Ausgabe 
7.8.1940
 
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Aus -em Reich

Im gleichen Augenblick wurde die Gittertür auf- schlossen, der Verteidiger von Roos, Maitre

Gesunde Zähne sind kein Zufall.

Es lohnt sich, die Zähor^ichtig

-u pflegen;

4 Wochen. Nunmehr betragt der zinslose nur noch gleichmäßig 14 Tage. D

Aus aller Welt

sprachen hielten.

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Die' letzten norwegischen Flüchtlinge haben jetzt Schweden verlassen. Das norwegische Flüchtlings- Heim in Stockholm, das über tausend Norweger versorgte, hat dieser Tage seine Pforten geschlossen.

»eitraum )ie Ver-

Kleine politische Nachrichten.

Auf seiner Jnspektionsfahrt durch Ostoberschlesien besuchte Reichsorganisationsleiter Dr. Ley auch die Ortschaft I a b l o n k a u an der deutsch-slowakischen Grenze. Dabei kam es zu deutsch-slowakischen Freund­schaftskundgebungen, wobei sowohl der Oberbefehls­haber der Hlinka-Garde und slowakische Innenmini­ster S a n o M a ch als auch Reichsleiter Dr. Ley An-

Die Kopenhagener Presse teilt mit, daß eine Ab­ordnung dänischer Unterhändler nach Berlin reisen wird, um mit deutschen Regierungsstellen Verhand­lungen wirtschaftlicher Natur aufzunehmen.

Seldte Ausführungen über die Wohnungspolitik der Reichsregierung. Den Schlußoortrag hielt der Präsident des Reichsverbandes des deutschen ge­meinnützigen Wohnungswesens Dr. Brecht, über Leistungssteigerung in der gemeinnützigen Woh­nungswirtschaft.

Der Polarforscher Frederick Cook gestorben.

Dr. Frederick Cook ist in Lachmont im Staate Neuyork im Alter von 75 Jahren gestorben. Cook, der mehrere Forschungsreisen in die Polarzone un­ternommen hatte, erregte 1908 mit der Mitteilung großes Aufsehen, als erster den Nordpol er­reicht zu haben. Fünf Tage danach meldete sich der nordamerikanische Marineoffizier und Forscher Robert Edwin P e a r y , der gleichfalls behauptete, am Nordpol gewesen zu sein. Cook erhob nach wie vor Anspruch, der erste Entdecker des Nordpols zu sein. Ein Schiedsgericht, das sich mit der Streitfrage befaßte, bezeichnete jedoch die von Cook vorgebrach- ten Beweise als unbefriedigend.

Arbeitslagung der Gaudozentenführer.

Der Reichsdozentenführer, ^-Brigadeführer Pro­fessor Dr. Walter Schultze, rief die Dozenten- führer der großdeutschen Gaue zu einer Arbeits­tagung nach München zusammen. In eingehenden Aussprachen wurde eine Klarstellung aller Erfor­dernisse zur Sammlung der Kräfte an den deutschen Hochschulen in dem entscheidenden Ringen um die geistige Machtstellung Deutschlands erzielt. Der Reichsdozentenführer beschloß die Arbeitstagung mit der Aufforderung, in allen Gauen des Reiches den schöpferischen Kräften. der deutschen Dozenten die Bahn frei zu machen und mit dem Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit auch ihrerseits sei es in Kriegs- oder Friedensarbeit ihren Teil beizutra­gen an der Aufbauarbeit Adolf Hitlers.

9. Oekumenifche hochfchullagung der Luther-Akademie.

Sondershausen, 5.Aug. (DNB.) Am Sonn­tag fand in Anwesenheit von Teilnehmern aus 18 Ländern und unter Beteiligung namhafter Gelehr­ter und einer Reihe Vertreter der deutschen evange-

Am Montag um 17 Uhr wurde Gibraltar von neuem bombardiert. Die Bomben fie­len auf Munitionslager und richteten erheblichen Schaden an.

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Das rumänische Gesundheitsministerium ver­öffentlicht eine Liste von 175 jüdischen Aerzten, die ab 1. Juli 1940 aus den Diensten des Ministeriums entlassen worden sind.

In Paraguay hat die Volksabstimmung über die neue Verfassung, die bereits seit einigen Wochen in Kraft ist und dem Staatspräsidenten weitgehende Vollmachten einräumt, eine Mehrheit von über 85 v. H. aller Wahlberechtigten ergeben.

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Die mexikanische Abgeordnetenkammer nahm ein Gesetz über die Einführung der allgemei­nen D i e~n st p f l i ch t an. Ferner wurde die Ein­führung der militärischen Ausbildung in Staats­schulen beschlossen.

Italienischer Wehrmachtsbericht.

Rom, 6.Aug. (DRV.) Der italienische Wehr- machlsberichk vom Dienstag hat folgenden Wort­laut:

3m Verlauf einer bewaffneten Aufklärung im Luftraum von Malta haben unsere Jagdflieger feindliche Jagdflugzeuge gestellt und ein feindliches Flugzeug abgeschossen. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

3n RordAf rika wurde der Feind bei einem Zusammenstoß zwischen Vorhutelnheiten jenseits der Lyrenaika-Grenze in die Flucht geschlagen, wo­bei uns zwei Kampfwagen in die Hand fielen und zwei weitere Kampfwagen zerstört wurden.

3n O st - A s r i k a ist eines unserer Aufklärungs­flugzeuge nicht zurückgekehrt.

Reichskommissar Seyß-Jnquart hatte für Holland denWiederaufbaufonds 1940" errichtet und dabei erklärt, daß 10 Millionen Gulden dieses Fonds für soziale Zwecke verwandt werden sollen. Rund sechs Millionen Gulden sollen sofort ausgeworfen werden, um denjenigen Holländern neue Wohnungen zu errichten, die ihre alten infolge der Kriegswirren verloren haben.

Auf der in München durchgeführten Arbeitsta­gung des Reichsausschusses für das gemeinnützige Wohnungswesen machte, Reichsarbeitsminister

In der Dienstagsitzung des Obersten Sowjets der UdSSR, im Kreml wurde die Estnische Räte­republik der Sowjetunion alsgleichberechtigte Bundesrepublik" angegliedert.

Man erfährt aus Gibraltar, daß das englische SchlachtschiffResolution" wegen der jüngst erlittenen schweren Schäden den Hafen zusammen mit dem Gros des britischen Geschwaders nicht verlassen konnte.

der Rechte und Pflichten brauchen^ keine Beiträge entrichtet zu werden; es besteht aber auch kein An­spruch auf Leistungen, also auch nicht auf Sterbe­geld. Der Anspruch auf Sterbegeld kann jedoch auf schriftlichen Antrag bei der privaten Krankenver­sicherungsunternehmung gegen Zahlung eines be­sonderen Beitrages aufrechterhalten werden. Dieser Beitrag beträgt für jeden Monat zwei vom Tau­

send der Sterbegeldsumme. Die Höhe des Sterbe­geldes richtet sich nach der bis zum Beginn des Ruhens zurückgelegten Versicherungsdauer.

Für die Versicherten, deren Rechte und Pflichten wegen der Einberufung oder während der Aus­übung einer krankenversicherungspflichtigen Tätig­keit ruhen, ist es notwendig, sich sofort nach der Entlassung aus der Wehrmacht oder nach ötm Aufhören der kriegswichtigen Tätigkeit mit ihrer privaten Krankenversicherungsunternehmung in Verbindung zu sehen, damit die Versicherung w i e - der in Kraft gesetzt werden kann.

Verbesserung bei den Sparkassenzinsen.

Nach dem b i s h e r i g en Recht begann die Ver­zinsung von Spareinlagen bei Einzahlungen bis zum 15. eines Monats mit dem Ersten des nächsten Monats, bei Einzahlung in der zwei­ten Hälfte eines Monats mit dem 15. des nächsten Monats. Je nach dem Tage der Einzahlung ergab sich also ein zinsloser Zeitraum von 14 Tagen bis

zinfung von Spareinlagen beginnt mit dem 15. Zinstage nach dem Tage der Ein­zahlung und läuft bis zum Tage der Auszah­lung. Mit dieser Regelung ist zugleich eine Erleich­terung des Sparkassengeschäfts verbunden. Die Ein­zahlungen werden sich künftig nicht mehr auf die Tage um den 1. und 15. eines Monats konzen­trieren, da der Einzahlungstag jetzt ohne Bedeu­tung ist. Die Verzinsung beginnt immer mit dem 15. Tage nach der Einzahlung.

den ihm die Ketten abgenommen, die er seit dem 24. Oktober Tag und Nacht trug. Er erhob sich von seinem Bett und stand aufrecht in der Zelle. Der Wärter flüsterte ihm zu, daß er seine eigenen Klei­der anlegen müßte, und Roos folgte ihm mit festen Schritten, ohne die französischen Offiziere anzu­schauen.

Nach einigen Minuten kam er in unsere Zelle zurück, um sich ein Taschentuch zu holen. Er war bereits umgezogen und trug einen grünen Loden­mantel über seinem Anzug. Wir standen auf unse­ren Strohsäcken und sahen ihn an. Niemand von uns saate ein Wort. Roos holte sich sein Taschentuch unter dem Kopfkissen hervor, kam um sein Bett herum und gab mir die Hand. Er war völlig ruhig und sihaute mich gerade an. Seine letzten Worte zu mir waren:Auf Wiedersehen, lieber Freund. Wenn Sie. mehr Glück haben als ich und in die Heimat zurückkommen, grüßen Sie meine Freunde und unser deutsches Vaterland." Dann nahm er Abschied von den anderen und hob seine Hand.

Die frauzösischen Offiziere hatten bereits die Zelle verlassen. Während der Anstaltsgeistliche in der Ka­pelle des Gefängnisses dicht neben unserer Zelle den letzten Gottesdienst für Roos abhielt, wurden seine Sachen zusammengepackt. Der Chef des Gefäng­nisses nahm sein Feuerzeug an sich, und der junge elsässische Soldat, der an diesem Morgen zu lebens­länglicher Zwangsarbeit begnadigt worden war, legte seine Bücher und seine Wäsche auf eine Decke, schlug sie zusammen und trug sie weinend hinaus. Der Gottesdienst war zu Ende. Wir hörten die französischen Offiziere sporenklirrend die Treppe hinuntereilen, die zur Kapelle führte. Ein lang­samer, schwerer Schritt folgte. Roos ging zum letzten­mal an unserer Zelle vorbei.

Gegen 9 Uhr kam der Gefängnisgeistliche zu uns zurück und berichtete uns tief erschüttert über das heroische Sterben unseres Kameraden. Auf der Fahrt von Ranzig nach Charnpigneulles hatte sich Roos mit ihm über religiöse Fragen unterhalten. Das Gespräch war noch nicht zu Ende, als der Last­wagen, der Roos zusammen mit dem Geistlichen und dem Peloton französischer Soldaten zu den Schießständen brachte, in Champigneulles ankam. Während der Richtpfahl in die Erde geschlagen wurde, nahm Roos mit den Worten Abschied von dem Geistlichen:J&ais fidele ä ma foi, ä ma petite patrie et ä mes amis. Zwei Soldaten führten ihn an den Pfahl, zwangen ihn niederzuknien und banden ihn mit auf dem Rücken gefesselten Händen daran fest. Neun Meter vor ihm hat das Peloton Aufstellung genommen. Die Gewehrmündungen sind auf fein Herz gerichtet und während er laut auf deutsch betet, ertönt das Kommando. Roos war sofort tot. Sein Kopf ruhte auf seiner zerschossenen Brust. Ein Unteroffizier trat an ihn heran und gab ihm trotzdem noch den vorschriftsmäßigen Gna­denschuß in den Nacken. Dann wurde seine Leiche losgebunden und in einen Sarg gelegt Der Ge­fängnisgeistliche beerdigte ihn ganz allein auf dem Friedhof von Champigneulles. Am 15. Juli 1940, einen Tag nach meiner Befreiung durch die deut­schen Truppen, stand ich am Grabe von Dr. Karl Roos. Er liegt in der südwestlichen Ecke des kleinen Friedhofs unmittelbar an der Mauer. Ein einfaches Holzkreuz mit der InschriftCharles Roose" stand auf dem braunen Erdhügel, den kein grüner Halm und keine Blume schmückte.

Der frühere Pariser Korrespondent der Berliner Börfenjeilung Heinrich B a - ron, der im Februar 1939 als Opfer der Propaganda gegen die sagenhafte5. Ko­lonne" verhaftet, wegen angeblicher Spionage zum Tode verurteilt und später zu lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt wurde, traf in der Todeszelle des französi­schen Gefängnisses zu Ranzig mit dem El- fässerführer Dr. Karl Roos zusammen. Er schildert in derBerliner Börsenzeitung" die letzten Stunden dieses Märtyrers für das Deutschtum seines elsässischen Volkes.

Dr. Karl Philipp Roos wurde am 7. Februar 1940 in Champigneulles in den Schießständen der Garnison von Ranzig von einem Peloton franzö­sischer Soldaten erschossen. Das Schicksal wollte es,, daß ich Zeuge seiner letzten Stunden und seines heroischen Todes wurde. Ich lernte Dr. Roos nach meiner Verurteilung zum Tode am Abend des 31. Januar 1940 in der Todeszelle von Ranzig ken­nen, in der Roos schon seit dem 24. Oktober 1939, Hem Tage seiner Verurteilung, auf die Entscheidung über sein &ben wartete.

Als die schwere Gittertür aufgeschlossen wurde, die die Todeszelle von der der Wärter trennte, sah ich Roos auf seinem Bett liegen. Im Halbdünkel des abgeblendeten Lichtes erkannte- ich Roos sofort wieder. Seit vielen Wochen nämlich hatte ich ihn von meinem Zellenfenster aus sehen können, wenn er bei seinem täglichen Spaziergang in dreißig Schritten die klirrenhen Ketten um den kleinen Hof herumtrug. So war mir seine Gestalt vertraut. Sei­ner aufrechten Haltung, der hreiten hohen Brust und dem starken Racken hatten das demütigende Eisen, die zermürbende Haft und das nervenzer« störende Warten auf den Tod nichts änhaben kön­nen. Roos erhob sich von seinem Strohsack, nannte mir seinen Namen und reichte mir die Überein­andergefesselten Hände.

. Wir sprachen in dieser Nacht noch lange von den Dingen, die uns bewegten. Roos brauchte nur we­nige Stunden Ruhe, um feine Kräfte zu erhälten, und meinem Kameraden und mir stand in dieser Nacht der Sinn nicht nach Schlafen. So begann ein langes und tiefes Gespräch mit Roos, das erst in den'letzten Minuten vor seinem Tode beendet wurde.

Roos war unschuldig. Er Hal die ihm zur Last gelegten Straftaten niemals begangen. 3m Angesicht des Todes sagt der Mensch die Wahr­heit, und Roos beteuerte bis zur letzten Se­kunde seine Unschuld.

Roos galt bei den Franzosen als der Füh­rer aller autonomistischen B e ft r e - bungen i m L^saß. Deshalb haben sie ihn zuerst erschossen. Seine Freunde sollten dann im 3uni 1940 denselben weg gehen.

Das elsässische Volk schließlich, das seit dem Jahre 1920 durch die dauernde Wiederwahl dieser Führerschicht seinen politischen Willen bekundete, wollte Frankreich auf diese Weise politisch-moralisch in Verruf bringen. Denn nachdem seine Führer wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und erschossen worden waren, sollte es das Recht verlieren, nach Beendigung des Krieges in die Heimat zurückzukehren. Die mageren Gebiete zu beiden Seiten der Gironde­mündung waren für die Elsässer als neues Siedlungsland vorgesehen, die Gegend also, in die sie bei Anfang des Krieges gebracht worden find. Das fruchtbare und reiche Elsaß dagegen sollte Südfranzosen ausgeliefert wer­den, die alle Spuren des germanischen Landes i und der deutschen Tradition des Elsaß für im­

mer und in kurzer Zeit beseitigt hätten.

Roos kannte diesen Plan. Er wußte deshalb auch genau Bescheid um die Bedeutung des Prozesses, den man gegen ihn angestrengt hatte. Er sagte mir einmal in unseren Unterhaltungen:Die Franzosen wollen die elsässische Frage aufrollen. Gut so, lange genug hat das Feuer unter der Decke geschwelt. Wenn ich jemals aus dieser Zelle herauskomme, wird die elsässische Frage angeschnitten werden. Aber es wird anders kommen, als man es in Paris hofft. Das Todesurteil gegen mich, die Ver­haftung meiner Freunde, die unbegründeten An­klagen wegen Landesverrats und die unsäglichen Leiden des elsässischen Volkes in seiner Verbannung werden für immer eine Scheidewand zwischen Frankreich und dem Elsaß darstellen."

Tief durchdrungen von dieser großen Sendung lebte Roos in seinen letzten Tagen ganz der Zu­kunft seiner elsässischen Heimat. Dreimal trat der Versucher an ihn heran, um seine starke Kraft für die französische Sache zu gewinnen.Sie brauchen nur ein wenig zu reden, Roos", sagte ihm der Abgesandte des Militättribunals von Ranzig,und in sechs Monaten oder früher schon werden Sie frei sein." Aber Roos erlaubte nicht einmal eine Unterhaltung über diese Ange­bote. Das letztemal, wenige Tage, vor seinem Tode, drehte er den Franzosen den Rücken zu und antwortete verächtlich: ,Lch verstehe Sie nicht."

Diese Antwort bedeutete eine neue U n ter- schrift unter seinem Todesurteil. Ge­wiß, Roos hoffte bis zur letzten Minute. Aber er wußte gleichzeitig, daß man ihn vernichten wollte. Er machte sich ein ganz klares Bild über die we­nigen Cham en, die ihm. feit Kriegsausbruch noch geblieben waren, und er leitete von der Todeszelle aus, so gut es ging, alle Kräfte, die für feine Ret­tung nützlich fein konnten. Er hatte Freunde in der ganzen Welt. Er wußte, daß sie zu ihm hielten, obwohl ihre Briefe ihn nie erreichten. Aber er kannte auch di e Macht der Militär- kaste, die in Frankreich bei Kriegsbeginn eine Diktatur errichtet hatte. Er spürte von Tag zu Tag mehr, wie sich der Schatten des Todes über ihn senkte, und vierundzwanzig Stunden vor seinem letzten Tag wußte er, daß er sterben mußte.

Am Abend des 6. Februar haben wir vier in der Todeszelle von Ranzig viel gescherzt und sogar ein wenig gelacht. Roos erzählte uns aus seiner Stu­dentenzeit, von Straßburg und Freiburg, aus den ersten Jahren feiner Tätigkeit im höheren preußi­schen Schuldienst, die er in Bochum verbracht hatte, und als er hörte, daß ich Westfale sei, sagte er lachend:Ich gäbe viel darum, jetzt ein anständiges Glas Dortmunder Bier trinken zu können." Er lobte die Qualität unserer Würste und unseres Schinkens.

geschloßen, der Verteidiger von Roos, Maitte B e r t h o n , und der Anstaltsgeistliche traten in die Zelle. Mit fester, lauter Stimme rief Roos:Je Proteste, vous savez tres bien, je suis, innocent. Sein Anwalt antwortete ihm mit einer hilflosen Geste:Mon ami, je le sais, mais ..." Während Roos mit dem Anstaltsgeistlichen leise sprach, mur­

in so beredten Worten, daß uns das Wasser in Ge­danken an unsere magere und schmutzige Gefängnis­suppe im Munde zusammenlief. Von dem Heiteren kamen wir auf das Ernste und schließlich auf den Tod zu sprechen. Dann wurde es still in unserer Zelle, bis Roos langsam und leise sagte:Wenn ich sterben muß, dann bin ich dazu bereit." Die dünne, Helle Glocke des Nonnenklosters neben dem Gefäng­nis hatte schon die mitternächtliche Stunde geschla­gen, als Roos begann, ein uraltes, elsässisches Abendgebet zu sprechen.

In dieser Nacht haben wir alle wenig geschlafen. Wir hörten das Telephon klingeln; das Aufschließen der großen Gittertüren, irgendwo in der Ferne das Klirren von Waffen, gedämpfte Kommandos und den Schritt benagelter Schuhe auf den steinernen Höfen des Gefängnisses. Das Pöloton war angekommen und mit ihm der Tod.

Ein jeder von uns fragte sich, ob feine Stunde gekommen sei, aber mir sprachen nicht darüber. Langsam verging die Nacht. Die Glocke schlug die Zeit und mir zahlten die Stunden. Aber schließlich übermannte uns doch der Schlaf.

Am 7. Februar 1940 morgens gegen 6 Uhr mürbe ich wach. Vor mir stand im langen Ledermantel der Oberst Marcy vom Militärgericht von Ranzig, das goldbestickte Käppi auf dem Kopfe. Seine Hände umschlossen die Eisenstäbe, die uns von der Wärter­zelle trennten. Sein Gesicht mar zu Roos gewandt, der schlafend auf seinem Bett lag. Hinter Marcy er­kannte ich noch drei, oder vier andere Offiziere, von denen einer einen Stahlhelm trug. Als ich mich ein wenig aufrichtete, rief Marcy:R o o s". Aber Roos schlief fest. Ich faßte ihn am Arm und er wurde wach. Er richtete sich auf seinen Ellbogen ein wenig auf und erkannte Marcy.

Roos", sagte der ftanzösische Oberst mit ge­dämpfter Stimme,ayez donc courage, lheure est venue.

Der Märiyrertod des Eisäfferführers Karl Roos

Was Frankreich mit den Elsässern vorhatte.

lischen Kirche die Eröffnung der 9. Oekumenischen Hochschultagung der Luther-Akademie im Schloß zu Sondershausen statt. In dem überfüllten Festsaal hielt den Festvortrag die Frau des verstorbenen schwedischen Erzbischofs Söderblom von Upsala.

Die Weslwand des Monle Eislella-Turmes bezwungen.

Die beiden Mitglieder des italienischen Alpenclubs Giovanni G r o s s i und Francesco Canuto haben zum ersten Male die Westwand des 2700 Meter hohen Turmes auf dem Monte Cistella, der allge­mein Pizzo della Morte Genannt wird, be­zwungen. Sie bewältigten die schwierige Kletter­arbeit in wenig mehr als 2% Stunden.

Riefenwaldbrände in Finnland.

Riesenwaldbrände wüten seit 48 Stunden in dem südlichen und mittleren Teil Oesterbottens, dem Ge­biet Finnlands, das sich in einer Tiefe von etwa 100 Kilometer am Bottnischen Meerbusen bis nach Lappland hinauf erstreckt. Insgesamt sind 50 (Ein- zclbrände gezählt worden, von denen zahlreiche ge­löscht werden konnten, deren größter Teil jedoch nach wie vor andauert, obwohl fast die gesamte Bevölkerung Mittel- und Südoesterbottens an den, Löscharbeiten beteiligt ist. Neben vielen Tausend Hektar Wald sind auch zahlreiche Bauern­dörfer vernichtet worden. Als Brandursache werden Moorbrände genannt.

Die private Krankenversicherung im Kriege.

Für Versicherte, die aus ihrem bürgerlichen Beruf zur Wehrmacht, zum Reichsarbeitsdienst oder zu einem auf ähnlicher Grundlage beruhenden staats­politisch notwendigen Dienst, mit dem freie Heil­fürsorge verbunden ist, einberufen sind, ruhen für die Dauer der Einberufung die Rechte und Pflichten aus dem Versicherungsverträge, soweit es sich um die Beittagsteile und die Leistungsansprüche der Einberufenen selb st handelt. Im Falle des Todes der Einberufenen wird gleichwohl, falls ein Ehegatte, Kinder, Eltern oder Geschwister vor­handen sind, das tarifmäßige Sterbegeld ge­währt. Bestimmungen, wonach beim Unfalltod ein erhöhtes Sterbegeld zu zahlen fit, treten, wenn der Tod infolge von Kriegsereignissen eingetreten ist, außer Kraft. Wenn einberufene Versicherte trotz be­stehender Heilfürsorge aus besonderen Gründen bei ihr er Kran kenn ersich erungsunternehmung schriftlich beantragen, daß ihr Versicherungsschutz gegen Zah­lung der vollen Beiträge aufrechterhalten werden soll, so kann diesen Anträgen entsprochen werden.

Die Versicherung nicht einberufener Famil i e n- an gehöriger ist gegen Weiterzahlung der auf sie entfallenden Beiträge mit unveränderten Lei­stungen f ortzusetzen.' Die Beiträge werden bei der Bemessung des Familienunterhalts berücksichtigt. Beim Tode eines einberufenen Hauptversicherten sind die mitversicherten Familienangehörigen berech­tigt, ihre Versicherung fortzusetzen. Das gleiche gilt, wenn der Tod eines nicht einberufenen Hauptver­sicherten durch Kriegereignisse eingetreten ist. Be­stimmungen, wonach Versicherungsleistungen nicht gewährt werden für Schäden infolge von Kriegs­ereignissen sind außer Kraft gesetzt. Wenn aber das Reich seine Leistungspflicht für Todesfälle, Krank­heiten, Beschädigungen usw. anerkannt hat, so sind hierfür von der privaten Krankenversicherung außer dem Sterbegeld weitere Leistungen nicht zu ge­währen.

Versicherte, die wegen der Ausübung einer kriegs­wichtigen Beschäftigung krankenversicherungspflichtig geworden sind, sowie Versicherte, die freiwillig eine krankenversicherungspflichtige Tätigkeit aufgenom­men haben, und deshalb bei der reichsgesetzlichen Krankenversicherung zu versichern sind, können ihre private Krankenversicherung fortsetzen. Sie können aber auch zur Vermeidung doppelter Beittagszah- lung für die Dauer des Krieges das Ruhen der Rechte und Pflichten bei der privaten Krankenver­sicherung beantragen. Dem Antrag fit spätestens zum Ablauf des Monats stattzugeben, in dem der Antrag gestellt und die Krankenversicherungspflicht nachgewiesen worden ist. Während des Ruhens

Hauptschriflleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.

Druck und Verlag: Brühlsche Untversitätsdruckerei N. Lange K. G. BerlagsleiltTr: Tr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenletter: Hans Beck. BerantwottUch für den Inhalt der Anzeigen; Theodor Kümmel, Pl.Nr.e.