Ausgabe 
6.8.1940
 
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(cif. Wenn ober Deutschland sich gegen die migc- drohte Zerstückelung wehren will, dann ist das ebenso selbstverständlichbrutale Gewalt".

Nein, in diesem Falle helfen dem Erzbischof selbst fromme Worte nicht mehr. Urü> für den Fall, daß die Berichterstattung auf gewissen Gebieten in Eng­land nicht so klappen sollte, wie es vielleicht wün­schenswert wäre, möchten wir dem Herrn Erzbischof etwas erzählen, was ihn sicher interessieren wird. Die britischen Truppen haben ja, wie auch dem Kar dinal Hinslcy bekannt sein wird, in Norwegen und bei Dünkirchen unvergänglicheRückzugssiege" er­fochten.. Allgenzeugen erzählen uns nun von den Schlachtfeldern dieserRückzüge", man habe dort genau feststellen können, wie die britischen Soldaten sich der Reihe nach der Gegenstände entledigten, die ihnen bei ihremsiegreichen Rückzug" im Wege waren. Da mären zuerst die Stahlhelme zur Seite geflogen, dann habe man die lästigen Gewehre von sich geworfen, und dann kam die Zone, in der die Gebetbücher und die Bibeln fortgeworfeil wurden. Als Allerletztes blieb dann immer noch das Gor- nedbeaf und die Whiskyflasche. Und dann war nichts mehr übrig, was dassiegreiche Heer" mit nach England hätte bringen können. Ja, und die Bibeln machten einen sehr merkwürdigen Eindruck. Acußcrlich sahen sic recht mitgenommen aus, wie cs fleißig benutzten Bibeln zukommt. Wenn man sie aber aufmachtc, merkte man an den zusammen­hängenden Blättern, daß dies wohl das einzige und erste Mal war, wo sie das Licht des Tages er­blickten. Wir fürchten, dem Erzbischof mit seinen 1)4 Millionen Kruzifixen wird es nicht viel an­ders gehen wie mit den Bibeln und Gebetbüchern.

Botschafter Abetz.

Der zum Botschafter ernannte Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes beim Militärbefehlshaver in Frankreich Otto Abetz wurde am 26. März 1903 in Schwetzingen in Baden geboren. Er besuchte in Karlsruhe das Reformrealgymnasium. Zwischen den Jahren 1921 und 1923 machte er Reisen durch die Schweiz, Italien und Griechenland. Bon 1923 bis 1926 besucht? er die Badische Kunsthochschule und legte das Zeichenlehrerexamen ab. Fünf Jahre später trat er als Assessor für das künstlerische Lehr­amt in das Beamtenoerhältnis ein. Im Sommer 1934 beauftragte ihn der Verbindungsstab der NSDAP, mit der Aufgabe, die Treffen der deutschen und französischen Frontkämpfer zu organisieren. Danach trat Abetz in die Abteilung Ausland der Neichsjugendführung ein, der er sich bereits 1933 mit dem von ihm zur Förderung eines besseren Verstehens der Jugend Dcntschlcuchs und Frank­reichs gegründeten Sohlbergkreis unterstellt hatte. Seit Januar 1935 gehört er der Dienststelle Ribben­trop an, in der er das Referat Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien verwaltet.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsminister Dr. Goebbels empfing den schwedischen Forscher Bengt Berg zu einer län­geren Unterredung.

Korpsführer Hühnlein besuchte kürzlich drei Motor-HI.-Lager im Gebiet der Motor- gruppe Hochland", in denen ein vierzehntägiger Kursus zur Erreichung des Führerscheines 4 ober des Motor-HI. - Prüfungsabzcicheng stattfindet. Der Korpsführer wohnte dem Unterricht am Kraftfahr­zeug sowie dem Geschicklichkeitsfahren bei. Die drei Besten jeder Gruppe wurden mit Preisen ausge­zeichnet.

Der britische Bombenabwurf auf den Haag in der Nacht zum Montag, der zwei Todes- Opfer unter der Zivilbevölkerung forderte, hat im ganzen Lande eine starke Empörung hervorgerufen. Die Bpmben fielen mitten in das Wohnvier­tel. Man fragt sich, so schreibtTelegraaf", was man mit diesem ziellosen Abwerfen bezwecke und ob man dadurch die Zivilbevölkerung terrorisieren wolle.

Die Endstation der italienischen Riviera-Bahn ist von der italienischen Grenzstation Ventimiglia nach der von den italienischen Truppen eroberten und besetzten Stadt M e n t o n e verlegt worden. Bis Mentone werden in Zukunft alle italienischen Rivierazüge verkehren. Von Genua aus ist ein Son- Verzug mit dem italienischen Verkehrsminister Hast Venturi und hohen Staatsbeamten zur Eröffnung der Linie bis Mentone abgegangen.

Aus der Stadt Gießen.

Tiere dürsten.

Wenn die Sanne es in diesen Sammertagen gar zu gut meint und alles unter der. Hitze seufzt, so sind es ganz besonders unsere vierbeinigen Haus­genossen, die unter der Sonnenglut zu leiden haben. Welch einen bedauernswerten Eindruck machen die H u n d e auf den Tierfreund, wenn sie mit heraus- hänaender Zunge und schleppendem Gang über glutheiße Straßen schleichen. Kein Tierfreund, Gast­wirt und Ladenbesitzer versäume es, in den Som­mermonaten ein reinliches Gefäß mit frischem Wasler vor der Tür seines Geschäfts aufzusteilen. Denken wir auch daran, daß all die kleinen Rinn­sale, an denen die Vögel badeten und ihren Durst löschten, ver-siegt sind. Eine flache Schüssel, ja schon ein großer Blumenuntersetzer an schattiger Stelle im Garten eingegraben, genügt unseren Sänaern zum idealen Badcplatz, und sie tummeln sich bald fröhlich im kühlen Wasser. Nur geben wir acht, daß wir nicht durch einen Baumstamm ober dichtes Gebüsch den Katzen eine Möglichkeit zum An­schlei chen in unmittelbarer Nähe unserer Vogeltränke geben. Für die in der heutigen Zeit besonders stark arbeitenden Zugpferde soll immer frisches I rinImaller zur BersützUNg stehe». Um cm 311 schnelles Trinken und damit eine Erkältung zu ver­hindern, empfiehlt es sich, einige Halme Stroh ober Heu in das Trinkwasser zu werfen.«

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Mädchen im Vor­zimmer." Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das Schweigen im Walde".

HHemeinKMt M Kraft öurdi Sreaöe

Im Monat August bieten wir siebentägigen * Ferienaufenthalt

jeweils von Samstag zu Samstag in den Kreisen Büdingen und Schotten. 3528V

Teilnehmerpreis 22, NM. (ohne Fahrt).

Nächster Aufenthalt in der Zett vom 10.8. bis 17. 8.1940. Anmeldungen bis spätestens Mittwoch in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60.

Hitler-Jugend Zungbann 116.

Alle Pimpfe des HJ.-Sfandortes Gießen-Stadt treten am Mittwoch, 7. August, 14 Uhr, zum Kar­toffelkäfer-Abwehrdienst am Brandplatz an. Bei Regenwettcr wird der Abwehrdienst auf Donnerstag, 8. August, verlegt.

Auch Feldpostanschristen sind aufschlußreich.

Die Verbundenheit zwischen Heimat und Front hat in diesem Krieg in vieler Art Ausdruck gefun­den. Besonders erfreulich ist, daß Behörden, Partei­dienststellen, Betriebe nsw. bemüht sind, ihren im Felde stehenden Gefolgschaftsangehörigen oder Mit­gliedern durch Uebersendlmg von Amtsblättern, Werkzettungen, vervielfältigten Feldpostbriefen, so genanntenHeimat-Sammelbriefe" oder äynlichen Veröffentlichungen, über alles auf dem laufenden zu halten, was in ihrem Wirkungskreis geschieht und den Daheimgebliebenen Nachrichten über das Er­gehen und Erleben ihrer Frontkameraden zu ver­mitteln. So begrüßenswert das Bestreben ist, die innere Verbundenheit des Frontkameraden mit sei­nem heimatlichen Wirkungskreis aufrechtzuerhalten, so erhebt sich hoch die Frage, ob nidyt z. B. Sum­me l l i st e n von Feldpostanschriften dem Feind wichtige Aufschlüsse ermöglichen. Aus diesem Grunde ist die Veröffentlichung und Weiterverbrei­tung solcher Zusammenstellungen von Feldpost­anschriften verboten. Gestattet ist nur, daß bei Behörden, Parteidienststellen, Betrieben, Wirt­schaftsverbänden usw. besonders vertrauenswürdige Personen die Feldpostanschriften der eingerückten Kameraden zusammenstellen und auf Anfrage ein­zelne Anschriften an eine bekannte Person mitteilen.

Gießener Wochenmarklpreise.

* Gießen, 6. Aug. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten:' Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Köse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, neue, % kg 7 Rpf., 5 kg 68 Rpf., Wirsing, % Kg 8, Weißkraut 6, Rotkraut 6 bis 8, gelbe Rüben 10, rote Rüben 8, Spinat 20, Bohnen, grün, 16 bis 22, gelb 22, Erbsen 25, Tomaten 25, Zwiebeln 18, Rha­barber 10, Falläpfel 10, Himbeeren 45, Heidelbeeren

41 bis 42, Pflaumen 18 bis 20, Zwetschen 35, Mirabellen 25 bis 38, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Gin- machgurken 1% bis 4, Endivien 10 bis 15, Ober- kohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Blind 10 Rpf.

** Auszeichnung für Tapferkeit vor d e m Feinde. Der Bataillons-Fahnenträger in einem Infanterie-Regiment, Feldwebel Walter E g - gcrs aus Gießen, Wolfstraße 21, wurde für be­sondere Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz 11. Klasse ausgezeichnet. Ebenfalls für Tapferkeit vor dem Feind erhielt der Untcrofsizier in einem Infanterie- Regiment Willi Schal ch aus Gießen, Liebigstraße Nr. 83, das Eiserne Kreuz und das Sturmabzeichen verliehen.

** Reich sbahnversanalien. Der Vor­stand des Reichsbayn-Bctrlebsamts kl Gießen, Reichsbahnrat L ll tz, wurde iiod) Teschen versetzt als Vorstand des dortigen Reichsbahn-Betriebs- amts. Nad)folger ist Neichsbahnrat N o u n f von der Reichsbahndirektion Villach. Der Reld)sbahn- Bauassessor Köster, der und) Auslösung des Neu- bauamt» Friedberg dem Rcichobahn-Betriebsamt 11 Gießen zugeteilt war, ist zum Reichsbahn.Betriebs- amt Wetzlar versetzt wvl-den. Der Vorstand des Rcichsbahn-Mafchinenamts Gießen, Reichsbahnrat Koehns, i|> ihui) Brombera versetzt als Vorstand des dortigen Reichsbahn-Masdstnenamts. Nachfolger ist Neichsbahnrat Lieb von der Reichsbahndirek­tion Karlsruhe. Der Vorstand des Neid>sbahn- Verkchrsamts Gießen, Rclchsbahnrat Ziegler, ist zum Wehrmachlsbienst eingerückt. Nachfolger ist Neichsbahnrat Behren von der Ncichsbahndirek- Hon Frankfurt a. M. Der Relchsbabn Dau assessor Jahn, der dem Rcichsbahn-Betriebsamt I Gießen zugeteilt ist, wurde nad) dem Westen ab­geordnet. Reichsbahnrat Zakarias der Reichs- bahndirektion Linz mürbe vorübergehend dem Reichsbahn-Betriebsamt I Gießen zugeteilt.

** E n t f a f t u n g s v e rfa h r e n und Ri ar­me l a d e k o ch e n. In der Lehrküche des Deutschen Frauenwerks wird in Zusammenarbeit der Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft des Delitschen Frauen- Werks mit dem Berufserziehungswerk der Deutschen

Arbeitsfront eine elnmaklge Unterweisung Im Ent­saftungsverfahren und Marmeladekochen am Mltt- woch, 21. Anglist, durchgeführt.

** ßliefert entleerte Säcke ob. In der letzten Zeit mußten in den rvrschl ebensten Teilen Großdeutschlands empfindliche Ordnungsstmfen ge­gen eine Re-che von ('k-iverbetreibenben festgesetzt werden, die ihrer Pflicht zur pünktlichen und rest­losen Abgabe der in ihrem 'Betrieb entleerten Säcke nicht nad)gekommen waren, oder die Säcke (n ihrem Betrieb zu anderer Benvenbiing zerschnitten hatten. Es wird daher nochmals ba rauf Miwiölefen, daß für alle Empfänger von In (Bomebefarfen verpack­ten Waren die Pflicht besteht, die entleerten Säcke binnen einer Frist von einem Monat, vom Tage der Entleerung an gerechnet, an einen zugelassenen Aufkäufer zu verkaufen, soweit iridjt die besonderen Vorschriften für ben Rückgabe verkehr in Anwen­dung kommen. Jeder, der unnötig Säcke dem Ver­kehr entzieht, schädigt die Allgemeinheit unb hat da- Ijer mit strengster Bestrafung zu rechnen.

** So m m e l v o r f ch r i f t e n f u r E r d r a u ch. Von April bis Oktober blüht der auf Werfern und Gartenland häufig als Unkraut anzutreffenbe Ge­meine Erdrauch, der zlir Familie der Mohngewächfe gehört. Die volkstüinlid) als Blutreinigungsmtttcl gebrallchte Droge, die jedock) nicht wahllos anzuwen- den ist, wird zur Zeit der Blüte ganz aus der Erde gerissen unb dann das unterste blattfreie Steimelstürf samt der Wurzel abgeschnitten. Anhaftenber Schmutz wird abgcfdyüttdt. Druck des Sammelgutes Ist zu vermeiden. Trocknung In einfacher Lage auf luftigen, schattigen Dachböden. Verpackung und Versand In Säcken. Ablieferung bis Mitte Oktober.

Studentinnen im Habrileinsatz.

Im Gau Hessen-Nassau arbeiten zur Zelt etwa 100 Studentinnen freiwillig in Fabrikbetrieben, um dadurch zu ermöglld^n, daß Arbeitskameradinnen einen kurzen Urlaub erhalten können, währenddes­sen sie sid) AU Hanse, in Aelmen bei N Obei "ii anderer Stelle erholen und neue Kraft für die kom­mende Arbeit sammeln. Jede der Studentinnen wird vier bis sed)s Wachen eingesetzt. Der Einsatz erfolgt durch das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront am Heimatort der Studentin.

Oie Bevölkerung bei Fliegeralarm.

In der Bevölkeruna besteht vielfach Zweifel über ihr Verhalten bei Fliegeralarm, Insbesondere über die Verpflichtung, die Schutzräume aufzusuchen und über die gesetzlichen Folgen im Weigerungsfälle. Balle Klarheit geben hier die Bestimmungen der 10. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz überLuftschutzmäßiges Verhalten bei Flicgeran- griffen unb Lustschutzübungen" vom 1. September 1939. Hierin wird unterschieden zwischen Personen, die sich in Gebäuden und solchen, die sich außerhalb von Gebäuden befinden.

3n Gebäuden, insbesondere Wohnungen, Büros, Warenhällsern, Theatern, Lichtspielhäusern, Gastwirtschaften, Warte­hallen, Vergnügungsstätten usw. haben fid) alle Per­sonen sofort soweit vorhanden mit Gasmaske in die vorhandenen Luftfchutzräume zu begeben.

Die Verpflichtung ßum Aufenthalt Im Luftschutz- raum erstreckt fld) nicht auf Personen, deren kör­perlicher Zustand dies nicht zuläßt, einschließlich des Pflegepersonals.

Es besteht hier also eine gesetzliche Verpflichtung, die Lustschutzräume bet Fliegeralarm auszufuchen. Sie ist begründet in der nationalsozialistischen grundsätzlichen Auffassung, daß das Leben oes Volksgenossen nicht ihm allein, sondern der Bolks- gemeinschast gehört, und in der Erfahrung aus vielen Luftangriffen, bei benen bas Leben nlrflcnbs sicherer war, als in nod) so behelfsmäßigen Schutz- räumen: 7 nk hat es hlevoel nur hm-t gegeben, wo Schuhräume aus Neugier ober anberen Griinben nicht ausgesucht worben waren ober werben konn­ten.

Die Notwenbiakeit dieser gcsetzlld) festgelegten Verpflichtung, bei Fliegeralarm sofort die Schutz- räume aufzusuchen, muß im Interesse der Volks- gemeinschast unb ber Lanbesverteiblgung noch weit mehr als bisher von jebem Volksgenossen, als vor allem in seinem ureigensten Interesse llegenb, er- kannt werben. Alle volizcilichcn Dienststellen und Amtsträger bcs RLB. haben Anweisung, auf die Bevölkerung bauernb in diesem Sinne aufklärend unb führend einzuwirken.

Denienlgen aber, welche biese Gründe nicht gelten lassen wollen, [ei gesagt, daß ble zuständigen Reichs- bchörden Entschäolgungen für entstandene Perso- ncnsd)äden in allen den Fällen ablehnctt, in wel­chen die Betroffenen cs sd)ulbhaft verabsäumt haben, die vorhandenen Schutzrällmo aufzusuchen.

Außerhalb von Gebäuden

hat jeder, der vom Fliegeralarm auf Straßen, Plätzen usw. betroffen wird, den nächsten öffent- uchen Luftschutzraum aufzusuchsn ober anmn Dcckungsmöglichkelten auozunntzen.

In unbebautem Gelände ist jede möglld)C Deckung (Gräben, Höhlen usw.) auszunutzen. Sind Deckungs- niögüd)felten nicht vorhanden, so bietet bas Hin- legen auf den Boden besten Schutz.

Gegen Personen, ble außerhalb von Gebäuden diesen Bestimmungen zuwiidcrhandeln, kann der Ortspollzciverwalter polizellid)e Verfügungen erlas­sen und diese mit Zwangsmitteln (Festsetzung von Zwangsgeld im Nichtbeitreibungsfall Zwangs- Hast und unmittelbaren Zwang) durchsetzen.

Weil beim Flakschießen gleichfalls wiederholt Todesfälle und schwere Personenschäden infolge Nlchtaufsuchenv der Schutzraume vorgekommen sind, wird die Bevölkerung bringenibft ersucht, auch in diesen Fällen schleunigst fld) in die Schutzräume zu begeben ober andere Deckr.ngomögllchkeiten aufau- fumen

Seitens der Polizeibehörden wird entfgredjcnb wie bei Fliegeralarm verfahren werden.

NchdemRa^ben 2jW^9eb,auchen

Die schöne Melusine

Neman bon Richter

19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Erst jetzt bemerkt Tilde die graue Haarsträhne, die im Gegensatz zu dem jungen Gesicht steht. Zu­gleich stirbt ein Gedanke in ihr, der sid) gerade hat breltm<rchen wollen. Der Gedanke, daß diese Frau einmal etwas in dem Leben emes Mannes habe be­deuten können. Dafür wächst ein anderer, aber es ist, als könne diese Frau, die so ruhig und gefestigt ist, wie Tilde es glaubt werden zu können, durch Menschen hindurchsehen.

Sein Vater ist anders", sagt sie.Zuerst habe ich ihn für einen Realisten gehalten, unb vielleid)! denken Sie das heute noch, wenn Sie ihn kennen- lernen werden. Ein anderer aber hätte eine Fabrik wie die unsere nicht hochbringen können. Heinz versteht das noch nicht, aber eines Tages wird er es begreifen. Man übernimmt die Verantwortung für all die Menschen, die man an sich heranzieht, Fräulein?"

Rohloff", sagt Tilde. ,^Jch heiße Tilde Rohloff."

Greta Ära nid lächelt.Ihren Vornamen wußte ich schon von Heinz. Aber ich konnte Sie doch nicht beim Vornamen nennen."

Tilde faßte Vertrauen zu der Frau, und als sie in die Fabrik zurückkehren, sind sie wie alte Be­kannte. Heinz D-etjen ist nicht müßig gewesen. Aus einem drehbaren Bock steht ein Gestell. Daneben liegt Ton, der mit feuchten Tüchern bedeckt ist. Er hat schon damit begonnen, dieses (bestell mit Ton- klumpen zu bewerfen, aus deren Form man vor­erst aber nichts erkennen kann. Ein großes, bis zur Decke reichendes Fenster zeigt auf den Fabrikhof, und in der Nähe dieses Fensters steht auf einem Podium ein Stuhl.

Bitte", sagt er, als Tilde eintritt.Bitte dort Platz zu nehmen."

Modell sitzen ist nicht so einfach. Zuerst meint er zwar, sie solle sich nur ruhig so hm'setzen, wie es' ihr gerade bequem fei. Aber dann korrigiert er doch immer wieder an ihr herum, schiebt Vorhänge

hin unb her und sieht mißmutig nach dem Wetter. Melusinen haben ja etwas mit Wasser zu tun, aber soviel zu regnen braucht es auch nicht", knurrt er.

Tilde kann, als sie es ihm endlich recht aemacht hat, auf den Fabrikhof hinaussehen, und sie ent­deckt mancherlei, was sie fesselt. Männer kommen mit langen Brettern, auf denen Tonwaren, von denen sie nicht weiß, ob sie fertig sind oder nicht, aufgebaut sind, Kisten werben aufgeladen. Weiter hinten steht ein Arbeiter in hohen Stieseln vor einem Geröllhaufen und schippt die Brocken auf ein laufendes Band, das sie davonträgt.

Sie kann aber nicht nur die Arbeit beobachten. Sie sieht auch die Uhr, und die Zeiger dieser Uhr kriechen unaufhaltsam weiter. Sie muß mit Berlin sprechen, nein, zuerst muß sie Schiffsführer Apel in Utrln anrufen, und fie kann das nicht von hier aus machen. Sie weiß übechaupt nicht, wie sie es anfangen soll, und beginnt ungeduldig zu werden. Heinz Deetjen ist ganz in seine Arbeit vertieft unb merkt natürlich nichts.

Gegen zehn Uhr tritt Greta Kranick ein, unb weil Deetjen gerabe neuen Ton braucht und hinaus- geht, kann Tilde sich ihr an vertrau en.

Ich muß nachher einmal eine halbe Stunde allein sein", sagt fie. ,Zch muß telephonieren, aber"

Greta versteht. ,^Ich werde es schon einrichten", verspricht sie. #

Und sie hält Wort. Um halb elf ist fie wieder da unb meint, mehr könne man von einem Modell nicht verlangen und Tilde müsse sich, wenn heute überhaupt noch weiter gearbeitet werden solle, etwas hlnlegen.

Also gut, sehen wir uns di« Fabrik an", fügt sich

Anlegen, sagte ich. Sie haben noch nie Modell gestanden, Heinz. Außerdem ermattet Ihr Vater Sie."

Das Komplott glückt, und endlich ist Tilde allein, denn auch Greta hat sich, ohne weitere Fragen zu stellen, zurückgezogen. Sie spttngt von der Eouch, auf die fie sich hat legen müssen, auf unb geht an den Apparat. Glück muß man haben, Schiffsführer Apel ist da, und wenn er auch nicht gleich begreift, was eigentlich von ihm verlangt wird, zuletzt nennt

er doch einen festen Preis, mit dem er etwas an­fangen kann.

Und jetzt Berlin. Es ist Mittagszeit, und die Lei­tung Üft ziemlich besetzt, Es dauert fünfzehn Mi­nuten, zwanzig Minuten. Endlich ein langes Klin­gelzeichen.

Sind Sie da, Holzmann?" fragt Tilde.

Statt der Stimme ihres ehemaligen Kollegen tönt die Hellwigs aus dem Hörer. Tilde hört, daß ber große Ehan überhaupt nicht im Geschäft ist, und aus der Befriedigung, mit der Hellwig ihr das mltteUt, glaubt sie schließen zu können, oaß dies ihm gar nicht so unsympathisch ist.

Guten Morgen, Fräulein Tilde", sagt er. Und bann, als sie ihren Bericht erstattet:Sie sind also in der Näye von diesem Läck>ow?"

Ja, wenigstens'

Dann können mir uns morgen treffen, ich habe morgen in Lüchow zu tun." Er denkt gar nicht mehr daran, daß er vorgestern noch durchaus nicht die Absicht hatte, mit dem Fräulein zu fahren.

Was denn?" fragt Tilde, aber Hellwig über- hört die Frag« oder tut wenigstens so.

Morgen gegen Mittag treffen wir uns", wieder­holt er.Selen Sie doch morgen gegen Mittag In Lüchow."

Das kann ich nicht", ruft ste verzweifelt, aber weil aerobe ein Trommelfeuer im Apparat wütet, versteht er sie wieder nicht.

Morgen mittag. Wenn Sie nicht dort sind, frage ich in der Waldmühle nach. Irgendwo werden wir uns schon finden."

Das Amt schaltet sich ein und fragt an, ob noch gesprochen würde. Hellwig ist wirklich merkwürdig beute. Er läßt Tilde gar nicht ausreden und erklärt einfach, das Gespräch sei beendet. Tilde kann sagen, was sie will: es ist eben beendet.

Morgen wird Hellwig in Lüchow sein und sie. Wenn sie nur wenigstens den großen Ehan als Hllsstruppe hätte 1 Aber der ist nicht zu erreichen.

Es ist zum Verzweifeln.

18.

Gegen Mittag kommt auf Grund der vormittäg­lichen Unterhaltung zwischen Vater und Sohn Paul Deetjen in das Atelier. Er ist ebenso groß wie fein Sohn und erfüllt das Ateiier mit seinem

massigen Körper. Tilde tritt er mit ber unbewußten Ueb er legen!) eit des großen Fabrikanten entgegen unb behandelt sie mit der gleichen überlegenen Duldsamkeit, mit der er auch zu Greta Kl-anlck spricht. Diese liebe riegenbeit ist aber nicht die des großen Herrn, der die Grenzen einer Kaste zur an­deren zieht. Es ist mehr jene, die der Bauer seinen Knechten gegenüber wahrt. Sie ziehen alle an dem gleichen Strange. Aber Herr ist nun einmal Herr, und Hervenforgen kann man nicht aus anOt# Schultern ab wälzen.

Du bist ganz hübsch weit gekommen", sagt er. Unb wenn das kleine Fräule-in den Nachmittag über noch durchhält na, ich denke, wir legen erst mal brühen was Ordentliches vor."

Der Tisch ist für vier Personen gedeckt, und GJreta Kranick übernimmt die Pslichten der Hausfrau Tilde erfährt, baß ble Töchter verheiratet und aus dem Hause sind. Der alte Deetjen spricht von ilni' " freundlich. Aber aus jedem Wort Hingt es heraus, daß er bei der Zukunft des Werkes nur an feinen Sohn denkt. So ist das Gespräch halb aus Unter­haltung, halb auf Fack-slmpelel gestellt, und es bleibt nld)t aus, daß auch von ber Melusine gesprochen wirb.

Wieviel Mobeilarbeit brauchst du denn?" fraat ber Alte und rechnet dabei ungewollt mit Tilde wie mit einem Modell.

Vier bis fünf Sitzungen mindestens", sagt Heinz.

Dann wäre es das (9cfd)citefte, wenn Fräulein Rohloff ihre Fetten hier verbrächte. Man kann doch aud) hier paddeln."

Tilde erschttrft.Das ist unmöglich."

Paul Deetjen nimmt es als Verlegenheit.Na, so ganz unmöglich wäre es schließlich nldst."

Tilde flicht verzweifelt nach einer Ausrede, und endlich fällt ihr die nächstliegende ein.Ich bin doch eigentlich auf Urlaub gefahren", sagt sie.

Sie merkt, daß Heinz es anders airffaßt als sein Vater. Wenn sie nachher allein sind, wird er In sie bringen. Er wird von Kameradschaft sprechen und den Begttff einer Freundschaft ins Feld führen, mag sie auch so jung sein wie fie will. Der Vater weiß davon nichts.

Nun, es wird sich schon regeln lassen", meint er unb geht darüber hinweg.

(Fortsetzung folgt.)