Gelweiß, Anker und Propeller im Abwehrkampf von Äarvik
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Dberft Freiherr von und zu Gilsa hat mit seinem Infanterie-Regiment bereits im polnischen Feldzug hervorragend tapfer gekämpft. Bei der großen Westoffensive durchbrach das Regiment unter persönlichem Einsatz seines Kommandeurs eine wichtige feindliche Brückenkopfstellung und überschritt die Maas, wobei es gelang, durch schnellen, kühnen Vorstoß die einzige noch nicht gesprengte
(P.K.) Ein a u s N a r v i k zur Uebernahme eines neuen Kommandos zurückberufener Herstörer- kommandant berichtet über den Abwehrkampf von Narvik als „das schönste Gemeinschaftsunternehmen zwischen den drei Wehrmachtsteilen auf engstem Raum". In schicksalsmäßiger Verbindung kämpfen die Besatzungen unserer Zerstö- r e r Schulter an Schulter mit den Gebirgsjägern der Ost mark, beide unterstützt durch die Luftwaffe, die nicht nur den Feind auf der See angreift, sondern sich als Artillerie der kämpfenden Truppe bewährt und diese durch Fallschirmjäger verstärkt. Unter der symbolischen Einheit von Edelweiß, Anker und Propeller steht der Abwehrkampf von Narvik, der England von der Erzzufuhr abgeschnitten hat, ihm die Pforte nach Schweden versperrt und starke Teile der englischen Flotte bindet, die unserer Luftwaffe ständig zur Zielscheibe werden.
In den Kämpfen der Zerstörer mit der überlegenen britischen Marine waren unsere Personalverluste so gering, daß die Besatzungen an Land st arte Einheiten bis zu Bataillonsverbänden bilden konnten. Während diese Einheiten eigene Frontabschnitte übernahmen, wurden andere Teile der Schiffbesatzungen unmittelbar in die Gebirgsjägerverbände eingereiht, aus Mattosen und Heizern wurden teilweise auch Schitruppen gebildet. Die Tunnels der Erzbahn wurden von Marineabteilungen besetzt. Die elektrische Bahn bis zur schwedischen Grenze wurde von dem technischen Personal der Zerstörer in Betrieb genommen. Das Elektrizitätswerk wurde übernommen. Schiffsgeschütze wurden an Land a l s Küstenbatterien eingesetzt. Bevor die Stadt
Oer deutsche Angriff wieder in Kluß.
Pioniere und Infanterie erzwingen in hartem Kampf den Llebergang über die Somme
(PK.) Tagelang war die Somme die Grenze zwischen Freund und Feind. Tagelang mußten un- ere Feldgrauen an den Ufern des Flusses, der im Weltkrieg so schicksalhaft für unser in der Abwehr ausharrendes Heer wurde, Gewehr bei Fuß tehen. Und schon wollte man drüben im alliierten Lager frohlocken: Die Deutschen wieder an der gleichen Stromstelle festgehalten wie in den Septembertagen 1914 ... Dann würde sich auch alles andere vielleicht noch wenden lassen. Es war eine ttüge- rische Hoffnung. Schon der Waffenlärm, von dem die Täler der Somme zum ersten Male seit dem Weltkriege widerhallten, als in der vorigen Woche die schweren Angriffe französischer Tanks und Kolonial-Divisionen an der deutschen Abwehr zerschellten, war ein drohendes Zeichen für Frankreich, daß keine Wunder der Weltgeschichte sich wiederholen. Die Divisionen hier wußten, worauf es ankam: den Kameraden der Flandernschlacht den Rücken zu decken, bis das Schicksal des großen Kessels im Norden endgültig entschieden sein würde. Dann mußte auch ihre Stunde kommen, wo sie wieder Tritt fassen konnten zum befreienden Angriff, zum Vormarsch.
Heute morgen um 4.30 Uhr ist die gewaltige deutsche Angriffswelle, die nur vorübergehend angehalten war, wieder in Bewegung gekommen. In den letzten Tagen schon rollte es unaufhörlich und endlos vom Norden heran. Regimenter und Abteilungen aller Waffen, von den leichtesten bis zu den schwersten, von den motorisierten bis zu den in Sonnenglut und -hauch unermüdlich marschierenden Infanteristen. Trotz dieses gewaltigen Aufmarsches, der sich dicht hinter der Front vollzog, hat der Franzose von den kommenden Ereignissen offenbar nichts gemerkt. Die deutschen Flieger sorgten dafür, daß die feindliche Luftaufklärung nur wenig in das Hinterland einsehen konnte. Das Tarnen gegen Fliegersicht hat man bei allen unseren Truppen ausgezeichnet heraus.
Eine schwere Kanonade, mitunter sich bis zum Trommelfeuer steigernd, lag in den beiden letzten Nächten auf den deutschen Stellungen und über den Dörfern nördlich der Somme. Als aber kein einziges deutsches Geschütz antwortete, die Front der Deutschen sich in Schweigen hüllte, beruhigte man sich drüben bald und stellte am frühen Morgen das Feuer ein, zu der gleichen Stunde also, als der deutsche Angriff schon bis in die letzte Einzelheit aufgebaut war. Schon hatten die Pioniere ganz vorn im Schutze der Weiden und Holzungen in der Flußniederung ihre Schlauchboote fertiggemacht. Schon lauerte hinter Bäumen und Hecken, hinter Schützenlöchern geduckt, die deutsche Infanterie mit allen ihren Waffen auf den Befehl zum Angriff.
Pünktlich heute morgen um 4.30 Uhr rollte das Uhrwerk dieser gewaltigen Organisation ab. Hier zwischen Amiens und Abbeville stehen
schreibe, daß besonders unter den Parlamentsmit« gliedern, die früher Chamberlain gestützt hätten, die Kritik immer stärker werde. „Manchester Guardian' sage, auch viele befreundete Offiziere seien jetzt gegen ihn aufgebracht.
Die englischen Bundesgenossen.
Stockholm, 7. Juni. (DNB. Funkspruch.) Ein Frontberichterstatter von „Svenska Dagbladet, der Dünkirchen nach der Einnahme durch die deutschen Truppen besuchte, berichtet auf Grund von Zeugenaussagen, daß die englischen Truppen lediglich durch Dünkirchen hindurchmarschiert sind und die Verteidigung völlig den Franzosen überlassen haben. Die gefangenen Soldaten, die man in Dünkirchen sehe, sein ohne Ausnahme Angehörige französischer Truppenteile, darunter sehr viele Farbige.
Ein in Dünkirchen ansässiger Amerikaner berichtete dem schwedischen Journalisten, daß die Engländer bereits acht bis zehn Tage vor der Einnahme von Dünkirchen begonnen hätten, sich nachts in aller Heimlichkeit nach Eng' land e i n z u s ch i f f e n. Die Serteibigung der Stadt hätten sie allein den Franzosen überlassen. Der Polizeichef von Dünkirchen stellte ausdrücklich fest, daß er keinen Engländer gesehen habe, her Dünkirchen verteidigte. Der Hafen ist nach bent Bericht bes schwedischen Korresponbenten ein einziger Schiffsfriedhof. Die Hafenanlagen sind zerstört und auf dem Kai liegen tote Soldaten^ Munition aller Art und sonstige Ausrüstungsgegenstände, sogar Golfschläger (!), mit denen sich die Engländer in Frankreich die Zeit vertteiben öollten.
liche Uebermacht in Schach gehalten, bei der man wiederum feststellen kann, daß die Engländer frembe Hilfsvölker ausnutzen. Neben Norwegern, französischen Fremdenlegionären und Polen wurden sogar rotspanische Emigranten festgestellt.
Die Strapazen dieser Kämpfe sind natürlich groß. Außer einigem Unterholz gibt es hier keine Vegetation, kaum _ Holz zum Abkochen. Der tiefe Schnee und dann die Schneeschmelze erschweren die Verbindungen. Der Marinenachrichtenoffizier hat auch im Gebirge mit den geborgenen Funkgeräten der Zerstörer Funkverbindung mit der Heimat einrichten können. Gebirgsjäger und Seeleute wußten, daß sie nicht auf verlorenem Posten stehen. Das dauernde Erscheinen deutscher Flieger war ihnen stets ein Gruß aus der Heimat und eine Bestätigung dafür, daß die deutsche Stellung hier oben im Norden im gemeinsamen Einsatz aller Wehrmachtsteile allen Schwierigkeiten zum Trotz gehalten wird. Als dann auch Fallschirmjäger landeten und sich sofort in den Erdkampf einreihten, gab es große Begeisterung. In diesem Kampf lebt die Führung bis zum General einschließlich unmittelbar mit der Truppe und teilt mit ihr alle Strapazen. Die wochenlangen erfolgreichen Abwehrkämpfe gegen eine ungeheure feindliche Uebermacht haben nördlich des Polarkreises aus Verbänden unserer drei Wehrmachtsteile eine Einheit des Kampfes und, wie jeder Narvikkämpfer fühlt, eine Einheit des Herzens gemacht, die nie wieder vergessen werden wird. Es ist das stärkste Erlebnis dieses Kampfes für Deutschland, 2000 Kilometer von der Heimat entfernt.
Feldherrn kann man nicht ausgebildet werden, man muß dazu geboren fein'1, sagt Schliessen, andererseits sagt Moltke „Genie ist Fleiß". Das scheint ein Widerspruch zu sein und ist es doch nicht. Denn auch Moltke wollte mit diesen Worten nicht etwa sagen, daß man mit Fleiß allein und vielleicht der nötigen Dosis gesunden Menschenverstandes sich zuitt Genie heraufarbeiten könne, vielmehr wollte er betonen, daß Genie ohne Fleiß wertlos ist. Es ist in der Tat so, daß dem Feldherrn angeborene Eigenschaften des Geistes und der Seele eignen müssen: von der geistigen Seite ein überragender Verstand, größte Klarheit des Denkens, ein aeradezu visionäres- Vorausschauen, von der seelischen Sette höchster Mut der Verantwortung, Festigkeit, Unternehmungslust, psychologischer Scharfblick, Ehrgeiz im edelsten ©inne. Aber auch wem diese geistigen und seelischen Eigenschaften gegeben sind/ der kann damit noch keineswegs ein * ..........
den, wenn nicht ein unermüdliches, umfassendes
Studium der Kriegskunst hinzutritt, und zwar um so mehr, je größer und verwickelter die technische Entwicklung der Kriegsmaschine wird. Der Feldherr muß die Waffen und ihre Wirkung genau kennen, um sie richttg einsetzen zu können. Er muß auch die technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Bewaffnung ständig verfolgen, um sie in den Dienst der Kriegsvorbereitung und Kriegführung stellen zu können. Er muß die möglichen Kriegsschauplätze von der militärgeographischen Seite bis zu völliger Beherrschung erforschen. Er muß die Stärke, Bewaffnung und Ausrüstung sowie die Leistungsfähigkeit fremder Heere kennen und darüber hinaus sich ein klares Bild von den moralischen und militärischen Eigenschaften anderer Völker machen, um sie richtig einzuschätzen. Er muß durch Studium der Kriegsgeschichte und durch Lösung takttscher und strategischer Aufgaben seinen Geist schulen, die Befehlstechnik souverän beherrschen. Er muß die Organisation der Verpflegung und des Nachschubes, des Nachrichtenwesens und der Verbindungen, Eisenbahnen, Land- und Wasserstraßen gründlich kennen und vieles andere mehr. Es ist ein nie endendes Studium, denn das Sprichwort: „Wer raftst, der rostet" gilt für keinen Beruf mehr als für den des hohen und höchsten militärischen Führers.
Wir Deutschen dürfen wohl sagen, daß in keinem Heere der Welt diese geistige Ausbildung des militärischen Führertums mehr gepflegt wird wie in dem unfrigen. Wer einen Einblick in die Arbeit des deutschen General st abes gehabt hat, der weiß, welche Unsumme angespanntester geistiger Ar- bett hier seit Generationen geleistet worden ist und
Brücke des Abschnittes unversehrt in die Hand zu bekommen. — Oberst Jordan überwand mit seinem Infanterie-Regiment im schweren feindlichen Feuer die Maas und traf, selbst weit vorn, die erforderlichen Maßnahmen für die Fortführung des Angriffes, die den Erfolg des Tages bedeuteten. Unter feiner kaltblütigen Führung nahm das Regiment Befestigungen, deren Ausschaltung für die Durchführung der Gesamtoperationen von großer Bedeutung war. — Oberstleutnant Schubert riß durch seinen persönlichen tapferen Einsatz sein Infanterie-Bataillon zu besonderen Leistungen mit, wobei die Truppe trotz schwerer feindlicher Gegenwirkung der entscheidende Uebergang über die Maas gelang. Der von ihm erkämpfte Brückenkopf wurde unter seiner energischen Führung gegen alle feindlichen Gegenangriffe gehalten. — Major Filzin - g e r, Kommandeur einer Artillerie-Abtlg., hat sich bei der Abwehr eines Angriffes schwerer feindlicher Panzer durch sein kaltblütiges Verhalten und seine zweckmäßigen Maßnahmen besonders ausgezeichnet, so daß die erfolgreiche Abwehr wesentlich seinem persönlichen Einsatz zuzuschreiben ist. — Oberleutnant Langen st raß, dessen Tat bereits im OKW.- Bericht vom 25. Mai erwähnt wurde, nahm an der Spitze seiner Pioniere ein neuzeitliches Fort bei Maubeuge, das einen Eckpfeiler dieser Festung bildete und den Weg für den entscheidenden Angriff sperrte.
Auch Chamberlain fällig.
Stockholm, 7. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Londoner Korrespondent des „Svenska Dagbladet" meldet, die Kritik an Chamberlain werde immer stärker. Jetzt sei auch „News Chronicle" zum offenen Angriff übergegangen, nach dem „Daily Herald" seit längerem stark poknftsiere, „News Chronicle"
Drüben aber, in den kleinen Dörfern und in den Waldstücken jenseits des Flusses haben die Infanteristen immer noch schwere Arbeit zu leisten. Jedes Haus muß durchsucht, jeder Garten mit seinen Büschen und Hecken Sorgfältig durch- getämmt werden. Denn überall finben sich noch diese schwarzen Bestien, die das „kultivierte" Frankreich gegen uns geschickt hat. In viehischen Greuel- taten macht sich ihr tierischer Blutdurst Luft. Mit langen verrosteten Messern versuchen sie sich in der Verzweiflung zu wehren. Zähnefletschend greifen sie noch hinterrücks zum Gewehr, wenn sie verwundet zurückgeblieben sind. Aus den Bäumen und Hecken müssen sie einzeln abgeknallt werden. Auf den Straßen und Durchfahrten aber lauern Minen und heimtückische Fallen aus Eierhandgranaten, um den deutschen Vormarsch aufzuhatten. Aber vergeblich. Oben auf der Höhe geht bereits eine Kompanie von hinten einem Waldstück zu Leibe, aus dem immer wieder MG -Feuer herausbricht. Wir sehen die grauen Gestalten unangefochten im Walde verschwinden. Dann dröhnt der kurze harte Schlag der Handgranaten auf. Dort macht man restlose Arbeit.
Im Höllentanz der gewaltigen Detonationen, im Lärm bes Nahkampfes bricht sich der deutsche Angriff langsam, aber unaufhaltsam Bahn. In das Dröhnen der deutschen Granateinschläge mischt sich das Rattern der MG.s, das langsame Tack-Tack der französischen, das rasend schnelle Tack-Tack-Tack der deutschen. Gewehrschüsse bellen auf» Handgranaten krachen — und in diesem scheinbaren Chaos geht der Synitäter opferbereit seiner schweren ernsten Arbeit nach.
Langsam aber schon wendet sich das Bild. Der Gefechtslärm wandert allmählich.nach Süden und verklingt hinter den Höhen, die der deutsche Angriff dem immer schneller weichenden Gegner entteißt. Zur Rechten von uns ift.es schon beinahe still geworden — dort sind die weit nach Süden sich dehnenden Höhen im schnellen An- sturm genommen — nur zur Linken liegt noch das Feuer unserer Batterien auf Picquigny, Dort rattern immer noch französische MG.s aus verborgenen Nestern. Sie können das Schicksal des Tages nicht mehr wenden ...
lieber die Schlauchbrücke fließt es bereits in endloser Folge nach Süden: Infanterie, Kompanie auf Kompanie, Pakgeschütze, jetzt kommt schon, sechsspännig — viele Hände greifen fest in die Speichen — die erste Haubitze herübergerollt und dann Wagen auf Wagen mit Munition und Gerät ... Wir sind drüben! Der deutsche Infanterist hat sich nicht, wie man so gern glauben machen wollte, in den Schützengraben zwingen lassen. Er ist angetreten zum neuen Angriff, zum neuen Vormarsch, und dieser Vormarsch rollt schon am Nachmittag dieses denkwürdigen 5. Juni stetig und unaufhaltsam.
Friedrich Schultz.
Narvik selbst aufgegeben wurde, haben Sprengttup- pen der Pioniere und der Kriegsmarine die Hafenanlagen und Kais restlos zerstört, so daß der Besitz der Ruine Narvik für die Engländer völlig wertlos wurde.
Neben der Erfüllung dieser Aufgaben sind aber das größte Erlebnis die gemeinsamen Gebirgskämpfe selbst. Es gibt dort oben außer der Stadt Narvik selbst nur einige Hütten an der Eisenbahn. Gebirgsjäger und Seeleute übtzknachten teilweise seit vielen Wochen im Freien. Schneehöhlen und Felsspalten dienen zur Unterkunft in den noch' immer recht kalten Nächten. Munition und Verpflegung werden auf Schlitten herangebracht. Mit dem Eintreten der Schneeschmelze wurden die Verhältnisse zunächst noch schwieriger. Beim Abtransport von Verwundeten aus hohen Gebirgsstellungen zum Feldlazarett haben unsere Soldaten im Geiste der Kameradschaft wahre Wunder an Rettungsaktionen vollbracht. Glücklicherweise blieben die Verluste gering. Das planlose Einsetzen von englischen Schiffsgeschützen gegen Gebirgsstellungen war meist völlig erfolglos. Die englischen Schiffsgefchütze schossen buchstäblich Löcher in eine wilde, von ihnen gar nicht zu übersehende Gebirgslandschaft. Auch im Erdkampf bewirkte der Charakter des Geländes mit seinen vielen Deckungsmöglichkeiten hinter Felsvorsprün- gen, daß die Verluste gering blieben. Nirgends ist es dem Feind gelungen, unsere Stellungen zu umgehen. Ein paar Soldaten haben oft mit erbeuteten norwegischen Maschinengewehren ganze Kompanien des Feindes solange aufhalten können, bis über die Berge von anderen Stellungen her Verstärkungen eintrafen. So wird eine feind-
Handgriff, jede der unendlich verwickelten Tätigkeiten so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß keine noch so schwere Lage Verwirrung stiften kann. Wir wissen, daß bei der Ausbildung besonderer Wert daraus gelegt wird, die Tätigkeit der Besatzung beim Ausfall von Offizieren, Mannschaften, Geschützen, Maschinenteilen, Befehlsübermittlungsanlagen und bergt so zu üben, daß das Schiff selbst bei schwersten Beschädigungen und Ausfällen so lange kampffähig bleibt wie es schwimmt und noch ein Geschütz feuert. Der Heldenkampf der „Wiesbaden" in der Skagerrak-Schlacht und der Kampf der Torpedoboote vor Narvik sind Beispiele hierfür.
Dieser deutsche Drill, der aus jedem, auch dem weniger soldatisch veranlagten Manne einen vollwertigen Kämpfer macht, ist die erste Grundlage der deutschen Kriegskunst. Es genügt aber nicht, denn die neuzeitliche Kriegführung verlangt mehr als waffensührende Automaten, nämlich selbständiges Denken und Handeln. Die heutige Waffenwirkung zwingt zur Anwendung so zer- ftreuter Formen, datz ein dauerndes Lenken der Mannschaft durch Befehle ausgeschlossen ist. Wird ein Truppenteil, sei es eine Kompanie, ein Zug oder eine Gruppe zu einer Kampfhandlung eingesetzt, so hört in vielen Fällen mit dem Einsatzbefehl jede weitere Einwirkung der vorgesetzten Dienststelle während dieser Kampfhandlung auf, ja oft genug ist der einzelne Mann auf sich selbst angewiesen. In dieser Lage richtig zu handeln, sich der oft wechselnden Lage anzupassen, schnelle Entschlüsse zu fassen, ja selbst in manchen Fällen von dem erteilten Befehl abweichen zu müssen und doch im Sinne der Lage und Aufgabe zu handeln, das erfordert nicht nur von den Führern bis zur kleinsten Einheit herab, sondern auch schon vom einzelnen Manne ein geistiges Können -von nicht geringem Ausmaße. Diese geistige Schulung auf den Krieg in der Friedensausbildung ist noch erheblich schwerer als der körperliche Drill. Sie erfordert von den Ausbildenden volle Beherrschung des Stoffes, größte Klarheit des Denkens und darüber hinaus ein lebhaftes Vorstellungsvermögen. Eine Gefechtsübung ist wertlos, ja sie kann sogar schädlich sein, wenn der Ausbildende sich nicht in die Schwierigkeiten und Reibungen, die der Krieg bringt, hineinzudenken vermag und sie seiner Mannschaft nicht darzustellen versteht. Daß diese geistige Arbeit bei allen Teilen der deutschen Wehrmacht geleistet worden ist, das zeigen unzählige Einzelheiten in diesem Kriege, wo oft durch die Initiative einzelner Männer große Erfolge erreicht wurden, wo z. B. bei schwer beschossenen Fluazeugen der Beobachter ober Bordfunker den ausgefallenen Flugzeugführer ersetzt und die stark havarierte Maschine doch noch in den Flughafen gebracht hat, wo eine einzelne Kampfwagenbesatzung weit überlegene feindliche Panzerkräfte erledigt, ein einzelner Pak-Schütze eine Reihe feinolicher schwerer Tanks vernichtet hat. Den Einzeltaten kleiner Kampfeinheiten sind die schwersten Festungsanlagen, wie das Fort Eben-Emael, durch kühnes und zugleich wohl durchdachtes Zugreifen in die Hand gefallen. Solche Fälle zeugen nicht nur von hervorragendem Schneid, sondern auch von größter Geistesgegenwart, die aber nur dann möglich ist, wenn der Soldat seine Aufgaben geistig beherrscht. Das sind die Grundlagen der deutschen Kriegskunst: sorgfältige körperliche und geistige Ausbildung, deutsche Gründlichkeit und tiefes Nachdenken, die alle Wehrmachtsteile in vollendeter Schulung in den Krieg eintteten ließen.
Zu der körperlichen und geistigen Ausbildung müssen aber auch noch seelische Eigenschaften treten, die nicht erworben werden können, sondern im Volk vorhanden sein müssen: Tapferkeit, Ehrgefühl, Neigung zur Disziplin, Pflichttreue, Kameradschaftlichkeit. Gewiß können sie durch Erziehung und Ausbildung gesteigert werden, aber, wenn sie einem Volke nicht naturgegeben sind, sondern nur äußerlich anerzogen werden, so versagen sie in der schwersten Prüfung des Soldaten: dem Kriege. Es ist ein Glück für unser deutsches Volk, daß eine gütige Vorsehung ihm die wichtigsten Eigenschaften für den Krieg in die Wiege gelegt hat.
Wenn wir von der Kriegskunst sprechen, so müssen wir aber auch ganz besonders an die höheren und höchsten Führer denken. Mag eine Wehrmacht noch so gut ausgerüstet uYit) ausgebildet sein, mögen ihre seelischen Eigenschaften die besten sein, so wird sie dennoch keine großen Erfolge erreichen, wenn die obere und oberste Führung versagt. „Zum
wird. Wir können daher sicher sein, daß, wenn unserer Wehrmacht Männer mit den Tugenden eines Feldherrn von der Vorsehung geschenkt werden, sie auch diese Tugenden durch ihre Vorbildung bis zum höchsten Maße steigern. Genie ohne Fleiß setzt sich in der deutschen Wehrmacht nicht durch, militärisches Dilettantentum ist hier nicht denkbar.
Das sind die Grundlagen der deutschen Kriegskunst, die zum Höchsten greifen kann: der völligen Vernichtung des Gegners durch Einkreisung. Auf diesem Boden sind die Vernichtungserfolge von Sedan, Tannenberg, Kutno, der Schlacht im Weichselbogen und in diesen Tagen die größte Der- nichtungsschlacht der Weltgeschichte in Flandern gewachsen und in diesem Zeichen werden wir den Endsieg erringen.
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Fiihrerhauplquarkler, 6. 3unL (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres an folgende Offiziere das Ritterkreuz zum Eisernen kreuz verliehen: Oberst Freiherr von und zu Gilsa, Oberst Hans Jordan, Oberstleutnant Günther Schubert, Itlajor Friedrich Filzinger, Oberleutnant Langen st raß.
eine Anzahl aktiver Division en zum Angriff bereit. Süddeutsche erprobte Soldaten, die zwei Jahre gedient haben, sich in Polen die Waffenerfahrung holten und die langen Monate des Wartens zu fttenger ernster Arbeit verwandt haben, eine gefechtserfahrene Truppe, der der Feind — das hat auch dieser Tag heute wieder gezeigt — nichts Gleichwertiges . entgegenzusetzen hat. Hinter den Marschierern aber steht d i e deutsche Artillerie aufgebaut. Geschütz neben Geschütz, Batterie und Abteilungen aller Kaliber, daneben Flak und die Geschützwachen der Infanterie. Der Divisionsstab ist auf eine Waldhöhe gerückt, von der man einen weiten Rundblick hat, auf das weite Sommetal, auf das Ufer drüben, das zum Teil jäh ansteigt, auf die Wälder und Hügel, auf denen der Feind in den letzten Tagen geschanzt hat. Als das erste Tageslicht den Blick auf die Landschaft freigibt, richten sich die Gläser gespannt nach drüben. Schon ist der Angriff im Fluß.
Die Pioniere sind an den Fluß vor gestürmt und haben vor den Augen des zunächst völlig überraschten Feindes ihre Brücke geschlagen. Aber dann, als sie darangehen, für die nachkommenden Kolonnen Bohlen auf den Bahnkörper hinter den Fluß zu lenen, bricht der feindliche Feuersturm los. Im Laufschritt kommt aber die Infanterie noch gut über den Fluß. Und nun beginnt ein harter, erbitterter Häuserkampf mit dem sich zäh wehrenden Gegner. Es ist französische Infanterie und vor allem Schwarze, Neger von der Elfenbeinküste, sehnige Gestalten, brutale Messerschlächter, die den offenen Kampf meiden, aber heimtückisch aus Haustüren und Kellerlöchern, von den Bäumen und hinter Hecken auf die Infanteristen und Pioniere knallen. Ueberall find verdeckte MG.-Nester, die das Vorfeld besttei- chen und nun auch die Brücke unter Feuer nehmen.
In dem gleichen Augenblick aber, als die Infanterie am Feind ist, der Trumpf des Ueberraschens ausgespielt wurde, beicht das deutsche Artille r i e f e u e r mit verheerender Wucht los. Von allen Höhen ringsum dröhnt und blitzt es auf. Pausenlos reihen sich die Abschüsse aneinander. Unten im Tal stehen Granatwerfer und Minenwerfer und schleudern ihre verderbenbringenden Geschosse über den Fluß. Drüben auf den steilen Hohen, an den Waldrändern und in den Ortschaften, wo die Stellungen des Gegners in den letzten Tagen sorgfältig erkundet wurden, steigt schwärzlich-brauner Rauch auf. Immer dichter sitzen die Einschüsse, und der erschütterte Feind weicht langsam aus seinen vorbereiteten Abwehrlinien zurück. In der tief gestaffelten Reihe der deutschen Batterien stehen die schweren Kaliber und nehmen die Artillerieftellun- gen des Gegners und seine rückwärtigen Verbindungen unter Feuer. Ihr Erfolg muß ausgezeichnet fein, denn bei dem ganzen Angriff, der in breiter Front über das Sommetal geht, fällt kaum ein Schuß der französischen Batterien.
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