Ausgabe 
7.8.1940
 
Einzelbild herunterladen

Japan wartet auf die britische Antwort

Der

Führer hat den Bevollmächtigten des Aus-

Konstituierende Sitzung des slowakischen Staatsrates.

Pretzb urg, 6.2lug. (DNB.) Die konstiiuie- renöe Sitzung des slowakischen Staatsrates wurde mit einer Ansprache des Staatspräsidenten Dr. Ti so eröffnet. Der Staatspräsident umriß die Aufgaben des Staatsrates als oberstes politisches Kontroll- und Gerichtsorgan und bezeichnete ihn als die Ehrenwache der Nation. Nach der Eides­leistung des Staatsrates wurde zum Vorsitzenden der Tyrnauer Notar Dr. Ravasz gewählt. Zu Stellvertretern wurden der katholische Bischof Dr. B o j t a s s a k und der Inspektor der Evangelischen Kirche in der Slowakei Dr. Klimo bestellt. Dem Staatsrat gehören ü.a. Ministerpräsident Dr. Tuka, Innenminister Sans Mach, Verteidigungsminister

wärtigen Amtes beim Militärbefehlshaber in Frank­reich, Parteigenossen A b e tz, zum Botschafter er­nannt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Was sagt der Franzose?

Gespräche mit Parisern. - Sie haben nichts begriffen.

Von Kriegsberichter Dr. Joachim Fischer.

Ein Japaner fmgelaffen.

Stockholm, 6. August. (Europapreß.) Das englische Innenministerium muß zugeben, daß die Verhaftung japanischer Staatsangehöriger au Grund höchst zweifelhaften Beweismaterials durck- geführt worden ist. Einer der am Freitag verhaf­teten drei Japaner, der Direktor Satory Maki­hara, mußte wieder freigelassen werden. Das Innenministerium erklärt, die Polizei sei zu dem Schluß gekommen, daß nicht genügend Beweismaterial vorliege, um eine weitere Jnhafthaltung des Japaners rechtfertigen zu kön­nen. Der japanische Botschafter in London, Shi- g e m i t s u, hat am Montag erneut Außenminister Lord Halifax aus die Unmöglichkeit der augen­blicklichen Situation hingewiesen und die sofortige Freilassung der japanischen Staatsangehörigen ge­fordert, da die japanische Regierung in diesen Ver­haftungen keine Sicherheitsmaßnahme Englands, sondern eine ausgesprochene englische Repressa­lie gegenüber Japan erblicke.

Die neue politische Ordnung Japans.

Tokio, 6. Aug. (DNB.) Der japanische Justiz­minister Kazami kennzeichnete die Grundlage der neuen politischen Ordnung Japans nach derAuf- lösung der Parteien mit der Feststellung, daß sich nunmehr alle japanischen Staatsbürger z u einer Einheit unter dem Kaiser zusam­menschließen. Der Jnteressenkampf der Parteien sei beseitigt und ein g e e i'n t e r Reichstag stelle sich als Vertretung des geeinten Volkes hinter die Regierung. Nur ein im Innern neu organisiertes Japan könne die große Neuordnung Ostasiens er­folgreich durchführen. Selbstverständlich würden die Wahlgesetze der neuen Staatsordnung angepaßt werden.

Familie Krupp getreu blieb, als Ueberschüsse, so­weit sie nicht für soziale Zwecke verwendet wurden, dem Werke zur inneren Stärkung überlassen blie­ben. So hat sich Herr Krupp von Bohlen und Hal­bach als der Betriebsführer bewährt, wie er im neuen Reich als Muster gedacht ist. Die Anerkennung blieb auch nicht aus. Als die Kruppwerke am 1. Mai 1940 durch die Verleihung der AuszeichnungNationalsozialistischer M u st e r b e t r i e b" geehrt wurden, da war es zu­gleich auch eine Ehrung des vom nationalsozialisti­schen Geist erfüllten obersten Betriebsführers. Mehr­fach ist der Jubilar auch schon mit dem Führer zu­sammengewesen. Im Januar 1940 ist sein Sohn, Claus Krupp von Bohlen und Halbach, den Heldentod für Großdeutschland gestor­ben.

alle Sorgen und Nöte gesteuert. Dafür war ihm keine Mühe und kein Opfer zu viel. Als in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands franzö­sische Soldateska am Karsamstag 1923 vor der Kruppschen Fabrik in Essen 13 friedliche Arbei­ter meuchlings ermordet hatte, eilte her Betriebs­führer trotz aller Warnungen sofort aus dem unbe­setzten Gebiet herbei, um seine gefährdeten Arbetter nicht im Stich zu lassen. Er ließ sich verhaften und trug mit selbstverständlicher Standhaftigkeit 7 Monate hindurch die schmachvolle Behandlung der Franzosen im Gefängnis Düsseldorf-Derendorf, in dem auch Albert Leo Schlageter schmachtete.

Tiefe Verbundenheit mit seinen Arbeitern und so­ziales Verständnis ist eine der hervorragendsten Ei- genschaften^des Jubilars. Es war ihm ein inneres Bedürfnis/daß er auch insofern der Tradition der

Dr.Krupv von Sohlen und Salbach.

Zum 70. Geburtstage des Chefs der Kruppwerke.

Berlin, 6. August. (DNB.) Der Name Krupp ist feit Jahrzehnten ein Begriff. Daß die Tradition dieses Riesenunternehmens als Waffenschmiede des alten Reiches bis in die jüngste Zeit hinein auf­rechterhalten worden ist, wird das unvergängliche Verdienst des Dr. jur. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach bleiben, der am Mitt­woch sein 70. Lebensjahr vollendet. Als er, der da­malige Legationsrat, im Jahre 1906 Bertha Krupp , die älteste Tochter Friedrich Alfred Krupps und Erbin des Werkbesitzes, heiratete, hat­ten bereits drei Krupp-Generationen in fast einhun­dertjähriger unermüdlicher Arbeit ein Unternehmen von weltumspannender Bedeutung aufgebaut. Er setzte das Werk ganz im Geiste seiner Schöpfer fort und verband als äußeres Zeichen innerer Verbun­denheit den Namen des Werkes mit seinem eigenen Namen.

Fast 35 Jahre hindurch hat der Jubilar als Chefdie Kruppwerke geleitet und ihnen die überragende Stellung im deutschen Wirtschafts­leben erhalten. Diese 3*/2 Jahrzehnte erfolgreichsten und tatkräfttgsten Wirkens umschließen eine Zeit der höchsten Blüte, doch auch des wirtschaftlichen Niederganges nach dem Weltkriege und endlich des machtvollen Aufstieges des Dritten Reiches, in dem die Kruppwerke einen besonderen Platz einnehmen. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach hat dafür ge­sorgt, daß Kruppsche Arbeit Qualitäts­arbeit blieb und daß die Kruppschen Waffen der Schrecken der Feinde von 1914 waren und von 1940 sind.

In fettem ausgeprägtem Verantworttmgs- und Pflichtbewußtsein hat dieser hervorragende deutsche Wirtschaftsführer das ihm anvertraute Werk durch

aber nicht, weil sie den Krieg angefangen, son­dern weil sie die Deutschen nicht richtig erkannt hat. Monsieur Thibaut sagte mir:Wenn wir den Krieg zwei Jahre später begonnen hätten, dann hätten wir gewonnen." Er war etwas verstimmt, als ich ihm sagte, sie könnten es ja in zwei Jahren noch einmal versuchen. Auf die Frage, wen er denn nun als Schuldigen empfände, meinte er unter lebhafter Zu­stimmung seiner Freunde, mit denen er diskutierend bereits zwei Stunden zusammensaß: die Juden, die es verstanden hätten, Leute wie Reynaud und Daladier in ihren Dienst zu bekommen.

Et les Anglais? So frug ich, und Monsieur Thi­baud meinte, es seien doch recht nette Leute. Sie hätten jetzt wohl die Franzosen verraten, das sei abssr immer so gewesen und solange die Herren in der Regierung eben das so machten, müsse das so bleiben. Herr Thibaud gehörte mit seinen Freunden zu den Radikaksozialiften, allein für Herriot, Blum und die Flüchtlinge derMasMa" fanden sie hef­tige Worte. Zufrieden waren sie mit den Anordnun­gen der Regierung, wonach die Getürmten des Mai entnationalisiert und enteignet u/ürden.So sind wir die Juden los"

Dieses Paris der Vorstädte zeigt deutlich, was Frankreich bevorsteht, wenn einmal die ernsten Auf­gaben des Wiederaufbaues beginnen: ein Ausein­anderfallen in Dutzende von Meinungen. Die schwankenden politischen Stimmungen, jenes Auf und Ab der Meinungen, dieses Pendeln zwischen demJa" und dem querulierendenNein", dieses eigenwillige Beharren auf alten Meinungen, dieses völlige Verkennen der europäischen Situation, das Nichtbegreifenwollen der nationalsozialistischen Dy­namik, das kennzeichnet den gegenwärtigen Zu­stand in Frankreich.

Maffenverhastung von Plünderern in der Gegend von Lyon.

Genf, 5. Aug. (Europapreß.) Wie die Schwei­zer Zeitungen melden, haben in der Gegend von Lyon vor dem Einzug der deutschen Besatzüngsttup- pen riesige Plünderungen durch französische Zivilpersonen stattgefunden. U. a. sollen große E i s e n b a h n d e p o t s vollständig geleert worden sein. Bisher sollen 250 Verhaftungen erfolgt sein, mit der Verhaftung von einigen weiteren hundert Personen muß gerechnet werden. Die Plünderungen hatten sich auch auf Privathäuser erstreckt., In Bron bei Lyon wurde, wie die GenferSuisse" meldet, nach einem deutschen Luftangriff ein Haus voll­ständig ausgeplündert. Vierzig Plünderer sollen ver­haftet worden sein.

reich üblich ist, dann muffen sie Brot, Kartoffeln, Fleisch und Gemüse kaufen. Das heißt, wenn es vorhanden ist. Da es in Frankreich keinen Minister gibt, der sich von Vichy aus Gedanken darüber macht, was die Bürger von Vincennes oder St. De-üs im Suppentopf haben, die deutschen Wehr­machtsbehörden schließlich Wichtigeres zu tun haben, als sich um die Mittagsmahlzeit des Monsieur Rion zu kümmern, sieht es nun um bestimmte Dinge des Magens wenig erfreulich aus.

Stockholm, 6. Aug. (Europapreß.) Der ja­panische Außenminister M a t s u o k a teilte mit, daß die Regierung ihre Haltung gegenüber den Ver­haftungen japanischer Staatsangehöriger durch die englische Regierung festgelegt habe. Sie habe durch die üblichen diplomatischen Kanäle der englischen Regierung ihre Haltung mitteilen lassen und erwarte nun eine Antwort. Je nachdem, wie die Antwort ausjallen werde, werde Japan sich gezwungen sehen, Schritte zum Schutze japanischer Staatsangehöri- a e r in englischen Gebieten zu ergreifen. Matsuoka setzt die Verhandlungen mit dem britischen Botschaf­ter Sir Robert Craigie fort. Eine amtliche Mit­teilung betont, Japan mache die britische Regierung verantwortlich für die Ereignisse, falls diese eine unerwartete Wendung nehmen sollten.

Die japanischen Zeitungen billigen den Entschluß der Regierung, die Ergreifung endgültiger Maß­nahmen von der Antwort Englands auf die japani­schen Forderungen abhängig zu machen. Indessen sind die meisten Blätter der Ansicht, die Frage könne nicht durch Verhandlungen ge­regelt werden.Kokumin Shimbun" verlangt die Heimberufung aller in England ansässigen Japaner, damit Japan freie Hand zum Handeln erhalte. Das Vorgehen Großbritanniens fei ein Kriegsgrund. Dies fei von England selbst ein­gesehen worden. Auf jeden Fall habe man d i e Hoffnung auf gegeben, zu einer neuen Klärung der gegenseitigen Beziehungen zu gelangen. Tokio Nishi Nishi" betont, gewisse Fälle könnten nicht durch die Diplomatie, sondern nur mit G e - walt geregelt werden. England habe immer versucht, schwache Staaten einzuschüchtern. Das werde aber gegenüber Japan nicht' gelingen, und eine solche Zumutung sei einfach lächerlich. Die Zei­tungHochi Shimbun" hebt hervor, Japan lasse England noch einige Zeit zum Ueberlegen, doch müsse die Regierung von Tokio energische Maßnahmen treffen.

bene Wand für die Verteidigung und Versorgung der Insel noch besondere Bedeutung hat.

England mußte die Illusion der alleinigen und uneingeschränkten Seeherrschaft schon im Weltkriege begraben. Heute müssen die Machthaber in London erkennen, daß auch die Beherrschung des lebens­wichtigen Atlantischen Ozeans sehr fragwürdig ge­worden- ist. DasEmpire jenseits der See" kann dem Mutterland nicht mehr die dringend notwen­digen Zufuhren garantieren, England ist im feindlichen Sinneglänzend" isoliert. Die deutschen U-Boote und die Luftwaffe nagen an den lebens­wichtigen britischen Verbindungslinien. Das beweist nichts besser als die Zusammenstellung der Schiffs- v e r l u st e, die der letzte Wehrmachtsbericht Der« öffentliche. Rund 5 Millionen BRT. Handelsschiffs­raum sind seit Kriegsbeginn versenkt worden, eine Zahl, die erst das richtige Gewicht bestimmt, wenn man bedenkt, daß die Kurve der Versenkungsziffern in den letzten Wochen immer deutlicher anfteigt, seit nämlich den deutschen*, U-Booten und Bombern für ihren Handelskrieg gegen England Stützpunkte am Rande des Kontinents aus dem gewaltigen Ra­dius von Narvik bis Biarritz zur Verfügung stehen und auch der Atlantik von den Häfen der fran­zösischen Atlantikküste aus für unsere U-Boote und Kampfgeschwader keineswegs mehr unerreichbar ist, daß diese vielmehr mit größtem Erfolg England auch im Rücken zu fasten bekommen. Und selbst wenn der Ozean für England noch offen wäre, wäre die Ausrede von der deckenden Wand nicht überzeugend. Denn die Zufahrtswege vom Konti­nent nach Großbritannien waren kürzer, angesichts des verknappten Schiffsraums ein beträchtlicher Vor­zug. Wenn irgendwo, dann zeigt sich bei den weiten britischen Wegen über den Ozean, daß Ausdehnung nicht Größe ist. Es treten fast untragbare Verzöge­rungen in die Erscheinung. Mit einem Wort: die atlantische Mauer stürzt ein, wenn England nicht eine tüchtige und solide Stütze findet. Diese Stütze erhofft man von den Vereinigten Staaten, und deshalb schließt heute jede britische Rede mit einem Appell an jenes Land, das sich einst in langen Kämpfen von den britijchen Sklavenhaltern befreit hat. Aber drüben zeigt man nach den Erfahrungen des Weltkrieges keine besondere Eile, sich für eine schon verlorene Sache zu opfern. So steht England heute mit dem Rücken nicht mehr an der ozeani­schen Wand. Bald wird es erkennen, daß diese Wand" nichts anderes als eine Kulisse war, die den Sturz ins Wasser nicht aufhalten konnte.

Im Weltkrieg schon sind von 100 Ueberseedamp- fern, die die britischen Inseln verlassen hatten,. 25 nicht mehr zurückgekehrt. 5861 Schiffe der Welt- Handelsflotte mit 13,2 Millionen BRT. in der Hauptsache britischer Flagge wurden auf den Grund des Meeres geschickt und bewiesen, daß die Seeherrschaft des Jnselreiches seit den Tagen von Trafalgar doch eine sehr problematische Größe ge­worden war. Die Fahrt in gesicherten Geleitzügen war ein mangelhafter Behelf und ist heute noch problematischer geworden. Allein in der Zeit vom 9. bis 31.7.1940 wurden 344 174 BRT. durch Unterseeboote, 98 500 BRT. durch Ueberwasserstreit- kräfte, 236 650 BRT. durch die Luftwaffe versenkt. Mit anderen Worten-: Es wurde den Engländern ein wöchentlicher Durchschnittsverlust von mehr als 225 000 BRT. zugefügt. Das ist eine ungeheure Ziffer, die im Weltkriege erst nach 21/2 Jahren durch unsere U-Boote erreicht wurde und auch dann nur für 0" ' kurze Zeit gehalten werden konnte. Poli­tische denklichkeiten einer schwächlichen Reichs- führun i hatten damals dem so viel erfolgversprechen­den Handelskrieg unserer U-Boote neue Fesseln an­gelegt. Welche geradezu tödliche Wirkung der deutsche Handelskrieg zu Beginn des Jahres 1917 trotzdem auf den Feind ausübte, wissen wir aus den Be­kenntnissen des amerikanischen Admirals .S i m s , der im April 1917 in geheimer Mission nach London geschickt wurde. Der Erste Seelord, Admiral Jel- lico, erklärte ihm damals:Wenn unsere Verluste in dieser Weise andauern, können wir unmöglich den Krieg fortsetzen." Alle maßgebenden Faktoren waren sich darüber einig, daß England am 1. No­vember 1917 erledigt sein würde, und Sims, der spätere Oberbefehlshaber des nach Europa entfernt)« ten amerikanischen Kriegsgeschwaders, bekannte selbst:Hätte Deutschland,, nehmen wir an, 100 U-Boote unausgesetzt im Winter 1916 und Früh­ling 1917 in den großen Schiffahrtsstraßen operieren laffen, so wäre ihm der Sieg nicht zu entreißen gewesen." Heute befindet sich England, was den Umfang seiner Schifssverluste betrifft, wieder in der selben Lage. Aber gleichzeitig haben sich die sonsti­gen Bedingungen für die Kriegführung Englands radikal verändert, und zwar zu Ungunsten der Bri­ten. England ist nicht mehr Herr feiner Häfen, es hat keine Bundesgenossen mehr, es hat den Charak­ter einer Insel im militärischen Sinne verloren und sieht sich von allen Seiten umklammert. Zieht man alle diese Tatsachen in Betracht, so wird klar, daß die englischen Schiffsverluste nur ziffernmäßig mit denen des Weltkrieges zu vergleichen sind, sie aber an unmittelbarer Wirkungskraft weit überlegen.

. General Catlos und Justizminister Dr. Fritz an. i Als Vertreter der deustchen Volksgruppe wurde i Staatssekretär Ingenieur Karmasin in den ; Staatsrat entsandt, ein weiteres volksdeutsches Mit- glied des Staatsrates ist der vom Staatspräsidenten persönlich ernannte Schulinspektor aus der Zips, Matthias Hitfch.

Oslo lebt wieder auf.

Kopenhagen, 6. Aug. (Europapreß.) Ein Sonderberichterstatter vonBerlingske Tidende" ver­öffentlicht feine ersten Eindrücke aus der norwegi­schen Hauptstadt,die heute gänzlich im Zeichen eines lebhaften Geschäftsverkehrs und völliger Umstellung auf allen Wirtschaftsgebie­ten steht". Handel und Wandel 'blühten. Es werde gekauft und verkauft und das Geld rolle. Die Kriegs­ereignisse seien bereits Geschichte geworden, zumal Oslo, von den ersten dramatischen Wochen abge­sehen, vom Krieg wenig gespürt habe. In Norwe­gen sei allenthalben Enttäuschung und Verbitterung über den Verrat der Alliierten zu spüren. Auch die geflüchtete norwegische Regierung sei die Zielscheibe chärfster Kritik. Zum Schluß hebt der Korrespon­dent das korrekte Auftreten und die mustergültige Disziplin der deutschen Soldaten hervor, die auch von jedem Norweger bestätigt würden.

Das WehrpfUchtgeseh der Vereinigten Staaten.

Neuyork, 6. Aug. (Europapreß.) Die Heeres- kommission des Senats hat rrjit 12:3 Stimmen das Gesetz über dieobligatorische Wehrpflicht in be­schränkter Form" angenommen, das die Eintra­gungspflicht der Männer zwischen 21 und 31 Jahren in die Rekrutierungslisten vorsieht. Da­durch werden etwa 4VA Millionen Männer von der obligatorischen Wehrpflicht erfaßt. Die nordamerikanische Heeresleitung beabsichtigt, v i e r- hunderttausend Mann im Herbst und eine große Anzahl im nächsten Frühjahr f ü r eine Ausbildungszeit von einem Jahr un­ter die Waffen zu rufen.

Nie Gliederung der Sowjetunion.

16 Bundesrepubliken umfaßt jetzt die Sowjet­union nach der Eingliederung voy Ostfinnland, Est­land, Lettland, Litauen und Bessarabien. Die neuen Gebiete sind zum Teil in Verbindung mit frühe­ren Teilgebieten der Sowjetunion sichtlich aus politischen Gründen zum Rang von Bundes­republiken erhoben worden. (DieBundes­republiken" der Sowjetunion sind verfassungs­rechtlich verhältnismäßig selbständige Derwattungs- einhetten, während dieautonomen R e- publiken" nationalgegliederte Untereinheiten der Bundesrepubliken sind.) Aber auch unter den Bun- desrepubliken gibt es große Unterschiede nach Größe, Bevölkerungszahl und politischer Bedeutung/ So umfaßt das eigentliche Rußland rd. 110 Mil­lionen Einwohner und die Ukrainische Bundes- republik 31 Millionen, während die Einwohnerzahl der übrigen Bundesrepubliken zwischen 6,5 und 0,8 Millionen schwankt.

Das Gesundheitswesen der Sowietunion.

Moskau, 4. Aug. (Europapreß.) 3m Gesund- hettskommissariat der Sowjetunion wurde der Ar­beitsplan für das Jahr 1941 ausgearbei­tet. Das Hauptziel dieser Arbeit wird auch dies­mal dem Kampf gegen die ansteckenden Krankheiten, für die Erweiterung und Festi­gung des Gesundheitswesens im Dorf und für eine gründliche Besserung in der medizinischen Betreu­ung der Kinder gelten. Bis jetzt war die ärzt­liche Betreuung der 60 Millionen Kinder der UdSSR, nur oberflächlich organisiert Im kommenden Jahr soll jedes Kind im ersten Mo­nat des Lebens von einem Arzt und mindestens zweimal von einer Rotkreuzschwester ausgesucht wer- den, ohne daß die Eltern dies besönders beantragen. Das Kinderkrippen-Wesen im Dor f'soll ausgebaut werden, da der dritte Fünfjahresplan auf diesem Gebiet bei weitem nicht erfüllt worden ist. Das Gesundheitskommissariat stellt sich zur Aufgabe, nicht nur in jedem Dorf eine Kinderkrippe einzu- richten, sondern auch in jedem größeren Wohnhaus. Die Zahl der Krankenbetten in den Städten soll er- höht werden. Besonders viel Arbeit steht der Ge- undheitsbchörde in der Westukraine, West-Weiß- rußland und Bessarabien bevor.

Kunst und Wissenschaft.

Trauerfeler für Hugo Lederer.

Für den großen Bildhauer Hugo Lederer fand im St.-Franziskus-Krankenhaus eine Trauerjeier tatt. Reichsminister Dr. Goebbels, die Aka­demie der Künste in Berlin, die Akademie der Künste m München und die Akademie der Künste in Wien hatten dem Entschlafenen prachtvolle Kränze über­mitteln lassen. Für die Preußische Akademie der Künste, deren Senatsmitglied Lederer war, sprach Professor Amersdörffer. Er schilderte das Schaffen des Verstorbenen, dessen bedeutungsvoll- tes Werk das 1906 in Hamburg errichtete monu­mentale Bismarck-Denkmal ist. Damals wurde Le­derer von der Breslauer Universität zum Ehren- doktor ernannt. Seit 1915 hat er an der Berliner Akademie gewirkt, wo ihn vier Jahre darauf die Leitung eines Meisterateliers für Bildhauerkunst übertragen wurde. Lederer war auch Ritter des Pour-le-m6rite für Kunst und Wissenschaft.

Die Franzosen sind ein Volk ohne Disziplin. Sie können sich wohl zu Emotionen hinreißen aber zu einer wirklichen Konsequenz sind sie heute nicht mehr fähig. Vielleicht war Verdun 1916 und 1917 der letzte große Kampf, zu dem Frankreich in der Lage war. Die Zeit ist vorbei, ebenso wie die Zeit vorüber ist, in der wie in der Zeit König, Hein­richs des Vierten, ein Huhn im Topfe eines jeden wackeren Franzosen sein sollte.

Man steht also Schlange. Nicht ganz so geordnet, wie es eigentlich sein sollte. Dabei schimpft man natürlich auf die Deutschen, die an diesemgrand malheur" allein schuld sind. Aber man würde dies niemals einem Deutschen sagen. Dann sind es die Herren Reynaud und Daladier. Aber es kann doch nicht so arg sein mit der Wut auf diese, denn wenn es auch diese Herren nicht direkt sind, so sind es doch die gleichen Gesichter, mit denen man sich in Vichy ZU beschäftigen hat. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie schnell die Franzosen, insbesondere wenn sie so eng wie in den Pariser Vorstädten Zusammenleben, ver­gessen, was sie vor kurzer Zett durchlebten.

Man ist schnell bei der Hand mit Demonstrationen wenn man sie im großen der Deutschen wegen nicht wagt, dann wird man es eben im kleinen tun. In der Bar, an der Theke stehend und an drei Tagen in der Woche den Cinzano schlürfend, wird dann das politische Leben Europasneugestaltet". Und da der Zufall es will, daß in der Nähe ein Grab eines abgestürzten englischen Fliegers ist, pil­gert-man eben dort hinaus und legt Blumen auf ben Hügel des toten Soldaten. So etwas wirkt demonstrativ und macht sich gut man ist genau so schnell bei der Hand, sich in eine Liste einzu- tragen, in der man sich verpflichtet, gegen England flu kämpfen, in der festen Ueberzeugung, daß die Deutschen doch nicht so töricht sein werden, um mit solchen unsicheren Kantonisten, wie es die Fran­zosen sind, Krieg zu führen.

Es ist aufschlußreich zu sehen, wie die Franzosen aus den Vorstädten von Paris in einer Mischung von primitiver Anerkennung der deutschen soldati- schen. Leistungen und alter gallischer Tradition über­heblicher Einschätzung des eigenen Wertes, Unter­suchungen über die Ursache des französischen Zu­sammenbruches anstellen. Niemals werden sie zu- geben, daß Deutschland besser ist sie können nicht fapen: es war die wirkliche technische Ueberlegenhett mit der besseren taktischen Führung und dem besse­ren politischen und soldatischen Geist. Das verstehen sie nicht, weil eine solche innere Geschlossenheit dem französischen Denken fremd ist. Und was dem nor­malen Pariser nicht klar ist, das kann dem Spießer in Tours und dem Bauern westlich von Carcassone nicht anders Vorkommen.

Schuld ist vor allem einmal die Regierung

Wenn die Pariser das Geld hätten, sich Lan­gusten, Kaviar, Austern und Artischoken zu kaufen, * b'i.nn könnten sie recht lange davon" leben. So haben jic dieses Geld nicht, wie dies bei der so ungerecht­fertigten Verteilung dieses löblichen Zahlungsmittels tm wenn auch nur scheinbar gesegneten Frank­reich üblich ist, dann müsse« sie Brot, Kartoffeln,