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6.8.1940
 
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Dienstag, b. August M0

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190. Jahrgang Ur. 184 W" j

Gietzener Anzeiger

vrühlsche Universttatrdnlckerei 8. tauge General-Anzeiger für Oberhessen riehen, Zchulstrahe 7-9

Zwischen Saarbrücken und Mülhausen

Von unserem X p.-Sonderkorrespondenien.

Das englischeVolk hungert nachWayrheit

frankreich verschleppt worden. Nicht in allen Fällen hat man Nachricht von ihnen. Tausende von Elsässern und Lothringern wurden in Konzen­trationslager gesteckt und in würdelosester Weise behandelt. Sie kehrten jetzt auf Beschluß der Waffen­stillstandskommission in die Heimat zurück. Ob sie bereits alle der französischen Gewalt entronnen sind, läßt sich noch gar nicht feststellen. Jedenfalls haben die Franzosen erkennen müssen, daß trotz ihrer Ber- drängungspolitik seit 1919 das Deutschtum in Elsaß- Lothringen nicht vernichtet werden konnte. Die Tat­sache z. B., daß die Umgangssprache des größten Teils der elsaß-lothringischen Bevölkerung Deutsch ist, mußte die französische Verwaltung daourch aner­kennen, daß sie von ihrer ersten Forderung, die Straßen- und Firmenschilder im gesamten annek­tierten Gebiet nur französisch zu beschriften, abging und die Doppelbeschriftung, Französisch und Deutsch, zulassen mußte.

Für die vertriebene wie für die zurückgebliebene Bevölkerung des Elsaß' kam in den Junitagen der Umschwung reichlich überraschend, so daß sie sich erst auf sich selb st besinnen mußte. Dann aber brach die Freude über die Wendung der Dinge geradezu elementar hervor. Die gewaltigen Kund­gebungen, die in diesen Tagen u. a. in Straß­burg, Kolmar, Mülhausen usw. gelegentlich der Be­freiungsfahrt der elsässischen Führer stattfanden, haben das Band zum alten deutschen Mutterland neu und fest geknüpft, das Poincarä 1918 für die Ewig­keit zerrissen glaubte. Inzwischen hat die Bevölke­rung durch die Tätigkeit der deutschen Zivil- und Militärbehörden bereits kennengelernt, welcher Geist das neue Deutschland erfüllt, sie hat festgestellt, daß man ihr von demHitler-Deutschland" ein völlig ver­zerrtes und unwahres Bild gezeichnet hatte. Die Em­sigkeit, mit der die Bevölkerung des Elsaß' an die Arbeit ging, das Glück, das ihr aus den Augen strahlt, sind stärkster Beweis für den Willen, an dem Wiederaufbau ihrer schönen elsässischen Heimat mit vollem Einsatz mitzuhelfen.

sämtlicher Verkehrswege und Verbindungen noch nicht in vollem Umfang sichergestellt, zum andern mußten erst in den Häusern die Gasleitungen rest­los überprüft werden, um Unglücksfälle zu vermei­den. Das ist jetzt in größerem Umfange bereits geschehen.

Wenn die Franzosen in diesem Krieg sich hervor­getan haben, dann auf dem Gebiet sinnloser Sprengungen. Daß es ihnen nicht geglückt ist, sämtliche Fluß-, Kanal- und Eisenbahnbrücken zu zerstören, war lediglich eine Folge des schnellen Vor­marsches der Deutschen. Rücksichtnahme auf die Be­völkerung haben die Franzosen nicht geübt. In und um Straßburg ist jedenfalls der größte Teil aller Brücken befehlsgemäß durch die Franzosen gesprengt worden. Wenn man hierbei Sprengladungen an­wandte, die das Hundertfache des Notwendigen be­trugen, so beweist das, daß sie damit die Bevöl­kerung s e l b st treffen wollten.

Auf die Zerstörung aller Verkehrs­wege ist es auch zurückzuführen, daß eine schnelle Rückführung der Flüchtlinge nicht erfolgen konnte. Denn bevor der große Flüchtbingsstrom wieder in die Städte und Dörfer zurückgeleitet werden konnte, mußten die Voraussetzungen für die Sicherstellung ihrer Versorgung geschaffen werden. Das war so lange nicht möglich, so lange infolge der Sprengung fast aller Eisenbahnbrücken durch die Franzosen der Eisenbahnverkehr noch ruhte. Inzwischen sind zahl­reiche Eifenbahnstrecken durch den Einsatz unserer Eisenbahn- und Baupioniere, durch die Organisation Todt usw. wieder in Gang gesetzt worden, so daß die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt ist.

Der größte Teil der evakuierten Bevölkerung Straßburgs wie auch im Elsaß ist nach Süd-

HI.

Den deutschen Charakter des Elsaß und Lothringens haben die Franzosen trotz aller Sprachen- und Schilderverordnungen nicht verwischen können. Auch die militärische Dienstzeit, der die elsaß-lothringische Jugend unterworfen war, hat an dieser Tatsache nichts geändert. Die Gene­ration, die in diesem Kriege auf französischer Seite kämpfen mußte, spricht nicht nur deutsch, sondern bezeichnet das Deutsche als ihre Muttersprache. Das stellt man bei jeder Unterhaltung fest, die man mit der Bevölkerung aus den Gebieten der Magi- nollinie führt. Es wirkt schon eigenartig, wenn man sich mitfranzösischen . Soldaten" unterhält, die in Rede und Gegenrede nicht ein ein­ziges Mal über einen deutschen Ausdruck stolpern oder nach einer Wortbezeichnung suchen. Es handelt sich um Volksdeutsche Elsaß - Loth­ringens, die in der französischen Armee kämpf­ten, in deutsche Gefangenschaft gerieten und nun in ihre Heimat entlassen wurden. Man trifft unter ihnen auch solche, die den Weltkrieg auf deutscher Seite mitmachten; mancher von die­sen hat jetzt sein Eisernes Kreuz hervorge­holt, das er während der Franzosenzeit sorgfältig verborgen halten mußte.

Diese aus der Gefangenschaft entlassenen Volks­deutschen Elsaß-Lothringer waren vielfach die ersten Bewohner, die in die evakuierten Städte und Dör­fer chrer elsaß-lothringischen Heimat zurückkehrten. Unter diesen sind viele, die noch wenige Wochen vorher zur Besatzung der Maginotlinie gehörten. Wie uns verschiedentlich versichert wurde, setzten sich die französischen Festungstruppen bis zu 40 v. H. aus den elsaß-lothringischen Ersatzgebieten zusam­men. Bei der Verteilung auf die einzelnen Zonen der Maginotbefestigungen haben die Franzosen gern die Soldaten aus der unmittelbaren Gegend der einzelnen Derteidigungsgruppen berücksichtigt, um aus deren Ortskenntnis bei der Derteidi-

Erfolglose Suche nach deutschen Flugblättern.

gung. Nutzen zu ziehen. So erzählte uns ein deut­scher Hauptmann, dessen Kompanie an der Erobe­rung einer Werkgruppe beteiligt war und nun diese Gruppe besetzt hat, u. a. folgendes:

Dor wenigen Tagen meldete sich bei mir ein Mann in französischer Uniform, der sich als der Bür­ge r m e i ft e r des naheliegenden Dorfes Z. vorstellte. Dieser erklärte mir, er habe zur Ver­teidigung dieses Werkes gehört. Die Besatzung habe damals schon zwei Tage von dem Einbruch der Deutschen in die Maginotlinie ihrem Kapitän die U eb ergäb e des Werkes vorgeschlagen, der das aber abgelehnt habe und Verteidigung bis zum Letzten verlangt habe. Die deutschen Angreifer seien dann aber so plötzlich in das Werk eingedrungen, daß auch der zähe st e Wider st and nichts genützt hätte. Die ganze Besatzung sei einschließ­lich der Franzosen aus dem Inland zufrieden ge­wesen, als für sie der Krieg aus war. Der be­treffende Lothringer bot dann dem Hauptmann an, daß er ihm das ganze Werk in feinen Einzelheiten zeigen wolle, die ihm wahrscheinlich doch noch nicht olle bekannt sein würden. Bet diesem volksdeutschen Lothringer handelt es sich nicht um einen Einzel­fall, vielmehr war der größte Teil der lothringi­schen Besatzung dieser Werkgruppe in den Dörfern der nächsten Umgebung beheimatet.

Die von den französischen Plutokraten erzwungene Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland mußte sich selbstverständlich auch im deutschen Elsaß auswirken. Mit dem Beginn des Baues der Maginot­linie wurde die Bevölkerung dieses Landes nicht nur in ihrer wirtschaftlichen Betätigung gehindert, son­dern auch in weitgehendem Maße in ihrer persön­lichen Freiheit eingeengt. Gleichzeitig machten sich im­mer stärker jene französischen Heißsporne bemerkbar, die schon unmittelbar nach Ausbruch des Weltkrieges bemüht gewesen waren, die deutschbewußten Elsässer aus ihrer Heimat zu vertreiben. Man verdächtigte sie der Spionage, was schließlich auch den franzö­sischen Behörden einen Grund gab, die Deutsch-El­sässer unter Ausnahmerecht zu stellen. Die Erschießung des Altelsässers Roos war der Auftakt für die erste Verhaftungswelle gegen alle deutsch- gesinnten Elsässer. Mit der Evakuierung des Opera­tionsgebietes fand der Deutschenhaß seine stärkste Auswirkung. Er richtete sich gegen die Wohnungen und gegen die Wohnungseinrichtungen der evakuier­ten Deutsch-Elsässer. Jedenfalls beweist die Tatsache, daß der größte Teil dieser Wohnungen zerstört oder ausgeplündert worden ist, daß hier nach einem wohlüberlegten Plan gearbeitet wor­den ist.

Es ist selbstverständlich, daß die deutsche Zivil­verwaltung, die jetzt in allen Gebieten des einstigen Reichslandes ihre Tätigkeit ausgenommen hat, sich in engster Zusammenarbeit mit den Parteiorgani­sationen und ihren Gliederungen dieser deutsch- elsässischen Flüchtlinge in jeder Weise annimmt. Die größten Schwierigkeiten ergeben sich hierbei i n Straßburg, das schon bald nach Beginn des Krieges restlos evakuiert worden ist. Durch die Ein­wirkungen des harten Winters und durch das sinn­lose Zerstörungswerk der Franzosen vor ihrem Ab­zug ist diese schöne, alte, urdeutsche Stadt in einen Zustand gebracht worden, der nicht von heute aus morgen geordnete Verhältnisse zurückkehren läßt.

Die Franzosen hatten das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk durch umfassende Sprengungen unbrauchbar gemacht. Hier haben nach dem Einzug der deutschen Truppen nach einem genauen, vom Chef der Zivilverwaltung ausgearbeiteten Plan die Technische Nothilfe, die Organisation Todt, der Reichsarbeitsdienst und beim Bau von Notbrücken deutsche Pionierabteilungen bereits so weit den Auf­bau bewerkstelligt, daß £ie Wasserzufuhr bis zu den Häusern im wesentlichen in Ordnung ist. Die Strom- zufuhr ist durch Anschluß an Baden sichergestellt. Die Inbetriebnahme des Gaswerkes mußte sich zwangsweise verzögern: Einmal war die regel­mäßige Kohlenzufuhr durch die sinnlose Zerstörung

Rom, 6. Aug. (Europapreß.) lieber die Stim­mung in England meldet die Agenzia Stefani aus London, die strengen Maßnahmen der englischen Regierung gegen die Verbreitung der von deutschen Fliegern in Massen abgeworfenen Flugblätter, durch die die englische Bevölkerung über die wahre internationale Lage aufgeklärt werde, seien er­folglos geblieben. Sie hätten sogar die gegen­teilige Wirkung gehabt. Die Neugierde der Bevölke­rung sei nur noch mehr erregt worden. Nur sehr wenige Exemplare dieser Flugblätter, von denen viele Tausend abgeworfen worden seien, wären den Behörden übergeben worden. Don geschäftstüchtigen Leuten werde jetzt sogar mit den Flugzetteln ein sehr schwunghafter Handel getrieben.

Der Wunsch der englischen Bevölkerung, über die Lage aufgeklärt zu werden, zeige sich in vielfacher Weise. Das Jnformationsministerium werde in Tausenden von Zuschriften mit Anfragen über­schwemmt. Entweder antworte dies Ministerium in großsprecherischer Weise oder es hülle sich in Schwei­gen, wodurch die allgemeine Unzufriedenheit natür­lich nur noch vermehrt werde. Sehr gespannt wür­den die von dem Minister Greenwood, für Mittwoch angekündigten Erklärungen im englischen Unterhaus über die Wirtschaftspolitik der Regierung in der englischen Öffentlichkeit erwartet. Dieses große Interesse werde durch die sich immer mehr verschlechternde wirtschaftliche Lage der Be­völkerung erklärlich.

ImSunday Expreß" wird ausgeführt, daß das britische Innenministerium wahrscheinlich in aller-

DNB.... 5. August. (PK.) Einsatzbesprechung: Angriff auf Hafen und Dockanlagen, Industrien) erke, Flakstellungen und Flugplätze in Nord- und Süd- Schottland. Die Taktik der Angrifte wird soldatisch kurz durchgesprochen, dann wendet sich der Staffel­kapitän zum Flieger Winter:Sie bleiben heute zu­hause, für Sie stiegt der Kriegsberichter mit!" Der einsatzhungrige, prächtige Junge tut mir leid, er hatte sich schon so gefreut. Winter macht eine zackige Kehrtwendung, auf seinem Gesicht steht zu lesen: Warum ausgerechnet ich?"Das nächstemal...", vertröstet ihn sein Kommandant.

Kurz darauf ist unsere brave He. 111 auf 1000 Meter gefliegen, von unten ragen die steilen Grate der majestätischen norwegischen Berge hoch. Norwegisches Land. Mattrote Helle glüht von We­sten her, wir fliegen der untergehenden Sonne ent­gegen über See, auf der weiße Schaumberge tan­zen. Ein Blick auf das Schaltbrett: Zehn Minuten noch, und wir müssen an der englischen Küste fein. Unten, Tausende von Metern über Land, in gähnender Tiefe ein milchig-grauer Wol­kenteppich. Längst sind die Gesichter der fliegenden Männer halb verdeckt von der Sauerstoffmaske, deren Schläuche zum Sauerstoffgerät führen. Uner­müdlich klettert unsere He. 111 der Stratosphäre zu, an den Flanken das Wahrzeichen der Staffel, der Dreizack mit dem springenden Tiger.

Wenige Minuten noch, und über Schottland ist Mitternacht, die Wolkendecke verschwindet lang­sam, die Lust wird voll von Nebelkügelchen. Der Weg führt in die Bucht des Firth of Forth, der sich teilweise in einer Breite von 27 Kilometer 82 Kilometer lang ins Innere Schott­lands hinein,31 ebt. Irgendwo liegt hier die gewaltige Hochbrücke, die den Firth of Forth an seiner schmälsten Stelle überspannt.

Unser erstes Ziel aber führt bis zur Westküste. Ruhig fliegt unser Flugzeug Kurs. 30 Sekunden später beginnt ein Höllentanz: Schottland macht Lu ftalarm. Wie ein glühendes Spinnennetz

nächster Zeit geteilt werden müsse. DasMi­nisterium für innere Sicherheit" werde wahrscheinlich vom eigentlichen Innenministerium ab getrennt, da ersteres ungeheuere Aufgaben zu erfüllen habe. Welcher Art diese ungeheueren Auf­gaben fein werden, läßt sich leicht denken. Ein Mi­nisteriumfür die innere Sicherheit" oder, wie man es auch nennen fön ne zfür die Unterdrückung der öffentlichen Meinung", benötigt in England sicher­lich einen großen Apparat von Beamten, der Wunsch, dies Ministerium selbständig zu machen, ist daher verständlich.

Schwere Verluste der englischen Handelsmarine.

R 0 m, 6. Aug. (Europapreß.) Die Agenzia Stefani berichtet aus Vichy, der aus London nach Frankreich zurückgekehrte französische Journalist Claude B l a n - ch a r d habe erklärt, daß die englische Handelsmarine, insbesondere in den letzten beiden Monaten, außer­ordentlich schwere Schläge erlitten habe. Der eng­lische Seeverkehr sei derart herabgedrückt, daß in den englischen Schiffahrtskreisen die größten Besorg­nisse gehegt würden. Auf der Heimreise an Bord des DampfersOrduna" sei während zweier Reise­tage auf der Fahrt längs der Küsten Irlands fein einziges nach England steuerndes oder von Eng­land kommendes Schiff gesichtet worden. Erst bei der Annäherung an die Küste Portugals fei dieOr­duna" Fischerbooten begegnet.

zerreißen zahlreiche Strahlenbündel den nächtlichen Himmel, blenden zu uns herauf, um den Angrei­fer zu erhaschen und als winzig leuchtendes Ziel für die wütend feuernde Flak festzuhalten. Vergeblich die Suche im endlosen Luftraum. Wenn der Licht­schein auch einmal für Sekunden die Flügel streift, bringt unser Flugzeugführer mit einer schnellen Kurve die Maschine zurück ins Dunkel der Nacht. Scheinwerfer erreichen die 111 von Strahl zu Strahl weiter, an einer Stelle zähle ich Steuerbord allein 34. Fünf Augenpaare starren in strahlende Helle, dann wieder in finsterste Nacht.

Sekunden bleiben wir im grellen Scheinwerfer- licht. Aus dem Bordtelephon spricht der Heckschütze ruhig und gelassen:Nachtjäger von ach­tern!" Gleich darauf zischen Leuchtspurgarben backbord an uns vorbei. Alle MG. richten sich auf den nur schemenhaft erkennbaren Gegner. Sekunden verrinnen, die Silhouette des Jägers verschwindet, unser Pilot braust dem Briten davon, im Dunkel der Nacht über Schottland. Kaum taucht die brave 111 bei Edinburgh, Glasgow, Carlisle und später Aberdeen auf, da folgen Nachtjäger dem deutschen Bomber. Immer wieder das gleiche prickelnde Katz- und Mausspiel.

Wir sind vor Aberdeen, auf dem Flug zu den Hafenanlagen, für die unsere stählernenGrüße" bestimmt sind, schwere, mittlere und kleine Kaliber, dazu noch Brandbomben, eine schwere Last. Der Flugzeugführer drückt den Steuerknüppel, wir gehen auf Tiefe, über dem Zielgerät liegt der Be­obachter, unten dicht am Wasser unser Ziel. Jeder Wurf soll sitzen. Achtung, da stürzen die Bom­ben, krachend schlagen die stählernen Geschosse auf, Sekunden später lodern die Flammen der detonier­ten Bomben empor, Granate auf Granate schlägt ins Ziel, ein Stahlhagel entlädt sich über Aberdeen, Der Himmel rötet sich vom Wider­schein der auflodernden Brände. Rauch und Qualm verschwinden für Sekundenbruchteile in züngelnden Flammen: weiß, rot, blauviolett.

Mit deutschen Bombern über Schottland.

Vor dem Cndkampf.

Von Fregattenkapitän Mohr.

Der Entscheidungskampf mit England steht bevor. Im letzten Kriege konnte er trotz starker Flotte nicht durchgeführt werden, weil die geographisch-strategi­schen Voraussetzungen fehlten. Der schmale Streifen der belgischen Küste, den wir damals besaßen,.und der nur zwei Stützpunkte bot, beide obendrein nur für leichte Streitkräfte bis zum Zerstörer und für U-Boote geeignet, konnte uns zwar solange die Straße DoverCalais nicht wirksam geschlossen war eine gewisse Erleichterung des U-Boot-Krie­ges verschaffen, nicht aber den Absprung für große Flottenoperationen. Im Norden riegelte die vom Hauptstützpunkt der britischen Flotte in Scapa Flow leicht zu überwachende Enge zwischen den Shetlands und Bergen die Deutsche Bucht ab. Norwegen und Dänemark waren neutral, eine weitreichende Luft­waffe existierte noch nicht.

Das alles ist heute anders. Von Drontheim bis Bordeaux hat Deutschland neue st r a t e g i s ch s Stellungen bezogen, und vom Nordmeer bis zum Atlantik spannt sich der Bogen, in dessen Brennpunkt die britischen Inseln liegen. Im Mit« telmeer ist das westliche Becken bereits ein ita­lienisches Meer. Gibraltar hat unter dem Ein­fluß des italienischen Krieges und der Haltung Spa­niens alsnichtkriegführende Macht" feine alte Be­deutung als Torwächter am Eingang des Mittel­meeres eingebüßt. Die britische Flotte im östlichen Mittelmeer besitzt angesichts der Bedrohung durch die italienische Luft- und U-Boot-Waffe keine volle Be­wegungsfreiheit mehr. Der Seekrieg, den England beguem aus de r Ferne und unter geringstmög­lichem Einsatz an Material und Personal auch dies­mal wieder zu führen gedachte, ist für die Briten eine äußerst ernsthafte Angelegenheit geworden. Die bri­tische Seestrategie, seit dem Weltkriege auf Fern­blockade und Schutz des eigenen Handels eingestellt, hat unter der deutschen Waffenwirkung Schiffbruch erlitten.

Auch die langjährige traditionsgebundene Politik Großbritanniens als Ringmacht die westlichen, nördlichen, östlichen und südöstlichen Nachbarn Deutschlands in sein System einzugliedern, ist durch die deutschen Waffen unwirksam geworden und zer­schlagen. Das britische Jnselreich muß sich umstellen, und zwar gründlich umstellen. Es weiß dennoch kei­nen Ausweg aus der in Umklammerung und Gegenblockade gewandelten Lage und ahnt die

Lähmendes Entsetzen in Aberdeen, aufgeregt fah­ren einige Scheinwerfer wie dünne Spinnenbeine in die Höhe, tasten durch den dunklen schweigenden Raum, heften sich sekundenlang an unsere Fersen sie finden uns nicht. Zwei Kurven noch, jeder will noch einmal das Feuerwerk sehen. Dann steuern wir Kurs Heimat, wieder verfolgt von Nachtjägern, die sich aber nach und nach in der Dunkelheit verlieren. Heber Norwegen graut bereit der Morgen, unsere Heinkel rollt über eine starke Wolkendecke, aus -der zeitweise Bergketten herausragen. Wir stoßen durch, Richtung Fliegerhorst.

' Günther Bohlscheid.

Der Wehrniachlsberichl vom Montag.

Berlin, 5. Aug. (DRV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Luftwaffe klärte am 4. August über England, Schottland und dem vorgelagerten Seegebiet auf. hierbei wurde ein Handelsschiff am Aus­gang des St.-Georg Kanals, etwa 100 Kilometer südwestlich Pembrokes, versenkt.

In der Nacht zum 5. August griffen unsere Kampfflugzeuge die Schiffswerft Sheer- neß, die Tanklager und Flakstellungen bei North-Killingholm sowie Flakstellungen bei Thameshoven an.

Einige britische Flugzeuge flogen in der Nacht in Westdeutschland ein und warfen einige Bomben. Neben geringfügigem GebÄudeschaden wurde ein Bauerngehöft im Kreise Borken in Brand gesetzt. Eine Zivilperson kam ums Leben.

Das (Schicksal der,,Aüantara"

Unbequeme Fragesteller werden an die Luft gesetzt.

Stockholm, 6. August. (DNB.) Der englische 22 000-Tonnen-HilfskreuzerAlcantara" hat am Montagmorgen Ri0 de Janeiro verlassen. Die Alcantara hatte vor einigen Tagen im Süd- atlantif ein Gefecht mit einem deutschen Hilfskreuzer, wobei das überlegene, stark be° waftnete englische Schift schwere Treffer erhielt, fo daß es den Kampf abbrechen und im Hafen von Rio Zuflucht suchen mußte, während der deutsche Hilfskreuzer seine Fahrt zur Durchführung seiner Aufgaben planmäßig fortsetzte.

Bei einem 'Empfang an Bord derAlcantara" stellte nun ein brasilianischer Pressevertreter nach dem Verlesen des amtlichen englischen Kommuniguss die für die Briten unangenehme Frage, warum eigentlich darin von einem Sieg derAlcan­tara" gesprochen werde, da sie doch ohne eine Reparatur in Rio die Fahrt überhaupt nicht hätte fortsetzen können, und die endgültigen Reparaturarbeiten sogar erst in einem englischen Hafen oorgenommen werden müßten. Dagegen habe doch das deutsche Schiff nach dem Gefecht we­der den Hafen von Rio noch einen anderen Hafen angelaufen, sondern seine Fahrt planmäßig fortge­setzt. Leider hat der brasilianische Fragesteller keine Antwort des britischen Offiziers bekommen, er ist vielmehr durch englische Matrosen unsanft von Bord befördert worden.