5reitag>. Dezember MO
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
flrJtW 5tneite$ Blatt
Opferjonntag!
T
SCHAUMPON
(Nachdruck.verboten.)
11. Fortsetzung.
SC
Kämpfen, arbeiten, opfern!
Gedanken zum Opfersonntag am 8. Dezember.
lich leid getan um Sie."
„Nett, daß Sie das sagen, Lorrmg. Man hat es nötig, ronn man so hin und wieher an Minderwertigkeitsgefühlen laboriert."
Na, das brauchen Sie ja nun gerade nicht.
,^Es stellt sich ganz von selbst ein. Sehen Sie,
Sodann berichtete der zur Zeit auf Wehrmacht- urlaub weilende Syndikus der Industrie- und Handelskammer Gießen, Divl.-Kaufmann Klementz, über wichtige Strukturfragen der oderhePschen Wirtschaft und wies in seinen Ausführungen auf verschiedene Probleme und Aufgaben hin, die im Hinblick auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit bereits in nächster Zeit in enger Zusammenarbeit mit der Partei, Behörden und Wirtschaft zu erfüllen
Vorstandsmitglied N i e d e r h a u s e n stellte in Kürze eine weitere Beiratssitzung in Aussicht, in der vor allem über das Ergebnis der von Dipl.- Kaufmann Klementz aufgezeigten Arbeiten zu berichten sein wird. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer schloß die Sitzung._____________________
die unbeschränkte Freiheit unse- Kräften der neuen sozialen Ideen feines 8^rers Geichichte solche und einer kampfbereiten und kampferprobten Wehr- em Kriege. Po- macht um den Sieg ringt, der ihm Freiheit und
Die Öffentliche Handelslehranstalt soll städtisch werden.
JelMchlllngoufkochka
' Roman von getnz Lorenz-Lambrecht
wird.
Die Lage auf dem Kartoffelmarkt ist wei- terhin ruhig. Auch Futterkartoffeln und Pflanzkartoffeln werden kaum gehandelt. Am O b st m a r k t wurde mit der Ausgabe der im Oktober für später« Verteilung eingelagerten Aepfel begonnen, und zwar mit solchen Sorten, die jetzt genußreif werden und verbraucht werden müssen. Gemüse i st immer noch in allen jahreszeitlichen Arten ausreichend vorhanden. An den Ständen sieht man reiche Auswahl, wie Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl, Endiviensalat, Lauch, dazu Wurzelgemüse, wie Kohl- rabi, Meerrettich und Möhren, also Sorten genug, um einen abwechslungsreichen Küchenzettel aulzu- stellen. Am E i e r m a r k t wird zur Zeit die Verteilung der in der vergangenen Woche aufgerufenen zwei Eier auf Abschnitt b der Reichseierkarte durchgeführt. Ein weiterer Aufruf ist noch nicht erfolgt.
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•* Beförderung Der E-Stellenleiter des HI.» Bannes 116 Wetterau, Feldwebel Ernst W e e r t h , Gießen, Goethestraße, wurde mit Wirkung vom 1.9.40 zum Leutnant befördert._______________
BlondesHaar bedarf wegen seiner Empfindlichkeit besonderer Pflege. Men wäscht es daher nur mit Mitteln, die kein Alkali und keine Kalkseife im Haar zurücklassen und dafür sorgen, daß es nicht nachdunkelt, also mit Schwarzkopf „Extra-Blond
Lebensraum bringen soll. Es ist undenkbar, daß irgendwo in der Welt die ungeheuren Leistungen unseres Volkes keine Beachtung fänden!
Kämpfen, abeiten und — opfern. Das sind die. Kräfte, die unser nationalsozialistisches Deutschland nicht nur unbesiegbar, sondern darüber hinaus zum Garanten für eine neue und bessere Ordnung in Europa machen. Der deutsche Soldat findet seines- gleichen nicht mehr in der Welt. Der deutsche Arbeiter ist der gewissenhafteste Qualitätsarbeiter. Die Opferbereitschast des deutschen Volkes aber ist von ! keinem Volke der Erde je erreicht worden. Wir alle wollen dies wieder beweisen am kommenden
mit feinem schweren Sack.
Wenn er dann gegangen ist, soll aber die frohe Stimmung nicht plötzlich verschwinden, sondern sie soll bleiben in unserm Herzen. Hie soll uns täglich daran erinnern, daß am Weihnachtstage der alte Spruch: „G-'ben ist seliger als Rehmen", immer noch gilt. Der Nikolaus soll uns dazu ein kleiner Mahner fein.
Aorrwtizen.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater: 19 bte 21 Uhr „100 000 000 Dollars" — Gloria-Palast, Seltersweg: „Wo die L-rcke singt." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Falschmünzer". — Oberhessischer Kunstverein. 17% bis 18% Uhr Weihnachtsausstellung im Foyer des Stadttheaters.
Stadftheater Gießen.
Am heutigen Freitag wird b’t Komödie „100 000 000 Dollars" von Heinz Coubier wieder- holt. Spielleitung: Hans Albert Schewe. Bühnenbild: Karl Löffler. 12. Freitag-Miete.
gerade jetzt, wo Sie mir vom Krieg erzählt haben, vom Regiment und den Kameraden, was die so alles mitgemacht haben, da packt es einen doch wieder. All die hier um mich sind, sind sozusagen in Ehren in die Gefangenschaft gekommen. Sie haben was geleistet. Ich. nicht. Ich habe noch nicht einen Schuß Pulver gerochen. Doch einmal. Das war, als bei einem Transport von einem ins andere Lager einem Poilu neben mir die Knarre losging, versehentlich — das war der einzige Schuß, den ich gehört habe ..." Er lacht verbissen vor sich hin.
„Aber Menschenskind, das dürfen Sie doch wirklich nicht tragisch^ nehmen", ruft Lorring em bißchen peinlich, berührt.
„Tragisch nehmen! Ich bin eben ein Pechvogel. Warum mußte ich Unglückswurm diesem Mervinger damals in die Fresse schlagen? Warum konnte ich nicht schnell genug nach Amerika kommen? Hätte ich gewartet — em — zwei Monate später brach der Krieg aus, und ich hätte wieder mithin können. Ich bin überzeugt, wäre ich bei der Rückfahrt nach Europa nicht auf dem Schiff gewesen, — die andern, die bei mir waren, wären durchgekommen."
„Zum Teufel mit Ihrer Schwarzmalerei! ruft Lorring zwischen Lachen und Merger. „Sie muten dem lieben Schicksal ein bißchen viel zu. Schließlich hat jeder mal eine Pechsträhne."
„Bei mir dauert sie nur leider schon ziemlich lange."
„Wir sind noch jung und haben das Leben noch ganz vor uns. Also Prost, Gienant, und Kopf hoch!
„Prost, Lorring, ich freue mich, daß wir beisam- men sind."
Das Gespräch mit dem Kameraden bringt Viktor die Vergangenheit wieder nahe. Er mödjte vieles wissen, er möchte sich nach Thea erkundigen. Lorring selbst stammt aus Mannheim, und Piktor erinnert sich, daß seine Schwester mit Thea Immen-
Die Versorgungslage im Mein-Main-Gebiek.
Die -Fl ei sch Versorgung in Hessen-Nassau steht weiterhin im Zeichen starker Auftriebe aus dem eigenen Gebiet, obwohl im allgemeinen fjeffen- Nassau Zuschußgebiet ist. Wie in der Vorwoche war der Frankfurter Markt wieder ausreichend mit Großvieh beschickt, und es konnte von hier ein Tell an andere Märkte und an Fleischwarensabriken ab» gezweigt werden. Auch der Schweineauftrieb deckte den Bedarf. In der nächsten Woche wird kaum eine Aenderung des Marktbildes eintreten.
Die Brotgetreideablieferungen sind unverändert, Aufnahmefähigkeit besteht dafür nach wie vor. Das gleiche gilt für Rauhfutter. An sonstigen Futtermitteln' wurde eine verhältnismäßig geringe Menge Trockenschnitzel und getrocknete Me- lasseschnitzel zugewiesen, außerdem erhalten die anerkannten Schweine-Herdbuchzuchten auf Bezugscheine ein Quantum Futtergetreide und Fischmehl. Am Mehlmarkt herrscht weiter lebhafte Nachfrage. Die Versorgung mit Nährmitteln ist wie bisher sichergestellt.
Der Bedarf an Vollmilch wurde wieder gedeckt, obwohl er durch die Ausgabe von Vollmilchkarten an Personen über 70 Jahre gestiegen ist und wohl auch noch weiter steigen wird. Ebenso war die Versorgung mit Milcherzeugnisfen, Oelen und Fetten ausreichend. Die Schwierigkeit bei der Quarkverteilung, die sich ergeben kann, wenn die Hausfrauen ihren Quarkabschnitt bis auf die letzte Woche aufheben, ist in der Tagespresse wiederholt dargelegt worden. Es ist zu hoffen, daß in Zukunft sich der Kauf von Quark auf den ganzen Derfor- gungsabschnitt verteilt. Nur dann ist eine laufende Versorgung mit frischer Ware, gesichert; da ja in den Molkereien der Quark auch laufend hergestellt
Kriegswirtschaft naturgemäß ihre Auswirkungen auf oas Beitragsauskommen gezeitigt hat und wohl noch weiter zeitigen wird. So ergab sich die zwingende Notwendigkeit, für die Schule eine Träger- schäft zu finden, die finanziell leistungsfähiger ist, als die Industrie- und Handelskammer cuf Grund ihrer beschränkten Zuschußmittel sein kann. Der Präsident, Dipl.-Ing. Schroth, hatte daher bereits vor einiger Zeit Oberbürgermeister Ritter über die Absicht des Trägerschaftswechsels unterrichtet und bei dieser Gelegenheit der Stadt Gießen die Trägerschaft für die Oeffentliche Handelslehranstalt angetragen. Oberbürgermeister Ritter versprach, in eine ernsthafte Prüfung dieses Vorschlages ein« zutreten und stellte in Kürze eine abschließende Besprechung in Aussicht. Da diese nunmehr anberaumt wurde, sollte die erweiterte Beiratssitzung Gelegenheit geben, alle Beiratsmitglieder über die Absicht und Gründe des Trägerschaftswechsels zu unterrichten.
Nach Beendigung der anschließenden reaen Aussprache konnte Herr Niederhausen feststellen, daß alle Anwesenden die Notwendigkeit des T r ä g e r s ch a f t s w e ch s e l s anerkannten, die Beweggründe würdigten und besonders die Uebernahme der Trägerschaft durch die Stadt Gie- ßen guthießen, Auf den von allen Rednern geäußerten Wunsch, daß auch bei einem Träger- schaftswechsel die langjährige enge Verbindung zwi- scheu Schule und Kammer und damit mit der Wirtschaft weiterhin erhalten bleiben möge, bemerkte Vorstandsmitglied Niederhausen, daß gerade der Oberbürgermeister der Stadt Gießen für diesen Wunsch volles Derstän-dnis haben und für seine Erfüllung im berechtigten Interesse von Schule und Wirtschaft sicherlich bestens Sorge tragen wird. Im Namen des Beirats der Industrie- und Handelskammer Gießen sprach der Sitzungsleiter Nieder- hänfen Direktor Dr. Krufe für , feine vorbildliche Arbeit als Leiter der Oeffentlichen Handelslehranstalt vollste Anerkennung und Dank aus, der gleichzeitig Handelsstudienrat Stein, insbesondere für die Zeit feiner Vertretung während der langen und schweren Erkrankung von Dr. Kruse galt.
Mitte November kommen tatsächlich die neuen Gefangenen, die Damiani angekündigt hat. Es |mo nur ein Dutzend, offenbar Schwerverbrecher, denn sie werden unter dem Schutz aufgepflanzter Baio- nette in den S)of eskortiert. Die sind bepadt mit billigen Koffsern, verschnürten Kartons, gerollten Decken und Mänteln. Einer trägt einen Vogelbauer in dem ein gewöhnlicher Spatz herumhupft. „Mem Maskottchen^ sagt er mit dem diabolischen Ernp, mit dem sich ein alter und kluger Kriegsgefangener über feine Lage und sich selbst luftig mad)t
Die Vermutung, daß sie wegen Fluchtversuch vom Festland auf die Insel verbannt worden smo,
hoff gut befreundet war.
Schließlich stellt er zögernd eine Frage: „Wissen Sie, wie es Thea Immenhofs geht?
„Gut. Aber sie heißt nicht mehr Thea Immen- hoff."
„Nicht?" Viktor sieht ratlos auf, begreift dann erst. „Sie ist verheiratet?" fragt er stockend.
1 „Sie wußten es nicht?" Lorring wird etwas un
sicher. „Ja, sie hat den Doktor Mervinger geheiratet."
„Ach ..." Viktor starrt vor sich hin. „Nein, das wußte ich nicht", fährt er langsam fort. ,Zch habe ja nie wieder etwas von ihr gehört." Die Stimme wird immer leiser, enttäuschter, in dem Maße, wie die Neuigkeit von ihm Besitz ergreift.
Lorring fühlt, daß feine Nachricht einen bitteren Stachel für Viktor enthält. Er versucht abziumil- bem: „Es war eine Krieostrauung, Gienant, die man nicht so ganz für voll nehmen darf. Ich bin der Ansicht, daß ihn Thea mehr aus Mitleid nommen hat. Die Mädels waren ja bei Kriegsausbruch alle ein bißchen verdreht. Sie liehen sich von dem ersten besten, der ins Feld ging, einwickeln. Sie glaubten geradezu, sich opfern zu müssen. Es war kein normaler Zustand. Ich kann mir nicht gut oorstellen, daß Thea wirklich ein tieferes Gefühl für Mervinger hatte. Das meint auch meine Schwester, die Thea Immenhoff doch recht gut kennt ...."
Er will Viktor offenbar nur über die schmerzliche Enttäuschung Hinwegbringen, die er kaum verbergen kann.
Nach einer Weile stellt Viktor wieder eine Frage: „Wissen Sie, ob sie Kinder haben?"
„Dor einigen Wochen hätte ich Ihnen noch antworten können, daß sie keine haben. Aber gerade im letzten Brief hat mir meine Schwester mit geteilt, daß Mervingers ein Kind bekommen haben. Nach dreijähriger Ehe. Mervinger war gerade von einer Verwundung wieder hergestellt und an die Front gegangen. Meine Schwester teilte es mir ge- wisiermaßen als Kuriosum mit, weil das Kind an dem gleichen Tag angekommen ist, an dem ich Geburtstag habe."
„Ach ..." sagt Viktor zerstreut und ist mit seinen Gedanken mit ganz anderem beschäftigt.
„Ich habe den Brief meiner Schwester- in Marseille bekommen. Dor vier Tagen erst. Wir waren dort vierzehn Tage in einem Fort inhaftiert, ehe wir die Seereise im Zwischendeck antraten. Man konnte sich wohl nicht schlüssig werden, ob wir nach Korsika oder in ein anderes Straflager u >ten ..."
Plötzlich unterbricht ihn Viktor mit ungewöhn- licher Lebhaftigkeit: „Wann ist das Kind geboren?"
1 „Am 28. Oktober."
(Fortsetzung folgt)
GesanoSkonzert für das Kriegs-DHW.
Am kommenden Sonntag gibt der russische Sänger Konstantin Sadko (Tenor) in der Großen Aula der Universität ein Gefangskonzert, dessen Ertrag dem Kriegs-Winterhilfswerk zufließen wird. Der Künstler, der früher an der Staatsoper in Moskau tätig gewesen ist, wird Werke von Tschaikowsky, Kalinnikow, Mussorgsky, Kienzl u. a. zu Gehör bringen. Nach dem Abschluß seiner künstlerischen Ausbildung in Rom bei dem Gesangsmeister Luigi Gabrieli hat der Sänger Konzertreisen durch Europa unternommen und Dabei auch in Deutsck)- lanb Konzerte gegeben. Wie erinnerlich, hat er vor einiger Zeit auch die Verwundeten in den Gießener Lazaretten mit feiner Sangeskunst erfreut
Dor einigen Tagen sand im Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer zu Gießen eine e r - ro eiterte Beiratssitzungder In du st r i e- und Handelskammer Gießen für bic Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach statt, an der als Gäste Oberregierungsrat Dr. Will von der Hessischen Landesregierung Darm- stadt, Oberregierungsrat- Dr. Nonnenmann, Leiter des Arbeitsamts Gießen, Kreiswirtschaftsbe- ratet der NSDAP., Kreisleitung Wetterau, ©einer, Herr S e y's a r t h als Vertreter der Wirtschaftskammer Hessen, sowie Direktor Dr. Kruse, Leiter der Oeffentlichen Handelslehranstalt Gießen, teilnahmen.
einrichten.
Eine Viertelstunde später sitzen sie T)ei einer Flasche Din de Cap Corse im Kasino, einem schwe- ren würzigen Getränk, das der Gesundheit der unterernährten Gefangenen wenig zuträglich ist. Hier kommt es nun zu einer ruhigeren Aussprache. Lorring erzählt vom Regiment, und was es schon alles im Feldzug geleistet hat. Er erzählt von den alten Kameraden, und daß schon die Hälfte fast der Akti- ven gefallen sei. Er selbst ist übrigens auch schon alter Gefangener. Im April 15 wurde er als Fuh- rer einer vorgeschobenen Stellung an der Loretto- höhe von einer Mine in die Luft gesprengt.
Mitten in seinem Bericht stockt er und sieht ©le» nant unsicher an: „Wie lange sind Sie eigentlich schon hier? Sie waren doch bei Kriegsausbruch ... Er will sagen: ... gar nicht mehr Offizier, vollendet aber statt dessen: ..... in Amerika, soviel ich
tDcifj"
Viktor nickt: „Das stimmt auch, Lorring. Ich bin ganz widerrechtlich hier. Bei Kriegsausbruch nahm ich in Neuyork das erste beste Schiff, um möglichst rasch wieder nach Deutschland zu kommen. Ich wallte mich dem Regiment wieder zur Verfügung stellen, weil ... nun ja. Sie können sich ja denken, daß der Krieg für mich die einzige Gelegenheit war, mich wieder zu rehabilitieren. Aber bet der Ueberfahrt wurde ich von den Franzosen geklappt und in ein Offizierslager gebracht — ob ich wollte oder nicht."
„Die Front hätte Sie ja ohnehin wieder zum Offizier gemacht", sagte Lorring rasch. „Die ver- dämmte Geschichte damals! Es hat uns allen wirk-
In Vertretung des am Erscheinen verhinderten < Präsidenten, Direktor Dipl.-Ina. E. Schroth, 1 leitete Vorstandsmitglied E. R. Niederhausen ’ di« Sitzung und führte nach einleitenden Begrü- j ßungsworten Direktor Hans Maas, Gießen, und Karl L y n ck e r, Gießen, im Einverständnis mit dem Reichswirtschaftsminister und dem Kreisleiter der NSDAP., Kreisleitung Wetterau, als Beiratsmitglieder der Industrie- und Handelskammer zu Gießen in ihr neües Amt ein.
Anschließend behandelte Vorstandsmitglied Niederhausen den Hauptpunkt der Tagesordnung, den beabsichtigten Wechsel der Trägerschaft für die Oeffentliche H a n d e l s l e h r a n- ft alt Gießen. In seinen längeren Aus- führungen gab er einen umfassenden Ueberblitf über die Entwicklung der Schule, deren Trägerschaft im Jahre 1926 vollkommen von der Industrie- und Handelskammer Gießen übernommen wurde. Noch schweren Krisenzeiten, insbesondere in den Jahren 1933/1934, wuchs die Schülerzahl im Laufe der letzten Jahre durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Machtübernahme ganz bedeu- teb, so daß z. Z. unter Einschluß der Berufsschulabteilungen rund 450 Schüler unterrichtet werden. Aus kleinen Anfängen hat sich die Schule zu einer Lehranstalt entwickelt, die insbesondere auch dank der hervorragenden Leitung durch Direktor Dr. Kruse einen wertvollen Nachwuchs nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den öffentlichen Dienst (Finanzamt, Reichspost, Arbeitsamt, Gemeindeverwaltung ufro.) stellt. Diese ständige Aufwärtsentwicklung bedingte natürlich auch recht bedeutende Zuschuss« (z. B. für den Erwerb von zwei Schulgebäuden, beträchtliche Umbaukosten, Neuein- stellung von Lehrkräften, Anschaffung von Maschi- nen sowie Einrichtungen ufro.), welche die Industrie- und Handelskammer bis jetzt auch, soweit es die eigenen Etatverhältnisie erlaubten, im Inter- esse der Oeffentlichen Handelslehranstalt gewahrt hat. Seit längerer Zeit aber, so bemerkte der Redner, macht sich bereits der Vorstand der Kammer ernst« Gedanken, ob die alleinige Trägerschaft der Schule im Hinblick auf den Umfang der Oeffentlichen Han« delslehranstalt und den Haushaltsplan der Kammer noch verantwortet werden kann, zumal auch die
^Solterbeck, der sich wie die andern Bastianer rasch mit den Neuen befreundet, fagt in fetnei: a£ rnütvollen Art: ,Zhr habt einen großartigen Tausch gemacht. Bastia ist die Perl« der korsifchen See- bäber — Gefangenenlager meine ich. 3fr »e™« täglich gratis und franko geimpft, eine Galerie auserlesen schöner Manner bewirtet ^ch nut Lecker^ bissen aus Graureis und Pellkartof ein, J*r $om Mandant, die Liebenswürdigkeit selbst, fptßtt mit euch Bridge und fragt beim Morgenappell jeden ei. einen persönlich ab, ob er für ibnbenv. no^ immer nicht den Salonwagen nach Deutschland be stellen darf Tjä, so is das man hier, Jungs.
Auch Viktor Gienant ist im Hof, alsdieL^emm ankommen. Indem fein Blick über das Häuflein hingeht, stutzt er bei einem Gesicht. Das ist doch ein alter Bekannter, der lange Hagere dort mit der braunen Haut. Richtig, der hat den Namenszug seines alten Regiments auf den Achselstücken, das R. W. I. Das ist ... . .
Jetzt wendet der Hagere den Kopf nach ihm, stutzt seinerseits, beide geben aufeinander 3^
Wiktor Gienant, sind Sie es wirklich?.
,F»ans Lorring, wahrhaftig!' strahlen
Sie schütteln sich kräftig die Hande und strahle
sich wortlos an. Eine köstliche Zeit verbindet sie,»
die noch nicht einmal so weit zurückliegt, und die ihnen doch unwiederbringlich entrückt ift
Nach ein paar Fragen und Antworten bemächtigt sich Viktor des Koffers seines ehemaligen Batail- lonsadjutanten, sie gehen zusammen auf die den Neuen zugeteilte Kasernenftube, fuchen das beste Bett aus, und Viktor hilft dem alten Regimentska- meraden sich fürs erste in seinen vier Quadratmetern
Gießener Dorfragsrlng.
Der nächste Vortragsabend, mit dem die Volksbildungsstätte Gießen, der Goethe-Bund und die Kulturelle Verenigung im Rahmen des Gießener Vortragsringes ihre Vortragstätigkeit für das Jahr 1940 abschließen, findet am Donnerstag, 12. Dezember in der Großen Aula der Universität statt. Der bekannte Reiseschnftsteller Dr. Colin R o ß wird «inen Lichtbilderoortrag über das Thema „Das neue Asien" halten. Colin Roß, der bereits im vori- gen Winter mit großem Erfolg in Gießen sprach ist nochmals zu einem Lichtbildervortrag gewonnen worden, um über seine große Reise nach Asien zu berichten. Neben den Zeugnissen alter Tage, neben den Denkmälern der Jahrtausende ist em neues Men im Werden, das Colin Roß mit der Kamera aufsuchte. Wie immer, war er mit seiner ganzen Familie unterwegs, ein stets wacher Beobachter, em Weltkenner, dem es immer darauf ankommt, zu neuen Erkenntn sfen vorzudringen, Entwicklung unD Werden der Welt, die er anfsucht, m ihren äußeren Zeichen wie in ihren entscheidenden inneren Impulsen zu erfassen.
Ortszeit für den 7. Dezember.
Sonnenaufgang-0.22 Uhr, Sonnenuntergang 17.10 Uhr._Mondaufgang 14.07 Uhr, Monduntergang
Aus der Stadt Gietzen.
Nikolaustag.
Nun kommt auch der Nikolaus und bringt Leben ins Haus. Er hat den Zaubecschlüsfel zu vielen Herrlichkeiten, er gibt den Auftakt und führt die großen und kleinen Kinder für einige Zeit in eine Märchenwelt. Mit großen Stiefeln, einem langen, weißen Barte und, das ist die Hauptsache, mit einem Sack voll Gaben, erscheint der Nikolaus. Da sind unsre Kinder am glücklichsten. Mit welchen Äugen schauen sie den fremden, weißbärUgen Mann an, wie gläubig sagen sie ihr Sprüchlein her, und wie froh sind sie, wenn sie keine Schläge erhalten. Die größeren Buben freilich treiben gern ihr Pos- {enfpiel mit dem Nikolaus und empfangen dann auch wirklich ihre Schläge. Aber Spaß macht es doch allen.
Ein Zipfel von dem Weihnachtsvorhang ist nun aufgehoben, und wir haben einen kleinen Vorgeschmack von dem Feste bekommen. Einige Nüsse und etwas Gebäck geben uns eine Vorahnung von den Freuden des Weihnachtsfestes. So bringt uns der Nikolaus die rechte Weihnachtsstimmung und mahnt alle die, die noch nicht bei der Sache sind, jetzt schnell daran zu gehen und für ihre Lieben zu sorgen, damit alle Gesichter froh werden.
Im tiefsten Innern eines jeden Menschen sitzt die Sehnsucht nach Glück und Zufriedenheit, und je mehr Leid und Schmerzen uns das Leben zu- fügt, desto größer wird diese Sehnsucht. Da ist es gut, daß wir Kinder haben, die uns von Zeit zu Zeit ein Beispiel geben. Unbekümmert um die Gegenwart schauen sie mit Hellen Augen in die Zu- tunft, und wenn die Natur draußen am traurigsten ist, wenn düstere Tage herrschen und schwere Nebel die Welt bedecken, macht das unfern Kleinen gar nichts aus. Sie wissen, daß mln das schönste Fest des Jahres kommt. Und so begrüßen sie auch den Nikolaus, wenn er die Treppe heraufstolpert
Der Kampf um . , res Volks hat noch niemals in der C , . . Ausmaße angenommen wie in diesem Kriege. Po> litisch und weltanschaulich wird unser Zeitalter in ■ seinen Grundfesten erschüttert, und selbst die große i französische Revolution und der Dreißigjährige i Krieg waren in ihren Auswirkungen auf andere Völker und Erdteile keinesfalls von so direkter Be- . deutung. Denn wer in der sogenannten „Neuen Welt" ober im fernen Asien kümmerte sich um die politischen Ereignisse des kleinen Europa? Heute aber horcht die ganze Welt auf, in deren versteckteste Winkel der Ruf unvergänglicher deutscher Waften- taten dringt. In allen Teilen der Erde weiß man, daß das nationalsozialistische Deutschland zum; Kampf gegen eine zerfallende liberalistische Weltordnung angetreten ift und ausgerüstet mit den I


