** Die silberne Lebensrettungsmedaille am Bande wurde dem Saniläts- foldaten Heinrich Krug aus Gießen, Kleine Mühl- gaffe 5, für hervorragende Leistung bei der Rettung von Menschen aus Wassersnot verliehen.
*♦ Dienstauszeichnung. Die Gendarmerie. Hauvtwachtmeister Schmalz in Gießen und Beierlein in Lollar erhielten für treue Dienst- leistunaen in der Polizei die Polizeidienstauszeichnung II. Stufe.
** Weihnachtsgaben, die zum Fest nicht ankommen, bereiten keine Weihnacht sf re ude. Rechtzeitiaes Eintreffen beim Empfänger in der Heimat oder an der Front ist nur möglich, wenn die Weihnachtspakete und Feldpostpäckchen vor dem 13. Dezember bei der Post eingeliefert find.
Aus der engeren Heimat.
Beerdigung von Alibürgermeister Fuhr in Lich.
§ Lich, 5. Dez. Unter dem Geleit seiner Freunde aus nah und fern wurde am Mittwochnachmittag Altbürgermeister Heinrich Adam F u h r zu Grabe getragen. Pfarrer Naumann schilderte den Der- storbenen als treusorgenden Familienvater und allezeit hilfsbereiten und pflichtbewußten Mitbürger, dem zu jeder Zeit das Wohl feiner Vaterstadt am Herzen lag. Von der Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Dahingegangene erfreute, legten Die ungezählten Kranzspenden und vielen Beileidskundgebungen aus allen Kreisen der Be- völkerung Zeugnis ab. Die „Sängervereinigung Cacilia" verliert in dem Verstorbenen ein treues, langjähriges Mitglied und Ehrenmitglied, das nahezu 40 Jahre aktiv in den Rechen der Sänger stand. Dereinsführer Lotz würdigte in feinem Nach, ruf mit Niederlegung eines Kranzes die Verdienste des Heimgegangenen um das deutsche Lied und die Bestrebungen der „Cäcilia" im besonderen. Die Sänger sangen ihm den letzten Gruß. In der Geschichte der Stadt Lich wird der Name des Alt- bürgermeisters Fuhr, wie dies auch das derzeitige Stadtoberhaupt, Bürgermeister Geil, in seinem Schreiben an die Witwe des Verstorbenen ausdrückte, einen ehrenvollen Platz einnehmen.
Oer Anhänger löste sich vom Lastwagen
Drei Radfahrer verletzt.
Lpd. Lauterbach, ö.Dez. Auf der Angersbacher Straße riß von einem Lastauto die Der- binoungsstange zum Anhänger, so daß sich dieser vom Fahrzeug löste und rückwärts über die Straße fulp. Dabei gerieten drei Radfahrer unter das Fahrzeug und erlitten zum Teil ernste Verletzungen. Es handelt, sich um junge Männer aus Angersbach und Müs.
Landkreis Gießen.
s Lang-Göns, 6. Dez. Am 9. Dezember kann unser Mitbürger Konrad Rudolph, Obergasse,, in voller geistiger und 'körperlicher Frische seinen 8 3. Geburtstag feiern. Dem allen Herrn gel- ten unsere herzlichen Glückwünsche.
Zuchthaus für einen päckchenma^der.
Lpd. Frankfurt a. M., 4. Dez. Der 58jahribe Postfacharbeiter Ludwig Z e m m e r i ch , der tn einer Postsammelstelle beschäftigt mar, wurde beobachtet, wie er aus seiner Brusttasche ein Feld- po st Päckchen zog, das Umschlagpapier we-gwarf und die in dem Päckchen befindlichen Zigarettenschachteln einsteckte. Bei einer Haussuchung wurden 29 Schachteln mit 417 Stück Zigaretten und zwei Filme gefunden, die aus beraubten Feldpostpäck- chen stammten. Zemmerich wurde als Dol-ksschäd- ling wegen der von ihm begangenen Amtsverbrechen zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Sondergericht Frankfurt, das dieses Urteil gegen ihn fällte, berücksichtigte mildernd, daß der Angeklagte unbestraft und dem Greisenatter nahe ist, scraferschwerend, daß er nicht den Mut fand, ein Geständnis abzulegen und laufend Päckchen beraubte, deren Zahl sich nicht scststellen ließ.
Campen
find miditlg für 61t r«lttwlrlsch°st. ta» fit nicht Otn malten jum senk, gib fie an Oae nächste Schulkind weitert
Abschied von italienischen Arbeitskameraden.
In den Mittagsstunden des gestrigen Donnerstag versammelten sich in Gießen auf dem Platze vor der Rhein-Main-Halle und in der Bauernschanke rund 650 Männer und Frauen aus Italien, die in den vergangenen Sommer- und Herbstmonaten in unserer engeren Heimat zur Arbeitshilfe in der Landwirtschaft eingesetzt waren, zur gemeinsamen Heimreise vom Bahnhof Gießen aus. Für die Heimkehrer war ein langer O-Zug bereitgefteUL Zu ihrer Der- abschiedung durch den Leiter des Arbellsamles Gießen, Oberregierungsrat Dr. Nonnenmann, waren il a. erschiene^ Pg. Hansi als Vertreter des Kreisleiters und des Kreisobmanns der DAF. im Kreise Wetterau, Ortsgruppenleiter T h o m a s von der Ortsgruppe Gießen-Nord, der den kürzlichen Kameradschaftsnachmittag mit den italienischen Arbeitskameraden im „Burghof" organisiert und durchgeführt hatte, Regierungsrat Dr. Fuhr als Vertreter des Landratsamts Gießen und Abteilungsleiter Schnägelsberger vorn Landes- arbeitsamt Frankfurt a. M., ferner mehrere Beamte des Arbeitsamts Gießen.
Oberregierungsrat Dr. Nonnenmann verabschiedete die italienischen Heimkehrer mit einer kur- 3?n Ansprache, in der er einleitend darauf hinwies, daß seit ihrer Begrüßung bei der Ankunft Anfang Mai dieses Jahres erst sieben Monate vergangen seien, in dieser kleinen Zeitspanne sich aber schicksalsentscheidende Ereignisse abgespielt hätten. Er er- innerte an die kriegsgeschichtlichen Erfolge von welthistorischer Bedeutung, die in Norwegen, Holland, Belgien und Frankreich sowie auf afrikanischem Boden errungen wurden, und wies auch auf deren Auswirkungen auf politischem Gebiet hin, wobei er den Abschluß des Dreimächtepaktes und die dadurch eingeleitete Neuordnung in Europa und Ost asten hervorhob. In diesem Zusammenhang betonte er, d-aß die Saat, die unsere beiden Führer Adolf Hitler und Benito Mussolini gelegt haben, setzt schon zu reifen beginne, und der Augenblick nicht mehr allzu fern sei, an dem auch unser letzter Feind England am Boden liegen werde. Die nunmehr in ihre Heimat zurückkehrenden italienischen Arbeitskameraden und Avbeitskameradinnen hätten in den verflossenen sieben Monaten aber auch ein Beispiel unseres gemeinsamen Kampfes und der gemeinsamen Arbeit dadurch gegeben, daß sie geholfen hätten, den Acker zu bestellen und die Ernte einzubringen. Alle hätten an ihrem Teile und auf ihrem Arbeitsplätze ihre Pflicht getan und könnten mit diesem stolzen Bewußtsein in ihre Heimat zurückkehren. Der Redner fagte dann allen italienischen Arbeitskameraden und Arbeitskameradinnen für ihre fleißige Mitarbeit im Namen der Reichs- arbeitsoerwaltung herzlichen Dank, der sich beson
ders auch an den Vertreter des königlich italienischen Generalkonsulats und an den Sekretär der Confederazione fascista laooratori agricoltura, Dr. Teodori, richtete, mit dem das Arbeitsamt in bester Zusammenarbeit und herzlichem Einvernehmen alle Aufgaben erfolgreich durchführen konnte. Er dankte auch dem Dolmetscher D i d o n i, der das Arbeitsamt und die italienischen Kameraden in diesen Monaten nach besten Kräften unterstützte. Mit herzlichen Wünschen für eine gute' Fahrt und gesunde Heimkehr, sowie mit der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen im nächsten Jahre schloß Ober- regierungsrat Dr. Nonnenmann feine Ansprache, die er in dem Gruß an den Führer und an den Duce ausklingen ließ.
Nach der Uebersetzung der Ansprache durch den Dolmetscher D i d o n i und der sehr beifälligen Aufnahme dieser Worte sprach Pg. H a n tz in Vertretung des Kreisleiters. Er überbrachte den Heimkehrern den Abschiedsgruß des Kreises Wetterau und dankte ihnen ebenfalls für ihre fleißige Mitarbeit, die sie während der ganzen Monate ihres hiesigen Aufenthaltes in Pflichterfüllung und tat- froher Einsatzbereitschaft erkundet hätten. Er hob dann hervor, daß das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland gewillt und bereit feien, alle Kräfte für die Neuordnung in Europa und in der Wett einzusetzen und daß die beiden großen Völker unter ihren Führern in treuer Kameradschaft Seite an Seite nicht eher ruhen würden, bis auch ihr letzter und größter Feind England am Boden liege. Mit diesem Gelöbnis solle die Abschiedsstunde ihre besondere Vertiefung erfahren. Der Redner übermittelte dann den Scheidenden herzliche Grüße für ihr Volk und ihren großen Füyrer und grüßte beide sowie den. genialen Führer des nationalsozialistischen Deutschland mit freudig aufgenommenem Sieg-Heil.
Der Sprecher der italienischen Heimkehrer Dr. Teodori brachte deren'Dank, zugleich auch im Namen des italienischen Generalkonsulats, zum Ausdruck, besonders an die Kreisleitung Wetterau und an das Arbeitsamt Gießen; ferner dankte er für die freundliche Aufnahme, die seine Kameraden und Kameradinnen überall in Deutschland gefunden hätten. Seine Worte klangen aus in dem freudigen Gruß an den Führer und an den Duce und die beiden großen Völker.
Hierauf begaben sich die Heimkehrer zu dem bereitstehenden Sonderzug, mit dem sie unter herzlichen Abschiedsgrüßen kurz nach 14.30 Ubr die Heimfahrt antraten. Auf ihrer Reise werden sie von dem Dolmetscher D i d o n i und dem Vertreter des Arbeitsamtes Gießen Ludwig Raab begleitet und betreut
«iJi.-’Spoit
Oer kommende Handball'onntog.
Der kommende Sonntag bringt zum letzten Male in diesem Jahr wieder alle Einheiten auf den Plan. Dann beginnt eine kleine Ruhepause; zwar werden am 15. Dezember nochmals zwei Vorrundenspiele nachgeholt, die aber nicht weiter in Erscheinung treten. Diesmal treffen aufeinander:
Tv. Hochelheim — Mtv. Gießen
Tv. Garbenheim — Tv. Dornholzhausen
Tv. Katzenfurt — Tv. Hörnsheim
Tv. Lützellinden — Tv. Kirchgöns
Bei Hochelheim, das z. Z. die Tabelle anfuhrt, kommt es auf jedes Spiel an. Es darf deshalb keines der Treffen zu leicht nehmen. Das gilt besonders diesmal. Denn gerade die Gießener Männerturner sind eine Mannschaft, die unberechenbar ist und die eines Tages ganz bestimmt zu einem großen Schlage ausholen wird.
Dornholzhausen ist wieder im Kommen und hat am letzten Sonntag eine ausgezeichnete Partie geliefert. Es wird gewiß die Platzbesitzer zur Hergabe ihres ganzen Könnens herausfordern. Ob es allerdings zu einem Siege reichen wird, ist kaum anzunehmen, weil Garbenheim aus der Niederlage des vergangenen Sonntags sicherlich feine Lehren gezogen hat.
Hörnsheim hat Pech gehabt und ausgerechnet im entscheidenden Stadium eine Anzahl feiner besten Spieler verloren. Trotzdem wird die Mannschaft
spielfähig bleiben, weil Ersatz vorhanden und die Mannschaft auch so stark genug ist, um bestehen zu können. Das wird am Sonntag sicherlich schon Katzenfurt merken.
Kirchgöns geht keinen leichten Gang, wenn auch die Mannschaft im Augenblick wieder in hervorragender Verfassung ist. Lützellinden kann nämlich — wenn es fein muß — nicht nur Kritik üben, es kann auch spielen, und zwar so, daß auch der stärkste Gegner kapitulieren muß.
Jugend spiele:
Tv. Lang-Göns — Tv. Holzheim
Mtv. Gießen II. — Tv. Grüningen
Tv. Hausen — Tv. W.-Steinberg
Tv. Lich — To. Wieseck
Sp. G. Großen-Buseck — Tv. Klein-Linden
To. Katzenfurt A — To. Garbenheim
Tv. Katzenfurt 1. — W.-Niedergirmes
Tv. Oberkleen — To. Lützellinden
Fußball-Lokalkampf in Oaubringen.
Daubrlngen L — Lollar I.
Am kommenden Sonntag empfängt die I. Mannschaft von Daubringen die gleiche des Sportvereins Lollar zum fälligen Verbandsspiel. Beide Mannschaften haben sich schon immer harte Kämpfe mit abwechselndem Erfolg geliefert. Sollte es Daubringen gelingen, gegen Lollar zu einem Sieg zu
kommen, so stehen noch alle Türen zur Meiste» schäft offen.
Daubringen 1. Jugend — Mendorf 1. Jugend.
Am kommenden Sonntag trägt die 1. Jugend von Daubringen ihre letztes Vorrundenspiel um die Bannmeisterschast aus. Sie sollte auch hier wieder zu einem Siege kommen.
Sportgemeinde Steinbach.
SteinbadhI — Hungen I 0:2 (0:1).
Das Spiel war ziemlich einseitig. Schon nach kurzer Spielzeit drängten die Platzbesttzer den Gegner in seine Hälfte. Hungen kam nur einige Male durch, bei denen sie auch ein Tor erzwingen konnten. Die Gastgeber behielten jedoch weiterhin die Oberhand, kamen allerdings zu keinem zahlbaren Erfolg, lieber die Hälfte der Gästespieler mußte verteidigen, so daß der Ball nicht durchzubringen war. Nach dem Wechsel blieb Steinbach weiterhin im Angriff, doch fielen keine Tore. Bei einem Durchbruch Der Gäste war der Torhüter der Einheimisci>en zu weit herausgelaufen und konnte der Halbrechte, der schneller am Ball war, ungehindert zum 2. Treffer einschießen. Die Platzbesitzer gingen noch mehr aus sich heraus, trafen jedoch nur einige Male die Pfosten. Steinbach mußte in diesem Spiel eine unverdiente Niederlage hinnehmen und somit die Punkte an Hungen tvbgeben.
Steinbach Jgd. — Hungen Jgd. 1:3.
Die Jugendmannschaft von Steinbach spielte vorher gegen die gleiche von Hungen. Die Gäste hatten etwas mehr vom Spiel und konnten bis zur Halbzeit zwei Tore schießen, denen die Gastgeber nichts entgegensetzen konnten. Nach der Pause war es der Rechtsaußen der Platzbesttzer, der zum Gegentor einsch'.eßen konnte. Hungen war jedoch leicht überlegen und konnte durch einen weiteren Treffer einen sicheren Sieg erringen.
4, Frankfurter Börse. Uneinheitliche Aktienmärkte.
Frankfurt a. TI., 5. Dez. In dem verflossenem Berichtszeitraum stand die Börse, soweit Aktien in Betracht kamen, im Zeichen uneinheitlicher Kursentwicklung. Es bestand weiterhin Anlagebedürfnis, das jedoch — zumal im Hinblick auf die sprunghaften Steigerungen Erörterungen tn der Oefsentlichkeit aus gelöst worden waren — an einzelnen Tagen mehr oder weniger stark gurütftrat Auch schritt man verschiedenlich zu Glattstellungen, so daß das Kursniveau unter verhältnismäßig erheblichen Schwankungen im allgemeinen nachgab, da das herauskommende Material nur zögernd zu den hohen Kursen abgenommen wurde. Berührt wurden von diesen Schwankungen meist nur die sog. schweren Papiere, während weniger beachtete Aktien durchweg gut gehalten werden konnten. Es ist auch hier wieder zu betonen, daß der Ge- schäftsumfang an keinem Tage etwa besonder- groß gewesen ist, sondern sich in recht engen Bahnen bewegte. Don heimischen Aktien waren die Adlerwerke ziemlich schwach, dagegen konnten Moe« nus in den letzten Tagen kräftig anziehen. Scheideanstalt schwankten zwischen 287 und 290, Metallgesellschaft zwischen 171 und 174, VDM. zwischen 228 und 234, Lahmeyer, Rheinelektra und RWE. durchweg gut gehalten. IG. Farben unterlagen zeitweise einem Druck und sanken vorübergehend unter 200.
Zeigten die Aktienmärkte eine uneinheitliche Tendenz, so lag der R e n t e n m a r k t durchweg im Grunde recht freundlich, die Kursbewegungen in 4'/rprozentigen Werten haben sich ausgependelt, und vereinzelt zeigte sich für uber^ 4 v. H. verzinsliche Renten wieder Interesse. Das" gilt vor allem für Pfandbriefe, in denen kündbare 4l/-prozentige Serien auf 101 stehenblieben, während in Kommunal« Obligationen eher noch Angebot herauskam. Die Altbesitzanleihe des Reiches, in der in der Berichtszeit Ziehung mar, notierte danach kaum verändert.
frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 5. Dez. Es notierten in RM. je 50 kg Lebendgewicht: Ochsen a) 45 bis 48,50, b) 40 bis 42,50, c) 34 bis 37,50; Bullen a) 43 bis 44,50, b) 39 bis 40,50; Kühe a) 43 bis 44,50, b) 39 bis 40,50, c) 30 bis 34,50, d) 18 bis 25; Färsen a) 44,50 bis 45,50, b) 40 bis 41,50, c) 34,50 bis 36,50; andere Kälber a) 59, b) 56 bis 59, c) 46 bis 50, d) 35 bis 40; Hämmel b2) 48 bis 51, c) 34 bis 44; Schafe a) 42 bis 44, b) 35 bis 40, c) 25 bis 32; Schweine a) 58, bl) 58, b2) 57, c) 55; d) 52, e) 50, gl) Sauen 58. Marktverlauf: alles zugeteilt.
Gießener Konzeriring.
Fünftes Konzert.
Kammersängerin Margarete Tefchemacher an der Staatsoper Dresden gilt heute zweifellos als eine der ersten Bertreterinnnen chres Faches. Don einer fast ausschließlichen Bühnentätigkeit her- kommend, vermag sie auch im Konzerlsaal Ihre außerordentlichen Darstellerischen und gestalterischen Kräfte einzusetzen und der Wirkung des Werkes dienstbar zu machen. Wenn sie vor dem Publikum steht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als umfasse ihr Wille selbst den letzten Platz im weiten Raume; ein jeder ist in ihren Bann geschlagen und folgt chr willig und gern. Äenn Margarete Tesche- macher verfügt über ein außergewöhnliches ft.map liches Material, das über den weiten Umfang der Stimme hin mit vollstem klanglichen Ausgleich durchgebildet ist und hemmungssrei sich in der Weite des Raumes entfaltet mit einer Strahlkraft, die dem Orchester gegenüber sich restlos zu behaupten vermag. In scharfer Kontur spannt sie die melodischen. L.nien mit weit ausholendem Bogen, selbst im Forte der Steigerung nicht die Grenzen chres Organs überschreitend. Ihre Textbehandlung erscheint äußerst durchlebt und überdacht, da^u plastisch in allen Stärkegraden.
Mit der Auswahl ihrer Gesänge umspannt sie die Pole chres Faches, aber in jeder Stilart und Gesangsmanier erwies sie sich mit persönlichem Akzent.
Die Arie der Katharine aus der Oper „D e r Widerspenstigen Zähmung" von Hermann Goetz rouroe zu einem fraulichen Bekenntnis, das mit der Schwere der Situation ringt und innerste Seeleneinblicke gewährt. Bedenken wir, .daß einst ein vom Tode Gezeichneter hier seine Ergebenheit in das Schicksal niedergelegt hat.
Eine andere Well, ein anderes Frauenerleben erstand in Leoncavallos Vogellied aus „D e r Bajazzo" mit beweglichem Klang und strahlendem Schwingen.
Wiederum als eine andere erwies sie sich in der Zugabe, dem Gebet der Toska aus Puccinis gleichnamiger Oper, in einem Frauenschicksal, das vor dem Zerbrechen steht und bereit ist, das Letzte hinzugeben.
- So ließen die drei Gesänge die Dühnenkünstterin in der Verschiedenheit ihres Gestaltungsvermögens dem Hörer unmittelbar nahekommen. Ein äußerst starker Beifall war der bezeugende Dank dafür.
Mit sicherem Griff hatte vorher schon Professor Dr. Stefan Temesväry das Band zwischen Podium und Hörer geschlungen durch eine äußerst temperamentvolle Wiedergabe von Friedrich Smetanas Tondichtung „A u s Böhmens Hain und Flur". Im Grunde feines Charakters gehört dieses Werk der ausgesprochen en Pro- gramminfif an. Durch die Darbietung aber erschloß et sich mit ursprünglicher Na tu mähe ganz abgesehen von dem zugrunde liegenden dichterischen Geoanken durch die Kräfte der ihm inneroobnenben Musikalität. M t prächtig ausgeglichener Klangfülle wurde der Jubel und das Beglücktsein über die böhmische Landschaft nahegebracht. Klangseligkeit durchzog die lyrischen Episoden. In sauberster Profitteruna wuchs das Fugato der Streicher in seiner Feinglieorigkeit und Abgetöntheit heraus; musikalische Lust, zündender Rhythmus und tänzerische Gebärde wurden 3um Motto des Schlußteiles dieser Dichtung.
Der Schwerpunkt des Abends lag aber in Bruck- ners Dritter Symphonie, die hier seit langen Jahren zum erstenmal wieder erklang. Die großen Klangballungen bei Bruckner, der vollbesetzte Orchesterkörper stellen den Dirigenten vor die Not- weirdigkeit, bis zum äußersten zu differenzieren, auszutönen, Klänge au homogener Einheitlichkeit zu verschmelzen, um Das Werk in seiner inneren Organik künoungssicher dem Hörer nahezuführen. Daß Professor Temesväry zu Bruckner eine besonders starke innere Einstellung besitzt, hat er im Laufe der Jahre schon des öfteren vollauf bestätigt. Wie er aber dieses Werk in seiner Lebensbedingt- heit und inneren Größe vor den Hörem ausbreitete, verdient uneingeschränkte Anerkennung.
Das Ganze wuchs als ein organischer Körper heraus. Die einzelnen Themengruppen erstanden in ausgeprägter Individualität; die gewaltigen Steigerungen waren lebensvoll durchpulst und erhoben sich an ihren Höhepunkten zu ekstatischer Breite. Die entwicklungsbedingten Kontraste verbanden sich mit ausgeglichener Verwobenheit des Thematischen bei 1 feinster Austönung des Klanglichen sowohl in den
Einzelgruppen des Orchesters wie in der Mischung der Farben. Aeußerst bannend gestaltete er die Uebergänge, so zur Durchführung des ersten Satzes hin und auch zur Reprise. Schwer lastend, innerlich gefüllt mit nahe spürbarer Hintergründigkeit erklang das Adagio; das Scherzo war sprühend beschwingt mit behaglichem Humor des Rhythmus im Trio. Das Finale wurde zur wahrhaften Erfüllung der Probleme des Werkes, durchblutet von einem poesievollen Erfühlen der Einzelepisoden, gipfelnd in der Siegesgewihheit der Coda. Das Orchester gab bereitwilligst fein Bestes her, besondere Anerkennung verdienen die Holzbläser und namentlich die Hörner und Trompeten mit ihrer nie versagenden Fähigkeit der klangschönen dynamischen Schattierung in allen Ausmaßen.
Das Haus ehrte alle Beteiligten mit freudigster Anerkennung. Dr. Hermann Hfering.
E T. A. Hoffmann.
Eine Buchbesprechung.
— Ernst von Schenck: E. T. A. Hoffman n. Ein Kampf um das Bild des Menschen. XVIII und 754 Seiten. Leinen 12 RM. Verlag Die Runde, Berlin, 1939. — (185) — Der Dichter Ernst Theodor Amadeus (Wilhelm) Hoffmann, 1776 bis 1822, ist eine der merkwürdigsten und interessantesten Erscheinungen der deutschen Geistesgeschichte. Trotzdem ist er im Auslande, vor allem in Frankreich, müheloser bekannt und gründlicher gelesen worden als bei uns, und die deutsche Wissenschaft hat sich erst verhältnismäßig spät seiner angenommen. Die 1912 von Carl Georg von Maaßen begonnene historisch-kritische Ausgabe des Gesamtwertes ist noch immer unvollendet. Die liebevoll ein» gehende Arbeit Hans von Müllers, der die Herausgabe von Hoffmanns Briefwechsel, seiner höchst auf- schlußreichen Tagebücher und feiner literarischen Entwürfe besorgte, schuf wesentliche Voraussetzungen für eine umfassende Kenntnis und Würdigung seines bewegten Lebens und feines sehr umfangreichen Werkes. Unter den nach dem Weltkriege erschienenen Büchern über Hoffmann verdient die große zweibändige Biographie von Walter 'Harsch iBerlin 1920) nachdrücklich heroorgehoben zu werden. Dem sehr umfänglichen Werke Ernst von
Schencks ist es weniger um eine Biographie im landläufigen Sinne als um eine Herausardeitung des Hoffmannschen Menschen- und Weltbildes 3U tun; als Methode war, wie das Vorwort ausweist, „eine geistesgeschichtliche und geistesbiographische Phänomenologie" beabsichtigt, eine Deutung 'ber Gesamterscheinung, bse wir unter dem Namen E. T. A. Hoffmann begreifen, aus seinem Werke, aus seiner Umwelt, aus seiner Zeit. Ernst v. Schenck hat dieses Unternehmen mit einer außerordentlichen Belesenheit angegriffen und ein bedeutendes Material hierfür zusammengettagen. Das Buch ist nicht durchaus leicht ober gar flüssig zu lesen, nicht nur weil es sehr erhebliche Kenntnisse voraussetzt, sondern auch deswegen, weil, wie uns scheint, der Verfasser der von ihm selbst erkannten, drohenden Gefahr geistesgeschichtlicher Abstraktion keineswegs allenthalben entgangen ist; auch für den literarisch geschulten und unterrichteten Leser wird es häu'ig sehr schwierig fein, sich durch die Fülle der Begriffe und die Hausung der Fremdwörter hindurch- zufinden. Die Darstellung, in sich tief gegliedert, befaßt sich im ersten Hauptteil mit der Soziologie des Hoffmannschen Weltbildes, vor allem mit der Stellung Hoffmanns in seiner bürgerlichen Umwett. Der zweite Teil gibt eine Entwicklung des Hoffmannschen Weltbildes aus zeitgeschichtlichen Voraussetzungen (die, so weit wir zu sehen^ vermögen, bisher noch nirgends so umfassend au'ge- wiesen worden), aus dem Dichterischen und aus dem entscheidenden Erlebnis mit Julia Marc. Der dritte Teil, „Bild und Dasein des Menschen", gei winnt seine Ergebnisse vor allem aus der überaus eingehenden Analyse von Hoffmanns magllch- poetischer Selbstspiegelung im Kavellmeister Kreisler und von Erzählungen wie ,.Signor Formiccte, ..Prinzessin Brambilla" und „Meiller Floh". — Das Hauptverdienst der ungemein fleißigen Arbeit liegt u. E. darin, daß Hoffmann hier ausschließlich als Kind seiner Zeit begriffen, daß eine bisher kaum erkannte Fülle der Beziehungen au^gezeiat und feine Stellung im geistesgeschichtlichen Umkreise des 18. und frühen 19. Jahrhunderts abgegrenzt wird. Dieser Absicht dient neben einer übersichtlichen Zeittatti und dem Namenverzeichnis insbesondere ein sehr gründlich gearbeiteter Anmerkungsapparat. Die äußere Ausstattung des mit mehreren charakteristischen Bildnissen des Dichters geschmückten Buches ist solide und geschmackvoll. Hans Thyriot


