Ausgabe 
7.6.1940
 
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Minenfelder an Italiens Küsten.

Rom, 6. Juni. (Europapreß.) An den Küsten Mens, Albaniens und der Besitzungen und Ka­lorien sind Minenfelder gelegt worden von zwölf Nilen Breite. Um die Häfen dieser Küsten zu er-

Amerika gegen sich selbst?

Giornale d'Jtalia zu Churchills Be- WÜhungen um amerikanische Intervention, Rom, 6. Juni. (DNB.) Unter der Ueberschrift Lmerika gegen sich selbst" unterstreicht das halb- ontlicheGiornale d'Jtalia", daß die Unterhausrede Churchills vor allem den Vereinigten Staa- tin gegolten habe. Er habe es hauptsächlich auf jene amerikanischen Kreise abgesehen, die eine In- tiroention Amerikas für den Fall vorsahen, raß England und Frankreich nicht imstande sind, tdi Krieg nur mit ihren Kräften zu gewinnen. Mer Tag schien nun gekommen zu sein. Die Mög- l ltkest eines unmittelbaren und aktiven Bündnisses zwischen den Vereinigten Staaten und den beiden jWerialen Demokratien Europas lasse Deutschland iiiD Italien vollkommen ruhig. Je mehr England und Frankreich Gebiete, Verteidigungslinie, Solda­tin, Waffen und Produktionszentren verlören, um

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Kleine politische Nachrichten.

150 Italiener, der größte Teil von ihnen Frauen tni Kinder verließen Haifa mit dem italieni- km DampferGalata". Eine weitere Gruppe <Aiener verläßt Palästina am Freitag.

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las französische Ministerium für öffentliche Ar- beilsn teilt mit, daß der Generalstab sämtliche Kraftwagen in Frankreich beschlag­nahme sowohl die französischer als auch auslän­discher Herkunft.

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maiN reihen, müssen Schiffe Weisungen von den italie- litten Konsular- und Militärbehörden erhalten. Die tneits nach diesen Häfen unterwegs befindlichen Griffe müssen die Hafenbehörden von ihrer Ankunft diu Rande der gefährlichen Zone benachrichtigen. Sie

ui) verteidigen wolle, verletzt werden.

Italiens Beitrag in den ersten neun Kriegsmonaten.

Rom, 6. Juni. (DNB.)Agenzia Stefani" gibt eine Darstellung der Aktion, die Italien in den er­sten neun Kriegsmonaten entfaltet hat: Um für die italienische Mobilmachung auf dem einheimischen Buden, in Libyen, im Dodekanes und in Ostafrika ein Gegengewicht zu schaffen, hat Frankreich eine große Anzahl von Divisionen an der West- E;e, in Nordafrika und in Syrien bilden müs­während England andere Divisionen in pten, im Sudan, in Kenya und Palästina Muckgehalten hat. Die Gesamtstärke dieser Kräfte Hai zwischen 50 und 60 Divisionen geschwankt. SH ätzungsweise hat die Ankunft von Verstärkun- aen aus Australien, Neuseeland und-Rhodesien in Stgppten und in Palästina die Wegnahme von Iefotaen, nicht sehr zahlreichen Kontingenten aus Niroafrika ausgeglichen. Italien hat also, an den iflpen und im Mittelmeer wenig st ens 50 D i - Visionen gebunden, die den Westmächten in der Entscheidungspbase des Kampfes fehlen. Fer- jner waren Frankreich und England genötigt, auf iiben verschiedenen Abschnitten von den Alpen bis 8nah Syrien einen bedeutenden Teil ihrer Luft- streitkräfte einzusetzen, während im Mittel- mer ein großer Teil ihrer Flotten st reit- kräfte zurückgehalten wird.

lluch auf diplomatischem Gebiet war Italien titg, inbfcm es verhinderte, daß der Konflikt sich auf den Balkan ausdehnte, was Deutschland die Mglichkeit gab, seine Bezüge an Lebensmitteln unb Rohstoffen aus diesem Raume fortzusetzen.

WiA Die Politik der Monroedoktrin würde also durch die "hkü? Initiative Amerikas selbst, das sie geschaffen habe

so schwieriger werde es für einen Alliierten von lltbersee, ihnen ohne Risiko seine Hilfe zukommen r Lil lassen. Wenn die Vereinigten Staaten sich das M Richt anmaßen sollten, zugunsten eines europäischen 7' »M Staates einzugreifen, so könne man in der Tat nicht Utrecht einsehen, weshalb eines Tages eine europäische d! k l Gioßmacht nicht zugunsten einer amerikanischen ln- 1 Nction, die sich mit den Vereinigten Staaten in SkK Konflikt befinde, intervenieren könnte. Dies würde X nichts anderes als eine gerechte Gegenaktion auf er di di« Initiative der Vereinigten Staaten darstellen.

vrrden von Lotsen abgeholt.

Erneute Kurseinbußen an der Neuyorker Börse.

R e u y o r k, 6. Juni. (Europapreß.) Der dettsche Vorstoß in Frankreich wird von der gesam­te US^.-Presse stark beachtet. Kennzeichnend für di Beurteilung der militärischen Lage war ein Miterer allgemeiner Rückgang der Kurse an der Acllstreet-Börse. Rüstungswerte waren hier- löt nicht ausgeschlossen und s a n k e n b i s über dksi Punkte. Außer Stahl - und Chemie- verten wurden auch die führenden Flugzeug- t)( r t e United Aircraft, Douglas und Glenn-Mar- betroffen, die über zwei Punkte sanken. Auf fort Warenmarkt zeigte sich eine Abwärts- bvegung besonders bei Weizen, Baumwolle, Zucker, Emmi und Häuten.

Zer dänische Ministerpräsident Stauning hielt eine

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Sie englische Regierung beabsichtigt, ihren bis- trgen Botschafter in Moskau Seeds durch Sir ilcfforb Cripps zu ersetzen. Molotow teilte dem

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Aeichsernährungsminister Darr6, m dessen Be- Amng sich der Leiter der Handelspolitischen Abtei- i;. des Reichsernährungsministeriums, Mimste- röiirektor Walter, und Reichshauptamtsleiter fr« Reischle befinden, ist in Rom eingetroffen, mit dem Duce eine Unterredung hatte.

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ägis der dänischen Wahlgesetzgebung.Unsere wirt- fhcttlichen Verhältnisse", so sagte er,sind zur Zeit >r Unordnung geraten, aber wir verlassen uns auf das gute Verhältnis zu der Nation, die uns A nächsten steht und die uns Unabhängigkeit und yifcgrität für die Zukunft sichern wird/ Er er- uitrte auch an die Unterbrechung der Verbindun- gn zwischen dem dänischen Mutterlande und den vuäern und Grönland mit dem Hinzufügen, daß M beklagenswerte Unterbrechung sicher nur eine anbergehende sei.

Mischen Geschäftsträger mit, daß keine Einwände 3 b;G?gen bestehen. Ferner wird die französische Re- 5 rf jjtung ihren bisherigen Botschafter in Moskau, IJL ^"ggiar, durch Lab 0 nne ersetzen. Molotow i ertinrte, er sehe keine Einwände dagegen.

- * rer vamiche uiuniiierprafweni öiuuning ytcn cmc en!: IM S prache an die Nation aus Anlaß des 25. Jahres- iWwT ........ ,1r----:1

Grauenhafte Ermordung verschleppter Ausländer in Frankreich.

Auch der belgische Nexistensührer Oegrelle wahrscheinlich erschossen. Oer Bruder des holländischen Nationalistensührers Musseri umgebracht.

Berlin, 6. Juni. (DNB.) Die Deutsche Infor­mationsstelle teilt mit:

Von Tag zu Tag mehren sich die Zeugnisse da­für, daß feit dem 10. Mai 1940, von den Franzosen sowohl in Frankreich selbst als auch in Holland, Belgien und Luxemburg ein wilder bestialischer Terror entfesselt worden ist, gegen alle in jenen Gebieten ansässigen Deutschen und solche Nicht­deutsche, von denen angenommen wird, daß sie mit Deutschland irgendeine Beziehung hätten. Besonders auch gegen diejenigen, die in ihrer Heimat als Re­präsentanten alten bodenständigen Volkstumes und damit als Gegner des korrupten Systemes der plu-, tokratischen Demokratien angesehen wurden.

Einzelheiten über die grauenvolle Ermordung von 72 Menschen in Abbeville und Lille ent­hüllen ein wahrhaft schreckenerregendes Bild. Diese 72 Menschen waren in Belgien verhaftet worden^ohne daß ihnen das geringste Vergehen vorgeworsen werden konnte. Sie wurden dann von den Franzosen nach Lille und später nach Abbeville verschleppt und dort nach fürchterlichen Mar­tern schließlich ermordet. Es handelt sich um Angehörige folgender Staaten: Deutschland, Italien, Rußland, Ungarn, Holland, Belgien,

Schweiz, Dänemark. Der Führer der Rexistenpartei L6on De grelle ist aller Wahrscheinlichkeit nach in Lille erschossen worden. Der holländische Volkstumsführer Rost van Tonningen ist mit vielen Anhängern der holländischen Mussertbewe- gung nach Frankreich verschleppt wor­den, während der Bruder Musserts ermordet wurde. Erst durch den Vormarsch der deutschen Truppen wurde die Gruppe Rost van Tonningen in Calais wieder befreit. Die Franzosen wollten in Frankreich selbst und auch in Holland, Belgien und Luxemburg alles vernichten, was deutsch iff oder infolge verwandter weltanschaulicher Ideen mit dem neuen Deutschland sympathisiert. In Bel­gien, Holland und Luxemburg haben die Franzosen unter dem Regime der von England und Frank­reich abhängigen früheren dortigen Regierungen willige Werkzeuge für die Durchführung ihres Planes gefunden. Der Vormarscb der deutschen Armeen wird die unglücklichen Opfer des französi­schen Terrors, wenn sie noch leben, bald befreien. Repressalien sind eingeleitet. Auf jeden Fall aber werden die Untaten der schuldigen Verbrecher ihre gerechte Sühne finden und eine Wiederholung sol­cher Verbrechen in Zukunft ein und für allemal ausgeschlossen werden.

Crschüttemder Bericht eines verschleppten Dänen

Einer der Verschleppten, der dänische Ingenieur Winter, dem es gelungen war, sich im letzten Augenblick in Sicherheit zu bringen, hat seine er­schütternden Erlebnisse zu Protokoll gegeben. In dieser Aussage heißt es:

Ich hielt mich in Amsterdam im Auftrag meiner Firma vom 5. Mai bis 8. Mai nachmittags auf, reifte dann nach Brüssel, um unseren bel­gischen Vertreter zu informieren und beabsichtigte, nach zweitägigem Aufenthalt über Aachen zu unse­rem Geschäft in der Schweiz weiterzureisen. Am 10. Mai 9 Uhr früh wandte ich mich bei einem Aus­gong in die Stadt, in unmittelbarer Nähe des Ho­tels an einige Männer, die bei einem Auto standen, mit der Bitte um Beschreibung einer Straße, in der das Schweizer Konsulat lag. Die Männer waren offenbar Beamt e der Surets Publique, die mich sofort f e st n a h m e n, da sie mich an mei­ner Aussprache offenbar als Nichtbelgier erkannten, mir meinen Paß abnahmen und mich zwangen, in das Auto einzusteigen. Dabei wurde ich wegen mei­nes deutschen Paßbegleitscheines und Sichtvermerkes alssale boche undsale cochon beschimpft. Die Beamten hielten Personen, die ihren Verdacht er­regten, an, und luden sie zu mir in das Auto, so­bald es sich um Ausländer handelte. Als das Auto (Flitzer) voll war, wurden wjr ins Palais de Justice eingeliefert, wo man uns sämtliche Ausweise ab­nahm und uns als gefangen erklärte. Am selben Tage noch wurden wir nach dem Gefängnis St. Gil­les meitertransportiert. Montag, den 13. Mai, wur­den wir dann wieder mit Lastwagen weitertrans­portiert nach Brügge.

Von dort ging die Reise wiederum mit Lastwagen weiter nach Lille-Fe st ung, wo aus unserem Transport durch Namensaufruf der Rexisten- führer Löon Degrelle herausgenommen und von vier Soldaten über den Hof und außer unserer Sicht geführt wurde. Kurz danach hörten wir Schüsse und nahmen an, das Degrelle erschossen worden sei. In Lille hatte ich Gelegenheit, die einige 70 Personen unseres Transportes näher zu betrachten. Es waren Angehörige der ver­

schiedensten Länder wie Holländer, Belgier, Schweizer, Italiener, Russen, Deutsche und ich als einziger Däne. Ein Deutscher stammte aus Köln und ist Regierungsrat. Einer der Belgier war ein Pfarrer. Anscheinend waren auch drei Belgierinnen und drei Holländerinnen dabei. Nachmittags wur­den wir bann von der Festung in bas Gefäng° n i s von Lille gebracht. Französisches und belgisches Gefängnispersonal riß uns auch den Frauen sämtliche Kleider vom Leibe, bis wir nackt waren, und bann mißhandelte jeder, der uns zu sehen bekam, mit Kolbenschlägen, Fußtritten usw. Ich habe dabei erhebliche Verletzungen erlitten. Alle Wertgegenstände wurden uns abgenommen und danach wurden wir im Zustand völliger Nacktheit in Einzelzellen gesperrt, in die uns erst am nächsten Morgen ein Teil unserer Kleidungs­stücke in völlig zerrissenem Zustand wieder her­eingeworfen wurde. Dieser Vorgang wiederholte sich von jetzt an jede Nacht.

Am 19. Mai wurden wir auf zwei große Last­wagen verladen, die uns unter französischer Mili­tärbedeckung nach Abbeville brachten, wo wir in eine in der Nähe des Gefängnisses befindliche Rotunde gesperrt wurden. In diesem Keller blieben wir bis 20. Mai 15 Uhr. Dann erschien ein fran­zösischer Korporal mit mehreren Soldaten, riß die Kellertür auf und schrie:Vier Mann raus!". Wegen der Ueberfüllung des Raumes und des Ge­stankes st ü r 31 e alles zum A u s g a n g. Der Korporal nahm die vier vordersten mit und schloß die Tür ab. Dann hörten mir Schüsse, offen­bar von einer Maschinenpistole. Dieser Vorgang wiederholte sich auchbei dennächsten beiden Gruppen zu je vier Mann, die freiwillig aus dem Keller traten. Nach der dritten Gruppenablösung sah einer von uns, der zum Fenster hochgeklettert war, daß diese 12 Personen vor der Rotunde lagen. Nun wollte keiner mehr aus dem Keller heraus, so daß der Korporal jedesmal mit Bajonett­anwendung vier Mann herausholte, darunter auch eine Frau. Es brach eine Panik aus, man schrie und protestierte und verlangte ohne Erfolg einen

Offizier zu sprechen, da wir ja sämtlich Aus­länder seien. Als Antwort darauf flog eine Eierhandgranate in den Keller, die je­doch durch einen Elsässer aufgegriffen und wieder zur Tür hinausgeworfen wurde, so daß sie erst im Freien explodierte. Nun baute ein Soldat ein M G. vor dem Kellereingang auf, um uns alle im Keller abzuschießen. Es brach erneut eine furcht­bare Panik aus, die Gefangenen warfen sich auf die Knie, schrien, beteten, betonten immer wieder, daß sie doch Ausländer und keineboches seien, schrien zum TeilVive la France, worauf nun der Kor­poral wieder erschien und erklärte, daß, wenn sich vier Mann freiwillig zum Erschießen m e l d e n , für die anderen ein Offizier geholt würde. Hierauf meldeten sich tatsächlich vier Mann frei­willig, darunter der Deutsche aus Köln. Die vier wurden erschossen, und dann verschloß der Korporal die Tür unseres Gefängnisses und ging weg, um einen Offizier zu holen.

Nach eine halben Stunde kam er wieder zurück mit einer Gruppe von 30 bis 40 Soldaten, die Kellertür wurde aufgeschlossen und wir mußten vor der Rotunde antreten. Von dort marschierten wir zu einer Gerstenmühle in der Nähe des Bahn­hofes. Wir sollten in einem großen Keller hinein- getrieben werden, offenbar um die weiteren Erschie­ßungen nicht mehr vor den Augen der Oeffentlich- keit vorzunehmen. Ich hatte mich schon während des Marsches nach der äußersten Seite gedrängt, um eine Fluchtmöglichkeit sofort wahrnehmen zu kön­nen. Während wir nun in den Keller hineingettie- ben wurden, griffen plötzlich deutsche Sturz­kampfflieger den Bahnhof Abbeville an und eine Bombe schlug in der Nähe ein. Die Verwir- runa benutzte ich, um in einen kleinen Seitenraum zu springen, und mich dort zu verstecken.

Ich hörte dann später, wie zwei Lastwagen wie­der herangeholt wurden, und, wie ich annahm, dar­auf die übrigen (Befangenen verladen wurden. Da­bei wurde wiederholt mein Name gerufen. Ob der Rest der Gefangenen tot ober lebendig abtranspor­tiert wurde, kann ich aus eigenem Augenschein nicht sagen, ich zweifle jedoch nicht daran, daß sie nicht mehr am Leben waren, da ihre ganzen Sachen später vor der Rotunde wiedergefunden wurden. Ich kletterte aus meinem Versteck heraus und kroch nun auf allen Vieren in dem Gebäude herum, um einen Fluchtweg zu suchen. Vom obersten Stock­werk aus sah ich plötzlich motorisierte deu- s ch e Truppen in die Stadt einrücken. Ich rannte sofort zu dem ersten deutschen Auto, dessen Fahrer mich zu seinem Kompaniechef brachte, der mit mir zur Rotunde fuhr. Dort lagen die 21 Erschossenen alle mit Kopfschüssen. Da­bei lagen auch'noch die Sachen der 72 Gefangenen, jedoch ohne Wertgegenstände.

lieber den Vorgana der wahrscheinlichen Er­schießung L6on Degrelles versichert Herr Winter folgendes:Im Festungshof Lille wurde Degrelle durch Namensaufruf aus der Reihe der übrigen Gefangenen hervorgeholt, von dem mit ihm zusammengeketteten alten Herrn losgelöst und von vier Soldaten über den Hof hinweg zunächst in ein kleines Gebäude gebracht. Nach einer halben Stunde wurde Degrelle diesmal allein gefesselt wie­der durch vier Soldaten heraus- und hinter eine Mauer gebracht, an der sich Bedürfnisanstal­ten befanden. Unmittelbar darauf fielen eine Reihe Schüsse, wonach dann einer der Sol­daten, der zu unserer Bewachungsmannschaft ge­hörte, zu uns zurückkam und dabei mit abschließen­der Handbewegung das Wort ,t a p u t F aus- sprach"

Zwischen Cambrai und Arras.

Blitz-Vormarsch nach Frankreich.- Mißlungener seindlicherTankangriff bei Arras

Ander Front, im Mai 1940.

Holland hatte kapituliert. Kaurn konnten wir den Ereignissen folgen, da ging es im blitzschnellen Vormarsch nach Belgien hinein. Von L e e r J u m in der Utrechter Gegend, wo die uns freundlich ge­sinnte niederländische Bevölkerung uns gastliche Aufnahme für eine Nacht gewährt hatte, fuhren wir, vorbei an den Schlachtfeldern von Rhenen, dem Hauptstützpunkt der stärksten holländischen Be­festigungslinie (Grebbe-Linie) der deutschen Grenze entgegen. Bei M o nschau, in der Nähe von Aachen, stießen mir auf unsere Westbefestigungen und betraten hier, völlig ungehindert vom Feind, belgischen Boden. Jubelnde Zurufe der Bevölkerung empfingen uns in Eupen-Malmedy, das inzwischen zum Reich zurückgekehrt ist. St. Vith, eine feste Burg des Deutfchtums, prangte im Schmucke der Hakenkreuzflaggen.

Aber nur wenig Zeit hatten wir, uns mit den vor Freude und Gluck strahlenden Volksgenossen zu unterhalten. Weiter, immer weiter ging unsere Fahrt, durch verlassene Ortschaften, über zerschossene Straßen und Gräben in Richtung D i n a n t, etwa 25 Kilometer südlich von der Festung Namur, lieber eine von unseren Pionieren gebaute Pontonbrücke setzten mir mit unseren Fahrzeugen hier über die Maas, ließen die von deutscher Artillerie und Flie­gern stark mitgenommene Stadt hinter uns und überschritten, mitten in der Nacht, bei Beau­mont abermals eine Landesgrenze. Von fern her hörten mir das Donnern der Geschütze bei Mau- beuge. W i r mären in Frankreich!

Soll ich schildern, mas sich unseren Augen bot, je meiter mir hineinstießen in das Land? Soll ich schreiben, mit melcher Wucht das scharfgeschliffene deutsche Schmert den Feind auf der ganzen Linie vernichtet und vertrieben hat? Es genügt, zu sagen, daß gemaltige Kolonnen des vor der Intensität des deutschen Angriffs zurückflutenden Feindes der Schnelligkeit unseres Vormarsches nicht gemachsen maren, völlig aufgerieben mürben und als traurige Reste einer einst vielgerühmten Stärke der deutschen Kraft das beste Zeugnis der unbedingten lieber« legenheit lieferten. Zum erstenmal sahen mir hier aefangene Engländer, große Züge entmaffneter Franzosen, die, gemeinsam mit ihren schmarzen Stammesbrüdern", mit ihrem Los durchaus nicht unzufrieden schienen. Sie hatten nach liebermim düng des erstey Schreckens gemerkt, daß Deutsch­land auch seinen Gegner, der sich im offenen Kampf

tapfer hält, achtet und entsprechend behandelt. Das spürten auch die großen Züge der Flüchtlinge, die ein trauriges Bild der Verlassenheit ihrer belgischen Heimat zustrebten. Vollkommen verhetzt von der französischen Propaganda hatten sie in der Grande Nation" die ermartete Unterstützung nicht gefunden. Als sie erkannten, daß die deutschen Truppen nicht über mehrlose Frauen und Kinder herfallen, da fluteten sie miet)er über die Grenzen zurück, holten sich von uns Brot, Getränke und Zigaretten.

Je näher mir selbst in die Gegend von C a m - b r a i tarnen, desto mehr auch mußten mir erkennen, daß sich hier der feindliche Widerstand konzentrierte, um den deutschen Vormarsch zu stoppen und auf­zuhalten. Wir aber mußten durch! Unser Ziel mar Arras! Cambrai,, mo im November 1917 zum erstenmal in der Geschichte des modernen Krieges feindliche Tanks im Großeinsatz vergeblich gegen die deutschen Truppen vorgingen, lag einsam und verlassen. Vor uns marschierende Kräfte hatten bereits jeden Widerstand gebrochen. Ungehindert kamen mir bis kurz vor Arras.

Hier, mo noch am 21. März 1918 die deutsche Frühjahrs-Offensive beimUnternehmen Michael" steckenblieb, bereiteten Engländer und Franzosen in diesen Tagen erneut einen Massen-Tank- an griff vor. Wir Nachrichter hatten die Auf­gabe, die Verbindung zmischen den einzelnen Ge- fechtsständen herzustellen. Kaum hatten mir, meit vor der Infanterie liegend, die ersten Trommeln mit dem schweren Feld-Fernkabel ausgelegt, da setzte ein mörderisches Feuer ein. Englische und franzö­sische Tanks von geroaltiaen Ausmaßen griffen uns an. Die hinter uns stehenden deutschen Pak-Geschütze eröffneten das Gegenfeuer. Die Hölle war auf!

Im Feuer unserer Geschütze kam der feindliche Anriff zum Stocken. Mehrere Panzerwagen aber brachen durch und standen plötzlich auf einem Bahn­damm, hinter dem sich zehn tapfere Männer eines Bautrupps verschanzt hatten. In letzter Minute er­schienen deutsche Tanks, die den Feind gründlich vernichteten. Und im Brüllen der Geschütze Eng­länder und Franzosen waren längst dem deutschen Gegenstoß gewichen und hatten sich in ihren Schlupf­winkel zurückgezogen bauten wir unsere Leitung aus. Einer unserer Kraftwagen ging allerdings da­bei drauf. Durch ihn sauste mitten hindurch ein Pak- Geschoß. Unsere Arbeit war aber vergeblich, beim an vielen Stellen mar das Kabel zerschossen, zer­

rissen und vom Feind sogar zerschnitten. Mr muß­ten die aus dem Kampf ohne Verluste zurück­kehrenden beiden Bautrupps murden abermals dafür eingesetzt in der Nacht auf Umwegen ein neues Netz bauen. Morgens gegen 0.05 Uhr lag die Lei­tung fertig. Todmüde, verdreckt und beschmutzt sanken mir für einige Stunden auf unser hartes Laaer.

Unser Austtaa aber mar erfüllt. Noch am gleichen Tage erfolgte der deutsche Angriff. Nachdem einige feindliche Aufklärer von unseren tapferen Jägern erledigt maren, durchbrausten unsereStu­kas" die Lust, senkten sich auf Arras nieder, morsen ihre schmere Last ab und hüllten somohl die Stadt, als auch die Umgebung in Rauch und Flammen. Im Schutze ihrer Wirkung holten mir das beschä­digte Kabel ein, tarnen glücklich mieder in unsere Stellung und brachten unseren Kameraden noch große Mengen erbeuteter englischer Zigaretten mit.

Arras ist, mährend ich diese Zeilen schreibe, sturm­reif. Den englischen Kommandeur der feindlichen Panzermagenkräfte sah ich persönlich als Gefange­nen im Lager des Generalkommandos. Er sagte, selbstbemußt dabei lächelnd:Der Krieg ist ein Spiel, ich habe dabei verloren!"

Gefr. Otto Schober.

Das Genthiner Eisenbahnunglück vor Gericht.

Vor der Magdeburger Strafkammer fand die Eisenbahnkatastrophe, die sich am 22. Dezember vo­rigen Jahres auf dem Bahnhof in Genthin er­eignete, ihr gerichtliches Nachspiel. Die Hauptschuld an dem Unglück, das 187 Todesopfer und 100 Ver­letzte forderte, trifft den angeklagten Lokomotivfüh­rer Wedekind, der in überaus leichtfertiger Weife das Halt zeigende Signal bei Block Belicke überfahren, dann die Notsignale des Schranken- märters unb schließlich auch das auf Halt gebrachte Einfahrtssignal vom Bahnhof Genthin sowie die entsprechenden, in Warnstellung stehenden Vor­signale bei Block Belicke und Genthin unbeachtet ge­lassen hatte. Das Gericht verurteilte ihn unter Ab­wägung des Umstandes, daß er bisher ein tadel­freies Leben geführt, aber in dem vorliegenden Falle grob fahrlässig gehandelt hatte, zu drei Jah­ren Gefängnis. Der Reservelokomotivführer N. unb der angeklagte S. wurden freigesprochen. Der Dor- sitzenbe hob hervor, daß die technischen Signalein­richtungen der Reichsbahn durchaus einwandfrei gearbeitet hätten und daß die Katastrophe hauptsäch­lich auf das Verschulden des Angeklagten Wedekind, eines bis dahin stets zuverlässigen Lokomotivfüh- rers, zurückzuführen war.