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>90. Jahrgang Nr. >33

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Gietzener Anzeiger

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Zur Sammlung und vorübergehenden Unterbringung der wie der zusammenfassende Bericht des Führerhauptquartiers feststellt 1,2 Millionen zählenden Gefangenen am westlichen Kriegsschauplatz, dienen verschiedentlich auch die Kasernen des französischen Militärs und der Mobilgarde in den be­setzten Gebieten. Unser Bild zeigt den Eingang zu einer französischen Kaserne, die als deutsches Gefangenlager dient, zur Stunde der Essenausgabe. (PK.-Böcker-Scherl-M.)

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erfüllt", so schildert das Kopenhagener BlattBer- lmgske Tidende" die Einleitung zum zweiten Ab­schnitt des Krieges gegen die Westmächte und fährt fort:Das Ziel der Offensive, die knapp hundert Kilometer vor der französischen Hauptstadt anrollt, ist die völlige Trennung Englands von Frankreich und die Schaffung neuer Operationsbasen gegen England. In Wirklichkeit ist die Offensive ein viel zu schwaches Wort für die Initiative, die Deutsch­land heute entfaltet: es ist vielmehr der motori­sierte Bewegungskrieg zu Lande und in der Luft, der losgelassen worden ist und der alle traditionellen Vorstellungen eines Großangriffes verblassen läßt."

Politiken" nennt die Offensive einen zweiten Polenfeldzug, der unter unendlich günstigeren Vor­aussetzungen für den Angreifer begönnen" werde als dres je zuvor der Fall gewesen ist Das Fehlen ab­soluter Verteidigungslinien hinter der Weygand« Front, das bereits durch Fliegerangriffe zerstörte Hinterland hinter der französischen Abwehrlinie, Deutschlands Ueberlegenheit in der Luft, Frank­reichs völlige Isolierung und die enorme Ueber­legenheit an Kriegsmaterial auf deutscher Seite lassen an einem deutschen Siege kaum zweifeln. Gegen die technischen Hilfsmittel der deutschen Wehrmacht", so schreibt das Blatt,werden auch die Ueberreste der französischen Armee nichts mehr aus­richten können. Was man jetzt erleben wird, kann nur ein zweites Polen in größerem Aus­maße werden."

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planmäßiger Verlauf der deutschen Operationen.

Wichtige Flugplätze in Miitelseaukeeich und an der englischen Eüdnstknste angegriffen

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Genf, 6. Juni. (Europapreß.) Nach der Umbil­dung des Kabinetts Reynaud vom 17. Mai, bei der Daladier vom Kriegs- in das Außenministerium hinüberwechselte, ist wieder eine Kabinetts­umbildung in Frankreich erfolgt. Das hauptsäch­lichste Merkmal dieser Umbildung ist das Aus­scheiden Daladiers sowohl aus dem Außen­ministerium, als auch aus dem Gesamtkabinett selbst. Reynaud übernimmt jetzt auch das Außenmini­sterium. Er wird dort von Baudoin, im Landes­verteidigungsministerium von General Decol un­terstützt. Unter den neuen Ernennungen sind die folgenden besonders zu erwähnen: Finanzminister: Boutellier (bisher Lamoureux); Gesundheits­minister: Pernot (bisher Herauld); Informatio­nen: Prouvost (bisher Frossard); Oeffentliche Arbeiten: Frossard (bisher de Monzie); Unter­richtsminister: Delbos (bisher Sarraut).

Neutrale Beobachter meinen, daß die Kabinetts­umbildung für den Augenblick die Stellung Rey- nauds zwar stärkt, in Wirklichkeit aber aufzeigt, daß das Kabinett Reynaud mit ft arten opposi­tionellen Kräften z u rechnen hat. Der Eindruck, den die Umbildung im neutralen Ausland gemacht hat, ist ausgesprochen schlecht. Wie aus Paris gemeldet wird, sollen noch weitere Ueberraschungen bevorstehen. Diese an­dauernden Veränderungen im Kabinett, im Stabe des Quai d'Orsay und in der ersten Garnitur der Beamten des Innenministeriums bzw. der inneren Verwaltung können nach neutraler Meinung noch ungeahnte Folgen nach sich ziehen Auf jeden Fall erlangt das Diktatur-Triumvirat Rey - naud-Mandel-Weygand immer größere Machtvollkommenheiten in Frankreich, noch den bis­herigen Erfahrungen der sicherste Anfang vom Ende eines Regimes.

In Paris herrschte außerordentlich rege politische Geschäftigkeit. Die Besuche bei dem Präsidenten der

Erneute Kabinettsumbildung in Frankreich

Daladier ganz ausgebootet.

Heeres vollkommen geklärt. Erst nachdem der letzte Widerstandsherd, Dünkirchen, gefallen war, sei der Stoß auf Paris angesetzt worden. Deutschland habe auch für keine anderen Fronten militärisch vorzusorgen. So stehe die ganze mili­tärische Macht Deutschlands dem französischen Heere gegenüber.

Der Kriegsberichterstatter der schwedischen Zei­tungAftonbladet" auf der Seite der deutschen Front in Nordfrankreich bestätigt:An mehreren Stellen sind die Deutschen bereits über die Somme gegan­gen. Unaufhaltsam rollen die deutschen Panzer­wagen gegen die französischen Linien vor. Unüber­sehbare Mengen von Material und all dem, was Deutschland an erstklassigen Truppen besitzt, wer­den in diesen Kampf geworfen. Die Organisation des deutschen Aufmarsches war perfekt. Wäh­rend der vierundzwanzig Stunden, in denen ich mit anderen ausländischen Journalisten durch das Kampfgebiet fuhr, konnten wir kn meilenweiten Kolonnen der deutschen Truppen keine einzige Stockuna feststellen. Rasch rollen die unendlichen Züge von Artillerie, Kampfwagen und Transport­fahrzeugen vorwärts. Für die Benzinoersorgung hat man im voraus getarnte Benzinstationen ein­gerichtet."

Noch ist der stolze Rapport über die siegreich abgeschlossene erste Phase des Krieges nicht aus der Rotationspresse gekommen, da rollt schon die deut­sche Eroberungsmaschine über Somme und Aisne. Die Lust über Deutschland ist voller Glockenklang, über Frankreich ist sie vom Höllenlärm der Kanonen

Republik, Lebrun, rissen kaum ab. Paul Reynaud empfing gleichfalls einen Besucher nach dem an­deren. Bevor die Kabinettsumbildung spät abends Wirklichkeit wurde, sollen sich einige Senatoren bei Lebrun persönlich gegen eine solche Veränderung ausgesprochen haben. Den ganzen Tag über war die Atmosphäre in Paris gespannt; in den Wandel­gängen der Kammer gingen die tollsten Gerüchte um. Reynaud gab in der Sitzung der Armeekommission einen Bericht über die militärische Lage und die Kriegführung seit dem 3. September 1939. Er soll mit scharfen Verurteilungen Gamelins und einiger seiner nächsten Mitarbeiter nicht gespart haben, was auch die Ursache der am Abend in Paris um­laufenden Gerüchte gewesen sein soll. Bezüglich der Interpellationen der Kommissionsmitglieder hin­sichtlich der neuen deutschen Offensive an der Somme und an der Aisne verwies Reynaud auf die Er­eignisse selbst. Im Ausschuß für Auswärtiges stand im Mittelpunkt der Diskussion die Haltung Italiens. Die Nachricht von dem Minenlegen Italiens in seinen Küstengewässern schlug wie eine Bombe ein und wurde von einigen nervösen Aus­schußmitgliedern als Auftakt zum Kriege angesehen.

Reynaud hat am Donnerstagabend eine Rund- funkrede gehalten, die mit der vielsagenden Fest­stellung begann, daß er innerhalb von 14 Tagen zum dritten Mal im Rundfunk spreche und daß er immer schlechte Nachrichten" habe. Nach der erneuten Beteuerung, daß die Logesehr ernst" sei, versuchte er sich hinter General Weygand zu verschanzen, der angeblich seine Zufriedenheit über die Art, wie die neue Schlacht begonnen habe und wie seine Befehle ausgeführt wurden, geäußert habe. Den Schluß der Rede bildete ein verzweifelter Appell an die französische Einheit. Er fordert zur Rettung Frankreichs auf und wiederholt die Fest­stellung, daß ,Has Vaterland in Gefahr" sei.

Die französischen Zeitungen heben den entschei-

stellt die römische Presse fest, zwingt die sran- pf scheu Truppen zu einem teilweisenstrategischen Kickzug". DerTeuere" glaubt in den Richtungen in von der deutschen Heeresleitung geführten kräf­tigten Vorstöße eine Lage sich entwickeln zu sehen, iie jener vom August 1914 nicht gleiche. Im Jahre 1914 habe der rechte Flügel des deutschen Heeres tor Antwerpen, Brüssel, Maubeuge mehrere Armee- lnps zurückgelassen sowie 2 Armeekorps nach Ost- jnußen abgeben müssen. Vor Paris seien nicht kehr 52, sondern nur 42 deutsche Divisionen an- ftlangt. Der Vorstoß auf Paris sei somit im Jahre 1914 mitsinkender Kraft" geführt worden. Diesmal

betontTeuere", sei die Lage g a n z a n d e r s. <cc dem Stoß nach Süden habe die deutsche Heeres- liitung bie Lage inr Rücken des kämpfenden

. y l^om, 7. Juni. (Europapreß.) Schon der erste FüELP kl)ß der gewaltigen deutschen militärischen Macht,

Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag.

Führerhauptquartier. 6.3unL (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt. Die gestern begonnenen Operationen in Frankreich verlaufen planmäßig. Unsere Truppen haben überall nach Lüdwesten Raum ge­wonnen.

Die Zahl der Gefangenen bei Dünkir­chen hat sich auf 58 000 erhöht. Die Reute an Waf­fen und Kriegsgerät aller Art ist unübersehbar.

Die Luft ipa f f e belegte am 5. Juni Truppen­ansammlungen und Kolonnen hinter der angegrif­fenen feindlichen Front mit Bomben. Sie griff ferner mehrere wichtige Flugplätze in ANttelfrankreich, den Kriegs- und Handels­hafen Cherbourg und in der Rächt zum 6. Juni zahlreiche Flugplätze an der Off- und Sub- vft küfte Englands mit gutem Erfolg an. Die Eefamtverlufte des Gegners betrugen 14 3 Flug­zeuge, 49 wurden im Lufkkampf, 19 durch Flak abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. 19 deut­sche Flugzeuge werden vermißt.

Der Feind wiederholte feine Luftangriffe gegen vichtmititärische Ziele in der Rächt zum 6. Juni in Hord- und Westdeutschland. Wesentlicher Schaden iff nicht angerichtet worden. Hrei feindliche Flug- zruge wurden hierbei abgeschossen, davon zwei über Hamburg durch Rachtjäger, ein drittes in den Rie- derlanden durch Flak.

London stellt fest: Wachsender deutscher Druck an der Somme.

Stockholm, 7. Juni. (Europapreß.) Nur sehr zögernd nimmt man in London zu der großen deutschen Offensive in Frankreich Stellung. Der Londoner Rundfunk sieht sich gezwungen, zuzuge­ben, daß der deutsche Druck auf die französischen Stellungen im Wachsen begriffen sei; er zwinge Tanks und schwere Artillerie der Franzosen teil­weise zum Rückzug. Besonders im Kampfabschnitt der unteren Somme sei ein beträchtlicher deutscher Druck festzustellen. Weiter seien deutsche Angriffe in der Gegend von Soissons ge­meldet worden. Der rechte Flügel der fraanzösischen Armee sei starken feindlichen Angriffen ausgesetzt, wobei sich die Deutschen der bereits in Flandern angewandten Taktik bedienten, die französischen Stellungen schwer zu bombardieren, um dann an den zuerst eingedrückten Stellungen der französi­schen Linie zum Großangriff anzusetzen.

Der deutsche Vorstoß gegen die Somme-Aisne- Siellung veranlaßt englische Kreise zu dem Einge- Bndnis, daß sich das Schicksal Frankreichs unter Umständen schon in den nächsten Wochen entscheiden kann. Es wirb zugegeben, daß die schwere Katastrophe, von der Churchill im Unter­haus sprach, zuerst Frankreich zu bedrohen scheint. DieTimes" muß zugeben, daß der deutsche Zu­griff von Namsos bis zur Somme-Mündung voll­ständig sei. In dem Augenblick, da' die deutsche Nfensive beginne, hätten die Westmächte gerade eine erste Niederlage erlitten.Der Flandernrückzug üt keine Parallele zu Gallipoli oder zur Marne- Schlacht. Er erinnert an die Verfolgung nach der Schlacht von Jena, als die Kavallerie des Generals Murat das preußische Heer verfolgte." Gleichzeitig nacht dieTimes" die französische Heeres- leitung für die Niederlage verantwortlich und schreibt:Die Geschichte wird darüber urteilen, was tm verheerendsten wirkte: Englands Versäumnis, im rechtzeitigen Augenblick eine starke Expeditions­armee nach Frankreich zu schicken oder aber die phantasielose unb überalterte französische Taktik und Militär-Doktrin, die jede Initiative tötet und in 8'derspruch zu den höchsten französischen Traditio­nen steht."

In englischen Militärkreisen versichert man, so schreibtSagens Nyheter", England werde alles hm, um den französischen Bundesgenossen zu unter­stützen. Die erste Hilfe, die es allerdings bringen Lane, liege lediglich in einer Verstärkung der iranzösischen Luftwaffe durch englische sslagzeuge. Die Regierung wolle daher Jagdmaschi- ten schicken, da man schwere Einheiten nicht ent­eren könne.Frankreichs Lage", so schreibt der Londoner Vertreter vonDagens Nyheter",wird als ernst angesehen."

Großer Eindruck aus ausländische Beobachter.

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Deutsche Kriegskunst.

Don Erhard Wegeti, Obernleutnant a. O.

Wer die Ereignisse an der Westfront verfolgt, die Eroberung Hollands in fünf Tagen, die In­besitznahme Belgiens und eines beträchtlichen Teiles von Nordfrankreich, die Einnahme der französischen Kanalhäfen in wenig mehr als zwei Wochen, das Ueberrennen von uneinnehmbar scheinenden tief- gegliederten Festungssystemen neuzeitlicher Bauart, die Einschließung und Vernichtung ganzer Armeen, der mag sich fragen, worin das Geheimnis so un­erhörter Erfolge der deutschen Wehrmacht beruht. Zweifellos ist ein großer Teil der Erfolge auf die Anwendung neuartiger Kampfmittel, die für unsere Gegner eine Ueberraschung bedeutet haben, zurück­zuführen. Aber die besten Kampfmittel reichen nicht aus, um derartig gewaltige Siege 3u erringen, wenn nicht die Kunst, sie an der richtigen Stelle und im richtigen Augenblick einzusetzen, hinzutritt und wenn nicht die Truppe, in deren Hand sie ge­geben sind, sie mit überlegener Sicherheit beherrscht. Das ist es, was wir mit dem WortKriegskunst" bezeichnen wollen.

Kunst" kommt vonKönnen", und wenn dies für jedwelche menschliche Betätigung zutrifft, so ganz besonders für die militärische, die in der Kriegführung ihre höchste Bewährungsprobe ablegt. Es soll im folgenden nicht etwa das Rezept der deutschen Siege gegeben werden. Wer das von diesen Ausführungen erwartet, wird vielleicht ent­täuscht sein. Es soll vielmehr versucht werden, dar­zustellen, worauf im wesentlichen die deutsche Kriegs­kunst beruht.

Beginnen wir mit dem Kleinsten, der Einzel­ausbildung. Schon hier werden die Grund­lagen der Kriegskunst in unermüdlicher, wohldurch­dachter Arbeit geschaffen. Die Beherrschung der neuzeitlichen so mannigfachen und technisch vervoll­kommneten Waffen und sonstigen Kampfmittel muß bis zur Kunst durchgeführt werden, denn nicht die Waffen siegen, sondern die 'Männer, die sie füh­ren. Welche unendliche Kleinarbeit dazu gehört, bei­spielsweise aus einem Rekruten, der vielleicht noch nie ein Gewehr in der Hand gehabt hat, einen Scharfschützen am Gewehr oder Maschinengewehr zu machen, das weiß jeder, der mit Truppenaus­bildung zu tun gehabt hat. Die Beherrschung der Waffe muß so vollkommen sein, daß sie auch in schwerster Lage, wie sie nur der Krieg bringen kann, geradezu automatisch erfolgt. Das wird in der Friedensausbildung durch den deutschen, oft mißverstandenen und gar geschmähtenD r i l l" erreicht. Er darf ebenso wenig bei den anderen Waffen fehlen, bei dem Artilleristen, der das Ge­schütz bedient, beim Krad-Schützen, der seine Ma­schine durch das schwierigste Gelände bringt und dann ruhig und sicher seine Waffen verwendet, beim Pionier, bei der Panzerwaffe, die trotz der schlin­gernden Bewegung des Kampfwagens ihr Ziel zu treffen verstehen muß, und bei der Luftwaffe. Das gleiche gilt von den Seestreitkräften, und zwar hier ganz besonders. Der überaus komplizierte Apparat eines neuzeitlichen Schlachtschiffes, Kreuzers, Tor­pedobootes oder gar eines U-Bootes kann nur dann im Ernstfall bei hohem Seegang, ungünstiger Be­leuchtung und schwerem Beschuß bis zur Voll­endung bedient werden, wenn durch den Drill jeder

benden Charakter der neuen Schlacht an der Somme unb Aisne hervor, die bereits als S ch lacht von Paris" bezeichnet wird. Die Blätter betonen, daß von ihrem Ausgang nicht nur das Schicksal Frankreichs, sondern auch das von England abhänge.Das Schicksal Englands wird auf unserem Boden entschieden", schreibt derJour". Es ist daher Pflicht und Interesse der Alliierten, sofort alle Kräfte in diese Schlacht zu werfen. Die Verteidigung von London kann nur an der Aisne und Oise gesichert werden."

Römische Stimmen.

Rom, 7. Juni. (Europapreß.) Einem vom italie­nischen Rundfunk verbreiteten Bericht aus Paris ist zu entnehmen, daß durch die Niederlage der Westmächte in Flandern nicht nur die gemeinsame englisch-französische militärische Front vernichtet worden ist, sondern daß auch die gemeinsame politische Front Englands und Frankreichs, wenn nicht schon einen Bruch, so doch eine schwere Erschütterung erlitten hat. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Regierungskrise in Frankreich durch die Aeußerung Churchills im Unterhaus ausgelöst worden ist, worin der erfolglosen fran­zösischen Außenpolitik sowie der französischen Heeres­leitung die Schuld am Zusammenbruch in Flandern und Nordfrankreich und damit auch die Verant­wortung für die Vernichtung des englischen Expe­dittonskorps zugeschoben wird. Präsident Lebrun habe befürchtet, in dieser Aeußerung ein Anzeichen des Bruches der englisch-französischen Solidarität sehen zu müssen. Er habe sich daher nicht auf eine Aussprache mit Reynaud beschränkt, sondern auch Laval und andere ehemalige Ministerpräsidenten ZU sich gebeten, um ihre Auffassungen kennen zu lernen. Darauf sei Reynaud ins Elysee geeilt und habe, um eine Demission der Regierung zu vermei­den, als Verantwortlichen für die so kläglichen Aus­wirkungen der verfehlten Außenpolitik der franzö- fischen Volksfront die Opferung Daladiers angeboten sowie einen Umbau der Regierung, 3n diesem sieht die römische Presse freilich keine ab­schließende Lösung, sondern nur ein Hinaus- schieben des endgültigen Abganges Reynauds und feiner Spießaesellen. Die politische Tragweite der Opferung Daladiers sei immerhin von Bedeu­tung, schreibtTevere", sie werde in Paris auch in diesem Sinne beurteilt. Daladier sei der Mann von Ajaccio, der dort mit gezücktem Dolche das bekannt­gewordeneJamais" ausgestoßen habe. Auch die Beratung, Lebruns mit Laval ist, wieGiornale d'Jtalia" meint, nicht bedeutungslos gewesen, ob­wohl Laval wieder nicht in die Regierung aufge­nommen worden sei.