also vermutlich für die Wahl der größeren Schkffs- type den Ausschlag geben dürfte.
Aber es kann kein Zweifel fein, daß ähnlich wie das U-Boot im Weltkrieg in noch weit höherem Maße nun das Flugzeug das Monopol der nicht zuletzt auf Grund ihrer Kapitalkraft und ihres Vorsprungs im Bau von Grotzkampfschiffen die Meere beherrschenden Nationen zu brechen scheint. Denn es liegt auf der Hand, daß in derselben Zeit und mit den gleichen finanziellen Mitteln, die für den Dau eines modernen Schlachtschiffes angewandt werden müssen, Hunderte von Flugzeugen herge-
sich als schmählicher Verrat an den Norwegern dar. Der Divisionschef der norwegischen Truppen im Bezir Tränbelagen, Oberst Goetz, hat einen Tagesbefehl an seine Truppen herausgegeben, in dem festgestellt wird, daß das englische Oberkommando in Namsos noch nicht einmal den norwegischen Kam- mandostellen eine Mitteilung über den Rückzug der britischen und französischen Truppen hat zukommen lassen und nicht die geringste Warnung darüber, daß durch diesen Rückzug die Flanke und der Rücken der norwegischen Truppen von den deutschen Truppen bedroht war. In dem Tagesbefehl, in dem die ganze Bitterkeit des verratenen norwegischen Kommandanten über das Verhalten der Engländer zum Ausdruck kommt, heißt es:
„Da England und Frankreich aus unbekannten Gründen den Versuch aufgegeben haben, uns in unserem Kampf zu unterstützen und in der Nacht auf Freitag ohne Warnung ihre Truppen von Namsos zurückgezogen, stehen wir heute allein da. Die Gesamtzahl der deutschen Truppen hat uns bereits an den beiden Flanken und im Rücken umgangen, und zwar auf der Linie, die die englischen und französischen Truppen halten sollten. Ohne die Möglichkeit gelassen, daß uns Hilfe von außen gebracht wird, allein und mit Munition nur noch für einen Tag versehen, ohne Luftwaffe, ohne Luftabwehr und'ohne andere notwendige Waffen, würde weiterer Kamps nur zur totalen Vernichtung ohne das geringste militärische Ziel führen. Ich habe deshalb dem deutschen Kommando vorgeschla-- aen, Waffenruhe eintreten zu lassen. Es war unbegreiflich von dem englischen Oberkommandanten, ohne mich zu warnen, den Rücken meiner Truppen zu entblößen, so daß ich von der einzigen möglichen Rückzugslinie auf Mossöen abgeschnitten bin."
Um 23 Uhr erhielt Oberst Goetz einen Brief von dem englischen Kommandierenden General Car. ton de Wyart und einen zweiten von dem französischen General A u d e t. Zu dieser Stunde war der größte Teil der englischen und französischen Truppen bereits an Bord der Transportschiffe im Hafen von Namsos. Der Abschiedsbrief des britischen Befehlshabers lautet: „Lieber Oberst Goetz, zu meinem größten Leidwesen unterrichte ich Sie hiermit davon, daß wir dieses Gebiet räumen müssen. Jeder von uns empfindet diese Tatsache sehr tief. Wir lassen einen ganzen Teil Material hier; wir hoffen, daß Sie dieses übernehmen können, und wir sind überzeugt, daß dieses für Sie und Ihre tapfere Armee von großem Nutzen sein wird. Wir selbst hoffen, daß wir wieder hierher zurückkommen und Ihnen helfen können, Ihren Kampf zu einem glücklichen Ende zu führen."
Der französische Befehlshaber gab seinem großen Bedauern darüber Ausdruck, daß er Norwegen heimlich auf diese Weise verlassen müsse. Er habe jedoch von höchster Stelle Befehl hierzu erhalten. Er sei ein Opfer des Krieges und könne nichts anderes tun, als dem Befehl zu gehorchen, so gern er auch bleiben wolle. Der Feldzug in Norwegen habe sich als bedeutend schwieriger durchzuführen gezeigt, als man vor der Absendung des alliierten Expeditionskorps habe annehmen können.
Ein Sonderberichterstatter des „Svenska Dag- bladet" weift auf die freudige Stimmung unter der norwegischen Zivilbevölkerung beim Abzug der bri-
stellt werden können, die jeweils nur wenige Mann an Bord haben, während mit einem von einer einzigen Fliegerbombe schwersten Kalibers versenkten Schlachtschiff 1100 bis 1500 Mann Besatzung verloren sind. So hat die Kühnheit und die hervorragende Schulung unserer Flieger, das ausgezeichnete Material und die sorgfältige Konstruktion ihrer Maschinen und Waffen wiederum einen Erfolg davonaetragen, der den Briten über die Einsatzkraft der oeutschen Luftwaffe ein Licht aufstecken wird. Albion hat allen Anlaß, um seine Seeherrschaft zu zittern.
Dr. Fr. W. Lange.
tischen und französischen Truppen aus Namsos hin. In dem Bericht des schwedischen Blattes heißt es, daß die tapferen norwegischen Truppen, die östlich von Strasavata standen, von Beginn der Operationen an von den Westmächten h i n t e r s Licht geführt- worben feien. Nach ihrer Auffassung hätten die Westmächte bereits nach ihrer großen Niederlage bei Steinkjer am 21. April den Beschluß gefaßt, sich aus dem Staube zu machen.
Nach dem Vaffenstillstand in Tröndelaa fei das ganze Namdal wie verwandelt gewesen. Man habe den Eindruck gehabt, als würde ein großes Volksfest gefeiert. Das Vdlk strömt mit eigenen ober erbeuteten englischen und französischen Kraftwagen nach Namsos, um sich an die Lebensmittel heranzumachen, bie die Westmächte in großen Mengen zurückgelassen hätten, dies besonders im Hinblick auf die Lebensmittelknappheit der in die umliegenden Gebirgsdörfer geflüchteten Zivilbevölkerung in den letzten Wachen. Fast alle konnten sich für mindestens einen Monat mit Lebensmitteln eindecken. „Unter der Zivilbevölkerung, die sich hier des reichlichen Proviants bemächtigte, gab es nicht
Berlin, 4. Mai. (DNB.) lieber den Unter- gang des Kreuzers „Blücher" am 9.April 1940 vor Oslo werden nachttäglich folgende Einzelheiten bekannt:
Ein Verband der Kriegsmarine unter Konteradmiral K u m m e tz, bestehend aus mehreren Kreuzern, Torpedobooten und kleineren Fahrzeugen hatte den Befehl, am 9. April früh überraschend i n d e n Oslo-Fjord einzulaufen und die an Bord der Kriegsschiffe eingesetztsten Truppen des Heeres in Oslo zu landen.
Beim Paffieren der Festung Oskarsborg eröffneten um 5.30 Uhr norwegische schwere Küsten- batterien plötzlich auf nur 500 Meter Entfernung das Feuer auf den vorausfahrenden Kreuzer „Blücher". Das Land war noch in Dunst gehüllt, dagegen war „Blücher" vom Lande aus gut zu beobachten. „Blücher" erwiderte sofort das norwegische Feuer mit allen Geschützen. Es gelang, die norwegischen Batterien niederzukämpfen und damit die Einfahrt für weitere deutsche See- stteitkräste freizumachen. „Blücher" hatte hierbei mehrere schwere Treffer erhalten. Sie setzten einen Teil der Kefselräume und Maschinen außer Gefecht und riefen im Mittelschiff und am Oberdeck Brände hervor. Trotz aller Bemühungen der Besatzung gelang es nicht, diese Brände einzukreisen. Nach Passieren der Dröbak-Enge erhielt „Blücher" außerdem noch mehrere Treffer norwegischer Torpedobatterien vom Lande her. Das Schiff wurde damit manövrierunfähig. Wegen der einbringenden Wassermassen mußte es aufgegeben werden. Der Kommandant gab Befehl, das Schiff zu verlassen. Mit einem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland, das der Kommandant, Kapitän z. S. Woldag, vor dem Verlassen des Schiffes ausbrachte, versank der Kreuzer „Blücher" mit wehender Flagge.
Als die schwersten Treffer der Küstenbatterie in
einen einzigen, der den fluchtartigen Abzug der Westmächte-Truppen bedauerte. In allen britischen und französischen Quartieren von Ooerhalla westlich bis nach Namsos sah es aus, wie man sich die Zerstörung Jerusalems vorstelltc*. Tonnenweise lagen Lebensmittel und Konserven, Fässer mit Rotwein und Spirituosen, Tausende von Zigarettenpackungen, Munition, Fahrräder, Motorfahrzeuge und Kraftwagen in der Gegend und überall stürzten sich hungrige Menschen auf den Üppigen Vorrat. Wenn kein Kraftwagen zur Verfügung stand, wurden die englisch-französischen Güter auf Schubkarren in Sicherheit gebracht. Die kleinen Gefährte waren so überladen, daß sie zeitweilig nicht von der Stelle gebracht werben konnten." Augenzeugen berichten, daß die Einschiffung der englischen Truppen in größter Unordnung vor sich ging und einer Flucht glich. Dagegen waren bie französischen Truppen in Reih unb ©lieb am Hafen aufmarschiert unb bas Anborbgehen vollzog sich in größter Orbnung. Zum Schluß wird von dem Korrespondenten des „Svenska Dagbladet" festgestellt, daß die Engländer weder genügend Artillerie noch Flakgeschütze besaßen. Dagegen waren sie reichlich mit automatischen Gewehren, einfachen Flinten und Armeerevolvern ausgestattet, von denen Tausende zurück- gelassen wurden.
Norwegen erkennt den Verrat.
Oslo, 5. Mai. (Europapreß.) Die norwegischen Tageszeitungen erfassen jetzt den vollen Umfang des englischen Verrats an Norwegen. „Tidens Tegn" schreibt, „Churchills norwegisches Abenteuer ist zu Ende. Es war kurz und unrühmlich, aber es habe Norwegen viele junge Menschenleben gekostet. Das Volk muß sich von jetzt an der Wirklichkeit anpaffe n." Im „Morgenbladet" heißt es, „nachdem wir jetzt auch erfahren, wie sich die Engländer in den Kampfgebieten betragen haben, steigert sich unsere Bitterkeit bis zum Höhepunkt des Möglichen".
den „Blücher" einschlugen, blieben die Mannschaften der eingeschifften Truppen ruhig auf ihren Plätzen. Den Verwundeten wurde sofort Hilfe geleistet. In den Augenblicken der ärgsten Beschießung taten die Sanitätsoffiziere ruhig wie auf dem Verbandsplatz ihre Pflicht. Als schließlich der Befehl zum Verlassen des Schiffes gegeben wurde, zeigte sich die Disziplin, die den deutschen Soldaten selbst in den gefahrvollsten Stunden nicht verläßt. Zahlreiche Beispiele werden berichtet, wo Jüngere ihre Schwimmwesten älteren Kameraden anboten, ja gegen deren Willen ihnen ihre eigenen Schwimmwesten umbanben. Ein Rettungskutter blieb fast leer, weil jeber bem anberen den Vortritt lassen wollte. Ein junger Infanterist suchte, bevor er ins Wasser sprang, noch aus einem Haufen von Gewehren feine Nummer hervor. Ein anderer holte von einer schon in Brand geratenen Stelle fein Maschinengewehr und schwamm damit an Land. Immer wieder bemühten sich junge Soldaten um ihre älteren Vorgesetzten, um ihnen eine Rettung zu ermöglichen. Auf einem Floß lag ein schwerverletzter Fähnrich. Die Männer konnten das Floß nicht richtig handhaben. Es drohte, in den Sog des bald versinkenden „Blücher" hinein- zugeraten. Da ließ sich der sterbende Fähnrich auf- richten, gab ruhig seine Kommandos und so kam das Floß an Land.
Schließlich neigte sich der „Blücher" und begann mit dem Bug zu versinken. Die am Ufer stehenden Soldaten fangen das Deutschlandlied. Einsam stand auf dem sich immer mehr heraushebenden Heck ein deutscher Soldat. Entblößten Hauptes stand er aufgerichtet, die rechte Hand zum Deutschen Gruß erhoben und versank so mit dem Schiff. Das Schicksal wollte es, daß dieser Mann vom Sog wieder emporgerissen wurde und von einem Rettungsboot ausgenommen werden konnte.
SchimpslicherVerratandennmtvegischenAuppen 3m Gteinkjer-Abschnitt heimlich im Stich gelassen.
Stockholm, 4. Mai. (DNB.) Der Rückzug der britischen und französischen Truppen aus Namsos stellt
Sin Hohes Lied deutschen Soldatentums
Oer Untergang des Kreuzers „Blücher" am 9. April vor Oslo.
gezielten Torpedoschüssen zu versenken. Seit diesen Erfahrungen war deshalb auch England, dessen Seeherrrschaft auf der Stärke seiner Schlachtflotte beruht, in allen Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung zur See emsig bemüht, die U-Bootwaste ganz abzuschaffen, denn sie setzte auch die kleineren und weniger kapitalkräftigen Nationen in die Lage, sich in weit kürzerer Zeit und mit weit geringeren Mitteln eine höchst beachtliche Waffe zu schaffen, die in der Seekriegführung mitsprechen konnte. Zudem zwang die U-Bootwafse dazu, die Panzerung der Schlachtschiffe auch unter der Wasserlinie erheblich zu verstärken, vielfach wurden auch Torpedowulste eingebaut. Im Flugzeug ist nun dem Schlachtschiff ein neuer und vielleicht noch furchtbarerer Gegner erwachsen. Eine einzige gut gezielte schwere Bombe eines deutschen Sturzkampfflugzeuges zwischen die beiden Geschütztürme eines britischen Schlachtschiffes hat genügt, dieses nach einer schweren Explosion in der Munitionskammer binnen wenigen Minuten zum Sinken zu bringen. Was bisher nur bei Zerstörern und erst am 15. April zum ersten Mal bei einem Kreuzer gelungen war, die totale Vernichtung durch Bombentreffer aus der Luft, das hat sich nun auch bei den größten Einheiten der britischen Flotte als wirksam erwiesen. Gegenüber dem Elan der deutschen Sturzkampfflieger hat nicht nur die britische Luftabwehr vollkommen versagt, auch die mehrfache Deck-Panzerung der britischen Schlachtschiffe hat sich gegenüber der Durchschlagskraft deutscher Bomben schwersten Kalibers als unzureichend erwiesen, eine Tatsache, die für die Entwicklung der Seekriegführung und der Schiffsbauprogramme von kaum zu unterschätzender Bedeutung werden wird.
Noch kurz vor dem Kriege hatte ein bekannter britischer Marinefachsrchiftsteller erklärt: „Es ist heutzutage möglich, vermöge der Reichweite der Abwehrwaffen die feindlichen Flieger in solcher Höhe zu halten, daß ihre Angriffe unschädlich werden, mit Ausnahme von Zufallstreffern. Versuchen sie, auf geringere Höhen herabzugehen, so ist ihre Vernichtung durch die Nahkampfabwehrwaffen eines modernen Kriegsschiffes eine vorher ausgemachte Tatsache. Es ist unbestrettbar richtig, daß die bri- ttsche Flottenflak über die Angriffskraft der Flieger Herr geworden ist und zur Zeit sogar ein Hoch- oder Tiefangriff gegen ein Schlachtschiff oder gegen einen Kreuzer mit mehr Gefahr für den Angreifer verbunden ist als für das Schiff." — Die deutsche Luftwaffe hat die Herren der britischen Admiralttät, die sich über den Angriffsgeist deutscher Flieger, ihre Treffsicherheit und die Durch- scylagskrast ihrer Bomben in einem so fundamentalen Irrtum befanden, sehr schnell eines besseren belehrt, und die Folgen dieser britischen Kurzsichtigkeit sind noch nicht abzusehen, denn es ist der Beweis geliefert, daß die Luftwaffe sehr wohl imstande ist, auch das Rückgrat der britischen See- Herrschaft, die Schlachtflotte, zu zerbrechen. Zweifellos wirb man versuchen, bei den noch im Bau befindlichen Schiffen die Deck-Panzerung zu verstärken, aber es ist anzunehmen, daß ein ähnlicher Wettlauf wie er zwischen Geschützkaliber und Panzerung bislang die Geschichte des Kriegsschiffsbaus beherrschte, nun zwischen Fliegerbombe und Panzerung beginnt, wobei beachtet werden muß, daß man selbstverständlich die Panzerung nicht beliebig verstärken kann, ohne nicht andere Kampfmittel des Schiffes empfindlich zu beeinträchtigen wie Schiffsartillerie und Geschwindigkeit. Bei dem 1935 vom Stapel gelaufenen französischen 26 500-Tonnen-Schlachtschisf „Dunkerque" beträgt der Anteil der Panzerung bereits 42 v. H. der gesamten Wasserverdrängung und bei dem 1939 vom Stapel gelaufenen britischen 35 000-Ton- nen-Schlachtschiff „King George V." beansprucht die Panzerung 14 000 Tonnen des Gesamtgewichts. Das sind Zahlen, die zu denken geben. Aus den Vereinigten Staaten kommt soeben die in diesem Zusammenhang besonders interessante Nachricht, daß das amerikanische Marineministerium auf Grund der Erfahrungen des deutsch-britischen Seekrieges vor der norwegischen Küste bereits gewisse Konstruktionsänderungen beim Bau der neuen amerikanischen Schlachtschiffe an geordnet habe, um Artillerie unb Besatzung besser als bisher gegen Fliegerbomben zu schützen. Man denkt an einen „schildkrötenartigen Panzer", ist sich aber ebenfalls klar darüber, daß diese Verstärkung des Panzerschutzes eine erhebliche Gewichtsänderung mit sich bringen,
Morgendliches Wecken.
Von Nalph Urban.
Es gibt auch hinsichtlich des Schlafens gute und schlechte Menschen. Die guten erwachen in gehobener Selbstdisziplin freiwillig fünf Minuten vor der Zett, oder sie springen beim ersten Weckerschrei mit beiden Beinen zugleich aus dem Bett, machen auf der Stelle drei tiefe Kniebeugen und sind sofort freundlich. Da aber die Engelchen auf Gottes Erden recht spärlich gesät sind, befinden sich die mit Schlechtigkeit behafteten Menschlein in erdrückender Ueberzähl. Wobei in diesem besonderen Fall die weibliche Tugend noch mehr als sonst über den Dingen steht und glänzt. Vielleicht hat die weife Natur einen Ausgleich geschaffen, indem sie den Mann als Schläfer und die Frau als Wecker erschuf. Mit Ausnahme jener Märchen, in denen der Mann der Frau leise das Frühstück ans Bett stellt und auf Zehenspitzen aus dem Haus schleicht, um das gemeinschaftliche Stück Brot für den Mittagstisch zu verdienen. Ansonsten ist der Teufel bekanntlich männlichen Geschlechts.
Das schwärzeste aller schwarzen Schafe ist natürlich schon wieder der Junggeselle. Freilich bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel. Manchmal genügt ein ganz einfaches „Rrrraus!", daß er flink wie ein junger Aste aus dem Bett springt und noch mit geschlossenen Augen stramm steht. Dies aber nur, wenn* ihn' bei der Wehrmacht der Unteroffizier vom Dienst weckt. Im grauen zivilen All- taa ist es jedoch anders. Am Abend will der Junggeselle nicht schlafengehen, morgens will er nicht aufstehen. Davon wissen die an der Tür wundgeklopften Knöcheln der freundlichen Wirttnnen ein Klagelied zu singen. Aber danke dem Schicksal, Junggeselle, so du noch eine Wirttn hast, die in mütterlicher Fürsorge zu deinem Besten den täg. liehen Heldenkampf mit dir besteht! Bist du hin- aegen nur auf deine drei Weckeruhren angewiesen, die dich im Abstand von fünf Minuten deiner Pflickten gemahnen, dann bist bist du erschossen. Du schlägst haßerfüllt nach deinem technischen Gewissen und verkriechst dich in die Kissen. Du rollst dich zusammen wie ein Igel und willst nicht Die innere Wildsau läßt dich erst aus den Klauen, bis du regelrecht verschlafen hast.
Zur Morgenstunde kann man es genau beobachten. Da jagt ein Mann dahin, der sich im schnellen Lauf erst den Kragen zuknöpft. Dort hüpft einer an der Haltestelle in verzehrender Ungeduld wie ein Gummiball auf und nieder. Und dort wieder rast mtt heraushängender Zunge ein Unglücklicher dem
Autobus nach. Sie alle sind Junggesellen, die verschlafen haben.
Es gibt natürlich nichts Beschämenderes, als zu spät an seinen Arbeitsplatz zu kommen. Gar manchem Junggesellen erging es schon ähnlich wie dem Herrn Kunz, der reueerfüllt eines Morgens auf feinem Bettrand faß, mit den Zähnen knirschte und sich vornahm, ab morgen ein anderer Mensch zu werden. Für heute aber war es bereits um eine Stunde zu spät. Also beschloß er, lieber blau zu machen, anstatt als traurige Figur erst um neun Uhr im Geschäft zu erscheinen. Mit nagendem Ge- wissenswurm und dem Kater in sich schleppte er sich also zum Fernsprecher und rief seinen Chef an.
„Hier Kunz", meldete er sich, „ich habe leider hohes Fieber mtt Schüttelfrösten."
„Das ist sehr bedauerlich", entgegnete der Gewaltige nicht unfreundlich, „was kann ich für Sie tun?"
,Zch bitte nur", flötete Kunz, „mich für heute freundlichst zu entschuldigen. Morgen bin ich bestimmt schon wieder arbeitsfähig."
„Dann ist es aut", meiyte hierauf der Chef, „wir haben nämlich heute Sonntag."
Was der Junggeselle in seinen Drang- und Wanderjahren an Schlaf versäumt hat, das ist er be- ftrebt, als Ehemann nachzuholen. Manchmal wird sogar ein Frühzubettgeher aus ihm, der aber trotzdem oder aus alter Gewohnheit am Morgen nicht heraus will. Und wenn er auch das erstemal bereits um drei Uhr, das zweitemal um vier und das drittemal um fünf munter geworden ist, so schläft er um sieben störrisch tief wie jenes Murmeltier mit dem Halsband.
„Burschele", ruft das liebende Weib erstmalig, „es ist Zeit!"
„Mmnimm—" entgegnet der Mann und wirft sich auf die andere Seite, daß die Sprungfedern quietschen.
„Es ist fünf nach sieben!" ertönt bald darauf eindringlicher die (Stimme der Frau.
„Laß mich schlafen —
„Steh auf, es rft wirklich höchste Zettl"
Im Bett knurrt es.
Die Frau nähert sich dem Bett, rüttelt den Mann an der Schulter und springt dann vorsichtshalber zurück. Er grollt, faucht und spuckt. Die Frau wartet einige Sekunden, bis im Bett Ruhe ein getreten ift. Dann schleicht sie auf die andere Seite, kriegt die Decke zu fassen und zieht mit kräftigem Ruck. Der Mann, der unterbewußt beretts darauf gelauert hat, erwischt die Decke gerade noch und zieht dagegen während « jchreckliche Laute ausstößt.
Bleibt nach hartem Ringen die Frau endlich Siegerin und richtet sich der Mann stöhnend auf, dann macht er das Gesicht eines Löwen, der irrtümlich eine Zitrone gegessen hat. Mit der Ueberzeugung, daß ihm bitter Unrecht geschehen ist, schleppt er sich ins Badezimmer. Und erst, wenn er den Kaffee riecht, wird er zugänglicher.
Preißt die Frauen, ihr Ehemänner, da sie euer zweites und besseres Ich sind, das euch des morgens liebend weckt und auf die Beine stellt. Und wenn ihr schon am Morgen brummig und verschlafen seid, dann zeigt euch wenigstens erkenntlich, indem ihr sie nicht schon erstmalig um acht Uhr am Abend angähnt.
Lieder und Dichtungen dreier Kriege.
Die jüngste Morgenfeierunseres Stadttheaters brachte Lieder und Gedichte, die nach Geist und Gehalt in der Gegenwart besonders gut verstanden wurden und aus diesem Verständnis heraus auch einen tiefen Eindruck machten. Lieder und Gedichte aus der Zeit dreier Kriege gelangten zum Vortrag und wurden von den Beteiligten mit einer so starken inneren Anteilhaftigkeit wieder- gegeben, daß jeder Zuhörer das Außerordentliche in diesen Dichtungen lebhaft empfand und aus dem Geschehen der Gegenwart auch den Geist verstand, der Vorväter und Väter in den Jahren 1813 und 1914/18 erfüllte. Man hörte Worte und Gedichte von Ernst Moritz Arndt, von Theodor Körner und von Max von Schenkendorf, aus denen die Lohe der Freiheits- und Vaterlandsliebe schlug. Aus einem Hölderlinfchen Gedicht erfühlte man des Dichters heroische Auffassung vom Tode für das Vaterland. In die Zeit des Weltkrieges führten dann Gedichte von Rudolf Binding, Walter Flex, Heinrich Lersch und Mirko Jelusich, schließlich kamen auch Dichter der Gegenwart zu Wort, unter ihnen Hel- muth Klessel, der vielen Gießener Soldaten auch der Person nach nicht unbekannt ist. Von ihm hörte man zwei Gedichte und ein Lied, in denen unmittelbare Erlebnisse aus dem Polenkrieg in reiner und schöner Sprache ihren Niederschlag fanden. Um die Wiedergabe machten sich Siegfried Lowitz, Friedrich G r ö n d a h l und Hans Caninenberg verdient. Die Folge der Gedichte wurde durch Liedvorträge des Soldatenchores eines Infanterie-Bataillons unterbrochen. Das Auftreten des Chores gab der Morgenfeier die schlichte militärische Form und den sinngemäßen Rahmen. Die Leitung der Veran-- ftattung hatte Gerhard Reuter.
H, L, Neuner,
Blütenwunder im Frühling! Von Jakob Kneip.
Ein ärmlich graues Dorngestrüpp, das nicht einmal für den Ofen nütze war, — so stand es den langen Winter über an steilen Hängen, an mageren Böschungen, um Steinbrüche, Abfallkaulen und alte Feldbrunnen; dem Hirten, dem Jäger oft genug hinderlich und lästig, dem Bauern ein verhaßter Eindringling, da wo es den Rand feiner Wiesen und Aecker überwucherte.
Aber was für eine Wandlung, was für ein Wunder geschah: fast über Nacht erblüht, prangt all das schwarze Dorngestrüpp, das armseligste aller Feld- und Waldgebüsche, in weißer Frühlingspracht. Noch stehen alle anderen Sträucher, Büsche, Bäume ringsum in trauriger Winterarmut, da leuchtet der Heckendorn schon weithin ins Land, und von seiner abstoßenden Häßlichkeit ist nichts mehr geblieben. Der magere Steinhang wird unter ihm ein helles Paradies; die einsamen Feldwege, wo am Werktag die Pflüger, am Sonntag die jungen Burschen und Mädchen gehen, laufen nun weithin, von weißen Büschen umduftet und umleuchtet, durchs Land. Der zerrissene Steinbruch ist wunderbar von weißen Hecken umrahmt; ja selbst die häßliche Kieskaule steht von himmlischer Blütenfülle überdeckt.
Und sieh: Der Zaunkönig, die Goldammer, die Amsel, die Meise und Grasmücke kommen zu Gast und treiben verliebtes Fangspiel im blühenden Oe- zweig. Schmetterlinge, angelockt von dem schönen Geleucht, taumeln dahin im warmen Mittagslicht. Am Heckensaum aber sind nun auch die Veilchen erblüht. In der Sonne glitzert ringsum das unscheinbare Gestein, und drinnen im Dunkel zieht über Wurzel und Kiesel die Schnecke wieder ihren glänzenden Pfad. Hinter den Hecken aber spielen nun die Dorfkinder Verstecken oder schlagen Purzelbäume auf der sonnigen Wiese am Hang.
Und eben sehe ich die dunkeläugige Sophie Reusch zwischen den schneeweißen Hecken dahinschreiten. Schwebend war ihr Schritt. Ihr braunes Haar glänzte im Licht der sinkenden Sonne. Sie führte ein junges Rind am Halfter. Wie in Träumen ging sie und sang leise vor sich hin. Ueberraschend, wie ein plötzliches Wunder, schien sie mir erblüht! Mir war, als hätte ich sie nie schöner gesehen.
Nun steht sie drüben an dem alten wildverwachsenen Feldbrunnen und tränkt ihr Rind, lieber die dunkle, von weißem Schlehdorn umrahmte Quelle steht sie geneigt ...
Schaut sie träumend im Spiegel zwischen den blühenden Ranken ihr Bild? — Drüben im Birken- Mld« SM Dsrftnds Wägt chM fefc MMM aty


