Ausgabe 
6.5.1940
 
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also vermutlich für die Wahl der größeren Schkffs- type den Ausschlag geben dürfte.

Aber es kann kein Zweifel fein, daß ähnlich wie das U-Boot im Weltkrieg in noch weit höherem Maße nun das Flugzeug das Monopol der nicht zuletzt auf Grund ihrer Kapitalkraft und ihres Vor­sprungs im Bau von Grotzkampfschiffen die Meere beherrschenden Nationen zu brechen scheint. Denn es liegt auf der Hand, daß in derselben Zeit und mit den gleichen finanziellen Mitteln, die für den Dau eines modernen Schlachtschiffes angewandt werden müssen, Hunderte von Flugzeugen herge-

sich als schmählicher Verrat an den Norwegern dar. Der Divisionschef der norwegischen Truppen im Bezir Tränbelagen, Oberst Goetz, hat einen Tagesbefehl an seine Truppen herausgegeben, in dem festgestellt wird, daß das englische Oberkommando in Namsos noch nicht einmal den norwegischen Kam- mandostellen eine Mitteilung über den Rückzug der britischen und französischen Trup­pen hat zukommen lassen und nicht die geringste Warnung darüber, daß durch diesen Rückzug die Flanke und der Rücken der norwegischen Truppen von den deutschen Truppen bedroht war. In dem Tagesbefehl, in dem die ganze Bitterkeit des ver­ratenen norwegischen Kommandanten über das Ver­halten der Engländer zum Ausdruck kommt, heißt es:

Da England und Frankreich aus unbekannten Gründen den Versuch aufgegeben haben, uns in unserem Kampf zu unterstützen und in der Nacht auf Freitag ohne Warnung ihre Truppen von Namsos zurückgezogen, stehen wir heute allein da. Die Gesamtzahl der deutschen Truppen hat uns bereits an den beiden Flanken und im Rücken umgangen, und zwar auf der Linie, die die englischen und französischen Truppen halten sollten. Ohne die Möglichkeit gelassen, daß uns Hilfe von außen gebracht wird, allein und mit Munition nur noch für einen Tag versehen, ohne Luftwaffe, ohne Luftabwehr und'ohne andere notwendige Waffen, würde weiterer Kamps nur zur totalen Vernichtung ohne das geringste militärische Ziel führen. Ich habe deshalb dem deutschen Kommando vorgeschla-- aen, Waffenruhe eintreten zu lassen. Es war un­begreiflich von dem englischen Oberkommandanten, ohne mich zu warnen, den Rücken meiner Truppen zu entblößen, so daß ich von der einzigen möglichen Rückzugslinie auf Mossöen abgeschnitten bin."

Um 23 Uhr erhielt Oberst Goetz einen Brief von dem englischen Kommandierenden General Car. ton de Wyart und einen zweiten von dem französischen General A u d e t. Zu dieser Stunde war der größte Teil der englischen und französi­schen Truppen bereits an Bord der Trans­portschiffe im Hafen von Namsos. Der Ab­schiedsbrief des britischen Befehlshabers lautet:Lie­ber Oberst Goetz, zu meinem größten Leidwesen unterrichte ich Sie hiermit davon, daß wir dieses Gebiet räumen müssen. Jeder von uns empfindet diese Tatsache sehr tief. Wir lassen einen ganzen Teil Material hier; wir hoffen, daß Sie dieses über­nehmen können, und wir sind überzeugt, daß dieses für Sie und Ihre tapfere Armee von großem Nutzen sein wird. Wir selbst hoffen, daß wir wie­der hierher zurückkommen und Ihnen helfen kön­nen, Ihren Kampf zu einem glücklichen Ende zu führen."

Der französische Befehlshaber gab seinem großen Bedauern darüber Ausdruck, daß er Norwegen heimlich auf diese Weise verlassen müsse. Er habe jedoch von höchster Stelle Befehl hierzu erhalten. Er sei ein Opfer des Krieges und könne nichts an­deres tun, als dem Befehl zu gehorchen, so gern er auch bleiben wolle. Der Feldzug in Norwegen habe sich als bedeutend schwieriger durch­zuführen gezeigt, als man vor der Absendung des alliierten Expeditionskorps habe annehmen können.

Ein Sonderberichterstatter desSvenska Dag- bladet" weift auf die freudige Stimmung unter der norwegischen Zivilbevölkerung beim Abzug der bri-

stellt werden können, die jeweils nur wenige Mann an Bord haben, während mit einem von einer ein­zigen Fliegerbombe schwersten Kalibers versenkten Schlachtschiff 1100 bis 1500 Mann Besatzung verloren sind. So hat die Kühnheit und die hervorragende Schulung unserer Flieger, das ausgezeichnete Mate­rial und die sorgfältige Konstruktion ihrer Maschinen und Waffen wiederum einen Erfolg davonaetragen, der den Briten über die Einsatzkraft der oeutschen Luftwaffe ein Licht aufstecken wird. Albion hat allen Anlaß, um seine Seeherrschaft zu zittern.

Dr. Fr. W. Lange.

tischen und französischen Truppen aus Namsos hin. In dem Bericht des schwedischen Blattes heißt es, daß die tapferen norwegischen Truppen, die östlich von Strasavata standen, von Beginn der Operatio­nen an von den Westmächten h i n t e r s Licht geführt- worben feien. Nach ihrer Auffassung hätten die Westmächte bereits nach ihrer großen Niederlage bei Steinkjer am 21. April den Beschluß gefaßt, sich aus dem Staube zu machen.

Nach dem Vaffenstillstand in Tröndelaa fei das ganze Namdal wie verwandelt gewesen. Man habe den Eindruck gehabt, als würde ein großes Volks­fest gefeiert. Das Vdlk strömt mit eigenen ober er­beuteten englischen und französischen Kraftwagen nach Namsos, um sich an die Lebensmittel heranzumachen, bie die Westmächte in großen Men­gen zurückgelassen hätten, dies besonders im Hinblick auf die Lebensmittelknappheit der in die umliegenden Gebirgsdörfer geflüchteten Zivilbe­völkerung in den letzten Wachen. Fast alle konnten sich für mindestens einen Monat mit Lebensmitteln eindecken.Unter der Zivilbevölkerung, die sich hier des reichlichen Proviants bemächtigte, gab es nicht

Berlin, 4. Mai. (DNB.) lieber den Unter- gang des KreuzersBlücher" am 9.April 1940 vor Oslo werden nachttäglich folgende Einzel­heiten bekannt:

Ein Verband der Kriegsmarine unter Konter­admiral K u m m e tz, bestehend aus mehreren Kreu­zern, Torpedobooten und kleineren Fahrzeugen hatte den Befehl, am 9. April früh überraschend i n d e n Oslo-Fjord einzulaufen und die an Bord der Kriegsschiffe eingesetztsten Truppen des Heeres in Oslo zu landen.

Beim Paffieren der Festung Oskarsborg eröffneten um 5.30 Uhr norwegische schwere Küsten- batterien plötzlich auf nur 500 Meter Entfernung das Feuer auf den vorausfahrenden KreuzerBlü­cher". Das Land war noch in Dunst gehüllt, da­gegen warBlücher" vom Lande aus gut zu be­obachten.Blücher" erwiderte sofort das norwegische Feuer mit allen Geschützen. Es gelang, die nor­wegischen Batterien niederzukämpfen und damit die Einfahrt für weitere deutsche See- stteitkräste freizumachen.Blücher" hatte hierbei mehrere schwere Treffer erhalten. Sie setz­ten einen Teil der Kefselräume und Maschinen außer Gefecht und riefen im Mittelschiff und am Oberdeck Brände hervor. Trotz aller Bemühungen der Besatzung gelang es nicht, diese Brände ein­zukreisen. Nach Passieren der Dröbak-Enge erhielt Blücher" außerdem noch mehrere Treffer norwegischer Torpedobatterien vom Lande her. Das Schiff wurde damit manövrier­unfähig. Wegen der einbringenden Wassermassen mußte es aufgegeben werden. Der Komman­dant gab Befehl, das Schiff zu verlassen. Mit einem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland, das der Kom­mandant, Kapitän z. S. Woldag, vor dem Ver­lassen des Schiffes ausbrachte, versank der Kreuzer Blücher" mit wehender Flagge.

Als die schwersten Treffer der Küstenbatterie in

einen einzigen, der den fluchtartigen Abzug der Westmächte-Truppen bedauerte. In allen britischen und französischen Quartieren von Ooerhalla westlich bis nach Namsos sah es aus, wie man sich die Zer­störung Jerusalems vorstelltc*. Tonnenweise lagen Lebensmittel und Konserven, Fässer mit Rotwein und Spirituosen, Tausende von Zigarettenpackun­gen, Munition, Fahrräder, Motorfahrzeuge und Kraftwagen in der Gegend und überall stürzten sich hungrige Menschen auf den Üppigen Vorrat. Wenn kein Kraftwagen zur Verfügung stand, wurden die englisch-französischen Güter auf Schubkarren in Sicherheit gebracht. Die kleinen Gefährte waren so überladen, daß sie zeitweilig nicht von der Stelle gebracht werben konnten." Augenzeugen berichten, daß die Einschiffung der englischen Truppen in größter Unordnung vor sich ging und einer Flucht glich. Dagegen waren bie französischen Truppen in Reih unb ©lieb am Hafen aufmarschiert unb bas Anborbgehen vollzog sich in größter Orbnung. Zum Schluß wird von dem Korrespondenten des Svenska Dagbladet" festgestellt, daß die Englän­der weder genügend Artillerie noch Flakgeschütze besaßen. Dagegen waren sie reichlich mit automa­tischen Gewehren, einfachen Flinten und Armee­revolvern ausgestattet, von denen Tausende zurück- gelassen wurden.

Norwegen erkennt den Verrat.

Oslo, 5. Mai. (Europapreß.) Die norwegischen Tageszeitungen erfassen jetzt den vollen Umfang des englischen Verrats an Norwegen.Tidens Tegn" schreibt,Churchills norwegisches Abenteuer ist zu Ende. Es war kurz und unrühmlich, aber es habe Norwegen viele junge Menschenleben gekostet. Das Volk muß sich von jetzt an der Wirklichkeit anpaffe n." ImMorgenbladet" heißt es,nach­dem wir jetzt auch erfahren, wie sich die Engländer in den Kampfgebieten betragen haben, steigert sich unsere Bitterkeit bis zum Höhepunkt des Mög­lichen".

denBlücher" einschlugen, blieben die Mannschaf­ten der eingeschifften Truppen ruhig auf ihren Plätzen. Den Verwundeten wurde sofort Hilfe geleistet. In den Augenblicken der ärgsten Beschießung taten die Sanitätsoffiziere ruhig wie auf dem Verbandsplatz ihre Pflicht. Als schließlich der Befehl zum Verlassen des Schiffes gegeben wurde, zeigte sich die Disziplin, die den deutschen Soldaten selbst in den gefahrvollsten Stunden nicht verläßt. Zahlreiche Beispiele werden berichtet, wo Jüngere ihre Schwimmwesten älteren Kameraden anboten, ja gegen deren Willen ihnen ihre eigenen Schwimmwesten umbanben. Ein Rettungskutter blieb fast leer, weil jeber bem anberen den Vor­tritt lassen wollte. Ein junger Infanterist suchte, bevor er ins Wasser sprang, noch aus einem Haufen von Gewehren feine Nummer hervor. Ein anderer holte von einer schon in Brand gera­tenen Stelle fein Maschinengewehr und schwamm damit an Land. Immer wieder bemühten sich junge Soldaten um ihre älteren Vorgesetzten, um ihnen eine Rettung zu ermöglichen. Auf einem Floß lag ein schwerverletzter Fähnrich. Die Männer konnten das Floß nicht richtig handhaben. Es drohte, in den Sog des bald versinkendenBlücher" hinein- zugeraten. Da ließ sich der sterbende Fähnrich auf- richten, gab ruhig seine Kommandos und so kam das Floß an Land.

Schließlich neigte sich derBlücher" und begann mit dem Bug zu versinken. Die am Ufer stehen­den Soldaten fangen das Deutschlandlied. Einsam stand auf dem sich immer mehr heraushebenden Heck ein deutscher Soldat. Entblößten Hauptes stand er aufgerichtet, die rechte Hand zum Deutschen Gruß erhoben und versank so mit dem Schiff. Das Schick­sal wollte es, daß dieser Mann vom Sog wieder emporgerissen wurde und von einem Rettungsboot ausgenommen werden konnte.

SchimpslicherVerratandennmtvegischenAuppen 3m Gteinkjer-Abschnitt heimlich im Stich gelassen.

Stockholm, 4. Mai. (DNB.) Der Rückzug der britischen und französischen Truppen aus Namsos stellt

Sin Hohes Lied deutschen Soldatentums

Oer Untergang des KreuzersBlücher" am 9. April vor Oslo.

gezielten Torpedoschüssen zu versenken. Seit diesen Erfahrungen war deshalb auch England, dessen Seeherrrschaft auf der Stärke seiner Schlachtflotte beruht, in allen Verhandlungen über eine Rüstungs­begrenzung zur See emsig bemüht, die U-Bootwaste ganz abzuschaffen, denn sie setzte auch die kleineren und weniger kapitalkräftigen Nationen in die Lage, sich in weit kürzerer Zeit und mit weit ge­ringeren Mitteln eine höchst beachtliche Waffe zu schaffen, die in der Seekriegführung mitsprechen konnte. Zudem zwang die U-Bootwafse dazu, die Panzerung der Schlachtschiffe auch unter der Was­serlinie erheblich zu verstärken, vielfach wurden auch Torpedowulste eingebaut. Im Flugzeug ist nun dem Schlachtschiff ein neuer und vielleicht noch furchtbarerer Gegner erwachsen. Eine einzige gut gezielte schwere Bombe eines deutschen Sturz­kampfflugzeuges zwischen die beiden Geschütztürme eines britischen Schlachtschiffes hat genügt, dieses nach einer schweren Explosion in der Munitions­kammer binnen wenigen Minuten zum Sinken zu bringen. Was bisher nur bei Zerstörern und erst am 15. April zum ersten Mal bei einem Kreuzer gelungen war, die totale Vernichtung durch Bom­bentreffer aus der Luft, das hat sich nun auch bei den größten Einheiten der britischen Flotte als wirksam erwiesen. Gegenüber dem Elan der deut­schen Sturzkampfflieger hat nicht nur die britische Luftabwehr vollkommen versagt, auch die mehrfache Deck-Panzerung der britischen Schlachtschiffe hat sich gegenüber der Durchschlagskraft deutscher Bomben schwersten Kalibers als unzureichend erwiesen, eine Tatsache, die für die Entwicklung der Seekrieg­führung und der Schiffsbauprogramme von kaum zu unterschätzender Bedeutung werden wird.

Noch kurz vor dem Kriege hatte ein bekannter britischer Marinefachsrchiftsteller erklärt:Es ist heutzutage möglich, vermöge der Reichweite der Abwehrwaffen die feindlichen Flieger in solcher Höhe zu halten, daß ihre Angriffe unschädlich wer­den, mit Ausnahme von Zufallstreffern. Versuchen sie, auf geringere Höhen herabzugehen, so ist ihre Vernichtung durch die Nahkampfabwehrwaffen eines modernen Kriegsschiffes eine vorher ausgemachte Tatsache. Es ist unbestrettbar richtig, daß die bri- ttsche Flottenflak über die Angriffskraft der Flie­ger Herr geworden ist und zur Zeit sogar ein Hoch- oder Tiefangriff gegen ein Schlachtschiff oder gegen einen Kreuzer mit mehr Gefahr für den An­greifer verbunden ist als für das Schiff." Die deutsche Luftwaffe hat die Herren der britischen Admiralttät, die sich über den Angriffsgeist deut­scher Flieger, ihre Treffsicherheit und die Durch- scylagskrast ihrer Bomben in einem so fundamen­talen Irrtum befanden, sehr schnell eines besseren belehrt, und die Folgen dieser britischen Kurzsichtig­keit sind noch nicht abzusehen, denn es ist der Be­weis geliefert, daß die Luftwaffe sehr wohl im­stande ist, auch das Rückgrat der britischen See- Herrschaft, die Schlachtflotte, zu zerbrechen. Zweifel­los wirb man versuchen, bei den noch im Bau befind­lichen Schiffen die Deck-Panzerung zu verstärken, aber es ist anzunehmen, daß ein ähnlicher Wettlauf wie er zwischen Geschützkaliber und Panzerung bis­lang die Geschichte des Kriegsschiffsbaus beherrschte, nun zwischen Fliegerbombe und Panzerung beginnt, wobei beachtet werden muß, daß man selbstverständ­lich die Panzerung nicht beliebig verstärken kann, ohne nicht andere Kampfmittel des Schiffes empfind­lich zu beeinträchtigen wie Schiffsartillerie und Ge­schwindigkeit. Bei dem 1935 vom Stapel gelaufenen französischen 26 500-Tonnen-SchlachtschisfDunker­que" beträgt der Anteil der Panzerung bereits 42 v. H. der gesamten Wasserverdrängung und bei dem 1939 vom Stapel gelaufenen britischen 35 000-Ton- nen-SchlachtschiffKing George V." beansprucht die Panzerung 14 000 Tonnen des Gesamtgewichts. Das sind Zahlen, die zu denken geben. Aus den Vereinig­ten Staaten kommt soeben die in diesem Zusammen­hang besonders interessante Nachricht, daß das amerikanische Marineministerium auf Grund der Erfahrungen des deutsch-britischen Seekrieges vor der norwegischen Küste bereits gewisse Konstruk­tionsänderungen beim Bau der neuen amerika­nischen Schlachtschiffe an geordnet habe, um Artillerie unb Besatzung besser als bisher gegen Flieger­bomben zu schützen. Man denkt an einenschild­krötenartigen Panzer", ist sich aber ebenfalls klar darüber, daß diese Verstärkung des Panzerschutzes eine erhebliche Gewichtsänderung mit sich bringen,

Morgendliches Wecken.

Von Nalph Urban.

Es gibt auch hinsichtlich des Schlafens gute und schlechte Menschen. Die guten erwachen in gehobener Selbstdisziplin freiwillig fünf Minuten vor der Zett, oder sie springen beim ersten Weckerschrei mit beiden Beinen zugleich aus dem Bett, machen auf der Stelle drei tiefe Kniebeugen und sind sofort freund­lich. Da aber die Engelchen auf Gottes Erden recht spärlich gesät sind, befinden sich die mit Schlechtig­keit behafteten Menschlein in erdrückender Ueber­zähl. Wobei in diesem besonderen Fall die weib­liche Tugend noch mehr als sonst über den Dingen steht und glänzt. Vielleicht hat die weife Natur einen Ausgleich geschaffen, indem sie den Mann als Schläfer und die Frau als Wecker erschuf. Mit Ausnahme jener Märchen, in denen der Mann der Frau leise das Frühstück ans Bett stellt und auf Zehenspitzen aus dem Haus schleicht, um das ge­meinschaftliche Stück Brot für den Mittagstisch zu verdienen. Ansonsten ist der Teufel bekanntlich männlichen Geschlechts.

Das schwärzeste aller schwarzen Schafe ist natür­lich schon wieder der Junggeselle. Freilich bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel. Manchmal ge­nügt ein ganz einfachesRrrraus!", daß er flink wie ein junger Aste aus dem Bett springt und noch mit geschlossenen Augen stramm steht. Dies aber nur, wenn* ihn' bei der Wehrmacht der Unter­offizier vom Dienst weckt. Im grauen zivilen All- taa ist es jedoch anders. Am Abend will der Jung­geselle nicht schlafengehen, morgens will er nicht aufstehen. Davon wissen die an der Tür wund­geklopften Knöcheln der freundlichen Wirttnnen ein Klagelied zu singen. Aber danke dem Schicksal, Junggeselle, so du noch eine Wirttn hast, die in mütterlicher Fürsorge zu deinem Besten den täg. liehen Heldenkampf mit dir besteht! Bist du hin- aegen nur auf deine drei Weckeruhren angewiesen, die dich im Abstand von fünf Minuten deiner Pflickten gemahnen, dann bist bist du erschossen. Du schlägst haßerfüllt nach deinem technischen Ge­wissen und verkriechst dich in die Kissen. Du rollst dich zusammen wie ein Igel und willst nicht Die innere Wildsau läßt dich erst aus den Klauen, bis du regelrecht verschlafen hast.

Zur Morgenstunde kann man es genau beobach­ten. Da jagt ein Mann dahin, der sich im schnellen Lauf erst den Kragen zuknöpft. Dort hüpft einer an der Haltestelle in verzehrender Ungeduld wie ein Gummiball auf und nieder. Und dort wieder rast mtt heraushängender Zunge ein Unglücklicher dem

Autobus nach. Sie alle sind Junggesellen, die ver­schlafen haben.

Es gibt natürlich nichts Beschämenderes, als zu spät an seinen Arbeitsplatz zu kommen. Gar man­chem Junggesellen erging es schon ähnlich wie dem Herrn Kunz, der reueerfüllt eines Morgens auf feinem Bettrand faß, mit den Zähnen knirschte und sich vornahm, ab morgen ein anderer Mensch zu werden. Für heute aber war es bereits um eine Stunde zu spät. Also beschloß er, lieber blau zu machen, anstatt als traurige Figur erst um neun Uhr im Geschäft zu erscheinen. Mit nagendem Ge- wissenswurm und dem Kater in sich schleppte er sich also zum Fernsprecher und rief seinen Chef an.

Hier Kunz", meldete er sich,ich habe leider hohes Fieber mtt Schüttelfrösten."

Das ist sehr bedauerlich", entgegnete der Gewal­tige nicht unfreundlich,was kann ich für Sie tun?"

,Zch bitte nur", flötete Kunz,mich für heute freundlichst zu entschuldigen. Morgen bin ich be­stimmt schon wieder arbeitsfähig."

Dann ist es aut", meiyte hierauf der Chef,wir haben nämlich heute Sonntag."

Was der Junggeselle in seinen Drang- und Wan­derjahren an Schlaf versäumt hat, das ist er be- ftrebt, als Ehemann nachzuholen. Manchmal wird sogar ein Frühzubettgeher aus ihm, der aber trotz­dem oder aus alter Gewohnheit am Morgen nicht heraus will. Und wenn er auch das erstemal bereits um drei Uhr, das zweitemal um vier und das drittemal um fünf munter geworden ist, so schläft er um sieben störrisch tief wie jenes Murmeltier mit dem Halsband.

Burschele", ruft das liebende Weib erstmalig, es ist Zeit!"

Mmnimm" entgegnet der Mann und wirft sich auf die andere Seite, daß die Sprungfedern quietschen.

Es ist fünf nach sieben!" ertönt bald darauf ein­dringlicher die (Stimme der Frau.

Laß mich schlafen

Steh auf, es rft wirklich höchste Zettl"

Im Bett knurrt es.

Die Frau nähert sich dem Bett, rüttelt den Mann an der Schulter und springt dann vorsichtshalber zurück. Er grollt, faucht und spuckt. Die Frau war­tet einige Sekunden, bis im Bett Ruhe ein getreten ift. Dann schleicht sie auf die andere Seite, kriegt die Decke zu fassen und zieht mit kräftigem Ruck. Der Mann, der unterbewußt beretts darauf ge­lauert hat, erwischt die Decke gerade noch und zieht dagegen während « jchreckliche Laute ausstößt.

Bleibt nach hartem Ringen die Frau endlich Siege­rin und richtet sich der Mann stöhnend auf, dann macht er das Gesicht eines Löwen, der irrtümlich eine Zitrone gegessen hat. Mit der Ueberzeugung, daß ihm bitter Unrecht geschehen ist, schleppt er sich ins Badezimmer. Und erst, wenn er den Kaffee riecht, wird er zugänglicher.

Preißt die Frauen, ihr Ehemänner, da sie euer zweites und besseres Ich sind, das euch des mor­gens liebend weckt und auf die Beine stellt. Und wenn ihr schon am Morgen brummig und verschla­fen seid, dann zeigt euch wenigstens erkenntlich, in­dem ihr sie nicht schon erstmalig um acht Uhr am Abend angähnt.

Lieder und Dichtungen dreier Kriege.

Die jüngste Morgenfeierunseres Stadt­theaters brachte Lieder und Gedichte, die nach Geist und Gehalt in der Gegenwart besonders gut verstanden wurden und aus diesem Verständnis heraus auch einen tiefen Eindruck machten. Lieder und Gedichte aus der Zeit dreier Kriege gelangten zum Vortrag und wurden von den Beteiligten mit einer so starken inneren Anteilhaftigkeit wieder- gegeben, daß jeder Zuhörer das Außerordentliche in diesen Dichtungen lebhaft empfand und aus dem Geschehen der Gegenwart auch den Geist verstand, der Vorväter und Väter in den Jahren 1813 und 1914/18 erfüllte. Man hörte Worte und Gedichte von Ernst Moritz Arndt, von Theodor Körner und von Max von Schenkendorf, aus denen die Lohe der Freiheits- und Vaterlandsliebe schlug. Aus einem Hölderlinfchen Gedicht erfühlte man des Dich­ters heroische Auffassung vom Tode für das Vater­land. In die Zeit des Weltkrieges führten dann Ge­dichte von Rudolf Binding, Walter Flex, Heinrich Lersch und Mirko Jelusich, schließlich kamen auch Dichter der Gegenwart zu Wort, unter ihnen Hel- muth Klessel, der vielen Gießener Soldaten auch der Person nach nicht unbekannt ist. Von ihm hörte man zwei Gedichte und ein Lied, in denen unmittel­bare Erlebnisse aus dem Polenkrieg in reiner und schöner Sprache ihren Niederschlag fanden. Um die Wiedergabe machten sich Siegfried Lowitz, Fried­rich G r ö n d a h l und Hans Caninenberg ver­dient. Die Folge der Gedichte wurde durch Lied­vorträge des Soldatenchores eines Infanterie-Batail­lons unterbrochen. Das Auftreten des Chores gab der Morgenfeier die schlichte militärische Form und den sinngemäßen Rahmen. Die Leitung der Veran-- ftattung hatte Gerhard Reuter.

H, L, Neuner,

Blütenwunder im Frühling! Von Jakob Kneip.

Ein ärmlich graues Dorngestrüpp, das nicht ein­mal für den Ofen nütze war, so stand es den langen Winter über an steilen Hängen, an mageren Böschungen, um Steinbrüche, Abfallkaulen und alte Feldbrunnen; dem Hirten, dem Jäger oft genug hinderlich und lästig, dem Bauern ein verhaßter Eindringling, da wo es den Rand feiner Wiesen und Aecker überwucherte.

Aber was für eine Wandlung, was für ein Wunder geschah: fast über Nacht erblüht, prangt all das schwarze Dorngestrüpp, das armseligste aller Feld- und Waldgebüsche, in weißer Frühlingspracht. Noch stehen alle anderen Sträucher, Büsche, Bäume ringsum in trauriger Winterarmut, da leuchtet der Heckendorn schon weithin ins Land, und von seiner abstoßenden Häßlichkeit ist nichts mehr geblieben. Der magere Steinhang wird unter ihm ein helles Paradies; die einsamen Feldwege, wo am Werktag die Pflüger, am Sonntag die jungen Burschen und Mädchen gehen, laufen nun weithin, von weißen Büschen umduftet und umleuchtet, durchs Land. Der zerrissene Steinbruch ist wunderbar von weißen Hecken umrahmt; ja selbst die häßliche Kieskaule steht von himmlischer Blütenfülle überdeckt.

Und sieh: Der Zaunkönig, die Goldammer, die Amsel, die Meise und Grasmücke kommen zu Gast und treiben verliebtes Fangspiel im blühenden Oe- zweig. Schmetterlinge, angelockt von dem schönen Geleucht, taumeln dahin im warmen Mittagslicht. Am Heckensaum aber sind nun auch die Veilchen er­blüht. In der Sonne glitzert ringsum das unschein­bare Gestein, und drinnen im Dunkel zieht über Wurzel und Kiesel die Schnecke wieder ihren glän­zenden Pfad. Hinter den Hecken aber spielen nun die Dorfkinder Verstecken oder schlagen Purzelbäume auf der sonnigen Wiese am Hang.

Und eben sehe ich die dunkeläugige Sophie Reusch zwischen den schneeweißen Hecken dahinschreiten. Schwebend war ihr Schritt. Ihr braunes Haar glänzte im Licht der sinkenden Sonne. Sie führte ein junges Rind am Halfter. Wie in Träumen ging sie und sang leise vor sich hin. Ueberraschend, wie ein plötzliches Wunder, schien sie mir erblüht! Mir war, als hätte ich sie nie schöner gesehen.

Nun steht sie drüben an dem alten wildverwach­senen Feldbrunnen und tränkt ihr Rind, lieber die dunkle, von weißem Schlehdorn umrahmte Quelle steht sie geneigt ...

Schaut sie träumend im Spiegel zwischen den blühenden Ranken ihr Bild? Drüben im Birken- Mld« SM Dsrftnds Wägt chM fefc MMM aty