Ausgabe 
6.9.1940
 
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andervorschläge für

den Sonntag.

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Gießen hangelslein Daubringer Pah Beuern Großen-Buseck.

Zu dieser Wanderung benutzen mir die blaue Dreiecksmarkierung, die von Gießen über den Vo­gelsberg nach Fulda zieht. Vom Justizgebäude gehen wir über die Wiesen, am Rande des Philo­sophenwaldes her durch Wieseck bis zur Ludwigs­burg, wo die Zeichen in den Wald des Hangelsteins einbiegen. Wir übersteigen den Kamm des Berges, genießen die überraschende Aussicht über den Steinbruch und kommen, nachdem wir die Felsen­kanzel, die Teufelskanzel und die Unionslinde be­sucht haben, zum Daubringer Paß, wo sich uns wieder prächtige Blicke zur Linken in das Lumda- tal mit Totenberg und Staufenberg, zur Rechten in das Busecker Tal, in der Ferne Vogelsberg und Taunus erschließen. Nach Verlassen des Hangel­stein-Gebietes gehen wir ein Stück über freies Ge­lände, um sodann wieder zum Wald zu gelangen. Auf einsamen Pfaden, ein kurzes Stück mit roten Punkten gemeinsam, wandern wir weiter, um nach geraumer Zeit, den Wald verlassend, Beuern zu erreichen. Vorher bietet sich noch ein reizvoller Blick auf das rm Tal liegende Dorf und die um­liegenden Höhen. Wir verlassen hier das Weg­zeichen und gehen auf aussichtsreicher Straße nach unserem Endziel Großen-Buseck. Wanderzeit etwa 4V2 Stunden.

Fronhausen Schmelz Samvafen Wald- Haus Fohnbachlal Krofdorf.

Wir fahren nach dem Dorfe Fronhausen und folgen von hier schwarzen Punkten, die uns über einen Höhenrücken nach der anmutig im Salzböde- tal liegenden Schmelz bringen. Auf der gegenüber­liegenden Seite des Tales treffen wir gelbe Punkte, die uns in mäßigem Anstieg über eine bewaldete Höhe leiten, von deren Kamm sich hübsche Blicke nach den Bergen der Marburger Gegend bieten. Die Zeichen bringen uns einen alten Grenzweg entlang hinab zum Sauwasen, einem tief einge­schnittenen Talgrund, wo sich das Kirchverser Schwimmbad befindet, und auf der anderen Seite wieder hoch, wo sich am Waldrand oberhalb Kirch­ners ein prächtiger Blick über das breite Berstal bis zu den Gladenbacher Bergen erschließt. Auf schönen Waldwegen wandern wir aufwärts zum Waldhaus. Hier verlassen wir die gelben Punkte, um blauen Strichen folgend durch das liebliche

Fohnbachtal abwärts nach Krofdorf zu gelangen, non wo wir das Postauto zur Heimfahrt benutzen. Dauer der Wanderung 33/< Stunden.

Freienseen Seental Petershainer Hof Lud- wigsbrunnen Feldkrücker höhe Feldkrücken

Ulrichstein.

Diese lohnende Vogelsberg-Wanderung beginnen wir in Freienseen, wohin wir mit dem Frühzug über Hungen gefahren sind. Wir folgen der blauen Dreiecksmarkierung, die uns durch das liebliche Seental, vorbei an der idyllisch liegenden Schrei­nersmühle, der Baumkircher Mühle und dem groß- angelegten Oberseener Hof zum Petershainer Hof führt, wo in dem höher gelegenen Gebäude ein­fache Unterkunft ist. Die weitere Wanderstrecke ge­staltet sich überaus genußreich, denn nach Durch- Ichreiten eines Waldes erschließen sich prachtvolle Blicke auf den hohen Vogelsberg, in tief einge- schmttene Täler und auf liebliche Dörfer. So. errei­chen wir die Staatsstraße, einen Teil der Renn­streckeRund um Schotten", der wir bis zum Ludwigsbrunnen nachgehen. Auch hier bieten sich entzückende Blicke, namentlich auf das tief im Grunde liegende Rudingshain und in das Nidda­tal. Kurz hinter dem Ludwigsbrunnen zweigt nach links ein Feldweg ab, den wir, die Markierung verlassend, betreten, um, die Feldkrücker Höhe über­steigend, nach dem anmutig im Tale des Streit­bachs gelegenen Fetdkrücken zu gelangen. Beim Abstieg von der Höhe genießen wir noch einen einzig schönen Blick über die reizvolle Vogelsberg- Landschaft. Von hier folgen wir in langsamem Anstieg der Telegraphenleitung. Kurz hinter Feld- krücken, wenige 3)tinuten abseits von unserem Wege, auf einem Feldweg nach links erreichbar, liegen die Schleuningsteine, einige mächtige Basalt­felsen, von einer schönen Baumgruppe umrahmt, vor denen man eine wundervolle Aussicht hat. Das stimmungsvolle Plätzchen ist, einer an den Steinen angebrachten Inschrift zufolge, eine Stif­tung des verstorbenen verdienstvollen Bürgermei­sters von Feldkrücken, Schleuning, an den VHC. Nach Durchschreiten einer parkartigen Landschaft erhebt sich vor uns das freundliche Bergstädtchen Ulrichstein, dessen Schloßberg wir besteigen, um von oben die herrliche Rundschau zu bewundern. Das Postauto bringt uns dann in schneller Fahrt durch das Ohmtal nach Mücke, von wo wir heim-, fahren. Marschdauer 5V2 Stunden.

Aus der engeren Heimat

ZOiäfyriger SA.-Mann.

* Winnen (Kreis Marburg), 6. September. Un­ser Mitbürger Robert Ziegler wird am kommen­den Sonntag, 8. September, 70 Jahre alt. Der Jubilar gehört seit 1933 dem SA.-Reitersturm 4/147 Londorf an, in dem er als Oberscharführer seinen Dienst für Führer und Volk erfüllt. Er ist der älteste SA.-Mann in der Reiterstandarte 147. Im Kreise der SA.-Kameraden und bei der Bevöl­kerung von Nordeck-Winnen erfreut er sich allge­mein großer Wertschätzung. Dem Jubilar sprechen auch wir herzliche Glückwünsche zu seinem 70. Ge­burtstage aus.

Don Wespen schlimm zuqenchtet.

* Villingen (Kreis Gießen), 6. Sept. Einen schweren Unglücksfall erlitt am Mittw0chnachmitt a g der hiesige Landwirt und Metzgermeister Rudolf Graf. Als er auf feiner Wiese mit dem Mähen von Gras beschäftigt war, schlug er mit der Sense in ein Wespennest, das er nicht be­merkt hatte. Die durch den Hieb aufgescheuchten und wütenden Wespen fielen über den bedauernswerten Mann her und richteten ihn durch unzählige Stiche schlimm zu. Einige in der Nähe beschäftigte Män­ner eilten dem Bedauernswerten zu Hilfe und brach­ten ihn zu seiner Wohnung. Aerztliche Hilfe wurde sofort in Anspruch genommen.

3 Zahre Zuchthaus für einen Betrüger.

Lpd. Mainz, 5. September. Der 30jährige Heinrich Gutfrucht aus Ludwigshafen wurde vom Svndergericht wegen Vergehens gegen die Ver­ordnung gegen Volksschädlinge, Betrugs in drei Fäl­len und zweier Betrugsversuche zu 3 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Schon mit 14 Jahren wurde der Angeklagte, der ein Sohn achtbarer Eltern ist, straffällig. Damals führte er zusammen mit seinem älteren Bruder einen Raub aus und erhielt sieben Jahre Gefäng­nis. Um ihm den Weg in ein geordnetes Leben zu ebnen, wurden ihm fast zwei Jahre der Strafe ge­schenkt. 1935 heiratete er; nach drei Jahren wurde die Ehe geschieden. Don dieser Zeit an lebte der Angeklagte von Betrügereien, die er u. a. in Bre­men, Mannheim, Rosenheim, Uelzen, Göttingen, Pforzheim unb Mainz verübte.

Millionär als Fahrkartenschwindler.

LPD. Frankfurt a. M., 5. Sept. Die Straf­kammer verurteilte wegen Betrugs den 59jährigen P. K. zu 2 0 0 0 R M. G e l d st r a f e , seinen 33jäh- rigen Sohn A. K. zu 10 0 0 R M. Geldstrafe. Die dem letzteren auferlegte Strafe gilt durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Der Vater hatte sich nicht in Haft befunden. Die Angeklagten betrieben zum Nachteil der Reichsbahn Fahrkarten­schwindel. Der Vater, dessen Vermögen sich auf eine Million RM. stellt, besitzt'in Frankfurt ein großes Unternehmen und ist viel auf Reisen. Er hat noch einen Wohnsitz im Rheinland, wohin er häufig fährt; auch der Sohn befährt vielfach die Strecke. Von den beiden Angeklagten wurden wiederholt Reisen mit ungültigen Fahrtausweisen in der zwei­ten Klasse unternommen. Es wurde bei ihnen eine Menge benutzter und unbenutzter Fahrkarten sowie Bahnsteigkarten gefunden. Als Fahrtausweis an der Sperre wurden von den Betrügern Bahnsteigkarten ober abgelaufene Karten benutzt. Drei solcher Fälle standen zur Anklage. Als die Gauner bei einer Kon­trolle am Bahnsteig aufgefallen waren und vorn Schaffner aufgefordert wurden, an der Sperre zu

warten, um zum Vorsteher mitzukommen entfernten sie sich, angeblich weil sie es eilig hatten! Der Sta^s- anroalt beantragte gegen den Vater em Sagr Ge­fängnis, gegen den Sohn sieben Monate Gefängnis. Nach den eigenen Einlassungen der Angeklagten sei Geiz das Motiv zu den Betrugsfällen gewesen! Das Gericht berücksichtigte mildernd bei dem Vater, daß er nahezu 60 Jahre alt, bei dem Sohn, daß er em nicht so gereifter Mensch sei, wie er es seinem Aller nach sein müsse. Der Vater habe aus emer gewissen

Marotte heraus gehandelt, weil er Fahrgelder sparen wollte.

Sranffurfer Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 6. Sept. (Vorbericht.) Es kosteten: Ochsen 35,50 bis 46,50 RM., Bullen 27 bis 44 50 Kühe 15 bis 44,50, Färsen 28 bis 45,50, Kälber 30 bis 59, Hämmel 30 bis 51, Schafe 12 bis 44, Schweine 52 bis 58 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt.

ö.Ji.-lpori

Orts-Turn- und Sporttag in Heuchelheim.

Arn kommenden Sonntag wird in Heuchelheim der Orts-Turn- und Sporttag zur Durchführung kommen. Der Turnverein Heuchelheim, der erst kürzlich bei dem Bezirks-Turn- und Sporttag m Gießen feine Einsatzbereitschaft mit der Erringung des Wanderpreises des Dezirkssichrers bewiefen har, wird auch bei dieser Veranstaltung die Dielfelttgkeit von Turnen und Sport zeigen. Nach einer Kamps­richtersitzung um 8 Uhr am Sonntagmorgen werden um 8.30 Uhr sämtliche Teilnehmer zur feierlichen Flaggenhissung auf dem Sportplatz an treten. An­schließend beginnen die Einzelwettkämpfe m Der Turnhalle und auf dem Sportplatz. Neben den G^ röte» und volkstümlichen Mehrkämpfen findet auch ein Wehrmannschaftsdreikamps für SA., ^B^rmann«« schäften und Politische Leiter statt, der ausKlem- kalib erschießen, Keulenweitwurf und Weitsprung aus dem Stand besteht. Die Wettkämpfe, die in me- len Klassen durchgeführt werden, werden den gan­zen Vormittag in Anspruch nehmen. Nach der Mit­tagspause um 14 Uhr wird die Veranstaltung mit der Austragung von leichtathletischen Einzelkonkur- renzen fortgesetzt. Um 14.30 Uhr sind et ein Hand­ballspiel und um 15.30 Uhr ein Fußballspiel gegen Grüningen statt. Turnerinnen werden anschließend durch ein Korbballspiel für dieses schöne Spiel wer- ben und auch durch Sonderausführungen für Ab­wechslung sorgen.

Der Handballsonntag.

Einen Hauptbestandteil des Handball-Programms des kommenden Sonntags bilden auch diesmal wieder die Werbespiele, die anläßlich der überall durchgeführten Ortssporttage ausgetragen werden. Dadurch ist eine nicht unerhebliche Bereicherung der Vorführungen, auf der anderen Seite aber ist Ge­währ für spannende Kämpfe gegeben.

Daneben laufen die Pflichtspiele weiter. Die Vor­runde ist in fast allen Staffeln beendet. Die Rück­

spiele können allerdings im Hinblick auf die bevor­stehenden Meisterschaftstteffen nicht mehr angesetzt werden. Sie müssen später nachgeholt werden. Es werden sich u. a. gegenüberstehen:

Tv. Holzheim Tv. Dutenhofen

To. Lang-Göns Tv. Hörnsheim

Tv. Launsbach Tv. Beuern

Tv. Garbenheim Tv. Hochelheim

To. Krofdorf To. Lützellinden

Tv. Heuchelheim To. Klein-Linden.

In Holzheim wird es sicherlich zu einem span­nenden Spiel kommen, da hier zwei gleichwertige Mannschaften aufeinanderstoßen. Der Sieger kann nicht oorausgesagt werden. Das Ergebnis wird aber knapp ausfallen.

Wenn auch an einem Erfolg der Hörnsheimer nicht zu zweifeln ist, so wird es ttotzdem nicht leicht fein, die eifrigen Platzbesitzer niederzuringen. Denn sie haben in letzter Zeit gute Ergebnisse erzielt und wollen ihre Spielstärke auch diesmal wieder unter Beweis stellen.

Launsbach muß sich schon dranhalten, wenn es gegen Beuern gewinnen will. Ob das aber gelingt, will uns ziemlich unwahrscheinlich erscheinen.

Zu einem Reoanchekampf, an demalles dran" ist, wird es in Garbenheim kommen. Die Hochel« Heimer wollen die Scharte des Entscheidungskamp­fes ..um den Lahnpokal auswetzen und haben des- hfllb sofort ein Rückspiel abgeschlossen. Es besteht die Möglichkeit, daß sich die Gäste durchsetzen kön­nen, aber nur dann, wenn die Mannschaft besser spielt als anläßlich ihres Auftretens in Gießen.

Nicht minder interessant wird es in Krofdorf zu­gehen. Hier stoßen zwei Gegner aufeinander, die beide gerade in letzter Zeit ansprechende Leistun- gen gezeigt haben. Weil aber keine Vergleichsmög­lichkeit besteht, ist es prakttsch unmöglich, eine klare Voraussage zu treffen. Gewinnen wird die Mann­schaft, die das größere Stehvermögen auf bringt.

Es ist kaum anzunehmen, daß Klein-Linden in Heuchelheim gewinnen wird. Die Platzbesitzer sind stärker und sollten Sieger bleiben.

ffleiflerlumer im Kamps.

Ehemnitz ist am Wochenende der Schauplatz der deutschen Kriegsmeisterschaften im Deutschen Zwölf­kampf der Turner, im Deutschen Achtkampf der Turnerinnen und in den Somm erspiel en (Faust- und Korbball).

Eine ganz ausgezeichnete Besetzung hat der Zwölfkampf der Turner gefunden, zu Dem rund 60 Meldungen vorliegen. Als einer der aus­sichtsreichsten Teilnehmer gilt Olympiasieger Willi Stadel, Der in den reinen Gerätübungen bestimmt allen Mitbewerbern überlegen ist und auch im Volksturnen seinen Mann stehen wird. Der Kon­stanzer war übrigens bereits 1937, zusammen mit seinem Bruder Karl, Zwölfkampfmeiiter. Weitere aussichtsreiche Turner sind: Haustein (Leipzig), Kie­fer (Kreuznach), Kammerbauer (Leuna), Limburg (Ruhla), Eschwei (Weinheim), Anna (Mannheim), Pludra (Villingen), Müller (Leuna), Rüger (Han­nover), Breitkopf (Breslau) und Pfitzenmeier (Mannheim).

Den Achtkampf bestreiten 66 Turnerinnen, Darunter auch die Titelverteidigerin Gretchen Sie­vers (Kiel). Irma Dumsky (Nürnberg), Lotte Bu- miller. (Nürnberg), Charlotte Findeisen (Göppin­gen), Hilde Fürstend er g (Berlin), Bertha Rupp (Berlin), Irma Lenzing (Wien), Elisabeth Lenzing (Mettmann) und Margarete Zschorn (Frankenberg) sind außer Der Meisterin in Den engeren Kreis der aussichtsreichsten Titelbewerberinnen einzubeziehen.

Im Mittelpunkt der Sommerspielmeisterschaften stehen die F a u st b a l l k ä m p f e der Männer, die vom Mtv. Braunschweig, dem letzten Meister 1938,

Tgd. 48 Schweinfurt, Zehlendorfer TSV. 88 und ATD. 45 Leipzig bestritten werden. Man erwartet Braunschweig und Schweinfurt im Endsviel, die sich in Der Vorrunde gegen Leipzig und Zeylendorf be­haupten sollten, und hier nimmt Dann roieDer um Die Braunschweiger Meistermannschaft eine Favo- ritenftettung ein. Bei den Frauen hat es Der letzte Meister Zoppoter Tv. mit dem To. 46 Nürnberg, To. Neu- und Antonstadt Dresden und Tv. Bre­men-Hemelingen zu tun. Im Frauen-Korbball sind TDd. Eimsbüttel, Frauen SC. Leipzig, Tgd. 48 Schweinfurt und TuS. 74 Hannover-Linden Die EnDspielteilneh m er.

Gießener Turner bei den Zwölfkampf­meisterschaften in Chemnitz.

Arn Samstag und Sonntag werden Die Deutschen Zwölfkampfmeisterschaften in Chemnitz ausgetragen. Der Gau 12 Hessen (jetzt Sportbereich 12) kann drei Turner zu Dem Wettkampf entsenden. Auf Grund der Vorentscheidung in Heuchelheim nehmen zwei Turner aus dem Bezirk 8 Gießen an den Kämpfen teil, unD zwar Anton Kaiser vom Tv. 1846 Gießen und Karl Bett in vom Tv. Wieseck. Beide Turner haben sich gemeinsam im Tv. Wieseck für den schweren Kampf vorbereitet, und wir wün­schen ihnen in Chemnitz den besten Erfolg. Außer diesen beiden Turnern wird noch Bereichssachwart für Sommerspiele, Dr. Pfeffer (Gießen), als Schiedsrichter für Faustballspiele nach Chemnitz fahren.

KlaHsfängteinneuesLehenan

Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

8. K a p i t e l.

Es ist die allerdunkelste Zeit im Jahr, in der sich für Klaus Tjaden das Dasein wieder aufzuhellen beginnt.

Jeden Morgen um vier Uhr fährt er mit nach der Zentralmarkthalle. Pahl allein kann ihn nicht ausreichend beschäftigen; er macht feine meisten Besorgungen selbst und braucht nur gelegentlich eine Hilfe. Aber er kennt den Hallenbetrieb und führt Klaus darin ein, ist ihm behilflich im Aufsuchen und Finden von Arbeits- und Verdienstgelegenheiten. Es oibt dabei scharfen Wettbewerb, und Klaus wird oft scheel angesehen. Er macht sich nichts daraus. Sein Lebenswille ist wieder erwacht, und mit jedem Tag spürt er neue Kräfte in sich wachsen. Mit Ausdauer Und Zähigkeit erobert er sich das neue Gebiet. Auch hier verschaffen Muskelkraft und Unerschrockenheit Ansehen. Als ihn einmal eine Böswilligkeit in die Lage bringt, feine Fähigkeiten zu zeigen, bekommt man Achtung vor ihm und läßt ihn in Ruhe.

Als er nach dem Vorfall kleinlaut sein Bedauern Darüber zu Pahl äußert, schlägt der ihm auf die Schulter.Recht haste jetan! Een paar sone Back­pfeifen verteilt, und feener fährt dir mehr ann Wagen! Ick bin ooch dafür, im Juten mit die Leute fertig zu werden, aber wennse nid) wollen, ziehn wa eben andre Saiten uff! Js doch klar, Mensch!"

Allmählich wächst Klaus Tjadens Verdienst; er kann sich nach und nach die so nötigen Kleidungsstücke anschaffen. Pahls haben ihm eine winzige Kammer als Schlafraum gegeben. Sie ist nicht heizbar, aber das stört ihn nicht. Ein Bett steht darin, eine Kom­mode, ein Stuhl und ein kleiner Tisch. Im Winkel ist hinter einem Vorhang ein Kleiderriegel. Der ge- betzte Mensch, der sehr nahe Daran war, im ElenD umzukommen, ist froh und dankbar, Den kleinen Raum für sich zu haben. Er erinnert ihn Dazu an feine kleine Kammer daheim im Vaterhaus. Das Dach über dem Kopf und das warme, kräftige Essen,

wenn er nachmittags mit Pahl von Der Arbeit kommt, finD sein Lohn für Das, was er für ihn leistet.

Sehr früh steht Klaus auf, putzt unD füttert Den Schecken unD schirrt ihn an. Wenn Der Dickeinge- mummte Pahl zur Tür heraustritt, können sie los­fahren. Alle Morgen geht es durch die nachtdunklen Straßen, in Schneetreiben oder Regen, wenn nicht Frostwetter ist. Klaus werden oft Die GlieDer steif währenD Der Fahrt, so Daß er hinterher froh ist, sich bewegen unD warmarbeiten zu können. Er wirD mit Der Zeit so vertraut mit feiner Tätigkeit, Daß er, als Pahl vor Dem Weihnachtsfest von einer Grippe unD einem Rheumaanfall ans Haus gefesselt wirD, Die Sache allein machen kann. Die beiDen Alten ver­trauen ihm unD finD froh. Daß ihnen so Die Kund­schaft erhalten bleibt.

Mehrmals in Der Woche bekommt auch Marta Ellrich Waren aus Der Zentralmarkthalle. Die läDt Klaus Dann bei ihr ab unD schafft sie in Den LaDen oDer Den Schuppen hinter Dem Haus. ZwischenDurch finDet er noch hin unD roieDer Gelegenheit, ihr ein wenig beim Einräumen Der Waren zu helfen unD Die Lasten aus Dem Schuppen herbeizuschleppen. Die für sie allein zu schwer finD.So gut habe ich es ja nie gehabt!" sagt sie Dann. Nur ihr munteres Lachen unD Das freunDliche Wort nimmt er gern als Dank; anDeres, GelD etwa, Darf sie ihm nicht an­bieten, Das hat sie rasch gemerkt.

In Dieser Zeit Des kargen Lichts ist ihm Der Tag hell unD schön, wenn er mit Dem Gespann vor ihrem LaDen hält unD sie schon vom Wagen aus Drinnen bei Der, Arbeit sieht, immer so frisch unD sauber, immer freunDlich mit allen Leuten, aber auch immer eilig unD voll Arbeitseifer. WohltuenD empfinDet er ihre herzliche Anteilnahme an seinem Ergehen unD seinem Vorwärtskommen.

Er lernt auch Martas Stiefmutter kennen eine Dicke, asthmatische Frau, Die stets in einer weiner­lichen, langweiligen Tonart reDet. Als er einmal Ware bringt, kommt sie in Den LaDen unD sagt: Marta, jeh Du Doch mal zu Vaterrein, Der is heute roieDer so nervös! Nichts is ihm recht zu machen, unD ich kann Das Gestöhne und Geschimpfe nid) mehr anhören! Jeh man, ich werde im Laden bleiben."

Is doch wahr", sagt sie dann zu Klaus, als Marta verschwunden ist,sie kann sich ja auch maln bißken um ihn kümmern! Is doch ihre Pflicht als Tochter."

Er weiß darauf nichts zu erwidern und verstaut

die Kisten und Körbe, Die er gebracht hat, im LaDen. Da augenblicklich reine Käufer uu sind, fährt Frau Ellrich redselig fort:Ach ja, da hat man sich was aufjepackt! Na ja, man dachte an Die Pension. Aber Damit kann es noch lange Dauern, wenn auch Der Alte schon sehr klapprig is. UnD Die Marta steht natürlich lieber hier im LaDen und schwatzt mit Den Leuten, währenD ick mir mit Dem launigen Mann plagen muß."

Klaus muß Das GereDe, das ihn heimlich ärgert, über sich ergehen lassen. Er guckt die Frau mit seinen blauen, tief unter Den starken Brauenbogen liegenden Augen nicht gerade freundlich an.Ich glaube, Sie fahren dabei nicht schlecht, Frau Ellrich", sagt er. Schließlich kriegen Sie ja nachher die Pension und nicht die Tochter!"

Ja. doch, soll ja alles fin", erwidert gekränkt Die Dicke.Sie verstehen bloß nich, wie Das alles zu­sammenhängt unD warum Der Olle so quenglig is! Der kommt eben über Jewisses nich weg! UnD Die Marta is schulD, Denn Die hat ..."

Das Kommen einer KunDin veranlaßt Frau Ell­rich, ihre Erzählung zu unterbrechen. Klaus trägt Kisten unD Ballen nach Dem Schuppen Dem Ort, wo er sich vor Wochen heimlich eingeschlichen hatte', um nicht Draußen umzukommen. Jetzt weiß er hier gut BescheiD, räumt unD richtet alles, wie es sein soll. Er tut es heute mit rascheren, heftigeren Griffen, unD Die Kisten krachen Dabei unter seinen Fäusten. Der Versuch Der Frau Ellrich, zu ihm schlecht über Marta zu reDen, ergrimmt ihn.Alte, Dösige Saat­gans! Schäbiges Pack!" schilt er vor sich hin. Von Mutter Pahl weiß er bereits, Daß Die Frau Ellrich Das mit Vorliebe tut unD auch von ihrem Mann Daran nicht gehinDert wirD im Gegenteil!

Frau Pahl ist nicht gut auf Den alten Ellrich unD die ehemalige Wittib zu sprechen.Alles packen sie Dem MäDel auf!" sagt sie.Die rackert sich ab für Die beiDen Alten unD hat nichts als UnDant Dafür. Weil fe mal als junges Dingne Dummheit befangen hat, denkt fe, fe muß sich lebenslang ducken! Das is ihr nich auszureden."

Klaus ist fertig hier mit dem (Einräumen, blickt sich im Schuppen um und atmet tief auf. Ihm braucht keiner zu sagen, wie die Marta ist. Er weih es Wie das Meer ist sie, wenn es der erste Strahl der Morgensonne trifft.

Fast Tag und Nacht ist Klaus jetzt auf Den Beinen. Ein paar Stunden abgrundtiefen Schlafes unter­

brechen die lange Arbeitszeit. Wenn er des Abends mit Dem noch immer vom Rheuma geplagten Pahl abrechnet, schiebt Der ihm immer ein paar Münzen über Den ausgemachten Betrag hin. Die Klaus sich jeDesmal zu nehmen roeigert. Dann ärgert sich Pahl, unD sein Dickes, rotes Gesicht mit Dem blauschwarzen Mal über Dem Auge färbt sich Dunkler.Mach Doch keene Menkenke, Mensch! Hast ja feste jearbeet, also mußte ooch oerDienen!"

Nck selbstverstänDlich, Klaus, immer jenommen, wat zu haben is!" mischt sich Dann Mutter Pahl ein. Unser Vater hat schon Den richtigen Riecher jehabt, als er Ihnen mitbrachte. Wir finD froh, Dct Sie Die Fuhren machen, wo er Doch nu jraDe vor Weih? nachten nich weg kann. Wer weiß, ob Det mal roieDer fo klappt, Denn Sie roerDen ja ooch mal roieDer ab- hauen!"

(Er hört Das unD denkt, daß Die gute, alte Frau nicht weiß, wie es in ihm aussieht; sie urteilt nach ihren Erfahrungen.

Marta Ellrich fragt ihn auch einmal, was er zu beginnen geDenfe, wenn er sich xroieDer heraus­gerappelt haben roerDe? Er sei Doch 'was Besseres gewöhnt.

Besseres?" Er sieht sie an, nachDenklich Darüber, wie Die Werturteile sich änDern.Mir geht es Doch jetzt gut. Ich war nie so zufrieDen", sagt er.

Darauf lächelt sie unD sieht vor sich nieDer.Sie sind eben sehr bescheiDen geworben. Ist ja auch erst kurze Zeit her, Daß es Ihnen erbärmlich schlecht ging. Aber ich meine, wenn Sie an später Denken ...? Das tut Doch Der Mensch."

(Er blickt über sie hinweg ins Weite, und ihm ist, als dehne sich dahinten nicht Das Nebelgrau der Stadt, sondern eine endlose Wasserfläche.Ja, manch­mal so vor dem Einschlafen oder morgens, wenn ich auf Dem Wagen sitze und Durch Die- Straßen fahre, Die noch ganz still finD, Denke ich an meine Heimat. Sa ist mir, als höre ich Das Dunkle Rauschen Der See. Auch im Traume habe ich Das oft im Ohr Das Atmen Des Meeres. Manchmal bin ich im Traum auf hoher See unD will Das Netz einziehen ... (Es qt immer so schwer, ich schaffe es nie unD bringe es nid)t ins Boot." Er seufzt.Tja, wenn man Wünsche haben Durfte: Ein kleines Haus, nicht weit vom StranDe, ein starkes Boot unD Netze, Das roärs! Immer vor mir Das weite Wasser unD hinter mir Das grüne Land, Wiesen und Aecker, das Dorf mit dem Kirchturm ..." (Fortsetzung folgt.)