schäfte und Wasserhäuschen heimgesucht. Die Beute, darunter auch erhebliche Mengen Lebensmittel, wurde in den Wohnungen der Täter geteilt, zum Teil auch an dritte Personen verkauft. Die Sachen konnten bisher nur zum Teil wieder -urückgebracht werden. *
Aundfunkprogramm
Sonntag, 7. Januar:
6 Uhr: Hafenkonzert 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Wir singen den Sonntag ein! Ausführung: Der Chor des Reichssenders Frankfurt. 8.40: Dichter unserer Zeit: „Eine Begegnung". Eine Kurzerzah- lung. 9: Wie schön ist so ein Feiertag! 10.15: Gläubiges Herz. Eine Stunde der Besinnung am Feier- tag. „Unser Sieg ist unser Dank". 10.55: Funkstille. 11: Orchesterkonzert. Werke von Robert Schumann. 12.30: Nachrichten. 12.40: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Uns gehört der Sonntag! Ein Rei- gen sorgloser Melodien. 14.45: Liebe Soldaten, schaltet ein, Euch grüßt der Kinderfunk Frankfurt am Main! Eine fröhliche Sendung mit Versen und Liedern von Helma Claus. 15.25: Volkstum und Heimat: „Frau Holle herrscht". Bäuerliches Brauchtum zwischen den Jahren. 16: Großes Wunschkonzert für die Wehrmacht. Dazwischen: 17 bis 17.10: Nachrichten. 19.30: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15:
Übertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.
Montag. 8. Januar:
6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Weckruf der Arbeit — Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Schulfunk (Grundstufe). „Der Trippel-Trappel- Topf". 10: Frohe Weisen. 10.45: Sportberichte. 11: I. Kammermusik für Moli ne und Klavier. II. Kleine Musikanten an großen Instrumenten. 11.50: Mikrofon unterwegs. 12: Mittagskonzert. Das große Orchester des Reichssender Hamburg. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14 15: Der fröhliche Lautsprecher. 16: Nachmittagskonzert. Dos kleine Unterhaltungsorchester des Reichsenders Wien. 17: Nachrichten. 17.10: Musikalische Kurzweil. 17.45: Klingende Liebesgaben des Reichsfenders Frankfurt. Eine fröhliche Stunde bei und für un» fere Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". 19.10: Zur Unterhaltung. Otto Dobrindt spielt. Dazwischen: 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschland sender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.
Wirtschaft.
Rhein-Mainische Börse. •
Tendenz uneinheitlich.
Frankfurt a. M., 5. Jan. Aus dem Publikum hielt der Anlagebedarf nach dem Zinstermin an, dagegen zeigten die Börsenkreise keine größere Un- ternehmungÄust und stellten verschiedentlich weiterhin noch etwas glatt. Bei verminderter Umsatztätigkeit war die Kursentwicklung am Aktienmarkt uneinheitlich, wobei sich die durchschnittlichen Abweichungen zumeist bis zu 1 v. H. bewegten. Die Grundtendenz war im ganzen gesehen weiter fest. Stärker abweichend waren am Montanmarkt Harpener Mit 162,25 (164,65) Ilse Genuß gaben 0,75 v. H. ab auf 164,25, während Mannesmann 0,40 v. H. gewannen auf 112,90 und Verein. Stahl mit 105,90 (106) und Buderus mit 100,75 (100,90) behauptet blieben. JG.-Farben befestigten sich um 0,90 v. H. auf 169,40, Rütgerswerke um 0,25 v. H. auf 157. Im übrigen kamen vorerst noch AG. für Verkehr mit 122 (123), Daimler mit 126,25 (127), Rheinmetall mit 128 (128,75), andererseits Heidelberger. Zement mit 149 (148), Zellstoff Wald- hof mit 121,75 (121,25) und Mainkraftwerke mit 92,50 (92) zur Notiz.
Am Rentenmarkt war di« Nachfrage noch größer. Gesucht wurden vornehmlich Pfandbriefe und Schatzanweisungen, auch verschiedene Staats- und Länderanleihen fanden Nachfrage. Goldpfand- briefe wurden vielfach scharf repartiert, Kommunal- Obligationen zogen z. T. 0,25 v. H. an. Etwa 0.25 bis 0,50 v. H. höher notierten ferner die meisten
Industrie-Obligationen, während Stadtanleihen und Ligui-Psandbriefe behauptet lagen. Im Freiverkehr Kommunal-Umfchuldung 95 (94,95), Aeuergut- scheine I April/Mai 99,40 (99,30).
Im Freiverkehr war die Haltung fest. Ding- ler 79 (78), Katz & Klumpp 82 (80), Rastatter Waggon 45 (44). Tagesgeld unv. 1,75 v. H.
granffurter Schlactttoiöhmarkt
Frankfurt a. M., 5. Januar. Notiert wurden je 50 Kilo Lebendgewicht in RM. (die eingeklammerten Zahlen sind die vom letzten Maickt): Ochsen a) 45 bis 46,50 (44 bis 46,50), b) 41 bis 42,50 (40 bis 42,50), c) 34 bis 37,50 (36 bis 37,50). Bullen a) 42,50 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (39 bis 40,50), c) 35 (34 bis 35,50). Kühe a) 41,50 bis 44,50 (41,50 bis 44,50), b) 37 bis 40,50 (37 bis 40,50), c) 28 bis 34,50 (26 bis 34,50), d) 16,50 bis 25 (16 bis 25). Färsen a) 43 bis 45,50 (44 bis 45,50), b) 40 bis 41,50 (40 bis 41,50), c) 36,50 (30 bis 36,50), d) 27 (27). Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 54 bis 59 (55 bis 59), c) 44 bis 50 (45 bis 50), d) 20 bis 40 (30 bis 40). Hämmel a2) 50 bis 51 (49 bis 50), b2) 48 bis 49
(44 bis 47), c) 30 bis 44 (34 bis 42), d) 20 bis
22 (—). Schafe a) 42 bis 44 (42), b) 34 bis 40
(34 bis 37), c) 22 bis 32 (25 bis 32). Schweine
a) 55,50 (56), bl) 55,50 (56), b2) 55 50 (56), c) 54,50 (55), d) 51,50 (52), e) 49,50 (50), Sauen gl) 55,50 (56). Marktverlauf: Großvieh, Kälber, Schafe und Schweine zugeteilt.
Fuhb'll um die Kneqsmeifferschast.
DfB.-Reichsbahn I. — Sportverein 05 Wetzlar L
Auf dem Waldsportplatz werden morgen die Gäste aus der Dornstadt zum fälligen Punktekampf erwartet. Die Spiele mit dem alten Rivalen Wetzlar haben noch nie ihren Reiz verfehlt, waren sie doch stets hart und spannend. Die Wetzlarer, die bei den vorjährigen Meisterschaftsspielen erstmals beide Treffen verloren, werden die Gelegenheit wahrnehmen und sich voll einsetzen, damit die Scharten ausgewetzt werden. Die Mannschaft ist in Gießen zur Genüge bekannt um zu wissen, daß sie als spielstark anzusprechen ist. Die hohe Niederlage der Gießener Stadtmannschaft am Neujahrs
tage hat deutlich gezeigt, was in der Elf aus Wetz- lar steckt. Die Grünweißen, die ihr zweites Punktespiel in Leihgestern siegreich beenden konnten, haben wieder eine starke Mannschaft auf die Beine gebracht, die aber in diesem Spiel nur dann bestehen kann, wenn sich jeder Spieler der Schwere des Kampfes bewußt ist. Es ist mit einem erbitterten Kampf zu rechnen, dessen Ausgang völlig ungewiß ist.
Watzenborn-Steinberg I — 1900 Gießen I.
Zum fälligen Kriegsmeisterschaftsspiel empfängt die 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" Watzenborn- Steinberg am morgigen Sonntag die 1. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen. Schon stets lieferten sich beide Mannschaften spannende Spiele
mit meist wechselndem Erfolg. Blieben die Leiste vom Trieb in den inzwischen beendeten Rundenspielen mit 3:2 Sieger, so siegten die Teutonen vor einigen Sonntagen im abgeschlossenen Gesellschaftsspiel mit 3:0 Toren. So wird auch morgen an der Neu müh le ein Spiel zum Austrag kommen, das die Zuschauer bis zur Schlußminute begeistern wird. Sa es um die vielbegehrten Punkte geht, wird jeder Verein bemüht sein, die zur Zeit beste Mannschaft auf die Beine zu bringen.
(Hutes Meldeergebnis.
Vor den Kreismeisterschaften im Schilauf.
Aller Voraussicht nach gibt es morgen auf dem Hoherodskopf einen großen Tag. Nach dem günstigen Meldeergebnis zu schließen, wird eine stattliche Schar von Wettkämpfern antreten, um im Langlauf, im Tor. und im Abfahrtslauf um Sieg und Titel zu kämpfen. Besonders stark ist die Jugend beteiligt. Zahlreiche Kameraden der HI. und viele Schihäferln aus dem BDM. haben gemeldet, so daß es auch zu Mannschaftswertungen kommen kann. Neben den Aktiven wird man auch in den verschiedenen Altersklassen mit guter Beteiligung rechnen dürfen. Neben dem Kreis VIII ist auch'der Kreis XI im NSRL. an den Wettkämpfen beteiligt.
Der größte Teil der Schiläufer aus Gießen trat
bereits heute morgen die Reife in den hohen Vogelsberg an und mancher Wettkämpfer wird bemüht fein, mit den gegenwärtigen Schneeverhält- niffen vertraut zu werden. Außerdem gilt es natürlich auch manche organisatorische Vorarbeit zu leisten, für die sich viele Helfer zur Verfügung gestellt haben. Für die glatte Durchführung Der Zeitnahme wird eine Telefonleitung gelegt, für deren Bau und Bedienung sich die Nachrichten-Hitler- Jugend zur Verfügung gestellt hat. Die Schneever- hättnisie im hohen Vogelsberg sind befriedigend.
Horst Raber wieder Eiskunstlauf-Meister.
Bereits in der Pflicht hatte Horst Faber (München) bei der Deutschen Eiskunstlaufmeisterschaft der Männer in Wien eine so sichere und reife Linie gezeigt, daß man bei einigermaßen gleichbleibenden Leistungen bei der Kür am Donnerstagabend mit der erfolgreichen Verteidigung seines Titels rechnen mußte. Faber wurde denn auch abermals Groß- deutscher Meister vor den beiden ausgezeichneten Wienern Edi R a d a und Helmuth M a y , die ebenfalls ein geschickt aufgebautes Programm liefen, aber an die unbestechliche Sicherheit und Elegan, des Meisters nicht ganz herankamen.
Aus aller Well.
Soldaten aus den Wohnungen zum Erschießen ab.
Beobachtungen mitgeteilt.
Ein Bild von Karl Lenz vom Führer angekauft
Ermordung von Volksdeutschen durch klare und einwandfreie Zeugenaussagen bestätigt worden ist.
Ein polnisches Flintenweib vor dem B'oinberger Sondergencht.
Bromberg, 5. Jan. (DRV.) Das verbrecherische Verhalten polnischer Flintenweiber in den vchreckenstagen des September ist bereits in zahlreichen Verhandlungen der Sondergerichte bestätigt worden. Gerade die polnischen Frauen waren es, die in fanatischem Haß gegen alles, was deutsch ist, den Männern in nichts nachftanden. Sie legten dabei eine solche abgrundtiefe Grausamkeit und so viel Bestialität an den Tag, daß selbst Mitglieder der polnischen Rollkommandos sich veranlaßt sahen, oft gegen diese wildgewordenen Furien einzuschreiten. Dor dem Sondergericht in Bromberg stand' die 54jährige Buchhalterin Sophie Lonkowska, die schon als sadistisches Flintenweib an dem polnischen Ausstand in Oberschlesien teilgenommen hatte. Sie siedelte später nach Bromberg über. Im September ergriff sie als eine der ersten die Waffen gegen die Bromberger Deutschen. In der Uniform eines polnischen Unteroffiziers begleitete sie die Züge der verhafteten Deutschen und holte diese sogar zusammen mit polnischen
und ge fährlicher Berufsverbrecher, bat im Oktober 1930 auf der Landstraße einen Arbeiter in Raubabsicht überfallen und ermordet. Im Dezember 1930 hat er eine Theaterkassiererin in Brieg beraubt und getötet und mar deshalb damals nur zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt worden. Erst während der Verbüßung dieser Strafe gelang es, den früheren Mord aufzuklären. — Am 5. Januar 1940 ist der am 21. Juni 1914 in BitterfeD geborene Erich E ck a r d t hingerichtet worden, der vom Sonderge- richt in Halle a. d. S. am 8. Dezember 1939 wegen versuchter Notzucht und Verbrechens gegen die Verordnung gegen Volksschädlinge vom 5. September 1939 zum Tode und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Eckardt hat von August bis November 1939 vier Frauen und Mädchen, teilweise unter Ausnutzung der Verdunkelung, a u f der Straße überfallen und z u vergewaltigen versucht. -
Landesverräter hingerichtet.
Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Der vom Volksgerichtshof wegen Landesverrat zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilte 22jährige Heinrich Gebhardt aus Harreshausen
Hierbei hetzte si- die Mordgesellon zu ihren blutigen ] 'f‘ S°m-t°gnu>rgen hingerichtet morbtn. Der Der- Schandtaten auf. Das Gericht verurteilte di- Son- feilte hat s'ch -U- Gewinnsucht einem feind- kowska wegen gemeinschaftlichen Mordes und Land- , l l ch e n No ch r , ch t e n d I e n st zur Verfügung friedensbruches zum Tode, nachdem ihre Teil- gestellt, IN dessen Auftrag- mehrer- Ausspähung», nahm- an d-r Mihhandlung, Verschleppung und reifen ms Reich unternommen und ,hm seine
Vollstreckung von Todesurteilen.
Am 5. Januar ist der am 28. Oktober 1893 in Neuland, Kreis Löwenberg in Schlesien geborene Richard Neumann hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Leonding wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilt worden mar. Neumann, em verkommener Sittlichkeitsverbrecher, hat hn November 1919 ein 20 Jahre altes Mädchen, das feinem Annäherungsversuch ausgewichen mar, überfallen und ermordet. Der Verbrecher hat eine ähnliche Tat im Jahve 1930 begangen, derentwegen er damals nur zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Erft während er diese Strafe verbüßte gelang es, das Verbrechen aus dem Jahve 1919 auf» zuklären. — Am 5. Januar 1940 ist der am 2. Juni 1902 in Brieg geborene Paul Rieger hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Brieg wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilt worden war. Rieger, ein verkommener
Karl Lenz, der Bauernmaler des Hessenlandes, der auch in diesem Jahre wieder auf der Großen Münchener Kunstausstellung ausgestellt hatte, hat zu Weihnachten die Mitteilung erhalten,' daß her Führer das Bild „W inter in Erdhaufen" angekauft hat.
Professor Bobo Ebhardt 75 Jahre alt.
Am 5. Januar vollendete der Geheime Hofbaurat Professor Bodo Ebhardt auf der Marksburg fein 75. Lebensjahr. Professor Ebhardt, dessen Name als Wiederhersteller zahlreicher Burgen in ganz Deutsch, land bekannt ist, stammt aus Bremen und widmete sich bereits frühzeitig der Baukunst. Bekannt wurde
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
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Komonüon$rlöanetttiöß(f
CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35
15 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Willem spielt sein Erstaunen so schlecht, daß Anne nur mühsam das Lachen verbeißen kann. Sie weiß gar nicht, wo sie Hinsehen soll, wendet den Kopf zu Seite und — sicht in Christian Schwertfegers lustige Augen. Er sitzt am Nebentisch und nickt ihr zu, wie in der Halle der Zollabfertigung. Gott, liegt das weit zurück!
Und Willem kommt 'mit dem Mädchen Margot und einer unvorstellbar dicken Frau zurück. „Das ist aber ein glänzender Zufall, gnädiges Fräulein", sagt er so laut, daß es seine Großmutter hören muß, „ausgerechnet an unserem Tlsch haben Sie Plätze. Bitte, Großmama, — gestatten Sie, gnädige Frau, — meine Großmutter, Frau Geheimrat Schönemann, — Frau Wenzien, Fräulein Wenzien, eine bekannte Hamburger Malerin, Fräulein Wegner."
So, die Vorstellung ist gottlob überstanden, man merkt Willem an, daß er Herzklopfen hat. Frau Geheimrat hat mit einem Seitenblick auf die alte Frau Wenzien nur sehr kurz genickt. Die ruschelt indes geschäftig um den Tisch. „Alt bei alt", sagt sie und laßt sich neben der Geheimrätin nieder. „Mer was Sie da von bekannter Malerin sagen, Herr Schönemann, das ftimmt nicht. Kann sie ja gut und gern noch mal werden, denn die Wenziens sind alle tüchtig in ihrem Fach. Ich will mal meinen seligen Bruder nehmen, der war ein Maurerpolier! In ganz Hamburg konnten sie so einen mit der Laterne suchen und Margot, allens, was recht ist — ’ne fixe Beern ist sie immer gewesen, aber bis nu haben bloß Verwandte die Bilder gekauft, ischa auch gar nix dabei."
Die junge Malerin hat einen dunkelroten Kopf, und Willem zerpflückt ein Brötchen. Brett und gemütlich sitzt Manda Wenzien neben der hageren Geheimrätin. Der Steward kommt. Vornehm und leise kommt er daher und bringt die Brühe. „Sich, das ist nett, Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen", sagt Manda. Sie löffelt und schluckt laut. Das Geräusch vieler Stimmen, das Klappern von Tellern, das Lachen vermengen sich zu lustigem Summen. Draußen steht der Abend unwirklich blau hinter den geöffneten Bullaugen — ein seidenes Tuch, das langsam die Farbe wechselt und dunkler wird.
Manda ist am ersten mit ihrer Brühe fertig, nun fitzt sie wieder da und schaut sich vergnügt nach
allen Seiten um. Sie trägt ein schwarzes Wollkleid mit Stehkragen, dessen Rand mit einem ge» fälteten Spitzchen versehen ist. Auf dieser Spitze ruht das mächtige Doppelkinn. Manda hat sehr weißes Haar über dem roten Gesicht und die strahlendsten Augen der Welt. Eine bezaubernde alte Frau, denkt Anne und fühlt, daß sie die Geheimrätin nicht leiden kann. Sie fühlt aber auch, daß Margot sie mit schmalem, fest zusammen gepreßtem Mund mustert, so, wie es Irene Waitz manchmal tat.
Frau Wenzien hingegen lehnt den Oberkörper über den Tisch, zeigt mit dem Finger auf Anne und sagt gemütlich: „Was sind Sie doch mal für ein nettes Fräulein, so ein feines Gesicht habe ich lange nicht gesehen, und die Haare — na, überhaupt, wie Die Ponttnische Madonna sehen Sie aus."
Die Frau Geheimrat zuckt zusammen und sieht auf ihren Teller nieder, als sie merkt, daß die Um- fifeenben lächelnd ihren Tisch beobachten. Anne lacht hell heraus. Sie nickt der Alten zu und schließt durch dieses Nicken Freundschaft mit ihr, quer über den Tisch hinweg, eine Freundschaft nicht nur für sieben Tage. Aber Margot macht es wie die Frau Geheimrat, sie starrt auf ihren Teller und stammelt mit tief gerunzelter Stirn: „Sixttnische Madonna, Großmutter."
„Süh", ruft die Alle vergnügt, „so was verwechsel ich nu. Dann sind das andere wohl die Sümpfe, so der Duce eine Stadt braus gemacht hat? Ich dachte mir, die hießen Sixttnische Sümpfe. Na, dascha einerlei, ihr wißt ja, was ich meine, ich bin ja auch keine Malerin — woher! In meiner Jugend bin ich knapp in die Schule gegangen, wie ich so alt mar wie die Margot, da habe ich mit Aepseln auf dem Meßberg gesessen. Haben aber rvas eingebracht, die Aepfel, das waren noch gute Zeiten in Hamburg. Manda Wenzien konnte aber auch keiner was vormachen, ne—he. Und was glauben Sie woll, wenn das so in der Einmachezeit war, was ich da an Schattenmorellen verkaufte. Mer auch süße Kirschen, Kasbeern jagr „man in Hamburg dazu, ulkiges Wort — mch? —"
Sie lacht, ihr Doppelkinn wird rot vor Freude. Sie ist eine Frau aus dem Volke und will nicht mehr sein, als sie ist. Der große Speisesaal macht ihr nichts aus und nichts vor. Elegante Frauen kennt sie von ihrem Marktstand her, hoho, die haben tüchttg mit ihr gehandelt, ihr kann keiner was erzählen. Und alle, ob reich ob arm, kommen auf die gleiche Weise zur Welt. Ob Mann, ob Frau, der Herr Senator, die Frau Geheimrat oder Manda Wenzien — diese Ankunft in die Welt bleibt keinem erspart. Alles hat seinen Schick und sein Ansehen, der liebe Herrgott allein weih, was er will.
Die blaue Seide hinter den Bullaugen wird tiefer und leuchtender. Am Tisch der Frau Geheimrat ist es jetzt still. Die Menschen, die da zusammenfitzen, find zu verschieden, sie sind auch mißtrauisch gegeneinander. Frau Schönemann sieht das Mädchen Margot und ihren Enkel an. Aber um Gottes willen, er wird doch nicht für diese etwas übrig haben? Manda erzählt dies und das. Sie hat eine feine Kabine genommen und viel Geld ausgegeben, dafür will sie Spaß haben. Kann ihr das jemand Übelnehmen? Wenn keiner lacht, lacht sie über sich selbst — so ist es richtig. Und Anne fühlt, daß Christian Schwertfegers Äugen oft auf ihr ruhen, bas beglückt sie nicht gerade, bewahre, aber sie denkt, daß sie jetzt wie vorhin auf dem Sonnendeck an die Reeling gelehnt stehen möchte. Mehr denkt sie nicht, ausgeschlossen! Wenn sie ein wenig den Kopf wendet, sieht sie an ihm vorüber und sieht die dunkle Seide der Nacht, das ist schön, herrlich ist das, ein Märchen, nichts dagegen zu sagen, ein Märchen, wie man es in den Kinderbüchern lieft.
Der Steward neigt sich ein wenig über ihre Schulter. Er hat eine weiße Jacke an, er streckt den weißgekleideten Arm aus und serviert den zweiten Gang.---
Um Mitternacht verläßt der Dampfer „Columbus" Bremerhaven. Um Mitternacht fängt der Schiffsriese an zu beben. Es ist in allen Kabinen ein Knistern, wie Lachen übermütiger Geister zu hören. Ganz zart nur, nicht etwa zum Fürchten, nur so, daß die Passagiere, die wach werden, sich mit einem Ruck auf richten und wobl rufen: „Wir fahren, Himmel, fahren wir schon?
Wer eine Außenbordkabine hat, kann das sehr leicht feststellen. Anne steckt sofort den Kopf durchs Bullauge und erschrickt fast, denn ihr Kopf ist auf gleicher Hohe mit zwei anderen Köpfen, die beinahe zum Greifen dicht vor ihr find. Zum Greifen dicht natürlich nicht, das ist übertrieben, aber die Kavi- tänsbrücke eines der kleinen Tender, die den Riesen zum Hafen rauslotfen, ist natürlich nahe. Der Tender und der „Columbus" sind mit Scheinwerfern beleuchtet, sind in so grelles Licht getaucht, daß die Goldborten an den Uniformen des Tenderführers hell flimmern.
Wir fahren, denkt Anne mit einem tiefen Atem- zug. Das Land bleibt hinter uns, wir können nicht mäjr zurück. Sie steckt den Kopf noch weiter hinaus, so weit, daß der Wind ihre gelben Stirnhaare erwischt, wie Wimpel flattern sie. Sie lehnt sich raus und stößt kleine, Helle Schreie aus. Mit sich in der gleichen Höhe sieht sie zwei männliche Wesen, den Tenderführer und einen Knaben, auf der Kapitänsbrücke stehen. Der Knabe ist noch fast ein Kind. Er trägt ein hellblaues Klappkrägelchen, über das fein Jungengesicht ernsthaft unverwandt geradeaus sieht. Anne ruft: ,Hollo, hallo, Junge."
Sie möchte für ihr Leben gern irgend jemand ihre übergroße Seligkeit miterleben lassen.
Der Knabe wendet den Kopf, er hat in dieser Beleuchtung fast durchsichtige Augen. Er sieht Anne an, aber sein Blick ist ohne Verständnis für ihre Freude. Sofort schaut er wieder weg und geradeaus in die Ferne, als sei er der Kapitän und ver- anttvorttich für den Tender, den Ozeaner und die Passagiere. Er ist ein ernsthafter Junge, der diese Dinge selbstverständlich und keinen Spaß daran findet. Der weiß, was er will, der Junge, er läßt sich von einer Deern, deren gelbe Haare wie Bänder im Wind« flattern, nicht aus der Ruhe drinnen. Der Kapitän gibt ihm das Steuer zum Halten, das ist eine Sache! Für Sekunden dürfen sich die Knabenfinger um das braune, abgegriffene Ding legen, nur für so lange, als der Käpt'n beide Hände zur Muschel um den Mund legt und zum „Columbus" rüberruft: ,Lönnt si nu alleen?"
,Zo, huhlt af."
Matrosen laufen auf dem Tender hin und her, die Trossen werden eingeholt. „Bye, bye" schreit man, irgendeine Stimme grölt: „Hummel, Hummel", der Tender bleibt zurück. Der Kapitän hebt die Hand zum Gruß, er und der Junge sind durch das grelle Licht plastisch aus der Nacht gehoben. Dann wird es dunkel, bann ist die Nacht da, und das Meer rollt mit schweren Wellen. Man spürt den Salzhauch auf den Lippen, man sieht das rote Auge eines Leuchtturmes noch lange. — —
Anne schließt das Bullauge nicht, sie will das Meer rauschen hören. Der Wind fängt sich im Vorhang des Fensters, es knistert leise, das Kleckern des Wasiers klingt hell dazwischen. Anne kniet auf ihrem Bett. Sieh, da hat der Wind in dem Buch auf dem Nachttisch geblättert, in ihrem Buch, das doch nicht das ihre ist. Zwar kaim sie die Schriftzüge nicht sehen, aber. sie weih, daß irgendwo „Christian Schwertfeger" steht. Sie kniet auf ihrem Bett und unterhält sich mit ihm: „Ich bin heute abend deshalb so schnell in meine Kabine gegangen, weil ich todmüde war, Herr Schwertfeger, Sie werden mir das nicht Übelnehmen. Glauben Sie, daß das Mädchen Margot, die Malerin, wissen Sie, und ihr Freund Willem zum Tanzen gegangen find? Jky glaube es nicht, sie sind aber auch nicht aufs Sonnendeck gestiegen und beben sich nahe beieinander an die Reeling gelehnt, weil sie doch Freunde ober so was sind. Nein, ich weiß wohl, was sie gemacht haben. Sie haben wieder auf dem Promenadendeck gestanden und sich gezankt. Sie haben sich über ihr« Großmütter gezankt, weil sie es nicht verstehen, glücklich zu sein. Ich glaube beinahe, ich verstände es besser. Natürlich meine ich das nur so, weil ich doch jetzt schon glücklich bin, daß ich über das Meer fahre. Und denken Sie, sieben Tage werden wird unterwegs fein und die Wett sehen.
(Fortsetzung folgt)


