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Ür.ZbZ Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Mittwoch. 6. November 1940
ASV.-Bahnhofs-ienst im Gießener Bahnhof.
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(Nachdruck verboten.) sich nicht um seine von vornherein dem kommen als Vorboten
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Hit öffnet und vorsichtig die Stufen emporsteigt. Äha!, weiß man, das ist natürlich der Meier, der ocrinutlich wieder seinen Skatabend gehabt hat. Der Mer hat nun mal einen besonders schweren Tritt. Da ist es mit der Frau Wolf viel besser, die oben in der Mansarde wohnt, und die jeden Abend erst sp« von ihrem Dienst nach Hause kommt. Sie ver- iteft es, fast geräuschlos aufzutreten, und in neunzig gor hundert Fällen merkt man ihre Rückkehr gar itiit. Aber da es sich so verhält und der Meier ebensowenig wie die anderen Bewohner jeden Abend
mgeht, ist die Ruhe in der Nacht — von außer- zeröhnlichen Dingen abgesehen — meistens unge- Ja, manchmal scheint es, als atme das Haus
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Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
1 Etadttheater: 18.30 bis 21 Uhr „Dr. med. Hiob ?Zckorius". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Dgs Mulem von Barnhelm". — Lichtspielhaus, Bahn- I ossraße: „Der Herr im Haus!".
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orzt für Chirurgie und Frauenleiden" wieder- > oll Spielleitung: Hans Geißler. Bühnepbild: Karl -'töfjfer. In den Hauptrollen wirken mit: Hilde Hein- Joachim Ernst, Walter Erler, Gert Geiger, 5 Albert Schewe, Franz Schneider-Facius.
Ortszeit für den 7. November.
nenaufgang 8.33 Uhr, Sonnenuntergang 17.44 — Mondaufgang 14.51 Uhr, Monduntergang Uhr.
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MO Kilometer Liebe
Roman von Olly Boeheim
Mdezu in tiefen, regelmäßigen Zügen.
Wegen Morgen aber regt es sich. Es ist immer an riwr bestimmten Stelle im zweiten Stock. Dort BOtnt der Eisenbahner, der frühzeitig zum Dienst nuz. Für seine Tätigkeit braucht er lange Stiefeln, ml diese Stiefel knarzen etwas. Selbstverständlich intrzen sie das ganze Treppenhaus hinunter, bis )ie Haustür zuklappt. Aber dann ist es auch so tor, daß der Wecker des Ingenieurs rasselt. Es nltz mit seiner Vorliebe für die Technik zusammen- !en, daß der Ingenieur einen besonders lauten er hat. Er wohnt im ersten Stock, und deshalb man den Wecker überall. Ein wenig später be- : es auch in der Wohnung des Buchhalters im eschoß lebhaft zu werden. Zwei kleine Kinder en dort gewöhnlich ihren Anspruch auf das Frühstück an. Es läßt sich nicht bestreiten, daß kleinen über ausgezeichnete Stimmen verfügen, n sie sich erst einmal ordentlich bemerkbar ge- ncht, dann ist auch die Postsekretärsfamilie nebenan mrter. Manchmal beginnt die Tochter in dieser ftnilie, die deklamatorische Neigungen hat, sogar m diese Zeit schon mit ihren Hebungen, aber Wen kann es nicht mehr viel, denn allmählich ist )ai ganze Haus wach geworden, und lange kann s nicht mehr dauern, bis der rege Tagesbetrieb vieler voll einsetzt.
kr ist etwas Eigenartiges um diese Stimmen und
p ,Iu hast ja reizende Vergleiche —"
L91a ja, beim Buchhalter fängt es an, und beim 851ifi der Briefmarken klaut, hört es auf." Lia hat er uns, der Teufel des Geldes", sagte Wi wütend. „Wir sitzen an einem der schönsten Builte der Erde und denken darüber nach, ob Herr Wen pleite geht und ob sein Stift Briefmarken Nein, Peter, ich gehe in Stockholm auf das Üiche Konsulat und lasse mich wie ein Postpaket Deutschland verfrachten."
.31a, vorläufig wollen wir erst mal bezahlen und em feinen Stall entfliehen."
6ir ratterten wieder durch die Gegend, aber ihr rj war nicht mehr offen für die Schönheit des s. Sie übernachteten in guten Hotels, aber pt Heiterkeit war verflogen. Onkel Franz schien ähnlich zu gehen. Er stampfte und rauchte die ifie hinauf,' und als .er hinter Nyköping eine Talwendung nehmen wollte, geriet er ins Üudern und fauste gegen einen Baum.
Seine fixe Idee", sagte Peter, während er der rikensbleichen Anni aus dem Wagen half; „im= benft er, die Bäume müßten ihm ausweichen." etwas passiert?"
reine Luxuskarosserie aus Zigarettenschachtel- ) ist etwas eingebeult. Mal sehen, ob er keinen jschlag von dem Schreck bekommen hat. Die Hupe vuch verbogen! Junge, Junge — die Licht- ricfiine."
Llpa also! Da sitzen wir nun im Straßengraben", ffle Anni fast weinend. „Nie werden wir nach WEholm kommen —"
I Llhfe nicht, verliebte Nachtigall", erwiderte Peter M pfiff den Donauwalzer."
H 4|t es denn so schlimm", fragte Anni, „daß du f'N pfeifst?"
Qltiiegeier verfallen. Zuerst ________
JSi lleinen Unglücksoögel, die ihm die Maden aus Kto Haut picken."
i3?Dufd)e in einem Miethaus. Ein Philosoph könnte IHuf?1 Bemerkungen darüber machen, und sicher ist >60 77. Mkafalls, daß sie von einem Leben zeugen, das sich i|i!nn ii l^ntester Abwechslung reizvoll dem nachdenklichen Sv Pachter präsentiert. H. W. Sch.
Sladklhealer Gießen.
1,8m heutigen Mittwoch wird die Komödie in sechs Willem von Curt Goetz „Dr. med. Hiob Prätorius,
Die Stimmen und Geräusche in einem Miethaus find mannigfaltig. Tagsüber geht es die Treppe hin- aiij und hinunter. Da kommt die Postbotin, die Aus- higerin der Zeitung, da klingelt der Milchmann, da WH-zt ein Bote durch den Hausflur und nimmt immer gleich einige Treppenstufen auf einmal, da LMen die Kinder zur Schule ober sie kommen von filtern Spiel, kurzum: tagsüber herrscht lebhafter betrieb in dem Hause, in dem mehrere Familien dahnen, die Beziehungen zur Umwelt unterhalten. Mr denjenigen, der etwa ganz still läge, um all Die Geräusche und Stimmen in sich aufzunehmen,
- - vürde sich bald die fatale Situation ergeben, daß fciiie Fassungskraft nicht mehr ausreichte. Ein Miet- nach j mit zahlreichen Familien birgt nämlich unend- 1 Mn lich viel quirlendes Leben, das sich Tag für Tag 1 der j in lärmender Weise kundtut.
q er.n‘ (in der Nacht ist es anders. Da kehrt auch in dem nifitL I S"ßen Hause die Ruhe ein, die nur dann unter- ,(y brtdjen wird, wenn ein später Heimkehrer die Haus-
Es ist wohl allgemein bekannt, daß die NSV. einen regelmäßigen Bahnhofsdienst eingerichtet hat, den Gießener Frauen ehrenamtlich in vier Tages- und Nachtschichten von je sechs Stunden versehen.
Der Aufenthaltsraum, der sogar Wegestühle, ein Kindevbettchen und einen Wickeltisch für reisende Babys enthält, liegt gleich am ersten Bahnsteig. Im Winter ist es dort gemütlich warm und im Sommer schön kühl. Nebenan ist eine kleine Küche, mit Gasherd, Dorratsschrank und Spültisch, also allem, was eine Hausfrau braucht.
Da wird vor allem Kaffee gekocht, dieses Labsal,
NSV. verteilt Zeitungen an einem Urlauberzug.
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Tagen muß er recht heiß sein un'b damals, bei der großen Kälte, haben wir manchen Soldaten damit aufgetaut. Im Sommer, wenn es Durst gibt, muß er abgekühlt vorrätig sein, zu schnellem H inunter - trinken. Wieviel Feldflaschen haben wir schon gefüllt, die dann noch unterwegs ihren Besitzer erlaben. Was sonst noch zu tun ist?
Mutter mit zwei kleinen Kindern bringen wir mit, sie haben eine Stunde Aufenthalt, den sie bei uns verbringen. Die Milch für das Kleinste wird heiß- gemacht, das inzwischen auf dem Wickeltisch trocken- gelegt wird. Bei dem 21 eiteren kommt das Glastöpfchen „Schnelle Sicht" in, Anwendung. Gern trinkt dann die Mutter eine Tasse Kaffee zur Stärkung. Später wird sie in ihren Zug gebracht. Nun kommt eine Frau mit einem Säugling, die durch eine Zugverspätung den Anschlußzug nicht mehr erreicht hat, und die nun bei uns zu Hause anrusen will, was sie tun soll. Als sie dann .zur Auskunft geht, halten wir solange das Kind, das erst weint, aber sich dann beruhigt und mit uns lacht.
Inzwischen ist ein Junge eingetrudelt, der hier umf teigen muß. Er wird mit seinem Koffer in den richtigen Zug gesetzt und der hübschen Schaffnerin „ans Herz gelegt", daß er auch richtig aussteigt. Einer jungen Mutter holen wir ihren Sportwagen — der aufgegeben war — aus dem Packwagen. Er ist bereits umgeladen, aber nach einigem Fragen und Her umlaufen erwischen wir ihn doch.
Als eines Abends eine Arbeitsmaid durch eine Zugverspätung ihren Anschluß verpaßt hat, will sie ihre Lagerführerin bei uns anrufen. Sie wird dann zum Uebernachten weggebracht. Ueberhaupt werden wir sehr häufig nach Uebernachtungsmöglichkeiten gefragt, und oft muß eine bdr Helferinnen die Reisenden in£ Gasthaus bringen, da sich Fremde bei der Dunkelheit allein nicht zurechtsinden.
Eine Frau mit drei Kindern kommt: Rückwanderer aus dem Saargebiet. Es sind Nachzügler, die große Masse, die wir auch betreut und verpflegt haben, ist schon heimgefahren. Als dann die Zeit der Abfahrt gekommen ist, trägt man das Kleinste in einem großen Kissen auf dem Arm, während sich die beiden anderen Kinder rechts und links fest in die Schürze krallen, so daß man kaum gehen kann. Die Mutter und eine andere Helferin tragen das Gepäck. So geht es langsam die Treppe hinunter, den langen Unterführungsgang entlang, die Treppe wieder hoch,, nach Bahnsteig 6, wo wir sie alle gut- in einem Abteil unterbringen. „Gute Fahrt!" Schon werden die Türen geschlossen.
Bei den Fronturlauberzügen verteilen wir neue Zeitungen und Zeitschriften, wofür die Feldgrauen immer dankbar sind bei ihren oft langen Fahrten. Dann bittet uns ein Soldat, ein Telegramm für ihn aufzugeben, ein anderer, Post für ihn in den Briefkasten zu stecken. Zigaretten, eine Landkarte, Karten zum Schreiben, alles wird von der NSV. verlangt! Oder, ein Soldat kommt und bittet uns,
am Stock
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NSV.-Helferinnen mit einem Kindertransport.
Unterführung herumirrt und den Ausgang nicht findet, braucht es auch nur uns zu fragen. Inzwischen schellt der Fernsprecher: ein junges Mädel wird vermißt, sie ist mit dem angegebenen Zug nicht eingetroffen. Ob mir etwas wissen? Wir hören dann an der Sperre, daß gerade ein weinendes Mädchen vor- beigegangen sei. Sie wird dann im Wartesaal auf» gefischt — durch falsches Umsteigen war sie inzwischen nach Thüringen gefahren, statt bei den sieben Verwandten in Oberhessen zu landen — die dann telephonisch von uns beruhigt werden können. Unangenehmer ist es für eine Frau aus Schlesien, die zu ihrem eingezoge-
Vor allem müssen wir an jeden ankommenden oder abführenden Zug gehen. Wie oft ist da etwas zu helfen! Eine junge Frau kommt mit einem Kinderwagen. Wie froh ist sie nun, daß sie beim Tragen die Treppe hinunter und wieder hinauf eine Hilft hat! Oder, ein Wagen ist in das Abteil zu heben, ein kleines Kind zum Ausgang zu tragen, während die Mutter mit dem Gepäck nachkommt. Beim nächsten Zug gilt es, einer alten -Frau, die
ihm einen Knopf anzunähen, auch ein Eisernes Kreuz war einmal in Gefahr, verloren zu werden. Dann wieder wird nach Pyramidon gefragt gegen Kopfschmerzen. Auch das ist bei uns zu haben. Ein Glas Wasser wird gefüllt: „Bitte schön!" Viele Soldaten kommen zu uns, die nach Essen fragen. Wir schicken sie alle zum Roten Kreuz ins Hotel Lenz, wo etwas Warmes für sie bereitsteht.
Wir geben Auskünfte über Züge, Zuganschlüsse in eins verzweifelt in der
Wenn Peter in kritischen Situationen den Donauwalzer pfiff, konnte man sicher fein, daß er mit einer Katastrophe rechnete. Die Abendsonne lag über einem kleinen Binnensee und färbte ihn purpurrot.
„Wir werden hier übernachten müssen", sagte Peter, „falls uns nicht jemand mitnimmt." Er holte sein Abschleppseil aus der Klappe und schwang es wie ein Lasso in der Luft. Ein großer Wagen brauste vorbei, ohne anzuhalten.
„Pf, die Amerikaner", sagte Peter verächtlich.
In längeren Abständen folgte ein zweiter Wagen. Er machte einen entsetzten Bogen um Peter Renz und fuhr mit Vollgas weiter.
„Mir scheint, sie halten uns für Strauchdiebe und Wegelagerer", sagte er, rollte fein Seil zusammen und setzte sich neben Anni, die mit schwimmenden Augen in den Sonnenuntergang hineinträumte.
13. Kapitel.
Als Vera Verries mit Vollgas die schmale Landstraße hinabbrauste, sah sie plötzlich, wie ein kleines grünes Etwas unbeleuchtet in der Kurve stand. Es gelang ihr im letzten Augenblick abzustoppen und mit knapper Not vorbeizukommen. Sie hielt an. Der Schreck war ihr in die Glieder gefahren. Als sie ausstieg, bemerkte sie, daß der Laubfrosch ein deutscher Wagen war. Im gleichen Augenblick sprang ein junger Mensch aus dem Gebüsch auf die erschrockene Frau zu und rief: „Sie schickt der Himmel."
„Na", sagt Vera kühl, „und Sie hätten mich samt meinem Wagen beinah in die Hölle befördert. Ganz hübscher Abhang hier! Wie kann man bloß in der Kurve parken, und noch dazu bergab."
„Parken ist gut!" sagte Peter Renz, während er bewundernd Veras Wagen betrachtete, „bie Klamotte ist gegen den Baum gefahren. Hier, der Baum hat es ausgehalten."
„Und der Wagen ist kaputt!"
„Scheint so. Er rührt sich nicht mehr von der Stelle."
„Was machen Sie denn jetzt?"
„Ich warte, bis eine mitleidige Seele mich zur nächsten Reparaturwerkstätte abschleppt."
„Ganz schön und gut", erwiderte Vera, „aber meine Stoßstangen — und dann abschleppen, auf diesen engen Straßen mit den Haarnadelkurven?
Ist lebensgefährlich. Besonders jetzt in der Nacht. Außerdem habe ich Eile, ich muß nach Stockholm."
„Das trifft sich ja wunderbar", rief Peter Renz, „wir wollen auch nach Stockholm."
Er legte sich glatt auf den Bauch unter Veras Wagen.
„Was treiben Sie denn da, junger Landsmann?" lachte Vera Verries.
„Ich sehe mir mal an, wie ein wirkliches Auto aussieht", sagte er, „und bei der Gelegenheit —" er tauchte auf und sttahlte über fein verschmiertes Gesicht „habe ich eine pfundige Befestigungsmöglichkeit für das Abschleppseil entdeckt. Wir brauchen die Stoßstange nicht zu verbiegen."
„Sind Sie allein?"
„Nein, ich habe meine Kameradin mit; wir zelten dahinten, aber in drei Minuten sind wir klar."
„Mein lieber junger Mann, das ist ja alles ganz gut und schön. Aber wie gesagt: ich habe Eile. Wenn ich Sie abschleppe, kann ich höchstens dreißig Kilometer die Stunde fahren, und selbst das ist riskant. Sonst fahre ich hundert."
„Dbnnerschlag!" sagte Peter anerkennend und zog seine Karte vor. „2Iber bis zur nächsten Reparaturwerkstätte, das dürfte Söldertälge sein, sind ungefähr noch sechzig Kilometer. Sie können doch zwei Landsleute nicht einfach auf der Straße liegenlassen."
„Na also, junger Mann, brechen Sie Ihre Zelte ab!"
„Ach, danke", — rief Peter glücklich, „darf ich mich vorstellen — Peter Renz — Reklamezeichner aus Berlin."
„Vera Verries", entgegnete die Tänzerin, über Peters Eifer lächelnd. Peters Gesicht erstarrte als stehe er unvermutet vor einem Abgrund.
„Wie heißen Sie?" stammelte er fassungslos und wackelte mit den Schultern, wie einer, den Schüttelfrost überfällt.
„Vera Verries!" Die Frau weidete sich an feinem Erstaunen. „Was wundert Sie so? Vielleicht haben Sie mich in Göteborg tanzen sehen?"
Peter Renz machte sein dümmstes Gesicht. „Sie werden lachen", sagte er verdattert, „ich habe Vera Verries tatsächlich in Göteborg tanzen gesehen." Dann war er wie ein Spuk im Gebüsch verschwunden.
„Anni", rief er und schüttelte die Schlafende
NSV.-Helferin betreut kleine Kinder. (Aufn. [3]: NSV.-Bahnhofsdienst.)
neu Sohn nach Güsten bei Magdeburg fahren wollte und durch ein Mißverständnis nach Gießen gefahren ist. Nun fehlt ihr das Fahrgeld für die Rückfahrt. Auch hier wird Rat geschaffen.
Vor allem sind auch die Benachrichtigungen wichtig, die von uns aus an andere NSV.-Stellen an anderen Bahnhöfen gehen: alleinreisende Binder, Alte und Kranke oder Mütter mit kleinen Kindern müssen beim Um- oder Aussteigen betreut werden. Dieselben Mitteilungen laufen auch täglich bei uns ein, entweder von Angehörigen ober von anderen NSV.-Stellen. Dg schreibt z. B. ein besorgter Vater, dessen Töchterlein eine längere Fahrt vor sich hat, daß wtt doch im Zuge nach ihr sehen möchten, da sie „gern mit Soldaten anbändelt." Eine etwas schwierige Aufgabe!
Eines Abends bekommen wir luftigen Besuch: gleich 34 kleine Mädels und Buben, die von der Landverschickung zurückkommen, frisch und braun. Sie alle bekommen warmen Kaffee zu ihren mitgebrachten Broten, da sie noch weit zu fahren haben. Trotz der späten Stunde sind sie noch sehr munter und reden unaufhörlich.
2lber wie, wenn unsere Gäste nicht reden können? Da wird uns von einem Bahnbeamten eine Tschechin gebracht, die kein Deutsch kann. Sie arbeitet in einer
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„wach auf! Der Himmel stürzt ein — Vera Verriss wartet in ihrem Auto, um uns abzuschleppen."
„Du bist wohl total verrückt", stammelte Anni schlaftrunken.
„3m Begriff es zu werden, mein Goldkind!"
„Hast du Fieber?"
„Vorläufig Schüttelftost."
Anni kroch in ihrem Trainingsanzug aus dem Zelt. „Das ist das Beste, was mir passieren konnte, Peter. Ich mache ihr ein offenes Geständnis. Mir drückt es ohnehin das Herz ab. Soll sie mich än- zeigen ober verhaften lassen ober sonst was. Ich bin bann wenigstens enblich ben Alpdruck los!"
Entschlossen sprang sie auf und lief der Landstraße zu. Vera Verries sah, eine Zigarette rauchend, auf dem Trittbrett ihres Wagens.
„Fertig, kleines Fräulein?" fragte sie liebenswürdig.
„Nein, gnädige Fwu, ich komme nur, um Ihnen zu sagen, daß — ich kann Ihr Angebot nicht an» nehmen."
„Warum denn nicht?"
„Weil ich nicht noch mehr in Ihrer Schuld sein möchte."
„Ich yerstehe Sie nicht."
„Sie werden mich gleich verstehen. Ich heiße Anita Silesen und habe fälschlich unter Ihrem Namen einen Tanzabend in Göteborg gegeben."
Die Tänzerin warf die Zigarette weg'und sprang auf: „Was?" Sie fand einige Sekunden lang keine Worte.
„Wie tarnen Sie denn dazu?" fragte sie schließ» lich.
„Durch mich", rief Peter Renz. „Ich habe Anni die Komödie aufgezwungen. Aber ich bitte Sie, wir wollen nicht auf der Landstraße darüber reden. Es ist scheußlich falt hier. Kommen Sie in unser Zelt. Wir machen einen Grog."
Vera Verries bettachtete kopfschüttelnd die aufgeregten jungen Leute, dann folgte sie Peter Renz und Anni. Das Zelt stand an dem kleinen See, und die blasse Nacht strich mit leisen Händen über bas Wasser. In der östlichen Ferne über den Ber^> gen lag ein smaragdener Streifen. Die Frau stand einen Augenblick verzaubert. Wie klein und nebensächlich wurden alle menschlichen Dinge vor diesem Anblick!
(Fortsetzung folgt)


