7./8. September W)
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Nr. 2(2 Zweiter Blatt
e
(Nachdruck verboten.)
16. Fortsetzung.
Die gepflegte Küche verwendet
VTfiGyPAHIERMEHL
Ein paar unterhaltsame Winke über die Sprache unserer Waffenbrüder. Häufiger noch als früher toßen wir jetzt in der Zeitung auf italienische Namen und Begriffe. Den Klang manchen Wortes haben wir noch vom Rundfunk her im Ohr; oft ist er uns aber auch wieder entfallen, und wir ragen uns: Wie sprichtman dieses Wort, jenen Namen eigentlich aus? Viele Wörter kommen uns unaussprechlich vor, wenn wir sie schwarz auf weiß vor uns sehen. Dabei ist die Aussprache des Italienischen sehr einfach — man muß nur den Schlüssel kennen. Grundregel: Sprich alles so, rote du es als Deutscher sprechen würdest — bis a u f die Ausnahmen. Und die paar Ausnahmen ind so leicht zu merken, daß wir sie uns bestimmt n zehn Minuten einprägen können.
Vorsehen müssen wir uns eigentlich nur mit c und g; c vor e lautet tsche, vor i tschi. Also Duce („dutsche"), Cicerone („tschitscherone", Fremdenführer), Cinquecento („tschinkwetschento", fünfhundert, Abkürzung für 1500, bedeutet das Jahrhundert von 1500 bis 1600, also das 16. Jahrhundert, die Blütezeit der italienischen Renaissance). Sonst lautet das c wie das deutsche k: Caruso, Monaco (auf der ersten Silbe betont, nicht nur das Fürstentum an der Riviera bezeichnend, sondern auch der italienische Name für München), cultura. Beide Aussprachemöglichkeiten des c vereinen sich in dem Ausdruck Capo e Concelliere del Reich („kapo e kantschelliere", Führer und Reichskanzler).
Aber auch in Verbindung mit e und i kann das c wie k klingen — wenn nämlich ein h dazwischengeschaltet ist. Mozarts Page heißt Cherubino („keru- bino"), der bekannte Ratwein chianti („kianti") und die Gitarre chitarra („kitarra").
Anderseits: auch in Verbindung mit a, o und u kann c wie tsch lauten. Wir wissen ja alle, wie sich der italienische Außenminister spricht, und wir wissen auch, wie er sich schreibt; also ist uns bereits bekannt, daß in solchen Fällen ein i, das stumm bleibt, eingeschaltet wird: Graf Ciano („tschcmo"). Der aroße italienische Geschichtenerzähler schreibt sich Boccacio und spricht sich dementsprechend „bokatscho" (und nicht, wie man immer wieder hört, „bokatschio").
Mit dem g ist die Sache ganz ähnlich: vor e lautet es dsche, vor i dschi, in allen anderen Fällen wie das deutsche g. Also: Agenzia Stefani („adschenzia"), Germania („dschermania", nicht „germania"!), Michelangelo („rnikelcmdschelo"), Gibilterra („dschi- bilterra", Gibraltar), giro („dschiro"), Palazzo Chigi („kidschi", der Sitz des italienischen Außenministers). Vor a, o und u dagegen wird g genau so wie im Deutschen gesprochen: gazetta, gorgonzola, gusto.
Soll das g nun auch in Verbindung mit
oder i roje g lauten, so wird, wie bei c, ein h ein- geschoben: Spaghetti („ßpagetti"), Dante Alighieri („aligieri"), Inghilterra" („ingilterra", England). Und ferner ähnlich wie bei c: soll g in Verbindung mit a, o und u wie dsch lauten, so wird ein i, das nicht mitgesprochen wird, eingeschaltet. Die drei Meister der italienischen dramatischen Musik heißen Gioacchino Rossini („dschoakkino", Joachim), Giuseppe Verdi („dschusevpe", Josef) und Giacomo Puccini („dschakomo", Jakob). Mozart verband deutsches Empfinden und italienische Form in seinem ..Don Giovanni“ („dschowanni"), und wenn der Page Cherubino uns darin von seinem „süßen
ten und mit ewigem Grün, in Wirklichkeit eine Hölle menschlicher Leiden und plutokratischer Laster, Piratennest von Geburt mit einer wilden, unbarmherzigen, nur guf Verdienst und Genuß gestellten britischen Seele.
Die strategische Lage, der bei allen ähnlichen englischen Punkten eine ausschlaggebende Rolle zu- fällt, erschien den Engländern vom ersten Tage der Besitznahme an ungünstig, weil der großartige Hasen und die Stadt Victoria strategisch von der Kaulun-Halbinsel beherrscht wurden. Deshalb eignete sich England nach dem zweiten Opiumkrtcg 1860 diese Halbinsel durch Gewaltvertrag an und erreichte 1898 wiederum durch Gewalt, auch einen der in China damals Mode gewordenen 99jährigen Pachtverträge für einen wesentlichen Teil des Festlandes und der anschließenden Seegebiete.
Umbildung der französischen Regierung. Genf, 6. Sept. (DNB.) Die französische Regierung ist umgebildet worden. Die neue Regierung hat folgende Zusammensetzung: Stellvertretender Ministerpräsident Laval, zugleich beauftragt mit dem Jnsormationswesen und der Koordinierung der verschiedenen Ministerien. Zu Staatssekretären wurden ernannt: Für Justiz: A l i b e r t (wie bisher), für Inneres: Peyrouton (bisher Polizeichef), für Auswärtiges: Baude in (wie bisher), für Unterrichtswesen und Jugend: Ripert, Dekan der Pariser juristischen Fakultät, für Landwirtschaft und Versorgung: Caziot (wie bisher), für Verkehr: Berthelet, stellvertretender Direktor der französischen Eisenbahngesellschaft, für Kolonien: Konteradmiral Platon, für Finanzen: Bouthilier, für Krieg: ' General H u n tz i g e r , für Luftfahrt: Brigadegeneral Bergeret, für Marine: Admiral Sarian (wie bisher), für Produktion und Arbeit: Belin (wie bisher).
Das französische Finanzministerium ist ermächtigt worden, flüchtigen und evakuierten Landwirten, die nicht nach Hause zurückkehren können, zur Uebernahme von ländlichen Anwesen Kredite bis zu 200 000 Franken zur Verfügung zu stellen. Man hofft, auf diese Weise die vor allem in Südwest- und Südfrankreich verla s s e n e n ländlichen
Ostasiaten unzweifelhaft zu den bedeutsamsten Ereignissen in der Geschichte der ostasiatisch-europäischen Politik des letzten Jahrhunderts; denn f a st genau vor 10 0 Jahren setzten sich die Engländer im Verlauf ihres ersten Opiumkrieges von 1839 bis 1842 auf der Insel Hongkong fest. Der Name bedeutet „Tal der duftenden Wässer", womit der Kantonfluß gemeint ist, an dessen Mündung die Insel Hongkong liegt. Diese freundliche romantische Bezeichnung stand aber vor 100 Jahren schon im Widerspruch zu der Wirklichkeit; denn Hongkong war ein ausgesprochenes P i r a t e n n e st. Die Engländer nahmen die Insel 1841 in Besitz, nachdem sie sie schon ein Jahr als Stützpunkt für den niedrigsten Raubkrieg der menschlichen Geschichte, den Opium k r i e g, und für den Einfall in China ausgewertet hatten. London Zwang im Auftrags der plu- tokratischen Unternehmer der Ostindischen Compagnie den Opiumkrieg dem Chinesischen Kaiserreich rücksichtslos auf, weil China das Opiumlaster radikal abschütteln wollte und deshalb der Einfuhr von Opium aus Indien entgegentrat.
Die englische Haltung läßt sich keineswegs mit einer etwa nicht genügend vorgeschrittenen Kenntnis der verheerenden Wirkungen des Opiums entschuldigen. Warren "Hastings, einer der berühmtesten kolonialen Vorkämpfer Englands, erklärte 1783 das Opium wörtlich als „einen peinlichen Luxusartikel, dessen Gebrauch nicht gestattet werden dürfte, ausgenommen die Außenhandelsvorteile!" Wenige Jahre später äußerte der damalige Leiter der Ostindischen Compagnie: „Wenn es möglich wäre, den Gebrauch dieser Droge ausschließlich auf medizinische Zwecke zu beschränken, dann würden wir mit Freuden aus Ehrfurcht vor der Menschheit damit einverstanden sein." Nach dem Opiumkrieg im Jahre 1843 leistete sich Lord Ashley dann in einer Entschließung des Unterhauses die Feststellung, „daß die Behauptung des Opiummonopols und des Opiumhandels mit der Ehre und Pflicht eines christlichen Königreiches im äußersten Grade unvereinbar ist". Die Schamlosigkeit der englischen Plutokraten, gegen bessere Einsicht um des Verdienstes willen niederste Geschäfte abzuwickeln, läßt sich wohl durch kein krasseres Beispiel belegen als durch das Verbrechen des Opium-
Englands Rückzug aus Ostasien.
In einer der letzten Ausgaben der „Times" findet sich an etwas versteckter Stelle die Notiz: „Die Ankunft eines zweiten Schiffes in Sydney mit Geräumten aus Hongkong wurde gestern abend drahtlos von dort gemeldet. Der Dampfer führte 480 Kinder mit, so daß nunmehr rund 1400 Geräumte, darunter 900 Kinder, aus Hongkong in Australien gelandet'sind." Die gleiche Ausgabe des führenden englischen Blattes bringt die endgültige Nachricht von der Abreise der britischen Besatzungstruppen aus Schanghai und damit die Preisgabe eines der politisch und militärisch wichtigsten Punkte der Engländer in Ostasien. ,
Der Rückzug der englischen Truppen aus Schanghai und die EvakuieruW der englischen Zivilbevölkerung aus Hongkong zahlen für das Empfinden der
A n w e s e n , welche in die Tausende gehen, wieder der landwirtschaftlichen Produktion zuzuführen und damit der englischen Blockade entgegenzuwirkem
Flucht der englischen Königsfamilie nach Kanada?
Stockholm, 6. September. (DNB.) In den Vereinigten Staaten erhalten sich hartnäckig die Gerüchte über eine bevorstehende Uebersied- lung der englischen K ö n i g s f a m i l i e nach Kanada. Der größte Teil der Angehörigen des Königshauses hat London verlassen und hält sich in Schottland auf. Von der britischen Admiralität seien genaue Pläne ausgearbeitet worden für die Ueberführung des Königshauses nach der neuen Welt. In verschiedenen Häfen der westlichen Küste würden zwei große Kreuzer und eine Anzahl von Zerstörern zu diesem Zweck bereit gehalten. Sollte die Abreise notwendig werden, so sollen zunächst die Königin-Mutter und dis K i n d e r des Königspaares abtransportiert werden. Der König wolle mit Rücksicht auf die Stimmung der Bevölkerung so lange wie möglich aushalten. Die Flucht des Königshauses würde der englischen Oeffentlichkeit erst dann bekannt werden, wenn alle Mitglieder der Familie auf kanadischem Boden angekommen seien. Der König selbst werde seinen Wohnsitz wahrscheinlich in Toronto nehmen.
Konzentrationslager für mißliebige Ausländer in der Schweiz.
Genf, 6. September. (Europapreß.) Um die Ruhe und Sicherheit im Lande gewährleisten zu können, ist ein neues Gesetz herausgekommen, nach welchem solche Personen, die gefährlich für die Oeffentlichkeit erscheinen, zwangsweise iy, Anstalten interniert werden können, die durch den Innenminister bestimmt wurden. Nach dem selben Gesetz können auf Beschluß des Präfekten solche Personen, die schon seit Beginn der Feindseligkeiten als für d i e nationale Verteidigung und die öffentliche Sicherheit gefährlich erschienen, und denen entfernt von großen Städten Zwangswohnorte angewiesen wurden, gleichfalls in diesen Anstalten, also Konzentrationslagern, untergebracht werden.
„Kapo e kantschelliere.“
Wie lernen wir Italienisch in zehn Minuten?
Nach dem Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 6. September steht an der Spitze der Sieger in Luftkämpfen Major Mölders mit 32 Abschüssen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
und seine Frau sucht und findet er ein geeignetes Geschenk. Durch den lebhaften, frohgestimmten Trubel der Vorweihnachtszeit geht er mit merkwürdigen Empfindungen. Er ist kein Ausgestoßener mehr. Auch er gehört mit zu der großen Gemeinde, die sich rüstet, das Fest der menschgewordenen Liebe zu eiern. Das ist seltsam, es macht ihn beinahe ver- egen, erschüttert ihn aber auch. —
Am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages ornrnt Marta Ellrich auf ein paar Stunden zu Beuch. Frau Pahl ist zu ihrer verheirateten Tochter gegangen, die in Steglitz wohnt. Klaus hat den Auftrag erhalten, den Kaffee zu kochen und den Tisch zu decken. Und als er sich dazu anschickt, sagt Marta: „Lassen Sie nur, ich mach das schon." Und es geht ihr auch besser von der Hand als ihm.
Sie rücken den Tisch in den Ofenwinkel, wo Vater Pahl sitzt. Würziger Kaffeeduft durchzieht die Stube und vermischt sich mit dem Tannen- und Aepfel- geruch. Marta stellt die Tassen zurecht, schneidet dicke Stücke von dem großen, mit Rosinen gespickten Napfkuchen und gießt den Kaffee ein, während Klaus die Kerzen am Baum anzünden muß.
Pahl ist guter Dinge. Trotz seiner Schmerzen erzählt er allerlei Schnurren. Und die beiden jüngeren Menschen genießen mit gelösten Gliedern die Arbeitsruhe und das Behagen der warmen, weihnachtlichen Stube. Klaus ist auch heute schweigsam; seine Augen blicken m den Kerzenschimmer. Wenn er sie von dem Bäumchen fortwendet, begegnen sie dem Blick Martas. Dann lächelt sie ihm zu. Ihre Zähne blinken milchweiß hinter den frischen Lippen. Das Herbe und Rasche ihres Wesens ist heute in Weichheit gewandelt. Sie schiebt ihre Tasse zurück, sieht auf und holt ein Päckchen herbei, das sie vor Klaus auf den Tisch legt. „Hier ist noch was vom Weihnachtsmann, was Sie gewiß gut gebrauchen können", sagt sie lachend.
Er löst mit sehr verlegener Miene die Papierhüllen. Zwei Hemden kommen zum Vorschein; sie sind aus weißem Stoff mit hellfarbigem Streifenmuster. „Hoffentlich passen sie", sagt Marta eifrig. „Ich konnte ja nicht Maß nehmen, aber so ziemlich : werde ich's schon getroffen haben!"
„Nu, er kann ja mal eens anprobieren", schlägt Pahl schmunzelnd vor, was aber keine Beachtung ’ findet..
„Stehn Sie doch mal auf", sagt Marta zu Klaus. Eins der Wäschestücke auseinandernehmend, mißt ie an ihm die Schulterbreite und die Armlänge nach. „Paßt ganz genau!" ruft sie strahlend.
„Ja, wann harn Se denn bet Zeuj noch jenäht? Am Tage hatten Se doch wahrhaftig keene Zeit dazu! Det is woll Nachtarbeet?" erkundigt sich Pahl.
„Is ja egal!" erwidert Marta. „Wenn man was will, kann man's auch!" Sie legt das Hemd wieder glatt zusammen.
Klaus streicht mit seiner rauh gewordenen Hand darüber hin, atmet tief auf und sagt: „Ich danke Ihnen vielmals, Fräulein Marta! Sie tun so viel ür mich. Wenn ich doch einmal ..."
„Viel? Ach du lieber Gott!" unterbricht sie seine stammelnden Worte. „Ich wollte, ich könnte mehr, könnte wirklich was rechtes für Sie tun!"
„Na, nu bringen Se ihn man nicht zu sehre in Valejenheit, Marteken", sagt Pahl von seinem Ofen- winkel her. Und dann, sich zu Klaus wendend: „Ja siehste, Mensch, det is doch mal ’ne Tüchtige! Du, wer die mal kriegt ..."
„Unsinn, Vater Pahl! Keiner kriegt mich! Oder vielmehr, ich kriege keinen! Sie wissen ja, warum", fällt ihm Marta ins Wort und macht ein finsteres Gesicht.
„Nee, umjekehrt! Wat Se da reden, is Quatsch!" brummt der Alte.
Klaus hat indessen sein Päckchen hervorgeholt und gibt es Marta. Ihre roten Wangen färben sich noch tiefer. „Was is denn bas? Für mich?" fragt sie erstaunt. Als er wortlos nickt, kraust sie die Stirn. „Was machen Sie denn für Geschichten, Klaus? Sie sollen doch Ihre Groschen zusammenhalten!" sagt sie unwirsch. Aber ih're Augen verraten alles anbere als Ungehaltensein. Sie entfernt die Seidenpapierhülle, öffnet einpn Schutzkarton und stößt einen kleinen Schrei der Ueberraschung und der Freude aus. „Ach, solche wunderschöne, elegante Handtasche! Ich wünsche sie mir schon lange, aber doch nicht solche feine! Ach, die kann ich ja gar nicht in Gebrauch nehmen!"
„Wieso denn nich? Sie sind doch 'n hübsches Mädel! Warum soll'n Sie nich ooch wat Elejantes haben?" protestiert Pahl. „Und der Klaus — der hat 'n juten Jeschmack! Dabran merkt man, bet er mal wat Besseres mar."
kvieges.
Hongkong entwickelte sich aus bem rauhen, unbewohnten Felseneiland zu einer Handelskölonie zunächst allein durch das Opiumgeschäft. Zum Opiumhandel gesellte sich 1849 der Menschenhandel, weil Hongkong der Mittelpunkt der Kuli- ausfuhr nach den Goldfeldern Kaliforniens und Australiens wurde. Hatte sich der Hongkonghanbel schon im Jahrzehnt 1860 bis 1870 gegenüber der früheren Zeit verdoppelt, so vervielfachte er sich in- folge der Eröffnung des Suezkanals im nächsten Jahrzehnt bis 1880; 1924 stand Hongkong an zweiter Stelle der Welthäfen. Diese Entwicklung ist ^urückzuführen auf die Eigenschaft Hongkongs als den Hauptumschlagshafen zwischen Süd- und Nordchina und als Hauptverteilung s p I a n für Reis in der ganzen Welt. Außerdem wurde Hongkong für den Fernen Osten auch der Verteilungsmittelpunkt für Zucker und spielte endlich noch eine führende Rolle im Garn-, Zinn- und Kohlengroßverkehr.
Die englische Plutokratie gewann nicht zuletzt aus Hongkong einen wesentlichen Teil ihres phantastischen Reichtums. Großspurig, bequem, üppig breitete sich die Stadt Victoria mit annähernd einer halben Million Einwohnern, terrassenförmig auf Hongkong aus, anscheinend ein Paradies mit Blü-
Die strategische Sicherheit, die es so gewonnen zu haben glaubte, erweist sich heute als brüchig, weil Hongkong nicht zuletzt infolge der Eifersucht Amerikas nicht zu einem Flottenstützpunkt großen Stils ausgebaut werden konnte, und Singapur, das diesen Nachteil für Hongkong ausgleichen soll, an- gesichts der phantastischen wirtschaftlichen und militärischen Entwicklung Japans in den letzten vierzig Jahren wegen der großen Entfernung von Hongkong als unzureichend angesehen werden muß.
Das. Abbröckeln der englischen Macht, das durch den Abzug aus Schanghai und die Räumungsmaßnahmen in Hongkong auch äußerlich sichtbar wird, ist ein deutliches Kennzeichen der britischen Schwäche und des Niederganges und öffnet den Ostasiaten die Augen über Englands „Weltmacht".
„Nich bloß daran", murmelt Marta, die nicht aufhören kann, ihr Geschenk bewundemd zu betrachten. Endlich hüllt sie es wieder sorgsam ein, reicht Klaus die Hand und sagt ihm Dank. Sie sind beide ehr verlegen.
„Klaus, seh doch mal und jib dem Schecken noch wat", sagt Pahl nach einer Weile.
„Ach, für den habe ich ja auch was mitgebracht! Ein paar Mohrrüben. Die stecken noch in meiner Manteltasche", ruft Marta. Sie holt die Rüben hervor und folgt Klaus nach dem Stall. Pahl blickt ihr schmunzelnd nach, und in der Erwägung, daß er jetzt Ruhe zum Rundfunkhören haben werde, schaltet er den neben ihm stehenden Apparat ein.
Der Schecke zupft schon an dem Heu, das Klaus ihm in die Futterraufe gesteckt hat. Als das Pferd Martas Stimme hört, wendet es den Kopf. Das Mädchen tritt zu ihm, streichelt und tätschelt es, und der Schecke schmaust aus ihrer Hand die Rüben. Oefters hat Klaus zugesehen, wenn sie zu dem Tier zärtlich ist und schmeichelnd zu ihm redet. Da wird ihm jedesmal ganz merkwürdig, und heimlich liebkost er dann auch den Schecken.
„Wissen Sie das auch schon von mir, Klaus?" fragt Marta, ohne ihn anzusehen. „Bei Pahls is doch wahrscheinlich darüber zu Ihnen gesprochen worden, und meine Stiefmutter erzählt es ja jedem, der ihr in den Weg kommt. Dabei ist das nu schon zwölf Jahre her und geht doch überhaupt keinen was an."
Klaus steht an der anderen Seite des Pferdes. Die Arme auf dessen warmen Rücken lehnend, sieht er zu ihr hinüber und sagt: „Ich weiß nicht, was Sie meinen, Fräulein Marta. Hier bei Pahls höre ich nur Gutes von Ihnen reden, und mit anderen Leuten spreche ich ja wenig. Dennoch vernahm ich gelegentlich Andeutungen, die — ich nicht verstand, und über die ich auch nicht, nachdachte, weil —" Er senkt die Stirn und sucht vergebens nach dem rechten Wort.
Sie streift fein Gesicht mit einem fragenden Blick; ihre Miene wird traurig. „Sie wollen davon gar nichts hören?" Sie seufzt und blickt vor sich nieder. „Ich möchte es Ihnen aber doch erzählen, Klaus, denn Sie sollen mich nicht mit den Augen anderer Leute sehen."
(Fortsetzung folgt.)
Schmachten, Sehnsucht ..." singt, singt er selbstver- tändlich adagio („adadscho" — nicht, wie so oft zu hören, „adadschio").
Weiter im italienischen Text! sc vor e lautet sche, vor i schi, in allen anderen Fällen wie das deutsche sk. Also: scena („schena"), fascismo („faschißmo"), scirocco („schirokko"). Dagegen: Scala („ßkala", die weltberühmte Mailänder Oper), sconto („ßkonto"), scultura („ßkultura", Skulptur). Soll sc jedoch auch vor a, o und u wie sch lauten, so wird wieder ein i eingeschoben, wie in scialuppa („schaluppa", Schaluppe).
gl vor i wird wie Ij ausgesprochen: der bedeutende Tenor der Mailänder Scala heißt Gigli („dschilji"). Folgt auf i ein Vokal, so bleibt es stumm: die Scharfschützen sind die bersaglieri („berßaljeri"), der Große Faschistische Rat ist der Gran Consiglio („kon- ßiljo") del Fascismo, und der italienische Generaltabschef, Marschall Badoglio, spricht sich „badoljo".
gn vor einem Vokal wird wie nj ausgesprochen: Bologna (,cholonja"), Mascagni („maßkanji"), Generalstabschef der Marine Admiral Cavagnari („ka- roanjari").
s ist nur dann weich, wenn es zwischen zwei Vokalen steht: difesa antiaerea („difesa antia-erea", Luftschutz), sonst immer scharf: „Corriere della Sera“ („ßera", der vielzitierte Mailänder'„Abendkurier"), soldato („ßoldato"), San Remo („ßan").
v lautet wie das deutsche w: Leonardo da Vinci („wintschi"), Viktore Emanuele („wittore").
Das waren alle wesentlichen Unterschiede der italienischen Aussprache vor der deutschen, und, versehen mit diesen Kenntnissen, werden wir in Zukunft über fein noch so schwierig aussehendes neues Wort stolpern, da swir im italienischen Wehrmachtsbericht lesen!
KlausfängteinneuesLebenan
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
Marta hat das Gespräch abgebrochen und ist an ihre Arbeit geeilt. —
Merkwürdige Fragen werden an Klaus gerichtet. So ist er sich deutlich bewußt, ein dummes Gesicht zu machen, als ihn Frau Pahl kurz vor dem Fest fragt, ob er denn schon die Geschenke besorgt habe. Sie lacht über seine verwunderte, verlegene Miene. Als sie darauf in die Küche geht, kommt er ihr nach und jagt, daß er sehr gern Fräulein Marta mit einem Weihnachtsgeschenk seine Dankbarkeit zeigen würde. Ob er das wohl dürfe, und ob sie es nicht zurückweisen werde? .
Die alte Frau schüttelt den Kopf. „Ach, wo wird se denn, det wäre ja komisch." „
„Aber ich weiß gar nicht, was es fein konnte, sagt Klaus.
Sie beratschlagen. Frau Pahl meint, für unpraktische Dinge sei die Marta nicht. Sie einigen sich dann dahin, daß sie erst mal ein bißchen horchen soll. Dann macht die grauhaarige Frau ein nachdenkliches Gesicht, legt die Hände ineinander, guckt Klaus von der Seite her an, lächelt und seufzt. „Ja, Kinder, ihr beede! Wat soll nu daraus werden?"
Er erschrickt über diese Worte, die etwas ausdeuten, das in ihm selbst noch keine bestimmte Form angenommen hat. Er will ja nichts als dankbar sein dürfen. In den vergangenen Jahren, als er ein Gefangener war, ist fein Herz erstarrt. Wie lang diese Zeit der Qual und Not war, und wie sehr verändernd sie auf sein Empfindungsleben gewirkt hat, merkt er daran, daß er fremd in dem Bereich menschlicher Beziehungen geworden ist. Er findet sich nur schwer darin zurecht.
Die Geschenkangelegenheit wird aber doch von ihm erledigt. Frau Pahl hält ihn für unerfahren auf dem Gebiet und hat keine Ahnung, daß er einmal viel Hebung darin besaß, für eine Frau Geschenke aus- zuwählen. Jetzt tut er das wieder. Auch für Pahl


