Ausgabe 
6.5.1940
 
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Mitteln gingen über das gesetzliche Soll sowohl der Bar-, als auch der Gesamt-Liquidität hinaus.

Die Zinssätze blieben im Geschäftsjahr unver­ändert.

Der Geschästsertrag des Jahres 1939 bot die Möglichkeit, den in der Vorjahresbilanz mit 75 000 RM. ausgewiesenen Grundbesitz auf einen Erinne­rungswert von 1 RM. für jedes Anwesen abzu­schreiben. Auch die erworbenen Einrichtungsgegen­stände erscheinen am Ende des Jahres nur noch mit 1 RM. zu Buch.

Der verbleibende Reingewinn in Höhe von 75 959,13 RM. wurde der gesetzlichen Sicherheits­rücklage zugeführt.

Die Gefolgschaft der Sparkasse hat auch im Be­richtsjahr mit bestem persönlichen Einsatz ihre Ar- beit im Dienste des Betriebes geleistet und war den an sie ^gestellten Anforderungen in jeder Hinsicht gewachsen. Dies gilt besonders für die Zeit seit Kriegsbeginn, nachdem ein großer Teil der Gefolg­schaftsmitglieder in den Reihen der Wehrmacht ihre Pflicht erfüllen muß, ohne daß bis zum Ablauf des Berichtsjahres Ersatzkräfte hierfür eingestellt worden sind.

Neu wurde die zusätzliche Altersversicherung im Berichtsjahr eingeführt, während die Gewährung von Beihilfen usw. sich im seitherigen Rahmen hielt.

Die Organisation des Betriebes hatte schon zu Beginn des Jahres im wesentlichen die angestrebten Formen erhalten. Im abgelaufenen Jahr hatte ins­besondere die Umstellung der Kontokorrentbuchhal­tung ihre Eignung bewiesen.

Die Sicherheit des Betriebes wurde in den ver- iiangenen Jahren durch die Bilanzprüfung der Prü- ungsstelle des hessischen Sparkassenverbandes, die atzungsmäßigen Prüfungen des Verwaltungsrates und innerbetrieblich durch die laufenden Prüfungen der Jnnenrevision gewährleistet.

Besondere Würdigung verdient die selbstlose Tätigkeit der Derwaltungsratsmitglieder, die in Zu­sammenarbeit mit den anderen Organen der Spar­kasse wie seither reibungslos, und stets von der Ver­pflichtung gegenüber den Belangen der Allgemein­heit getragen, gearbeitet haben.

Bemerkenswert scheinen die weiteren Feststellun­gen des Sparkassenleiters, woraus zu entnehmen ist, daß die Spareinlagen und sonstigen Einlagen im Laufe des Jahres 1940 inzwischen eine Steige­rung erfahren haben, wie sie noch nie seit Bestehen der Sparkasse zu verzeichnen war.

Mit besonderem Interesse wurde von der Ver­sammlung zur Kenntnis genommen, daß der Ver­waltungsrat beschlossen hat, die Zinssätze für Kre­dite und Darlehen für Gemeinden und öffentlich- rechtliche Körperschaften mit Wirkung vom l.Juli dieses Jahres ab auf 4Vi v. H. herabzusetzen.

Eine Satzungsänderung.

Im Laufe der Sitzung beschloß die Mitglieder­versammlung, die Satzung der Sparkasse dahin­gehend zu ändern, daß die Sparkasse in Zukunft Darlehen gegen Schuldschein oder Kredite in lfd. Rechnung ohne satzungsmäßige Sicherheit (Blanko- kredite) im Einzelfall bis zu 3000 RM. zur Förde­rung besonderer, von der obersten Aufsichtsbehörde als volkswirtschaftlich wichtig anerkannter Aufgaben im Einzelfall bis zu 5000 RM. bewilligen kann. Diese Kredite sollen ehrbare, fachlich tüchtige und zuverlässige Gewerbetreibende in die Lage versetzen, bestehenoe Lieferantenkredite abzulösen oder den Bezug von Waren bar zu bezahlen.

Anerkennung für die Arbeit der Sparkasse.

Der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Landrat Dr. Lotz, und der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Oberbürgermeister Ritter, erkannten beide die Arbeit der Sparkasse an. Während Landrat Dr. L o tz in seinen Ausführungen Betrachtungen über die Stellung der Sparkasse in der Volkswirtschaft anstellte, gab Oberbürgermeister Ritter eine dar­über hinausgehende kurze politische Umschau.

40 Jahre Garde-Kameradschaft Gießen

Die Garde-Kameradschaft Gießen beginn ihr 40jähriges Bestehen am Samstag mit einem schlich­ten Appell im Hotel Prinz Earl. Kameradschafts­führer Karl R e i ch a r dt konnte dazu eine stattliche Anzahl Kameraden begrüßen. Er gab zunächst einen Rückblick auf die Entwicklung der am 23. April 1900 als Garde-Verein gegründeten Kameradschaft. Wie er hervorhob, hat die Kameradschaft noch eine Anzahl Mitgründer in ihren Reihen. Den verstor­benen und gefallenen Kameraden, sowie allen, die für Deutschland fielen, wurde ein stilles Gedenken gewidmet. Wie der Kameradschaftsführer berichten konnte, hat die Garde-Kamerardschaft gute Be­ziehungen zu anderen Kameradschaften, wie Wetz­lar, Marburg usw. Durch Zuzug hat sich auch in letzter Zeit noch die Kameradschaft verstärkt. Auch in den letzten Jahren stand die Garde im Schieß­wesen, beim Sammeln für das WHW. usw. mit an erster Stelle.

Anläßlich des Jubiläums sind den Mitgründern durch den Reichskriegerführer, General Rein­hardt, der als letzter Kommandeur des 4. Garde- Regiments einer der Ihrigen ist, für 40jährige treue Mitgliedschaft die goldenen Ehrennadeln des NS.- Reichskriegerbundes verliehen worden, die der Ka- meradschaftsführer mit herzlichen Dankesworten überreichte. Gleichzeitig erhielt Kamerad Oberst a. D. Kock anläßlich seines 50jährigen Offiziersjubi­läums die goldene Ehrennadel. Die Mitbegründer sind: Georg Becker, Karl Lotz, Adolf Hoff­mann, der 40 Jahre Schriftführer ist, Karl Merzhäufer, Karl G e r l a ch , der langjährige Fahnenträger Hans P r e i ß, Heinrich Schnabel, Adolf Denninghoff, Hans Schweiger, Gustav Hamann und der frühere Vorsitzende Alexander Ringel. Die gleiche Auszeichnung er­hielten die Kameraden Karl K e ck s e l, ein frühe­rerAugustaner", Wilhelm Krämer, der einzige Kamerad, der dem Garde du Corps angehörte, so­wie Heinrich Schleifer. Die silberne Ehrennadel für 25jährige treue Mitgliedschaft erhielten die Ka­meraden Vetter, der stellvertretende Kamerad­schaftsführer, Adolf Kramer, der seit 15 Jahren Kassenwart ist, Heinrich Schmelz, Dr. N e u-> mann-Spengel, W. Klapp, Nitsch- ko w s k i und der Kameradschaftsführer Karl R e i ch a r d t.

Kamerad Oberst a. D. K o ck, der den Dank der aus­gezeichneten Kameraden übermittelte, hielt dann einen Vortrag über den tiefen Sinn des Begriffes Tradi­tion, wie er der Garde vorschwebte und heute in der Wehrmacht fortlebt.

Der Kameradschaftsführer berichtete dann über die Erfolge im Schießwesen. Im letzten Jahre wur­den zwei goldene, drei kleine Ehrennadeln und vier bronzene Nadeln ausgeschossen. Weiterhin berichtete er, daß die Garde-Kameradschaft die Spitze ihrer Traditionsfahne mit den Metallbeschlägen der Me­tallspende zugeführt hat.

Kamerad Oberst a. D. Kock erzählte anschließend Reiseerlebnisse im südlichen norwegischen Gebiet, in

dem in den letzten Tagen unsere Truppen ausge­zeichnete Erfolge errungen haben.

Der Appell wurde hierauf in üblicher Weise be­schlossen.

Ab 1. Oktober 1940 rotes Schlußlicht an Fahrrädern.

Der Reichsminister des Innern hat eine Ver­ordnung erlassen, nach der alle Fahrräder ab 1. Ok­tober 1940 eine rotes Schlußlicht führen müssen. Die Verordnung gilt für das gesamte Reichsgebiet mit Ausnahme der eingegliederten Ostgebiete, in denen ihre Einführung einem späteren Zeitpunkte vorbehalten bleibt. Vorerst wird noch nicht zwin­gend ein elektrisches Schlußlicht verlangt; auch durch die Führung roter Sturmlaternen wird der Verordnung genügt. Dies ist für zahlreiche, vor allem auf dem Lande noch vorhandene, Fahrräder ohne Lichtmaschine von Bedeutung. Der Zeitpunkt, zu dem die noch im Gebrauch befindlichen Schluß­lichter durch vorschriftsmäßige elektrische Schluß­lichter ersetzt werden müssen, wird durch die Phy­sikalisch-Technische Reichsanstalt, durch die eine ge­naue Prüfung vorgeschrieben ist, bekanntgegeben werden. Die Schlußlichter sind mit einem Rück­strahler kombiniert, so daß sie nach Verlöschen der Lichtquelle noch als Rückstrahler wirken. Elektrische Schlußlichter, die diesen Anforderungen nicht ent­sprechen, dürfen jedoch vorerst weiter benutzt wer­den. An allen neu in den Verkehr gelangenden Fahrrädern muß neben dem Schlußlicht auch noch der Pedalrückstrahler geführt werden. Die Notwen­digkeit zu dieser in erster Linie im Interesse der Sicherheit der Radfahrer liegenden Maßnahme hat sich unter den Auswirkungen der Verdunklung er­geben.

Dorsichtsmaßregeln bei Gewitter.

Maigewitter pflegen besonders schwer zu fein. Die Luft nimmt durch starke elektrische Entladungen ein Reinigungsbad. Wenn aber der Donner auch noch so sehr grollt, ist immer noch nicht Grund zu Furcht und Schrecken. Trotzdem soll man die nötigen Vorsichtsmaßregeln nicht versäumen. « Ein Blitzab­leiter auf dem Hause schützt dieses gegen jeden Wet­terstrahl, doch muß der Leiter auch immer richtig in Ordnung fein. Innerhalb des Hauses vermeide man bei Gewittern immer die Nähe von Defen,

Spiegeln, Kaminen und Kronleuchtern. Auch das Feuer auf dem Herde schränke man ein. Zugluft verhindere man, sorge aber auch für frische Luft im Zimmer. Ist man während des Gewitters auf der Straße, so entferne man sich von allen hoch­ragenden Gegenständen und gehe ruhig seines Weges. Stellt man sich an einem Hause unter, so tue man das nicht in der Nähe der Dachrinne. Auf freiem Lande gehe man langsam und nicht mit hastigen Schritten, man spanne auch keinen Schirm auf. Daß man sich nicht unter Bäume stellt, ist all­gemein bekannt.

* Lehrwanderungen. Die Arbeitsgemein­schaftBiologie" des NSLB. führte am gestrigen Sonntag bei guter Beteiligung in guter Stimmung ihre zweite Lehrwanderung in den Bergwerkswald aus. Die fach- und fachkundliche Führung hatte Dr. Völker vom Zoologischen Institut übernom­men. Mit Interesse lauschten die Teilnehmer den Vogelstimmen des deutschen Waldes". Besondere Aufmerksamkeit zogen Girlitz, Goldammer, Gold­hähnchen, verschiedene Arten Grasmücken und Laub­sänger, sowie die Singdrossel auf sich. Ein Hochgenuß war es, dem Schlag der Waldkönigin, Frau Nachti­gall, in nächster Nähe zu lauschen. Die nächste Lehr­wanderung findet am Samstag, 18. Mai, statt. Treffpunkt: Universitätsbibliothek. Zeit: 17.15 Uhr. Führung: Dr. Völker.

Amtsgericht Gießen.

Der W. M. in Frankfurt a. M. hatte wegen Unterschlagung einen Strafbefehl über vier Monate Gefängnis erhalten. Es wurde ihm zur Last gelegt, ein fremdes Damenfahrrad, das auf unaufgeklärte Weife in feine Reparaturwerkstatt gelangt und dort etwa V« Jahr lang verwahrt worden war, für 15, RM. verkauft zu haben. Gegen den Strafbe­fehl legte M. Einspruch ein.

Der Anklagevertreter beantragte Verurteilung ge­mäß Strafbefehl. Der Verteidiger beantragte Frei­sprechung. Der Angeklagte habe sich zum Verkauf berechtigt geglaubt, und ein Schaden sei der Eigen­tümerin, die das Rad zurückerhalten habe, nicht ent­standen. Der Angeklagte wurde wegen Unterschla­gung zu drei Monaten Gefängnis ver­urteilt. Sttaferschwerend wirkten die Vorstrafen des Angeklagten, strafmildernd der Umstand, daß ein Schaden nicht entstanden ist.

9 Ji.-spott

Fußball der Bezirlsklaffe Gießen.

VfV.Reichsbahn I. FL. Burgsolms L 4:2 (2:1).

Das Spiel der Grünweißen auf dem Waldsport­platz konnte wenig begeistern, denn die VsB.-er ließen in ihrer Spielweife manchen Wunsch offen. Die Grünweißen fanden sich kaum zurecht. Durch Abseits wurde eine klare Chance vor dem Gästetor verdorben, dann kamen die Grünweißen besser ins Spiel. Einen Vorstoß der Gastgeber unterband der Verteidiger mit der Hand; den fälligen Elfmeter schoß Schlitz wuchtig an die Latte. Wenig später wurde Benner im Strafraum gelegt, aber auch die­ser Elfmeter wurde von Berghöfer dem Torwart in die Hände gespielt. Obwohl Torchancen vorhan­den waren, dauerte es doch bis zur 37. Minute, ehe Ehmann seinem Verein zur Führung verhelfen konnte. Die Freude dauerte nicht lange. Im Gegen­stoß hatte Wiegel zweimal in höchster Not mit dem Fuße abgewehrt, dann mußte er doch den Ball aus bem Netz holen. Der Halbrechte hatte damit aus­geglichen. Mit dem Anstoß bekam Hofmann den Ball und schoß entschlossen zum Führungstor ein. Die Gäste blieben nicht müßig. Schon sah man den Ausgleich, aber Wiegel hielt einen scharf geschos­senen Ball aus kurzer Entfernung. Nach der Pause spielte die ganze Mannschaft lustlos. Einen Fehler der Verteidigung nutzten die Gäste aus und wie­derum war der Ausgleich erzielt. Die Hintermann­schaft der Gäste wurde in der Folge sehr hart. Benner wurde gelegt. Aber auch dieser Elfmeter fand nicht feinen Weg ins Netz. Erst Fleischhauer konnte kurz vor Schluß eine Vorlage von rechts mit einem Torschuß abschließen. Bei einer Ecke be­kam Hofmann den Ball und dessen Schuß prallte entschlossen vom Fuße des Verteidigers ins Tor. Damit war das Spiel zu Ende.

05 Wetzlar 1900 8:0.

Die Hoffnungen der Blau-Weißen, in Wetzlar mit einer starken Mannschaft antreten zu können,

wurden zu einer starken Enttäuschung, denn man mußte im Gegenteil zufrieden fein, daß überhaupt elf Mann zur Stelle waren. Anders dagegen war es bei Wetzlar.

Schon beim Einlauf der Mannschaften fiel der große körperliche Unterschied der Mannschaften auf. Wetzlar mit großen, kräftigen, 1900 dagegen mit kleinen, jungen Spielern. Um so erstaunlicher war dann, als nach dem Anpfiff diese kleinen Gestalten sich unbekümmert um den großen Gegner im Spiel­feld bewegten und das Spielgeschehen diktierten. Ja sogar im Strafraum der Wetzlarer wurde es gefährlich. Leider verfehlten Schüsse von Kraft und Nachtigall nur knapp ihr Ziel. Dieses Bild sah man ungefähr zwanzig Minuten, und erst als Lutter mit einem unheinttich wuchtigen Schuß Erfolg hatte, trat Wetzlar mehr und mehr in Erscheinung.

Nach dem Wechsel trat eine deutliche Ueberlegen- heit Wetzlars ein. Die Kräfte der jungen Spieler waren durch den schweren Böden stark in Anspruch genommen worben, und so erlahmte der Widerstand immer mehr und mehr. In einem mächtigen End­spurt unter lebhafter Anfeuerung der Zuschauer kamen di? Wetzlarer zu ihrem hohen Sieg.

1900 in der Besetzung Dinges, Schneider, Goß, Reuschling, Jäger, Bötz, Schelchaas, Kraft, Pechau­scheck, Weniger, Nachtigall hatte nicht die Kraft, sich gegen den starken Gegner durchzusetzem

Die übrigen beiden Spiele der Bezirksklasse brach­ten folgende Ergebnisse:

Watzenborn-Steinberg Ehringshausen 7:0 Rodheim Sportfreunde Wetzlar 3:1.

VsV.-Reichsbahn II Steinbach I 0:4 (0:2).

Die Steinbacher erschienen mit einer starken Mannschaft und haben das Spiel verdient gewon­nen, der Sieg hätte noch höher ausfallen können, wenn sich der Sturm besser verstanden hätte. Die Grün-Weißen, die mit 10 Mann spielen mußten, konnten sich zu keiner geschlossenen Aktion aufraffen.

Wball-Länderkamps Aalien-Deutschland 3:2.

Im Mailander San-Siro-Stadion ist dem zwei­fachen italienischen Fußball-Weltmeister Italien am Sonntag die Revanche für die im November des vergangenen Jahres erlittene 2:5-Niederlage geglückt. Aber der Sieg derAzzurri" war nur knapp. Mit 3:2 (2:1) gab sich die tapfere deutsche Elf nach er­bitterter Gegenwehr geschlagen. 70 000 Menschen folgten dem Kampf mit leidenschaftlicher Anteil­nahme. In der Bilanz der bisherigen neun Länder­spiele hat Italien seinen sechsten Sieg zu verzeichnen, während sich Deutschland auf zwei Erfolge beschrän­ken muß. Ein Treffen endete unentschieden, das Tor­verhältnis lautet 20:15 zugunsten der Italiener.

In bem Hexenkessel bes Mailänber San-Siro- Stabions über Mailand ftanb eine schier uner­träglich heiße Sonne sah man einen ritterlichen Kampf, ben bie beutsche Elf wieber siegreich hätte beenden können, wenn sie einen Angriff von For­mat besessen hätte. Urban unb Hahnemann verstan­den es nicht, Zusammenhang in bie Fünferreihe zu bringen. Die Italiener spielten außerorbentlich schnell unb mit großem Einsatz. Ein Sonberlob verbiet ber Rechtsaußen Biavati.

Umjubelt von 70 OOO Menschen liefen die Mann­schaften auf bas Spielfeld. Unter den Ehrengästen befand sich neben der gesamten Führerschaft bes italienischen Sports ber von Nom gekommene Reichssportführer von Tschammerunb Osten in Begleitung von Dr. Diem. Nach ber Wahl durch den ausgezeichneten ungarischen Schiedsrich­ter Jnvancic, ber das Treffen sehr korrekt leitete, stellten sich beide Mannschaften wie folgt auf:

Deutschland: Kladt (Schalke 04); Janes (Fort. Düsseldorf), Billmann (1. FC. Nürnberg); Kupfer (Schweinfurt 05), Rohde (Tod. Eimsbüttel), Kitzinger (Schweinfurt 05); Lehner (Schwaben Augsburg), Hahnemann (Adm. Wien), Binder (Rapid Wien). Urban (Schalke 04), Peffer (Rapid Wien).

Italien: Olivieri; Foni, Rava; Depettini, Olmi, Campatello; Biavatt, Piola, Bertoni, Tre- visan, Colaussi.

Italien begann sofort mit schnellen Vorstößen. Bereits nach fünf Minuten gab es die erste (erfolg­lose) Ecke vor dem deutschen Tor. Zwei Minuten später schoß Lehner den ersten Eckball in ben italie­nischen Strafraum. Olivieri rettete vor bem herbei­eilenden Kitzinger. In ber 17. Minute fiel über­raschend das italienische Führungstor. Der Ball wanderte von Bertoni zu Biaoan. Klodt lief aus dem Tor, wurde angeschossen. Das Leder fiel dem Linksaußen Colaussi vor die Füße, und schon stand es 1:0. Ein feines Zusammenspiel zwischen Biavati und Colaussi erbrachte in ber 27. Minute das zweite italienische Tor. Der Eimsbütteler Mit­telläufer Rohde griff den Bruchteil einer Sekunde zu spät ein, und schon war der italienische Mittel­stürmer an ihm vorbei: 2:0! Die Zuschauer gerie­ten vor Begeisterung förmlich aus bem Häuschen. Aber kaum war das Spiel wieder zwei Minuten im Gange, da kam ber beutsche Gegenstoß. Ein 35- Meter-Freistoß Billmanns kam zu bem einmal unbewacht stehenden Binder, der blitzschnell ein­sandte. Eckbälle hüben unb drüben verliefen erfolg­los.

Nach der Pause erzwangen die Italiener inner­halb von vier Minuten vier weitere Eckbälle. Es gab böse Augenblicke vor bem beutschen Tor. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fiel bann ber Aus­gleich. Die Italiener griffen an, da schnappte sich Lehner den Ball, lief geschwind nach innen und gab zu Binder alb, der zwar von Foni unb Olmi hart bedrängt wurde, sich aber bennoch burchsetzte unb Olivieri mit einem harten Schuß schlug. Dieser Erfolg steigerte bie Hoffnungen ber Deutschen. Da machten uns aber die Italiener mit ihrem dritten Treffer einen Strich durch die Rechnung. Billmann wollte an der Außenlinie den Rechtsaußen Bia- vati vom Ball trennen, ber wieselflinke Italiener mar aber schneller unb jagte in ber 14. Minute ben Ball aus vollem Laus an Klodt vorbei in die Ecke Mit einer leichten Überlegenheit ber Italiener fand der heiße, ritterlich geführte Kampf sein Ende.

Gießer,er Turner auf Greifenstein.

Am Himmelfahrtstag weilten aus Anlaß ber Stern» wanberung bes NSRL. bes Bezirks Gießen, Gieße­ner Turner unb Rabfahrer auf ber Burg Greifenstein über bem Tale ber Dill. Unser Bild zeigt bie Gruppe bes Turnvereins 1846 bei einer Rast unter ben Mauern ber Burg. (Aufn.: Neuner, Gieß. Anz.)

Dahnsaison der GießenerLeichtathleten eröffnet.

Gestern würben auf bem Universitätssportplatz bie erste leichtathletischen Wettkämpfe burchgeführt. Die Beteiligung war mit Rücksicht auf bie äußeren Umftänbe unb bie frühe Jahreszeit zufriebenstel- lenb. Sämtliche Wettbewerbe waren burchschnittlich mit 10 Teilnehmern besetzt unb brachten bereits ansehnliche Leistungen. Aber in unserer Vorschau wiesen wir ja baraufhin, baß bei biefen Wett­kämpfen weniger bie erzielte Leistung von aus- schlaggebenber Bebeutung ist, als vielmehr bie Ab­sicht, ben Aktiven bie Gelegenheit zur Betätigung überhaupt zu geben. Die Bestrebungen bes Fach­amtes Leichtathletik, fernerhin in regelmäßigen Zeitabstänben etwa alle 14 Tage berartige Trainingswettkämpfe burchzuführen, werben von ben Leichtathleten freubigj't begrüßt; sie werben zwangsläufig zu einer Steigerung ber Leistungen führen.

Im Kugelstoßen erreichte Otto L u h bereits 14,29 Meter. Schleenbecker vom Turnverein Rut­tershausen, ber noch völlig untrainiert ist, sprang 1,65 m hoch unb Schwarz vom VfB.-R. Gießen 1,60 m. Für ben Anfang finb bas schon recht gute Leistungen.

Die angesetzten Frauenwettbewerbe kamen in­folge zu weniger Beteiligung nicht zur Durchfüh­rung.

Es würbe sehr bebauert, baß sich bie Vereine: Mtv. Gießen, Spielvereinigung 1900 Gießen, Turn­verein Lollar unb ber sonst so rührige Turnverein Heuchelheim an ben Wettkämpfen überhaupt nicht beteiligten.

Die Ergebnisse ber Wettkämpfe folgen.

BOM.-Fahrten auch im Kriegssommer.

Im Monat Mai beginnen im Obergau Hessen- Nassau (13) bie Sommerfahrten bes BDM. unb ber Jungmäbel. Trotz bes Krieges unb ber Schwie­rigkeiten, bie bamit oerbunben finb, z. B. geschlof­fene Jugenbherbergen, wegfaüenbe Ermäßigungen ber Eisenbahnen usw., bleibt ber Fahrtenbetrieb im kleinen Maße bestehen. Anfang Mai führen bie Jungmäbel- unb BDM.-Gruppen innerhalb ihres Untergaues Sternfahrten burch. An bem Treffpunkt laben sie gemeinsam, ber Umgebung entsprechens zu einem Offenen-Singen, Dorfge- meinschaftsabenb ober Spielwiese ein.

Mißglückte Millionenschiebungen eines jüdischen Konsortiums.

hohe Zuchthaus- unb Geldstrafen.

Lpb. Frankfurt a. M., 30. April. Die 3. Straf­kammer in Frankfurt beenbete nach vierwöchiger Verhanblungsbauer am Dienstag, ben Prozeß gegen ein jübisches Devisenschieber- Konsortium. An der Spitze ftanb ber 38jährige, aus Berlin gebürtige Eugen Israel Elle. Er war früher Rechtsanwalt in Frankfurt, gab sich bann nrit Devisenderatungen ab und ging zu Straftaten über, als er auswanderungslustige Juden in Geld­angelegenheiten beriet. Elle hatte sich nach den jetzt getroffenen Feststellungen des Gerichts ein beson­ders raffiniertes System zu Vermögensschiebungen ausgeklügelt. Die von ihm oorgenommenen Mani­pulationen, Geschäftsvolschläge und Verträge, so­wie undurchsichtigen Kapitaltransaktionen dienten nur der Tarnung und waren Köder, um die Aus­wanderungslustigen zu bewegen, sich mit ihm ein- zulassen. Es wurden vier solcher Fälle festgestellt, es besteht aber die Vermutung, daß noch eine Reihe weiterer Fälle ausgeführt wurde. Geplant war, 4 bis 5 Millionen Reichsmark ins Ausland zu ver­schieben, tatsächlich sind aber nur 200 000 RM. hinausgekommen. Bezüglich einer Summe von 265 000 RM. blieb es beim Versuch. Daß es bem Fuben' Elle nicht glückte, bedeutendere Summen fortzuschaffen, war der Wachsamkeit der Zollfahn­dungsstelle zu danken. Um die 200 000 RM. ins Ausland zu bringen, bedienten sich die Beteiligten des Ringkämpfers Rudi Hab er land aus Offen- buch, der sich mit mehreren Beteiligten im Sommer 1937 in Holland treffen wollte. Hab erlaub ist aber mit dem ihm anvertrauten Geld nach Amerika durchgebrannt! Besonders charakteristisch zeigte sich die Böswilligkeit des Angeklagten Elle in einem ber erörterten Fälle, wo er vorspiegelte, baß die von ihm vorgeschlagenen Transaktionen mit dem Vierjahresplan in Zusammenhang stünden. Das Gericht verurteilte Elle zu 8 Jähren Zucht­haus, 8 Jahren Ehrverlust unb 465 000 RM. Gelbstrafe, ben aus Mainz gebürtigen, 51jähr. Fritz Israel Lerch zu 3V2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und 275 000 RM. Geldstrafe, den 39jäh- ngen Fritz Israel Tuch aus Frankfurt a. M. zu 2V- Jahren Gefängnis unb 200 000 Gelbstrafe unb ben 31jährigen Eduard Heinrich Moos aus Zürich zu 3 Jahren Gefängnis und 165 000 RM. Geld­strafe. Das Verfahren gegen zwei weitere Beschul­digte wurde vorläufig eingestellt.