Ausgabe 
7.2.1940
 
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Die Seuchenbekämpfung im Kriege.

Aus Oer Stadt Gießen.

Oberst a. O. Naumann f.

3m 91. Lebensjahre ist am gestrigen Dienstag dec in Gießen im Ruhestand Lebende Oberst a D Naumann in der Chirurgischen Klinik an den Folgen einer Blutvergiftung verstorben. Mit Oberst Naumann ist der älteste Offizier unseres ehemaligen Gießener Infanterie-Regiments 116 gestorben

Naumann war aus dem früheren Hessischen Artillerie-Korps hervorgegangen, in das er am 13. April 1867 eingetreten war. Im Jahre 1869 wurde er m das damalige 2. Hessische Jnfanterie- Regrment, das spatere Regiment 116, versetzt, mit dem er den Krieg von 1870/71 mitmachte. In der Schlacht bei Gravelotte-St. Privat wurde er bei der Erstürmung der Ferme Champenois schwer ver­wundet; diese Kampfhandlung ist in einem Schlach- tengemalde dargestellt, das im Gießener Offizier- Heim seinen Platz erhalten hat. Im August 1870 wurde der junge Soldat zum Leutnant befördert, im Oktober 1879 kam er als Premierleutnant zum Jnfan-terie-Regiment 88, dem er über 20 Jahre lang, zuletzt als Kommandeur des II. Bataillons angehörte. Später war er u.a. Kommandeur des Landwchrbezirks Mainz. Während des Weltkriegs war Oberst a. D. Naumann stellvertretender Be- zirkskommandeur und Bahnhofskommandant in Gießen. Das Werk unseres Führers und die Wie­dererstehung einer starken deutschen Wehrmacht hat der in Krieg und Frieden verdiente Offizier mit freudiger Beaeisterung begrüßt, und er hat trotz seines hohen Alters keine Gelegenheit vorübergehen lassen, auch äußerlich bei militärischen Feiern seine enge Verbundenheit mit der nationalsozialistischen Wehrmacht zu bekunden. Am 13. April 1937 konnte Oberst Naumann die siebzigste Wiederkehr des Tages seines Diensteintritts in das deutsche Heer begehen. Wiederholt und besonders noch bei seinem 90. Ge­burtstage im vorigen Jahre wurden dem alten Of­fizier von den ehemaligen 116ern und von den 23er- tretern unseres aktiven Regiments 116 mit dem Regimentskommandeur Oberst Herrlein an der Spitze Ehrungen bereitet.

Das Andenken an den ältesten Offizier unserer 116er wird in Gießen bei den alten Soldaten urtb darüber hinaus bei allen, die ihn kannten., in guter Erinnerung bleiben.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

PopulärwisfenschaMche Vorträge: 20.15 Uhr im Hörsaal des Physikalisch - Chemischen Instituts, Goechestrahe 55, Professor Dr. Hock überAus­gewählte Kapitel aus der Physikalischen Chemie, 1. Vortrag Kräfte in Oberflächen" (mit Versuchen); 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts Professor Dr. Frölich überDenk­mäler deutscher Rechtsvergangenheit in Hessen und den Nachbargebieten" (mit Lichtbildern). Stadt­theater: 19.30 bis 22.30 UhrCsongor und Tünde". Gloria-Palast (Seltersweg):Nonette". Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Drei Väter um Anna."

Sladllhealer Gießen.

Am heutigen Mittwoch wirh das ungarische SchauspielCsongor und Tünde^ wiederholt. Die deutsche Übertragung schuf Dr. Klein-Krautheim. Spielleitung Dr. Hannes Razum. Musik Richard Boeck. Bühnenbild Karl Löffler. Die Titelrollen wer­den von Friedrich Gröndahl und Jngeborg Riehl gespielt. 18. Vorstellung der Mittwoch-Miete.

Gießener Konzert-Verein.

Einen musikalischen Genuß auserlesener Art wird der Kammermusikabend am kommenden Frei­tag bereiten. Für die Veranstaltung wurde das italienische Meisterguartett gewonnen, das unter seinem NamenQuartetto di Roma Weltruf hat. Erst vor wenigen Tagen spielte das Quartett Mit außerordentlichem Erfolg in Essen. Das Programm des Kammermusik-Abends enthält Quartette von Bustini, Schubert (Der Tod und das Mädchen" und Dvorak. Das Konzert findet im Saale des Gesellschaftsvereins statt.

Geöffnete Jugendherbergen.

Für den Wochenend- und Wanderverkehr find in unserer engeren Heimat, in Oberhessen und im Rhein-Main-Gebiet folgende Jugendherbergen ge­öffnet: Laubach, Herchenhain, Büdingen, Lauter­bach. Im Taunus: Sandplacken, Schloßborn, Bad Homburg, außerdem Limburg, Hachenburg, Katzen­elnbogen, Lorch tu Rh.

Mit einem interessanten Vortrag wurde am gestrigen Dienstagabend im Hörsaal des Chemischen Instituts die Reihe der wehrwissenschaftlichen Vor­träge unserer Universität fortgesetzt.

Vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft sprach der Hygieniker der Universität, Professor Dr. Haag, über das Thema:Die Seuchenbekämp­fung im Kriege".

Der Redner ging zunächst auf die Tatsache ein, daß viele Kriege der Vergangenheit nicht zuletzt durch Seuchen entschieden wurden, und erinnerte daran, wie die Malaria in den deutschen Heeren während der Kreuzzüge wütete, wie die Ruhr die Heere Friedrichs des Großen im Siebenjährigen Kriege heimsuchte, wie 1812 Napoleons Heer durch Fleckfieber dezimiert wurde und in den Balkankrie­gen die Cholera unter den Mannschaften herrschte. Immer überstieg die Zahl der Todesfälle durch Krankheiten die Verluste durch Waffenwirkung.

Das Verhältnis änderte sich mit der zunehmen­den Erkenntnis vom Wesen der Seuchen und mit dem Beginn ihrer systematischen Bekämpfung. Im Weltkrieg war nur der zehnte Teil der Gefechtsver­luste durch Krankheiten bedingt. Es ist nun nicht so, daß an diesem Verhältnis lediglich die Entwick­lung zur großen Materialschlacht entscheidend ist, sondern die planmäßige Seuchenbekämpfung hat an dieser Verschiebung entscheidenden Anteil.

Ein besonders wichtiges Beispiel für die Bedeu­tung der Seuchenbekämpfung im Kriege war der abessinische Feldzug, den Italien trotz schwierigster Bedingungen und trotz höchster Seuchengefahr ge­führt hat. Die Voraussage, daß der Feldzug unge­heure Opfer durch Seuchen kosten würde, ist dank einer glänzenden sanitären Organisation nicht ein- getroffen.

Im heutigen Kriege ist die ärztliche Organisation vor allem auf den Erfahrungen des Weltkrieges in vollendeter Form aufgebaut. Der Erfolg der sani­tären Maßnahmen darf als äußerst günstig betrach­tet werden.

In seinen weiteren Darlegungen ging der Redner auf eine Reihe hygienischer Grundforderungen ein, sprach über die Maßnahmen, die von der Seite der Hygiene her auch für den Soldaten in vorderster Front getroffen werden müssen, gab einen Einblick

Kraft durch Freude: Militärkonzert im Stadttheater.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" tritt am kommenden Samstag, 10. Februar, bet ihren Bemühungen um schöne Freizeitgestaltung wieder mit einer großen Veranstaltung an die Oesfent- kichkett. Im Stadttheater findet ein Militärkonzert statt, für dessen Ausführung ein Musikkorps der Luftwaffe gewonnen wurde.

Für das Konzert ist eine reichhaltige Vortrags­folge vorgesehen. Musik von Beethoven, Grieg, Tschaikowsky, von Verdi und von Richard Wagner wird die Zuhörerschaft begei­stern. Neben Ouvertüren, Fantäsiestücken, Potpour­ris und Walzern wird man natürlich auch Märsche hören, die für unsere junge Luftwaffe geschrieben wurden. Die Komponisten Husadel, Schu­mann und Teichmann kommen dabei zu Wort. Schon jetzt läßt sich sagen, daß der Abenb einen höhen musikalischen Genuß vermitteln wird»

Wieder 500 NM.-Gewinn in der KriegS'Winterhilfslotteri«.

Am Samstagabend wurde in einer Gießener Gast­stätte der vierte 500-RM.-Gewinn aus der Kriegs- Winterhilfslotterie gezogen. Am gleichen Abend zog am Bahnhof Gießen ein durchfahrender Soldat einen Gewinn von 50 RM. Seit Beginn der Kriegs-Win- terhilfslotterie wurden durch die Geschäftsstelle Gie­ßen bzw. die grauen Glücksmänner über 11 500 RM. an Gewinnen ausgezahlt, und noch immer ist in den noch zum Verkauf stehenden Serien eine Anzahl großer und kleiner Gewinne vorhanden.

Bessere Beleuchtung in den Reisezügen

Um eine bessere Beleuchtung der Zuge zu er­möglichen, ändert jetzt die Reichsbahn die Abschir­mung der Beleuchtungskörper im Innern der Per­sonenwagen. Die bisherige Verdunkelung in den Reisezügen wird damit teilweise aufgehoben. Diese Maßnahme setzt voraus, daß die Vorhänge ge­

rn Wesen und Vorbereitungsformen von Bakterien, schilderte die Gefahren der Uebertragung der Krank- Ijeiten durch Insekten sowie durch unmittelbare In­fektion von Mensch zu Mensch und wies schließlich auf die Möglichkeiten der Verhütung von Ansteckun­gen hin. Im Zusammenhang damit erörterte der Redner auch die Möglichkeiten einer Stärkung des Organismus von einer zielbewußten Ernährung her, die dem Körper mancherlei Schutzstoffe vermittelt und ihn gegen Infektionen widerstandsfähiger macht.

Der Vortragende sprach anschließend über die wichtigsten Kyjegsseuchen und ihre Bekämpfung, wobei er die Erfahrungen des Wettkrieges aus­führlich darlegte. Als wichtigste Kriegsseuchen haben zu gelten der Typhus, die Ruhr, die Cholera, die Grippe, das Wechselsieber, die Wundkrankheiten und die durch Läuse übertragbaren Seuchen (Fleck­fieber, Rückfallfieber und Fünftagefieber). Außer- dem spielen im Kriege die Geschlechtskrankheiten eine wesentliche Rolle.

Die Ermittlung der Seuchen ist durch das neu­zeitliche bakteriologische FeLdlaboratorium gesichert, das außerordentlich leistungsfähig ist. Isolierung der Kranken, Schutzimpfung der Gefährdeten und die Vernichtung der Erreger sind die wichtigsten Auf- gaben der unmittelbaren Seuchenbekämpfung. Stets muß aber auch daran gedacht werden, daß neben diesen unmittelbaren Maßnahmen die allgemeine hygienische Erziehung steht, welche die persönliche Sauberkeit bei der Truppe, die richttge Ernährung, das richtige Verhalten bei Krankheiten berücksichtigt. Wird fortgesetzt gegen unhygienische Zustände mit aller Schärfe vorgegangen, wird weiterhin die Truppe anhaltend zu einer richtigen Lebensführung erzogen, so ist damit eine wichtige Aufgabe in der Bekämpfung der Seuchen erfüllt. Sobald aber eine Seuche ausbricht, ist eine muftergültige ärztliche Organisation in der Lage, die Seuchenherde durch Isolierung zu beschränken und die Seuchen durch Vernichtung der Erreger oder dessen Ueberträger, durch Schutzimpfung und durch chemische Heilmittel auszutilgen.

Der Vortrag, der mit lebhaftem Interesse verfolgt wurde, fand starken Beifall.

schlossen gehalten werden. Aushänge in den Abtei­len machen darauf aufmerksam, daß die Reisenden hierfür verantwortlich sind. Wer dagegen verstößt oder Zuwiderhandlungen anderer duldet, hat Be­strafung auf Grund der §§ 9 und 10 des Luftschutz­gesetzes oder der bahnpolizeilichen Bestimmungen zu erwarten.

Meisterprüfung

für Handwerker im Wehrdienst.

Für diejenigen Handwerker, die sich in den ver­gangenen Monaten auf die Meisterprüfung vor­bereitet hätten, durch die Einberufung zur Wehr­macht an der Ablegung der Prüfung aber gehindert wurden, hat der Deutsche Handwerks- und Gewerbe- Kammertag im Einvernehmen mit dem Oberkom­mando der Wehrmacht die Möglichkeit geschaffen, sich der Meisterprüfung zu unterziehen, soweit es ihre Dienstobliegenheiten zulassen. Dieser Regelung hat auch der Reichswirtschaftsminister seine Zusttm- mung erteilt. Die neuerlassenen Bestimmungen tref­fen im einzelnen Regelungen über das Zulassungs- und das Prüfungsverfahren.

Dämpfkolonne

zum Kampf gegen den Verderb.

Es muß damit gerechnet werden, daß bei Eintritt milderen Wetters größere Mengen von erfrorenen Kartoffeln festgestellt werden, die selbstverständlich möglichst rasch eingesäuert werden müssen, damit sie nicht verderben. Um die Dämpfkolonnen in vollem Maße und bettiebssicher einsetzen zu können, ist schon jetzt Vorsorge zu treffen, daß sie sich in ordnungs­mäßigem Zustand befinden und ausreichend Brenn­material zur Verfügung steht. Soweit die Dämpf­kolonnen mit Kohlen betrieben wurden, diese aber nicht ausreichend vorhanden sind, ist der Dampfkessel entweder gemischt mit Kohlen und Holz ober nur mit Holz zu heizen. Soweit Holz nicht in genügender Menge zur Verfügung steht, ist es von der Ge­meindeverwaltung aus alten ober neuen Einschlägen freizugeben. Es muß felbstverstänblich barauf gesehen werden, daß, soweit dies irgendwie vermieden wer­

den kann, Nutzholz nicht verwendet wird, sondern daß zuerst auf Leseholz und besonders Wurzelmate­rial zurückgegriffen wird.

** Eine Achtzigjährige. Am morgigen Donnerstag, 8. Februar, kann Frau Elise R ü b l, Bruchstraße 14, in geistiger unb körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag begehen. Die Jubilarin nimmt noch regsten Anteil an ben Ereignissen unserer Zeit und liest mit großem Interesse täglich ihr Heimat­blatt, denGießener Anzeiger". Wir beglückwün­schen herzlich zum Geburtstag und wünschen der Hochbetagten einen weiterhin schönen Lebensabend.

** Einbruchsdieb st ah l. Wie die Krimi- nalpokizei mitteitt, würbe in der Nacht zum 7. Feb­ruar in einer Wirtschaft am Oswaldsgarten ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Täter zerbrach an der Sttaßenseite eine Fensterscheibe und stieg ein. Jrn Wirtschaftsraum öffnete er gewaltsam einen Rollschrank und entwendete Zigarren. Bargeld fiel ihm nicht in die Hände.

Schöffengericht Gießen.

Der H. M. in Usenborn ist an geklagt, in einem Schreiben vom 24. Juli 1939 den leitenden Beam­ten eines oberhessischen Amtsgerichts in übler Weise beleidigt und bei einer richterlichen Vernehmung am 7. September 1939 diese Beleidigung noch ein­mal wiederholt zu haben. Der Angeklagte scheint mit allen möglichen Mitteln die Verhandlung hin­ausziehen zu wollen. Im vorigen Termin erschien er wegen Erkrankung nicht. Im gestrigen Termin erschien er wiederum nicht, trotz ordnungsmäßiger Ladung. Auf Antrag des Anklagevertreters erging gegen den Angeklagten Haftbefehl.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen.

* Lang-Göns, 7. Febr. Den hiesigen Lehrern Gustav Herbst, Hermann Bender, Philipp Hofmann und Friedrich Conrad wurde vom Führer das silberne Treudienst-Ehren­zeichen für 25jährige treue Dienste im Schul­wesen verliehen. Lehrer Hofmann wirkte seit dem 8. Februar 1905, also während 35 Jahre, an der hiesigen Volksschule.

Kreis Büdingen.

* Nidda, 6. Febr. Unterwegs aus feinem Hei­matdorfe Ulfa nach Nidda brach der 76 Jahre alte pensionierte Reichsbahnbeamte Heinrich Ludwig auf der Landstraße plötzlich zusammen. Später hin­zukommende Personen fanden den alten Mann als Leiche auf. Ein Herzschlag hatte den einsamen Wanderer auf der Landstraße weggerafft.

Kreis Wehlar.

LPD. Wetzlar, 6. Febr. Ein Kraftfahrer aus Brandobernborf hatte bei der Fahrt mit einer Zugmaschine mit Anhänge in dem Kreisort Kröffelbach bas Unglück, daß er an einer durch eine Dreschmaschine beengten Straßenstelle trotz langsamer Fahrt mit dem Anhänger einen Tele - graphenmast streifte, der um stürzte und eine Frau auf der Stelle tötete, während zwei weitere Personen erheblich verletzt wurden. Wegen berufsfahrlässiger Körperverletzung stand der Mann jetzt vor dem Gericht in Wetzlar, das ihn zu drei Monaten Gefängnis verurteilte. Die bis­herige Unbestraftheit des Angeklagten und einige andere Gesichtspunkte ließ das Gericht als Milde- rungsgrünte für den Mann gelten.

Rundfunkprogramm

Donnerstag, 8. Februar.

6.10 Uhr: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8.05: Landvolk, merk' auf! 8.15: Gymnastik. 9.15: Was wir Frauen heute wis­sen müssen. 9.30: Schulfunk (Mittel- und Oberstufe). Sana und Klang in der Schule. 10: Frohe Weisen. 11: Musik am Vormittag. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 11.50: Stadt unb Land Hand in Haiid. 12: Mittagskonzert. Das Orchester des Reichssenders München. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 15.45: Bücher für unsere Soldaten. 16: Nachmittagskonnert. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Ruf ins Land: Be­richte des Landesernährungsamtes. 18.25: ,Herz, aufglühe dein Blut." Eine besinnliche Sendung für unsere Kameraden am Westwall. Dem Gedenken des Dichters Rudolf G. Binding. 19.25: Nach des Tages Arbeit. Dazwischen: 19.45: Politische Zei­tungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Deutschlandsender.

Roman von Frank F. Braun

Copyright by Deutscher Verlag, Berlin

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Ich hoffe, wenn du fünfzig bist, werde ich meine Ruhe haben", antwortete sie. Behutsam strich sie den schwarzen Seidenärmel auf ihrem Arm etwas zurück und sah die kleine Golduhr an.Ich muß hinaus", sagte sie,um acht Uhr fängt im Radio ein schönes Konzert an, das möchte ich hören. Laßt euer Abend­essen nicht länger warten. Es war vorhin schon nebenan für euch gedeckt. Julia hat auf dich ge­wartet, Ludwig. Hoffentlich erkennst du das an. Wo warst du denn so lange?"

Ach", sagte er ausweichend,man wird immer länger aufgehalten, als man rechnet." Er gab feiner Mutter die Hand.Nett, daß du herunterkamst unb Julia Gesellschaft leistetest. Das nächste Mal bringe ich bir etwas mit. Wirklich, man muh bantbar fein. Er faßte in bie Tasche.Diesmal habe ich mir an Julia gebucht." Seine verknitterten Züge hellten sich auf. Seine Augen lachten.Weißt bu, Julia, ich wollte bir gern eine Freube machen. Hast bu heute nachmittag nicht beinen kleinen Ring vermißt, ben mit ber Perle, ben bu sonst immer trägst?"

Ja!" sagte Julia rasch.Ich hatte ihn beim Waschen abgelegt unb konnte ihn nicht roieberfinben. Du hattest ihn also versteckt?"

3a. Das heißt: nicht versteckt. Hier ist er. Ich brauchte ihn. Ich erinnerte mich nicht mehr ganz genau, wie klein ober dünn bein Ringfinger war. Er lachte über bas ganze Gesicht.Unb ber Ring sollte boch passen." Er öffnete bie Hand, brachte ein viereckiges Elfenbeinkästchen zum Vorschein und ließ es aufspringen. Auf blauem Grund lag em schmal­gefaßter ansehnlicher Brillant.

Ludwig!" stieß Julia heraus, mehr überrascht als im Augenblick erfreut; aber sie besann sich rasch.

Wie nett von dir. Was für ein schöner Ring." Sie setzte ihn auf, ließ das Licht sich brechen und be­wegte die Hand.

Frau Henriette warf einen kurzen Blick auf den Ring, dann auf den Sohn.Entweder du hast etwas ausgefressen", sagte sie ahnungsvoll,ober bu bist immer noch in Julia verliebt. Was kein Wunber wäre." Ihr Lächeln würbe weicher. Sie klopfte Julia auf bie Wange, nickte ihrem Sohn freunblich zu, gewissermaßen belobigenb, unb bann ging sie hinaus. Die schwarze Selbe rauschte.

Als die beiden allein waren, legte Julia ihrem Mann die Arme um den Nacken.Warum?" fragte sie leise.

Er zog sie an sich.Muß alles einen Grund haben? Weil heute schönes Wetter war. Weil ich vor dem Juwelierladen gerade an dich dachte. Ge­nügt das?"

Sie nickte. Er küßte sie. Seine Lippen waren kühl. Wie schwer das alles ist, dachte sie, und sie machte sich rasch los, als habe sie nebenan ein Ge­räusch gehört. Das Mädchen kam aber erst geraume Zeit später und bat zu Tisch.

Ludwig Carlotti war heiter an diesem Abend. Er erzählte von einem Buch, bas er gelesen hatte; er machte einen Scherz, schenkte ein und trank ihr zu.$aft bu Asmus einmal in ben letzten Tagen unten im Laben besucht?" erkundigte er sich.Er hatte keinen kahlen Hals mehr, mit der Mauser ist er diesmal fertig." Asmus war ein Grau­papagei, ben er vor einiger Zeit angebracht hatte. Er sprach ein paar englische Flüche, sagte damals damned und shut up, denn er kam von einem Steward, hatte an Bord gelebt und einige Male Afrika umfahren. Lubwig Carlottt hatte ihm mit unenblicher Gebuld solche Worte abgewohnt. Für solche Tierdressuren hatte er etwas; er verlor nie bie Gebuld, ereiferte sich nicht und brachte dem grauen Asmus neue Sätze und Worte bei.

®r sagt jetzt, sobald er eine Frau auftauchen sieht:Julia ,ich liebe dich! Du mußt ihn besuchen. Er wird dich zum Lachen bringen. Du lachst zu wenig, Julia." Er betrachtete sie.Hast du irgend etwas gern, das ich dir noch kaufen soll? Ein neues Kleid? 'Wollen wir einen Hausball geben? Möchtest bu unter Menschen? Wir haben in letzter Zeit ein bißchen einsam gelebt. Ich vergaß, daß ich eine

junge Frau habe. Du müßtest mich vielleicht manch­mal daran erinnern."

Er lächelte ihr zu und hob nochmals fein Glas.

Ihr wurde heiß. Worauf führte das hinaus. Wenn er doch nur nicht fo in der Art roeiterreben wollte. Sie bekam keinen Bissen mehr hinunter. Zum Glück sah er sie nicht länger an.

Er war mit seinem Teller beschäftigt.

Dann rief Zibilla an. Sie ahnte es, als das Tele­phon anschlug und rief ihm zu:

Zibilla hat zweimal angerufen, als du weg warst. Es scheint etwas Wichtiges zu fein. Wahr­scheinlich ist er das da jetzt wieder. Ich habe ihm gesagt, gegen acht Uhr würde er dich hier erreichen.

Ludwig Carlotti nickte ihr zu. Er nahm den Hörer ab und meldete sich.Ach, Sie sind es, Zi­billa, was haben Sie denn so Wichtiges?"

Zibilla redete wie ein Buch. Von dem Perser er­zählte er und von dessen unglücklichen Familien­verhältnissen; schließlich kam er auf den höheren Preis, den der Mann jetzt für seinen, vormals sei­nen Bubbha bezahlen wolle. Die Zahl nannte er vorsichtshalber noch nicht.

Und was haben Sie Ihrem persischen Freund gesagt?" fragte Carlotti.

Ich habe ihm gesagt, er könne mitkommen, wenn ich Sie noch einmal aufsuchen dürfte."

Wollten Sie denn noch einmal zu mir kommen? Die Angelegenheit ist für mich erledigt, Zibilla. An dem Schränkchen liegt mir nicht sehr viel. Aber ich mache solche Geschäfte nicht, wie Sie sie Vor­schlägen. Ich habe den Buddhakasten gekauft erledigt."

Aber der Perser lasse sich nicht abweisen, zeterte Zibilla; er sah ein gutes, schnelles Geschäft zer­platzen. Ob Herr Carlotti nicht so gegen neun Uhr unten in feinem Laden sei, Herr Carlotti sitze boch abenbs immer gern bei seinen Antiquitäten unb bringe bem Papagei das Sprechen bei, und ob er, Zibilla, nicht einmal vorbeikommen könne. Er habe auch noch einige andere Fragen zu besprechen, log er geschickt dazu.

Ich habe nichts dagegen", sagte Carlottt,wenn Sie nachher bei mir vorbeikommen. So um neun Uhr bin ich sicherlich noch ein Weilchen unten im Laden. Aber nicht lange. Ich will meine Frau heute nicht den ganzen Abend all.in lassen. Sagen wir bis gegen zehn."

Zibilla hängte dankend an. Noch war nicht alles verloren. Der Perser würde im Preis zulegen müssen, aber dem lag ja offenbar sehr viel an dem Kästchen mit dem Buddha. Er verließ zufrieden die Sprechstelle des Cafts, von dem aus er seine Ge­schäfte erledigte.

Julia sagte mit unsicherer Stimme:Du willst noch einmal in den Laden? Gerhart wollte dich sprechen."

Was will er? Ich muß allerdings noch einmal in den Laden, aber ich bleibe nicht lange/ Er sah sie mit einem verlangenden Blick an.Wartest bu mit bem Schlafengehen auf mich?"

Julia konnte nicht ausweichen. -Ja", antwortete sie tonlos. Und sie dachte: vielleicht ist in einer Stunde alles anders. Gerhart wird mit ihm ge­sprochen haben. Ich brauche nicht mehr zu lüaen. Sie sah ihn an, wie er zufrieden vor sich hin­lächelte, an seinen Teller zurückkam und weiteraß. Er ist schamlos, dachte sie. Ich habe keine Gewiß­heit, aber alle sagen es, und es wird stimmen: er kommt in dieser Stunde von der anderen. Was soll ber Ring? Es ist sein schlechtes Gewissen. Mutter hatte recht mit iyrer Bemerkung. Oh, wie kann ein Mensch so ohne jede Scham sein. Sie wandte sich um.Entschuldige mich , bat sie.Mir ist nicht gut." Sie legte Messer und Gabel hin.

Was hast du denn? Ist dir vielleicht die Freude über den Ring in die Glieder gefahren?" Sein Lachen war peinigend, fand Julia.

Sie nickte und sagte mit zuckenden Lippen:Die Freude, das wird es wohl sein." Dann ging sie hinaus.

Er setzte sich kopfschüttelnd erst noch einmal an ben Tisch und zu Ende, ehe er nach vom ging in seinen Laden, besser gesagt in ben Ausstellungs­raum seiner Sammlungen. Denn abenbs, wenn nach ber Straße zu bie dichten Rolläden den Raum abschlossen, wenn man nur über den Hof durch die Hintertür eintreten konnte, war dies kein Laden mehr; dann war es das private Museum des Herrn Ludwig Carlotti, in dem er umf)erging, hier ein Stück streichelnd, dort etwas Staub entfernend. Oder er saß am Tisch über einem alten Pergament. Viel­leicht einen maurischen Dolch putzend, ein chinesisches Schachspiel mit gelben Elfenbeinfiguren aufbauend. Ober mit dem Graupapagei Asmus sprechend und chm Erdnüsse knackend, (Fortsetzung folgte