellation, die sich im ^nhre 7 vor unserer Zeitrechnung abgespielt hat: es ist die enge Gestirnung der beiden von Saturn und Jupiter, die sich damals im Sternbild der Fische abspielte und jetzt im Sternbild des Widders für Frühauf­steher, im Oktober während der ganzen Nackt und tm Februar 1941 am eindrucksvollsten in den Abend­stunden sichtbar ist. Es ist ein seltenes Himmels­schauspiel, das nur alle 260 Jahre einmal zu sehen ist. Auch Dr. E. Ko sinn a behauptet in seinen AusführungenDer Sternhimmel im August" (Gieß. Anz.", 31. 7. 1940), daß nach neueren For­schungen eine dreifache Jupiter-Saturn-Begegnung, die sog. große Konjunktion, sich in ganz ähnlicher Weife auch tm Jahre 7 v. Chr. abgespielt und die Veranlassung zu der biblischen Erzählung vom Stern der Weisen aus dem Morgenlande gegeben hat. Eine Begründung wird nicht gegeben. Also wird man zu den näheren Darlegungen von Hen­nig greifen, um die Gründe für diese moderne Er­kenntnis kennenzulernen. Aber man wird mit Ent­täuschung diese Untersuchung aus der Hand legen, denn sie bringt keineswegs irgendwelche neuen Quellen ober neue Tatsacken in Auslegungen der bekannten biblischen Legenbe. Sondern es wird ein­fach kurz und bündig gesagt, seit langem wird als das wahrscheinlichste Geburtsjahr Christi das Jahr 7 v. Ehr. angesehen. Unb ber Stern ber Weisen ist bie damalige Koniunktion von Saturn und Jupiter tm Sternhimmel der Fische: das hat kein Geringe- rer als ber große Kepler bereits im Jahre 1606 e^t-

malig ausgesprochen. Es wird bann weiter betont, baß die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge heute klargestellt sind. Die Weisen aus dem Morgenlande oberMagier", wie bie Bibel richtiger sagt, waren unzweifelhaft" Astronomen aus Babylon, ber Hoch­burg alles astronomischen Wissens alter Zeit. Und alle Sternkundigen dieses Zeitalters waren zugleich Sterndeuter und glaubten, aus den Bewsgunaen und Stellungen ber Planeten bie Geschicke ber Menschen unb Völker vorherzuerkennen. Die Fische galten in der babylonischen Astrologie als Sinnbild Syriens und Palästinas, Saturn als ber besondere Stern bes israelitischen Volkes. Nach dem Glauben der Zeit konnte also die Begegnung des ,Königs- fternes" Jupiter mit Saturn im Sternbild der Fische gar nicht anders gedeutet werben, als baß bem israelitischen Volke ein neuer König geboren sei. Damals war fälschlich ein Gerücht verbreitet, daß eine solche Konjunktion der Geburt bes Moses vor- angegangen sei, unb man nahm damals an, baß biefeMoses-Konjunktion" bie Geburt des Messias an künd en w erde.

Hennig behauptet, daß sich für feine Ausführun­gen viele Zeugnisse auch aus römischen Schrift« tellern beibringen lassen. Ich beschäftige mich nun ast vier Jahrzehnte mit ben Schriften ber griechi- chen unb römischen Astronomen und Astrologen, mit ihren Quellen und ihren Wirkungen auf die verschiebenen Geheimkulte und Hochreligionen des Altertums, besonders auch auf das Judentum und Christentum. Ich kenne jedoch keine einzige Stelle aus der ganzen antiken Astrologie, welche die Be­hauptungen von Hennig auch nur im entferntesten rechtfertigen könnte. Wohl sprechen mehrere Texte, darunter auch die von mir veröffentlichten Texte des Hermes Trismegistos, die auf den ägyptischen Gott Thoth, b. h. auf seine gelehrten Priester zurück- gehen und mit Babylon absolut nichts zu tun haben, vonKönigssternen" und von bestimmten Gestirnungen, unter denen ein Gott, ein Welten­herrscher, der göttliche Kosmokrator, oder sonst ein aanz überragender Sterblicher zur Welt kommt. Aber nie ist in biesen Texten die Gestirnung von Saturn und Jupiter in ben Fischen genannt; eben­sowenig sind diese Planeten und die Fische in an­tiken Texten speziell mit Palästina und messiani­schen Prophezeiungen in Verbindung gebracht wor­den. Die ,Moses-Konjunktion" ist erst von jüdischen Astrologen im Mittelalter erdichtet worden. Die Ver­bindung der Fische mit dem jüdischen Messias läßt sich zum erstenmal im 8. Jahrhundert nachweisen! Es ist also ein Trugschluß, ber keinerlei wissenschaft­liche Unterlage und Berechtigung hat, wenn Hennig behauptet, man habe in vorchristlicher Zeit geglaubt, daß diese Moses-Konjunktion die Geburt des Mes­sias verkünde.

Dagegen spricht auch der Text der Weihnachts­legende, bie bekanntlich allein von Matthäus be­richtet wirb. Hier ist nur die Rebe von dem Stern; ich kenne keine einzige Stelle in der ganzen grie­chischen Astrologie, wo etwa bas griechische Wort Aster, Gestirnung, Konjunktion ober etwas ähnliches bedeuten könnte; sondern es wird immer unb über­all damit nur ein einzelner Stern bezeichnet. Diesen Stern haben dieMagier" gesehen,unb auf den geborenen König ber Juden bezogen. Nachdem sie Herobes nach Bethlehem gewiesen hat, ziehen sie dorthin,unb siehe ber Stern, ben sie im Osten gesehen hatten, führte voran, bis er kam unb stand oberhalb von dem Platze, wo bas Kind war". Dann ist der Stern verschwunden. Es handett sich um einen reinen Wunderstern, der plötzlich aufflammt, verschwindet, wieder sichtbar wirb, um endgültig nach seiner Mission als Führerstern zu verschwin­den; dieser Stern hat viele Parallelen in ähnlichen Erzählungen von sog. Führersternen und von Licht- unb Sternerscheinungen, bie bei Geburt und Tob außergewöhnlicher Menschen in vorchristlicher Zeit erwähnt werden. Es ist ein verfehltes Bemühen, in Wundererzählungen einer Legende und in einem Evangelium exakte historische Tatsachen feststellen zu wollen! Und absurd ist es, in einer heiligen Sage Gott und einem Wunder Gottes astrologische Ge­danken anzudichten!

Der Stern der Weisen hat mehr Weise zu Nar»

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Seifenfabriken. Giess en