Ausgabe 
6.12.1940
 
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** Die silberne Lebensrettungs­medaille am Bande wurde dem Saniläts- foldaten Heinrich Krug aus Gießen, Kleine Mühl- gaffe 5, für hervorragende Leistung bei der Rettung von Menschen aus Wassersnot verliehen.

* Dienstauszeichnung. Die Gendarmerie. Hauvtwachtmeister Schmalz in Gießen und Beierlein in Lollar erhielten für treue Dienst- leistunaen in der Polizei die Polizeidienstauszeich­nung II. Stufe.

** Weihnachtsgaben, die zum Fest nicht ankommen, bereiten keine Weih­nacht sf re ude. Rechtzeitiaes Eintreffen beim Empfänger in der Heimat oder an der Front ist nur möglich, wenn die Weihnachtspakete und Feld­postpäckchen vor dem 13. Dezember bei der Post eingeliefert find.

Aus der engeren Heimat.

Beerdigung von Alibürgermeister Fuhr in Lich.

§ Lich, 5. Dez. Unter dem Geleit seiner Freunde aus nah und fern wurde am Mittwochnachmittag Altbürgermeister Heinrich Adam F u h r zu Grabe getragen. Pfarrer Naumann schilderte den Der- storbenen als treusorgenden Familienvater und allezeit hilfsbereiten und pflichtbewußten Mitbür­ger, dem zu jeder Zeit das Wohl feiner Vaterstadt am Herzen lag. Von der Beliebtheit und Wert­schätzung, deren sich der Dahingegangene erfreute, legten Die ungezählten Kranzspenden und vielen Beileidskundgebungen aus allen Kreisen der Be- völkerung Zeugnis ab. DieSängervereinigung Cacilia" verliert in dem Verstorbenen ein treues, langjähriges Mitglied und Ehrenmitglied, das nahezu 40 Jahre aktiv in den Rechen der Sänger stand. Dereinsführer Lotz würdigte in feinem Nach, ruf mit Niederlegung eines Kranzes die Verdienste des Heimgegangenen um das deutsche Lied und die Bestrebungen derCäcilia" im besonderen. Die Sänger sangen ihm den letzten Gruß. In der Ge­schichte der Stadt Lich wird der Name des Alt- bürgermeisters Fuhr, wie dies auch das derzei­tige Stadtoberhaupt, Bürgermeister Geil, in sei­nem Schreiben an die Witwe des Verstorbenen ausdrückte, einen ehrenvollen Platz einnehmen.

Oer Anhänger löste sich vom Lastwagen

Drei Radfahrer verletzt.

Lpd. Lauterbach, ö.Dez. Auf der Angers­bacher Straße riß von einem Lastauto die Der- binoungsstange zum Anhänger, so daß sich die­ser vom Fahrzeug löste und rückwärts über die Straße fulp. Dabei gerieten drei Radfahrer unter das Fahrzeug und erlitten zum Teil ernste Verletzungen. Es handelt, sich um junge Män­ner aus Angersbach und Müs.

Landkreis Gießen.

s Lang-Göns, 6. Dez. Am 9. Dezember kann unser Mitbürger Konrad Rudolph, Obergasse,, in voller geistiger und 'körperlicher Frische seinen 8 3. Geburtstag feiern. Dem allen Herrn gel- ten unsere herzlichen Glückwünsche.

Zuchthaus für einen päckchenma^der.

Lpd. Frankfurt a. M., 4. Dez. Der 58jahribe Postfacharbeiter Ludwig Z e m m e r i ch , der tn einer Postsammelstelle beschäftigt mar, wurde beob­achtet, wie er aus seiner Brusttasche ein Feld- po st Päckchen zog, das Umschlagpapier we-gwarf und die in dem Päckchen befindlichen Zigaretten­schachteln einsteckte. Bei einer Haussuchung wurden 29 Schachteln mit 417 Stück Zigaretten und zwei Filme gefunden, die aus beraubten Feldpostpäck- chen stammten. Zemmerich wurde als Dol-ksschäd- ling wegen der von ihm begangenen Amtsverbre­chen zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Sondergericht Frankfurt, das dieses Urteil gegen ihn fällte, berück­sichtigte mildernd, daß der Angeklagte unbestraft und dem Greisenatter nahe ist, scraferschwerend, daß er nicht den Mut fand, ein Geständnis abzulegen und laufend Päckchen beraubte, deren Zahl sich nicht scststellen ließ.

Campen

find miditlg für 61t r«lttwlrlsch°st. ta» fit nicht Otn malten jum senk, gib fie an Oae nächste Schulkind weitert

Abschied von italienischen Arbeitskameraden.

In den Mittagsstunden des gestrigen Donnerstag versammelten sich in Gießen auf dem Platze vor der Rhein-Main-Halle und in der Bauernschanke rund 650 Männer und Frauen aus Italien, die in den vergangenen Sommer- und Herbstmonaten in unse­rer engeren Heimat zur Arbeitshilfe in der Land­wirtschaft eingesetzt waren, zur gemeinsamen Heim­reise vom Bahnhof Gießen aus. Für die Heimkehrer war ein langer O-Zug bereitgefteUL Zu ihrer Der- abschiedung durch den Leiter des Arbellsamles Gie­ßen, Oberregierungsrat Dr. Nonnenmann, waren il a. erschiene^ Pg. Hansi als Vertreter des Kreisleiters und des Kreisobmanns der DAF. im Kreise Wetterau, Ortsgruppenleiter T h o m a s von der Ortsgruppe Gießen-Nord, der den kürzlichen Kameradschaftsnachmittag mit den italienischen Ar­beitskameraden imBurghof" organisiert und durchgeführt hatte, Regierungsrat Dr. Fuhr als Vertreter des Landratsamts Gießen und Abtei­lungsleiter Schnägelsberger vorn Landes- arbeitsamt Frankfurt a. M., ferner mehrere Beamte des Arbeitsamts Gießen.

Oberregierungsrat Dr. Nonnenmann verab­schiedete die italienischen Heimkehrer mit einer kur- 3?n Ansprache, in der er einleitend darauf hinwies, daß seit ihrer Begrüßung bei der Ankunft Anfang Mai dieses Jahres erst sieben Monate vergangen seien, in dieser kleinen Zeitspanne sich aber schick­salsentscheidende Ereignisse abgespielt hätten. Er er- innerte an die kriegsgeschichtlichen Erfolge von welthistorischer Bedeutung, die in Norwegen, Hol­land, Belgien und Frankreich sowie auf afrikani­schem Boden errungen wurden, und wies auch auf deren Auswirkungen auf politischem Gebiet hin, wobei er den Abschluß des Dreimächtepaktes und die dadurch eingeleitete Neuordnung in Europa und Ost asten hervorhob. In diesem Zusammenhang be­tonte er, d- die Saat, die unsere beiden Führer Adolf Hitler und Benito Mussolini gelegt haben, setzt schon zu reifen beginne, und der Augen­blick nicht mehr allzu fern sei, an dem auch unser letzter Feind England am Boden liegen werde. Die nunmehr in ihre Heimat zurückkehrenden italieni­schen Arbeitskameraden und Avbeitskameradinnen hätten in den verflossenen sieben Monaten aber auch ein Beispiel unseres gemeinsamen Kampfes und der gemeinsamen Arbeit dadurch gegeben, daß sie geholfen hätten, den Acker zu bestellen und die Ernte einzubringen. Alle hätten an ihrem Teile und auf ihrem Arbeitsplätze ihre Pflicht getan und könn­ten mit diesem stolzen Bewußtsein in ihre Heimat zurückkehren. Der Redner fagte dann allen italieni­schen Arbeitskameraden und Arbeitskameradinnen für ihre fleißige Mitarbeit im Namen der Reichs- arbeitsoerwaltung herzlichen Dank, der sich beson­

ders auch an den Vertreter des königlich italieni­schen Generalkonsulats und an den Sekretär der Confederazione fascista laooratori agricoltura, Dr. Teodori, richtete, mit dem das Arbeitsamt in bester Zusammenarbeit und herzlichem Einverneh­men alle Aufgaben erfolgreich durchführen konnte. Er dankte auch dem Dolmetscher D i d o n i, der das Arbeitsamt und die italienischen Kameraden in diesen Monaten nach besten Kräften unterstützte. Mit herzlichen Wünschen für eine gute' Fahrt und gesunde Heimkehr, sowie mit der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen im nächsten Jahre schloß Ober- regierungsrat Dr. Nonnenmann feine An­sprache, die er in dem Gruß an den Führer und an den Duce ausklingen ließ.

Nach der Uebersetzung der Ansprache durch den Dolmetscher D i d o n i und der sehr beifälligen Auf­nahme dieser Worte sprach Pg. H a n tz in Vertre­tung des Kreisleiters. Er überbrachte den Heim­kehrern den Abschiedsgruß des Kreises Wetterau und dankte ihnen ebenfalls für ihre fleißige Mit­arbeit, die sie während der ganzen Monate ihres hiesigen Aufenthaltes in Pflichterfüllung und tat- froher Einsatzbereitschaft erkundet hätten. Er hob dann hervor, daß das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland gewillt und bereit feien, alle Kräfte für die Neuordnung in Europa und in der Wett einzusetzen und daß die beiden großen Völker unter ihren Führern in treuer Kame­radschaft Seite an Seite nicht eher ruhen würden, bis auch ihr letzter und größter Feind England am Boden liege. Mit diesem Gelöbnis solle die Ab­schiedsstunde ihre besondere Vertiefung erfahren. Der Redner übermittelte dann den Scheidenden herzliche Grüße für ihr Volk und ihren großen Füyrer und grüßte beide sowie den. genialen Füh­rer des nationalsozialistischen Deutschland mit freu­dig aufgenommenem Sieg-Heil.

Der Sprecher der italienischen Heimkehrer Dr. Teodori brachte deren'Dank, zugleich auch im Namen des italienischen Generalkonsulats, zum Aus­druck, besonders an die Kreisleitung Wetterau und an das Arbeitsamt Gießen; ferner dankte er für die freundliche Aufnahme, die seine Kameraden und Kameradinnen überall in Deutschland gefunden hät­ten. Seine Worte klangen aus in dem freudigen Gruß an den Führer und an den Duce und die beiden großen Völker.

Hierauf begaben sich die Heimkehrer zu dem be­reitstehenden Sonderzug, mit dem sie unter herz­lichen Abschiedsgrüßen kurz nach 14.30 Ubr die Heimfahrt antraten. Auf ihrer Reise werden sie von dem Dolmetscher D i d o n i und dem Vertreter des Arbeitsamtes Gießen Ludwig Raab begleitet und betreut

«iJi.-Spoit

Oer kommende Handball'onntog.

Der kommende Sonntag bringt zum letzten Male in diesem Jahr wieder alle Einheiten auf den Plan. Dann beginnt eine kleine Ruhepause; zwar werden am 15. Dezember nochmals zwei Vorrundenspiele nachgeholt, die aber nicht weiter in Erscheinung treten. Diesmal treffen aufeinander:

Tv. Hochelheim Mtv. Gießen

Tv. Garbenheim Tv. Dornholzhausen

Tv. Katzenfurt Tv. Hörnsheim

Tv. Lützellinden Tv. Kirchgöns

Bei Hochelheim, das z. Z. die Tabelle anfuhrt, kommt es auf jedes Spiel an. Es darf deshalb keines der Treffen zu leicht nehmen. Das gilt be­sonders diesmal. Denn gerade die Gießener Män­nerturner sind eine Mannschaft, die unberechenbar ist und die eines Tages ganz bestimmt zu einem großen Schlage ausholen wird.

Dornholzhausen ist wieder im Kommen und hat am letzten Sonntag eine ausgezeichnete Partie ge­liefert. Es wird gewiß die Platzbesitzer zur Her­gabe ihres ganzen Könnens herausfordern. Ob es allerdings zu einem Siege reichen wird, ist kaum anzunehmen, weil Garbenheim aus der Niederlage des vergangenen Sonntags sicherlich feine Lehren gezogen hat.

Hörnsheim hat Pech gehabt und ausgerechnet im entscheidenden Stadium eine Anzahl feiner besten Spieler verloren. Trotzdem wird die Mannschaft

spielfähig bleiben, weil Ersatz vorhanden und die Mannschaft auch so stark genug ist, um bestehen zu können. Das wird am Sonntag sicherlich schon Katzenfurt merken.

Kirchgöns geht keinen leichten Gang, wenn auch die Mannschaft im Augenblick wieder in hervor­ragender Verfassung ist. Lützellinden kann nämlich wenn es fein muß nicht nur Kritik üben, es kann auch spielen, und zwar so, daß auch der stärkste Gegner kapitulieren muß.

Jugend spiele:

Tv. Lang-Göns Tv. Holzheim

Mtv. Gießen II. Tv. Grüningen

Tv. Hausen Tv. W.-Steinberg

Tv. Lich To. Wieseck

Sp. G. Großen-Buseck Tv. Klein-Linden

To. Katzenfurt A To. Garbenheim

Tv. Katzenfurt 1. W.-Niedergirmes

Tv. Oberkleen To. Lützellinden

Fußball-Lokalkampf in Oaubringen.

Daubrlngen L Lollar I.

Am kommenden Sonntag empfängt die I. Mann­schaft von Daubringen die gleiche des Sportvereins Lollar zum fälligen Verbandsspiel. Beide Mann­schaften haben sich schon immer harte Kämpfe mit abwechselndem Erfolg geliefert. Sollte es Daub­ringen gelingen, gegen Lollar zu einem Sieg zu

kommen, so stehen noch alle Türen zur Meiste» schäft offen.

Daubringen 1. Jugend Mendorf 1. Jugend.

Am kommenden Sonntag trägt die 1. Jugend von Daubringen ihre letztes Vorrundenspiel um die Bannmeisterschast aus. Sie sollte auch hier wieder zu einem Siege kommen.

Sportgemeinde Steinbach.

SteinbadhI Hungen I 0:2 (0:1).

Das Spiel war ziemlich einseitig. Schon nach kur­zer Spielzeit drängten die Platzbesttzer den Gegner in seine Hälfte. Hungen kam nur einige Male durch, bei denen sie auch ein Tor erzwingen konnten. Die Gastgeber behielten jedoch weiterhin die Oberhand, kamen allerdings zu keinem zahlbaren Erfolg, lieber die Hälfte der Gästespieler mußte verteidigen, so daß der Ball nicht durchzubringen war. Nach dem Wechsel blieb Steinbach weiterhin im Angriff, doch fielen keine Tore. Bei einem Durchbruch Der Gäste war der Torhüter der Einheimisci>en zu weit her­ausgelaufen und konnte der Halbrechte, der schneller am Ball war, ungehindert zum 2. Treffer einschie­ßen. Die Platzbesitzer gingen noch mehr aus sich heraus, trafen jedoch nur einige Male die Pfosten. Steinbach mußte in diesem Spiel eine unverdiente Niederlage hinnehmen und somit die Punkte an Hungen tvbgeben.

Steinbach Jgd. Hungen Jgd. 1:3.

Die Jugendmannschaft von Steinbach spielte vor­her gegen die gleiche von Hungen. Die Gäste hatten etwas mehr vom Spiel und konnten bis zur Halb­zeit zwei Tore schießen, denen die Gastgeber nichts entgegensetzen konnten. Nach der Pause war es der Rechtsaußen der Platzbesttzer, der zum Gegentor einsch'.eßen konnte. Hungen war jedoch leicht über­legen und konnte durch einen weiteren Treffer einen sicheren Sieg erringen.

4, Frankfurter Börse. Uneinheitliche Aktienmärkte.

Frankfurt a. TI., 5. Dez. In dem verflosse­nem Berichtszeitraum stand die Börse, soweit Ak­tien in Betracht kamen, im Zeichen uneinheitlicher Kursentwicklung. Es bestand weiterhin Anlagebe­dürfnis, das jedoch zumal im Hinblick auf die sprunghaften Steigerungen Erörterungen tn der Oefsentlichkeit aus gelöst worden waren an ein­zelnen Tagen mehr oder weniger stark gurütftrat Auch schritt man verschiedenlich zu Glattstellungen, so daß das Kursniveau unter verhältnismäßig er­heblichen Schwankungen im allgemeinen nachgab, da das herauskommende Material nur zögernd zu den hohen Kursen abgenommen wurde. Berührt wurden von diesen Schwankungen meist nur die sog. schweren Papiere, während weniger beachtete Aktien durchweg gut gehalten werden konnten. Es ist auch hier wieder zu betonen, daß der Ge- schäftsumfang an keinem Tage etwa besonder- groß gewesen ist, sondern sich in recht engen Bah­nen bewegte. Don heimischen Aktien waren die Adlerwerke ziemlich schwach, dagegen konnten Moe« nus in den letzten Tagen kräftig anziehen. Scheide­anstalt schwankten zwischen 287 und 290, Metall­gesellschaft zwischen 171 und 174, VDM. zwischen 228 und 234, Lahmeyer, Rheinelektra und RWE. durchweg gut gehalten. IG. Farben unterlagen zeitweise einem Druck und sanken vorübergehend unter 200.

Zeigten die Aktienmärkte eine uneinheitliche Ten­denz, so lag der R e n t e n m a r k t durchweg im Grunde recht freundlich, die Kursbewegungen in 4'/rprozentigen Werten haben sich ausgependelt, und vereinzelt zeigte sich für uber^ 4 v. H. verzinsliche Renten wieder Interesse. Das" gilt vor allem für Pfandbriefe, in denen kündbare 4l/-prozentige Se­rien auf 101 stehenblieben, während in Kommunal« Obligationen eher noch Angebot herauskam. Die Altbesitzanleihe des Reiches, in der in der Berichts­zeit Ziehung mar, notierte danach kaum verändert.

frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 5. Dez. Es notierten in RM. je 50 kg Lebendgewicht: Ochsen a) 45 bis 48,50, b) 40 bis 42,50, c) 34 bis 37,50; Bullen a) 43 bis 44,50, b) 39 bis 40,50; Kühe a) 43 bis 44,50, b) 39 bis 40,50, c) 30 bis 34,50, d) 18 bis 25; Färsen a) 44,50 bis 45,50, b) 40 bis 41,50, c) 34,50 bis 36,50; andere Kälber a) 59, b) 56 bis 59, c) 46 bis 50, d) 35 bis 40; Hämmel b2) 48 bis 51, c) 34 bis 44; Schafe a) 42 bis 44, b) 35 bis 40, c) 25 bis 32; Schweine a) 58, bl) 58, b2) 57, c) 55; d) 52, e) 50, gl) Sauen 58. Marktverlauf: alles zugeteilt.

Gießener Konzeriring.

Fünftes Konzert.

Kammersängerin Margarete Tefchemacher an der Staatsoper Dresden gilt heute zweifellos als eine der ersten Bertreterinnnen chres Faches. Don einer fast ausschließlichen Bühnentätigkeit her- kommend, vermag sie auch im Konzerlsaal Ihre außerordentlichen Darstellerischen und gestalterischen Kräfte einzusetzen und der Wirkung des Werkes dienstbar zu machen. Wenn sie vor dem Publikum steht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als umfasse ihr Wille selbst den letzten Platz im weiten Raume; ein jeder ist in ihren Bann geschlagen und folgt chr willig und gern. Äenn Margarete Tesche- macher verfügt über ein außergewöhnliches ft.map liches Material, das über den weiten Umfang der Stimme hin mit vollstem klanglichen Ausgleich durchgebildet ist und hemmungssrei sich in der Weite des Raumes entfaltet mit einer Strahlkraft, die dem Orchester gegenüber sich restlos zu behaup­ten vermag. In scharfer Kontur spannt sie die melo­dischen. L.nien mit weit ausholendem Bogen, selbst im Forte der Steigerung nicht die Grenzen chres Organs überschreitend. Ihre Textbehandlung er­scheint äußerst durchlebt und überdacht, da^u pla­stisch in allen Stärkegraden.

Mit der Auswahl ihrer Gesänge umspannt sie die Pole chres Faches, aber in jeder Stilart und Gesangsmanier erwies sie sich mit persönlichem Akzent.

Die Arie der Katharine aus der OperD e r Widerspenstigen Zähmung" von Her­mann Goetz rouroe zu einem fraulichen Bekennt­nis, das mit der Schwere der Situation ringt und innerste Seeleneinblicke gewährt. Bedenken wir, .daß einst ein vom Tode Gezeichneter hier seine Ergebenheit in das Schicksal niedergelegt hat.

Eine andere Well, ein anderes Frauenerleben er­stand in Leoncavallos Vogellied ausD e r Bajazzo" mit beweglichem Klang und strahlen­dem Schwingen.

Wiederum als eine andere erwies sie sich in der Zugabe, dem Gebet der Toska aus Puccinis gleichnamiger Oper, in einem Frauenschicksal, das vor dem Zerbrechen steht und bereit ist, das Letzte hinzugeben.

- So ließen die drei Gesänge die Dühnenkünstterin in der Verschiedenheit ihres Gestaltungsvermögens dem Hörer unmittelbar nahekommen. Ein äußerst starker Beifall war der bezeugende Dank dafür.

Mit sicherem Griff hatte vorher schon Professor Dr. Stefan Temesväry das Band zwischen Po­dium und Hörer geschlungen durch eine äußerst temperamentvolle Wiedergabe von Friedrich Smetanas TondichtungA u s Böhmens Hain und Flur". Im Grunde feines Charak­ters gehört dieses Werk der ausgesprochen en Pro- gramminfif an. Durch die Darbietung aber erschloß et sich mit ursprünglicher Na tu mähe ganz abgesehen von dem zugrunde liegenden dichterischen Geoanken durch die Kräfte der ihm inneroobnenben Musika­lität. M t prächtig ausgeglichener Klangfülle wurde der Jubel und das Beglücktsein über die böhmische Landschaft nahegebracht. Klangseligkeit durchzog die lyrischen Episoden. In sauberster Profitteruna wuchs das Fugato der Streicher in seiner Feinglieorigkeit und Abgetöntheit heraus; musikalische Lust, zünden­der Rhythmus und tänzerische Gebärde wurden 3um Motto des Schlußteiles dieser Dichtung.

Der Schwerpunkt des Abends lag aber in Bruck- ners Dritter Symphonie, die hier seit langen Jahren zum erstenmal wieder erklang. Die großen Klangballungen bei Bruckner, der vollbesetzte Orchesterkörper stellen den Dirigenten vor die Not- weirdigkeit, bis zum äußersten zu differenzieren, auszutönen, Klänge au homogener Einheitlichkeit zu verschmelzen, um Das Werk in seiner inneren Organik künoungssicher dem Hörer nahezuführen. Daß Professor Temesväry zu Bruckner eine besonders starke innere Einstellung besitzt, hat er im Laufe der Jahre schon des öfteren vollauf bestätigt. Wie er aber dieses Werk in seiner Lebensbedingt- heit und inneren Größe vor den Hörem ausbreitete, verdient uneingeschränkte Anerkennung.

Das Ganze wuchs als ein organischer Körper heraus. Die einzelnen Themengruppen erstanden in ausgeprägter Individualität; die gewaltigen Steige­rungen waren lebensvoll durchpulst und erhoben sich an ihren Höhepunkten zu ekstatischer Breite. Die entwicklungsbedingten Kontraste verbanden sich mit ausgeglichener Verwobenheit des Thematischen bei 1 feinster Austönung des Klanglichen sowohl in den

Einzelgruppen des Orchesters wie in der Mischung der Farben. Aeußerst bannend gestaltete er die Uebergänge, so zur Durchführung des ersten Satzes hin und auch zur Reprise. Schwer lastend, innerlich gefüllt mit nahe spürbarer Hintergründigkeit er­klang das Adagio; das Scherzo war sprühend be­schwingt mit behaglichem Humor des Rhythmus im Trio. Das Finale wurde zur wahrhaften Erfüllung der Probleme des Werkes, durchblutet von einem poesievollen Erfühlen der Einzelepisoden, gipfelnd in der Siegesgewihheit der Coda. Das Orchester gab bereitwilligst fein Bestes her, besondere Anerken­nung verdienen die Holzbläser und namentlich die Hörner und Trompeten mit ihrer nie versagenden Fähigkeit der klangschönen dynamischen Schattie­rung in allen Ausmaßen.

Das Haus ehrte alle Beteiligten mit freudigster Anerkennung. Dr. Hermann Hfering.

E T. A. Hoffmann.

Eine Buchbesprechung.

Ernst von Schenck: E. T. A. Hoff­man n. Ein Kampf um das Bild des Menschen. XVIII und 754 Seiten. Leinen 12 RM. Verlag Die Runde, Berlin, 1939. (185) Der Dichter Ernst Theodor Amadeus (Wilhelm) Hoffmann, 1776 bis 1822, ist eine der merkwürdigsten und interessante­sten Erscheinungen der deutschen Geistesgeschichte. Trotzdem ist er im Auslande, vor allem in Frank­reich, müheloser bekannt und gründlicher gelesen worden als bei uns, und die deutsche Wissenschaft hat sich erst verhältnismäßig spät seiner angenom­men. Die 1912 von Carl Georg von Maaßen be­gonnene historisch-kritische Ausgabe des Gesamtwer­tes ist noch immer unvollendet. Die liebevoll ein» gehende Arbeit Hans von Müllers, der die Heraus­gabe von Hoffmanns Briefwechsel, seiner höchst auf- schlußreichen Tagebücher und feiner literarischen Entwürfe besorgte, schuf wesentliche Voraussetzungen für eine umfassende Kenntnis und Würdigung seines bewegten Lebens und feines sehr umfang­reichen Werkes. Unter den nach dem Weltkriege er­schienenen Büchern über Hoffmann verdient die große zweibändige Biographie von Walter 'Harsch iBerlin 1920) nachdrücklich heroorgehoben zu wer­den. Dem sehr umfänglichen Werke Ernst von

Schencks ist es weniger um eine Biographie im landläufigen Sinne als um eine Herausardeitung des Hoffmannschen Menschen- und Weltbildes 3U tun; als Methode war, wie das Vorwort ausweist, eine geistesgeschichtliche und geistesbiographische Phänomenologie" beabsichtigt, eine Deutung 'ber Gesamterscheinung, bse wir unter dem Namen E. T. A. Hoffmann begreifen, aus seinem Werke, aus seiner Umwelt, aus seiner Zeit. Ernst v. Schenck hat dieses Unternehmen mit einer außerordentlichen Belesenheit angegriffen und ein bedeutendes Ma­terial hierfür zusammengettagen. Das Buch ist nicht durchaus leicht ober gar flüssig zu lesen, nicht nur weil es sehr erhebliche Kenntnisse voraussetzt, son­dern auch deswegen, weil, wie uns scheint, der Ver­fasser der von ihm selbst erkannten, drohenden Ge­fahr geistesgeschichtlicher Abstraktion keineswegs allenthalben entgangen ist; auch für den literarisch geschulten und unterrichteten Leser wird es häu'ig sehr schwierig fein, sich durch die Fülle der Be­griffe und die Hausung der Fremdwörter hindurch- zufinden. Die Darstellung, in sich tief gegliedert, befaßt sich im ersten Hauptteil mit der Soziologie des Hoffmannschen Weltbildes, vor allem mit der Stellung Hoffmanns in seiner bürgerlichen Um­wett. Der zweite Teil gibt eine Entwicklung des Hoffmannschen Weltbildes aus zeitgeschichtlichen Voraussetzungen (die, so weit wir zu sehen^ ver­mögen, bisher noch nirgends so umfassend au'ge- wiesen worden), aus dem Dichterischen und aus dem entscheidenden Erlebnis mit Julia Marc. Der dritte Teil,Bild und Dasein des Menschen", gei winnt seine Ergebnisse vor allem aus der überaus eingehenden Analyse von Hoffmanns magllch- poetischer Selbstspiegelung im Kavellmeister Kreis­ler und von Erzählungen wie ,.Signor Formiccte, ..Prinzessin Brambilla" undMeiller Floh". Das Hauptverdienst der ungemein fleißigen Arbeit liegt u. E. darin, daß Hoffmann hier ausschließlich als Kind seiner Zeit begriffen, daß eine bisher kaum erkannte Fülle der Beziehungen au^gezeiat und feine Stellung im geistesgeschichtlichen Umkreise des 18. und frühen 19. Jahrhunderts abgegrenzt wird. Die­ser Absicht dient neben einer übersichtlichen Zeittatti und dem Namenverzeichnis insbesondere ein sehr gründlich gearbeiteter Anmerkungsapparat. Die äußere Ausstattung des mit mehreren charakteristi­schen Bildnissen des Dichters geschmückten Buches ist solide und geschmackvoll. Hans Thyriot