Ausgabe 
7.2.1940
 
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fung durch den Führer in Deutschland kommen, um das Verhältnis Mitteleuropas zum Balkan so zu ordnen, wie das der Geschichte, der Ueberliese- rimg und der geopolitischen Gegebenheit entspricht. Es wurde nicht nur ein gutes Verhältnis zu den Balkanstaaten hergestellt, es gelang der deutschen Polttik auch, viele Reibungsflächen abzubauen, die die Versailler Politik der Westdemokratien vielfach gewaltsam und bewußt eingebaut hatte. Die wirr* schaftliche und finanzielle Lage der Valkanstaaten hat sich seit sieben Jahren gründlich gewandett: sie sind aus der Krisenzone herausgekommen, haben den Weg gefunden, auf dem es wirtschaftlich und politisch aufwärts und vorwärts geht.

Gercckie diese friedensfördernde Tatsache erregte in Paris und London wachsendes Mißfallen; und das war auch die eigentliche Ursache, um Rumänien und Griechenland die berüchtigteGar an- t ie" aufzuzwingen. Auch die Türkei wurde damit bedacht, um darüber hinaus einen Bündnispakt mit den Westdemokratten abzuschließen, der sich orga­nisch nicht in den Balkanbund einordnen läßt. Wenn eine Staatengruppe, wie der Balkanbund, es als lebenswichtig für Gegenwart und Zukunft erkannt hat, in einem Konflikt der Großmächte neutral zu bleiben, so widerspricht es dem Wesen der Neu­tralität, daß ein Mitglied einer solchen Staaten- gruppe sich mit der einen oder anderen Großmacht verbündet. Das mag wohl auch der türkische Außenminister schließlich eingesehen haben; denn er hat zum Schluß in Belgrad Worte gefunden, die sehr wohl von dem Verständnis zeugen, daß der Balkan sich nicht von der engherzigen Interessen- Politik der Westdemokratten mißbrauchen lassen darf. Diese engherzige Jnteresfenpolittk war seit Kriegsausbruch besonders gegen Rumänien gerichtet, das sich immer wieder die aufgezwungene Garantie vorhalten lassen mußte, obschon es be­stimmt nicht diese Garantte war und ist, die Ru­mänien oder dem Balkan Nutzen bringen kann. Darauf macht auch die italienische Presse mit einer Energie aufmerksam, die wohl auch in Paris and London verstanden wird.

Es gibt heute für die Valkanstaaten keine Außen­handelskrise, überhaupt keine Wirtschaftskrise; denn das handelspolitische Vertragsoerhältnis mit Deutschland arbeitet für beide Teile vorbildlich und reibungslos. Das sind Reatttäten, die sich nicht beiseiteschieben lassen, die auch zahlenmäßig ihren gewichtigen Ausdruck ftnden, in dem Warenaus­tausch, der sich zwischen Deutschland und den ein­zelnen Valkanstaaten vollzieht. Das ist Lebens- ekixier, das ist etwas ganz anderes, als der egoi- sttsche Mißbrauch für die machtpottttschen Inter­essen der Westdemokratten. Diese Interessen sind den Valkanstaaten geradezu entgegengesetzt. Denn weder Frankreich noch England sind in der Lage, auf die Dauer in ein Handels* und wirtschaftspoli- ttsches VertragsverhMnis zu den Mitgliedern des Balkanbundes, wie überhaupt dem Balkan zu tre­ten, wie das Deutschland schon aus geographischen Gründen kann. Der Balkan will nicht Kriegs­schauplatz fein für den Machthunger der West­demokratten; er will seinen Aufbau in Frieden weiterentwickeln, womit fich allerdings dieGaran­tte" der Westdemokratten nicht verträgt. Aber das ficht den Dalkanbund nicht an; denn die west­demokratischen Garantien sind in der Belgrader Entschließung nicht berücksichtigt, vielmehr unmiß- verständlich abgelehnt worden! Ey.

Reue Warnung an die neutrale Schiffahrt. Neutrale Schiffe in feindlichem Geleit allen Kriegsgefahren ausgesetzt.

Berlin, 6. Febr. (DNB.) Die schwedische Zei­tungDagens Nyheter" hat am 4. 2. 1940 einen Bericht der Mannschaft des vor der schottischen Küste untergegangenen schwedischen DampfersP a j a l a" veröffentlicht und dabei herausgehoben, daß die Ver­senkung dieses Schiffes ohne Warnung erfolgt sei.

Hierzu wird fest gestellt, daß die schwe­dische ZeitungSvenfka Dagbladet" bereits am 21.1.1940 einen Bericht des schwedischen Kapitäns derPajala" veröffentlicht hat, nach dem der Damp­fer von einem englischen Kriegsfahr­zeug begleitet gewesen ist, als es nach Kirk­wall beordert worden war. Weiter heißt es in dem Bericht, der Kommandant des englischen Kriegsfahr- zeuges habe sich gerühmt, das deutsche

Unterseeboot vernichtet zu haben. Im übrigen ist eine derartige Versenkung eines schwe­dischen Dampfers hier nicht bekannt. Sie wird aber deutscherseits zum Anlaß genommen, erneut vor einer Fahrt auf England, also in Kriegsgebiet z u warnen. Für Schiffe i n f e i n d l i ch e m Ge­leit gleichviel welcher Nation sie angehören gilt, daß sie allen Gefahren des Krieges ausgesetzt sind, und zwar gilt dies sowohl für Schiffe, die sich freiwillig feindlichem Geleit anfchließen, als auch für Schiffe, die sich in feind­liches Geleit zwingen lassen. Letzteres um so mehr, als von dritter Seite her nicht erkannt wer­den kann, ob das Geleit freiwillig oder unfteiwillig in Anspruch genommen ist. Als Sache der Neu­tralen darf es daher gelten, gegen eine allem Völkerrecht Hohn sprechendeKirkwall-Praxis" Einspruch zu erheben bzw. sie zu unterbinden.

Aus Messahrt nach England.

Mailand, 6. Febr. (Europapreß.) Der kana­dische UeberseedampferB e a v e r b u r n" (9874 Brt.) ist, wie in London bestättgt wird, aus einem Geleitzug heraus torpediert worden. Er befand sich zusammen mit vier anderen Ozeandampfern auf dem Wege von Kanada nach England. Es handelt sich bei derBeaverburn" um eines der schnellsten und best eingerichteten eng­lischen Frachtschiffe. Es gehörte der Eanadian Pa­cific Line und versah zusammen mit den vier an­deren Schiften derBeaver"-Klasse seit 1928 einen regelmäßigen zehntägigen Dienst nach Kanada. Die Schiffe sind mit besonderen Kühlabteilungen zum Transport von Früchten ausgestattet. Nach einer Reutermeldung konnten 76 Mitglieder der 200 Mann starken Besatzung gerettet werden. Der britische DampferP o r tel e t" (1064 Brt.) ist in der Nord­see auf eine Mine gelaufen und gesunken. Neun Ueberlebende wurden von einem finnischen Schiff ausgenommen. Von dem griechischen Dampfer Popil" (150 Brt.) ist man feit über 40 Tagen ohne Nachricht. Der Dampfer war mit einer Ladung Zittonen von Palästina nach Glasgow un­terwegs. Der dänische Dreimastschoner ,Kar e n" (330 T.) der Reederei Aktiengesellschaft Hawed, Sejros, ist nach einer Innenbord-Explosion aus noch ungeklärter Ursache dicht vor der englischen Küste in Brand geraten. Sieben Mann der Be­satzung wurden gerettet, zwei Mann fanden den Tod. Es wird angenommen, daß die Oeltanks des Schiffes in Brand gerieten und explodierten. Das Schiff brannte vollständig aus uni) mußte aufge­geben werden. Der Samstag von deutschen Flie­gerbomben schwer beschädigte englische Dampfer ,^>aren Ruthven" ist gestrandet. Der griechische Dampfer ,Ieramiai" (5085 Brt.) ist gesunken.

Wechsel im Oberbefehl der niederländischen Wehrmacht

Amsterdam, 6. Febr. (DNB.) Der Ober­befehlshaber der niederländischen Land- und See- ftteitkräfte, General I. H. Reynders, ist ent­sprechend feinem Gesuch aus dem Militärdienst ge­schieden. Zum neuen Oberbefehlshaber der Land- und Seestreitttäfte wurde Generalleutnant a. D. H. G. Winkelmann ernannt. Dieser wurde 1876 geboren. Er war 1928 Chef des Stabes des Haupt­quartiers der Armee und später Kommandant der 4. Division. 1934 verließ Winkelmann den akttven Dienst. Seit Verhängung des Mobilmachungs­zustandes war er Kommandant des Luftverteidi­gungskreises Utrecht-Soesterberg.

Das ANP. erfährt, daß der Abschied des Gene­rals Reynders hauptsächlich auf Meinungsverschie­denheiten zwischen ihm und der Regierung hinsicht­lich milttärischer Fragen zurückzuführen sei.

Nieuwe Rotterdamsche Courant" hebt hervor, daß der Wechsel im Oberkommando keinerlei A e n d e r u n g in der erprobten Neuttalitätspolitk Hollands mit sich bringen könne. Politische Fragen hätten hier keine Rolle gespielt. Das Blatt deutet an, daß es sich möglicherweise um Meinungsver­schiedenheiten zwischen dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber gehandelt haben könne und daß die Gesamtregierung sich hinter den Ver­teidigungsminister gestellt haben könne. Aus diesem Grunde habe General Reynders die Folgerungen ziehen müssen.

Vielleicht sind für den Rücktritt General I. H. Reynders aber doch auch andere Gründe maßgebend als die in der holländischen Presse

diskutierten. Es ist möglich, daß man diese Grunde in maßgebenden Kreisen der niederländischen Re­gierung um so ernster einschätzt, als die Befürchtung vorhanden sein könnte, daß man auch in ande­ren Ländern davon Kenntnis hat. Unter diesen Umständen wäre es verständlich, daß man einen Wechsel im Oberbefehl der niederländischen Land- und Seestteitkräste für opportun hielt. Auch General van Cor schot ist vor einiger Zeit von der niederländischen Regierung verabschiedet wor­den. Vielleicht sind in beiden Fällen die Gründe dieselben.Het Volk" will von eingewechter Seite erfahren haben, daß es sich hier um eine reine Frage der Machtverhältnisse handele. General Reynders habe die bürgerlichen Freiheiten zugunsten der militärischen Macht weit stärker beschränken wollen, als die Negierung dieses für notwendig gehalten habe.

(Sitte Lektion

für denEhren-Oberst" Hernot.

R o m, 7. Februar. (Europapreß.) Der ehemalige französische Ministerpräsident und jetzige Kammer- Präsident Herri ot hat kürzlich erklärt, die rus­sischen Truppen bildeten kein Heer, son­dern eineHerde". Aus diesem Anlaß er­innert dieTribuna" daran, daß Herriot vor eini­gen Jahren bei einem Besuch in Moskau zum Ehrenobersten der Sowjetarmee er­nannt worden war. Er habe damals eine Waften- brüderschaft zwischen den Demottqtten und dem Bolschewismus angefttebt. Erst als dann alles ganz anders gekommen sei, habe Oberst Her­riot eine Gewissenskrise durchgemacht, deren Ergeb­nis die obige Erklärung sei. Jedoch sei nicht be­kannt geworden, ob der französische^ Staatsmann seine Oberstensterne an Stalin zurückgefchickt oder seine Sowjetuniform in Erwartung, besserer Zeiten eingemottet habe.

Hore-Belisha

als Boulevard-Journalist.

Stockholm, 6. Febr. (Europapreß.) Der von seinem Posten entfernte ehemalige englische Kriegs­minister, der Jude Hore-Belisha, der früher in der News Chronicle" tätig war, hat eine Vereinba­rung mit der-SonntagszeitungNews of the World" getroffen, die mit ihrer 3,5-Millionen- Auflage als meiftoertriebenes Blatt der Welt gilt und alsRevolverblatt" bekannt ist, was den Korrespondenten der schwedischen ZeitungSoenska Dagbladet" zu der Bemerkung veranlaßt, daß es recht merkwürdig erscheinen müsse, daß ein ehema­liger Minister der englischen Krone die Beschäfti­gung an diesem Blatt aufnehme.

Japan mit britischem Teilzugeständnis nicht zufrieden.

Tokio, 6. Febr. (DNB.) Großbritannien hat sich bereiterklärt, neun von den 21 von Bord des japanischen PassaglerdampfersAsama Maru" heruntergeholten Deutschen freizulassen. Japan hat jedoch darauf hingewiesen, daß es sich mit der Herausgabe von nur neun Deutschen keines­falls zufriedengeben könne. Die japanische Regierung müsse weiterhin die Auslieferung aller deutschen Gefangenen, die sich gegenwärtig in Hong­kong in Haft befinden, verlangen.

Die Kämpfe ans der karelischen Landenge.

Helsinki, «.Febr. (DNB.) Die finnische Abwehr soll auf der karelischen Landenge dem russischen Angriff Panzerabwehr entgegen­gestellt haben. Die russischen Angriffe seien unter starken Verlusten abgewiesen worden. Nordostwärts des Ladogasees soll es den Firmen gelungen sein, kleinere russische Abteilungen von ihrer rückwärti­gen Verbindung abzuschneiden.' Nördlich im Gebiet von Kuhmo wurde wie der finnische Heeres­bericht mitteilt ein Angriff sibirischer Schi truppen auf Saunajärvi abgewehrt.

Oer Wehrmachtsbericht.

Berlin, 6. Febr. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

keine besonderen Ereignisse.

An alle ehemaligen HJ.-Führer.

Berlin, 6. Febr. (DNB.) Um di- Durchführung des geordneten HJ.-Dienstes, wie er im neuen Dienstplan geregelt wurde, auch überall dort sicher» zuftellen, wo die akttven HJ.-Führer zu den Fah- nen gerufen wurden, hat Stabsführer Hartmann Lauterbacher einen Aufruf an alle ehemaligen HJ.-Führer erlassen, in dem es heißt:Die augen­blickliche Führerschaft der HI. hat den einzigen Ehrgeiz, das Werk ihrer Kameraden, die den grauen Rock tragen, weiter zu entwickeln. Zur Mlt- Hilfe an dieser Arbeit fordere ich hiermit alle ehe­maligen HJ.-Führer, die noch in der Heimat stehen und die es mit ihrer beruflichen Tätigkeit vere.n- baren können, auf, sich bei den örtlichen Dienststellen zur Mitarbeit zu melden. Wir alle wissen, daß gerade sie dem Rufe der Jugend- organifation des Führers, die sie in ihren Ent­stehungsjahren aufgebaut haben, jetzt in der zweiten Kampfzeit der Bewegung freuing und einsatzbereit Folge leisten werden."

Oer Landdienst imKriegsjahr4940.

In Finsterbergen in Thüringen fand eine Tagung aller Gebietsreferenten des Landdienstes der Hitler- Jugend und der Vertreter der Landesbauernschaf- ten statt. Landesbauernführer P e u cf c r t sprach über die politische Bedeutung des Landdienstes. Die Ueberwindung der Landflucht und des Landarbeiter­mangels fei eine Erziehungsaufgabe, die nur von der Jugend her zu lösen sei. Oberbannführer Schulz sagte, der Bau von Landdienstheimen wird auch im Kriege fortgesetzt. Die Jungen und Mädel, die einen landwirtschaftlichen Beruf ergreifen wol- len, werden nach ihrem Ausscheiden aus dem Land­dienst in jeder Weise beruflich gefördert. Die Tüchtigsten können als W e h r b a u e r n im deutschen Osten eingesetzt werden. Vor allem die Jungen und Mädel werden in den Landdienst auf­genommen werden, die später als werttolle Träger deutschen Bauerntums dem Lande erhalten blei­ben werden.

Aus alter Welt.

polnische Gewaltverbrecher zum Tode verurteilt.

Das Sondergericht Lodsch verurteilte die Brüder Felix und Adam Kmiec, Eduard Saktura, Eduard Calla zum Tode, Eugenius Choronzy zu 12 Jahren Zuchthaus, sieben weitere Angeklagte zu 2 -bis 4 Jahren Gefängnis und einen minderjähri- gen Angeklagten zu 6 Monaten Gefängnis. Zwei Angeklagte wurden freiaesprochen. Die zum Tode Verurteilten waren die Anführer einer Bande, die am 2. September aus Pabianice nach dem Dorf Wola Zaradzynska gekommen waren, um die wehr­losen Volksdeutschen auszuplündern. Der Volks­deutsche Bauer Karl Jäger wurde mehrere Sttnden lang in der schwersten Weise mißhandelt unter den Drohworten, man müsse ihn umbringen und seine Eingeweide an den Zaun hängen.

Felssturz an der Axenstraße.

Am Moittagnachmittag ereignete sich an der Axensttaße am Vierwaldstättersee zwischen der Tell-Platte und der Axen-Galerie ein schwerer Felssturz, durch den ein Teil der Straße weggeris­sen wurde. An der Abbruchstelle waren die Gehsteiae stellenweise etwa 15 Meter lang in 100 Meter Höhe über dem Seespiegel über die Felswand hinaus- gebaut. Diese Gehsteige sind völlig fortgerissen wor­den, ebenso ein Teil der Fahrstraße. Ein weiterer Tell der Axensttaße wurde durch Geröll zugedeckt. Man rechnet damit, daß der Straßenverkehr in etwa zwei bis drei Tagen wiederhergestellt werden kann, Bis dahin steht für die Verbindung zwischen Brun­nen und Flüelen am Südzipfel des VierwaDstätter» fees die St.-Gotthard-Bahn zur Verfügung.

Wieder ein Kind verbrüht.

In Kassel- Bettenhaus en hatte eine Frau gekochte Wäsche zum Abkühlen auf den Fußboden gestellt. Plötzlich lief ihr drei Jahre alter Junge gegen den Wasch kessel. Der Deckel verschob sich, und das Kind fiel mit dem Gesäß in den Waschkessel. Es hatte so schwere Verbrennungen erlitten, daß es starb. Wie schon so oft, ergeht wieder an die El­tern die ernste Mahnung, bei der Hantierung mit gekochter Wäsche oder sonstigen heißen.Flüssigkeiten größte Vorsicht walten zu lassen, damit die Klein­sten nicht zu Schaden kommen.

Bergrutsch verschüttet ein spanisches Dorf.

Durch einen Bergrutsch wurden in dem Dorf- Fuentes des Casna elf Häuser verschüttet. Von ihren Bewohnern wurden 19 getötet und viele verletzt.

Nanette."

Ein Erich-Engel-Film mit Jenny Ingo.

Dieser Film bringt es zuwege, die Bekehrung eines blasierten Zynikers auf eine wirklich nette und geschmackvolle Art zu demonstrieren. Auf der Jagd nach neuen Anregungen stieß ein bis dato höchst erfolgreicher, aber nun restlos ausgepumpter Ko- mödiendichter hinab in die winkligen Gassen der Altstadt. Ihm ist es um einen Stoff aus dem Leben für ein neues Volksstück zu tun. So macht er in der Maske eines armen Poeten die Bekanntschaft einer kleinen Chansonette, die seine Komödie für bare Münze nimmt. Sie ahnt nicht, daß für ihn alles nurStudien" sind, das Markthallenmilieu, ihr bescheidenes kleines Heim, ihre Freunde in der Kneipe, ja und schließlich auch ihre Liebe, ihre große, ehrliche Liede, mit der sie ihn mütterlich umsorgt und sogar voll südlichen Temperaments ihm, dem vermeintlichen armen und verkannten Dichter, den Aufstieg zu Ruhm und Glanz zu bah­nen sucht. Er hat fein Gefühl dafür, daß er mit einem noblen Menschen, einem gläubigen Herzen frevelhaft Schindluder treibt. Sein Theaterdirektor sucht es ihm klar zu machen, vergebens, für ihn soll alles nur Komödie bleiben. Der Zufall will es, daß die kleine Nanette sich an eben den Direktor wendet, um ihrem Dichter den Weg zur Bühne frei zu machen. Er spürt es, daß aus der Komödie Ernst geworden ist und nur durch eine rücksichtslose De­maskierung meint er, diesem unwürdigen Doppel­spiel ein Ende zu machen und zwei Menschen zu- sammenzuführen, die miteinander glücklich werden können. Ader nun verschließt sich Nanette, sie glaubt nicht an die Wandlung des Dichters, empört bietet sie ihre Freunde aus der Attstadt auf, um durch ein solides Pfeifkonzert dem neuenVolksstück" bei seiner Uraufführung einen regelrechten Durchfall zu bereiten. Aber, siehe da, der Dichter entpuppt sich ah ein wirklicher Dichter, dessen Komödie die selber packt, die sie im Leben für ihn gespielt haben.

Es ist im Grunde eine richtige Moralpauke, die hier Erich Engel nach dem Drehbuch von Jochen Huth in Szene gesetzt hat, aber mit so viel Takt, Charme und Sinn für echte Komik, daß die heitere Note auch in kritischen Situationen über zwiespäl­tige Gefühle triumphiert. Das von südlichem Volks- Karakter geprägte Attstadtmilieu ist mit viel Liebe

vertieft worden. Jenny Jugo hat der kleinen Nanette ihre natürliche Frische, ihr entwaffnendes Temperament, ihre hinter burschikoser Resolutheit versteckte Güte gegeben. Hans Söhnker spielt mit einer prachttollen Leichtigkeit den Dichter, Albrecht Schoenhals mit nobler Delikatesse den Theaterdirektor, Hans Schwarz jr. und Olga Limburg gelingen, zwei ausgezeichnete Typen aus dem Volk. Peter K r e u d er hat mit seiner beschwingten Musik dem amüsanten Spiel einen hübschen Rahmen gegeben. Fr. W. Lange.

Phantasie.

Von Peter Bamm.

Die Phantasie, die leichteste der Göttinnen, die Zwillingsschwester des Traums, ist ein. wenig in die Enge geraten. Zwar ist die allgemeine Meinung die, daß Phantasie eine angenehme Gabe sei. Aber das ist eben nur eine allgemeine Meinung. Und allgemeine Meinungen sind so eine Art Nebelwol­ken, die über dem Gelände liegen. Was sich dahinter verbirgt, das erfährt man immer erst, wenn man sich in den Nebel hineinbegibt.

Ein großer Geschäftsmann, zum Exempel, legt wenig Wert darauf, daß man von ihm sagt, er habe eine blühende Phantasie. Ein solcher Ruf ist geeig­net, seinen Kredit zu schädigen. Denn eine blühende Phantasie, die ins Geschäftsleben einbricht, ist natürlich leicht imstande, einen Ueberschuß dahin zu zaubern, wo tatsächlich ein Defizit herrscht.

Die Phantasie gehört zu den magischen Mächten des Lebens, und vor den magischen Mächten des Lebens fürchten sich die Menschen. Sie wünschen sich die Welt geordnet und übersichllich. Die magi­schen Mächte aber machen die Welt verwirrt und ge­heimnisvoll. Mit List sucht der Mensck chrer Herr zu werden, und da die Schlauheit seine stärkste Seite ist, bringt er das auch bis zu einem gewissen Grade fertig.

Die leichte Göttin hat der Mensch in eine unsicht­bare Gefangenschaft gesetzt. Er hat einen eigenen Stand geschaffen, der nichts weiter zu tun hat, als dieser Göttin zu dienen, damit sie ja nicht Gebiete betritt, in denen sie unerwünscht ist. Die Sache ist natürlich nicht ohne Gefahr. Denn es könnte im­merhin eintreten, daß die Wächter der Göttin eines Tages tfcrt wahres Dieser werden, sich mir ihr ver­

bunden und ihre magische Macht dazu benutzen, in alle Gebiete einzubrechen, in denen sie unerwünscht sind. Und das hieße nicht viel weniger als die Welt erobern.

Dieser Gefahr hat der Mensch vorgebeugt durch eine unerhörte List. Er hat der leichten Göttin das Odium einer gewissen Nutz- und Erfolglosigkeit an­gehängt. Und so ließ es sich leicht ermöglichen, denen, die einer nutz- und erfolglosen Göttin dienen, das Odium aufzuhängen, daß sie Narren seien.

Die Narren, die der leichten Göttin bienen müssen, um sie zu bewachen, sind die Dichter. Die allgemeine Meinung geht zwar dahin, daß Phanta­sie eine angenehme Gabe sei. Aber das allgemeine Vorurteil geht dahin, daß sie eine honorige Eigen­schaft nur bei Dichtem sei.

Wer Phantasie hat, hat die Gabe, sich eine Sache vorstellen, die er niemals gesehen hat. Diese Fähig­keit der Phantasie ist ungefährlich, aber sie spart dem, der sich ihrer zu bedienen weiß, fast alle An­strengungen, denen die Menschen sich im Leben un­terziehen. Wer Phantasie hat, kann sich die Mühe sparen, ins Theater zu gehen. Er kann sich jeden Abend den König Lear in eigener Besetzung an einer leeren Wand seines Schlafzimmers aufführen und kann dabei im Bett liegen bleiben, und eine Zigarre rauchen. Das kann man in keinem Theater der Welt.

Wer Phantasie hat, hat es nicht nötig, sich den Unbequemlichkeiten einer wetten Reife zu unter­ziehen, um unter Palmen zu wandeln. Die leichte Göttin zaubert dem, dem sie wohl will, Palmen auf den Kurfürstendamm und Neger, soviel er haben will. Der geneigte Leser stelle es sich nur einmal vor, wie hübsch das aussieht zwischen Uhlandstraße und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Palmen, wimmelnde Nigger und die Berline­rinnen in Shorts und Tropenhelm.

Don Kant wissen wir, daß er einmal, bei Tisch in Königsberg, einem anwesenden jungen Eng­länder eine so wunderbare Beschreibung der Tower- drücke im Nebel eines Londoner Herbsttages gab, daß dieser junge Mann bis ans Ende seines Lebens nicht hat glauben wollen, daß Kant niemals in London gewesen sei.

Die Palmen am Kurfürstendamm fallen unter die zweite Facette der Phantasie, eine Sache an­ders sich vorzustellen als sie ist. Die Phantasie er­laubt einem, Kellner liebenswürdig, Straßenbahnen jchsÄll. Züge püuküich. Butt« reichlich^ ßraus»

schweigsam und das Leben erfolgreich sich vor^u- stellen. Man sieht, die Phantasie ist wirklich eine göttliche Angelegenheit. Und der Dertzleich zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, ist eine wunderbare und unerschöpfliche Schule des Cha­rakters. Vielleicht ist man besser daran, wenn man keine Phantasie und somtt keine Möglichkeit hat, sich die Welt anders vorzustellen als sie ist. Aber die Zufriedenheit, die man dabe-i erreicht, ist nur eine Zufriedenheit niederen Grades. Alle die großartigen Möglichkeiten, die die Welt haben könnte und nicht hat, äu sehen und gleichwohl gelassen zu bleiben, das ist eine Zufriedenheit höheren Grades, würdig der alten und ehrwürdigen Ueberlieferung der abendländischen Philosophie.

So bleibt uns nur noch die dritte Facette zu be­trachten, deretwegen die leichte Göttin von den Menschen in Gefangenschaft gehalten wird. Das ist die Fähigkeit der Phantasie, eine Sache sich vor­zustellen, die es auf der Welt noch nicht gegeben hat.

Hier wird die leichte Göttin zur Herrin der Zu­kunft. Einen Griechen am Indus sich vorzustellen, das war Alexanders große Tat. Mit zehntausend hinzumarschieren, das war für einen so begabten Schüler des Aristoteles nachher nicht mehr so schwierig.

Das erste Dach schon, das der Mensch sich gebaut hat, vorher muß er es s i ch vorgestellt haben. Die Gesetze, nach denen die Himmelskörper sich be­wegen, hätte der Mensch niemals finden können, wenn seine Phantasie ihn nicht dazu gebracht'hätte, sich vorzustellen, daß es Gesetze sind, nach denen die Sterne kreisen. Die Idee jeder Schlacht entsteht merst in der Phantasie des Feldherrn, ehe sie zwi­schen Hügeln und Dörfern geschlagen wird. Die Idee jeder wissenschaftlichen Entdeckung entsteht zu­erst in der Phantasie des Forschers, ehe sie zwischen Reagenzgläsern und Schmelztiegeln ans Licht tritt

Die leichte Göttin, die Zwillingsschwester des Traums, ist wahrhaftig eine unheimliche Göttin. Und die Narren, die ihr dienen, man muß sie fürch­ten. Ideen verwandeln die Well. Und Ideen sind die Töchter der Phantasie. Lassen wir den Schleier, den mir leichtfertig an einer Ecke ein wenig ange­hoben haben, wieder fallen und bettachten wir mit Ergriffenheit und Rührung die biederen Bäume am Kurfürstendamm, von denen zwar keiner von uns weiß, ob es Kastanien ober Linden sind, von denen aber jeder voy uns tteih, bak es sicher feint PH. nw ftnfc /