Ausgabe 
6.9.1940
 
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Nr.211 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag.b. September 1940

Groß wie die Zeit sei unser Opfer!

Zum ersten Opfersonntag des zweiten Kriegswinterhilfswerkes am Sonntag.

niit ihren schmalen, pfriemenartigen Blättern uni) ihren goldgelben, bolbentraubigen Körbchen, bie auch ben märchenhaften Namen Golbhaar führt unb eben­so wie bie Bergaster in manchen ©egenben Deutsch- lanbs burch Schutzgesetz gehegt wirb. Im Narben unseres Vaterlandes wächst bie Strandaster, in Nordwestdeutschland auch Sülte genannt.

In der klassischen Blumensprache erscheint die After als Sinnbild bes Kummers. Als Bilb des Ab- schiebs und ber herbstlichen Schwermut ist sie auch von ben Dichtern häufig befungen worben, vor allem in dem bekannten Lieb:Stell auf ben Tisch bie hustenden Reseden, die letzten roten Astern trag' herbei ..." Wenn wir aber heute einen Strauß bunter Astern verschenken ober ihn freudig ent= gegennehrnen unb in ber Vase aus ben Tisch stellen, denken wir schwerlich an diese alte Bedeutung ber Blume, fonbern wir erfreuen uns an ihrem festlichen Strahlen und Leuchten. C. K.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Die Geierwally". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Vetter aus Dingsda".

Ortszeit für den 7. September.

Sonnenaufgang 6.46 Uhr, Sonnenuntergang 19.59 Uhr. Monbaufgang 23.35 Uhr, Monbuntergang 22.42 Uhr.

llS'GeMlnWsl M äraft öurOenöe

KdF.-Sport.

Am Sonntag, dem 8. September, von 11 bis 12 Uhr in ber Müllerschen Babeanstalt: Abnahme Reichs­sportabzeichenSchwimmen". 39490

NS.-Irauenschast / Irauenwerk

Der Mütterdienst im Deutschen . Frauenwerk be­ginnt Mitte bes Monats mit je einem Koch- unb einem Nähkurs. Anrnelbungen werben bei ber Kreis- frauenschaftsleitung, Frankfurter Straße 1, entgegen»

aber auch nicht bas Elend vergessen, das unsere Volksgenossen im Elsaß unb in Lothringen erleiben mußten. Eine weitere Aufgabe liegt in ber Hilfe für Mutter und Kind in Der Heimat, die Unter­haltung ber Beratungsstellen, Der Kindergärten, Schwesternstationen, Bahnhofsdienste sowie der Mütterheime. 1

Hier, Volksgenosse bes Gaues Hessen-Nassau, finbet beine Spende Verwenbung. Zum 1. Opfer­sonntag bes zweiten Kriegswinterhilfswerkes ge­loben alle VolksKnosfen bes Gaues Hessen-Nassau bem Führer genau so wie im Kriegshilfswerk für bas Deutsche Rote Kreuz auch jetzt wieber zum gleichen Opfer bereit zu sein.

Am nächsten Sonntag Eintopf.

Der erste Opfersonntag des Kriegswinterhilfs­werkes 1940/41 ist auf Sonntag, 8. September, fest­gesetzt worden. An diesem Tage dürfen in den Gast­stätten in der Zeit von 10 bis 17 Uhr keine ande­ren als die nachstehend bestimmten Eintopfgerichte abgegeben werden: 1. Brühkartoffeln mit Einlage, 2. Weißkohl ober Wirsingkohl mit Rindfleisch, 3. Ge­müsetopf nach Wahl. Für bie Gaststättensamm- lungen werben bie Speisebetriebe roieberum in drei Klassen geteilt, in denen der Preis des Eintopfge­richtes 0,70, 1, bzw. 2, RM. beträgt. Hiervon werden als Spende für das WHW. 0,20, bzw. 0,30, bzw. 1,20 RM. abgeführt. Groß- und Filialbetriebe der Klasse I entrichten als Spende 0,30 RM. für das WHW. Jeder Gast erhält eine Quittung über feine Eintopfspende.

Kriminalfekretär Karl Hofmann t.

Nach langer schwerer Krankheit ist am Mittwoch der frühere Leiter der Außenstelle Gießen der Geh. Staatspolizei, Kriminalsekretär Karl Hofmann in Gießen, im Alter von 54 Jahren gestorben. Mit ihm ist ein Polizeibeamter und Mensch in die Ewig­keit abberufen worden, der durch sein Wirken in guter Erinnerung bleiben wird.

Kriminalsekretär Hofmann stammte aus Geils­hausen (Kreis Gießen). Nach seiner Militärzeit von 1908 bis 1913 in der Leibkompanie des Jnf.-Regts. 168 in Butzbach trat er am 1. Oktober 1913 bei ber Polizei in Gießen in ben Polizeidienst ein. Als ber Weltkrieg ausbrach, eilte er sofort zur Truppe. Währenb des ganzen Weltkrieges 1914/18 war er im Felde, zuletzt als Offizier-Stellvertreter. Mit bem Eisernen Kreuz 2. Klasse, ber Hessischen Tapferkeits- mebaille, bem Hessischen Kriegsehrenzeichen in Eisen, bem Verwunbetenabzeichen unb bem Ehrenkreuz für Frontkämpfer fand fein Einsatz im Kriege für Volk unb Vaterland die wohlverdiente Würdigung. Nach bem Weltkrieg kam er nach Gießen in den Polizeidienst zurück. Am 1. Oktober 1921 wurde er zur Kriminalpolizei versetzt und zugleich zum Kri­minalhauptwachtmeister ernannt. Am 1. April 1927 erfolgte seine Ernennung zum Kriminalsekretär. Die Prüfung als Polizeikommissar bestand er im Jahre 1930. Vom April 1935 ab war er als Leiter einer Abteilung mit ber Bearbeitung wichtiger polizeilicher Aufgaben betraut. Bis zu feiner Erkrankung vor etwa IV2 Jahren stand er an ber Spitze der Außen­stelle Gießen der Geheimen Staatspolizei. Am 1. Ok­tober 1938 konnte er auf eine 25jährige Tätigkeit im Gießener Polizeidienst zurückblicken. Seine Lei­stungen im Dienste der Polizei sanden durch die Verleihung des Polizei-Ehrenzeichens 1. Klasse wohl­verdiente Anerkennung.

Seine hohe Pflichtauffassung, feine strenge Ge­wissenhaftigkeit im Dienst, fein ausgezeichneter Sinn für Kameradschaft und Gemeinschaft und sein vor­bildlicher Charakter, wie auch seine persönliche Ver­bindlichkeit im Umgang mit allen Volksgenossen machten ihn zu einem Polizeibeamten von vortreff­lichen Qualitäten. Sein langjähriges Wirken in Gießen stellte zwischen ihm und der Gießener Be­völkerung, der er sich als Diener ber Allgemeinheit

Der gegenwärtige Krieg ist ein anberer Krieg als feine Vorgänger in der Geschichte. Jetzt geht es in seiner ganzen Konsequenz um bie Entschei­dung: Sozialismus gegen vermoderte Plutokraten­clique. Es ist einfach unmöglich, daß auf die Dauer ein Volk, dessen innere sozialen Probleme so un­gelöst sind wie in England, weiterhin seinen Füh­rungsanspruch in der Welt geltend machen kann. England ist ein Land ohne Sozialismus. Deutsch­lands Kampf gilt aber dem wahren Sozialismus, Deutschlands Sieg gibt Antwort auf bie zwei Pro­zesse bes 19. Jahrhunberts: bie Bauernbefreiung unb bie Industrialisierung. Deutschland vollzieht durch eine geschichtsfähige Idee die Neuordnung Europas und schafft die soziale Voraussetzung für den modernen Staat unserer Zeit.

Es ist kein Zufall, wenn unser Führer auch bie Krönung bieser nationalen und sozialistischen Idee schuf bas W i n t e r h i l f s w e r k unb bie N S.° Volkswohlfahrt. An jebem großen Sieg, ben bie Volksgemeinschaft nach 1933 gefeiert hat, waren diese größten Hilfswerke ber Partei beteiligt. Jetzt im Kriege haben sie roieberum große Leistungen vollbracht. _ c ,

Das kommende Winterhilfsroerk hat bie Aufgabe, neben bem üblichen Kreis von Hilfsbebürftigen alle biejenigen Volksgenossen besonders zu betreuen, bie burch Kriegsausroirkungen in Not geraten sind. Noch bedürfen manche Volksgenossen in dem be­reiten Ostgebiet unserer Hilfe. Denken wir weiter an bie Rückkehr ber Volksgenossen in bie westlichen Gaue, die teilweise ihre Ortschaften von französischen Granaten zerstört vorfanden. Endlich wollen wir

Aus der Stadt Gießen.

Astern.

Wer jetzt burch bas Land wandert, den erwartet ein besonders reiches und sattes Farbenschauspiel. Das tiefe Grün von Wäldern und Gärten wird durch die ersten gilben Tone eindrucksvoll belebt, aus bem Laubwerk der Dbftbäume schimmern die 1 rotwangigen Früchte, auf allen Gartenbeeten leuch­tet es weiß, rot, blau, violett, als wollte ber schei- benbe Sommer noch einmal seinen ganzen Farben­glanz zusammenraffen unb vor uns spielen lassen. Das sind bie Astern, bie in ihrer strotzenben Kraft zur Lieblingsblume unserer Bauerngärten geworben sind unb von August bis Oktober unserer beutschen Landschaft einen charakteristifchen Zug einflechten. Wenn alle Gärten voll Astern prangen, so wissen wir, daß es Herbst wird, aber es ist ber bunte, fröhliche Herbst, nicht ber ernste, schwermütige, ben die Aster uns vor Augen führt, und so vermag auch ihr Anblick uns nicht traurig, sondern eher freudig xu stimmen, und sogar das Gefühl des nahen Ab­schieds, den diese Blume trotz allem verkündet, trägt noch dazu bei, Lebensfreude unb Lebensbejahung zu steigern.

Der Name Aster stammt aus bem Griechischen und bedeutetStern". Der Kranz ber bunten Blütenblätter, bie sich ftemförmia um bas gelbe Körbchen" schließen, läßt bie Wahl biefes Namens verstehen. In manchen Gegenben wirb bie Blume vom Volk auch einfach Sternblume genannt, ober es kommt wohl auch vor, daß ein Kinb, bas ben fremben Namen ber Blume nicht kennt, sie von sich aus so bezeichnet. Die schlichten Korbblütler, bie aus bemReich ber Mitte" stammen, haben freilich in ben anberthalb Jahrhunberten, in benen sie bei uns heimisch sinb, burch züchterische Kunst roeit« gehende Wanblungen erfahren. Gegen Ende bes 18. Jahrhunberts wurde bie Vorfahrin unserer Sommeraster burch ben Jesuitenpater b'Jncarville aus China nach Frankreich eingeführt, wo sie im Jarbin des Plantes zu Paris zum erstenmal ihre einfachen lila, bie gelbe Scheibe umschließenden Blütensterne öffnete. Bon hier hat sie in zahlreichen Formen und Farben ihren Siegeszug burch alle europäischen ßänber angetreten. Von ben einfachen Arten, die an das bescheidene Gänseblümchen er­innern, nur wesentlich größer sinb, bis zu ben hoch­gezüchteten, gefüllten, kugeligen ober halbkugeligen Formen, beren einzelne Blütchen halb Nadeln, bald Röhren ober Zungen gleichen, finden wir einen gro­ßen Reichtum an Variationen.

Die in unseren Gärten immer noch am stärksten vertretene unb besonders für bie Bauerngärten cha­rakteristische Sommeraster ist ein einjähriges Ge­wächs, b. h. sie stirbt nach vollenbeter Samenreife alljährlich wieber ab unb muß jebes Jahr aufs neue aus Samen herangezogen werden. Bei kaltem unb regnerischem Herbftwetter kommen bie spätblühen­den Sorten manchmal nicht ober doch nur unvoll­kommen zur Samenreife. Da aber der Samen drei volle Jahre lang die Keimkraft bewahrt, ist für die Fortpflanzung immer gesorgt. Die Aster wird im April im Mistbeetkasten unter Glas herangezogen. Gartenbesitzer, die üoer kein Mistbeet verfügen, be­sorgen sich am besten Mitte Mai bei einem Gärtner fertige Sämlinge und setzen diese im Freiland aus.

innerung fortleben.

Kameradschaft ehemaliger 115er.

Arn gestrigen Donnerstag trafen sich die Mit­glieder der Kameradschaft ehemaliger 115er im Ka­meradschaftsheimSchipkapaß" zum üblichen Mo­natsappell, der unter der Leitung des stellv. Kame­radschaftsführers Kam. Oehlenfchläger statt­fand. Bei der Begrüßung der zum Appell erschie­nenen Kameraden konnte Kam. Oehlenschla- g e r mit besonderer Freude zwei Kameraden im feldgrauen Ehrenkleid willkommen heißen, die als Urlauber von der Front zur Zeit in Gießen weilen. Ihr Besuch dokumentierte die enge Verbundenheit zwischen den Kameraden im Felde und denen in der Heimat. Anschließend wurden die eingegangenen Befehle und Briefe befanntgegeben^unb dann vor allem auf die große Bedeutung des Fechtwesens für die Erfüllung der sozialen Aufgaben hingewiesen. Der stellv. Kameradschaftsführer machte weiter auf die Fortführung des Wettschießens um die Ehren­nadel aufmerksam und forderte die Kameraden zu reger Beteiligung auf. Nachdem er noch einige Mit­teilungen über unsere Kriegsmarine zur Kenntnis der Kameraden gebracht und verschiedene kleine m« terne Angelegenheiten erledigt hatte, wurde ber bienstliche Teil des Appells geschlossen. Die Kame­raden verweilten bann noch einige Zeit in froher kameradschaftlicher Geselligkeit.

Giehen-Wieseck.

Aus der NS.-Frauenschasl.

Vor ben vollzählig erschienenen Amtsleiterinnen ber NS.-Frauenschaft unb bes Deutschen Frauen­werkes, sowie ben Mitgliebern ber Jugendgruppe sprach im kleinen Saal bes Parteilokals Braun bie Kreisgeschäftsführerin Fräulein R 0 f e n f ch 0 n über bie Arbeit der Jugenbgruppen unb gab Anleitungen unb Richtlinien über bie Tätigkeit von NS.-Frauen­schaft unb Frauenwerk gerabe in ber Kriegszeit. Die Ausführungen, bie mit großem Interesse verfolgt würben, fanben viel Verstänbnis, zumal es Fräulein Rosenschon oerftanb, ihren Vortrag mit praktischen Beispielen aus bem Leben ber Gegenwart anschau­lich zu ergänzen. 018.

Giehen-Klein-Linden.

Der älteste Einwohner unseres Stadtteils, der Landwirt Ludwig F a b e r II., Kirchstraße 9 wohn­haft, kann am heutigen Freitag in seltener körper- l'icher und geiftiger Frische seinen 84. Geburtstag begehen. Der alte Herr versieht seinen kleinen land­wirtschaftlichen Betrieb noch vollständig. Zu seinem Geburtstag bringen auch wir ihm herzliche Glück­wünsche dar.

14000 weibliche Arbeitskräfte bereitgestellt.

Die Gaufrauenschaftsleitung Hessen-Nassau konnte den Arbeitsämtern unseres Gaues rund 14 000 Frauen aus ihren Reihen melden, bie sich zum Ar­beitseinsatz zur Verfügung gestellt haben. Bisher würben nur 1000 Frauen eingesetzt, so baß ber Gau Hessen-Nassau noch über genügenb Reserven verfügt. Auch hier wieber ein Beispiel für bie Einsatzfähig­keit der Frau.

*

** Auszeichnung für treue Dienst» Lciftung. Dem Steuerinspektor Philipp Metz­ler beim Finanzamt Gießen wurde das Treudienst­ehrenzeichen für 25jährige Dienstleistung verliehen.

** 82 Jahre alt. Am morgigen Samstag, 7. September, kann ber frühere Althändler Johann > Roß, Teufelsluftgärtcken 5 wohnhaft, in Frische unb Gesundheit seinen 82. Geburtstag begehen. Dem 1 alten Herrn gelten auch unsere herzlichen Glück- : wünsche.

stets verpflichtet fühlte, engste Verbinbung her. Alle» zeit hat er sein Amt als Polizeibeamter in einer Weise versehen, bie bie Verbundenheit ber Polizei mit ber Volksgemeinschaft überzeugend bokumen- tierte. Daher würbe ihm auch von seinen Vorgesetzten unb Mitarbeitern, wie von breiten Schichten ber Bevölkerung volles Vertrauen unb hohe Wert- schätzung bargebracht unb bamit sein Dienst in schönster Weise belohnt. Weit über seinen beruflichen Kamerabenkreis hinaus wird bas Anbeuten an biefen vortrefflichen Mann unb Beamten stets in bester Er-

Jn neuerer Zeit erfreuen sich neben ben Som­merastern auch bie Staudenastern wachsender Be­liebtheit. Die meisten und schönsten Arten dieser Gattung, die bem Züchter reiche Möglichkeiten bie­ten, stammen aus Nord- unb Mittelamerika, andere aus Südamerika, Südafrika und Asien. Doch ken­nen wir auch in Deutschland wildwachsende Arten, die den Weg in unsere Gärten als Zierpflanzen ge­funden haben. Da ist vor allem die Alpenaster zu nennen, eine niedrige Pflanze unserer Hochgebirge, die im Garten ihre violettblauen Blütensterne schon im Juni und Juli entfaltet und besonders als Ein­fassung von Wegen und Beeten Verwendung findet. Noch oberhalb der Waldgrenze der Doralpen blüht auch das Alpenmaßlieb, das einem kräftig gewachse­nen echtem Maßlieb ober Gänseblümchen ähnlich ist. Auf süb- unb mittelbeutschen Heibewiesen, fteini- . gen Triften und Hügeln finden wir die Leinafter genommen.

3m Schuppen sitzt ein Verbrecher!!

Don Karl ^Robert Popp

Herrlich ließ es sich hier oben in der Hütte am Berghang leben! Wenn Grete wach wurde, lief sie zuerst an das Fenster, stieß die schweren Läden zurück und sah die ragende Wand des Karwendel- gebirges den halben Himmel abriegeln. Jmmrr wie­der ergriff sie dieser Anblick. Da rechts reckte sich die Brunnsteinspitze in den blauen Morgenhimmel, hinter ihr türmten sich neue Berge, und Dort in der Ferne lag Tirol.

Tiroler Land, wie bist du schön!" pfiff bas Ma­del und machte sich zu »einem Ausflug nach ber Partnachklamm auf ben Weg. Sie winkte noch ein­mal zur guten, alten Kathi hinauf unb freute sich wieber überihre" schmucke Hütte, in der sie als einziger Feriengast hauste. Die Eltern waren kurz vor Der Äbreise zurückgehalten worden und hatten Grete mit einem empfehlenden Schreiben zur Kathi geschickt. Bei der, das wußten sie, würde sie gut aufgehoben fein.

Als Grete gegen Abend hungrig unb durstig heim­kam, fanb sie neben bem Abendessen einen Zettel auf bem Tisch.Bin ins Tal", stand auf dem Pa­pier. Grete ließ sich das Abendbrot munden. Als die letzte Käserinde abgeschabt war, ging sie noch . einmal vor die Tür und setzte sich unweit der Hütte auf einen Stein, um den Sonnenuntergang abzu- roarten. Vielleicht glühten heute bie Wände des Karwendelgebirges tm purpurnen Wiberschem der Sonne ...

Als sie darüber einmal den Weg hinabsah, schüt­telte sie verwundert den Kopf. Ein Wanderer? So spät und in solcher Eile? Der Mann verschwand bet einer Wegbiegung, an der nächsten tauchte er wie­der auf, und jetzt mußte er nach rechts abbiegen, wenn er nach Mittenwald zurück wollte. Er bog aber nicht ab, sondern ging geraden Weges auf Die Hütte zu. Grete lief hinter ben Schuppen und oe- obachtete den rätselhaften Fremden scharf. Jetzt stand er vor der Hütte. Aber er rief nicht und pochte auch nicht! Er schlich sich sofort in das Innere. Jetzt aber pochte Gretes Herz vor Ungewihhelt unD Entrüstung. Leise und vorsichtig ging sie an eines der Fenster und spähte in bie Stube. Eben hob der Mann bie schöne, alte Uhr mit dem herrlichen Schlag von der Wand!

Nein! Die Gedanken wirbelten durch Gretes Kops. Ein Einbrecher! Und ich ganz allein hier oben! Jetzt trägt er die schöne Uhr fort! Nein, das dulde ich nicht! Aber ehe sie zu einem Entschluß kommen konnte, ging bie Tür auf, unb ber Ver­brecher schleppte die schöne Uhr aus der Hütte. Ob ich jetzt schreie? dachte Grete, aber da ging der Kerl auch schon in den Schuppen hinein und ru­morte darin herum. Wahrscheinlich suchte er sich auch noch einen Wagen, um die Uhr ja recht be­quem fortschaffen zu können! Angesichts dieser Frechheit blitzte in Gretes Gehirn der rettende Ein­fall auf. Sie sah, daß der Schuppen nur ein kleines, dick vergittertes Fenster hatte, sprang zu, schlug das Schuppentor ins Schloß und warf Den schweren Eisenriegel Darüber. So! Jetzt sah der Fuchs in der Falle und konnte nicht wieder heraus!

Aufmachen!!" schrie es von innen, und der Ein­brecher trommelte wütend an die Tür. Aber Grete war schon ein Stück den Berg hinabgelaufen. Bis zum Jager-Toni waren es knappe zehn Minuten. Wenn sie Glück hatte, traf sie ihn an, und dann konnte er den Verbrecher festnehmen und abführen. So hörte sie bas Geschrei Des Eingesperrten nicht und sauste nur den Weg hinunter. Nach einigen Minuten schon entdeckte sie ein rotes Kopftuch am Hang unb erkannte aufatmenb, baß bie Kathi heim­kehrte.

Kathi! Kathi! Im Schuppen sitzt ein Verbrecher! Ich hab' ihn eingeschlossen! Einbrechen wollte er!"

Bei ber Kathi ging es nicht so rasch.Was hast gfagt? A Einbrecher? A geh her!" Sie schüttelte ungläubig ben Kopf.

Kathi! Droben im Schuppen sitzt er boch!" Wer denn?"

Der Einbrecher! Die schöne Uhr hat er stehlen wollen! Hatte sie schon eingepackt!"

Die Uhr?!" Jetzt war bei ber Kathi der Groschen gefallen.Ja, Greteri, weißf auch, wen du da ein- g'sperrt hast?!"

Einen Verbrecher!" schrie Grete, die in ihrer Aufregung den sonderbaren Tonfall der Frage über­hörte.Ich renne zum Jager-Toni!" Damit sauste sie schon weiter, ohne sich um Die Schreie Der Kathi zu kümmern, Die kräftig hinter ihr herwetterte unD Dann roütenD bergauf stieg.

Grete hatte Glück! Der Jager-Toni war zu Hause. Er hing gleich sein Gewehr um und stapfte vor ihr Der Hütte zu. Grete hätte am liebsten von hinten ein wenig geschoben, so aufgeregt war sie, aber Der Toni ließ sich sein Tempo nicht vorfchreiben. End- lich waren sie oben. Der Toni schnaufte entschlossen

unD griff nach Dem Gewehr, unD Die Grete keuchte mit Dem letzten Atem:Der Einbrecher?!"

Da stemmte Die Kathi beide Arme in Die Seiten unD lachte, lachte, Daß es von überallher roiderhallte. Geht's eini, ihr xroei!" rief sie haipi, holte eine Flasche Bier aus Dem Kellerloch unD schenkte Dem Jager-Toni, Der Daraufhin sehr zufrieden aussah, ein. Dann erzählte sie.

Der Mann war nicht zum erstenmal hier oben gewesen. Er kam seit Monaten unD war nur in den letzten drei Wochen ausgeblieben.A Narrischer ist's", erklärte tue Kathi behaglich und fuhr fort, es fei ein Feriengast aus Mittenwald oder Garmisch- Partenkirchen, ein schwerreicher Kauz und leiden­schaftlicher Sammler. Die alte, ererbte Uhr hatte es ihm angetan. Erst bot er fünfzig Mark, dann achtzig, aber Die Kathi blieb fest. Heute jedoch hatte er sie unten in Der StaDt getroffen, unD einem An­gebot von hunDert Mark war sie erlegen. Der Sammler hatte Angst, Die Kathi möchte einen Tag später Den Kauf wieder bereuen, unD Daher stieg er noch am gleichen Tage zur Hütte auf, um sich die Uhr selber zu holen. Einen HunDertmarkschein hatte er auf den Tisch gelegt.UnD Denjenigen Sammler hast eing'sperrt", schloß Die Kathi, erneut auf- lachend, ihre Erzählung.

Der Jager-Toni fiel mit feinem Dröhnenden Baß in Das Gelächter ein und klatschte sich auf die nack­ten Knie, daß es nur so schallte.Dös is a Hetz", stöhnte er vor Freude über den Spaß.Eing'sperrt hat sie ihn! Da feit sie nix!"

Grete stand mit dunkelrotem Kopf in der Stube und sah von dem einem Vergnügten ratlos zum anderen.Da muß ich mich aber doch entschuldigen", sagte sie dann ganz geknickt, aber die Kathi winkte großzügig ab:Dem g'schieht scho recht!"

Sie wollte noch mehr jagen, aber Grete rief in diesem Augenblick aufs höchste erstaunt dazwi­schen: ,Kathi! Die Uhr hängt ja wieder an der Wand?!" Nun wurde die Kathi ein wenig kleinlaut, und nach einigem Herumdrucksen sagte sie:Na ja, wie ich die Uhr wiederg'sehen hab, da tat's mir leid um das schöne Stückel vom Ahndel selig. Wie­der gegeben hab' ich dem sein Geld! Mei' Uhr roollf ich behalten ..."

Und?" drängte Grete ...

Na, da ist er ganz wild geworden. Eing'sperrt werden und zuletzt zum Narren gehalten, hat er gmeint, dös tät er sich nit gefallen lassen. Hinaus- geworfen hab' ich ihn am End'. Der kommt nit wieder, GreterU"

Grete sah die schöne, alte Uhr an. Die sich in ihre Umgebung fügte, als müsse sie Da hängen, und es kam ihr Der Gedanke, vielleicht sei es ganz gut ge­wesen, Daß sie einen reichen Sammler mit einem Einbrecher verwechselte.

Der Jager-Toni mochte ähnlich empfinden. Er «lange, aber als er bann sprach, war es wie schluß vieler Ueberlegungen.Dos war ganz recht", sagte er,von Dir unD von Dem Maderl. Der Hunderter wär' balD hing'wesen, aber an der Uhr da hast dein Lebtag a Freud'!"

,0er Vetter aus Dingsda."

Die Verfilmung des behaglich-heiteren Singspiels Eduard Künnekes hat unter der geschickten Regie Georg Z 0 ch s alle musikalischen und büh­nenmäßigen Qualitäten dieses zur konservativen, keiner Modelaune unterworfenen Kategorie der Operettenliteratur zu zählenden Stückes ins beste Licht gestellt. Die Transponierung in das leicht antiquierte Milieu eines märkischen Landsitzes in­mitten großzügiger Parklandschaft ist ihm sogar recht gut bekommen. Die Kamera Bruno Mondis konnte hier ein paar hübsche stimmungsvolle Bil­der einfangen. Die Geschichte vom Vetter aus Dingsda, für den man einen wandernden jungen Musikus hält, bis der richtige erscheint, was aber nun nichts mehr verderben kann, da inzwischen das reizende Mädel und der vermeintliche Detter sich schon gefunden haben und es sich herausstellt, daß der richtige Vetter, da schon verheiratet, als Konkurrent ausscheidet, diese mit liebenswürdigem Schalk vorgetragene Geschichte verfehlt auch im Film seine Wirkung nicht, vor qllem, da Regie und Ensemble in der Mischung von Humor und Rüh­rung den rechten Ton trafen. Lien Deyers und Lizzi H 01 z s ch u h waren ein anmutiges Pärchen heiratslustiger junger Mädchen. Walter v. Len­nep sang mit hübscher Stimme die bekannten Couplets. Rudolf Platte machte mit viel Klk den anschlägigen Barbiergesellen, Paul Heide­mann war ein arroganter Brautwerber, Jacob Tiedtke sehr echt ein cholerischer alter Onkel.

Im Beiprogramm wurde, in eine luftige Liebes­geschichte gekleidet, viel Interessantes über die Fun- kentelegraphie erzählt, die wie ein unsichtbares Netz den ganzen Erdball umspannt und für Wort und Bild Zeit und Raum überwindet.

Dr. Fr. W. Lange.